Wer kennt ihn nicht... - den "Primadonnerich Furtwängler" wie ihn der Komponist Hans Pfitzer nannte. Die drei bekanntesten Dirigenten der Welt (also solche, welche selbst Klassik-Ignoranten kennen) dürften wohl Furtwängler, Karajan und Bernstein sein. Furtwängler ist der Älteste von ihnen. Er lebte von 1886 bis 1954. Seine Prägung empfing er in einem großbürgerlichen Elternhaus, das Bildung und Kunst zu den wichtigen Dingen des Lebens rechnete.
Furtwänglers überschwenglich-romantischer Musizierstil ist prägend für eine ganz Generation gewesen. Aber von Anfang an hat er auch polarisiert... Toscannini konnte ihn nicht leiden, Winifried Wagner auch nicht, mit Karajan lag er in einem eher einseitigen Streit.. Die nationalsozialistische Führung wollte Furtwängler für eine deutsche Kulturpolitik einspannen - war aber völlig entnervt von seinen Forderungen. Propagandaminister Goebbels bezeichnete den für ihn schwierigen Künstler in seinen Tagebüchern als ein "Kind mit kleinen Bosheiten". Die Juden von Chicago wiederum protestierten gegen ein mögliches Dirigat Furtwänglers in ihrer Stadt (auch Arthur Rubinstein sprach sich gegen ihn aus). Andererseits schützte er jüdischstämmige Musiker bei den Berliner Philharmonikern und setzte sich in einem öffentlichen Brief u.a. für Klemperer oder Hindemith ein.
Man hat sein Verhalten vielfach als widersprüchlich beurteilt, aber die Widersprüche lösen sich auf, wenn man begreift, das er nur einen Gott kannte - die klassische Musik, vor allem die vier großen deutschen B: Bach, Beethoven, Brahms und Bruckner. Dazu kommt natürlich Wagner. Furtwängler hatte eine Mission auf diesem Planeten gewählt und die bestand darin, die deutsche Musik am Leben zu erhalten und zu verbreiten - egal unter welchem Regime auch immmer. Letztlich muss man sein Schaffen als "Betrachtungen eines Unpolitischen" (Titel eines Buches von Thomas Mann) verstehen.
Wenn Furtwängler auf der Bühne stand, löste er regelmässig Begeisterungsstürme aus. Er bleibt der Prototyp des emotionalen ekstatischen Interpreten, der sich durchaus seine Freiheiten gegenüber dem Werk herausnimmt. Seine Temporückungen waren und sind berühmt oder berüchtigt - je nach Standpunkt. Aber selbst der heutige Chefdirigent der Berliner Philharmoniker Simon Rattle bekennt sich noch zu Furtwängler.
Das "dürre akademische Konservatoriums"-Musizieren hat er ganz dezidiert abgelehnt - besonders bei seinem Liebling Beethoven. Er wollte lebendige "authentische" Wiedergaben der klassischen und romantischen Musik. Über das Dirigieren sprach er deutlich in dem Buch "Gespräche über Musik". Die Musik-Kunstwerke stehen unter dem "Gesetz der Improvisation" - der Notentext ist auch von den Komponisten nicht als starres So-Sein gemeint, sondern im Werden entstanden. Auch Sonatenform oder ähnliche feste Formen sind nur Stützen für einen Werdensprozess, aber eben keine Schemata. Der Interpret steht vor der schwierigen Aufgabe diesen Werdensprozess des Kunstwerkes aus dem nun feststehenden "So-Sein" des Notentextes wieder erstehen zu lassen. Und nur so kann eine lebendige Aufführung geboten werden. Der Darstellende muss im Kunstwerk d r i n sein, er darf nicht n e b e n es treten. Ansonsten ersetzt das nur Technisch-Virtuose den inneren Gehalt.
Furtwängler dachte über das Verhältnis der Neuen Musik zur bisherigen tonalen Musik nach. Für Furtwängler gehörte Bach mit seiner Musik noch zum Teil ins Mittelalter, da für Bach der Mensch und seine unangefochtene Mittelpunktstellung im Universum, den Bezugspunkt darstellten. Die tonale Musik verkörpert das Ganzheitliche, das "Organische". Im 20. Jahrhundert begann sich die Musik dagegen zu verändern - aufgrund des neuen wissenschaftlichen Weltbildes, das nicht mehr den Menschen, sondern elementare Kräfte, Naturkräfte, das "Anorganische", zum Zentrum ihres Interesses macht. Der Mensch findet sich dann nur noch am Rand dieses wissenschaftlichen Universums. Er ist teils beherrschbaren, teils aber chaotischen kosmischen Kräften ausgeliefert, zwischen denen er nur noch wie ein Staubkorn wirkt. Das bringt ein Lebensgefühl mit sich, das zwischen Macht und Ohnmacht pendelt: - kein "In-Sich-Selber-Ruhen" mehr, sondern gehetzte nur durch schnelle Planung zur Sicherheit kommende Geschäftigkeit. Die moderne Musik - ganz besonders die atonale Musik - klingt daher auch plötzlicher, spontaner, zufälliger oder auch machineller. Sie spiegelt das Interesse des wissenschaftlichen Weltbildes am "Anorganischen" wieder und auch das Chaotische, Unberechenbare des Universums, das seinen sinnhaften Bezug zum Menschen verloren hat.
Insofern war Furtwängler nicht gegen die moderne Musik. Er hat selbst einige Werke von Strawinsky, Bartok, Hindemith und selbst von Schönberg aufgeführt. Der modernen Musik entspricht etwas im heutigen Menschen. Daher hatte sie für ihn ihre Berechtigung. Er selber aber sah sich als "Romantiker" und "Tragiker". Er hoffte auf eine erneuerte Romantik in der Musik. Mit seinen eigenen Kompositionen wollte er dazu beitragen. Romantik bedeutete für ihn "Liebe, Wärme, Fülle, Sinnlichkeit, Überschwang": - wer diese seelischen Realitäten nicht sehen will, der lebt nach Furtwängler in einer "Welt unfruchtbarer intellektueller Illusionen".
Herzliche Grüsse! Jörg
P.S.: Ich erstelle einen neuen Thread. Der alte liegt schon weit hinten und hatte keinen Einführungstext.
Cosima (27.07.2007, 15:47): Hallo,
ein interessanter Einführungsbeitrag zu Wilhelm Furtwängler.
Valery Gergiev sagte in einem Interview: „My real hero is Furtwängler.“ Und weiter, dass er ihn für den wahrscheinlich größten Dirigenten überhaupt hält. Über die Beschäftigung mit Gergiev kam ich also auf Furtwängler. – Zur Beschäftigung mit diesem Dirigenten möchte ich ganz eindringlich auf sein Buch „Gespräche über Musik“ hinweisen. Es enthält:
Erstes Gespräch: Wirkung des Musikkunstwerks auf das Publikum Zweites Gespräch: Verschiedenartige Schwierigkeiten der musikalischen Darbietung Drittes Gespräch: Das Dramatische in den Kompositionen Beethovens Viertes Gespräch: Über Beethovens 9. Sinfonie Fünftes Gespräch: Das Kreative in der Interpretation Sechstes Gespräch: Komponist und Gesellschaft Siebentes Gespräch: Essay über tonale und atonale Musik
Nur ein kleines Büchlein, aber wirklich bereichernd!
Mit liegt ansonsten besonders die Furtwängler-Aufnahme (DG) der 9. Schubert-Symphonie (D 944) am Herzen.
Gruß, Cosima
Nordolf (27.07.2007, 19:39): Hallo Cosima,
die "Gespräche über Musik" sind wirklich sehr spannend. Hinweisen will ich außerdem auf das Buch "Ton und Wort" mit gesammelten Aufsätzen, u.a. zu Brahms, Bruckner, Wagner, Bach, das Auswendig-Dirigieren, zu Beethoven (sehr interessant der Text über den ersten Satz der 5.), zur Romantik und zum "Fall" Hindemith.
Die Schubert-Aufnahme kenne ich noch nicht. Mir liegen besonders am Herzen:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1261194.jpg
Hieraus Schumanns 4. mit den Berliner Philharmonikern 1953. Eine bewegte intensive Interpretation - manchmal fast federnd leicht und dann wieder schwerblütig und heroisch. Ich fühle mich wie in eine andere Zeit versetzt.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9142008.jpg
Daraus Beethovens 5. mit den Berliner Philharmonikern 1947. "Fu" mokierte sich ja gern über die in einem angeblich "klassischen" Stil und damit unlebendig dargebotenen Beethoven-Interpretationen. Hier macht er klar, was er unter einer authentischen Beethoven-Interpretation verstand. Wuchtig!
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7848843.jpg
Richard Wagner "Orchesterauszüge"
Live mit den Berliner Philharmoniker 1949 - 1954. Er gehörte zweifelsohne auch zu den besten Wagner-Interpreten.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7175039.jpg
Hier ist Furtwänglers 2. Symphonie mit den Wiener Philharmonikern 1953 zu hören. Spätromantik im eigenen Stil, die eine eher dunkle Stimmung vermittelt, aber mit einer Apotheose endet.
Ich möchte mich in diesem Thread auch gerne einbringen! Wilhelm Furtwängler ist ein Dirigent, den ich sehr schätze, weil er auf mich einen ganz besonderen Eindruck macht! Er strahlt für mich etwas besonderes aus, sodass ich mich von der Person Fürtwängler angezogen fühle! Habe mir im Laufe der Zeit auch nicht wenige seiner Dirigierten Werke zugelegt! Ich möchte hier kurz loswerden, welche Platten ich von Ihm besonders schätze!
Schumann, Symphonie Nr. 4, 1951 Brahms, Symphonie Nr. 3, 1954 Beethoven, Symphonie Nr. 4 und 5, + die "Egmont-Ouvertüre",1947 Tschaikowski, Symphonie Nr. 6, 1938 Mozart, Symphonie Nr. 39, 1942/43 Haydn, Symphonie Nr. 88, 1951 Auch die bereits angesprochene C-Dur Symphonie (9) Schuberts, hab ich gern, 1951.
Besonders war Fürtwängler ja für seinen Bruckner bekannt. Habe auch davon eine Aufnahme, Nr. 9, 1944, aber leider noch nicht gehört, welches ich aber nachholen werde!
Was ich wirklich schade finde ist, dass die Klangqualität oftmal richtung miserabel geht! Aber seinewunderschön deutlicher Interpretationenstil, entschädigt einiges!
Ich wünsche euch einen schönen Abend! Gruß Daniel
:beer
karajan (29.07.2007, 11:29): Original von Nordolf
Wer kennt ihn nicht... - den "Primadonnerich Furtwängler" wie ihn der Komponist Hans Pfitzer nannte. Die drei bekanntesten Dirigenten der Welt (also solche, welche selbst Klassik-Ignoranten kennen) dürften wohl Furtwängler, Karajan und Bernstein sein. Furtwängler ist der Älteste von ihnen. Er lebte von 1886 bis 1954. Seine Prägung empfing er in einem großbürgerlichen Elternhaus, das Bildung und Kunst zu den wichtigen Dingen des Lebens rechnete.
Herzliche Grüsse! Jörg
P.S.: Ich erstelle einen neuen Thread. Der alte liegt schon weit hinten und hatte keinen Einführungstext.
Hallo Jörg
Zu Wilhelm Furtwängler kann ich musikalisch kaum einen Beitrag bringen. Ich habe noch nie eine Aufnahme von ihm gehört auf CD und besitze auch keine CD von diesem Dirigenten. Kann sein das ich bei Klassik Radio mal was gehört habe aber dann unbewußt.Habe mal einen Konzertmitschnitt auf Classica gesehen aber muss sagen das mir der Mann von seiner Dirigierart nicht besonders liegt. Ich kenne nur W.F aus meinen vielen Karajanbiografien. Hier sieht es aus als habe W.F. Karajan als großen Konkurrenten gesehen und ihm bewußt oder unbewußt Steine in den Weg gelegt. Bestimmt war er ein großer Musiker was man so hört aber wie das mal so ist bei mir wird er nicht mehr einzug halten in meine CD Sammlung.
Viele Grüße Andreas
uhlmann (29.07.2007, 21:17): ich habe furtwängler v.a. am beginn meiner klassik-hör-karriere sehr viel gehört. damals war beethoven mein favorit, und da kommt man an fu natürlich nicht vorbei. sein beethoven gefällt mir auch heute noch, obwohl ich jetzt eher hip bevorzuge.
seinen hochgelobten bruckner finde ich eher mittelmäßig. gewiß, schlecht ist er nicht, aber bei bruckner sind wir heute einfach einen schritt weiter.
was imo alles überstrahlt, ist sein wagner. das ist bis heute, und wohl auch noch weit in die zukunft hinein, ein meilenstein. man denke nur an den tristan mit suthaus und flagstad, die referenzaufnahme schlechthin. oder der ring, den wohl niemand so geschlossen und aus einem guss zuwege gebracht hat.
bei wagner offenbaren sich die stärken furtwänglers am eindringlichsten: natürliches musizieren, immer das große ganze im blick, nie detailverliebt und trotzdem auch nicht schludrig, "total command of the score", wie die engländer sagen.
das sind aufnahmen für die ewigkeit - ich höre sie immer wieder mit freude.
teleton (13.12.2007, 10:45): Liebe Forianer des DAS-Klassikforums und Beethoven-Freunde,
ich bin der Meinung, dass es auch höchstinteressant ist Forumsübergreifend über Eindrücke von Aufnahmen zu sprechen. Es soll hier um Furtwängler als Beethovendirigent gehen.
Daniel hat Furtwängler als Beethoven-Dirigent bei den Beethoven-Ouvertüren erwähnt und auf Furtwängler-Sendungen im Dezember 2007 aufmerksam gemacht. Von Furtwänglers Interpretation der Egmont-Ouvertüre war er hingerissen - er nennt sie den "Wahnsinn" und das will schon ewas heißen.
