Heike (05.08.2010, 22:44): Liebe Vinylliebhaber, ich habe eure Begeisterung gelesen, aber ich gestehe: ich verstehe es nicht. Schallplatten kenne ich aus meiner Jugend, aber ich habe sie ohne mit der Wimper zu zucken durch CDs ersetzt. Schallplatten knistern, kriegen schlimmstenfalls Kratzer und nehmen Platz weg.
Aber ihr habt meine Neugier geweckt, diese Liebesbeziehung zu begreifen. Was steckt dahinter? Warum kann man in diesem Forum Hochrufe lesen wie:
three cheers for vinyl Bitte klärt mich auf - also, es darf geschwärmt werden! :thanks
Heike
jünter (06.08.2010, 10:53): Unter den Musikliebhabern und Klang-/Technikfreaks gibt es kaum ein Thema, auf das der bekannte Spruch des alten Briest „Das ist ein weites Feld!“ besser zutreffen würde.
Seit Einführung der CD sind Kritiker, die ihr im Gegensatz zur Schallplatte ein „hartes“, „unnatürliches“ Klangbild vorwerfen nie verstummt. Wenn man sich viele der ersten volldigitalen Klassikaufnahmen („DDD“) aus den frühen achtziger Jahren – vor allem den häufig metallischen, klirrenden, übersteuerten Streicherklang – anhört, ist dies auch nicht zu bestreiten. Allerdings hat sich seitdem eine ganze Menge zum Guten gewendet, und zwar sowohl aufnahmetechnisch als auch bei der Hardware. Es gibt, vor allem von Herstellern aus Großbritannien, eine ganze Reihe von CD-Playern, die betont „analog“, d.h. eher „warm“, natürlich und damit schallplattenähnlich klingen (sollen).
Ich selbst habe mir vor einigen Jahren für meine ansehnliche Schallplattensammlung aus der Vor-CD-Zeit noch einen neuen Plattenspieler angeschafft, und zwar die als „unkaputtbar“ (hoffentlich!) geltende DJ-Maschine Technics SL 1210. Und in der Tat macht der zusammen mit dem guten, recht preiswerten Tonabnehmer Ortofon VinylMaster Red im direkten Vergleich zwar anders, aber genauso schön Musik wie mein (wesentlich teurerer) CD-Player. Das habe ich erst kürzlich wieder festgestellt, als ich die berühmte Aufnahme von Beethovens Pastorale mit Karl Böhm und den Wienern von 1971 auf Schallplatte und CD gehört habe.
Sfantu (06.08.2010, 12:58): Ein weites Feld, fürwahr.
Mich interessieren garnicht so sehr klangliche Unterschiede. Wenn ich ein-und-dieselbe Aufnahme parallel auf Schallplatte und CD laufen lasse und dabei per Quellenschalter hin und her springe, finde ich nicht, dass ein Medium schlechter klingt als das andere. Um so etwas "auditiv zu diskriminieren", bräuchte ich entweder Equipment im Kaufwert einer Eigentumswohnung oder sonstige klangliche Verbesserchen wie Netzfilter oder dergl. Nein, wodurch mich die Schallplatte überzeugt und klar die Nase vorn hat, ist zweierlei:
1. Nachdem vermehrte Hinweise auf die vergleichsweise kurze physische Lebensdauer der CD resp. der auf ihr gespeicherten Daten langsam zur Gewissheit reifen, steht für mich ausser Frage, dass die gut gepflegte Schallplatte das eindeutig ungleich länger haltbare Medium ist.
2. Durch ihr Format und damit das Format der Verpackung als auch ihre optische Präsenz während des Abtastens durch den Plattendreher - eine optische Präsenz, die hier mit der akustischen verschmilzt - spricht sie mehr Sinne an als die CD, die anonym in der Schublade verschwindet und ausser dem Klang nur hüpfende LCDs oder LEDs ausspuckt. Die Textbeilage aus einer LP-Box nimmst Du wie ein Buch in die Hand, es hat viel mehr Haptik, Beschaulichkeit, Zeremonie.
Natürlich dauert das alles ein wenig länger als auf eine Play-Taste zu drücken oder als ein Mouseklick: Bei mir kommt die Platte erst in die Waschmaschine, wird anschliessend auf dem Plattenteller mit einer Klemme gesichert und dann nass abgespielt - mit dem guten (älteren) Lenco-System. Dadurch wird die mechanische Abnutzung sowohl der Tonschrift als auch der Abtastnadel auf ein Minimum reduziert, Knistern verschwindet weitgehend oder ganz, der Klang ist entspannter, voller, wärmer. Hinterher nach Lufttrocknung abermals Befreiung von Staub und behutsames Wiedereinbetten des schwarzen Schätzchens in die saubere, gefütterte Innenhülle.
Dieser Aufwand ist aber völlig angemessen, ich geniesse dieses Drum & Dran auch als Ehrenbezeugung gegenüber dem Kunstwerk. Man hört so mit mehr eigener Präsenz, nicht beiläufig, wuppdiwupp & "die nächste bitte". Konfekt will in Ruhe genossen sein - wenn ich es esse wie Brot, verderb' ich mir den Magen daran.
Lasst es ein wenig spleenig sein - auf diese Weise komm' ich der Musik einfach viel näher.
Nicht unpassend fand ich einmal die Aussage, der Plattenspieler sei die "Modelleisenbahn des Audiophilen".
Severina (06.08.2010, 21:14): Hallo Sfantu,
das klingt ja wie eine Teezeremonie! :D Immerhin hast Du mich jetzt dazu gebracht, meine eineinhalb Meter Vynil nicht nur als überflüssige Staubfänger zu betrachten. (Nur meine Faulheit hat sie bisher vor einem Flohmarkt bewahrt :S ) Vielleicht sollte ich mir nach 15 Jahren doch wieder einen Plattenspieler zulegen?
lg Severina :hello
Amadé (06.08.2010, 21:35): Original von Sfantu Nicht unpassend fand ich einmal die Aussage, der Plattenspieler sei die "Modelleisenbahn des Audiophilen".
Lieber Sfantu! Ja die gute alte, eigene! Zeit, zuerst die Modelleisenbahn - mein Enkel soll sie jetzt mal "ausprobieren" - und dann ab 14 die eigenen LPs, kosteten damals meistens 25 DM. Bei den LPs bin ich geblieben, auch aus disen deinen Gründen:
1. Nachdem vermehrte Hinweise auf die vergleichsweise kurze physische Lebensdauer der CD resp. der auf ihr gespeicherten Daten langsam zur Gewissheit reifen, steht für mich ausser Frage, dass die gut gepflegte Schallplatte das eindeutig ungleich länger haltbare Medium ist.
2. Durch ihr Format und damit das Format der Verpackung als auch ihre optische Präsenz während des Abtastens durch den Plattendreher - eine optische Präsenz, die hier mit der akustischen verschmilzt - spricht sie mehr Sinne an als die CD, die anonym in der Schublade verschwindet und ausser dem Klang nur hüpfende LCDs oder LEDs ausspuckt.
Der Anteil von CDs hat allerdings die der LPs bei weitem übertroffen, dafür gibt es Gründe, z.B. die Wiederveröffentlichung von LP-Aufnahmen, an die man sonst nicht mehr heran kommt. Ich nenne mal stellvertretend die nicht hoch genug zu lobenden Original Masters oder die 4er-BOX Berliner Philharmoniker Rediscovered. Leider scheinen die Original Masters bei den Produzenten - wohlgemerkt bei ihnen, die die noch nicht gehobenen Schätze in ihren Archiven nicht kennen - vergessen worden zu sein. Gern greife ich jedoch immer wieder zur alten LP, viele auch nass abgefahren, wie bei Dir.
Gruß Amadé
daniel5993 (06.08.2010, 22:27): Guten Abend Heike, jünter, Sfantu und ihr anderen,
Sfantu sagte, dass er der Musik durch die Platte näher kommt. Das kann ich nur unterstreichen!
Die Musik fängt für mich an zu leben, ich sehe eine große Schallplatte vor mir, ich greife sie und fühle diese übergroße „Scheibe“ in meiner Hand, ich fühle mich sogleich durch das Cover angezogen, sehe diese großen, meist sehr schönen Bilder aus längst vergangenen Tagen und da passiert es schon, ich hab mich träumend in diese Zeit zurückversetzt. Ich sehe in einer ganz alltäglichen Bildaufnahme diese Menschen auf einmal lebendig, kann mich in Ihren Tagesablauf hineinversetzten, denke über jegliche Personen auf dem Bild nach, sehe die Sonne, die gerade untergeht (wie hat sie sich doch bis heute nicht verändert?!), ich sehe die Wassermühle, das Rad, wie es Wasserschöpfend sich herrumdreht, spüre den Windhauch, kann auf dem Bild erkennen, wie die Mama ihre Kinder ins Haus ruft, wo das Feuer bereits brennt, sehe mit nostalgischem Herzen, wie friedlich die Welt in diesem Moment sein muss. Friedlich vielleicht auf den ersten Blick und dann denk ich wie schwer es doch damals gewesen sein muss……… Was denken wohl die Leute gerade? Und dann sehe ich auf dem langen sich schlängelnden Weg……immer näher kommen, ja, es muss Franz Schubert sein, Gedankenversunken, gerade über die Flussbrücke marschierend, das Holz knarrt und biegt sich unter ihm und dann denk ich, wenn der man nicht gerade den „Schwanengesang“ im Kopf komponiert. Und, da seh ich den Schwan auch schon………..
All diese Eindrücke gehen mir nahe und ich träume mich da so hinein, wenn die Zeit es erlaubt. Und während die Platte noch immer läuft, habe ich einen Film gesehen, welcher vor 180 Jahren so hätte aufgenommen werden können, wenn man das damals hätte tun können. Und schon höre ich die Musik anders, ich sehe Schubert und die Welt von damals anders, ganz von meiner Fantasie getragen.
Dann drehe ich die Plattenhülle um und sehe, wie die Lieder des Schwanengesangs alle in Textform auf die Rückseite gedruckt sind, dazu findet sich auch immer noch Platz. Ohne die CD Box sorgfältig öffnen zu müssen, ohne dass ich zu meiner Lupe greifen muss, mir das Booklet runterfällt und die Seiten einreißen, sehe ich dort zu allem Überfluss noch einen Text mit dem „Werdegang“ Schuberts, ein paar Anmerkungen zu der Zeit und den Umständen unter denen Schubert dieses Werk geschrieben hat. ALLES auf EINER Seite, ohne große Anstrengungen zu machen an diese Informationen zu gelangen. Während dieses ganzen Ablaufes sehe ich die Platte, wie sie sich bewegt, höre ab und zu ein Knistern, eine Welle und merke, wie all das dazu beiträgt die Musik lebendig zu machen. Dazu diese ganzen Spielereien um die Platte: Hegen und Pflegen, das Waschen auf der vielleicht bald eigenen Plattenwaschmaschine, das wechseln der Hülle, die Plattenbürste, welche die Platten zwischendrin mal von Staubkörnchen und Haaren befreit…. usw.
Ich höre hier mal auf, sonst würde ich kein Ende mehr finden. Ich bin durch und durch ein Träumer, glaub ich.
Heike, als ich deine Frage gelesen habe, dachte ich, dass ich viele Vorteile und Nachteile bei genauem Überlegen hätte beitragen können, aber das wäre nicht der echte Daniel gewesen, wie er über dieses Medium denkt, desshalb hab ich mich einfach treiben lassen. Also eine „innigere“ Antwort wirst du von mir nicht bekommen können. Vielleicht kannst du es ja nachvollziehen.
Grüße Daniel (der unbedingt jetzt schlafen muss)
Heike (07.08.2010, 00:25): Ich danke euch schon mal für eure wirklich sehr beeindruckenden Liebeserklärungen an die gute alte Schallplatte! Einiges kann ich sogar jetzt gut nachvollziehen, und tatsächlich packt auch mich fast ein wenig die Neugier, wie Sevi: Vielleicht sollte ich mir nach 15 Jahren doch wieder einen Plattenspieler zulegen? Liebe Sevi, mir gehts ganz ähnlich, bei mir stehen auch noch etliche Relikte aus der guten alten Zeit hier rum und irgendwie werden sie jetzt direkt wieder interessant. Heike
Sfantu (07.08.2010, 01:51): Liebe Heike & alle Anderen,
wenn schonmal ein Funken von Neugier bei euch aufblitzt, dann wär' als weiterer Appetizer der Besuch in einem Plattenladen angezeigt.
