Diskothek im Zwei - was bringt die Sendung dem Klassikfreund?

Peter Brixius (04.10.2010, 23:37):
Aus diesem Forum habe ich vor einiger Zeit die Empfehlung für diese Sendereihe bekommen. Inzwischen habe ich eine Anzahl von Sendungen gehört und für mich aufgezeichnet.

Diskothek im Zwei - diskussionswürdige Empfehlungen nach einer diskutabeln Vorstellung

Zwei der Sendungen habe ich ausführlich im Freundeskreis diskutiert. Bevor ich nun "richtig" in den Thread einsteige, würde mich interessieren, wer sonst noch diese Sendereihe verfolgt und welche Sendungen allgemein präsent sind.Wenn es da einen Vorschlag gibt, würde ich ihm folgen, damit es gleich mit einer Diskussion losgeht, ansonsten kündige ich für die nächsten Tage Beiträge zu Webers "Freischütz", Purcells "Dido and Aeneas" und zu Beethovens Violinkonzert an.

Liebe Grüße Peter
Armin70 (05.10.2010, 00:23):
Hallo Peter,

danke für den Hinweis auf diese Sendung, die ich bis eben ehrlich gesagt gar nicht kannte, denn DRS kann ich hier per Radio (UKW) gar nicht empfangen. Im Internet habe ich aber herausgefunden, dass man sich einige Ausgaben dieser Sendung als Podcast in kompletter Länge anhören und downloaden kann.

Diskothek im Zwei

Bei iTunes kann man sich übrigens komplette Folgen dieser Sendung ebenfalls anhören und zwar kostenlos:

iTunes

Solche Sendungen mit diskographischen Vergleichen zu einem bestimmten Werk finde ich sehr interessant und spannend, vorausgesetzt natürlich, dass es sich um ein Werk handelt, das mich interessiert. Das ist beispielsweise bei der Sendung mit Bachs Motetten der Fall, in die ich parallel, während ich hier am Tippen bin, schon mal reinhöre.

Gruß
Armin
Armin70 (05.10.2010, 01:55):
Noch ein Nachtrag:

Eben habe ich mir die Sendung mit dem Vergleich von Aufnahmen mit Bachs Motetten komplett angehört, weil ich das sehr interessant fand.

Die Expertenrunde im Studio favorisierte übrigens folgende 2 Aufnahmen:

Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51qaiRdY1GL._SL500_AA300_.jpg[/img


Sette Voci, Peter Kooij:



Sette Voci, Peter Kooij:



Beides sind übrigens neue Aufnahmen, die letztes Jahr erst erschienen sind. Die Suzuki-Aufnahme ist chorisch besetzt, d. h. insgesamt 18 Sänger/innen + Continou und die Kooij-Aufnahme ist solistisch besetzt und ebenfalls mit einer Continou-Begleitung.
Ich persönlich würde der Kooij-Aufnahme den Vorzug geben, weil für mich der verinnerlichte Ausdruck in vielen Stellen der Motetten in der solistischen Besetzung besser zum Tragen kommt. Die Suzuki-Aufnahme ist mir da manchmal etwas zu vordergründig aber das ist wirklich Geschmackssache. Letztlich ergänzen sich beide Aufnahmen sehr gut.

Nicht so gut haben die Aufnahmen mit dem Flämischen Kammerchor, dem Hilliard-Ensemble und La Petite Bande abgeschnitten.
Peter Brixius (05.10.2010, 11:35):
Lieber Arnim,

ich fand den Ablauf und die Auswahl der Aufnahmen für mich sehr nachvollziehbar - und Deine Entscheidung für Kooj auch. Ich habe zwar eine Anzahl von Einspielungen, finde diese aber so interessant, dass ich sie mir dazu stellen möchte.

Für die Nochnicht-Hörer:

Es ist eine wöchentliche Sendung im DRS 2, Der/Die ModeratorIn hat ein Musikwerk ausgewählt (über das Repertoire in einem Folgeposting) und dazu zwei Diskutanten eingeladen. Oft sind es Leute aus der Musikszene, die mit dem Werk beruflich vertraut sind (das hat so seine Vor- und seine Nachteile. Wenn man etwa eine Violinsolistin da sitzen hat, die bei all ihren Konkurrentinnen "Fehler" sucht, hat man Pech, wenn man wie bei den Motetten einen Tonmeister dabei hat, der mit Rilling, Bernius u.a. gerade bei den Motetten mitgearbeitet hat, eben Glück gehabt.