:wink Ich selbst möchte mich aus der Diskussion heraushalten, da ich überhaupt keine Furtwängler-Aufnahmen mit Beethoven kenne. Ich gebe zu, dass es bei mir daran liegt, das es von Furtwängler nur MONO-Aufnahmen gibt ( :( sehr bedauerlich - er war zu früh !)
*** In einem anderen Forum laß ich gestern einen Beitrag, der dort schon sehr polarisiert hat.
Es geht um Furtwänglers Aufnahme der Beethoven Sinfonie Nr.9 von 1942 . Eine Forianerin aus St.Augustin schreibt einen sehr mutigen Beitrag und lehnt Furtwängeler total ab. Sie empfindet die Aufführung als Wiederlich und fühlte sich an Marsch-und Befehlstöne aus dem 3.Reich erinnert. Sie gebrauchte die Worte „grauseliger Schlachtengemälde“ und hatte die Vorstellung von „Stiefel mit Metallhacken“ . Es kam dazu sogar Zustimmung und bisher zwei Gegendarstellungen von Furtwängler-Fans. Den ganzen Beitrag hätte ich hier gerne zitiert, doch geht dies aus nachzuvollziehbaren Gründen nicht.
:hello Was meint ihr zu dieser totalitären Furtwängler – Ablehnung ?
daniel5993 (13.12.2007, 21:23): Hallo teleton,
Original von teleton Liebe Forianer des DAS-Klassikforums und Beethoven-Freunde,
ich bin der Meinung, dass es auch höchstinteressant ist Forumsübergreifend über Eindrücke von Aufnahmen zu sprechen. Es soll hier um Furtwängler als Beethovendirigent gehen.
Daniel hat Furtwängler als Beethoven-Dirigent bei den Beethoven-Ouvertüren erwähnt und auf Furtwängler-Sendungen im Dezember 2007 aufmerksam gemacht. Von Furtwänglers Interpretation der Egmont-Ouvertüre war er hingerissen - er nennt sie den "Wahnsinn" und das will schon ewas heißen.
:wink Ich selbst möchte mich aus der Diskussion heraushalten, da ich überhaupt keine Furtwängler-Aufnahmen mit Beethoven kenne. Ich gebe zu, dass es bei mir daran liegt, das es von Furtwängler nur MONO-Aufnahmen gibt ( :( sehr bedauerlich - er war zu früh !)
*** In einem anderen Forum laß ich gestern einen Beitrag, der dort schon sehr polarisiert hat.
Es geht um Furtwänglers Aufnahme der Beethoven Sinfonie Nr.9 von 1942 . Eine Forianerin aus St.Augustin schreibt einen sehr mutigen Beitrag und lehnt Furtwängeler total ab. Sie empfindet die Aufführung als Wiederlich und fühlte sich an Marsch-und Befehlstöne aus dem 3.Reich erinnert. Sie gebrauchte die Worte „grauseliger Schlachtengemälde“ und hatte die Vorstellung von „Stiefel mit Metallhacken“ . Es kam dazu sogar Zustimmung und bisher zwei Gegendarstellungen von Furtwängler-Fans. Den ganzen Beitrag hätte ich hier gerne zitiert, doch geht dies aus nachzuvollziehbaren Gründen nicht.
:hello Was meint ihr zu dieser totalitären Furtwängler – Ablehnung ?
Ich finde man sollte das Thema Furtwängler ohne auf das dritte Reich einzugehen ansprechen! In einem anderen Forum habe ich auch erlebt, dass genau diese Art Forianer einen Dirigenten aus dem dritten Reich ablehen, nicht in erster Linie der Musik wegen, sondern wegen seiner Vergangenheit. Und wenn ich dann schroffe und totale Ablehnung über Furtwängler höre mit dem Zusatz ... es hört sich an wie das und das im dritten reich, da drängt sich mir der Gedanke auf, dass es nicht wirklich um die Musik hier in diesem Fall Furtwängler geht, sondern um dieses "Urteil" welches jedem Dritten Reich Dirigenten anhängt und die doch soo schroffe Ablehnung des Bösen, all das was man über das dritte Reich mitbekommen, gelehrt bekommen hat. Wenn jemand wirklich an der "Fähigkeit" eines Dirigenten wie Furtwängler zweifelt, so stellt sich derjenige doch wahrlich anders an es rüberzubringen. Das ist in meinen Augen eine Billige Art sich über Musik und Dirigenten zu unterhalten, diese Totale Abstempelung! Zumal der oder diejenigen meist nur die eine Seite der Geschichte kennen, die des Nazidirigenten. Liest man, oder hört man andere Leute zu Lebens und Wirkungszeiten Furtwänglers, lassen sich sogar diese Vorurteile teils ausräumen und entkräften!
Es gibt ja schon einen Wilhelm Furtwängler Thread und ich werde, wenn ich mich an der im diesen Dezember laufenden Sendung genug Hörbeispiele, Informationen gesammelt habe, mich dort melden und genauer auf Furtwängler eingehen. Ich hoffe es gibt genug Interesse.
Ansonsten denke ich, dass wir solcherlei Zündstoff nicht aus anderen Foren hierrüber bringen sollten, dass hatten wir selbst schon und es wurde hier nicht gern gesehen, dass über so etwas gesprochen wurde, was ich andrerseits auch verstehen kann. Solange hier niemand auf solche "dummen" Aussagen kommt, haben wir es hier wenigstens friedlich :D :engel.
Wer zu faul ist zum Suchen: Dirigent und Romantiker - Wilhelm Furtwängler
denke, diese Thematik passt ehr in diesen Thread, als in den all. Beethoven Sinfonien Thread.
Denke auch, der politische Gesichtspunkt ist das eine, die Interpretation und die daraus Assoziation im Kopf ist etwas anderes. Ob jemand "unbefangenes", der nicht den historischen aspekt kennt, auch derartiges raushört, mag man dorch eher bezweifeln, oder?
daniel5993 (13.12.2007, 21:39): Original von Rachmaninov @Daniel, @teleton,
denke, diese Thematik passt ehr in diesen Thread, als in den all. Beethoven Sinfonien Thread.
Denke auch, der politische Gesichtspunkt ist das eine, die Interpretation und die daraus Assoziation im Kopf ist etwas anderes. Ob jemand "unbefangenes", der nicht den historischen aspekt kennt, auch derartiges raushört, mag man dorch eher bezweifeln, oder?
Vollkommen Richtig !!! :J :J
daniel5993 (13.12.2007, 21:57): Hallo teleton,
https://www.jpc.de/image/w300/front/0/9948916.jpg
Beethoven Symphonien 3-7, 9 +Coriolan-Ouvertüre op. 62;Leonore-Ouvertüre Nr. 3; Klavierkonzert Nr. 4;Violinkonzert op. 61;Cavatina aus dem Streichquartett Nr. 13 +Brahms:Finale aus der Symphonie Nr. 1 +Bruckner: Adagio aus der Symphonie Nr. 7 Erich Röhn, Conrad Hansen, Berlin PO, Wien PO, Furtwängler Berlin PO, Wien PO, Furtwängler
Das sind Aufnahmen von 1940 - 1944 (6 CD's), darunter die von mir genannte Coriolan-Aufnahme von 1943. Ich weiß, Historische Aufnahmen sind bei dir nicht gerade Willkommen! Die Box ist auf dem Weg zu mir nach Hause :haha Auch zu den anderen Aufnahmen werd ich hier Stellung nehmen, auch auf die Gefahr hin mich hier seblst zu Unterhalten :D
Gruß Daniel :hello
Wotan (13.12.2007, 23:22): Die DGG hat kürzlich zwei neue Boxen von Furtwängler rausgebracht mit Aufnahmen aus den Jahren 1942-44 - also während der Krieg tobte. Auch wenn die Qualität denkbar schlecht ist, so sind die Aufnahmen eigentlich durch die Bank zu empfehlen. http://cover.universal-music.de/classics/graphics/150/028947129424.jpg (hab jetzt auf die schnelle nur Volume 2 gefunden)
Besonders am Herz liegt mir Furtwänglers Interpretation der 9ten aus Bayreuth. Keine andere Aufnahme (9 stehen bei mir im Schrank plus einige weitere die ich gehört habe) hat mich so berührt und gefesselt. http://blogs.macbay.de/static/Joblog/images/beethoven.jpg
Valery Gergiev meinte einmal "For me, Furtwangler is perhaps the best conductor ever" Ein Zitat dem ich fast geneigt bin zuzustimmen. :down
HenningKolf (14.12.2007, 07:44): Original von teleton Liebe Forianer des DAS-Klassikforums und Beethoven-Freunde,
ich bin der Meinung, dass es auch höchstinteressant ist Forumsübergreifend über Eindrücke von Aufnahmen zu sprechen. Es soll hier um Furtwängler als Beethovendirigent gehen.
Daniel hat Furtwängler als Beethoven-Dirigent bei den Beethoven-Ouvertüren erwähnt und auf Furtwängler-Sendungen im Dezember 2007 aufmerksam gemacht. Von Furtwänglers Interpretation der Egmont-Ouvertüre war er hingerissen - er nennt sie den "Wahnsinn" und das will schon ewas heißen.
:wink Ich selbst möchte mich aus der Diskussion heraushalten, da ich überhaupt keine Furtwängler-Aufnahmen mit Beethoven kenne. Ich gebe zu, dass es bei mir daran liegt, das es von Furtwängler nur MONO-Aufnahmen gibt ( :( sehr bedauerlich - er war zu früh !)
*** In einem anderen Forum laß ich gestern einen Beitrag, der dort schon sehr polarisiert hat.
Es geht um Furtwänglers Aufnahme der Beethoven Sinfonie Nr.9 von 1942 . Eine Forianerin aus St.Augustin schreibt einen sehr mutigen Beitrag und lehnt Furtwängeler total ab. Sie empfindet die Aufführung als Wiederlich und fühlte sich an Marsch-und Befehlstöne aus dem 3.Reich erinnert. Sie gebrauchte die Worte „grauseliger Schlachtengemälde“ und hatte die Vorstellung von „Stiefel mit Metallhacken“ . Es kam dazu sogar Zustimmung und bisher zwei Gegendarstellungen von Furtwängler-Fans. Den ganzen Beitrag hätte ich hier gerne zitiert, doch geht dies aus nachzuvollziehbaren Gründen nicht.
:hello Was meint ihr zu dieser totalitären Furtwängler – Ablehnung ?
Ich kann mich auch nicht fundiert äußern, da ich historische Aufnahmen nicht höre; allerdings klingt das schon von der Diktion reichlich nach bloßem Vorurteil. Als wenn die Forenschreiberin sich eine politikbezogene Meinung gebildet hat und dann die Musik gehört hat in der Erwartung, sich bestätigt zu sehen. Ich jedenfalls kann mir nicht vorstellen, dass das Urteil nicht überzogen wäre, weil zu viele politisch Unverdächtige Furtwängler überschwenglich loben. Beethoven gibt auch wenig für derartige Interpretation her, wie ich finde.
Die TAZ vermag z.B auch nichts über Elgar zu schreiben ohne mindestens dreimal das Wort "Imperialismus" zu benutzen, viele glauben bei Karajan den Schleier vermeintlicher politischer Sünden auf jeder Aufnahme gleich mitzuhören usw..
Auch ich gehe ja nicht immer vorurteilsfrei vor. Harnancourt z.B. klingt bei mir schon nervend, bevor ich ihn gehört habe :D
Gruß Henning
Nordolf (14.12.2007, 20:52): Hallo Teleton, Daniel und allen anderen Interessierten!
Sie empfindet die Aufführung als Wiederlich und fühlte sich an Marsch-und Befehlstöne aus dem 3.Reich erinnert. Sie gebrauchte die Worte „grauseliger Schlachtengemälde“ und hatte die Vorstellung von „Stiefel mit Metallhacken“ .
Zu einer solchen Einschätzung lässt sich kaum etwas Argumentatives sagen. Sie ist pur emotional und von bestimmten politischen Empfindungen geleitet. Entweder man stimmt zu oder nicht oder findet es sympathisch oder unsympathisch, assoziiert den "musikalischen Stechschritt" auch oder nicht usw. usf. Mir scheint es plausibler, in einer solchen Interpretation eher das Kriegsjahr 1942 wiederzufinden - und das diese Kriegsstimmung auf die Interpretation abgefärbt hat.
Furtwängler hat sich - wie eingangs geschrieben - nicht in erster Linie von gesellschaftlich-politischen Werten leiten lassen. Seine Werte waren in der Verbreitung und Aufführung klassischer Musik zu finden. Darum ging es ihm - vor allen anderen Dingen! Das war seine Mission. Damit glaubte er den Menschen in erster Linie dienen zu können, das war seine Passion, nichts anderes empfand er als wichtiger, mit nichts anderem entsprach er den eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten. Das kann man nun kritisieren. Man kann von ihm nachträglich verlangen, das er ein konsequenter Widerstandskämpfer im Dritten Reich hätte sein sollen oder wenigstens ein konsequenter Emigrant. Dabei darf man aber nicht vergessen, das man ihn nach dem eigenen Wertesystem beurteilt, das er in keiner Form geteilt hat. Nach seinen normativen Selbstansprüchen handelte er konsequent. Als man Furtwängler 1946 entnazifizieren wollte, als die Amerikaner seine Auftritte verboten - hat er sich über alle Maßen aufgeregt und nicht verstanden, was das überhaupt sollte. "Politische Kontroversen, mir höchst unangenehm", hieß es in einem Telegramm Furtwänglers. Sobald es um die "musikalischen" Werte ging, hat Furtwängler jede Menge Mut bewiesen. Goebbels wollte all die Halb- und Vierteljuden, die bei den Berliner Philharmonikern spielten, entfernen lassen. Furtwängler hat sich mit einer unglaublichen Energie bis zum Schluss gegen diese Vorhaben gestemmt - natürlich nicht, weil diese Menschen schutzbedürftige Juden, sondern weil sie gute Musiker waren. Auch das kann man ihm dann wieder vorwerfen. Aber so beisst sich die Katze in den Schwanz.
