Jürgen (07.06.2006, 09:59): Ich habe vorgestern eine Verfilmung der Nibelungensage im TV gesehen. Ich habe halt eine angeborene Schwäche für dieses Thema.
Obwohl ich schon wesentlich schlechtere Versionen dieses Sagenstoffes gesehen habe, ertappte ich mich mehrmals dabei, wie ich mir vorstellte, diese oder jene Szene sei mit der Wagnerschen Musik untermalt viel dramatischer, auch manchmal nicht so belanglos. Exemplarisch sei die Treueeidszene oder der Trauermarsch genannt.
Kennt auch ihr Opernhandlungen, die ebenfalls verfilmt worden sind und bei denen der Film mit Plattitüden zu kämpfen hat oder am Kitsch entlangschlittert. Bei der Oper hingegen spielt das kraft der Musik keine Rolle mehr.
Gegenbeispiele sind natürlich ebenso erwünscht.
Grüße aus dem Odenwald Jürgen
Janina (07.06.2006, 16:39): Du meinst aber keine Opernfilme, oder? Du meinst doch Filme die nur einen Opernstoff wiedergeben, ohne dass die Musik miteinbezogen wird, oder? Mir fällt zwar gerade kein weiteres Beispiel ein, aber ich kann mir schon gut vorstellen, dass das nicht besonders klasse ist. Ich meine, hallo? Nur Opernstoff, ohne Musik? Was fällt denen ein? Da fehlt doch das emotionale Bindeglied.
Jürgen (09.06.2006, 12:16): Ja, Janina,
genauso meinte ich es. Keine Oper(nverfilmung), Operette, Musical.
Sondern ein Spielfilm, Theaterstück o.Ä. Normale Filmmusik ist natürlich zugelassen.
Grüße Jürgen
Jürgen (07.06.2006, 09:59): Ich habe vorgestern eine Verfilmung der Nibelungensage im TV gesehen. Ich habe halt eine angeborene Schwäche für dieses Thema.
Obwohl ich schon wesentlich schlechtere Versionen dieses Sagenstoffes gesehen habe, ertappte ich mich mehrmals dabei, wie ich mir vorstellte, diese oder jene Szene sei mit der Wagnerschen Musik untermalt viel dramatischer, auch manchmal nicht so belanglos. Exemplarisch sei die Treueeidszene oder der Trauermarsch genannt.
Kennt auch ihr Opernhandlungen, die ebenfalls verfilmt worden sind und bei denen der Film mit Plattitüden zu kämpfen hat oder am Kitsch entlangschlittert. Bei der Oper hingegen spielt das kraft der Musik keine Rolle mehr.
Gegenbeispiele sind natürlich ebenso erwünscht.
Grüße aus dem Odenwald Jürgen
Janina (07.06.2006, 16:39): Du meinst aber keine Opernfilme, oder? Du meinst doch Filme die nur einen Opernstoff wiedergeben, ohne dass die Musik miteinbezogen wird, oder? Mir fällt zwar gerade kein weiteres Beispiel ein, aber ich kann mir schon gut vorstellen, dass das nicht besonders klasse ist. Ich meine, hallo? Nur Opernstoff, ohne Musik? Was fällt denen ein? Da fehlt doch das emotionale Bindeglied.
Jürgen (09.06.2006, 12:16): Ja, Janina,
genauso meinte ich es. Keine Oper(nverfilmung), Operette, Musical.
Sondern ein Spielfilm, Theaterstück o.Ä. Normale Filmmusik ist natürlich zugelassen.