Das Werk/die Werke werden in drei Runden vorgestellt. Bei der Motetten-Runde hat man sich fünf (aktuelle) Einspielungen ausgesucht. In der ersten Runde hört man den gleichen Abschnitt (in diesem Fall den Beginn von "Der Geist hilft unserer Schwachheit auf"). Die fünf Ausschnitte werden kommentiert.

Für die zweite Runde wird die Anzahl der Aufnahmen in der Regel um zwei reduziert (bei Bachs Motetten um eine - und zwar traf es die Hilliard-Einspielung), in der letzten Runde sind es meist zwei bis drei Aufnahmen, die da konkurrieren. Am Ende steht die Kür von einer oder zwei Einspielungen. Bei den Motetten werden von den Diskutanten noch zwei weitere Einspielungen genannt, die nicht zur Debatte standen. Das ist aber eine Ausnahme.

Beeinflusst wird das Urteil

1) zu einem durch die Diskutanten. Wenn diese ein "Idealbild" mitbringen, wird mE nicht mehr so gut mitgehört, sondern gebeckmessert (wie dieser Opernkritiker, der nur teilweise der Oper zuhört und -schaut, weil er schon an seiner Kritik feilt). Es fehlt leicht die Fähjgkeit, einer Aufnahme gerecht zu werden. Es handelt sich in aller Regel um Geschmacksurteile, die Konzepte der Einspielungen weniger berücksichtigen. Aber es sind Geschmacksurteile auf hohem Niveau, die einem etwas mitgeben.

2) durch die Ausschnitte. Gerade bei einem größeren Werk, etwa eine Oper, ist es nicht eben leicht, repräsentative Stellen zu finden. Die Frage ist auch, ob eine ausgeschiedene Aufnahme ausgerechnet im ausgewählten Teilstück Schwächen hatte, aber evt. in allen anderen brilliert. Wenn man die Keilberth-Einspielung auf Grund solcher Erwägungen draußen lässt und am Ende ausgerechnet die Weil-Einspielung mit ihren unerträglichen Zwischentexten kürt - ohne auch nur eine Chorstelle betrachtet zu haben (beim Freischütz mE eine Unmöglichkeit), so ergibt sich ein zufälliges Bild. Aber bei dem Spielcharakter der Sendung muss man damit leben.

3) und natürlich der Auswahl der Interpretationen. Da hier meist ein formales Auswahlkriterium genannt wird (aktuelle Aufnahmen), kann man sich damit zufrieden geben.

Am Ende wird die gekürte Aufnahme noch einmal gewürdigt und beschließt die Sendung. Ich halte diese Sendereihe - nachdem ich sie nun kennen gelernt habe - für eine Bereicherung. Vieles hört man mehr, einiges anders. Gerade wenn man den Geschmacksurteilen nicht unkritisch gegenüber steht, lernt man eine Menge - vor allem wieder genauer hinzuhören.

Liebe Grüße Peter
Armin70 (05.10.2010, 13:34):
Hallo Peter,

die Kooij-Aufnahme ist wirklich interessant, dass ich auch ernsthaft überlege, sie mir zu kaufen, da sie eine interessante Alternative zu meiner Koopman-Aufnahme mit dem Niederländischen Kammerchor darstellt, mit der ich übrigens so zufrieden bin, dass da kein Gardiner, Herreweghe, Harnoncourt, Rilling, Bernius usw. heranreichen konnte.

Im übrigen finde ich es bei komplexen Werken wie eben Opern auch schwierig, solche Vergleiche durchzuführen. Da gibts zu viele Faktoren, die da eine Rolle spielen: angefangen von den Sängern, dann der Chor, Orchester und eben die interpratorische Gestaltung des Dirigenten. Das klingt dann fast so als wenn man die "Eierlegende-Wollmilchsau" sucht. Irgendeine "musikalische Kröte" muss man immer in Kauf nehmen. Bei Vergleichen von Opernaufnahmen besteht meiner Meinung auch die Gefahr, dass man sich verzettelt oder die Sendung müsste dann 4 Stunden dauern aber wer hört sich das dann noch an...