Ich persönlich finde eine historisierende Betrachtungsweise interessanter, die Furtwängler aus seinen eigenen Beweggründen verstehen will und ihn auch danach bewertet. Die eigenen - vielleicht abweichenden - Werte lassen sich dann immer noch anführen bzw. sollten auch angeführt werden. Der letztere Akt ist allerdings leichter und weniger anspruchsvoll.
Aber Furtwängler als hörigen Nazi abzustempeln, widerspricht der historischen Quellenlage (in der Partei war er nie). Es ist schlicht falsch.
Herzliche Grüsse! Jörg
daniel5993 (16.12.2007, 00:22): Man nehme sich ein wenig Zeit, zu sehen diese VideoClips
Don Giovanni - Ouvertüre - Wilhelm Furtwängler
Langsam gespielt, aber deswegen so wunderbar durchsichtig und schön!
Furtwangler on 4.19.1942 Full edition
Nur ganz auf die Musik geschaut- Was für ein Wahnsinns Finalentspurt von Beethovens 9. Oder was meint Ihr? Kaum zu glauben, das ich diesen Finalsatz der Neunten einmal total abgelehnt habe ?(, als einen Fehltritt Beethovens hab ich Ihn bezeichnet, dabei war dieser letze Satz der Neunten der Höhepunkt seiner Schaffenskraft :down!
Cetay (inaktiv) (22.12.2007, 09:33): Original von Nordolf Furtwängler dachte über das Verhältnis der Neuen Musik zur bisherigen tonalen Musik nach. Für Furtwängler gehörte Bach mit seiner Musik noch zum Teil ins Mittelalter, da für Bach der Mensch und seine unangefochtene Mittelpunktstellung im Universum, den Bezugspunkt darstellten. Die tonale Musik verkörpert das Ganzheitliche, das "Organische". Im 20. Jahrhundert begann sich die Musik dagegen zu verändern - aufgrund des neuen wissenschaftlichen Weltbildes, das nicht mehr den Menschen, sondern elementare Kräfte, Naturkräfte, das "Anorganische", zum Zentrum ihres Interesses macht. Der Mensch findet sich dann nur noch am Rand dieses wissenschaftlichen Universums. Er ist teils beherrschbaren, teils aber chaotischen kosmischen Kräften ausgeliefert, zwischen denen er nur noch wie ein Staubkorn wirkt. Das bringt ein Lebensgefühl mit sich, das zwischen Macht und Ohnmacht pendelt: - kein "In-Sich-Selber-Ruhen" mehr, sondern gehetzte nur durch schnelle Planung zur Sicherheit kommende Geschäftigkeit. Die moderne Musik - ganz besonders die atonale Musik - klingt daher auch plötzlicher, spontaner, zufälliger oder auch machineller. Sie spiegelt das Interesse des wissenschaftlichen Weltbildes am "Anorganischen" wieder und auch das Chaotische, Unberechenbare des Universums, das seinen sinnhaften Bezug zum Menschen verloren hat.
Ich liebe solche Versuche, der Musik eine kosmische Dimension zu geben. Allerdings kann man dabei auch zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Was Furtwängler als tonale Musik bezeichnet, meint eigentlich die temperiert-tonale Musik. Im "Mittelalter" folgte die Stimmung noch den natürlichen Intervallen. (Wer hier Informationsbedarf verspürt, der lese den hervorragenden Beitrag von SATIE im HIP-Faden). Deswegen war trotz des geozentrischen Weltbildes der Zeit die Musik organischer als später. Da es die Stimmung nach natürlichen Intervallen nicht erlaubt, sich allzuweit von der Grundtonart zu entfernen, ohne dass es schräg klingt, gibt es hier einen absoluten Bezugspunkt, also eher etwas Göttliches als etwas Menschengemachtes.
Die temperierte Stimmung stellt eine Gewaltanwendung dar, da das natürliche System verstimmt wird. Am Anfang war das für sensible Gehöre noch deutlich merkbar, aber mittlerweile hat man sich dran gewöhnt -es gibt ja fast nichts anderes zu hören- und empfindet jetzt natürlich gestimmte Musik als "schräg". Durch die temperierte Stimmung ist jetzt eine viel größere Palette an nutzbaren Intervallen da, die Anzahl der möglichen Modulationen wird praktisch unbegrenzt. Erst damit sind die groß angelegten Formen, die wir mit klassicher Musik verbinden, möglich geworden. Es gibt zwar noch die Grundtonart als absoluten Bezugspunkt (das Göttliche), aber der Komponist kann sich jetzt beliebig weit davon entfernen. Während Mozart dieses Land noch weitgehend vom Inneren her erkundete, setze mit Beethoven die Nutzung als persönliches Ausdrucksmittel ein, sei es politisch oder psychologisch. Das ist weder ganzheitlich noch organisch. Die Entfernung vom sinnhaften Bezug zum Universum, die Furtwängler ins 20 Jhd. verlegt, findet bereits hier statt.
In 20 Jhd. wird schließlich mit der Tonalität, der absolute Bezugspunkt selbst abgeschafft. Passend zur Relativitätstheorie wird auch in der Musik alles relativ, jetzt gibt es überhaupt keine Begrenzungen mehr, außer durch menschengemachte Regeln. Das Universum ist zur Kulisse verkommen, das Göttliche ist entweder überall oder nirgends. Insofern gehe ich hier wieder weitgehend mit Furtwängler d'accord - wobei man über Details schon noch diskutieren könnte, aber das würde dann doch arg weit vom Thema weg führen... :engel
daniel5993 (05.01.2008, 01:33): Hallo Forianer,
Wenn ich in meine CD-Sammlung schaue, bemerke ich, dass der Wilhelm dort einen beträchtlichen Platz eingenommen hat.
Wirklich bedeutende Aufnahmen, immer gern gehört sind aus meiner Sicht: (Um es noch einmal zusammenzufassen :wink)
Furtwängler Schuberts 9 "große C-Dur" Auch diese Aufnahme recht langsam, bei weitem langsamer als Böhm (wobei der schon langsamer ist, als üblich gehört) Die Symphonie wirkt viel schwerer als sie eh schon ist, verliert aber zu keinem Moment die Spannung. Besonders gut gelungen sind die Klarinetten und Flötensolos, der einzelnen Sätze! Großes + ! Man kann aufgrund dieser langsamen Tempi der Musik unmittelbar und wunderbar folgen. Ich ertappe mich in letzter Zeit immerwieder dabei, wie ich zu dieser Aufnahme greife. Die Klangqualität empfinde ich als sehr Gut.
Begeistert bin ich ebenfalls von seinem Beethoven aus den vierziger Jahren! Herrausstechend sind 2 Weltklasse gespielte Ouvertüren: Coriolan 1943 und Egmont 1947. Eine fast schon brutale schärfe. Streng und doch wunder ich mich immer wieder, wie Fu den Übergang zu den Ruhigen, romantischen Stellen der Ouvertüren meistert! Einfach Klasse!
Die Symphonien in dieser Box haben (und haltet mich nicht für verrückt) eine weitaus bessere Klangqualität als die meisten der Beethoven Symphonien, welche Fu Ende der vierziger, anfang der fünfziger aufgenommen hat! Der Klang hier (1940 - 1944) ist scharf und klar ! Gegenüber den späteren Aufnahmen hören sich die Symphonien nicht, dort wo viele Töne verloren gehen (aufgrund der schlechten Aufnahmequalität) hohl und unheimlich dumpf an. Dieser dumpfe Ton, verschluckt viel mehr Teile einer Symphonie. Zudem ist diese Box eine wahre Fundgrube für mich geworden! Neben der super Klangqualität (ich kanns nicht oft genug betonen) sind hervorragende Interpretationen der 3, 4 und 5 in erster Linie zu finden. Ein dynamischer Furtwängler dirigiert hier, kein langweiler, überaus langsamer tempi! Wer diese Symphonien kennt, weiß wovon ich spreche. Es ist ein mitreißendes Dirigat, voll Laune! Liegniz meinte einmal, die dritte "Eroica" aus diese Box sei Ihr Favourit und ich schließe mich diesem Urteil voll an! Tiefe, Ernst und doch eine Faust voll Heiterkeit hört man dort heraus! Das macht richtig Spass! Es gibt viele Super Aufnahmen der 3 von Beethoven und diese gehört dazu. Uhlmann schrieb irgendwo auch, dass man bei Beethoven wohl nicht an Fu vorbeikommt und diese Aussage war der Auslöser bei mir, mich auf die Suche zu machen und ich wurde belohnt. Furtwängler's Beethoven ist ein Meilenstein und reiht sich in mein Favouritenregiment Mühelos neben Leonard Bernstein ein. Diese Aufnahmen aus den Kriegsjahren können in erster Linie nicht bestechen durch Schönklang, auch nicht durch erstklassige Klangqualität. Umso erstaunlicher zeigen mir diese Aufnahmen den großen Wilhelm Furtwängler. Diese Aufnahmen haben keine Glücklichen Klangumstände eines Karajans in Späteren Jahren und doch, diese Interpretationen sind bestechend, man hört diesen Launischen Wechsel zwischen Ernst, Tiefe, Heiterkeit, Leichtigkeit. HIer zeigt sich für mich die wahre Größe eines Wilhelm Furtwängler, in aller Deutlichkeit! Man höre selbst und staune! Man muss nicht einmal der Nostalgie verfallen sein, um sich an diesen Beethoven zu wagen. Wie schon oft genug gesagt, ist die Qualität der Aufnahme nicht zum weglaufen und wie auch schon einmal gesagt, Fu's Interpretation macht wirklich Laune und lässt das manchmal aufkommene Knistern vergessen! Wer trotzdem dieser Aufnahme (übrigens Box = 20 €) ausweicht ist selber Schuld und verpasst Fu's Beethoven Talent. Ohh wie sähe die Geschichte aus, wenn Furtwängler in den 70ern oder gar 80gern eine Gesamtaufnahme unter Super Umständen auf den Tisch gelegt hätte, eine Aufnahme wie diese, aus den vierzigern? So manche Gesamtaufname würd an FU#s zerschellen. Auch von Lang-Lang weiligen (Satie: Ich hoffe du bist nicht böse, dass ich dir deinen Spruch geklaut habe, er ist zu Gut :wink)- langsamen Sätzen ist nichts zu spühren, wie in den Späteren Aufnahmen oft bemängelt wird. Beethoven ist neben Lenny mein TOP-Favourit auf Beethoven!
Die nächste, zum Glück recht bekannte und geliebte Aufnahme der 9 aus Bayreuth, 1951 zeigt zugleichmeine Lieblingsneunte neben "Lenny-Sony-New York".
Im ersten Satz stört noch so manche dumpfe Stelle, welche so manchen wichtigen Ton verschluckt, aber danach gehts steil Bergauf und dann das "Ode an die Freude". Nein, Daniel hats nie schöner gehört, bei all seinen Neunten.
Wie schön, dass Furtwängler des öffteren mit Menuhin konzertierte :D
Zwei für mich besonders wertvolle Aufnahmen aus dieser Zeit möchte ich hervorheben:
Und zuguterletzt: Schumanns 4, aber dazu muss ich nichts weiter sagen, denn soviel ich mitbekommen habe, hat fast jeder diese Aufnahme hier und weiß sie entsprechen zu schätzen! (Ich entsinne mich nur alzugut an den Abend, wo hier mindesten 5 verschiedene Forianer, aus welchem Anlass weiß ich nicht mehr, diese Symphonie, diese Aufnahme hörten.)
Gruß Daniel
karajan (17.01.2008, 10:18): Original von daniel5993 Hallo Forianer,
Wenn ich in meine CD-Sammlung schaue, bemerke ich, dass der Wilhelm dort einen beträchtlichen Platz eingenommen hat.
Und zuguterletzt: Schumanns 4, aber dazu muss ich nichts weiter sagen, denn soviel ich mitbekommen habe, hat fast jeder diese Aufnahme hier und weiß sie entsprechen zu schätzen! (Ich entsinne mich nur alzugut an den Abend, wo hier mindesten 5 verschiedene Forianer, aus welchem Anlass weiß ich nicht mehr, diese Symphonie, diese Aufnahme hörten.)
Gruß Daniel
Hallo Daniel
Aber nur fast denn ich habe diese Aufnahme nicht und werde sie mir auch nicht kaufen aber das sind andere Gründe warum. Ich besitze nicht eine Furtwängler Aufnahme bestimmt war das ein großer Dirigent der wunderschöne Musik gemacht hat. Ich lehne halt auf dauer die alte Tontechnik ab denn ich lebe im 21 Jahrhundert.
Wer kennt ihn nicht... - den "Primadonnerich Furtwängler" wie ihn der Komponist Hans Pfitzer nannte. Die drei bekanntesten Dirigenten der Welt (also solche, welche selbst Klassik-Ignoranten kennen) dürften wohl Furtwängler, Karajan und Bernstein sein. Furtwängler ist der Älteste von ihnen. Er lebte von 1886 bis 1954. Seine Prägung empfing er in einem großbürgerlichen Elternhaus, das Bildung und Kunst zu den wichtigen Dingen des Lebens rechnete.