Grüße Jürgen
Solitaire (04.12.2008, 16:39): Viele Opern basieren ja auf teilweise sehr bekannten Theaterstücken, ich denke natürlich vor allem an Verdis Schiller- und Shakespeare-Vertonungen, aber auch an „Rigoletto“ („Le roi s’amuse“) und „La Traviata“ („La dame aux camèlias“) oder Mozarts „Hochzeit des Figaro“ der ja auf Beaumarchais’Stück beruht sowie an seinen „Don Giovanni“ der viele Elemente von Molières „Dom Juan“ enthält. Ob in diesen Fällen die Oper dem Sprechtheater direkt überlegen ist weiß ich gar nicht mal, denn es würde wohl niemand behaupten, daß Shakespeares oder Schillers Sprache Verdis Musik unterlegen ist, aber daß die Oper einen anderen, und oft direkteren Zugang zum Zuschauer findet steht wohl außer Frage. Victor Hugo, der Autor von „Le roi s’amuse“ soll Verdi sehr um die Möglichkeit beneidet haben, im Quartett im letzten Akt des „Rigoletto“ vier Menschen gleichzeitig zu Wort kommen zu lassen und vier unterschiedliche Gemütszustände zur selben Zeit zu schildern. Und das, obwohl er über die „veroperung“ seines Stückes zunächst gar nicht glücklich war.
Ich liebe Schillers „Don Karlos“ fast ebenso wie die Verdi-Oper, dennoch: Schiller kann machen was er will, die Szene in der Carlos sich von Posa verraten glaubt wird m.E. bei Verdi immer erschütternder sein, und das allein dadurch, daß Verdi im Augenblick des „Verrats“ das Freundschaftsmotiv im Orchester erklingen lässt. Diese Möglichkeit hat Schiller nicht, und hier ist wohl die Oper dem Sprechtheater ganz eindeutig überlegen.
Dr. Schön (04.12.2008, 17:05): Ich habe gerade überlegt, ob mir irgendein Film einfällt, der den Stoff einer Oper aufgreift, jedoch ohne die Musik zu verweden.
Bei dem Rigoletto musste ich gerade an Luis Bunuel denken. In seiner sehr amüsanten und lesenswerten Autobiografie "Mein letzter Seufzer" erzählt er von seiner großen Liebe zu Oper und meint sich dort öffters etwas inspirieren lassen zu haben. Als konkretes Beispiel nennt er dort aber nur seinen ernstesten und härtesten Film "Los Olvidados/Die Vergessenen" (1950), einen fast dokumentarischen Film über den Alltag mexikanischer Straßenkinder.
Am Ende des Films kommt ein Junge, wenn ich mich recht erinnere, durch einen Unfall ums Leben und wird, damit es niemend merkt, in einen Sack gepackt. Das dürfte auf den Rigoletto anspielen. Das hat natürlich angesichts des Kontextes eine ganz andere Wirkung.
Solitaire (04.12.2008, 18:06): @Dr. Schön Solch eine Anspielung in diesem realistischen Zusammenhang ist natürlich heftig... Ich weiß, das Aki Kaurismäki „Das Leben der Bohème“ verfilmt hat, kenne den Film aber leider nicht. Szenenfotos die ich gesehen habe, und das, was ich über Kaurismäkis Filme generell weiß, lassen allerdings vermuten, daß er das Ganze um einiges härter, unsentimentaler und realistischer angeht als Puccini. Mich interessiert der Film sehr. (Von Kaurismäki kenne ich „Leningrad Cowboys“ „I hired a contract killer“ und mag beide Filme sehr).
Jürgen (05.12.2008, 11:33): Hallo Solitaire und Dr.Schön,
Ihr geht da schon sehr ins Detail, ich hatte bei der Fadeneröffnung allerdings viel krassere Beispiele im Sinn.
Welcher erwachsene Mensch würde sich z.B. den "Ring des Nibelungen" also Wagners Variante als Theaterstück oder als Film anschauen ohne Wagners Musik? Bei so viel Zwergen, Riesen (Halb-)Göttern und Drachen wäre mir das sicherlich zu kitschig (Ggf. hätte es Peter Jackson geschafft). Mit Musik bin ich jedoch um ein Vielfaches toleranter.