Interessanter und sinnvoller finde ich diese Vergleiche bei Kammermusik, Instumentalstücken- bzw. konzerten, Chor- und Orchesterwerken oder auch bei Liedaufnahmen.

Bei BR4-Klassik gab es auch mal eine ähnliche Sendung, in der verschiedene Aufnahmen zu einem bestimmten Werk vorgestellt und miteinander vergliechen wurden. Im Gegensatz zur DRS-Sendung wurde da aber immer gleich gesagt, um welche Aufnahmen es sich da handelt und es sass auch keine Expertenrunde im Studio. Am Ende der Sendung hat der Moderator, der auch gleichzeitig der Experte war, dann seine persönlichen Favoriten vorgestellt. Meistens war es eine Top-Aufnahme mit der ein oder anderen Alternative. An einem der nächsten Tage wurde dann die in der betreffenden Sendung favorisierte Aufnahme in voller Länge gespielt.

Ich weiss gar nicht, ob es diese Sendung bei BR4-Klassik noch gibt, da ich selbst gar nicht mehr so viel Radio höre. Jedenfalls war das auch immer sehr interessant, vorausgesetzt, es handelte sich um ein Werk, das mich interessiert.

Gruß
Armin
Amadé (05.10.2010, 21:41):
Hallo Peter und Armin,

Diskothek in DRS2 kenne ich schon viele Jahre, leider wird sie zu einer für mich sehr ungünstigen Sendezeit ausgestrahlt, so dass ich nur noch sehr wenig mitbekomme.
Über das Verfahren, anfangs 5, dann 4 oder 3 Aufnahmen, zuletzt dann unter zweien sich entscheiden zu müssen, kann man geteilter Meinung sein, direkte Fehlentscheidungen sind mir bisher nicht aufgefallen. Die Jury argumentiert sachbezogen. Dass man anfangs nicht weiß, um welche Aufnahme es sich jeweils handelt, lässt Vorurteile erst gar nicht aufkommen und macht das Zuhören ziemlich spannend.

Grüße Amadé
Peter Brixius (05.10.2010, 22:10):
Lieber Amadé,

die aktuelle Sendung steht zum Download bereit, ältere Sendungen kann man immerhin noch hören. Du brauchst also auf das Vergnügen nicht zu verzichten.

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (06.10.2010, 15:46):
Ich habe mir heute in aller Ruhe die letzte Sendung zu Mussorgskis "Kinderstube" angehört und bin begeistert. Erst einmal von dem Liederzyklus, den ich zwar schon lange habe (mit Christoff), aber mir offensichtlich die letzten zwanzig Jahre nur kursorisch angehört habe.

Die ausgezeichneten Informationen und Erläuterungen, die einem im Laufe der Sendung gegeben werden, öffnen hervorragend Wege zu dem Kunstwerk und gewinnen den Hörer dafür - Besseres kann man von einer solchen Sendung gar nicht sagen.

Dass mich Moderation, Verlauf der Sendung und die (gut begründete) Auswahl am Schluss überzeugten, sei noch angefügt.

Liebe Grüße Peter
HenningKolf (07.10.2010, 07:58):
Vielleicht noch zur Ergänzung:

Der Download der letzten Sendungen steht jeweils


hier

zur Verfügung.

Gruß
Henning
Jürgen (07.10.2010, 11:18):
Original von Armin70
Noch ein Nachtrag:

Eben habe ich mir die Sendung mit dem Vergleich von Aufnahmen mit Bachs Motetten komplett angehört, weil ich das sehr interessant fand.

Die Expertenrunde im Studio favorisierte übrigens folgende 2 Aufnahmen:

Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51qaiRdY1GL._SL500_AA300_.jpg[/img


Sette Voci, Peter Kooij:



Sette Voci, Peter Kooij:



Beides sind übrigens neue Aufnahmen, die letztes Jahr erst erschienen sind. Die Suzuki-Aufnahme ist chorisch besetzt, d. h. insgesamt 18 Sänger/innen + Continou und die Kooij-Aufnahme ist solistisch besetzt und ebenfalls mit einer Continou-Begleitung.
Ich persönlich würde der Kooij-Aufnahme den Vorzug geben, weil für mich der verinnerlichte Ausdruck in vielen Stellen der Motetten in der solistischen Besetzung besser zum Tragen kommt. Die Suzuki-Aufnahme ist mir da manchmal etwas zu vordergründig aber das ist wirklich Geschmackssache. Letztlich ergänzen sich beide Aufnahmen sehr gut.