Furtwänglers überschwenglich-romantischer Musizierstil ist prägend für eine ganz Generation gewesen. Aber von Anfang an hat er auch polarisiert... Toscannini konnte ihn nicht leiden, Winifried Wagner auch nicht, mit Karajan lag er in einem eher einseitigen Streit.. Die nationalsozialistische Führung wollte Furtwängler für eine deutsche Kulturpolitik einspannen - war aber völlig entnervt von seinen Forderungen. Propagandaminister Goebbels bezeichnete den für ihn schwierigen Künstler in seinen Tagebüchern als ein "Kind mit kleinen Bosheiten". Die Juden von Chicago wiederum protestierten gegen ein mögliches Dirigat Furtwänglers in ihrer Stadt (auch Arthur Rubinstein sprach sich gegen ihn aus). Andererseits schützte er jüdischstämmige Musiker bei den Berliner Philharmonikern und setzte sich in einem öffentlichen Brief u.a. für Klemperer oder Hindemith ein.
Man hat sein Verhalten vielfach als widersprüchlich beurteilt, aber die Widersprüche lösen sich auf, wenn man begreift, das er nur einen Gott kannte - die klassische Musik, vor allem die vier großen deutschen B: Bach, Beethoven, Brahms und Bruckner. Dazu kommt natürlich Wagner. Furtwängler hatte eine Mission auf diesem Planeten gewählt und die bestand darin, die deutsche Musik am Leben zu erhalten und zu verbreiten - egal unter welchem Regime auch immmer. Letztlich muss man sein Schaffen als "Betrachtungen eines Unpolitischen" (Titel eines Buches von Thomas Mann) verstehen.
Wenn Furtwängler auf der Bühne stand, löste er regelmässig Begeisterungsstürme aus. Er bleibt der Prototyp des emotionalen ekstatischen Interpreten, der sich durchaus seine Freiheiten gegenüber dem Werk herausnimmt. Seine Temporückungen waren und sind berühmt oder berüchtigt - je nach Standpunkt. Aber selbst der heutige Chefdirigent der Berliner Philharmoniker Simon Rattle bekennt sich noch zu Furtwängler.
Das "dürre akademische Konservatoriums"-Musizieren hat er ganz dezidiert abgelehnt - besonders bei seinem Liebling Beethoven. Er wollte lebendige "authentische" Wiedergaben der klassischen und romantischen Musik. Über das Dirigieren sprach er deutlich in dem Buch "Gespräche über Musik". Die Musik-Kunstwerke stehen unter dem "Gesetz der Improvisation" - der Notentext ist auch von den Komponisten nicht als starres So-Sein gemeint, sondern im Werden entstanden. Auch Sonatenform oder ähnliche feste Formen sind nur Stützen für einen Werdensprozess, aber eben keine Schemata. Der Interpret steht vor der schwierigen Aufgabe diesen Werdensprozess des Kunstwerkes aus dem nun feststehenden "So-Sein" des Notentextes wieder erstehen zu lassen. Und nur so kann eine lebendige Aufführung geboten werden. Der Darstellende muss im Kunstwerk d r i n sein, er darf nicht n e b e n es treten. Ansonsten ersetzt das nur Technisch-Virtuose den inneren Gehalt.
Furtwängler dachte über das Verhältnis der Neuen Musik zur bisherigen tonalen Musik nach. Für Furtwängler gehörte Bach mit seiner Musik noch zum Teil ins Mittelalter, da für Bach der Mensch und seine unangefochtene Mittelpunktstellung im Universum, den Bezugspunkt darstellten. Die tonale Musik verkörpert das Ganzheitliche, das "Organische". Im 20. Jahrhundert begann sich die Musik dagegen zu verändern - aufgrund des neuen wissenschaftlichen Weltbildes, das nicht mehr den Menschen, sondern elementare Kräfte, Naturkräfte, das "Anorganische", zum Zentrum ihres Interesses macht. Der Mensch findet sich dann nur noch am Rand dieses wissenschaftlichen Universums. Er ist teils beherrschbaren, teils aber chaotischen kosmischen Kräften ausgeliefert, zwischen denen er nur noch wie ein Staubkorn wirkt. Das bringt ein Lebensgefühl mit sich, das zwischen Macht und Ohnmacht pendelt: - kein "In-Sich-Selber-Ruhen" mehr, sondern gehetzte nur durch schnelle Planung zur Sicherheit kommende Geschäftigkeit. Die moderne Musik - ganz besonders die atonale Musik - klingt daher auch plötzlicher, spontaner, zufälliger oder auch machineller. Sie spiegelt das Interesse des wissenschaftlichen Weltbildes am "Anorganischen" wieder und auch das Chaotische, Unberechenbare des Universums, das seinen sinnhaften Bezug zum Menschen verloren hat.
Insofern war Furtwängler nicht gegen die moderne Musik. Er hat selbst einige Werke von Strawinsky, Bartok, Hindemith und selbst von Schönberg aufgeführt. Der modernen Musik entspricht etwas im heutigen Menschen. Daher hatte sie für ihn ihre Berechtigung. Er selber aber sah sich als "Romantiker" und "Tragiker". Er hoffte auf eine erneuerte Romantik in der Musik. Mit seinen eigenen Kompositionen wollte er dazu beitragen. Romantik bedeutete für ihn "Liebe, Wärme, Fülle, Sinnlichkeit, Überschwang": - wer diese seelischen Realitäten nicht sehen will, der lebt nach Furtwängler in einer "Welt unfruchtbarer intellektueller Illusionen".
Herzliche Grüsse! Jörg
P.S.: Ich erstelle einen neuen Thread. Der alte liegt schon weit hinten und hatte keinen Einführungstext.
Cosima (27.07.2007, 15:47): Hallo,
ein interessanter Einführungsbeitrag zu Wilhelm Furtwängler.
Valery Gergiev sagte in einem Interview: „My real hero is Furtwängler.“ Und weiter, dass er ihn für den wahrscheinlich größten Dirigenten überhaupt hält. Über die Beschäftigung mit Gergiev kam ich also auf Furtwängler. – Zur Beschäftigung mit diesem Dirigenten möchte ich ganz eindringlich auf sein Buch „Gespräche über Musik“ hinweisen. Es enthält:
Erstes Gespräch: Wirkung des Musikkunstwerks auf das Publikum Zweites Gespräch: Verschiedenartige Schwierigkeiten der musikalischen Darbietung Drittes Gespräch: Das Dramatische in den Kompositionen Beethovens Viertes Gespräch: Über Beethovens 9. Sinfonie Fünftes Gespräch: Das Kreative in der Interpretation Sechstes Gespräch: Komponist und Gesellschaft Siebentes Gespräch: Essay über tonale und atonale Musik
Nur ein kleines Büchlein, aber wirklich bereichernd!
Mit liegt ansonsten besonders die Furtwängler-Aufnahme (DG) der 9. Schubert-Symphonie (D 944) am Herzen.
Gruß, Cosima
Nordolf (27.07.2007, 19:39): Hallo Cosima,
die "Gespräche über Musik" sind wirklich sehr spannend. Hinweisen will ich außerdem auf das Buch "Ton und Wort" mit gesammelten Aufsätzen, u.a. zu Brahms, Bruckner, Wagner, Bach, das Auswendig-Dirigieren, zu Beethoven (sehr interessant der Text über den ersten Satz der 5.), zur Romantik und zum "Fall" Hindemith.
Die Schubert-Aufnahme kenne ich noch nicht. Mir liegen besonders am Herzen:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1261194.jpg
Hieraus Schumanns 4. mit den Berliner Philharmonikern 1953. Eine bewegte intensive Interpretation - manchmal fast federnd leicht und dann wieder schwerblütig und heroisch. Ich fühle mich wie in eine andere Zeit versetzt.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9142008.jpg
Daraus Beethovens 5. mit den Berliner Philharmonikern 1947. "Fu" mokierte sich ja gern über die in einem angeblich "klassischen" Stil und damit unlebendig dargebotenen Beethoven-Interpretationen. Hier macht er klar, was er unter einer authentischen Beethoven-Interpretation verstand. Wuchtig!
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7848843.jpg
Richard Wagner "Orchesterauszüge"
Live mit den Berliner Philharmoniker 1949 - 1954. Er gehörte zweifelsohne auch zu den besten Wagner-Interpreten.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7175039.jpg
Hier ist Furtwänglers 2. Symphonie mit den Wiener Philharmonikern 1953 zu hören. Spätromantik im eigenen Stil, die eine eher dunkle Stimmung vermittelt, aber mit einer Apotheose endet.
Ich möchte mich in diesem Thread auch gerne einbringen! Wilhelm Furtwängler ist ein Dirigent, den ich sehr schätze, weil er auf mich einen ganz besonderen Eindruck macht! Er strahlt für mich etwas besonderes aus, sodass ich mich von der Person Fürtwängler angezogen fühle! Habe mir im Laufe der Zeit auch nicht wenige seiner Dirigierten Werke zugelegt! Ich möchte hier kurz loswerden, welche Platten ich von Ihm besonders schätze!
Schumann, Symphonie Nr. 4, 1951 Brahms, Symphonie Nr. 3, 1954 Beethoven, Symphonie Nr. 4 und 5, + die "Egmont-Ouvertüre",1947 Tschaikowski, Symphonie Nr. 6, 1938 Mozart, Symphonie Nr. 39, 1942/43 Haydn, Symphonie Nr. 88, 1951 Auch die bereits angesprochene C-Dur Symphonie (9) Schuberts, hab ich gern, 1951.
Besonders war Fürtwängler ja für seinen Bruckner bekannt. Habe auch davon eine Aufnahme, Nr. 9, 1944, aber leider noch nicht gehört, welches ich aber nachholen werde!
Was ich wirklich schade finde ist, dass die Klangqualität oftmal richtung miserabel geht! Aber seinewunderschön deutlicher Interpretationenstil, entschädigt einiges!
Ich wünsche euch einen schönen Abend! Gruß Daniel
:beer
karajan (29.07.2007, 11:29): Original von Nordolf
Wer kennt ihn nicht... - den "Primadonnerich Furtwängler" wie ihn der Komponist Hans Pfitzer nannte. Die drei bekanntesten Dirigenten der Welt (also solche, welche selbst Klassik-Ignoranten kennen) dürften wohl Furtwängler, Karajan und Bernstein sein. Furtwängler ist der Älteste von ihnen. Er lebte von 1886 bis 1954. Seine Prägung empfing er in einem großbürgerlichen Elternhaus, das Bildung und Kunst zu den wichtigen Dingen des Lebens rechnete.
Herzliche Grüsse! Jörg
P.S.: Ich erstelle einen neuen Thread. Der alte liegt schon weit hinten und hatte keinen Einführungstext.
Hallo Jörg
Zu Wilhelm Furtwängler kann ich musikalisch kaum einen Beitrag bringen. Ich habe noch nie eine Aufnahme von ihm gehört auf CD und besitze auch keine CD von diesem Dirigenten. Kann sein das ich bei Klassik Radio mal was gehört habe aber dann unbewußt.Habe mal einen Konzertmitschnitt auf Classica gesehen aber muss sagen das mir der Mann von seiner Dirigierart nicht besonders liegt. Ich kenne nur W.F aus meinen vielen Karajanbiografien. Hier sieht es aus als habe W.F. Karajan als großen Konkurrenten gesehen und ihm bewußt oder unbewußt Steine in den Weg gelegt. Bestimmt war er ein großer Musiker was man so hört aber wie das mal so ist bei mir wird er nicht mehr einzug halten in meine CD Sammlung.
Viele Grüße Andreas
uhlmann (29.07.2007, 21:17): ich habe furtwängler v.a. am beginn meiner klassik-hör-karriere sehr viel gehört. damals war beethoven mein favorit, und da kommt man an fu natürlich nicht vorbei. sein beethoven gefällt mir auch heute noch, obwohl ich jetzt eher hip bevorzuge.
seinen hochgelobten bruckner finde ich eher mittelmäßig. gewiß, schlecht ist er nicht, aber bei bruckner sind wir heute einfach einen schritt weiter.
was imo alles überstrahlt, ist sein wagner. das ist bis heute, und wohl auch noch weit in die zukunft hinein, ein meilenstein. man denke nur an den tristan mit suthaus und flagstad, die referenzaufnahme schlechthin. oder der ring, den wohl niemand so geschlossen und aus einem guss zuwege gebracht hat.
bei wagner offenbaren sich die stärken furtwänglers am eindringlichsten: natürliches musizieren, immer das große ganze im blick, nie detailverliebt und trotzdem auch nicht schludrig, "total command of the score", wie die engländer sagen.
das sind aufnahmen für die ewigkeit - ich höre sie immer wieder mit freude.
teleton (13.12.2007, 10:45): Liebe Forianer des DAS-Klassikforums und Beethoven-Freunde,
ich bin der Meinung, dass es auch höchstinteressant ist Forumsübergreifend über Eindrücke von Aufnahmen zu sprechen. Es soll hier um Furtwängler als Beethovendirigent gehen.
Daniel hat Furtwängler als Beethoven-Dirigent bei den Beethoven-Ouvertüren erwähnt und auf Furtwängler-Sendungen im Dezember 2007 aufmerksam gemacht. Von Furtwänglers Interpretation der Egmont-Ouvertüre war er hingerissen - er nennt sie den "Wahnsinn" und das will schon ewas heißen.
:wink Ich selbst möchte mich aus der Diskussion heraushalten, da ich überhaupt keine Furtwängler-Aufnahmen mit Beethoven kenne. Ich gebe zu, dass es bei mir daran liegt, das es von Furtwängler nur MONO-Aufnahmen gibt ( :( sehr bedauerlich - er war zu früh !)
