Die Peking-Oper- Eine Vorstellung

Don Juan d' Austria (19.02.2017, 20:53):
Die Peking-Oper- Eine Vorstellung

Liebe Forianer!
Als Anfang - wenngleich nicht wirklich "alt" - aber doch exotisch genug, um sie hier zu platzieren... :D

Die Peking Oper stammt, wie der Name schon sagt, aus der Region um die chinesische Hauptstadt Peking (Beijing).

Edit Satie:]
Allgemeine Informationen sind hier zu finden:

http://german.china.org.cn/german/155587.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Peking-Oper



Für unsere Ohren mag der Gesang der Frauen im Speziellen sehr kreischend und krächzend klingen, doch in China wird dieser Gesang als Höchstleistung für die Stimme angesehen! Dies mag für unsere Ohren daran liegen, dass man als Sänger in China nur 5 Töne beherrschen muss, was ganz konträr zu "unserem" gewohnten Musikempfinden ist.

Ich hoffe ich konnte die Pekingoper ein bissl näherbringen!

LG joschi


PS: Für alle Cineasten unter uns - der Film "Leb wohl, meine Konkubine" handelt von zwei Stars der Pekingoper. Basiert auf einem Roman von Bihua Lee, wenn jemand lieber liest...;)
satie (21.02.2017, 13:55):
wenngleich nicht wirklich "alt" - aber doch exotisch genug, um sie hier zu platzieren...
Lieber Don Juan,
ich habe das Thema in den Opern-Bereich verschoben, denn nach dieser Logik müssten wir alle Themen, die sich mit Gattungen der Entstehungszeit 17. Jahrhundert in den Bereich Alte Musik verschieben.
Ich möchte hier in Erinnerung rufen, dass es - ganz abgesehen davon, dass es nicht schicklich ist, sich mit fremden Federn zu schmücken - auch aus urheberrechtlichen Gründen unbedingt notwendig ist, die Textquellen anzugeben! Wir hatten das schon mehrfach betont, s. u. a. hier: Zitieren und Referenzieren
Oben habe ich die entsprechenden Quellen nun selbst eingefügt, eine Arbeit, die ich mir sehr ungern mache. Lange Beiträge aus anderen Quellen zu kopieren ist unnötig, da es keinen Mehrwert bietet. Ein Link genügt, entsprechend habe ich oben eingegriffen. Die Texte einfach mischen und keine Quelle angeben geht leider gar nicht, das ist schon ein echtes Plagiat, auch wenn wir es hier nicht "um Leben oder Tod" geht. Ehrlich gesagt staune ich ein wenig, dass die österreichischen Kollegen da nicht gemeckert hatten, von dort entstammt ja der Thread, wenn ich richtig gesehen habe. Übrigens: nein, ich durchforste nicht in meiner Freizeit das Internet nach solchen Dingen, aber da ich mich mit chinesischer Musik befasse, kamen mir die Texte all zu bekannt vor...
Ich danke für Dein Verständnis und möchte an dieser Stelle auch allgemein noch einmal darum bitten, Quellenangaben unbedingt in die Beiträge einzufügen.



Für unsere Ohren mag der Gesang der Frauen im Speziellen sehr kreischend und krächzend klingen, doch in China wird dieser Gesang als Höchstleistung für die Stimme angesehen! Dies mag für unsere Ohren daran liegen, dass man als Sänger in China nur 5 Töne beherrschen muss, was ganz konträr zu "unserem" gewohnten Musikempfinden ist.

Diesen Abschnitt muss ich inhaltlich doch kritisieren, denn er klingt so, als müsse man nur die Töne der pentatonischen Skala beherrschen und das wär's dann. Zwar ist es korrekt, dass in der Han-Musik die Pentatonik das tonal-modale Gerüst der Musik darstellt, aber zu beachten ist, dass es daneben die beiden bian-Töne gibt, die zeitweise die Skala zur Heptatonik erweitern und außerdem die Melodien einen ganz komplizierten Einsatz von Glissando-Verbindungen zwischen den Tönen erfordern. Für "unsere Ohren" mag das exotisch klingen, aber vereinfachen sollten wir das gerade heutzutage in unserer Denkweise deswegen auf keinen Fall. Es ist eine Kunstmusik, genau wie die indische Musik oder Gamelan auf Bali und Java. Ich habe bei meinem - wenngleich sehr kurzen - Aufenthalt in Shanghai und Umgebung und durch meinen Kontakt zu Chinesen erfahren, wie chinesische Musiker arbeiten und lernen, und ich kann nur sagen, da bleibt einem die Spucke weg, wenn man die technischen und ausdrucksmäßigen Fertigkeiten sieht und erlebt.


Herzliche Grüße
Satie
Cetay (inaktiv) (21.02.2017, 14:12):
Danke für die Erinnerung daran, dass musikalische Hochkultur nicht nur im Abendland beheimatet ist.

Um eine Vorstellung von der gewaltigen Ausdehnung der Peking-Oper zu bekommen, sei beispielhaft 昇平寶筏 (Sheng Ping Bao Fa, etwa: Das kostbare Floß des erhabenen Friedens) genannt. Sie handelt von der Geschichte eines Mönchs und seinen drei Kameraden auf dem Weg nach Westen auf der Suche nach buddhistischen Schriften. Das Stück basiert auf einem der Vier klassischen Romane Chinas und besteht aus 240 Akten. Heute wird selten mehr als ein Akt (der bis zu 7 Stunden dauern kann) einer Peking-Oper aufgeführt.

Die Bemerkung mit den 5 Tönen verstehe ich nicht so ganz. Bezieht sich das auf die überwiegende Verwendung der Pentatonischen Skala oder auf die 5 Töne der chinesischen Hochsprache (durch letztere erhält im Chinesischen eine ansonsten identische Kombination aus Anlaut, Vokal und Auslaut unterschiedliche Bedeutungen)?
Was den Gesang "schräg" macht, ist die Kombination aus beiden. Zum einen hat in der chinesischen Pentatonik die Quarte eine zentrale Funktion und das tut empfindsamen Ohren nicht gut - vgl. Schönbergs 1. Kammersinfonie. Zum anderen sind einige Töne der Sprache gleitend, besonders ungewohnt der sogenannte Dritte Ton, dessen Höhe erst abfällt und dann wieder -über das Ausgangsniveau- ansteigt. Diese beim Kunstgesang besonders ausgeprägt dargestellten Glissandi sind für Belcanto-verwöhnte Ohren natürlich Gift. Richtig kunstvoll- komplex wird das Ganze, wenn absichtlich “falsche“ Sprach-Töne verwendet werden, um Mehrdeutigkeit ins Geschehen zu bringen. Die Worte für “Drei“ und “Tod“ unterscheiden sich im Chinesischen lediglich durch den Ton. So kann man Bedrohung ausdrücken, wenn aus dem Kontext hervorgeht, dass “Drei“ gemeint ist, aber dennoch der Ton von “Tod“ gewählt wird. Das ist jetzt alles recht hemdsärmelig daher gesagt, aber es sollte ausreichen, um zu zeigen, dass man die Aussage, ein Sänger der Peking-Oper müsse nur fünf Töne beherrschen, so nicht stehen lassen kann.