Nicht so gut haben die Aufnahmen mit dem Flämischen Kammerchor, dem Hilliard-Ensemble und La Petite Bande abgeschnitten.

Ich habe die Sendung heruntergeladen und gehört. Das Ergebnis ist sehr gut nachzuvollziehen.

Die Suzuki-Aufnahme gibt es zum Glück in der hiesigen Bücherei. Ich habe sie mir reserviert, da sie ausgeliehen ist.
Ich persönlich fand den Kooij noch ein wenig beeindruckender.

Grüße
Jürgen
Fairy Queen (13.10.2010, 15:24):
Ich hatte nun auch Gelegenheit mir eine ersten Eindruck dieser Sendung zu verschaffen und bin sehr angetan!

Schumann Liederkreis op39, eines meiner allerliebsten Musikwerke überhaupt, von dem ich sagen kann, dass ich mich recht gut damit auskenne und mich bereits intensiv mit Vergleichhören befasst habe. Trotzdem gab es soviel neue Facetten zu entdecken, dass es eine Wonne und ein Gewinn war.
Die beiden Favoriten entsprachen vollkommen dem, was ich selbst auch in dieser Sendung aus den Angebotenen gewählt hâtte: Werner Güra und Christian Gerhaher! :down :down :down



Mich hat etwas gewundert, dass ausser Sophie Danemann keine Frauenstimme dabei war- den Zyklus haben viele Frauen mit viel schwereren Stimmen als Danemann, die bei einigen Liedern und deren zu tiefer Tessitur wirklich überfordert war, eingesungen! Margaret Price oder Mitsuko Shirai hâtten hier z.B. viel besser das weibliche Geschlecht vertreten kônnen.
Interessant war die allererste Einspielung von Fischer-Dieskau aus den 50iger Jahren, wo man auch deutlich hören konnte, dass er für Gerhaher ein Vorbild ist.
Die klugen Kommentare der Juroren waren jedenfalls eine echte Freude und besonders schön finde ich die vielen Musikbeispiele- wo bekommt man sowas schon so komprimiert zu hören. :down :down :down
Armin70 (13.10.2010, 18:57):
Hallo,

eben habe ich mir die letzte Sendung vom 11.10.10 über Mozarts SinfonieNr. 25 in g-moll KV 183 engehört. Das war auch wieder sehr interessant, vor allem, weil sich die beiden Experten, im Gegensatz zur Sendung über Bachs Motetten, dieses Mal nicht immer so einig waren.

Vorgestellt wurden fast überwiegend Aufnahmen in denen Originalinstrumente verwendet wurden. Lediglich die Aufnahme mit dem Züricher Kammerorchester unter der Leitung von Howard Griffith (Novalis) verwendet modernes Instrumentarium und die Aufnahme mit dem Dänischen Kammerorchester mit Adam Fischer (Dacapo Records) ist wohl so ein Mix, d. h. moderne Streicher aber wenig bis kaum Vibrato und z. T. originale Instrumente bei den Bläsern (Hörner).

Des weiteren waren Aufnahme mit dem Concentus Musicus Wien mit Harnoncourt (Deutsche Harmonia Mundi), Amsterdam Baroque Orchestra mit Koopman (Erato) sowie Le Cercle de l'Harmonie unter der Leitung von Jeremie Rhorer (Virgin Classics).

Die bildliche Darstellung der verschiedenen Aufnahmen kann man sich hier anschauen.

Die Experten entschieden sich am Ende für die Aufnahmen von Fischer und Rhorer, die quasi gleichberechtigt nebeneinander stehen, weil sie unterschiedliche Qualitäten haben, siehe hier.

Ehrlich gesagt stellt mich keine der vorgestellten Aufnahmen richtig zufrieden. Am ehesten kann ich mich noch mit der Aufnahme von Rhorer anfreunden, weil da sehr natürlich gespielt wird. Die Aufnahme von Fischer klingt mir irgendwie zu gewollt, viel zu übertrieben ist das für meinen Geschmack.