*** In einem anderen Forum laß ich gestern einen Beitrag, der dort schon sehr polarisiert hat.
Es geht um Furtwänglers Aufnahme der Beethoven Sinfonie Nr.9 von 1942 . Eine Forianerin aus St.Augustin schreibt einen sehr mutigen Beitrag und lehnt Furtwängeler total ab. Sie empfindet die Aufführung als Wiederlich und fühlte sich an Marsch-und Befehlstöne aus dem 3.Reich erinnert. Sie gebrauchte die Worte „grauseliger Schlachtengemälde“ und hatte die Vorstellung von „Stiefel mit Metallhacken“ . Es kam dazu sogar Zustimmung und bisher zwei Gegendarstellungen von Furtwängler-Fans. Den ganzen Beitrag hätte ich hier gerne zitiert, doch geht dies aus nachzuvollziehbaren Gründen nicht.
:hello Was meint ihr zu dieser totalitären Furtwängler – Ablehnung ?
daniel5993 (13.12.2007, 21:23): Hallo teleton,
Original von teleton Liebe Forianer des DAS-Klassikforums und Beethoven-Freunde,
ich bin der Meinung, dass es auch höchstinteressant ist Forumsübergreifend über Eindrücke von Aufnahmen zu sprechen. Es soll hier um Furtwängler als Beethovendirigent gehen.
Daniel hat Furtwängler als Beethoven-Dirigent bei den Beethoven-Ouvertüren erwähnt und auf Furtwängler-Sendungen im Dezember 2007 aufmerksam gemacht. Von Furtwänglers Interpretation der Egmont-Ouvertüre war er hingerissen - er nennt sie den "Wahnsinn" und das will schon ewas heißen.
:wink Ich selbst möchte mich aus der Diskussion heraushalten, da ich überhaupt keine Furtwängler-Aufnahmen mit Beethoven kenne. Ich gebe zu, dass es bei mir daran liegt, das es von Furtwängler nur MONO-Aufnahmen gibt ( :( sehr bedauerlich - er war zu früh !)
*** In einem anderen Forum laß ich gestern einen Beitrag, der dort schon sehr polarisiert hat.
Es geht um Furtwänglers Aufnahme der Beethoven Sinfonie Nr.9 von 1942 . Eine Forianerin aus St.Augustin schreibt einen sehr mutigen Beitrag und lehnt Furtwängeler total ab. Sie empfindet die Aufführung als Wiederlich und fühlte sich an Marsch-und Befehlstöne aus dem 3.Reich erinnert. Sie gebrauchte die Worte „grauseliger Schlachtengemälde“ und hatte die Vorstellung von „Stiefel mit Metallhacken“ . Es kam dazu sogar Zustimmung und bisher zwei Gegendarstellungen von Furtwängler-Fans. Den ganzen Beitrag hätte ich hier gerne zitiert, doch geht dies aus nachzuvollziehbaren Gründen nicht.
:hello Was meint ihr zu dieser totalitären Furtwängler – Ablehnung ?
Ich finde man sollte das Thema Furtwängler ohne auf das dritte Reich einzugehen ansprechen! In einem anderen Forum habe ich auch erlebt, dass genau diese Art Forianer einen Dirigenten aus dem dritten Reich ablehen, nicht in erster Linie der Musik wegen, sondern wegen seiner Vergangenheit. Und wenn ich dann schroffe und totale Ablehnung über Furtwängler höre mit dem Zusatz ... es hört sich an wie das und das im dritten reich, da drängt sich mir der Gedanke auf, dass es nicht wirklich um die Musik hier in diesem Fall Furtwängler geht, sondern um dieses "Urteil" welches jedem Dritten Reich Dirigenten anhängt und die doch soo schroffe Ablehnung des Bösen, all das was man über das dritte Reich mitbekommen, gelehrt bekommen hat. Wenn jemand wirklich an der "Fähigkeit" eines Dirigenten wie Furtwängler zweifelt, so stellt sich derjenige doch wahrlich anders an es rüberzubringen. Das ist in meinen Augen eine Billige Art sich über Musik und Dirigenten zu unterhalten, diese Totale Abstempelung! Zumal der oder diejenigen meist nur die eine Seite der Geschichte kennen, die des Nazidirigenten. Liest man, oder hört man andere Leute zu Lebens und Wirkungszeiten Furtwänglers, lassen sich sogar diese Vorurteile teils ausräumen und entkräften!
Es gibt ja schon einen Wilhelm Furtwängler Thread und ich werde, wenn ich mich an der im diesen Dezember laufenden Sendung genug Hörbeispiele, Informationen gesammelt habe, mich dort melden und genauer auf Furtwängler eingehen. Ich hoffe es gibt genug Interesse.
Ansonsten denke ich, dass wir solcherlei Zündstoff nicht aus anderen Foren hierrüber bringen sollten, dass hatten wir selbst schon und es wurde hier nicht gern gesehen, dass über so etwas gesprochen wurde, was ich andrerseits auch verstehen kann. Solange hier niemand auf solche "dummen" Aussagen kommt, haben wir es hier wenigstens friedlich :D :engel.
Wer zu faul ist zum Suchen: Dirigent und Romantiker - Wilhelm Furtwängler
denke, diese Thematik passt ehr in diesen Thread, als in den all. Beethoven Sinfonien Thread.
Denke auch, der politische Gesichtspunkt ist das eine, die Interpretation und die daraus Assoziation im Kopf ist etwas anderes. Ob jemand "unbefangenes", der nicht den historischen aspekt kennt, auch derartiges raushört, mag man dorch eher bezweifeln, oder?
daniel5993 (13.12.2007, 21:39): Original von Rachmaninov @Daniel, @teleton,
denke, diese Thematik passt ehr in diesen Thread, als in den all. Beethoven Sinfonien Thread.
Denke auch, der politische Gesichtspunkt ist das eine, die Interpretation und die daraus Assoziation im Kopf ist etwas anderes. Ob jemand "unbefangenes", der nicht den historischen aspekt kennt, auch derartiges raushört, mag man dorch eher bezweifeln, oder?
Vollkommen Richtig !!! :J :J
daniel5993 (13.12.2007, 21:57): Hallo teleton,
https://www.jpc.de/image/w300/front/0/9948916.jpg
Beethoven Symphonien 3-7, 9 +Coriolan-Ouvertüre op. 62;Leonore-Ouvertüre Nr. 3; Klavierkonzert Nr. 4;Violinkonzert op. 61;Cavatina aus dem Streichquartett Nr. 13 +Brahms:Finale aus der Symphonie Nr. 1 +Bruckner: Adagio aus der Symphonie Nr. 7 Erich Röhn, Conrad Hansen, Berlin PO, Wien PO, Furtwängler Berlin PO, Wien PO, Furtwängler
Das sind Aufnahmen von 1940 - 1944 (6 CD's), darunter die von mir genannte Coriolan-Aufnahme von 1943. Ich weiß, Historische Aufnahmen sind bei dir nicht gerade Willkommen! Die Box ist auf dem Weg zu mir nach Hause :haha Auch zu den anderen Aufnahmen werd ich hier Stellung nehmen, auch auf die Gefahr hin mich hier seblst zu Unterhalten :D
Gruß Daniel :hello
Wotan (13.12.2007, 23:22): Die DGG hat kürzlich zwei neue Boxen von Furtwängler rausgebracht mit Aufnahmen aus den Jahren 1942-44 - also während der Krieg tobte. Auch wenn die Qualität denkbar schlecht ist, so sind die Aufnahmen eigentlich durch die Bank zu empfehlen. http://cover.universal-music.de/classics/graphics/150/028947129424.jpg (hab jetzt auf die schnelle nur Volume 2 gefunden)
Besonders am Herz liegt mir Furtwänglers Interpretation der 9ten aus Bayreuth. Keine andere Aufnahme (9 stehen bei mir im Schrank plus einige weitere die ich gehört habe) hat mich so berührt und gefesselt. http://blogs.macbay.de/static/Joblog/images/beethoven.jpg
Valery Gergiev meinte einmal "For me, Furtwangler is perhaps the best conductor ever" Ein Zitat dem ich fast geneigt bin zuzustimmen. :down
HenningKolf (14.12.2007, 07:44): Original von teleton Liebe Forianer des DAS-Klassikforums und Beethoven-Freunde,
ich bin der Meinung, dass es auch höchstinteressant ist Forumsübergreifend über Eindrücke von Aufnahmen zu sprechen. Es soll hier um Furtwängler als Beethovendirigent gehen.
Daniel hat Furtwängler als Beethoven-Dirigent bei den Beethoven-Ouvertüren erwähnt und auf Furtwängler-Sendungen im Dezember 2007 aufmerksam gemacht. Von Furtwänglers Interpretation der Egmont-Ouvertüre war er hingerissen - er nennt sie den "Wahnsinn" und das will schon ewas heißen.
:wink Ich selbst möchte mich aus der Diskussion heraushalten, da ich überhaupt keine Furtwängler-Aufnahmen mit Beethoven kenne. Ich gebe zu, dass es bei mir daran liegt, das es von Furtwängler nur MONO-Aufnahmen gibt ( :( sehr bedauerlich - er war zu früh !)
*** In einem anderen Forum laß ich gestern einen Beitrag, der dort schon sehr polarisiert hat.
Es geht um Furtwänglers Aufnahme der Beethoven Sinfonie Nr.9 von 1942 . Eine Forianerin aus St.Augustin schreibt einen sehr mutigen Beitrag und lehnt Furtwängeler total ab. Sie empfindet die Aufführung als Wiederlich und fühlte sich an Marsch-und Befehlstöne aus dem 3.Reich erinnert. Sie gebrauchte die Worte „grauseliger Schlachtengemälde“ und hatte die Vorstellung von „Stiefel mit Metallhacken“ . Es kam dazu sogar Zustimmung und bisher zwei Gegendarstellungen von Furtwängler-Fans. Den ganzen Beitrag hätte ich hier gerne zitiert, doch geht dies aus nachzuvollziehbaren Gründen nicht.
:hello Was meint ihr zu dieser totalitären Furtwängler – Ablehnung ?
Ich kann mich auch nicht fundiert äußern, da ich historische Aufnahmen nicht höre; allerdings klingt das schon von der Diktion reichlich nach bloßem Vorurteil. Als wenn die Forenschreiberin sich eine politikbezogene Meinung gebildet hat und dann die Musik gehört hat in der Erwartung, sich bestätigt zu sehen. Ich jedenfalls kann mir nicht vorstellen, dass das Urteil nicht überzogen wäre, weil zu viele politisch Unverdächtige Furtwängler überschwenglich loben. Beethoven gibt auch wenig für derartige Interpretation her, wie ich finde.
Die TAZ vermag z.B auch nichts über Elgar zu schreiben ohne mindestens dreimal das Wort "Imperialismus" zu benutzen, viele glauben bei Karajan den Schleier vermeintlicher politischer Sünden auf jeder Aufnahme gleich mitzuhören usw..
Auch ich gehe ja nicht immer vorurteilsfrei vor. Harnancourt z.B. klingt bei mir schon nervend, bevor ich ihn gehört habe :D
Gruß Henning
Nordolf (14.12.2007, 20:52): Hallo Teleton, Daniel und allen anderen Interessierten!
Sie empfindet die Aufführung als Wiederlich und fühlte sich an Marsch-und Befehlstöne aus dem 3.Reich erinnert. Sie gebrauchte die Worte „grauseliger Schlachtengemälde“ und hatte die Vorstellung von „Stiefel mit Metallhacken“ .
Zu einer solchen Einschätzung lässt sich kaum etwas Argumentatives sagen. Sie ist pur emotional und von bestimmten politischen Empfindungen geleitet. Entweder man stimmt zu oder nicht oder findet es sympathisch oder unsympathisch, assoziiert den "musikalischen Stechschritt" auch oder nicht usw. usf. Mir scheint es plausibler, in einer solchen Interpretation eher das Kriegsjahr 1942 wiederzufinden - und das diese Kriegsstimmung auf die Interpretation abgefärbt hat.
Furtwängler hat sich - wie eingangs geschrieben - nicht in erster Linie von gesellschaftlich-politischen Werten leiten lassen. Seine Werte waren in der Verbreitung und Aufführung klassischer Musik zu finden. Darum ging es ihm - vor allen anderen Dingen! Das war seine Mission. Damit glaubte er den Menschen in erster Linie dienen zu können, das war seine Passion, nichts anderes empfand er als wichtiger, mit nichts anderem entsprach er den eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten. Das kann man nun kritisieren. Man kann von ihm nachträglich verlangen, das er ein konsequenter Widerstandskämpfer im Dritten Reich hätte sein sollen oder wenigstens ein konsequenter Emigrant. Dabei darf man aber nicht vergessen, das man ihn nach dem eigenen Wertesystem beurteilt, das er in keiner Form geteilt hat. Nach seinen normativen Selbstansprüchen handelte er konsequent. Als man Furtwängler 1946 entnazifizieren wollte, als die Amerikaner seine Auftritte verboten - hat er sich über alle Maßen aufgeregt und nicht verstanden, was das überhaupt sollte. "Politische Kontroversen, mir höchst unangenehm", hieß es in einem Telegramm Furtwänglers. Sobald es um die "musikalischen" Werte ging, hat Furtwängler jede Menge Mut bewiesen. Goebbels wollte all die Halb- und Vierteljuden, die bei den Berliner Philharmonikern spielten, entfernen lassen. Furtwängler hat sich mit einer unglaublichen Energie bis zum Schluss gegen diese Vorhaben gestemmt - natürlich nicht, weil diese Menschen schutzbedürftige Juden, sondern weil sie gute Musiker waren. Auch das kann man ihm dann wieder vorwerfen. Aber so beisst sich die Katze in den Schwanz.
Ich persönlich finde eine historisierende Betrachtungsweise interessanter, die Furtwängler aus seinen eigenen Beweggründen verstehen will und ihn auch danach bewertet. Die eigenen - vielleicht abweichenden - Werte lassen sich dann immer noch anführen bzw. sollten auch angeführt werden. Der letztere Akt ist allerdings leichter und weniger anspruchsvoll.
