Die Weihnachtskette

Rideamus (06.12.2010, 10:52):
Anlässlich des diesjährigen Adventsrätsel habe ich eine Frage nach Bühnenwerken mit weihnachtlichen Themen gestellt, die nicht nur überraschend viele, sondern auch viele mich überraschende Antworten ergab. Da deren Veröffentlichung im neuen Jahr etwas witzlos ist, möchte ich dem Thema einen aktuellen Thread widmen, bei dem natürlich zunächst Ihr die Chance haben solltet, Eure eigenen Nominierungen zu erläutern und nach Möglichkeit auch passende Musikbeispiele einzustellen.

Ich mache einmal den Anfang mit dem Werk, das die Frage ausgelöst hat.

Jules Massenet: WERTHER

Hier probt ein Kinderchor das Weihnachtslied
„Noel, Noel, Jésus vient de naitre“
(Weihnacht, Weihnacht, Jesus wird geboren)

In der Wiener Inszenierung von Andrej Serban proben sie das schon im Sommer in Badehosen.

Zum tragischen Schluss wird das Lied dann im Hintergrund aufgeführt. Hier in der Pariser Aufführung mit Rolande Villazon, von dem es leider keine Gesamtaufnahme gibt, und Susan Graham: „http://www.youtube.com/watch?v=fPbo9Uc6pKc“

Welche Werke gibt es noch? Wenn Ihr wollt, könnt Ihr natürlich auch gerne andere Werke der klassischen Musik mit einem Bezug zu Weihnachten einstellen.

:hello Rideamus
Heike (06.12.2010, 16:42):
Dann fange ich mal ganz profan mit La Boheme an - passend zur hiesigen Kälte und zum Schnee hier fällt mir da zuerst der verzuckerte und trotzdem schön winterliche Film mit Villazon und Netrebko ein, in dem zu Weihnachten ganz altmodische Sachen liebevoll verschenkt werden:

MIMI
Hier dieses Häubchen mit Spitzen
ganz bestickt in rosa;
zu meinen braunen Haaren passt die Farbe gut.
Schon so lange
war so ein Häubchen mein Wunsch,
und er erriet,
was mein Herz begehrt.
Nun, wer so im Herzen
lesen kann,
der kennt die Liebe
Armin70 (06.12.2010, 17:02):
Ich mache mal weiter mit Peter I. Tschaikowskys Ballett "Der Nussknacker" nach E. T. A. Hoffmanns "Nussknacker und Mäusekönig".

Im 1. Bild des 1. Aktes wird die festliche Weihnachtsfeier im Hause von Clara gezeigt. Des weiteren wird im weiteren Verlauf des Balletts die traumhaft schöne Winterwelt im Märchenland geschildert.

Sonst kann ich mit Tschaikowskys Balletten nicht so viel anfangen aber "Der Nussknacker" gefällt mir aber richtig gut und zwar nicht nur die Suite daraus.
Heike (06.12.2010, 20:49):
Das darf ja wohl nicht fehlen: Johann Sebastian Bach - Das Weihnachtsoratorium
Heike
Rideamus (06.12.2010, 22:28):
Wenn wir schon bei den Klassikern sind, darf natürlich auch Arcangelo Corelli nicht fehlen. Hier gibt es das

Concerto Grossp Nr. 8 "fatto per la notte di natale", das Weihnachtskonzert, zusammen mit etlichen anderen, weniger bekannten Stücken zur Vorweihnachtszeit:


:hello Rideamus
Fairy Queen (07.12.2010, 08:47):
Am Sonntag genossen, dank eines Radiomitschnitts, den mir Peter Brixius liebenswürdigerweise geschickt hat, ein uralter Weihnachtshit ohne Verfallsdatum:


Georg Friedrich Händel: Messiah

In einer exemplarischen Interpretation mit dem Concert d'Astrée (24 Sänger/innen plus HIP Orchester) unter seiner Dirigentin Emmanuelle Haïm. Sie ist letztes Jahr damit auf Deutschlandtournee gewesen und wurde einstimmig gefeiert

Weil ich sie gerade auch selbst singe, hieraus die Jubelarie: "Rejoice", in der obengenannten Aufnahme sehr fein und stilsicher interpetiert von Carolyn Sampson.

Hier mit der von mir sängerisch sehr verehrten Kathleen Battle:

http://www.youtube.com/watch?v=bByY2_uXblQ&feature=related
F.Q.
Rideamus (07.12.2010, 12:23):
Ich nehme mal ein Stück, das im Weihnachtsrätsel nicht erwähnt wurde, wie überhaupt das Musical dort wieder viel zu kurz kam. :I

Hier ist die Szene, die ich meine: "http://www.youtube.com/watch?v=yudgy30Dd68". Das Lied stammt von Hugh Martin und Ralph Blane und war nur einer, wenn auch der erfolgreichste, von mehreren Evergreens, die der Film hervor gebracht hat. Es gibt zahlreiche sehr gute Einspielungen dieses Klassikers des amerikanischen Weihnachtsliedes, von Frank Sinatra bis zu Diana Krall, aber keine hat je wieder den besonderen Glanz eingefangen, den Judy Garland diesem Lied gleich beim ersten Mal mitgegeben hat, als das Lied der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Das Filmmusical MEET ME IN ST. LOUIS von Judy Garlands späterem Ehemann Vincente Minnelli gehört zu den bezaubernsten Werken seiner Gattung, und das nicht, obwohl, sondern weil es sich damit bescheidet, nur den Jahresablauf einer Familie und ihren kleinen Dramen zu zeigen. Im Laufe des Jahres spielt natürlich auch Weihnachten eine Rolle, und an diesem Weihnachtsfest ist das große Thema, dass die Familie aus dem vertrauten St. Louis nach New York ziehen wird, was besonders die jüngste Tochter zutiefst erschüttert. Überflüssig zu sagen, dass natürlich alles gut ausgeht und auch das Weihnachtsfest ein sehr beschauliches wird.

