Hyacinth (11.07.2012, 13:20): Weil ein solches Thema noch nicht existiert hat und ich mal annehme, dass viele von euch Musik in irgendeiner Form ausüben und mit Nachbarn schon so ihre Erfahrungen gemacht haben, mache ich einen eigenen Thread draus.
Aus gegebenem Anlass, eigentlich. Ich wohne in Wien, nahe Innenstadt, in einem Altbau, Mehrfamilienhaus. Mein Zimmer geht hinaus auf einen Hof, an den mehrere Häuser angeschlossen sind. Er ist circa 250-300 Meter lang und 80 Meter breit und voll mit Bäumen. Das ist deshalb wichtig, weil ich eben ab und zu bei offenem Fenster übe, vor allem im Sommer. Oboe, Klavier und Gesang, nicht länger als insgesamt eine Stunde am Tag und nicht vor zehn am Vormittag und nach neun am Abend.
Die Leute in meinem Haus (vorwiegend ältere Semester) haben sich noch nie aufgeregt, die Wände sind auch eher dick. Es gibt allerdings in einem anderen Haus, schräg gegenüber eine ältere Dame, die sich früher nur darauf beschränkt hat "Fenster zu!" durch den Hof zu brüllen.
Vorgestern bekam ich dann einen Brief. Man muss dazu sagen, dass sie schon einmal mit meiner Mutter per Gegensprechanlage gesprochen hat, nicht grad sehr freundlich und ziemlich verständnislos. "Mein Mann ist professioneller Musiker, der spielt im Musikverein" waren zum Beispiel so Kommentare. Dass ich nicht in dem Alter bin, in dem man nur im Musikverein spielt, sollte sie bemerkt haben.
Ja, der Brief war dann ähnlich. Meine Mutter habe anscheinend die Berechtigung in ihrer Bitte, die Fenster zu schließen nicht gesehen. Ich muss dazu sagen, dass meine Mutter das zwar übertrieben findet, mich aber immer gebeten hat, die Fenster zu schließen. Ich (Spätpubertät und so) habe das auch nicht immer befolgt. Ihre prinzipielle Botschaft war, dass sie nicht gezwungen sein will Musik, egal in welcher Ausführung, zu hören. Wenn jemand anderer das Radio bei offenem Fenster im Sommer aufdreht stört sie das dann ja anscheinend auch. Dass laut ihr auch andere Menschen etwas gegen Üben bei offenem Fenster haben, wage ich einmal zu bezweifeln. Wie gesagt, sind die Anwohner in meinem Haus sehr tolerant, machen ja auch selbst ab und zu laut Musik.
Dann erwähnte die Dame noch, dass ihr Mann natürlich immer bei geschlossenem Fenster proben würde. Bei dem Instrument, was er spielt wäre es wohl nicht schlimm, wenn er das Fenster öffnen würde, da es nicht so durchdringend ist wie eine weibliche Singstimme oder eine Oboe, das gebe ich zu. Mich würde es aber nicht stören, wenn er jeden Tag bei offenem Fenster üben würde.
Dass sie meine Oboe als "penetrante Klarinette" bezeichnet hat, darüber sehe ich mal hinweg, weil nicht alle pensionierten Musikerehefrauen sich so gut auskennen können mit Musik.
Ich wollte fragen, wie ihr das seht, ob es weltfremd, "unkultiviert" (Worte der netten Briefschreiberin) oder sogar eine Zumutung ist, wenn man eine Stunde pro Tag bei offenem Fenster in einen großen Hof hinaus übt, ob vielleicht jemand weiß, wie die rechtliche Lage aussieht und was ihr so für Erfahrungen gemacht habt!