Aber Furtwängler als hörigen Nazi abzustempeln, widerspricht der historischen Quellenlage (in der Partei war er nie). Es ist schlicht falsch.
Herzliche Grüsse! Jörg
daniel5993 (16.12.2007, 00:22): Man nehme sich ein wenig Zeit, zu sehen diese VideoClips
Don Giovanni - Ouvertüre - Wilhelm Furtwängler
Langsam gespielt, aber deswegen so wunderbar durchsichtig und schön!
Furtwangler on 4.19.1942 Full edition
Nur ganz auf die Musik geschaut- Was für ein Wahnsinns Finalentspurt von Beethovens 9. Oder was meint Ihr? Kaum zu glauben, das ich diesen Finalsatz der Neunten einmal total abgelehnt habe ?(, als einen Fehltritt Beethovens hab ich Ihn bezeichnet, dabei war dieser letze Satz der Neunten der Höhepunkt seiner Schaffenskraft :down!
Cetay (inaktiv) (22.12.2007, 09:33): Original von Nordolf Furtwängler dachte über das Verhältnis der Neuen Musik zur bisherigen tonalen Musik nach. Für Furtwängler gehörte Bach mit seiner Musik noch zum Teil ins Mittelalter, da für Bach der Mensch und seine unangefochtene Mittelpunktstellung im Universum, den Bezugspunkt darstellten. Die tonale Musik verkörpert das Ganzheitliche, das "Organische". Im 20. Jahrhundert begann sich die Musik dagegen zu verändern - aufgrund des neuen wissenschaftlichen Weltbildes, das nicht mehr den Menschen, sondern elementare Kräfte, Naturkräfte, das "Anorganische", zum Zentrum ihres Interesses macht. Der Mensch findet sich dann nur noch am Rand dieses wissenschaftlichen Universums. Er ist teils beherrschbaren, teils aber chaotischen kosmischen Kräften ausgeliefert, zwischen denen er nur noch wie ein Staubkorn wirkt. Das bringt ein Lebensgefühl mit sich, das zwischen Macht und Ohnmacht pendelt: - kein "In-Sich-Selber-Ruhen" mehr, sondern gehetzte nur durch schnelle Planung zur Sicherheit kommende Geschäftigkeit. Die moderne Musik - ganz besonders die atonale Musik - klingt daher auch plötzlicher, spontaner, zufälliger oder auch machineller. Sie spiegelt das Interesse des wissenschaftlichen Weltbildes am "Anorganischen" wieder und auch das Chaotische, Unberechenbare des Universums, das seinen sinnhaften Bezug zum Menschen verloren hat.
Ich liebe solche Versuche, der Musik eine kosmische Dimension zu geben. Allerdings kann man dabei auch zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Was Furtwängler als tonale Musik bezeichnet, meint eigentlich die temperiert-tonale Musik. Im "Mittelalter" folgte die Stimmung noch den natürlichen Intervallen. (Wer hier Informationsbedarf verspürt, der lese den hervorragenden Beitrag von SATIE im HIP-Faden). Deswegen war trotz des geozentrischen Weltbildes der Zeit die Musik organischer als später. Da es die Stimmung nach natürlichen Intervallen nicht erlaubt, sich allzuweit von der Grundtonart zu entfernen, ohne dass es schräg klingt, gibt es hier einen absoluten Bezugspunkt, also eher etwas Göttliches als etwas Menschengemachtes.
Die temperierte Stimmung stellt eine Gewaltanwendung dar, da das natürliche System verstimmt wird. Am Anfang war das für sensible Gehöre noch deutlich merkbar, aber mittlerweile hat man sich dran gewöhnt -es gibt ja fast nichts anderes zu hören- und empfindet jetzt natürlich gestimmte Musik als "schräg". Durch die temperierte Stimmung ist jetzt eine viel größere Palette an nutzbaren Intervallen da, die Anzahl der möglichen Modulationen wird praktisch unbegrenzt. Erst damit sind die groß angelegten Formen, die wir mit klassicher Musik verbinden, möglich geworden. Es gibt zwar noch die Grundtonart als absoluten Bezugspunkt (das Göttliche), aber der Komponist kann sich jetzt beliebig weit davon entfernen. Während Mozart dieses Land noch weitgehend vom Inneren her erkundete, setze mit Beethoven die Nutzung als persönliches Ausdrucksmittel ein, sei es politisch oder psychologisch. Das ist weder ganzheitlich noch organisch. Die Entfernung vom sinnhaften Bezug zum Universum, die Furtwängler ins 20 Jhd. verlegt, findet bereits hier statt.
In 20 Jhd. wird schließlich mit der Tonalität, der absolute Bezugspunkt selbst abgeschafft. Passend zur Relativitätstheorie wird auch in der Musik alles relativ, jetzt gibt es überhaupt keine Begrenzungen mehr, außer durch menschengemachte Regeln. Das Universum ist zur Kulisse verkommen, das Göttliche ist entweder überall oder nirgends. Insofern gehe ich hier wieder weitgehend mit Furtwängler d'accord - wobei man über Details schon noch diskutieren könnte, aber das würde dann doch arg weit vom Thema weg führen... :engel
daniel5993 (05.01.2008, 01:33): Hallo Forianer,
Wenn ich in meine CD-Sammlung schaue, bemerke ich, dass der Wilhelm dort einen beträchtlichen Platz eingenommen hat.
Wirklich bedeutende Aufnahmen, immer gern gehört sind aus meiner Sicht: (Um es noch einmal zusammenzufassen :wink)
Furtwängler Schuberts 9 "große C-Dur" Auch diese Aufnahme recht langsam, bei weitem langsamer als Böhm (wobei der schon langsamer ist, als üblich gehört) Die Symphonie wirkt viel schwerer als sie eh schon ist, verliert aber zu keinem Moment die Spannung. Besonders gut gelungen sind die Klarinetten und Flötensolos, der einzelnen Sätze! Großes + ! Man kann aufgrund dieser langsamen Tempi der Musik unmittelbar und wunderbar folgen. Ich ertappe mich in letzter Zeit immerwieder dabei, wie ich zu dieser Aufnahme greife. Die Klangqualität empfinde ich als sehr Gut.
Begeistert bin ich ebenfalls von seinem Beethoven aus den vierziger Jahren! Herrausstechend sind 2 Weltklasse gespielte Ouvertüren: Coriolan 1943 und Egmont 1947. Eine fast schon brutale schärfe. Streng und doch wunder ich mich immer wieder, wie Fu den Übergang zu den Ruhigen, romantischen Stellen der Ouvertüren meistert! Einfach Klasse!
Die Symphonien in dieser Box haben (und haltet mich nicht für verrückt) eine weitaus bessere Klangqualität als die meisten der Beethoven Symphonien, welche Fu Ende der vierziger, anfang der fünfziger aufgenommen hat! Der Klang hier (1940 - 1944) ist scharf und klar ! Gegenüber den späteren Aufnahmen hören sich die Symphonien nicht, dort wo viele Töne verloren gehen (aufgrund der schlechten Aufnahmequalität) hohl und unheimlich dumpf an. Dieser dumpfe Ton, verschluckt viel mehr Teile einer Symphonie. Zudem ist diese Box eine wahre Fundgrube für mich geworden! Neben der super Klangqualität (ich kanns nicht oft genug betonen) sind hervorragende Interpretationen der 3, 4 und 5 in erster Linie zu finden. Ein dynamischer Furtwängler dirigiert hier, kein langweiler, überaus langsamer tempi! Wer diese Symphonien kennt, weiß wovon ich spreche. Es ist ein mitreißendes Dirigat, voll Laune! Liegniz meinte einmal, die dritte "Eroica" aus diese Box sei Ihr Favourit und ich schließe mich diesem Urteil voll an! Tiefe, Ernst und doch eine Faust voll Heiterkeit hört man dort heraus! Das macht richtig Spass! Es gibt viele Super Aufnahmen der 3 von Beethoven und diese gehört dazu. Uhlmann schrieb irgendwo auch, dass man bei Beethoven wohl nicht an Fu vorbeikommt und diese Aussage war der Auslöser bei mir, mich auf die Suche zu machen und ich wurde belohnt. Furtwängler's Beethoven ist ein Meilenstein und reiht sich in mein Favouritenregiment Mühelos neben Leonard Bernstein ein. Diese Aufnahmen aus den Kriegsjahren können in erster Linie nicht bestechen durch Schönklang, auch nicht durch erstklassige Klangqualität. Umso erstaunlicher zeigen mir diese Aufnahmen den großen Wilhelm Furtwängler. Diese Aufnahmen haben keine Glücklichen Klangumstände eines Karajans in Späteren Jahren und doch, diese Interpretationen sind bestechend, man hört diesen Launischen Wechsel zwischen Ernst, Tiefe, Heiterkeit, Leichtigkeit. HIer zeigt sich für mich die wahre Größe eines Wilhelm Furtwängler, in aller Deutlichkeit! Man höre selbst und staune! Man muss nicht einmal der Nostalgie verfallen sein, um sich an diesen Beethoven zu wagen. Wie schon oft genug gesagt, ist die Qualität der Aufnahme nicht zum weglaufen und wie auch schon einmal gesagt, Fu's Interpretation macht wirklich Laune und lässt das manchmal aufkommene Knistern vergessen! Wer trotzdem dieser Aufnahme (übrigens Box = 20 €) ausweicht ist selber Schuld und verpasst Fu's Beethoven Talent. Ohh wie sähe die Geschichte aus, wenn Furtwängler in den 70ern oder gar 80gern eine Gesamtaufnahme unter Super Umständen auf den Tisch gelegt hätte, eine Aufnahme wie diese, aus den vierzigern? So manche Gesamtaufname würd an FU#s zerschellen. Auch von Lang-Lang weiligen (Satie: Ich hoffe du bist nicht böse, dass ich dir deinen Spruch geklaut habe, er ist zu Gut :wink)- langsamen Sätzen ist nichts zu spühren, wie in den Späteren Aufnahmen oft bemängelt wird. Beethoven ist neben Lenny mein TOP-Favourit auf Beethoven!
Die nächste, zum Glück recht bekannte und geliebte Aufnahme der 9 aus Bayreuth, 1951 zeigt zugleichmeine Lieblingsneunte neben "Lenny-Sony-New York".
Im ersten Satz stört noch so manche dumpfe Stelle, welche so manchen wichtigen Ton verschluckt, aber danach gehts steil Bergauf und dann das "Ode an die Freude". Nein, Daniel hats nie schöner gehört, bei all seinen Neunten.
Wie schön, dass Furtwängler des öffteren mit Menuhin konzertierte :D
Zwei für mich besonders wertvolle Aufnahmen aus dieser Zeit möchte ich hervorheben:
Und zuguterletzt: Schumanns 4, aber dazu muss ich nichts weiter sagen, denn soviel ich mitbekommen habe, hat fast jeder diese Aufnahme hier und weiß sie entsprechen zu schätzen! (Ich entsinne mich nur alzugut an den Abend, wo hier mindesten 5 verschiedene Forianer, aus welchem Anlass weiß ich nicht mehr, diese Symphonie, diese Aufnahme hörten.)
Gruß Daniel
karajan (17.01.2008, 10:18): Original von daniel5993 Hallo Forianer,
Wenn ich in meine CD-Sammlung schaue, bemerke ich, dass der Wilhelm dort einen beträchtlichen Platz eingenommen hat.
Und zuguterletzt: Schumanns 4, aber dazu muss ich nichts weiter sagen, denn soviel ich mitbekommen habe, hat fast jeder diese Aufnahme hier und weiß sie entsprechen zu schätzen! (Ich entsinne mich nur alzugut an den Abend, wo hier mindesten 5 verschiedene Forianer, aus welchem Anlass weiß ich nicht mehr, diese Symphonie, diese Aufnahme hörten.)
Gruß Daniel
Hallo Daniel
Aber nur fast denn ich habe diese Aufnahme nicht und werde sie mir auch nicht kaufen aber das sind andere Gründe warum. Ich besitze nicht eine Furtwängler Aufnahme bestimmt war das ein großer Dirigent der wunderschöne Musik gemacht hat. Ich lehne halt auf dauer die alte Tontechnik ab denn ich lebe im 21 Jahrhundert.
Gruß Karajan
daniel5993 (28.03.2008, 15:23): Original von Wotan Besonders am Herz liegt mir Furtwänglers Interpretation der 9ten aus Bayreuth. Keine andere Aufnahme (9 stehen bei mir im Schrank plus einige weitere die ich gehört habe) hat mich so berührt und gefesselt. http://blogs.macbay.de/static/Joblog/images/beethoven.jpg :beer
Valery Gergiev meinte einmal "For me, Furtwangler is perhaps the best conductor ever" Ein Zitat dem ich fast geneigt bin zuzustimmen. :down
:beer
Gruß Daniel
Bert (28.09.2010, 23:22): Wilhelm Furtwängler
Ehrlich gesagt, kenne ich ihn gar nicht - so alt bin ich nun wieder nicht, aber irgendwie hat es sich ergeben, daß ich meine Lieblingsoper unter seinem Dirigat fand und schon wegen Flagstad und Sudhaus nicht wiederstehen konnte. Schweige über die Tonqualität (es war damals halt so); diese Einspielung halte ich für eine sehr gelungene, auch wenn Frau Flagstad ihre besten Zeiten schon hinter sich hatte...