Kennt ihr den Film "High Fidelity" mit John Cusack? Leider sehr wirklichkeitsnah wird dort dargestellt, wie man in diesen Etablissements als Kunde behandelt wird: betont schnodderig, unhöflich, dickfällig. Das Recht, überhaupt wahrgenommen, zurückgegrüsst, geschweigedenn eigeninitiativ gegerüsst zu werden, muss man sich durch wiederholte unterwürfige Präsenz erarbeiten - Sachfragen werden mundfaul und oft ironisch pariert. Nicht selten dienen Plattenläden in erster Linie als Bühne zur Selbstabfeier der sie Betreibenden - und das gilt leider für die auf Klassik spezialisierten in gleichem Masse.
Eine handvoll rühmlicher Ausnahmen entnehmt bitte meinem begrenzten Erfahrungsschatz:
1. Über lange Jahre der Plattenhändler meines Vertrauens, gleich welcher Musikrichtung:
ARCHIV-Schallplatten auf der Hohen Strasse in Dortmund, direkt südlich der S-Bahn-Brücke und etwa 30 m nördlich der U-Bahn-Haltestelle Saarlandstrasse. Hier gibt es eine kleine aber feine Auswahl im Klassik-Bereich bei Angebots-Schwerpunkt auf Independent-Rock und Jazz, Regelpreis pro Scheibe 3,- Euro - und das Beste: weist eine Platte Kratzer auf, die zum Springen der Nadel führen, wird der Kaufpreis erstattet. Überflüssig, zu erwähnen, dass das der Grundstein für einen treuen und zufriedenen Kundenstamm ist.
2. MAIKÄFER, unweit des Martinstors in Freiburg i. Br.: Ungleich grössere Auswahl im Klassik-Bereich mit Einheitspreis 2,- Euro
3. ein (schwerpunktmässig) Buchantiquariat auf der Brandenburger Str. unweit des Brandenburger Tors in Potsdam (in Laufrichtung Brandenburger Tor und Sanssouci eines der letzten Häuser auf der rechten Seite) Im "Hinterzimmer" hunderte Klassik-LPs zu einem Stückpreis von 1,- Euro
4. & 5. Die "Brocantes" (schwiizerdüütsch "Brockenstüebli") "Croix bleu" und "Gloryland" in Chavannes-pre-Renens, vor meiner Haustür - Trödelläden mit einer Plattenauswahl, die allein bei Klassik im 5stelligen Bereich liegt und mit einem Regelpreis von 1,- CHF (!!!) (falls Interesse, Kost & Logie frei bei uns (Kontraindikation Katzenallergie)).
Ansonsten bieten immer wieder auch professionelle Händler auf Flohmärkten gute Ware (zu etwas höheren Preisen) feil, wie etwa auf dem 17. Juni in Tiergarten, immer sonntags.
Maximalen Entdeckerspass bieten aber private Flohmarkt-Anbieter oder die in Deutschland inzwischen weit verbreiteten Sozialkaufhäuser.
:hello Sfantu
Armin70 (07.08.2010, 07:05): Hallo,
offensichtlich gibt es hier im Klassik-Forum einige Liebhaber der guten alten Vinyl-Schallplatte. Ich gehöre nicht zu dieser Fraktion, da mein Interesse an der Musik insgesamt, insbesondere an der klassischen Musik, gleichzeitig mit dem Einzug und der Verbreitung der CD erwachte. Aus diesem Grund hatte ich mir so ziemlich von Beginn an fast ausschliesslich CD`s gekauft, d. h. ab Mitte der 1980er Jahre. Übrigens kann ich die hier zu lesende Behauptung von der begrenzten Lebensdauer von CD`s weder bestätigen, noch nachvollziehen, da meine ältesten CD`s, die immerhin ca. 25 Jahre alt sind, genauso frisch und neu klingen wie an dem Tag, als ich sie kaufte.
Vor knapp 2 Jahren bekam ich aus dem Nachlass von Verwandten eine größere Anzahl von Klassik-CD`s. Darunter befand sich auch eine nicht unerhebliche Anzahl an LP`s mit klassischer Musik. Ich selbst besitze keinen Plattenspieler und ich verspüre ehrlich gesagt auch kein Interesse, mir einen anzuschaffen. Es wäre aber auch schade, wenn diese LP`s bei mir im Keller verstauben und irgendwann vielleicht überhaupt nicht mehr abspielbar sind. Da mir der Verkauf auf dem Flohmarkt oder bei Ebay zu umständlich ist, kam mir jetzt die Idee, diese LP`s interessierten Forianer/innen anzubieten.
Darunter befinden sich z. B. Aufnahmen von Bach bis Vivaldi. An Interpreten sind u. a. folgende vertreten: Richter (Bach), Harnoncourt (Bach, Mozart und Vivaldi), Ferencsik (Beethoven), Blomstedt (Bruckner), Forster (Haydn), Karajan (Brahms, Tschaikowsky, Vivaldi), Marriner (Händel, Mendelssohn, Mozart), Kempe (Beethoven), Horowitz (Recital in Moskau), Neumann (Dvorak), Brendel und Serkin (jeweils Mozart) etc. Für Liebhaber von Horn- und Trompetenkonzerten gibt es einige Aufnahmen mit Hermann Baumann (Horn) und den Trompetensolisten Maurice Andre sowie Ludwig Güttler und noch vieles mehr.
Falls jemand Interesse hat und nähere Infos haben möchte, kann man mir gerne eine PN senden.
Gruß Armin
Heike (07.08.2010, 08:58): Hallo, Kennt ihr den Film "High Fidelity" mit John Cusack? Ja, den habe ich sogar auf DVD, eigentlich eine gute Gelegenheit, den mal wieder anzusehen. Was den Plattenladen angeht - hier in Berlin gibt es sicher einige Plattenläden und auf Flohmärkten bin ich auch schon (achtlos) an Kisten mit LPs vorbeigegangen. Selbst Dussmann (wo ich ja regelmäßig zu finden bin) hat eine Vinylabteileung. Und, ich habe ja etliche Platten, aber keinen Plattenspieler mehr. Das Argument mit der sinnlichen Erfahrung von Musik leuchtet mir jedenfalls unmittelbar ein, also ich werde die Platten erstmal behalten, wer weiß, vielleicht kaufe ich mir ja mal wieder so ein Drehtellerding... Heike
Sfantu (07.08.2010, 12:06): Hallo Heike,
ja, ich bin sicher, gerade in Berlin findest Du um die 2-3 Dutzend Plattenläden. Ein archetypisches Beispiel für einen auf Klassik spezialisierten mit den beschriebenen Attributen wie Desinteresse, im besten Fall Reserviertheit den Kunden gegenüber, findest Du in Charlottenburg: MUSIC TRAIN auf der Kantstrasse (Nordseite) zwischen Kaiser-Friedrich-Strasse und Lietzensee. Leider hat der aber auch ein unverschämt gutes und grosses Sortiment -übrigens auch an CDs, soweit ich mich erinnere.
Wenn Du schonmal einen Spaziergang dort unternimmst, bietet sich ein Schlenker zur nächsten nördlichen Parallelstrasse an, der Pestalozzi. Auf dem Abschnitt zwischen Suarez- und Winscheidstrasse liegt das Cafe Wald - traditionelles handgefertigtes Königsberger Marzipan (verboten gut :down). Dann trink' bitte eine heisse Schokolade für mich mit und deck' Dich mit den kleinen Köstlichkeiten ein - die passen auch vorzüglich zu musikalischen Genüssen...
:hello Sfantu
Cetay (inaktiv) (08.08.2010, 12:46): Original von Heike Liebe Vinylliebhaber, ich habe eure Begeisterung gelesen, aber ich gestehe: ich verstehe es nicht. Schallplatten kenne ich aus meiner Jugend, aber ich habe sie ohne mit der Wimper zu zucken durch CDs ersetzt. Schallplatten knistern, kriegen schlimmstenfalls Kratzer und nehmen Platz weg.
Aber ihr habt meine Neugier geweckt, diese Liebesbeziehung zu begreifen. Was steckt dahinter? Warum kann man in diesem Forum Hochrufe lesen wie:
three cheers for vinyl Bitte klärt mich auf - also, es darf geschwärmt werden! :thanks
Heike
1. Die Schallplatte klingt besser. Punkt.
Darauf kommen immer irgendwelche Verweise auf wissenschaftliche Studien, in denen unter unbestechlichen Laborbedingungen nachgewiesen wurde, dass die Probanden im A/B Vergleich keine signifankte Zuordnung vornehmen konnten, was von der analogen und was von der digitalen Quelle stammt. Schön und gut, nur was besagt das? Es besagt, dass unter unbestechlichen Laborbedingungen nachgewiesen wurde, dass die Probanden im A/B Vergleich keine signifankte Zuordnung vornehmen konnten, was von der analogen und was von der digitalen Quelle stammt. Mehr nicht. Ich höre aber nicht unter Laborbedingungen, sondern zu Hause und ich achte nicht primär auf den Klang sondern auf die Musik. Die Laborbedingungen bilden gerade nicht die Realität ab und kein A/B Vergleich erfasst, was wirklich hinter einem guten Klang steckt. Der ist nur Mttel zum Zweck, nämlich Anstrengungs-, Ablenkungs- und Ermüdungs-frei ggf. über einen langen Zeitraum konzentriert Musik zu hören und dabei so in die Musik hineingezogen zu werden, wie es in einem guten Konzert passiert. Was wollte man am Klang einer Anlage, die das schafft, noch verbessern wollen? Eben. Und wenn man diese Kriterien heranziehen würde, dann käme etwas ganz anderes heraus als beim tumben A/B Vergleich im Schalllabor. Nämlich, dass die Schallplatte dem geneigten Hörer (öfters) das ganzheitlichere Musikerleben bieten kann. Fakt ist, dass auf der CD das ürsprüngliche Analogsignal verhackstückt ist und durch den D/A Wandler und Filter wieder ungefähr in das Original zurückverwandelt wird. Die Betonung liegt auf ungefähr, denn weil der Wandler das Original nicht kennt, muss er interpolieren. Im zurückverwandelten Analogsignal finden wir daher digitale Artefakte, mit denen unser analoger Hörsinn nichts anfängt. Diese Störenfriede müssen vom Hirn ausgeblendet werden, was für die Zeit eines A/B-Vergleichs sicherlich funktioniert, auf Dauer aber anstrengt und bei vielen Hörern Unbehagen und Genervtheit nach sich zieht. (Vor diesem Hintergund werden A/B Vergleiche dann besonders absurd, wenn dafür von der CD ein Direktschnitt auf LP angefertigt wird . Wenn wir ein schon digital verseuchtes Signal auf LP pressen, dann kann es nicht besser klingen.)
2. Sie ist ein bewußter Haltepunkt innerhalb der Schnelllebigkeit und des Werteverfalls im digitalen Zeitalter.
Mechanische Uhren oder die ganze Retro-Welle, die wieder nach "echten" Haushaltsprodukten verlangt, zielen in die gleiche Richtung. Mir geht die Digital(un)kultur jedenfalls ziemlich auf den Sender. Der CD haftet etwas billiges an. Diese schnell verkratzenden Plastikhüllen, die lieblosen Booklets. Zum Glück gibt es mutige Labels, die dazu ein Gegengewicht schaffen, sonst wäre die CD auch bald am Ende. Musik nur noch auf Knopfdruck von der Festplatte. Keinerlei Berührung mehr mit der Technik der Musikreproduktion. Jeder Dödel kann durch Herumschrauben und Herumexperimentieren mit verschiedenen Tonarmen und Tonabnehmern, mit Basen, Auflagen, Justierungen den Klang seines Plattenspielers in die eine oder andere Richtung ("tausche Tiefenstaffelung gegen warme Klangfarben") tunen. Wie kalt und leblos muss einem daneben die Digitalkonserve vorkommen, samt ihren fast genau so leblosen Nutzern in ihrem genormten Konsumsklavendasein...
Befor ich mich jetzt weiter hineinsteigere, gehe ich lieber frühstücken. :cool
Severina (08.08.2010, 13:52): Au weia, jetzt hast Du's uns aber gegeben!!! :D :D :D Aber ich versteh Dich schon: Der gleiche Horror erfasst mich bei dem Gedanken, dass es Bücher irgendwann nur mehr digitalisiert geben könnte! Lesen, ohne das Buch körperlich zu spüren, ohne das Knistern beim Umblättern zu hören, ohne die Freude am schönen Schriftbild, an einer besonderen bibliophilen Aufmachung - nein, das will und kann ich mir nicht vorstellen! Ähnlich ergeht es Dir und den anderen Vynilfans wohl beim Anhören einer "kalten" CD. Da ich seit 25 Jahren keinen Plattenspieler besitze, kenne ich den Unterschied gar nicht mehr und bin glücklich und zufrieden mit meinen silbernen Scheiben. (In einem muss ich Dir allerdings widersprechen: Die Booklets sind oft wunderschön gestaltet - natürlich nicht bei den Billiglabels" - und wesentlich informativer als die früheren "Beipackzettel" zu den LPs. Also zumindest zu denen, die ich noch besitze!)