LG, Hyacinth :hello
Billy Budd (11.07.2012, 13:32): Liebe Hyacinth, ich spiele Altflöte (aber ich vermute, dass eine Oboe lauter ist) und singe gelegentlich ziemlich laut unter der Dusche, aber da hat sich noch keiner aufgeregt. Da Du ja nicht in aller Herrgottsfrüh und spät in der Nacht Musik machst, verstehe ich nicht, warum sich diese Nachbarin aufregt. Ist sie eigentlich schon auf die Idee gekommen (da sie ja offensichtlich total geräuschempfindich ist), ihr Fenster zuzumachen? Wie es rechtlich ausschaut, kann ich nicht sagen, aber ich glaube, dass Ihr wenig zu befürchten habt. Billy :hello
Hyacinth (11.07.2012, 13:42): Sie meint, sie will nicht gezwungen sein, immer das Fenster zuzumachen. Sie übertreibt auch ein bisschen, weil es oft Tage gibt, wo ich nicht einmal zum exzessiven Üben komme. Ich verstehe, wenn man in der Musikschule die Fenster schließen muss, aber bei einem Wohnhaus, wo nicht lauter Musikstudenten wohnen? Die Frau kann mal froh sein, dass ich nicht Geige spiele. Oboe übt man ja für gewöhnlich eine halbe Stunde am Stück, maximal.
Billy Budd (11.07.2012, 13:52): Ich bin jetzt mal ganz arrogant und sage: Das ist ihr Problem!
Verkehrslärm (der aber weit unangenehmer als Gesang und Oboe ist), muss sie schließlich auch ertragen.
Billy :hello
Hyacinth (11.07.2012, 14:05): Ich gebe dir absolut Recht, aber ich weiß wirklich nicht wie die Lage bei offenem Fenster ist. Ich übe nicht bei offenem Fenster, um sie zu ärgern, sondern weil Singen und vor allem Oboe spielen bei den Temperaturen schweißtreibend ist. Aber wenn man Pensionistin ist und den ganzen Tag vor dem offenen Fenster sitzen will (wo ich sie noch nie gesehen habe), dann versteht man so etwas natürlich nicht.
Billy Budd (11.07.2012, 14:07): So ist es!
Wie ich schon geschrieben habe: Deine Nachbarin kann sich glücklich schätzen, unter keiner wirklichen Lärmbelästigung zu leiden.
Billy :hello
satie (11.07.2012, 15:19): Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und der Dame zu verstehen geben, dass ihr penetrantes Gemecker das Einzige ist, was einer Belästigung gleich kommt. Sie kann sich ja ans Ordnungsamt wenden, wenn sie will. Sie muss dann auch beweisen können, dass eine Lärmbelästigung vorliegt. Und das wird schwierig sein...
Herzlich, S A T I E
Rideamus (11.07.2012, 15:34): Vorsicht. Nach 22:00 Uhr und in der ittgagsszeit zwischen 13:00 und 15:00 könnte eine Ruhestörung vorliegen. Zumindest ist das in Deutschland so.
Für Dich spricht aber, dass die Dame sich gar nicht auf Ruhestörung beruft, sondern ein Geschmacksurteil ausspricht. Schlechter Geschmack ist aber nicht justiziabel (was ich manchmal schade finde, wenn ich an bestimmte Fernsehsendungen oder Inszenierungen denke).
Die Dame müsste also schon beweisen, dass DU sie absichtlich mit falscher Intonation terrorisierst, was einem schon im gegebenen Fall schwer fallen dürfte.
Eine andere Frage ist es, was man zur Wahrung des Hausfriedens bereit ist zu tun oder zu lassen. Zwar hat den ganz eindeutig die Dame zuerst gebrochen, aber der Nachweis hilft im Kindergarten, wo eine solche Diskussion eigentlich hingehört bekanntlich auch nicht.
Also würde ich dazu raten, höflich zu bleiben, aber die Anschuldigung zu ignorieren. Wenn es ernst wird, protokollieren, wann Du wie lange übst, denn unterhalb einer Stunde dürfte das kaum als Lärmbelästigung zu Buche schlagen - außerhalb der o. g. Schonzeiten, notabene.
:hello Rideamus
Hyacinth (11.07.2012, 16:36): Original von Satie: Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und der Dame zu verstehen geben, dass ihr penetrantes Gemecker das Einzige ist, was einer Belästigung gleich kommt.
Ich werde auf den Brief nicht antworten. Dass sie übrigens gemeint hat, meine Stimme sei ja "immerhin hübsch und klar" ist mir ebenso egal wie ihr Musikerehemann, der bei geschlossenem Fenster übt.
Original von Rideamus: Vorsicht. Nach 22:00 Uhr und in der ittgagsszeit zwischen 13:00 und 15:00 könnte eine Ruhestörung vorliegen. Zumindest ist das in Deutschland so.