Gruß, Bert
Kalli (13.02.2011, 13:40): hallo,
die neunte von beethoven habe ich mir in der ZEIT edition ( luzern ) bestellt - da habe ich auch gleich etwas zu lesen. wäre folgende CDs ein guter einstieg zu furtwängler ? http://www.amazon.de/Sinfonien-5-7-Wilhe…97269194&sr=1-4 oder 5. und 7. als studioaufnahme : http://www.amazon.de/Sinfonien-5-7-W-Fur…/ref=pd_sim_m_2 bliebe noch die suche nach einer guten bruckner aufnahme....wäre dies etwas ? http://www.amazon.de/Furtw%C3%A4ngler-Co…97269761&sr=1-9 diese schubert cd wurde hier auch gelobt....ist sie wirklich so gut ? http://www.amazon.de/Schubert-Sinfonien-Nr-Wilhelm-Furtw%C3%A4ngler/dp/B001F4Z6CC/ref=sr_1_2?ie=UTF8& s=music&qid=1297270794&sr=1-2-spel von der naxos Cd mit beethovens vierter sinfonie und dem 5.klavierkonzert mit fischer wurde woanders eher abgeraten, das klavierkonzert liebe ich allerdings sehr - habe schon viele aufnahmen davon ( kempff,brendel,arrau,gould,serkin.....bis sudbin ) : http://www.amazon.de/Klavierkonzert-5-Si…97269406&sr=1-2
kann mir jemand weiterhelfen ?
gruss aus bruchsal
kalli
Amadé (13.02.2011, 23:20): Hallo Kalli,
bei Furtwängler ist das Angebot riesig, entsprechend muss man genau "hinhören". Zunächst sind bei Beethoven-Sinfonien die Studio-Aufnahmen mit den Wiener Philharmonikern den Konzert-Mitschnitten unterlegen, da empfehle ich mehr die Mitschnitte mit den Berliner Philharmonikern bei DGG oder Wiener Philharmonikern bei Orfeo. Beethovens 9. aus Luzern war F. letzte Interpretation dieser Sinfonie, nicht schlecht, aber es gibt bessere, z.B. die mit den WPh 1952 oder 1953. An Studio-Produktionen sollte man kennen: Haydn Nr.88, Schubert Nr.9 und Schumann Nr.4, alle mir den BPh bei DGG. Außergewöhnlich gut ist Beethovens 4. mit den BPh bei DGG, die Wiener Einspielung gekoppelt mit dem 5.KK jetzt bei Naxos ist auch ein Kauf wert. Von Bruckner empfehle ich seine 8., da kannst Du wählen zw. WPh und BPh. Vielleicht findest Du weitere Anregungen (Eroica, Brahms 3., Unvollendete...), wenn Du unten www anklickst.
Gruß Amadé
Heike (12.05.2012, 17:50): Hinweis auf ein feature, das von rbb Kulturradio am 17.5. (Christi Himmelfahrt) erstmalig gesendet wird:
Do 17.5.12 ; 14.04–16 Uhr kulturradio vom rbb Bearbeitung und Regie: Ulrich Gerhardt Produktion: rbb 2012 Ursendung Mit: Matthias Brandt, Friedhelm Ptok Komposition: Daniel Dickmeis
"Furtwängler - Protokoll der Hauptverhandlung im Entnazifizierungsverfahren
In mehr als 70 Städten – weltweit – ist das Bühnenstück „Taking Sides“ („Der Fall Furtwängler“) von Ronald Harwood inszeniert worden. Der gleichnamige Film von István Szabó ging in glänzender Besetzung und mit Zustimmung durch die Lichtspielhäuser. Doch welches Bild von Wilhelm Furtwängler, dem langjährigen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker, wird uns da gezeigt? Das nun wieder aufgefundene Protokoll seiner Entnazifizierungsverhandlung zeigt eine andere Wahrheit.
Nicht mit schlechtem Gewissen trat er am 17. Dezember 1946 vor die Mitglieder der Entnazifizierungskommission für Kunstschaffende in der Berliner Schlüterstraße 45, sondern in Würde und aufrechten Hauptes. Schon gar nicht musste er sich von einem amerikanischen Major anbrüllen und erniedrigen lassen. Zwei deutschen Widerstandskämpfern und einem Opernsänger stand er in fünf Stunden Rede und Antwort, viele Zeugen waren aufgeboten. Nach seinem Schlusswort verließ er, wie Augenzeugen berichten, den kleinen Saal mit Beifall.
Das wörtliche Protokoll von damals wird hier zum ersten Mal in Auszügen veröffentlicht. Es ist ein historisches Dokument, das eine unvoreingenommene Sicht auf das Verhalten Furtwänglers im nationalsozialistischen Deutschland erlaubt."
weitere Infos hier: http://www.kulturradio.de/programm/sendungen/120517/feature_1404.html
Colline (31.07.2012, 12:26): Als absoluter Furtwängler-Verehrer (fast alles in der Sammlung) finde ich gut, dass hier auf die RBB-Sendung zum Entnazifizierungsverfahren eingegangen wird, denn in der WF-Literatur wird diese Thematik meiner Meinung nach nur unzureichend behandelt. Wie man WF in puncto NS beurteilt, muss jeder für sich entscheiden...bei Karajan, Böhm, Elly Ney (z.B.) scheint das Thema NS keine Rolle zu spielen..oder ???
:hello Colline
satie (02.08.2012, 00:00): Original von Colline Als absoluter Furtwängler-Verehrer (fast alles in der Sammlung) finde ich gut, dass hier auf die RBB-Sendung zum Entnazifizierungsverfahren eingegangen wird, denn in der WF-Literatur wird diese Thematik meiner Meinung nach nur unzureichend behandelt. Wie man WF in puncto NS beurteilt, muss jeder für sich entscheiden...bei Karajan, Böhm, Elly Ney (z.B.) scheint das Thema NS keine Rolle zu spielen..oder ???
:hello Colline
Wie? Das wird doch andauernd diskutiert, als ob man einen Knopf gedrückt hätte, wenn einer dieser Namen fällt! Meiner Meinung nach allerdings muss man bei Böhm und Ney gar nicht diskutieren, da kriegt man die Bräune auch mit gutem Willen nicht raus. Furtwängler und Karajan sind da etwas schwieriger. Trotzdem: bitte nicht schon wieder, es sei denn, man kann schlüssig darlegen, dass das Hören ihrer Aufnahmen gefährlich ist oder Hirnzellen abtötet. Alles andere hatten wir schon zu oft.
Mit mitternächtlichem Gruß, S A T I E
Colline (02.08.2012, 18:52): Seit wann ist das Hören von Musik, resp. Furtwängler-Aufnahmen gefährlich ?(
:hello Colline
satie (02.08.2012, 19:53): Original von Colline Seit wann ist das Hören von Musik, resp. Furtwängler-Aufnahmen gefährlich ?(
:hello Colline
Eben.
abendroth (03.08.2012, 20:47): Ich habe gestern das 'Protokoll' mit Sympathie und Interesse gehört. Trotzdem finde ich 'Taking Sides' kein schlechtes Theaterstück (bzw. Film). Es geht um die Frage, inwieweit ein Künstler in einer Diktatur seine Unabhängigkeit bewahren kann. Allerdings enthält das Stück, anders als es wohl suggeriert, keine historische Wahrheit. Als Anti-Furtwängler habe ich den Film nicht empfunden. Der Film enthält ja übrigens eine Passage mit einer historischen Aufnahme, auf der Furtwängler nach der Aufführung der 9ten Hitler die Hand drückt (was er ohne sich in Lebensgefahr zu bringen, nicht vermeiden konnte, da H. auf ihn zukam, um sich zu bedanken). Hochinteressant ist, was danach zu sehen ist. Furtwängler nimmt ein Taschentuch und wischt sich sorgfältig die rechte Hand ab. Zum Künstlerischen. Ich war nie ein so richtig begeisterter Furtwängleranhänger. Manches wovon oft geschwärmt wird, liess/lässt mich ziemlich kalt. Dazu gehören auch einige berühmte Beethovenaufnahmen. Die 'Bayreuther Neunte' kann mich nicht entzücken und im überdehnten langsamen Satz geht's einmal schrecklich schief, als so ziemlich jeder den Faden verloren hat. Das Violinkonzert mit Menuhin oder das 5. Klavierkonzert mit Edwin Fischer - ich kann einfach nicht verstehen, was an diesen Aufnahmen so besonders sein soll. Idem was Bruckner 8 & 9 betrifft. (Wenn man Hermann Abendroths Bruckner 9 kennt, dann kann man sich ohnehin nur wundern, warum Abendroth im Gegensatz zu Furtwängler, heute fast vergessen ist.) Es gibt allerdings auch manches von Furtwängler das mich begeistert. Z.B. die Freischützouvertüre, Schumanns Vierte und die an Wahnsinn grenzende Schubert'sche 9te von 1942 (!!!), die der späteren Aufnahme haushoch überlegen ist (allerdings nicht in puncto Aufnahmetechnik). Diese 1942-er Aufnahme wurde, glaube ich, nach dem Krieg von den Russen konfisziert und sie wurde erst sehr spät veröffentlicht. mit freundlichen grüssen abendroth
Colline (04.08.2012, 18:35): Hallo Abendroth,
ich habe Deinen interessanten Beitrag gelesen... Welche Bayreuther "Neunte" meinst Du? Die von 1951 bei EMI-zusammengestückelt oder die 1951 von Orfeo-ORIGINAL-veröffentlicht o d e r die von 1954 bei Archipel erschienene?
Ich glaube übrigens nicht, dass Hermann Abendroth (einer meiner Lieblingsdirigenten) vergessen ist, zumindest nicht bei Sammlern und Kennern. Die Bayreuther Meistersinger von 1943 unter Abendroth ziehe ich von den Sängerleistungen her der Furtwängler-Aufnahme vor.
:hello Colline
abendroth (04.08.2012, 20:24): Ich habe die EMI und das booklet sagt, dass sie anlässlich der Wiedereröffnung des Festspielhauses in Bayreuth entstand. Inwiefern ist sie zusammengestückelt (davon habe ich nie etwas gehört). Und wenn sie zusammengestückelt ist, warum geht dann im langsamen Satz etwas schief?
Es freut mich, dass Du Abendroth schätzt. Ich bin auf Abendroth durch die französische Musikpresse (Le Monde de la musique) aufmerksam geworden, in der seine Aufnahmen sehr gepriesen wurden und man ihm den gleichen Rang wie Furtwängler zuerkannte. Seine Popularität (wenn dies ein geeignetes Wort ist) hat gewiss unter der Tatsache gelitten, dass er nach dem Krieg in der DDR blieb. Adenauer, der ihn aus seiner Kölner Zeit kannte, hat sich höchstpersönlich dafür eingesetzt, Auftritte von ihm in der BRD zu verhindern. freundliche grüsse Joachim
Heike (05.08.2012, 09:35): Für Furtwängler-Fans gibt es hier übrigens zwei Raritäten: http://www.kulturradio.de/zum_nachhoeren/furtwaengler.html Heike
Amadé (05.08.2012, 10:32): @ abendroth
zu Beethovens 9. mit WF aus dem Festspielhaus 1951 habe ich mich früher hier ausgiebig geäußert, bitte zum Datum 24.03.08 gehen.
Gruß Amadé
Colline (05.08.2012, 17:22): Hallo Abendroth,
die EMI-Aufnahme (die ich jahrelang auf LP und CD hatte), ist aus einzelnen Proben, die nicht im Festspielhaus, sondern im Festspielrestaurant stattfanden, Teilen der Generalprobe und der Aufführung gestückelt wurden (Legge hat ganze Arbeit geleistet), verkauft wurde die Aufnahme aus Privatbesitz (LP-Text) als Aufnahme aus dem Bayreuther Festspielhaus...ich habe die Ausgabe der Furtwängler-Gesellschaft, die, wie ORFEO auf die ORIGINALBÄNDER des BR zurückgreifen konnte...solltest Du Dir mal anhören.
:hello Guido
uhlmann (09.08.2012, 16:31): wers noch nicht kennt: einen interessanten und lesbar mit liebe gestalteten artikel über furtwänglers leben und v.a. aufnahmen gibts bei peter gutmanns classical notes: http://www.classicalnotes.net/features/furtwangler.html
Falstaff (22.03.2017, 00:33): Fast 5 Jahre lang kein Posting mehr zu Furtwängler. Das muss ich doch nun mal ändern.
Furtwängler hat mich immer v.a. aus zwei Gründen fasziniert. Zunächst der Dirigent, dann aber auch seine Position/Verstrickung im Dritten Reich.
Furtwängler ist für mich der Dirigent schlechthin. Ich sammle von ihm ziemlich hemmungslos alles, was es irgendwie gibt und bin da auch schon ziemlich weit gekommen. :)
Und man darf sich wirklich nicht mit einer Aufnahme von Beethoven 9, von Bruckner 8, von Schubert 9 oder was auch immer zufrieden geben, da er immer, abhängig von vielen äußeren Faktoren, anders klang. Es gibt quasi nie zwei Aufnahmen eines Werkes von ihm, die auch nur annähernd gleich angelegt sind. Dieses spontane Reagieren auf die jeweiligen Umstände, was dann teilweise zu völlig anderen Ergebnissen führt, das Gefühl, dass man ein Werk so zu hören bekommt, als würde es in diesem Moment erschaffen werden, der unaufhörliche Fluss der Musik, dieses Eintauchen in sie, dieses Zelebrieren, dieses den Geist der Musik aufblühen lassen.... Natürlich kann man es alles auch ganz anders sehen und natürlich gibt es viele gute Gründe gegen ihn als Dirigenten. Aber mich hat immer die besondere Art fasziniert und ergriffen, in der er die Musik seinem Wesen angeeignet hat, ohne sie zu vergewaltigen. Das ist bei ihm reine Subjektivität und trotzdem ist es immer der Komponist, um den es geht. Furtwängler hat eine Qualität des 'Dienens und der Demut gegenüber dem Werk' entwickelt, die weit entfernt von schlichter Wiedergabe ist, sondern die stets versuchte, die 'Seele der Musik' zu entdecken und wiederzugeben.