Eines kann ich aber gar nicht: Mir eine Oper, ein Konzert auf dem PC anzuschauen oder anzuhören! Das empfinde ich ähnlich, wie wenn mir ein Bordeaux in einem Plastikbecher serviert wird. Der PC ist für mich ein notwendiges Arbeitsgerät, aber kein "Genussmittel", deshalb übt auch youtube auf mich null Reiz aus. Diese Musikschnipsel dort, meist in mehr als fragwürdiger Qualität, geben mir überhaupt nichts.
Ja, und Deine Abneigung gegen eine zunehmend digitalisierte und technisierte Welt teile ich aus vollem Herzen, aber das ist hier wohl wirklich OT!! lg Severina
jünter (08.08.2010, 14:09): Original von Cetay Die Schallplatte klingt besser. Punkt.
Hallo Cetay, Einspruch! Deine Behauptung kann man in ihrer Allgemeinheit nicht stehen lassen, weil der Klang sowohl bei Vinyl als auch bei der CD doch sehr hardwareabhängig ist (wem ich mit meinem Technikgesabbel mittlerweile auf die Nerven gehe - ich bin ein strikter Verneiner z.B. der Behauptung, dass CD-Player alle gleich klingen - der soll bitte nicht weiterlesen).
„Plattenspieler“ für 100 - 150 Euro (treffendere Bezeichnung: unsägliche Plärrkisten), die vereinzelt bei den allseits bekannten Elektro-Großmärkten herumstehen, klingen mit Sicherheit nicht „besser“ als ein CD-Player der gehobenen Klasse (ab ca. 800 Euro); umgekehrt gilt etwa das Gleiche.
Und dann hängt natürlich das, was an unser Ohr dringt, maßgeblich von der Qualität der Aufnahme ab: Keine noch so gute und teure Anlage kann letztlich aus einer schlechten Aufnahme - sowohl von Schallplatte als auch von CD - ein Klang- und Hörerlebnis herbeizaubern. Und dass zumindest nicht jedes digitale Remastering älterer Analogaufnahmen gänzlich misslungen ist, dürfte unbestritten sein.
Ich für mein Teil möchte - schon wegen meiner Schallplattensammlung - auch langfristig keinesfalls auf meinen Plattenspieler verzichten, aber ich gestehe, dass ich den Bedienungskomfort der CD (kein Umdrehen, Titelsprung usw.) schon als sehr angenehm empfinde.
Schöne Grüße von einem leblosen Konsumsklaven!
Cetay (inaktiv) (08.08.2010, 14:29): Original von Severina Au weia, jetzt hast Du's uns aber gegeben!!! :D :D :D
Ich darf das, weil ich mich selbst nicht ausnehme. :)
Ich war seinerzeit selbst blöd genug, den Versprechungen der Audio-Industrie zu glauben und meine Plattensammlung zu verscherbeln, um das Geld dann in CDs zu investieren. :I Und ich höre selbst (im moment noch) ausschließlich von CD.
Ganz so scharf wie geschildert, stellt sich das Problem heute vielleicht nicht mehr dar. Es gibt zum Glück noch enthusiastische Unternehmen, die das Musikerlebnis in den Vordergrund stellen und digitale Geräte entwickeln, welche auf die geschilderten "höheren" Aspekte der Musikwiedergabe ausgerichtet sind. Was die technisch genau anders machen, weiß niemand so recht, denn meßbar ist da nichts. Der Unterschied liegt in der Entwicklung. Während ein Massengerät darauf gezüchtet wird, meßtechnisch gut dazustehen und im A/B Vergleich (da haben wir ihn wieder) beim Händler irgendwie aufzufallen, wird ein echtes audiophiles Gerät in langwierigen Versuchen nach Gehör auf "Musikalität" (Live-haftigkeit und Langzeittauglichkeit) getrimmt. Ganz billig ist der Spass freilich nicht.
Sfantu (08.08.2010, 14:44): Ihr Lieben,
schön, zu sehen, dass es hier keine erbitterten Betonfronten Analog kontra Digital gibt (soweit ersichtlich).
Und ich finde das Für & Wider auch ganz fruchtbar und lehrreich.
:hello Sfantu
Nightrider (08.08.2010, 17:28): Original von Cetay 1. Die Schallplatte klingt besser. Punkt. Im zurückverwandelten Analogsignal finden wir daher digitale Artefakte, mit denen unser analoger Hörsinn nichts anfängt.
2. Sie ist ein bewußter Haltepunkt innerhalb der Schnelllebigkeit und des Werteverfalls im digitalen Zeitalter.
Hallo Cetay,
ich möchte Deine Begeisterung in keinster Weise schmälern, aber die von Dir aufgeführten technischen Argumente halte ich nicht für stichhaltig. Die Störungen durch die digital-analog Umwandlung sind nicht wahrnehmbar (weder bewusst noch unbewusst). Und mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sie geringer als bei der analogen Technik, wo es ja eher mehr Fehlerquellen gibt. Zudem kann die CD einen größeren Frequenz- und Dynamikbereich abbilden.
Klangliche Unterschiede zwischen CD und LP würde ich hauptsächlich auf die Abmischung (bei Aufnahme und/oder Wiedergabe) zurückführen. Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass Toningenieure in den Anfangsjahren der CD einen eher "sterilen" Klang produziert haben, um die Vorteile des neuen Mediums zu demonstrieren (oder weil sie mit der neuen Technik noch nicht so vertraut waren ?). Daher ist es völlig legitim, dass Du den wärmeren Klang einer LP vorziehst, aber an der Technik als solcher liegt es bestimmt nicht.
Was die Haptik von CD-Verpackungen angeht, fällt mir auf, dass Plastik-Boxen immer häufiger durch Karton ersetzt werden. Ist das eine Kostenfrage, oder auch ein Retro-Trend ?
Ich hoffe auch nicht, dass sich MP3 nicht so schnell durchsetzen wird (außer für unterwegs). Ich krame viel lieber in meinen CD-Stapeln, als in einem iPod-Menü.
Schöne Grüße, Peter
Cetay (inaktiv) (09.08.2010, 17:27): Original von Nightrider Original von Cetay 1. Die Schallplatte klingt besser. Punkt. Im zurückverwandelten Analogsignal finden wir daher digitale Artefakte, mit denen unser analoger Hörsinn nichts anfängt.
2. Sie ist ein bewußter Haltepunkt innerhalb der Schnelllebigkeit und des Werteverfalls im digitalen Zeitalter.
Hallo Cetay,
ich möchte Deine Begeisterung in keinster Weise schmälern, aber die von Dir aufgeführten technischen Argumente halte ich nicht für stichhaltig. Die Störungen durch die digital-analog Umwandlung sind nicht wahrnehmbar (weder bewusst noch unbewusst).
Der technische Aspekt bei der Erklärung von Klangdifferenzen ist in der Tat der uninteressante Aspekt, wenn es darum geht, die Faszination der Schallplatte zu ergründen. Mit erscheint der Effekt von Artefakten durch die Quantisierung als Erklärung am plausibelsten. Wenn es zwischen CD und SACD wegen der unterschiedlichen Samplingraten einen hörbaren Qualitäts-Unterschied gibt (und das zweifelt kaum jemand an), dann muss der gleiche Effekt auch beim Vergleich CD zu LP auftreten, da letzere eine noch höhere (quasi-unendliche) "Samplingrate" besitzt als die SACD. Das ist aber nur hemdsärmlig herumvermutet, von Wissen kann hier keine Rede sein. (Das ist ein Merkmal unseres Informationszeitalters: Jeder redet mit, auch wenn er das gefundene Wissen nicht selbst verifiziert hat). Es gibt für Interessierte viele Web-Seiten auf denen das Thema objektiv und sachlich-kompetent abgehandelt wird und mir scheint, dass man sich drauf geeinigt hat, dass beide Formate friedlich koexistieren können und müssen.
Vieles gibt es nicht auf Vinyl und wenn, dann muss man sich erst mal versichern, dass für die LP nicht der digitale Master verwendet wurde, ansonsten kombiniert man die Nachteile beider Formate. Wobei sogar gelegentlich ein Fragezeichen dahinter gesetzt wird, dass mit der Analogtechnik verbundene Störungen wie Rauschen, Knistern, Sättigungsverhalten, etc. wirkliche Nachteile seien. Ich erinnere mich an einen Vergleichstest zwischen einem Original von CD und einer Aufnahme für die zunächst die CD direkt auf LP geschnitten und von dort wieder zurück auf CD gerippt wurde. Die 2te Variante fand deutlich mehr Anklang (die typischen Analogklischees: wärmer, natürlicher). Als Erklärung kommt eigentlich nur in Frage, dass die von der LP herrührenden Störungen das Klangbild subjektiv verbessern. Oder die Anlaogfreaks haben am Rauschen erkannt, dass es sich hier wohl um die LP handeln muss und ihre Erwartungen in den Klang hineingehört. Wie gesagt, man sollte solche A/B - Vergleiche nicht allzu ernst nehmen. Es gab auch schon Tests bei denen zwischen A und B überhaupt nichts verändert (sondern nur so getan) wurde und trotzdem nach einiger Zeit einhellig Unterschiede gehört wurden. (Daraus wiederum zu schließen, dass alle bei Vorführungen und Vergleichen gehörten Unterschiede nur eingebildet seien, ist natürlich grober logischer Unfug, wird aber trotzdem gerne gemacht). Letzlich zählt nur eines: Die eigene Befindlichkeit beim Musikhören. Wenn die den eigenen Erwartungen entspricht, dann ist der Klang "richtig" (wenn auch nicht im strengen HiFi-Sinne).
Für mich liegt die Faszination der Schallplatte weiter im "Modelleisenbahn-Charakter" begründet. Bei der CD-Wiedergabe wird der Konsument in gewissen Sinne entmündigt. Die Scheibe verschwindet im Rachen einer Schublade und fertig. Herumprobieren und Experimente sind nicht drin. Für Technikmuffel ist das ideal, für Menschen, die einen Bezug zu den Gebrauchsgegenständen, mit denen sie sich umgeben, haben wollen, bietet der Plattenspieler deutlich mehr. Manche Hersteller haben auf diesen Spieltrieb reagiert und ihre CD-Player mit verschiedenen Einstellmöglichkeiten versehen. So kann man bei einigen Modellen zwischen verschiedenen Digitalfiltern und/oder zwischen verschiedenen Upsampling-Raten wählen - aber die Auswirkungen auf die Klangcharakteristik sind marginal im Vergleich zu dem, was etwa der Austausch eines Tonabnehmersystems bewirken kann.
Es gibt noch einen dritten Aspekt, jenseits von Klang und Spieltrieb. Ein Plattenspieler hat einfach mehr "Seele". Das sind oft mechanische Wunderwerke, die wenig von dem Fließbandcharakter modernen Audio-Equipments haben. Es verhält sich ähnlich wie bei mechanischen Uhren. Sie sind teurer, ungenauer und störanfälliger als jede Quarzuhr, aber der Boom ist ungebrochen. Offenbar wollen viele Konsumenten innere Werte, etwas Lebendiges (eine schwingende Unruh erinnert an das Herz, eine Batterie an Giftmüll), mit Handarbeit gefertigte, faszinierende Mechanik. Für sie verkörpert die Uhr innere Werte wie ein teures Schmuckstück. Warum legt man sich teuren echten Schmuck um den Hals, obwohl kein Mensch merkt, wenn man statt dessen Imitate trägt. Ich glaube, wer diese Frage für sich beantworten kann, findet auch heraus, was hinter der Schallplatte, dem unbekannten Wesen steckt.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41hT5L8NpdL._SL500_AA300_.jpg Pro-Ject Xperience Classic Plattenspieler (Tonabnehmer Low-Output MC Ortofon MC Rondo Red)
ab (16.08.2010, 21:27): Original von Heike Was steckt dahinter? Warum kann man in diesem Forum Hochrufe lesen wie:
three cheers for vinyl Bitte klärt mich auf - also, es darf geschwärmt werden! :thanks
Heike
Aufgenommene Musik weist – leider – durch die Aufnahmetechnik Verzerrungen auf. Diese Verzerrungen werden dann durch die Wiedergabetechnik weiter verzerrt. Daher klingen Aufnahmen notwendigerweise immer verzerrt, also anders als die Musik beim Aufnehmen geklungen hat.