Ich übe nie nach 22 Uhr und auch selten um die Mittagszeit, weil ich da nicht zuhause bin. Jetzt in den Ferien am Vormittag, unterm Jahr am Nachmittag.
Eine andere Frage ist es, was man zur Wahrung des Hausfriedens bereit ist zu tun oder zu lassen.
Da die Dame nicht in meinem Haus wohnt, ist mir der Hausfrieden herzlich egal. Ich habe noch nie von einem Zweihäuserfrieden gehört :wink
Ich glaube, dass sich die Dame nicht über die Art und Weise wie ich spiele oder singe aufgeregt hat, sagt sie zumindest. Laut ihr hätte sie auch etwas gegen Musik in vollendetster Ausführung, wenn sie sie nicht hören will und die Fenster schließen muss. Hat sie vorher übrigens nicht gemacht...
Jürgen (11.07.2012, 16:36): Hallo Hyacinth,
ich frage mal vorsichtig, was Du unter älteren Semestern/Damen verstehst? Mit 15 definiert man das nämlich anders als mit 50.
Bei Nachbarn der ü70 Fraktion tritt nämlich oft der Effekt der Schwerhörigkeit ein (natürlich nur im Mittel).
Aber Spaß beiseite, früher (also viel früher, ich bin nämlich schon älter) lag mein Kinderzimmer gegenüber dem Musikzimmer meines Nachbarn. Der übte jeden Abend (wenn ich schon schlafen sollte) Cello. Das empfand ich als sehr grausam. Das waren zwar nur 15 anstelle von mindestens 80 Metern, aber dennoch kann ich nachvollziehen, wenn sich jemand daran stört.
Frage doch einfach mal bei Gelegenheit besagte ältere Dame, zu welchen Zeiten sie regelmäßig ausser Haus ist, damit Du ggf. Deine Übungszeiten danach richten kannst. Es fällt zwar schwer, nachdem man erst angeblökt worden ist, auf den Gegenüber zuzugehen, aber Du vergibst Dir ja nichts. Und eine Verpflichtung gehst Du auch nicht ein. Du tust lediglich Deinen guten Willen kund.
Grüße Jürgen
Hyacinth (11.07.2012, 16:46): Ich habe die Dame nie persönlich gesehen, nur über den Hof am Balkon, da ihr Mann über 80 ist, wird so wohl auch nicht viel jünger sein (sicher nicht 50).
Jetzt im Sommer kann ich natürlich den ganzen Tag üben wenn ich wollte und das auf die Frau Nachbarin abstimmen, aber unterm Jahr bin ich froh, wenn ich endlich aus der Schule komme und mich an mein Klavier setzen kann. Ich versuche jetzt wenigstens nur mit gekipptem Fenster zu üben, Oboe bei geschlossenem. Ich habe ehrlich gesagt keine Lust auf eine Diskussion... Sie kommt ja auch nicht rüber und schreibt nur Briefe.
peter337 (11.07.2012, 20:03): Liebe Hyazinth!
Diese Frau muss ja eine Schreckschrauben sein, wie und wo ihr Mann übt kann Dir egal sein. Ich selbst habe auch Üben müssen und am Konservatorium war auch nicht mmer ein Platz frei. Es wird heute nicht besser sein.
Singe und über weiter, denn wenn alle auf solche Leute hören würden, würde es keine aufstrebenden Künstler geben - und noch ein Rat, schick ihr die Briefe im Bündel - unfrankiert - zurück, mit dem Vermerk: Danke kein Interesse!!
Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien, das anders ist. :hello :hello
Hyacinth (12.07.2012, 11:52): Danke, Peter!
Wenn ich auf einem Konservatorium oder einer Uni wäre, würde ich ja dort üben, da das aber noch zwei bis drei Jahre dauert, bleibt mir nichts anderes übrig.