Interessant war, dass in der Mitte der Sendung, quasi "ausser Konkurrenz", zwei Ausschnitte aus dem 1. Satz von unterschiedlichen Aufnahmen gespielt wurden: zunächst die Berliner Philharmoniker mit Karl Böhm (1969) und das Rias-Kammerorchester mit Otto Klemperer (1950). Die Böhm-Aufnahme ist sowas von langweilig und öde, dass man dabei einschläft, grauenhaft. Im Gegensatz dazu ist Klemperers Aufnahme komplett anders, weil das Tempo zu Böhm gefühlt fast vierfach so schnell ist, sehr interessant, das mal zu hören.

Letztlich besteht bei mir aber kein Bedarf, eine der in dieser Sendung vorgestellten Aufnahme zu kaufen. Meine persönliche Lieblingsaufnahme von Mozarts Sinfonie Nr. 25 in g-moll KV 183 ist und bleibt die mit dem Royal Concertgebouw Orchestea und Harnoncourt (Teldec, 1983), weil man da hören kann, dass auch mit modernen Instrumenten die Musik spannend und detailreich gespielt werden kann ohne, dass das aber so maniriert und gekünstelt klingt wie z. B. bei Adam Fischers Aufnahme.

Die Sendung "Diskothek im Zwei" bei DRS 2 gefällt mir richtig gut und ich werde jetzt immer verfolgen, um welche Musikstücke es in den nächsten Sendungen geht.
Karsten (13.10.2010, 21:03):
Das einzig wenig erquickliche an der Sendefolge ist, dass die Podcasts nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stehen, was natürlich üblich ist, ja ich weiss. Damit ist aber verbunden, dass die händische Aufzeichnung viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber zum Glück gibt es dafür ja die Nächte und geeignete Shotdowntimer.

Ansonsten bin ich natürlich vom inhaltlichen Reichtum dieser Musikserie vollauf begeistert, wenn ich auch den Eindruck habe, dass in erster Linie aktulle oder neuere Aufnahmen gewürdigt werden, ich mir persönlich aber wünschte, dass auch "ältere" Einspielungen mit einbezogen würden. :down
Armin70 (14.10.2010, 18:36):
Im Archiv von DRS 2 hörte ich mir eben die Sendung über Bachs 2. Brandenburgisches Konzert an. Das war wieder eine hochinteressante und spannende Sendung.

Vorgestellt wurden 6 Aufnahmen, die zwischen 2005 und 2009 entstanden sind. Die Übersicht dieser Aufnahmen kann man hier einsehen.

An diesen verschiedenen Aufnahmen wurde sehr anschaulich verdeutlicht, was eigentlich in diesem Werk drin steckt, vor allem, dass es kein Trompetenkonzert ist, was man in vielen Aufnahmen leider hört, da die Trompete sehr oft in den Vordergrund gestellt wird, was entweder an der Aufnahmequalität und/oder am Trompeter.
Die anderen Soloinstrumente (Violine, Blockflöte und Oboe) sind gleichberechtigte Partner der Trompete und das muss in einer Aufnahme deutlich werden.

Eher enttäuschend waren die Aufnahmen der Academy-of-Ancient Music, Richard Egarr, weil die Trompete zu sehr im Vordergund steht und die übrigen Soloinstrumente und das Orchester zu diffus im Hintergrund geraten ist. Die Aufnahme mit dem Concerto Italiano und Rinaldo Alessandrini ist zwar klarer strukturiert, weil auch neben der Trompete auch die übrigen Soloinstrumente deutlicher hörbar sind aber letztlich wird hier zu hart und spitz artikuliert. Die schnellen Sätze "rattern" fast Maschinenhaft herunter.

Die enttäuschenste Aufnahme ist die mit dem Bach-Collegium Japan mit Masaako Suzuki. Das liegt an den sehr langsamen Tempi, vor allem in den schnellen Sätzen. Des weiteren überraschten spieltechnische Unsauberkeiten, fast so, als gerieten die Musiker/innen an ihre Grenzen. Es gab zwar einige schöne Details aber in der Summe war das zu wenig.
Besser geriet die Aufnahme mit dem Cafe Zimmermann, vor allem in klanglicher Hinsicht. Die Soloinstrumente sind auch gleichberechtigt nebeneinander. Allerdings wurde etwas zu "glatt" gespielt, vor allem im 2. Satz, der sehr empfindsam ist, wurde die Musik zu sehr buchstabiert, ohne Gefühl.