Furtwängler hat mich aber eben auch immer als Person der Zeitgeschichte interessiert. Als jemand, der voller Idealismus und politisch naiv, geradezu 'beschränkt' oder besser 'eingeschränkt', sich einer Diktatur entgegenstellen wollte, der meinte Kultur könne gegen Barbarei siegen und der dennoch schuldig geworden ist. Die unterschiedlichen Grade von Schuld. Und die unterschiedlichen Grade von Widerstand.
Ebenso wie der Dirigent wirft auch der Mensch Furtwängler ganz viele Fragen auf, die uns direkt betreffen. Man kann sich mit ihm streiten, vielleicht muss man es auch. Aber man kann ihn eigentlich nicht links liegen lassen, da beide uns in ihrer Konsequenz direkt treffen (können oder sollten).
:hello Falstaff
Falstaff (22.03.2017, 00:44): Eine meiner absoluten Favoriten (neben den anderen, die er von dieser Oper hinterlassen hat) ist diese Aufnahme:
Ein Werk, das mit Sicherheit ihm ganz besonders am Herzen lag. Für ihn nicht nur eine Oper, sondern eine Idee. Und so dirigiert er es auch vom ersten Moment an. Das ist reine Emotion. Wobei er durchaus die Spielopernteile im 1. Akt mit einer Intensität auflädt, die einem Bange macht, ob er die Steigerung im 2. Akt noch schaffen kann. Er kann es, bringt aber durchaus die Sänger an ihre vokalen Grenzen. Mehr wäre wohl nicht drin. Nach einer grandiosen Leonoren III, die nur durch die Kriegsaufnahme von 1944 in ihrer Intensität übertroffen wird, kommt es zu einem jubelnden, wirklich die Ketten sprengenden Finale.
Nicht unerwähnt bleiben sollte hier die Mödl. Für mich eine der Interpreten der Rolle neben Lehmann, Flagstad und Ludwig und wirklich zum :down :down :down :down
LG Falstaff
Cavaradossi (22.03.2017, 10:36): Lieber Falstaff,
das ist auch mein "Lieblings-Fidelio". Es war auch meine erste GA dieser Oper, später kamen noch hinzu Fricsay (DGG), Klemperer (EMI), Karajan (EMI) und Bernstein (DGG). Auch diese haben alle ihre Meriten, am schwächsten erscheint mir Bernstein (vor allem wegen der von mir hoch geschätzten Janowitz, die aber mit der Leonore total überfordert ist). Nach Furtwängler (die Live-Mitschnitte von ihm kenne ich nicht) steht auf Platz 2 unangefochten Klemperer, der mit Christa Ludwig eine kongeniale Leonore zur Verfügung hatte.
LG :hello Cavaradossi
Falstaff (23.03.2017, 23:48): Nach Furtwängler (die Live-Mitschnitte von ihm kenne ich nicht) steht auf Platz 2 unangefochten Klemperer, der mit Christa Ludwig eine kongeniale Leonore zur Verfügung hatte. Lieber Cavaradossi, die Reihenfolge gilt für mich auch. Toll ist übrigens auch ein Walter-Mitschnitt von der Met mit Flagstad (sensationell) und Maison. Die Live-Mitschnitte von Furtwängler sind sehr empfehlenswert, weil er immer anders klang und weil er mit Schlüter, Flagstad (leider schon über ihren Zenit hinaus) und v.a. Patzak sehr interessante Alternativen bietet.
LG Falstaff
Cavaradossi (24.03.2017, 11:34): Die Live-Mitschnitte von Furtwängler sind sehr empfehlenswert Lieber Falstaff,
davon bin ich überzeugt, nur, wann soll man das alles hören, und vor allem, wo soll man es unterbringen? Meine LPs habe ich schon alle in Kartons verpackt, weil der Platz nicht mehr ausreicht, und als mein (ziemlich umfangreicher) Schrank nicht mehr ausreichte, habe ich mir nach und nach Regale angeschafft. Davon gibt es inzwischen sieben, und für ein achtes müßte ich erst noch Platz schaffen. Ich denke, Du kennst dieses Problem auch. Und dann kommt mir gelegentlich auch der Gedanke: Was passiert damit, wenn ich einmal nicht mehr da bin. Keiner in meiner Familie, weder meine Kinder noch meine Enkel, interessieren sich auch nur im geringsten dafür .... Natürlich könnte man die Schätze verkaufen, doch was kriegt man heute für eine CD, die mal rund 40 DM gekostet hat? Wenn's hoch kommt, 30-35 Cent. Aber trotzdem: Heiter bleiben! :D
In diesem Sinne LG :hello Cavaradossi
Falstaff (26.03.2017, 00:48): Ich denke, Du kennst dieses Problem auch. Lieber Cavaradossi, und wie ich das kenne. :) Die Leiden eines Sammlers. Deshalb versuche ich mich auf bestimmte Gebiete zu beschränken (oftmals wenig erfolgreich :D ), habe meine sämtlichen LP's verkauft (unter Schmerzen) und verkaufe immer wieder CD's, die ich lange, lange nicht gehört habe. Aber das sind alles nur Prothesen. Irgendwie wächst die Sammlung doch immer mehr. Keine Ahnung warum. :D
LG Falstaff
Cavaradossi (26.03.2017, 16:06): habe meine sämtlichen LP's verkauft (unter Schmerzen) und verkaufe immer wieder CD's Lieber Falstaff,
mein Problem ist: ich kann mich von nichts trennen. Wenn ich 20 CDs aussortiert habe, um sie zu verkaufen oder verschenken, so wandert eine nach der anderen wieder zurück, bis schließlich davon nur 5 übrigbleiben, die ich dann schweren Herzens weggebe. Meine LP-Sammlung (über 2000 Stück) steht in Umzugkartons im Keller (allerdings in einem absolut trockenen Raum), und ich weiß genau, daß ich davon wahrscheinlich, wenn's hoch kommt, noch 20 hören werde, aber weggeben - ich bringe es nicht über mich. Fast jede einzelne hat eine Geschichte, und viele habe ich mir echt zusammengespart. Ich weiß noch gut, daß ich mal Mitte eines Monats mein gesamtes restliches Taschengeld (das war 1960, ich bekam damals 30 DM/monatl.) für die Chopin-Walzer mit Dinu Lipatti ausgegeben habe, genau 21 Mark. Da blieb noch nicht mal was für ein Bier in der Kneipe übrig, was zu der Zeit 45 Pfg. (!) kostete. Und die CD-Sammlung wächst noch immer. Die Wände sind nun mal zu klein; um ein neues Regal anzubringen, muß ich zwei andere umplazieren. Ja, das Leiden eines Sammlers ..... Zum Glück gibt es ein paar Mitleidende, das tröstet! :haha
Schönen Sonntag :hello Cavaradossi
Cantus Arcticus (26.03.2017, 17:14): habe meine sämtlichen LP's verkauft (unter Schmerzen) und verkaufe immer wieder CD's Lieber Falstaff, mein Problem ist: ich kann mich von nichts trennen. Wenn ich 20 CDs aussortiert habe, um sie zu verkaufen oder verschenken, so wandert eine nach der anderen wieder zurück, bis schließlich davon nur 5 übrigbleiben, die ich dann schweren Herzens weggebe. Meine LP-Sammlung (über 2000 Stück) steht in Umzugkartons im Keller (allerdings in einem absolut trockenen Raum), und ich weiß genau, daß ich davon wahrscheinlich, wenn's hoch kommt, noch 20 hören werde, aber weggeben - ich bringe es nicht über mich. Fast jede einzelne hat eine Geschichte, und viele habe ich mir echt zusammengespart. Ich weiß noch gut, daß ich mal Mitte eines Monats mein gesamtes restliches Taschengeld (das war 1960, ich bekam damals 30 DM/monatl.) für die Chopin-Walzer mit Dinu Lipatti ausgegeben habe, genau 21 Mark. Da blieb noch nicht mal was für ein Bier in der Kneipe übrig, was zu der Zeit 45 Pfg. (!) kostete. Und die CD-Sammlung wächst noch immer. Die Wände sind nun mal zu klein; um ein neues Regal anzubringen, muß ich zwei andere umplazieren. Ja, das Leiden eines Sammlers ..... Zum Glück gibt es ein paar Mitleidende, das tröstet! :haha
Schönen Sonntag :hello Cavaradossi Ja, lieber Cavaradossi Ich bin ein Mitleidender ;( Meine CD-Sammlung ist etwa 3500 CDs im Bereich Klassik und ca. 400 Cds aus Pop, - Rock, County usw. gross. Da ich wärend der Arbeit oft Zeit habe, Musik zu hören, ist der Durchsatz an Werken aller Klassik-Gattungen sehr hoch ^^ ....
Bei mir ist es genauso, ich habe in einer Cleaning-Aktion 500 CDs aussortiert, nur um sie nach und nach wieder einzusortieren... Meine Partnerin meint dazu ganz trocken: "Warum lässt Du dich nicht einmal untersuchen?"
Mein Hausarzt ist auch ein Klassikfreak, bringt also nichts :haha .. Liebe Grüsse Stefan
Cavaradossi (27.03.2017, 09:40): Mein Hausarzt ist auch ein Klassikfreak, bringt also nichts Lieber Andreas,
es ist immer wieder tröstlich, daß man mit seiner Sammelwut nicht allein steht, aber mehr Platz gewinnt man dadurch auch nicht. :( Apropos Hausarzt: Mir ging es vor einigen Jahren ähnlich. Ich lag mit hohem Fieber, er kam und sah meine Klassiksammlung - da war meine Krankheit fast kein Thema mehr! Obwohl ich mich elend und matt fühlte, hat er fast eine Stunde lang meine Sammlung bewundert, und dabei dauernd gemeint, daß er mächtig unter Zeitdruck wäre, er hätte noch so und so viele Patienten zu besuchen .... Ich habe meine CDs lange nicht mehr gezählt, aber die 2000-Marke ist längst überschritten. Allerdings beschränkt sich meine Sammlung praktisch ausschließlich auf "ernste" Musik, vom Barock bis zur Spätromantik. Und natürlich viel italienische Oper.
LG, Cavaradossi
palestrina (27.03.2017, 23:42): Hallo zusammen, ich denke es wäre besser hier weiter über die Sammlungen zu diskutieren!
LG palestrina
Falstaff (13.07.2017, 01:20): Gerade höre ich wieder einmal diese Aufnahme:
'Berüchtigt' einerseits wegens des Datums (Vorabend zu Hitlers Geburtstag), 'berüchtigt vielleicht auch wegen der extremen Interpretation.
Zunächst zum Anlass. Furtwängler hatte sich erfolgreich gegen jede Einladung gewehrt, das Geburtstagkonzert zu dirigieren. Konzertverpflichtungen, Urlaub, gesundheitliche Probleme. 1942 gingen ihm allerdings die Ausreden aus und er wandte sich um Hilfe an den Gauleiter von Wien. Der lag aber gerade im Clinch mit Goebbels und war nicht bereit, Furtwängler irgendeine andere Verpflichtung zu bestätigen. So musste dieser ran. Ein Dirigat (und v.a. ein Händedruck), das man ihm bis heute vorwirft.
Und wie empfinde ich das musikalische Resultat? Künstlerisches Ergebnis war, v.a. in den Ecksätzen und im Scherzo, ein brachialer, geradezu brutaler Beethoven. Das ist eine '9.' in's Extrem getrieben. Das ist ein politisches Statement, weniger eine rein musikalische Interpretation. Heute würde man vielleicht sagen, da 'k...' sich jemand aus, da kämpft jemand um seinen Beethoven, da haut jemand den Barbaren mit aller letzter Vehemenz Beethovens Botschaft um die Ohren, da versucht jemand mit ganzer Kraft noch einmal Kunst und Kultur über Barbarei zu setzen.
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang finde ich das Scherzo. Das erinnert teilweise an fallende Bomben. Sicherlich kein 'Statement', das in den Jahren, als Berlin immer wieder von Bombenangriffen heimgesucht wurde, gerne gehört wurde.
Ob das schon ein Akt des Widerstandes war, müsste man diskutieren. Aber ich denke, es war zumindest mutig, am Vorabend dieses 'Festes' es so zu dirigieren.
Wenn man ohne den geschichtlichen Hintergrund diese Interpretation heute hört, mag sie einen verwirren. Aber unabhängig davon finde ich sie weiterhin sehr faszinierend, weil sie zeigt, wie intensiv und durchaus auch subjektiv man Beethoven dirigieren kann, ohne ihn zu verbiegen.
:hello Falstaff
Falstaff (30.05.2018, 00:06): Puuh, auch dieser Thread liegt schon fast ein Jahr brach. Aber man ist ja Optimist. ^^
Bei der Lektüre dieses Buches
wurde mir erneut deutlich, was ich u.a. an Furtwängler so faszinierend finde. Eben sein Verhältnis zum Atem. Werke, die eher ein rhythmischen Charakter haben, zu denen hatte er mit Sicherheit keinen direkten Zugang. Aber die, die in sich diesen Atem haben, diesen Fluss, dieses Strömen, die gelangen ihm doch immer wieder unnachahmlich. Ein natürliches Fließen, also immer im Einklang mit Natur und eigenem Ausströmen und Einsaugen von Lebenskraft und Sein, aber immer fließend, wenn auch, harmonisch eingebaut, durchaus mit Ecken und Kanten, mit Verzögerungen und Beschleunigungen. Das mag nicht überall passen, das ist auch verdammt subjektiv. Aber wo er diesen Fluss mit der 'Seele' der jeweiligen Musik in Übereinstimmung bringen konnte, da gelangen ihm doch faszinierende Interpretationen.