Nun gibt es Verzerrungen, die als angenehm(er) und solche, die als unangenehm(er) empfunden werden. (Ja, sogar Verschlechterungen mehrfacher Art durch verschiedenen „schlampige“ Technikkomponenten können zu einem angenehmeren Hörerlebnis führen, obwohl die Verzerrungen zugenommen haben.)
Vinyl scheint die Eigenschaft aufzuweisen, Verzerrungen hervorzubringen, die (in der Regel) als ausnehmende angenehm empfunden werden. That’s all. "
Ich stimme Cetay oben also zu bezüglich der "typischen Analogklischees: wärmer, natürlicher". Als Erklärung kommt nur "in Frage, dass die von der LP herrührenden Störungen das Klangbild subjektiv verbessern." Ich widerspreche aber Cetay, insofern für mich der technische Aspekt bei der Erklärung von Klangdifferenzen in der Tat der einzig interessante Aspekt ist, wenn es mir darum geht, die Faszination der Schallplatte zu ergründen.)
By the way: Die Frage bezüglich der Aufnahmetechnik digital vs. analog, also nach der zwischen Tonband vs Digitalwandler ist eine gänzlich andere und wesentlich komplexere.
:hello
Solitaire (17.08.2010, 09:39): Ich habe gerade nicht viel Zeit, möchte aber nicht unerwähnt lassen, daß ich meine alten Operngesamtaufnahmen auf Vinyl nie, nie, nie verkaufen, verhökern, verzocken oder gar auf den Müll schmeißen könnte. Das wäre ja, als würde ich meine Kinder, so ich welche hätte, verkaufen. :I Ich höre sie auch hin und wieder, denn diese im Laufe von Jahren vom Taschengeld, später vom ersten Ausbildungsgehalt erstandenen Schätze können durch keine klanglich noch so gute Wiederveröffentlichung auf CD ersetzt werden. Gobbi als Rigoletto, Callas als Norma, Cotrubas als Violetta und Pavarotti als Jahrhundert-Rodolfo habe ich auf Vinyl kennen- und liebengelernt, diese Erinnerungen verrät man nicht indem man die Schallplatten abschafft. Das ist vielleicht sentimental, aber so ist es nunmal. Dennoch habe ich die eine oder andere Aufnahme inzwischen auch auf CD, aber es ist schon etwas ganz besonderes, die Schallplatte, vorsichtig, vorsichtig! aus der Hülle zu holen, auf den Plattenteller zu legen und danach auf Zehenspitzen Richtung Sofa zu schleichen damit die Nadel nicht springt. Und wenn ich mir die großen Texthefte ansehe die es früher gab...da sind immer noch die Stellen angestrichen, die mir als Teenie ganz besonders gut gefallen habe. Zum Beispiel als Marquis Posa zum allererstenmal in meinem Mädchenzimmer verstorben ist... Ich bin eben eine sentimentale Kuh. Im Übrigen: auf meiner Bohème mit Pavarotti und Freni gibt es bei
Una terribile tosse l'esil petto le scuote e gia le smunte gote di sangue ha rosse
Einen heftigen Kratzer: bei “Sangue” springt die Platte seit nahezu 25 Jahren, und so schade das musikalisch auch ist: bis heute habe ich das Gefühl, das irgendwas nicht stimmt wenn ich die Aufnahme auf CD OHNE Sprung höre...
Sfantu (17.08.2010, 12:40): Liebe Solitaire,
vielleicht gibt es noch Hoffnung für Deine versehrte Schallplatte (dass der "Kratzer" aber auch ausgerechnet auf "sangue" sitzten muss - wie vieldeutig... :P), es sei denn, Du hast ihn inzwischen so liebgewonnen, dass Du ihn nicht mehr missen möchtest.
Oft gibt es eine recht einfache Lösung für derlei Tücken, also:
Versuch' erst einmal die "Koordinaten" der Stelle zu ermitteln, an welcher die Nadel springt - das machst Du wie folgt:
Die Platte sollte hierzu möglichst frei von Staub auf dem laufenden Plattenteller liegen. Lass' die Nadel ein paarmal über besagte Stelle "hüpfen" und stell' Dir vor, mit dem Lineal eine imaginäre Gerade von eben dieser Stelle zum Mittelloch zu ziehen. Die Beschriftung auf dem Labelrand, welche von dieser Geraden durchkreuzt wird, dient Dir als 1. Anhaltspunkt.
Dann brauchst Du noch die Stelle auf der Rille, wo der "Hüpfer" passiert - also wo entlang der Distanz zwischen Plattenrand und Label? Hierzu liftest Du den Tonarm an jener Stelle einfach hoch und hast den 2. Anhaltspunkt.
Kannst Du nun bereits mit blossem Auge erkennen, dass es sich um einen echten "Kratzer" handelt, also eine eindeutig in die Tonschrift gewetzte Scharte, dann musst Du mit dem Nadel-Springen wohl oder übel weiterleben.
Erkennt man dort aber entweder garnichts oder etwas "Erhabenes", also einen auf der Vinyloberfläche sitzenden Staub- oder sonstigen Partikel, so kann Dir Rettung zuteil werden :engel!
Wie das?
Du brauchst:
1.) 70%iges Isopropanol (synonym Isopropylalkohol) aus der Apotheke - die kleinste Darreichungsmenge genügt, das sind meist 100 ml - und 2.) Einen Spritzer Netzmittel (zur analogen Fotoentwicklung, alternativ einen Tropfen Geschirrspülmittel) - das reduziert die Oberflächenspannung, lässt die Flüssigkeit also schön tief in die Rille "kriechen".
Die besagte Stelle wird mit dem Gemisch betröpfelt (mit einer Pipette oder einem Mokkalöffel), dann lässt Du's ein paar Minuten einwirken, jedoch nicht eintrocknen lassen. Mit einem küchenkreppumwickelten Fingernagel fährst Du mit sanftem Druck über die Stelle, der ungebetene Thrombus wird zum Embolus und die Stelle sollte wieder frei und "befahrbar" sein.
Manchmal tut's auch schon eine Plattenwäsche, die in einigen Plattenläden für max. 3,- Euro angeboten wird. Falls in Solingen nicht vorhanden, dann spätestens in Wuppertal oder Düsseldorf.
Gutes Gelingen und viel Spass!
:hello Sfantu
P. S. Die Freni-Pavarotti-Karajan-Bohème auf Decca (und die meinst Du doch wohl?) war ein derartiger Verkaufserfolg, dass Du sie auf Vinyl noch vieleroerts auf Trödelmärkten oder eben im An-und Verkauf findest.
Solitaire (17.08.2010, 15:30): Hallo Sfantu! Vielen Dank für deine Tips! Die Möglichkeit Schallplatten zu reinigen habe ich schon mehrfach genutzt, wie haben hier ein Remscheid ein kleines aber feines HiFi-Studio (mit dem schönen Namen "Amadeus" :) ) das diesen Service anbietet. So manches Schätzchen wurde da schon gerettet. Den Kratzer hat es aber nicht beseitigen können. Aber ich werde wohl mal die Sache mit dem Isopropanol ausprobieren. Klnigt nebenbei bemerkt ganz nach etwas, das meinem werten Gatten spaß machen könnte, der ist ein absoluter HiFi-Frwak und hat unsere schöne Anlage mit in die Ehe gebracht. Bei Bedarf und je nach Kontostand wird da von zeit zu Zeit ersetzt, ausgetauscht, aufgerüstet. Wie das eben so geht. Ich denke, wir probieren das mal aus. Vielen Dank dafür! Und ja: es ist die Decca-Bohème mit Big P. und Freni.
Sfantu (17.08.2010, 15:49): Hallo Solitaire,
Ja, der männliche Spieltrieb...meine Freundin sieht's genauso: da gibt's beim Plattenlaufwerk und dem ganzen Drum & Dran jede Menge Spass, Spannung & Schokolade...das ersetzt den Baumarkt und die Jungs sind unter Aufsicht :).
:hello Sfantu
Sfantu (24.08.2010, 10:29): Form des Tonabnehmer-Corpus
Habe mich sehr gefreut, zu lesen, wie beliebt die Schallplatte weiterhin bei vielen von uns ist. "Beliebt" ist denn wohl auch das Schlüsselwort, wenn es darum geht, Heikes Frage nach der Faszination zu beantworten - die Frage nämlich, die das Nadelöhr für diesen Faden darstellte: Der Wortstamm "Liebe" sagt doch im Grunde schon, worum es geht: etwas, das packt, überwältigt und im Innersten anrührt - ein Etwas, welchem in letzter Konsequenz rational nicht beizukommen ist.
Meine eigentliche Frage, letztlich an alle, im Speziellen aber vielleicht an jünter:
Welche Gründe gibt es für die weit verbreitete Form des Tonabnehmer-Corpus als groben, würfelförmigen Klotz? Ist das Design (oder dessen Abwesenheit), sind es messtechnische Gründe (Akustik, Resonanz)? Manchmal werden ja auch unterschiedliche Materialien verwandt, wie bspw. Holz im Falle des Herstellers "Benz".
Zurück aber zur Form:
Mein Plattendreher ist ein Pro-ject 6.9, ganz ähnlich jenem auf Cetays Abbildung - lediglich der Motor ist weniger weit ausgelagert und der Unterbau ist ein anderer, nämlich statt Holz ein anthrazitfarbenes Subchassis aus mdF. Den brachte ich vor einiger Zeit zum turnusmässigen Check in ein very sophisticated High End-Studio, ein mit sternenumkränztem Gütesiegel "Garantiert kompetent" dekorierter sogenannter "Premium-Partner" der "STEREO"- und "FonoForum"-Gruppe. Mein Auftrag lautete, die Nadel zu überprüfen und bei eventuellen Mängeln mich zu kontaktieren um das weitere Vorgehen abzusprechen. Wer sich aber dort melden musste, war ich. Mit der neckischen Überraschung, bereits vollendete Tatsachen vorzufinden: Mein altes System (Sumiko black pearl, MM) war inzwischen entsorgt worden, es hätten sich im Innern des Systems materialzersetzende Prozesse ereignet, die zu irrsinnigen Verzerrungen führten - wie es denn sein könne, dass ich das nie gehört habe? Dafür war inzwischen ein Ortofon Vinyl Master red (MM) aufmontiert (das gleiche wie auf Deinem Technics, jünter). Gutgläubig und eine konfliktscheue Schafsnatur, die ich bin, zahlte ich und zog von dannen. Klanglich nicht mehr und nicht weniger zufrieden als mit dem alten System habe ich nun beim Abspielen eine tückische kleine Besonderheit mit zu beachten:
Da die Nadel nur minimal unterhalb des grobklotzigen Kubus von Tonabnehmergehäuse hervorlugt, kann ich Platten, die nicht perfekt plan sind sondern einen Höhenschlag aufweisen, nicht mehr abspielen ohne, dass die Rillenabschnitte beidseits der Nadelspur mehr oder minder von den Ecken der Unterkante des Tonabnehmergehäuses "gefräst" werden.
Also nochmal die Frage: gibt es nachvollziehbare Gründe für diese Würfelform? Ausgerechnet von Ortofon gibt es doch auch Tonabnehmer in filigranem, konischem Zuschnitt, deren sich verjüngendes Ende sich dort befindet, wo die Nadel nach unten hin austritt.
Dank & Gruss
:hello Sfantu
Severina (24.08.2010, 12:43): So allmählich habe Ihr mich überzeugt, mir wieder so ein Drehdings anzuschaffen, damit meine 1,5 Meter LPs nicht nur dekorativ verstauben. Blöde Frage: Gibt es eigentlich noch wie anno dazumal Geräte, mit denen man LPs, Singles und Shellacks abspielen kann??? Mein altes Gerät hatte drei Geschwindigkeiten, mit dem ging das. Ich besitze zwar nureine Handvoll dieser Oldies, und das meiste ist U-Musik ("Das alte Haus von Rocky-Docky" und so in der Art, allerdings auch "O sole mio" mit Joseph Schmidt), aber wenn schon, denn schon!! Und welches Gerät (Marke etc.) würdet Ihr mir empfehlen??
lg Severina :hello
Sfantu (24.08.2010, 12:48): Hallo Severina,
das, wonach Du suchst, gibt's auf jeden Fall. Bin grad auf dem Sprung - später mehr.
:hello Sfantu
jünter (24.08.2010, 13:22):
Original von Sfantu Meine eigentliche Frage, letztlich an alle, im Speziellen aber vielleicht an jünter: Welche Gründe gibt es für die weit verbreitete Form des Tonabnehmer-Corpus als groben, würfelförmigen Klotz? Ist das Design (oder dessen Abwesenheit), sind es messtechnische Gründe (Akustik, Resonanz)? Manchmal werden ja auch unterschiedliche Materialien verwandt, wie bspw. Holz im Falle des Herstellers "Benz".