Recht forsch war dagegen die Aufnahme des Ensembles "I Barocchisti" mit Diego Fasolis. Vor allem im 1. Satz wurde sehr lustvoll gespielt aber im Verlauf dieser Aufnahme hatte man etwas das Gefühl, als würde den Musikern die Kondition ausgehen und beim Schlussakkord entstand der Eindruck vom einem 100m-Läufer, der sich mit einem Sprung ins Ziel rettet. Das trübte etwas den durchaus positiven Eindruck von Fasolis Aufnahme.

Die brillianteste Aufnahme gelang den English Baroque Soloists mit John Eliot Gardiner. Hier stimmte alles: Die Balance zwischen den Soloinstrumenten war schön transparent. Der Bass "rockte" richtig, da wurde federnd und peppig in der Continou-Gruppe gespielt. Diese Aufnahme hat Drive, Puls und vor allem wird hier der Schluss des Konzerts endlich einmal richtig gespielt, nämlich ohne Ritartando, so dass das Konzert wirklich effektvoll abrupt endet.

Eine der Expertin im Studio gebrauchte einen schönen Vergleich mit dem Hochsprung im Sport:

Bei fast allen in der Sendung vorgestellten Aufnahmen hatte sie den Eindruck, dass ein Stabhochspringer beim Überqueren der Latte diese berührt und die z. T. nur mit viel Glück liegen bleibt. Im Gegensatz dazu hatte sie bei der Gardiner-Aufnahme den Eindruck, dass zwischen Springer und Latte noch mind. 10 cm Luft sind.

Die Solisten bei Gardiner sind schlicht und einfach die besten in dem Teilnehmerfeld, vor allem der Trompeter gestaltete seinen Part am differenziertesten, denn er spielte auch mal mit Legato und konnte sich auch zurücknehmen, wenn der Trompetenpart wirklich mal nur Begleitfunktion hat.

Gardiner, der bei dieser Neuaufnahme der Brandenburgischen Konzerte nur bei den Konzerten Nr. 1 und 2 dirigierte und die übrigen Konzerte wurden von den Musikern alleine gestaltet (wobei Gardiner sicherlich die Gesamtleitung hatte) hat letztlich das in sich stimmigste Konzept bei der Interpretation.

Das Resultat dieser Sendung kann man hier nachlesen.

Gardiners Aufnahme hat mich sehr überzeugt und ich bin durchaus am Überlegen, ob ich mir diese zulege.
Wooster (14.10.2010, 19:50):
Ein bißchen ein Problem bei der Sendung finde ich (ich habe nur im Frühsommer mal zwei oder drei angehört (u.a Schubert Trios und Händel Suiten), keine der hier angesprochenen), dass oft nur sehr rezente Aufnahmen besprochen werden. Klar, die sollen bekannt gemacht werden.
Aber wie oben schon gesagt wurde, gibt es eben auch (zu Recht) Klassiker. Bei Mozarts kleiner g-moll eben Klemperer (hier kann man auch zur Studio-Aufnahme (EMI) greifen), Böhm (immerhin ganz nett, dass deren Schwächen mal offengelegt wurden...) und etwas neuer Harnoncourt. (Was hatten die Kommentatoren denn an dessen neuerer Einspielung auszusetzen, so groß ist der konzeptuelle Unterschied zu der aus den frühen 1980ern nicht).

Ähnlich scheint mir das hier beim Brandenburgischen Konzert und damals bei Schuberts Trios zu liegen. Wobei zugegeben sei, dass die Discographie hier unübersehbar riesig ist und man nicht mal einen repräsentativen Querschnitt beachten kann. Aber nur Sachen aus den letzten 10-15 Jahren?

viele Grüße

Wooster
Armin70 (14.10.2010, 20:43):
Ich finde das grundsätzlich gut, dass man sich bei dieser Sendung in erster Linie auf neue Aufnahmen beschränkt, weil die 1. noch nicht so bekannt sind und 2. die älteren kennt man meistens und hat die daher im Ohr. Man könnte lediglich die Aufnahme, welche die Experten in der Sendung als "Beste" ansah noch einmal mit einer älteren Aufnahme, die als Maßstab gilt, vergleichen, um zu sehen wie da die Relationen sind.