Der Brief ist übrigens schon im Mistkübel :P LG, Hyacinth :hello
Fairy Queen (15.07.2012, 10:02): Liebe Hyacinth , auch wenn dien Ärger serh verständlich ist und ich selbst meine Nachbarn seit Jahren mit Musik und Gesangsübungen traktiere: leider kommt man mit Konfrontationskurs im Leben nicht weiter, im Gegenteil: solche Dinge kônnen serh leicht eskalieren und dich dann so beschäftigen, dass sie dir am Ende die Freude verderben oder Dir zuviel Energie entziehen die Du besser für die Musik selbst verwenden würdest. Ich finde jedenfalls das, was Rideamus und Jürgen gesagt haben serh bedenkenswert. Ganz abgesehen von den Motiven dieser Dame: Ist es für dich existentiell notwendig, bei offenem Fenster zu üben? Mich würde das zwar überhaupt nicht stören, aber es gibt Dinge, die mich sehr wohl stören würden, wenn jemand sie bei offenem Fenster ausübt und ich würde mich zumindest fragen, warum diese Person nicht das Fenster zumachen kann. Eine persönlche Einigung ist immer besser als schwelende Konfliktherde, von denen man nie weiss, wann und wie sie explodieren kônnen. Vielleicht hat diese Dame wenig Lebensinhalte und steigert sich in diese "Ruhestörung" total hinein und lâsst es, um sich wichtig zu fühlen sogar zum Rechtsstreit kommen? Auch wenn Du Recht brekommen solltest, ist das eine hässliche Sache, die dich belasten wird und dir Zeit und Kraft für Wichtigeres nehmen wird. Wenn ein Einblenken nur deinen Stolz aber keine existenitelle Notwendigkeit( nach dem Motto ch kann nur bei offenem Fenster singen oder Oboe spielen) betrifft, wäre das meines Erachtens zumindest einen Versuch wert. Ich hatte bisher Riesenglück mit Nachbarn, denn bei mir singe nicht nur ich allein sondern auch Schüler und Therapiegruppen.... Die ienizigen Probleme die ich je mit Mitbewohnern hatte waren während meiner Anfänge im Violinspiel. Das habe ich dann wegen Mangel an Begabung schnell aufgegeben, und auch ,weil ch mich wirkich geschâmt habe, meine Umwelt so zu belâstigen, zu wenig geübt. Heute würde ich sicher andere Lösungen finden. :D Viel Erfolg für deine Ausbildung wünscht dir Fairy Queen :engel
Hyacinth (15.07.2012, 21:08): Liebe Fairy Queen, nein, es ist für mich nicht existentiell notwendig bei offenem Fenster zu üben. Ich habe diesen Thread gestartet wie es in Wien noch sehr heiß war und du weißt wahrscheinlich aus eigener Erfahrung wie anstrengend Singen (und vor allem Oboe spielen) dann sein kann. Ich habe es mir dann angewöhnt, ein Fenster aufzumachen oder zu kippen, dass es wenigstens ein bisschen durchzieht. Ich mache das aber nicht, weil ich die Frau Nachbarin ärgern möchte und jetzt, bei 19 Grad, bleibt das Fenster sowieso meistens zu. Ich überlege mir jetzt jedes Mal bevor ich anfange, ob es wirklich nötig ist, dass ich das Fenster offen habe und lasse es dann ca. jeden zweiten Tag geschlossen. Ich will auch keinen Krieg anfangen und mich ja eigentlich reifer verhalten als die Dame gegenüber. Ich habe nie aus Stolz, Trotz oder Boshaftigkeit das Fenster offen gelassen, einfach aus Gewohnheit - mein Fenster ist praktisch immer offen - mache es aber, wenn es geht, beim Üben zu. Ich habe ja keine Lust, die Nachbarin vor der Tür stehen zu haben und will das meiner Mutter auch nicht antun (die meine Ansicht vollkommen teilt). Also ist zu hoffen, dass ich von gegenüber nichts mehr zu hören bekomme - nicht im wörtlichen Sinn, mich stört es nicht, wenn jemand bei offenem Fenster was auch immer macht. :D
LG, Hyacinth :hello
Fairy Queen (16.07.2012, 10:59): Na dann drück ich Daumen für die Zukunft! :hello Hier ist es wahrscheinlich nie so heiss wie in Wien, wir haben very british Klima- dieses Jahr noch mehr als gewöhnlich.... Ich habe volles Verständnis für deinen Ärger, wollte aber mal ein bisschen anders gewichten. Böse Nachbarn sind nach meiner Erfahrung oft die unglücklichsten und leersten Menschen und auch wenn uns das akut nicht nutzt, gibt es doch zu denken und hilft mir, mich vom eigenen Frust etwas zu distanzieren Frohes Singen und Musizieren mit und ohne Nachbarn wünscht in nah und fern Fairy Queen