Hallo Sfantu,
ob es einen nachvollziehbaren Grund für die „Klotzform“ der meisten Tonabnehmer gibt, weiß ich nicht mit Sicherheit. Ich glaube aber nicht, dass sich die Hersteller darüber große Gedanken gemacht haben. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, in der einschlägigen Fachpresse (die ich seit mehr als 20 Jahren in unregelmäßigen Abständen lese) irgendetwas über Vorzüge/Nachteile einer bestimmten Gehäuseform gelesen zu haben, auch nicht in Herstellerwerbung. Es geht wohl letztlich nur darum, dem Innenleben des Tonabnehmers überhaupt ein Gehäuse zu verpassen. Was das Material angeht, wirbt die Fa. Benz bei ihrem teuersten Modell mit den besonderen Dämpfungseigenschaften des verwendeten Holzes. Ob da außer der zugegeben edlen Optik etwas dran ist? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich für mein Teil mit Sicherheit keinen vierstelligen Euro-Betrag für einen Tonabnehmer ausgeben würde.
Da die Nadel nur minimal unterhalb des grobklotzigen Kubus von Tonabnehmergehäuse hervorlugt, kann ich Platten, die nicht perfekt plan sind sondern einen Höhenschlag aufweisen, nicht mehr abspielen ohne, dass die Rillenabschnitte beidseits der Nadelspur mehr oder minder von den Ecken der Unterkante des Tonabnehmergehäuses "gefräst" werden.
Das soll so natürlich nicht sein! Hat dein Dealer den Tonarm richtig auf das neue TA-System eingestellt (Tonarmhöhe, Auflagekraft)? Wenn nicht: Hinbringen und nachbessern lassen! (Dass ohne Rücksprache mit dir einfach ein neuer TA eingebaut wurde finde ich übrigens ziemlich dreist.)
Ausgerechnet von Ortofon gibt es doch auch Tonabnehmer in filigranem, konischem Zuschnitt, deren sich verjüngendes Ende dort befindet, wo die Nadel nach unten hin austritt.
Diese Bauform (unteres Preissegment) ist vornehmlich für den DJ-Bereich gedacht, da man die Nadel hier von oben sieht und einzelne LP-Tracks so zielgenau anspielen kann. Ob die Dinger für „unsere“ Zwecke klanglich was taugen, weiß ich leider nicht.
Gruß, jünter
P.S. : Gratuliere zu deinem Plattendreher! Ich habe mich seinerzeit für den unter echten Freaks eigentlich verpönten Direktantrieb entschieden, weil ich mich bei meinem vorherigen Thorens TD 320 immer mal wieder über durchrutschende bzw. abspringende Antriebsriemen geärgert habe und dies irgendwann einfach leid war.
Sfantu (24.08.2010, 14:29): Jünter,
herzlichen Dank für Deine prompte und ausführliche Antwort! Werde mich unter den von Dir genannten Aspekten mal wieder näher mit dem Thema Tonabnehmer befassen.
Severina,
schau' Dich doch mal auf den Seiten folgender Hersteller um:
rega-audio.de Made in Britain und daher erwartungsgemäss: zeitloses, puristisches, schnörkelloses Design; hochwertige, funktionale Verarbeitung.
scheu-analog.de Kleine, feine Analog-Schmiede aus Solitaires bergischer Heimat mit überschaubarer, geschmackvoller Produktpalette, möglicherweise tendenziell etwas teurer als die anderen hier genannten, allerdings u. a. auch mit einem speziellen, sehr ladyliken Modell for girls :wink - clevere Besetzung einer Marktlücke!
project-audio.com Vielleicht der Überflieger der Analog-Renaissance. Pro-ject ist ein österreichisch-tschechisches joint venture, das vielerseits hochgelobte & hochwertige Plattendreher zu hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis produziert.
thorens.com Schweizer-Schwarzwälder Traditionsmarke. In den 70ern und 80ern zusammen mit "Dual" quasi das Synonym für Plattenspieler. Zur Zeit der Analog-Dämmerung trotz Kampfes mit wehenden Fahnen untergegangen und kurz darauf wiedererstanden. Teils mit neuen Konzepten, teils unter Rückbesinnung auf die eigene Tradition wird eine ansehnliche Auswahl an Laufwerken in allen Preisklassen geboten.
Die Option mit bereits integrierten 78 rpm bietet Thorens ab den Modellen TD-170-1, TD-190-2 und aufwärts. Bei Pro-ject ist in Verbindung mit der hinzu zu kaufenden Speed-Box die Option 78 rpm ebenfalls möglich.
Problematischer ist allerdings die Abtastung von Schellack mittels einer Diamant-Nadel. Soweit ich weiss, brauchst Du dafür ein separates Tonabnehmersystem, was also entweder einen 2. Plattenspieler erfordert oder aber die Möglichkeit, auf dem selben Chassis einen zweiten Tonarm zu platzieren. Eventuell erlaubt auch eine Saphir-Nadel das Abtasten sämtlicher Plattenmaterialien - da wäre aber Fachberatung vonnöten - vielleicht jemand aus dem Forum?
Von Meterware aus dem Supermarkt rate ich dringend ab - die haben oft sämtliche Geschwindigkeiten, USB-Schnittstelle und sind womöglich noch im 2stelligen Bereich oder knapp darübr zu haben (Finger weg!!)
Für 200 bis 500 Euro findest Du unter den genannten Anbietern mit Sicherheit schon das Passende.
:hello Sfantu
Sfantu (24.08.2010, 17:09): Übrigens, Severina,
bist Du Dir sicher, ob es sich wirklich bei manchen deiner Exemplare um Schellackplatten handelt? Zwar wurde die Verwendung von Schellack zur Oberflächenversiegelung von Platten erst 1961 endgültig eingestellt, die grosse Masse wurde aber bereits ab Anfang der Fünfziger auf Vinyl bzw. dessen Vorgängerprodukte gepresst.
Auch die Laufgeschwindigkeit 78 rpm war eine zeitlang auch auf Vinyl noch üblich, oft bei den 10-Inch-Platten (der Zwischengrösse zwischen Singles und den ausgewachsenen LPs), ist also kein alleiniges Merkmal von Schellackscheiben.
Die m. E. sichersten Unterscheidungsmerkmale zwischen Schellack und Vinyl: Schellack ist meist deutlich schwerer und dicker, die Ränder dabei oft scharfkantig, die Label kleiner als später beim Vinyl und: Schellackplatten brechen leichter - Vinyl dagegen ist biegsam. Leider bequemten sich die Hersteller erst im Zuge der 60er daran, das Produktions- (und mutmasslich auch Pressjahr) auf Label oder Cover abzudrucken, sodass dieses als Unterscheidungshilfe leider entfällt.
:hello Sfantu
Amadé (24.08.2010, 18:00): Hallo ihr Lieben,
nach meiner Kenntnis mussten Schellacks mit einer Stahlnadel abgetastet werden, außerdem waren die Rillen breiter. Ein Diamant taugt da nicht. Es gab jedoch, und das bermerkt sfantu richtig, bis ca. Vinyl-LPs mit 78er Umdrehung, vor allem in England, Bewohner der Inseln waren seit eh und jeh etwas beharrlicher.
eine elegante und schmuckvolle Lösung, speziell für die Schellack-Abtastung wäre vielleicht doch sowieso ein Grammophon. Das ersparte Dir den Aufwand mit Drehzahlen und Tonabnehmern, ausserdem bezweifle ich, ob Du über den mit passendem Tonabnehmer und den nötigen 78 rpm ausgerüsteten Plattenspieler in Verbindung mit Verstärker und Schallwandler bessere Klangergebnisse und -erlebnisse hast - dieses Medium stammt halt aus einer Epoche lange, lange vor High Fidelity. Auf Trödel-oder Antikmärkten (oder im Netz) findest Du sowas für 'n Appel und 'n Ei. Vielleicht mal etwas Passendes auf die Alle-Jahre-wieder-Frage: "Was könnt' man Dir denn bloss mal schenken...?" :wink
:hello Sfantu
Heike (24.08.2010, 20:39): Spannend. Schellackplatten habe ich nicht, aber einen dicken Stapel Schallplatten, den ich jetzt mal wieder interessiert durchgeschaut habe, dank eurer Loblieder.
Tja, mir gehts wie Sevi, eigentlich hab ich schon große Lust gekriegt, mir wieder so einen Plattenspieler zuzulegen. Aber nur um mich mal hin und wieder solchen sinnlichen Genüssen hinzugeben, bin ich ehrlich gesagt (noch?) nicht bereit, 200 Euro oder mehr auszugeben. Ich fürchte, es gibt keine preiswerte akzeptable Variante, sozusagen zum angewöhnen? Oder? Heike
ab (24.08.2010, 22:33): Original von Heike
Ich fürchte, es gibt keine preiswerte akzeptable Variante, sozusagen zum angewöhnen? Oder? Heike
wie sfanto schon sagte:
project-audio.com Vielleicht der Überflieger der Analog-Renaissance. Pro-ject ist ein österreichisch-tschechisches joint venture, das vielerseits hochgelobte & hochwertige Plattendreher zu hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis produziert.
Cetay (inaktiv) (24.08.2010, 22:46): Einstiegsmodell wäre der Project Debut III. Etwas mehr als 200 Steine muss man zwar hinlegen, aber zum angewöhnen ist das optimal, denn wenn man Blut geleckt hat, dann gibt es unzählige Möglichkeiten, aufzurüsten - sogar ein Schellackpaket ist lieferbar: Schau mal hier.
Severina (24.08.2010, 23:23): Original von Sfantu Übrigens, Severina,
bist Du Dir sicher, ob es sich wirklich bei manchen deiner Exemplare um Schellackplatten handelt?
Die m. E. sichersten Unterscheidungsmerkmale zwischen Schellack und Vinyl: Schellack ist meist deutlich schwerer und dicker, die Ränder dabei oft scharfkantig, die Label kleiner als später beim Vinyl und: Schellackplatten brechen leichter - Vinyl dagegen ist biegsam.Leider bequemten sich die Hersteller erst im Zuge der 60er daran, das Produktions- (und mutmasslich auch Pressjahr) auf Label oder Cover abzudrucken, sodass dieses als Unterscheidungshilfe leider entfällt.
:hello Sfantu
Lieber Sfantu,
Ja, die Kennzeichen treffen zu. Die Dinger sind verdammt schwer, und dass sie leicht zerbrechen, kann ich leider bestätigen. Ich bekam sie im Jahr 1968 von einem sehr alten Herren geschenkt, leider ohne Trichergrammophon :wink, und es handelt sich ja auch nur um 12 Scheiben. Dafür rentiert sich die Anschaffung eines teuren Extragerätes auf keinen Fall. Früher spielte ich sie ganz normal mit 78mp ab, es rauschte und grammelte zwar, aber ich dachte immer, das liegt am Erhaltungszustand der Schellacks.
Danke Euch allen für die Tipps!! :D
lg Severina :hello
jünter (25.08.2010, 08:22): @ alle Neuinteressenten i.S. Schallplatte:
Bitte nicht vergessen, dass ihr eine sog. Phono-Vorstufe benötigt!. Die meisten Verstärker der letzten 10 Jahre haben nur noch sog. Hochpegel-Eingänge (für CD-Player, Tuner etc.), die für das gegenüber einem analogen Tonabnehmer wesentlich stärkere Ausgangssignal dieser Quellen ausgelegt sind. Ich habs zwar noch nicht ausprobiert, aber ich bin mir sicher, dass man von einem direkt an Hochpegel angeschlossenen Plattenspieler entweder gar nichts oder nur verschwindend wenig hört.
Bei einigen Verstärkern ab der gehobenen Preisklasse kann man eine integrierte Phono-Platine – MM oder MC oder umschaltbar - nachrüsten (Kosten ab 250 - 300 Euro zuzügl. Einbau), ansonsten führt kein Weg an der Anschaffung einer externen Phono-Vorstufe vorbei. Arm wird man hierbei jedoch zum Glück nicht: Nach meiner Kurzrecherche bekommt man ein brauchbares Gerät ab 100 Euro, das günstigste Modell der schon genannten Fa. Pro-Ject kostet nur um die 60 Euro.
wenn ihr zum Einstieg weniger investieren möchtet, dann schaut euch doch mal nach einem Gebrauchtgerät um. Mit einem gut gepflegten alten Thorens bspw. könnt ihr nicht viel falsch machen. Ersteht ihr so etwas privat (Trödelladen, Kleinanzeige), unbedingt die wichtigsten Funktionen demonstrieren lassen und anschliessend beim Fachhandel mit Reparaturservice zumindest die Nadel überprüfen lassen. Es gibt auch Gebrauchtgeräte-Versandfirmen wie springair.de, hier werden werkstattgeprüfte Geräte angeboten, eventuelle Mängel nicht unterschlagen sondern explizit erwähnt und eine Garantie von mindestens 6 Monaten gegeben - auch hier gibt es schon Komplettgeräte samt TA-System im zweistelligen Bereich.