Eigentlich sollte man aber nicht nur dieses Lied ansehen, sondern den ganzen Film. Die ideale Fassung ist die mit zahlreichen, auf zwei DVD verteilten Extras, die es leider nur jenseits des großen Teiches gibt:


Aber auch die - leider gerade verschwindende - deutsche Ausgabe lohnt das Ansehen bzw. den Erwerb.

:hello Rideamus
Rideamus (09.12.2010, 15:03):
Nicht vergessen werden sollte eine weitere Nominierung aus dem aktuellen Adventsrätsel, weil es eines der jüngsten Werke ist.

Ich spreche von Thea Musgraves Oper A CHRISTMAS CAROL nach der Novelle von Charles Dickens. Hier ist eine Website zu dem Werk in englischer Sprache: http://www.theamusgrave.com/html/christmas_carol.html

Die Oper folgt der Novelle von Charles Dickens sehr getreu, weshalb ein umfangreiches Personal benötigt wurde, das aber teilweise gedoppelt werden kann. Ihre Uraufführung fand am 16. Dezember 1981 in Norfolk, Virginia statt, aber fast gleichzeitig wurde sie auch in London von der Sadlers Well Opera aufgeführt.

Es gab einmal eine LP der Oper, die aber wohl die auf cd transferiert wurde, so dass ich leider nicht viel mehr dazu sagen kann.

:hello Rideamus
Heike (09.12.2010, 18:32):
Saint-Saëns - Oratorio de Noel
hier das Benedictus mit Verena Schweizer (Sopran) und Kurt Widmer (Bass):

http://www.youtube.com/watch?v=hKYBOW4oRvs
(man kann wunderbar die Noten mitlesen)
Rideamus (12.12.2010, 06:06):
Heute ist nicht nur der Dritte Advent, sondern zufällig auch der zwölfte Tag vor Weihnachten. Viele von Euch kennen sicher das alte englische (ursprünglich wohl französische) Volkslied von den "Twelve Days of Christmas", ein klassisches Additionslied (nach dem Muster des beliebten Familienautospiels vom Kofferpacken), in dem jeder Vers einen größeren Satz von Geschenken auflistet, die der bzw. dem Liebsten gegeben werden. Hier der Text, gesungen von John Denver und den Muppets: "http://www.youtube.com/watch?v=iFoBUp2hUQ0&feature=related". In der Nachbarschaft gibt's das übrigens auch mit Bild.

Dieses Lied, das eigentlich für die Zeit von Weihnachten bis Epiphanias gedacht war, ist heute ein Standard, den man auf jeder zweiten amerikanischen Weihnachtsplatte findet, also voll in die Adventszeit gewandert. Deshalb nahmen die Musicalautoren Jerry Bock und Sheldon Harnick (FIDDLER ON THE ROOF bzw. ANATEVKA) dieses Thema zum Anlass für ein ganz gegensätzliches Weihnachtslied ihres Musicals SHE LOVES ME.
Für diese besondere Version der klassischen Lubitsch-Komödie THE SHOP AROUND THE CORNER mit James Stewart, die später mit Meg Ryan und Tom Hanks als E-MAIL FÜR DICH neu verfilmt wurde, schufen sie ein herrliches Ensemble namens „Twelve Days to Christmas“ um die Hektik der Weihnachtseinkäufe, das man kennen sollte. Leider fehlte es bei den Nominierungen für die weihnachtlichen Extras meines diesjährigen Adventsrätsels. Deshalb präsentiere ich es hier mit einem Mitschnitt des Broadway-Revivals, mit dem ich das Stück kennen lernte:"http://www.youtube.com/watch?v=PAeBNBHTQ-c&feature=relatedv".



Und hier eine Aufführung desselben Stückes mit Bild: "http://www.youtube.com/watch?v=gBYWaMO2r40&playnext=1&list=PL952E33A728CF3CE5&index=9"

Wer das ganze Musical sehen möchte (es lohnt sich wirklich!) kann ab hier die englische Verfilmung abrufen: "http://www.youtube.com/watch?v=6WZrcox0WfQ&feature=related" .

Ich hoffe, Eure Vorweihnachtszeit ist bzw. war etwas gemütlicher und hat(te) auch ein schönes Happy End. Deshalb wünsche ich Euch einen wunderschönen und stressfreien Dritten Advent - vielleicht sogar mit diesem Musical.

:hello Rideamus
Heike (18.12.2010, 11:35):
Christoph Graupner: Weihnachtskantaten
Frohlocke, werte Christenheit;
Der Herr hat mich gehabt;
Das Licht des Lebens;
Das Licht scheinet in der Finsternis;
Von Gott will ich nicht lassen



Die CD wurde gerade erst im Kulturradio rbbvorgestellt und sehr gelobt.

Auch klassik.com gibt ein sehr positives Fazit ab:
"Bei Hermann Max ist diese hochklassige, nuancenreiche und vielfarbige Musik in besten Händen. Das Kleine Konzert spielt in solistischer Besetzung durchsichtig, agil, beweglich, mit dezenter Klangentfaltung. Kongenial ist auch die klangliche Realisierung des Programms zu nennen: Alle Elemente sind sehr konzentriert abgebildet, sind plastisch und durchhörbar erfasst. Diese Platte sollte in keiner Sammlung barocker Weihnachtsmusik fehlen."