Ich hätte auch "Hänsel und Gretel" oder "Nussknacker" anführen können.
Aber Eure Beispiele zeigen, dass gute Komponisten solch klassische Dramen von Schiller oder Shakespeare noch steigern können.
Grüße Jürgen
Dr. Schön (05.12.2008, 12:49): Es gibt ja noch Fritz Langs "Nibelungen" Film (1924), der allerdings nicht Wagners Variante aufgreift. Kriemhild zB kommt bei Wagner ja gar nicht vor.
Wobei man stellenweise schon das Gefühl hat, Lang hätte Wagners Oper im Hinterkopf. Wie sollte man das auch nicht.
Neben Langs sehr realistischer, strenger und tragödienhafter Umsetzung, die mich manchmal etwas an Shakespears Königsdramen erinnert hat, ist Wagners Umsetzung des Stoffes (aber auch nur im direkten Vergleich) vielleicht sogar die kitschigere.
Wobei es für mich, wenn ich das gerade so überlege bei Wagner nicht unbedingt die Musik ist, die den Ring nicht Kitschig erscheinen lässt.
Wagner (wie Lang) bleibt in allem sehr realistisch. Wotan hat spätestens ab der "Walküre" sehr menschliche Züge, auch Alberich, die Riesen usw. sind in ihrem Handeln und Denken immer sehr realistisch mit menschlichen Empfindungen und nicht und als wundersamme Zauberwesen angelegt. Alle sind sie auch psychologisch interessant. Ich denke, dass das einen größeren Unterschied ausmacht.
Eine Figur im Wagner Kosmos, die ich als unerträglich empfinde ist der Lohengrin. Und wenn ich das gerade überdenke, dann liegt das auch daran, dass er ein reines, kitschiges Wesen ohne jegliche anderweitige Tiefe ist. Und das ist der Grund, warum ich diese Figur nicht mag, jedoch mit dem Ring nie Probleme hatte. Mit der Musik hat das dann gar nichts zu tun. Im Gegenteil. Gerade meine Abneigung gegen Lohengrin wird ja durch die Musik, die ihn erst recht verklärt und seine Erscheinung zusätzlich illustriert noch gesteigert. Da ist dann auch klar, dass die Oper Gefühle und Empfindungen vermitteln kann, die in dieser Form in einem anderen Medium nicht möglich sind. Nur hier eben im negativen Sinne.
EinTon (02.03.2009, 01:16): Original von Dr. Schön Kriemhild zB kommt bei Wagner ja gar nicht vor.
Doch, sie heisst nur Gutrune!
Dr. Schön (02.03.2009, 02:29): Original von EinTon Original von Dr. Schön Kriemhild zB kommt bei Wagner ja gar nicht vor.
Doch, sie heisst nur Gutrune!
Ja, das stimmt, aber die ganzen Sachen, wie Kriemhilds Heirat mit Etzel und ihre geplante Rache an Hagen, die zur Schlacht der Hunnen gegen die Burgunden führt, hat Wagner nicht mehr aufgegriffen. Bei Lang machen diese Hergänge fast noch zwei Stunden aus und Kriemhild steht im Mittelpunkt des Ganzen, wo Gutrune ja nur eine Nebenrolle ist.
So etwa meinte ich das.
Solitaire (04.03.2009, 14:33): Ich weiß, es ist die pure Ketzerei das zu schreiben und alle Deutschlehrer werden mich dafür verdammen, ABER: ich fand den Roman „Werther“ immer furchtbar. Mir ist das unerträgliche Gejammer dieses Kerls so dermaßen auf den Zeiger gegangen und ich habe ständig gedacht „Junge! Das wird nix! Such dir eine andere, wegen sowas bringt man sich doch nicht um!“ Es bedurfte der Musik von Massenet und zweier grandioser Sänger, mir die Augen zu öffnen: zuerst Placido Domingo auf CD, dann Rolando Villazón auf DVD...