Wichtig natürlich auch jünters Einwand bezüglich Vorverstärkung. Hab's spasseshalber mal probiert, den Plattendreher an einen Nicht-Analog-Eingang anzuschliessen - man hört dann tatsächlich nur bei bis zum Anschlag aufgedrehtem Lautstärkeregler einen dünnen "Fernen Klang" - dann doch lieber gleich Schreker :cool.
Mein Vollverstärker ist noch keine 10 Jahre alt, ist aber dennoch mit einem Phono-Eingang ausgestattet. Es ist ein Marantz, und soweit ich weiss, führen die bis heute noch mindestens ein Gerät mit dieser Eigenschaft. Also, klar - das müsst ihr natürlich vorher checken. Viele High-Ender (Vorsicht! Bei Grundsatzdiskussionen oder kritischen Fragen mutieren die auch schonmal vom High-Ender zum Sechzehn-Ender... :tongue: ) schwören auf Phono-Vorverstärker ohne Wenn & Aber - selbst, wenn der Vollverstärker einen Phono-Eingang besitzt.
Also - viel Spass beim Suchen & Finden, und - wie Cetay schon mutmasste, werdet ihr über's Blutlecken ohnehin Lust auf mehr verspüren...
:hello Sfantu
jünter (25.08.2010, 18:52): Nachtrag @ Sfantu & alle weiteren Interessenten:
Zum "Bügeln" von welligen Schallplatten gibt es eine recht einfache, aber nach meiner Erfahrung durchaus wirksame Methode.
Man nehme: 2 ausreichend große und dicke Glasplatten (8 mm reichen), lege den Patienten vorsichtig dazwischen und das Ganze dann für einige Stunden unter direkte Sonneneinstrahlung (falls vorhanden, im Moment scheint ja der Herbst im Anmarsch zu sein).
Habe ich zwar schon lange nicht mehr gemacht, erinnere mich aber zumindest an spürbare Besserung. Vollständig plan habe ich die Scheiben damit allerdings nicht bekommen.
Gruß, jünter
P.S.: Dieser Thread würde ja mittlerweile eigentlich in die "Technikecke" gehören, aber ist doch wurscht, oder? So unübersichtlich ist unser Forum ja (noch) nicht.
jünter (26.08.2010, 19:03): P.P.S.:
Die von mir beschriebene Bügelmethode soll auch im Backofen bei 50 Grad Ober- und Unterhitze funktionieren. Wichtig soll sein, dass man das Ganze hinterher mehrere Stunden sorgfältig auskühlen lässt. Mit der Backofen-Prozedur habe ich jedoch keinerlei Erfahrung, also: Ohne Gewähr.
:winkWer das wirklich probieren möchte sollte sicherstellen, dass er/sie hierbei nicht von Personen beobachtet wird, die für unser schönes Hobby keinerlei Verständnis haben. :J
Sfantu (26.08.2010, 20:19): RE: Höhenschlag bei Schallplatten
Danke, jünter, für diese Tips - habe von beiden Varianten schon gehört. Etwas mulmig wär' mir dennoch dabei - sowas sollte man vielleicht zur Probe erst einmal mit einer Platte ausprobieren, die akustischen Müll enthält, um die's also nicht gar so schade wär'.
Was mir Sorgen dabei macht, bleibt die Frage: arbeite ich mit der optimalen Temperatur, mit dem optimalen Druck ohne die Tonschrift zu schädigen? Wer das von seinem Produkt behauptet (Prinzip Waffeleisen), sind Hersteller wie bspw. clearaudio: zu exakt definierter Hitze und exakt definiertem Druck über eine exakt gesetzte Zeitspanne. Wie ein totschicker, schmaler Design-Aktenkoffer sieht's aus und kostet noch etwas mehr (nämlich ca. 2.200,--) als meine Plattenwaschmaschine (auch von clearaudio). Für die konnte ich damals glücklicherweise eine 0 %-Finanzierung vom Händler bekommen.
Das mit den Mitmenschen, welche sich kein Verständnis für solches Tun abringen können, hab' ich auch schon munkeln hören (schön wär's - ich glaub', von denen bin ich förmlich umzingelt...). Meine Ex-Freundin hatte mir jedenfalls mit Trennung gedroht, falls ich mir so'n Waffeleisen anschaffe -naja, das klappte dann auch ohne... :(
Vielleicht bietet irgend ein Plattenladen solch einen Service ja sogar an, ähnlich dem Plattenwäsche-Service.
Für (fast) alle sonstigen Zubehör- & Pflegewünsche lautet eine wichtige Adresse: protected.de. Mit dem Aufzählen der Produktpalette fang' ich garnicht erst an - da schaut besser selbst mal rein. Meine Bestellartikel lauten praktisch immer: Aussenhüllen und gefütterte Innenhüllen (unerlässlich für die frisch gewaschene Platte - die alte Innenhülle: IN DIE TONNE!! Das ein Hinweis für kommende stolze Waschmaschinenbesitzer - kenne da einen :wink). Die Preise sind unschlagbar - kauft ihr solche Hüllen im Plattenladen, kostet das Stück etwa 150 bis 200% mehr (25 bis 30 Cent).
Jetzt noch was für den nachmittäglichen Bastelkreis in unserem Musik-Hort: Aus unbrauchbaren Schallplatten basteln wir uns eine schicke Gummibärchen-Schale!
Man nehme:
1 LP und 1 zylindrische Steingutvase mit einer Grundfläche, welche etwa derer des LP-Labels entspricht.
Auf einem Backblech stehend schiebt man das Platten-Vase-Ensemble in den vorgeheizten Ofen (50°C Ober-und Unterhitze).
Nach gut 20 min. herausnehmen und die Tonschrift entlang der Vasenwand behutsam hochbiegen. Es entsteht eine recht wellige schwarze Falz. Das Ganze auf den Kopf gestellt, lässt man's auskühlen, fertig ist ein kultig' Trendprodukt. Mit 5 weiteren Platten ebenso verfahren und anschliessend die Schalen entsprechend der Labelfarben Feng-Shui-gerecht in der Wohnloft anordnen... Peace, man!
:hello Sfantu P. S. Nicht von mir ersponnen, hab's leibhaftig gesehen
jünter (27.08.2010, 07:22):
Original von Sfantu Aus unbrauchbaren Schallplatten basteln wir uns eine schicke Gummibärchen-Schale! Schalen entsprechend der Labelfarben Feng-Shui-gerecht in der Wohnloft anordnen...
:times10 Super Idee, danke! Muss ich jetzt nur noch irgendwie meiner lieben Frau beibringen...! :rofl :rofl :rofl
Bert (29.09.2010, 00:13): Nun, ich bin kein Schallplattenfanatiker, aber in meiner Jugend gab es nun mal Schallplatten, und einige Aufnahmen sind durch CDs nicht zu ersetzen; so habe ich Schallplatten, die mehr als 30 Jahre auf dem Buckel haben und ihre Tonqualität ist nahezu unverändert. Dagegen habe ich CDs, die nicht mal ihren 10. Geburtstag erleben durften, weil sie -aus mir unbekannten Gründen- von keinem CD-Player erkannt/gelesen werden können. Das ist dann mehr als traurig...
So habe ich einige historische Stücke; wie mein allerliebster Schatz in meiner Sammlung, und für meine Ohren die beste Einspielung Tschaikowskys 6. Symphonie in h-moll Op. 74; Moscow Radio Large Symphony Orchestra; Gennadi Rozhdestvensky, auf Vynil von Melodija; die habe ich schon seit fast 40 Jahren...
Gruß, Bert
Sfantu (06.06.2011, 15:09): Weiss jemand Rat?
Wann genau haben die einzelnen Klassik-Major-Labels ihre Vinyl-Produktion eingestellt? Ich weiss, dass im Rock-Pop-Bereich teils bis 1992/93 gepresst wurde, dann folgten die dunklen Jahre bis zum Einsetzen der Renaissance, ca. 96/97. Mir geht es darum, zu wissen, ob es gewisse Aufnahmen aus dieser Wende-Zeit noch auf Vinyl gab/gibt. Vieles hab' ich in diesen Jahren auf CD kennen- und lieben gelernt. Die Hoffnung, das ein oder andere nochmal als Platte aufzuspüren, würde mich geradezu beflügeln :engel Beispiele: Telemanns Musique de table mit der Musica Antiqua Köln (DGA), Schuberts 4. und 6. mit den London Classical Players / Norrington (EMI), Dido and Aeneas unter Pinnock (DGA), Charpentiers Te Deum (das bekanntere, also das Eurovisions-Te Deum) mit Les Arts Florissants und William Christie (HMF), Schuberts Fierrabras unter Abbado (DG), Hogwoods Beethoven-Zyklus (L'Oiseau Lyre) - die Einzelausgabe der 6. hieraus hab' ich schonmal im Versand entdeckt, war aber nicht schnell genug.
Lieben Dank im Voraus
:hello Sfantu
Amadé (06.06.2011, 17:15): Original von sfantu Wann genau haben die einzelnen Klassik-Major-Labels ihre Vinyl-Produktion eingestellt?
Hallo sfantu,
punktgenau kann ich es nicht angeben, ein Blick in den Bielefelder Katalog von 1990 zeigt, dass damals noch LPs angeboten wurden, 1993 sind es jedoch nur noch CDs. Bis wann noch LPs produziert wurden, ist von Label zu Label auch verschieden. Oft wurden Neuaufnahmen dann nur noch auf CD vertrieben, während auf LP noch nicht verkaufte "ältere" Aufnahmen im Angebot blieben. Du müsstest bei einem bestimmten Wunsch alte Kataloge befragen.
Gruß Amadé
Armin70 (06.06.2011, 21:17): Hallo sfantu,
ich bin sicherlich kein Vinyl-Experte aber die meisten von dir genannten Aufnahmen entstanden bereits in den späten 1980er Jahren, wo die großen Klassik-Labels fast ausschliesslich nur noch CD`s produzierten.
Lediglich die EMI hatte anscheinend noch etwas länger LP`s veröffentlicht, d. h. ich habe ein paar wenige Norrington-Aufnahmen auf Vinyl im Internet gefunden und zwar hier:
Norrington1
Norrington2
Ansonsten gibts hier noch weitere Vinyl-Ausgaben von bereits digital produzierten Klassikaufnahmen, z. B. Pinnocks Aufnahmen von Händels Concerti Grossi:
Pinnock
Ansonsten gibt es noch diese Internetseite, wo man Klassik-Aufnahmen auf Vinyl kaufen kann.
Gruß Armin
Wooster (06.06.2011, 23:23): 1990 noch LPs, 1993 praktisch keine mehr, entspricht auch meiner Erinnerung. Ich habe Klassik seit ungefähr 1987 bewusst wahrgenommen. Bis 1990 gab es vermutlich (fast) alles noch auf LP (und oft auch MC). Ich habe etliche CDs aus diieser Zeit, bei denen die Beihefte so gestaltet sind, dass sich auch die MC-Seitenbreaks angeben usw. Das Mozart-Jahr 1991 war vermutlich für viele Hörer die endgültige Motivation zum Umstieg...
Die Brandenburgischen Konzerte mit MAK gab es definitiv auf LP, die hatte ein Schulfreund von mir; die Tafelmusik ist von 1989, ich vermute mal, dass die auch noch als LP-Box aufgelegt wurde.
Bei den Norringtonschen oder Hogwoodschen Beethovenaufnahmen habe ich zwar keine LPs vor Augen, aber die stammen doch auch komplett aus den 1980ern, vermute daher, dass es auch LPs gab.
