Die Staatsoper in Berlin

Heike (20.05.2008, 21:28):
Ich weiß ja nicht, wie viele Berliner hier sind - aber die Diskussionen um die Lindenoper nehmen kein Ende.

Nachdem ja nun Staatsopern-Chef Peter Mussbach gegangen ist (ich will mir nicht anmaßen, etwas zu den Vorgängen um die Geldverteilung zu sagen), gibt es nun eine neue Diskussion um die Innenausstattung der Oper nach dem Umbau.

Wie man ja weiß, soll die Oper restauriert werden, was auch sicher dringend nötig ist. Dafür ist schon viel Geld eingeplant worden und der Spielbetrieb wird 3 Jahre ausgelagert ins Schiller-Theater. Jetzt gibt es Streit um den Entwurf der Innenausstattung: Das Haus selbst bzw. die beauftragte Jury bevorzugte einen modernen Entwurf, der schlicht und funktional ist, aber mit hervorragender Akustik überzeugt. Der Geldgeber, also der Senat, soll nun dagegen votieren und fordern, die alte Form nach Knobelsdorf wieder herzustellen - um den Preis des Klanges. Jetzt ziert die Oper viel Prunk - aber der Klang (und auch die Sicht auf etlichen Plätzen) lässt sehr zu wünschen übrig.

Was meint ihr? Wenn ihr in diese Oper geht, in diese alten und schönen Knobelsdorf-Bau, und darin wird dann so ein total moderner Saal hergerichtet - ist das besser oder schlechter als ein klassischer Prunksaal, der Lautsprecher braucht, um irgendwie noch Bässe in den Rängen hörbar zu machen?
Die Jury sagt, es gäbe keinen Mittelweg - also es ließe sich nicht verbinden, man müsse sich für eines entscheiden: Historie oder Akustik.

Hat irgendwer diese Diskussion mitverfolgt?
Hebre
Gerion (20.05.2008, 21:53):
Für mich ganz klar: Der Klang entscheidet, wenn kein Kompromiss möglich ist. Da muss sich auch die Schönheit des Raumes unterordnen, finde ich.
Heike (15.07.2008, 21:46):
Saalschlacht endet unentschieden

"Zurück an den Start: Der Siegerentwurf zur Sanierung der Berliner Staatsoper wird nicht gebaut. Nach langwierigen Querelen verkündete Bürgermeister Wowereit eine Entscheidung, die eigentlich keine ist: Der Umbau wird neu ausgeschrieben."

der ganze Artikel unter
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,566030,00.html

Hebre
Solitaire (16.07.2008, 11:13):
Ich war ja noch nicht dort. werde aber im Oktober zum "Eugen Onegin" hinfahren, bin schon sehr gespannt auf das Haus.
Grundsätzlich bin ich aber auch der ansicht, daß die Akustik das wichtigste ist.
Gab's ähnliche Diskussionen nicht auch über den Wiederaufbau von La Fenice, oder werfe ich da jetzt was durcheinander?
Heike (17.07.2008, 22:00):
Hallo,
ich finde das Haus schön und bin gern dort. Allerdings ist der große Saal ja schon seit langem nicht mehr in der ursprünglichen Knobelsdorff-Form. Die DDR hat ja auch versucht, nach den großen Zerstörungen im 2. Weltkrieg das Haus wieder herzurichten. Optisch ist das ganz gut gelungen, aber die Akustik ist halt nicht so berauschend, v.a. wenn man weit oben sitzt. Und jetzt ist Restaurierung dringend nötig, man sieht es auch, wenn man genauer hinschaut. Der Saal ist auch sowieso nur noch ein Imitat des alten Knobelsdorff-Saales, also was will man denn da schützen, das DDR-Barock? Wenn man so ein klasse Orchester und so einen wunderbaren Standort hat, dann ist es wirklich ein Jammer, wenn der Saal klanglich nicht gut mithalten kann. Vor allem, wenn man als Berliner mit der Philharmonie so verwöhnt ist ;-)

Mir selbst ist auch die Akustik wichtiger. Man könnte die Flure, Foyers, Treppen und die kleinen Säle im Rokoko lassen, den großen Saal dafür festlich schlicht und akustisch perfekt umbauen. So hatte das die Jury ja vorgeschlagen. Aber das wollen die Geldgeber so nicht :-(

Bin mal neugierig, wie die 2. Runde des Wettbewerbs ausgeht. Hoffentlich kommt kein schechter Kompromiss raus.

Gab's ähnliche Diskussionen nicht auch über den Wiederaufbau von La Fenice, oder werfe ich da jetzt was durcheinander?
Das weiß ich nicht, aber es interessiert mich, ich werde mal demnächst nachlesen.

Hebre
P.s. vom Onegin musst du unbedingt berichten, ich werde eine spätere Vorstellung besuchen!
Solitaire (17.07.2008, 22:15):
Klar, davon berichte ich ausführlich!
Ich freu mich wie bekloppt, das ist SO schöne Musik :down
Heike (17.07.2008, 22:35):
Ja das stimmt, ich höre die CD zur Zeit im Auto rauf und runter!

Und natürlich hoffe ich, dass Villazon endlich mal zu sehen kriege... Wobei, ich wäre auch ohne ihn hingegangen ;-)
Hebre
Solitaire (18.07.2008, 07:00):
Beten wir, daß er singt...obwohl, wenn er den Carlos durchgestanden hat, dürfte diese lyrische Partie wohl nicht so problematisch sein, es sei denn, er kriegt dicke Mandeln und da ist ja nun niemand vor gefeit.
Wie gesagt: "Eugen Onegin" lohnt sich immer. Mit einem gesunden RV ist Bestform wird es natürlich besonders schön, ohne aber ganz sicher auch sehr, sehr lohnend.
Und schließlich ist es ja nicht er, der die phänomenale Briefszene singen muß :D
Heike (18.07.2008, 20:20):
Das schöne ist, dass ich sogar ein paar Brocken verstehe - Schulrussisch vor -zig Jahren!

So, jetzt guck ich mal (nochmal) "Die fetten Jahre sind vorbei" (Eins Festival)
Hebre
Solitaire (19.07.2008, 08:14):
Mit Russisch kann ich ja nun gar nicht dienen, dabei klnigt diese Sprache so schön!
Mein Opern- und VHS-Kurs-Italiensich reicht aus, um mitzukriegen, daß es bei "Io morrò!" tragsich, und bei "Io son felice" entspannt zugeht, aber das war es dann auch schon :rofl
Wie dem auch sei: ich bin schon froh, die Oper vor dem Umbau noch von innen zu sehen zu kriegen.
Die Deutsche Oper am Rhein wurde ja auch umgebaut. Ich war seitdem alerdings noch nicht da, hat sich aus Zeitmangel leider bisher nicht ergeben, dabei lief da schon einiges, das ich so gerne gesehen hätte.