Flohmärkte abklappern, in großen Städten wie Berlin gibt es natürlich auch noch 2nd hand Plattenläden. Oder Ebay. Es sind noch viele schwarze Scheiben im Umlauf.
besten Dank für eure Antworten. Mit ein Grund für die Seltenheit der späten Pressungen auf dem Second-Hand-Markt sind sicher auch ihre schwindenden Auflage-Zahlen in der Zeit kurz vor dem endgültigen Aus. Deine Beobachtung, Wooster, mit parallelen Track-Verweisen für CD-,MC-und LP-Versionen in CD-Booklets kann ich bei Durchsicht meiner ältesten Opern-Gesamtaufnahmen auf CD bestätigen. Im Extremfall wird die Verteilung auf Plattenseiten, CDs und MC-Bänder 3x hintereinander separat durchgehächelt (Beispiel: Marriners Figaro (Philips)). Auch kurios: In den letzten LP-Boxen ist hinter den LP-Hüllen nur noch ein Plastik-Einsatz platziert, der eine Aussparung für das Booklet der CD-Ausgabe (!)enthält - so sparte man Aufwand, Papier-und Energie-Ressourcen. Auch wurde praktisch immer das identische Cover für LPs und CDs verwandt, sodass sich bei den CD-Versionen oft mikroskopisch kleine Schriftgrössen ergaben - das gilt auch für Überspielungen altgedienter Hits aus den Back-Katalogen auf CD. Gerade heute durfte ich mit Herzklopfen wieder Schätze der gesuchten Art in einem Winterthurer Brockestübli entdecken - in sensationell gutem Zustand und für einen Spottpreis - bspw. den Schostakowitsch-Zyklus unter Haitink (Decca) oder Roussell 1-4 unter Dutoit (Erato).
Das Glück dieser Erde findet sich unter der Spitze einer Abtastnadel :engel
:hello Sfantu
Armin70 (09.06.2011, 15:53): Hallo,
auf dieser Seite kann man auch noch nach Vinyl-Aufnahmen stöbern. Darunter befinden sich auch viele neuere, bereits digital aufgenommene Scheiben. Bei "Medientyp" einfach Vinyl oder LP auswählen und als Suchbegriff irgendeinen Künstler eingeben und dann schauen, ob was interessantes bei den Suchergebnissen dabei ist.
Über die Bestellmodalitäten und den weiteren Ablauf kann ich allerdings nichts sagen, da ich dort noch nichts bestellt habe.
Armin
Sfantu (01.09.2011, 17:27): Lencoclean
Liebe Plattenbau-Mitbewohner,
ich schwöre auf mein Schallplatten-Nassabspielsystem! Es ist das alte Lencoclean (so, wie es ca. 1986/87 auf dem Markt war). Ein kleines Stativ mit einem höhenverstellbaren Pylon wird auf dem Plattenspieler-Chassis platziert - entweder diagonal gegenüber der Tonarmbasis, also links vorne oder links hinten. Ein zylindriger Tank, etwa in der Grösse einer kleinen Tomatenmark-Konservenbüchse, hat an seiner unteren Grundfläche eine trichterförmige Aussparung, um auf den Pylon gesetzt werden zu können. Seitlich am Zylinder tritt ein transparentes Rohr aus, Durchmesser etwa 6 bis 7 mm, Länge ca. 15 cm. An seinem Ende befindet sich ein aufgestecktes, gleichschenkliges L-Stück. An dessen unterem Ende sitzt ein kreisrundes, weiches Bürstchen. Das Rohr muss nur leicht aus der Waagerechtposition heraus nach unten neigen, sodass es dank passender Neigung + Eigengewicht der Reinigungsflüssigkeit genügend Auflagekraft hat. Es lässt die Abtastnadel, die ja sonst trocken durch die Rillenflanken brettert, im sanften Feuchtfilm hindurchgleiten. Staubpartikel und sonstige Aerosolen werden gelöst, die mechanische Abnutzung der Nadel als auch der Tonschrift auf ein Minimum reduziert, man hört deutlich weniger Knistern, das Klangbild wird voller, weiträumiger, wärmer, entspannter. Demselben Prinzip folgend würde niemand mit der Rasierklinge über die trockene, unvorbereitete Gesichtshaut fahren, eine Steinsäge ohne Wasserkühlung betreiben, Kolben und Zylinder oder Ritzel und Fahrradkette ohne ausreichende Schmierung laufen lassen - dem kostbaren (und allen andern überlegenen) Klangmedium Vinyl aber rückt man meist all'arabiata mit der trockenen und mit der Zeit ordentlich Temperatur entwickelnden Nadl zuleibe - das Ganze dann noch mit etlichen km/h. Falls mir das hier als Missionierungsversuch ausgelegt wird, dann war das zwar nicht meine eigentliche Absicht. Fällt es aber auf einen fruchtbaren Boden, umso besser... Nein, was ich sagen will:
An alle Schubladen-Keller-Rumpelkammer-Dachspeicher-und-Gartenschuppen-Ausmisterinnen und -Ausmister:
Findet ihr Ersatzbürstchen, notfalls auch ganze Systeme und wollt euch wider besseres Wissen davon trennen: Bitte nicht fortwerfen sondern: an mich!!
Ein Nachfolgeprodukt der Allgäuer Firma Wittner (die haben damals schon die alten Systeme für Lencoclean gefertigt, also deutsche Wertarbeit in Schweizer Verpackung :wink) ist immer noch besser als Trocken-Abspielen, ansonsten aber in allen Einzelaspekten wie Handhabung, Spursicherheit, vor allem aber Design dem alten Lencoclean unterlegen.
Vielen Dank und einen herzlichen Gruss von der Alm
:hello Sfantu
Amadé (01.09.2011, 20:14): Hallo sfantu, als langjähriger Plattensammler ist auch heute noch bei mir auf LPs, bei weitem jedoch nicht auf allen, Lencoclean im Einsatz. Schon seit einigen Jahrzehnten lasse ich mir vom Apotheker anstelle der teuren Lencoclean-Reinigungsflüssigkeit einen Mix aus 90%Äthanol und doppelt destilliertem Wasser zusammenstellen, der die selbe Wirkung zeigt.
Gruß Amadé
Sfantu (02.09.2011, 08:36): Hallo Amadé,
schön, zu lesen, dass ich nicht allein stehe mit meiner Überzeugung (obwohl Du das früher auch schon einmal angedeutet hattest). Mit der Mixtur aus der Apotheke - mach' ich fast genauso: irgendwann erhielt ich noch den Tip - und verfahre seitdem danach - zusätzlich einen Tropfen Netzmittel hinzuzugeben (braucht man für die konventionelle, analoge Fotoentwicklung in der Dunkelkammer), wirklich nur einen Tropfen auf 300 ml. Das verbessert die Kriecheigenschaften der Flüssigkeit indem es seine Oberflächenspannung reduziert.
Wie machst Du das mit den Ersatzbürstchen? Die vom neuen System sind, obwohl vom selben Produzenten, mit dem alten nicht kompatibel (ist doch klar :wink). Internet ist sicher eine Möglichkeit. Meine Lieblingsvariante ist es aber, auf der Durchreise irgendwo in der Pampa bei einem alteingesessenen Radio-TV-Fachhandel, der von einem verschrobenen alten Querkopf betrieben wird, in dessen seit Jahrzehnten nicht mehr renovierten Hinterstübchen Original-Ersatzbürsten zu finden. Er gibt sie Dir dann gleichgültig die Achseln zuckend für einen symbolischen Zweier oder gar für lau in die Hand - hab' ich schon erlebt und freute mich, als hätt' ich Kindergeburtstag...
Und warum nur einen Teil Deiner Platten nass, den anderen nicht?
Viele Grüsse von Plattenteller zu Plattenteller von
Sfantu
Amadé (03.09.2011, 11:15): Lieber sfantu,
ich habe mir noch ca. 2-3 Bürsten aufgehoben. Da der LP-Anteil in meiner Platten-Sammlung eh nur ca.15% ausmacht, kommt Lenco clean nicht so oft zum Einsatz. Falls ich irgendwann in Verlegenheit kommen sollte weiß ich ja, wo was zu besorgen ist. :D
Ein schönes Wochenende wünscht Amadé
:hello
Cetay (inaktiv) (06.01.2012, 10:40): Ich habe mich hier schon als glühender Verächter der digitalen Musikreproduktion geoutet, aber es mittlerweile geschafft, das für mich in digitalen Musikgenuß und digitale Musikkultur umzudeuten. Dass der Sound auf Knopfdruck da ist, heißt ja nicht, dass man vorher kein Ritual zelebrieren kann. So muss ich nicht als Ewiggestriger sterben und kann mich am für und wieder verschiedener Upsamplingraten und Filtercharakteristiken genauso wie weiland am für und wieder von elliptischen oder sphärischen Nadeln aufgeilen. Die erdrückenden Vorteile von digitalen Frequenzweichen und -entzerreren in Aktivketten kann sowieso nur wegdisktueren, wer Nullen und Einsen generell abspricht, Emotionen auslösen zu können. Wenn dem so ist, dann habe ich halt eine sehr gute Einbildungskraft. :P
Ich kaufe dennoch nach wie vor schwarze Scheiben und zwar pervers-pardoxerweise hauptsächlich von 100% Festplatten-produzierter Musik (Tech-House und Artverwandtes). Und einiges muss man wegen der Artwork einfach in Groß haben:
(...und die Scheibe drinnen ist Orange transparent!)
Sfantu (06.01.2012, 12:43): Original von Cetay:
Und Einiges muss man wegen der Artwork einfach in Gross haben
Du sagst es. Und bei dem Pracht-Cover doch wirklich ein Leckerbissen!
Hosenrolle1 (03.02.2015, 11:23): Ich interessiere mich ja für ALLE Tonträger, sowie die Geschichte, die sie hinter sich haben.
Das hört nicht bei der Vinylplatte auf, sondern geht weiter zu den Schellackplatten, den Edison-Discs (in Tiefenschriftverfahren) bis zu den Wachswalzen, den Phonografen. Momentan habe ich leider nur zwei Wachswalzen, die irgendwann in den 1890ern aufgenommen wurden. Leider keinen Phonografen.
Als ich anfing mich für Opern zu interessieren waren Schallplatten für mich etwas Tolles, eben auch, wie hier schon gesagt wurde, wegen der großen Cover, weil Plattenspieler auch schön aussehen können, die ganze Mechanik usw.
Aber gleichzeitig gab es auch Probleme: das Knistern nervt ungemein, und an leisen Stellen (und die gibt es in der klassischen Musik ja nicht selten) stört es noch mehr. Wenn ich den Bolero von Ravel höre, dann möchte ich am Anfang NUR das leise Schlagzeug hören, und kein Kaminfeuer nebenbei.
Und wenn es richtig laut wird, sollte der Ton nicht hässlich verzerren.
Diese Probleme kann man natürlich minimieren oder ausmerzen, jedoch bedeutet das, dass man sich zusätzliches Zubehör kaufen muss. Man muss das Antiskating einstellen und sich da herumspielen. Das kann sicherlich Spaß machen, keine Frage, es ist auch nicht abwertend gemeint, aber mir ging es dann doch um das Musik hören, weil ich kein Bastler bin.
Durch meine persönliche Art der Beschäftigung mit der Musik kommen Vinylplatten sowieso nicht in Frage; ich höre meist mir Partitur in der Hand, um mir bestimmte Takte per A-B Funktion zu loopen, oder springe immer wieder zu bestimmten Stellen. Mit einer Vinylplatte geht das einfach nicht, da würde einem die Hand abfallen, wenn man alle paar Sekunden die Nadel wieder absetzen und möglichst exakt zurückgeben muss.
Durch meine Beschäftigung mit den Tonabnehmern und ihrer Geschichte habe ich auch gemerkt, dass die Menschen immer schon versucht haben, Töne aufzuzeichnen und auch wiederzugeben. Man hat sich immer neue Dinge einfallen lassen, und wenn etwas dann funktioniert hat (wie etwa die erste Schallplatte von Emil Berliner oder der Phonograph von Edison) hat man daran gearbeitet, es ständig zu verbessern.
Die Schallplatte von Berliner wurde größer, die Abspielgeräte besser.
Auch die Phonographen wurden besser; anfangs musste man sie noch per Hand bedienen und Kurbeln, später liefen sie automatisch. Man konnte jedoch keine Kopien anfertigen, deswegen mussten die Künstler zig Mal hintereinander ein Stück einspielen. Auch daran wurde gearbeitet, bis man eine Walze kopieren konnte. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Schallplatte.
Irgendwann hat man die anfangs einseitige Platte auf beiden Seiten gepresst, Edison verlor den Formatkrieg und setzte nun ebenfalls auf Schallplatten und erfand die oben erwähnte Edison Disc, die ein paar Millimeter dick war und in Tiefenschrift aufgezeichnet wurde, und es gab massenweise Experimente, den Klang und die Technik zu verbessern. Man probierte mit zwei Nadeln, die nebeneinander positioniert waren einen Stereoeffekt zu erzeugen, man erfand die Auslaufrille, man erfand die elektrische Aufnahme, man erfand Platten, wo auf einer Seite 3(!) Rillen mit drei unterschiedlichen Tracks waren (ODEON Zauberplatte) usw. usw.
Irgendwann kam die Vinylplatte Ende der 40er, und so geht die Geschichte immer weiter.
Man war also IMMER bemüht, Musik möglichst naturgetreu und ohne Fehlerquellen wiederzugeben, und erfand immer neue Tonträger und Techniken.
Und DAS ist für mich der springende Punkt: die Vinylplatte ist nur ein Medium von vielen, in dieser langen Geschichte der Tonträger.
Die Schellackplatte war den Wachswalzen voraus, die Vinylplatte war den Schellackplatten voraus, die CDs sind den Vinylplatten voraus. Damals gab es einfach nichts anderes, bis die CD kam. Und auch damals schon werden die Leute, die Tonträger entwickeln, die Platte als momentan besten Tonträger gesehen haben, sondern versucht haben, wieder etwas besseres zu erfinden, das die Fehler der Platte nicht mehr hat.
Insofern sehe ich die Schallplatte also nur als ein Teil einer langen Kette von Tonträgern und Versuchen, Musik möglichst gut abzuspeichern und wiederzugeben.
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (16.05.2015, 20:07): Ich habe in einer österreichischen Fernsehserie aus den 70ern ("Ein echter Wiener geht nicht unter") eine Schallplattenbox gesehen, von der es heißt, sie koste ein Vermögen.
Es handelt sich dabei um diese Vivaldi-Box mit 18 LPs.
http://www.rauhvinyl.com/bilder/gross/5909.jpg
Meine Frage wäre, ob jemand vielleicht sagen kann, wieviel die damals ungefähr gekostet haben wird, oder ob sie vielleicht sogar jemand selbst besitzt und einen genaueren Preis weiß?
LG, Hosenrolle1
Peter Brixius (19.05.2015, 18:17): Liebe hosenroll1,
bei Amazon bekommst Du die Box im Moment für 23 € Vivaldi-Box
Die 18 LPs dürften damals (mit dem üblichen Preisabschlag) um die 200 DM gekostet haben. Was man da spekulativ alles draus machen kann ... Es gibt ja immer mal wieder den Versuch, etwas zu einem Mondpreis loszuschlagen. Aber wer zahlt den schon? Ich hatte mir damals (in Etappen) die ganze Vivaldi-Edition gekauft, da reizte mich eine Auswahlbox wenig.
Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (19.05.2015, 19:47): Danke für die Hilfe!
In der Serie wird diese Box zu Weihnachten verschenkt, und der Beschenkte sagt dann noch "Den Ganzen? Der kostet doch ein Vermögen!".
200 DM, das wären rund 1400 Schilling (und rund 100 Euro) ... das war in den 70ern tatsächlich eine Menge Geld! Jetzt kann ich das noch besser nachvollziehen :)
Ich habe das übrigens verglichen: man sieht in der Serie nicht nur die Box und das Cover, sondern auch die Vorderseite vom Booklet. Es ist genau diese Box.
LG, Hosenrolle1
Amadé (20.05.2015, 09:57): Lieber Hosenrolle1, ich weiß nicht, ob man die I Musici-Box heute noch mit dem gleichen Vergnügen hört als vor 30-40 Jahren. Mittlerweile hat sich die Sicht auf Vivaldis Musik infolge der Konzerte und Platten nachfolgender Ensembles doch modifiziert und geschärft. Ich besitze selbst etliche Opera aus dieser Sammlung in kleineren Gebinden (noch auf LP): op. 6 bis op. 12, muss aber gestehen, dass die Aufnahmen Staub angesetzt haben, bei mir zumindest und ich sie nur noch wenig höre. Hier geht es mir ähnlich wie bei Karl Böhm und seinen Mozart- und Schubert Platten, damals von der Fachkritik als "aller erste Sahne" bejubelt, aber heute, nachdem die Aufnahmen von Böhms etwa gleichaltriger und jüngeren Kollegen (wieder) greifbar sind, sieht der Blick doch ganz anders aus.Ich möchte Dir die Musici-Box jedoch keineswegs madig machen, hier wird gut bis sehr gut musiziert, man kann jedoch Strawinskys Bemerkung, "Vivaldi habe nur ein Konzert geschrieben, und das sechshundert Mal", hier zumindest verstehen.
GRüße Amadé
Peter Brixius (20.05.2015, 10:47): Lieber Amadé,
man kann Vivaldi mit I Musici durchaus noch mit Gewinn hören, obwohl es mir da so ähnlich geht wie bei Beechams Einspielungen von Haydn - liebenswerte Zeugnisse der Wiederentdeckung eines Komponisten, die in der Folge zu der Beachtung führte, die er verdiente, aber eben doch auch - wie Du schreibst - eine Lage Staubs, die man vorher entfernen muss.
Anlässlich von Beecham habe ich mir ein dreibändiges Werk aus dem regal gefischt, in das ich hin und wieder gerne schaue: "Ewiger Vorrat klassischer Musik auf Langspielplatten" (1959, 1960, 1962) Christoph Ecke hatte damals den ersten gewichtigen Schallplattenführer geschrieben - und man kann ihm entnehmen, wie Interpreten (und Komponisten) Anfang der 60er beurteilt wurden.
I Musici nehmen dort eine wichtige Position ein, nicht zuletzt gerade bei den Werken, von denen es schon mehrere Vergleichseinspielungen gibt, wie bei den Quattro Stagioni, wo es 1959 immerhin schon sechs Aufnahmen gab
Die beste stammt von 'I Musici' (Phi) mit dem hervorragenden geiger Felix Ayo als Solist. Diese Aufnahme erfreut sich nebenbei bemerkt einer Aufmachung von großem künstlerischen Geschmack.
Die Wertschätzung des ersten Bandes findet sich auch später wieder. Sie betrifft auch den Komponisten:
Vivaldis melodische und rhythmische Erfindungsgabe war außerordentlich (S. 293)
Im zweiten Band wird das noch einmal unterstrichen:
Wenn man sich die einzelnen Werke vornimmt, macht man die Beobachtung, dass Vivaldis Inspiration unerschöpflich war, und zwar nicht nur, was die inhaltlichen Ideen, sondern vor allem auch was ihre formale Gestalt anging. (II, 106)
Kurz: I Musici haben nicht nur LP für LP das Werk Vivaldis erschlossen, sie haben es auch in der Vielfalt geboten, wie es sich gehörte.
Der Griffel des 'Roten Priesters', wie ihn seine Landsleute nannten, war ein Zauberstab, nicht etwa nur in dieser Mannigfaltigkeit seiner Produktion, sondern vor allem auch in seiner besonderen Kunst, so zu schreiben, dass jedem Interpretationsstil eine eigene Möglichkeit zur Entfaltung bleibt. Nur in einem versagt er: wer ihn konventionell oder akademisch darbieten will, in der naiven Annahme, die Zeitgenossen des Barockseien altväterliche Spießer statt Vollblutmenschen gewesen, der allein gerät bei Vivaldi, genau wie bei seinen Kollegen, in die Brüche. (II,106)
Also Anspruch und Wiedergabe auch bei I Musici waren schon bemerkenswert. Dass wir heute eine Vielzahl von Sichtweisen dazu gewonnen haben, mag vorübergehend die Leistung der Pioniere verstellen, aber doh nicht auf Dauer. Natürlich liebe ich die "wilden" Interpretationen, die heute zu haben sind, die Bandbreite hat sich erheblich auch klanglich erweitert, warum sollte man das leugnen. Aber meine Wertschätzung der in der umfangreichen Reihe blauer Boxen enthaltenen Interpretationen ist unvermindert hoch.
Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (20.05.2015, 11:20): Original von Amadé Ich möchte Dir die Musici-Box jedoch keineswegs madig machen, hier wird gut bis sehr gut musiziert, man kann jedoch Strawinskys Bemerkung, "Vivaldi habe nur ein Konzert geschrieben, und das sechshundert Mal", hier zumindest verstehen.
Das ist nett, aber in diesem Fall geht es nicht um mich selbst; ich habe nur diese Folge einer Fernsehserie aus den 70er Jahren gesehen, wo diese Box verschenkt wurde, und dazu die Bemerkung "Die kostet doch ein Vermögen". Deswegen wollte ich gerne wissen, ob jemand den ungefähren Preis von damals weiß.
Trotzdem danke für deine Ausführungen, die ich trotzdem mit Interesse gelesen habe!
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (23.10.2015, 13:05): Gerade bin ich über ein Zitat des Musikers Alan Parsons gestoßen:
"Audiophiles don't use their equipment to listen to your music. Audiophiles use your music to listen to their equipment."
Ob da was Wahres dran ist?
Ich finde, dass da zu sehr verallgemeinert wird. Natürlich verstehe ich, wenn jemand seine Musik so gut wie möglich hören will - wer will das nicht? Aber meiner Meinung nach gibt es nicht "die Audiophilen".
Dass das Ganze aber ausarten kann ist auch bekannt.
LG, Hosenrolle1
Hörbert (26.10.2015, 16:21): Hallo!
Nun, an dem Spruch ist etwas wahres dran, es gibt in der Tat eine ganze Reihe von Usern (hier im KF allerdings wohl nur eine verschwindend geringe Zahl falls überhaupt) für die Musik nichts weiter als eine Projektionsfläche für ihr HiFi-Equipment darstellt.
Insofern ist diese Aussage nicht allzu verwunderlich.
MFG Günther
a-way (12.03.2023, 15:49): Deine Links gehen ja wirklich auf LPs. Bist du eine Vinylistin? Wenn ja, mit welchen Equipment? Ist das eine neue Leidenschaft? Fragen ueber Fragen. Falls du antworten und schwaermen magst, dann gerne hier. Die-Schallplatte-das-unbekannte-Wesen. Ist so langsam von auszugehen, ja => noch recht neu, nach sehr langer Suche nach was denn so passen könnte. Hat bei mir etwas länger gedauert, aber ich fühle mich mit Platten einfach wohler - vom Klang wie von der Haptik - und da man ja auch ohne Probleme digitalisieren kann und auch auf CDs brennen (was von CD auf Platte nicht so recht funktionieren will ), sehe ich auch keinerlei Nachteile. Überhaupt kein dolles Equipment; es war beim Kauf eigentlich nur zum Ausprobieren und ab und an mal Plattengefühl gedacht - Stress deswegen habe ich aber vorerst noch nicht, da ich die meiste Zeit über Streaming höre. Mich mehr Richtung besserer Technik in die Richtung umsehen mag ich irgendwann aber bestimmt und den Thread schaue ich mir ganz in Ruhe an, danke.
Ob du Vinylist bist kann ich im Thread nachlesen?
Joe Dvorak (14.03.2023, 01:32): In der Theorie bin ich Vinylist und habe mich als Cetay weiter vorne ausfuehrlich geaeussert. Allerdings ist das ueber 10 Jahre her und da hat hat sich zumindest eine Auffassung geaendert. Der klanglichen Vorteil per se von der LP sehe ich nicht mehr. Heutzutage werden hochwerte Komponenten und Bauteile, die vor ein paar Jahren noch dem Hoechstpreissegment vorbehalten waren, in erschwingliche Digital-Geraete eingebaut - daneben kann ein Plattenspieler der gleichen Preisliga kaum bestehen. Mich begeistert die Technik und die Hingabe mit der die Tueftler immer wieder Neues erfinden, um noch mehr Klang aus der Konserve zu holen und das dann zur Serienreife fuehren. (Ob es wirklich mehr Klang oder nur ein weiteres Marketinginstrument gibt, ist allerdings manchmal fraglich.) In der Praxis habe ich weder Plattenspieler noch LPs (und kaum noch CDs), weil das Streamingangebot (mit unbegrenzten Downloads) fuer mehr als 10 Leben ausreicht.
a-way (21.03.2023, 21:19): Danke für deine Antwort! Ich habe auch noch vor zu antworten, wenn ich diesbezüglich etwas sortierter bin :hello
Joe Dvorak (23.03.2023, 01:59): Nur kein Stress beim Hobby. ^^
Ich verweile derweil auf der Seite des Herstellers Transrotor, dessen Abspielmaschinen ich zwar noch nicht gehoert habe, aber da beginnt es schon beim blossen Anschauen unziemlich zu jucken. Platz zwischen den Lautsprechern haette ich noch... :saint:
Sfantu (07.05.2023, 11:36): Heute Morgen las ich diesen schönen Satz auf der Website eines Plattenladens:
"Warum Schallplatten und CDs? Weil Dich kein Mensch mit glänzenden Augen fragen wird: Darf ich mal Deine mp3-Sammlung und Deine Streaming-Playlist sehen?"