Zur Mozart-Sendung (KV 183):
An der neueren Harnoncourt-Aufnahme wurde die Detailversessenheit bemängelt; die Musik kam nicht richtig in Fluss und verzettelte sich immer mal wieder. Des weiteren war der Klang zu basslastig und die hohen Streicher klangen an einigen Stellen etwas dünn. Allerdings gab es auch schöne Details, wie z. B. die Beachtung und Einhaltung der Generalpausen.


Zur Bach-Sendung (BWV 1047):
Allein schon wegen der Fülle der vielen Neuaufnahmen in den letzten 10 - 15 Jahren ist es schwierig genug, da eine Auswahl zu treffen. Die Bandbreite und das Spektrum bei den 6 Aufnahmen, die in dieser Sendung vorgestellt wurden, war bereits groß genug. Sicherlich wäre es interessant gewesen, zum Vergleich mal eine ältere Aufnahme von Pinnock, Marriner oder zur Abschreckung :ignore Karajan zu hören.

Letztlich muss man auch bedenken, dass die Sendedauer von 2 Stunden gerade richtig ist. Wenn man noch mehr Musikaufnahmen in diese Sendung packen würde, wäre die Folge vielleicht, dass das konzentrierte Zuhören sowohl der Experten im Studio als auch der Hörer/innen zu sehr strapaziert.

Positiv finde ich noch, dass die Experten die Aufnahme, die von diesen als Beste in der Sendung angesehen wird, nicht generell als Referenzaufnahme betrachtet wird, sondern dass das Resultat a) in Relation zu den übrigen Aufnahmen der Sendung und b) natürlich zu den eigenen Hörgewohnheiten und Hörvorlieben der Experten steht.
Fairy Queen (14.10.2010, 20:50):
Lieber Whooster, diesen Vorwurf würde ich nun, nach zwei Liedsendungen, auch erheben!
Der Liederkreis 39 ohne solche Superstars wie Price, Terfel oder Shirai oder gar die Dichterliebe ohne Wunderlich und FiDi oder die phantastische Lotte Lehmann (mit Bruno Walter) oder den schluchzenden Hans Hotter- das ist schon ärgerlich!
Statt dessen bei beiden Zyklen einen Herrn Homberger hören zu müssen, nur weil er offenbar Schweizer ist(und immer sofort in der ersten Tour rausfliegt....)- so ganz erschliesst sich mir das nicht!
Was aber superspannend ist, sind die Bewertungskriterien und da lerne ich wirklich noch serh viel an Detailgenauigkeit und Beobachtungs-Parametern dazu.
Dass ich auf diese Weise noch Aufnahmen meiner geliebten Schumann-Zyklen entdecke, die mir noch unbekannt waren, kann ich auch nur Begrüssen!
Mit der Dicihterliebe bin ich noch nciht gazn durch, weiss also noch nciht, wer am Ende Sieger wird- in jedem Fall sind bereits alle Baritone als nciht siegeswürdig rausgeflogen, Trekel, Keenlyside und Quasthoff. Und Barbara Bonney bekam einen Total-Verriss und wurde sogar beinahe mit Forster-Jenkins verglichen...... :D
Was diese Jury wohl zu Lotte Lehmanns sehr eigenwilliger Interpretation sagen würden???? ?(
Eins muss man allerdings lassen: die Wahl der Endrunden kann ich nur 100% unterstützen, um schlechten Geschmack hat es sich bis dato absolut nciht gehandlet, jedenfalls,was Schumann-Lieder angeht.
F.Q.
.
ab (15.10.2010, 10:25):
Original von Fairy Queen
Ich hatte nun auch Gelegenheit mir eine ersten Eindruck dieser Sendung zu verschaffen und bin sehr angetan!

Schumann Liederkreis op39, eines meiner allerliebsten Musikwerke überhaupt, von dem ich sagen kann, dass ich mich recht gut damit auskenne und mich bereits intensiv mit Vergleichhören befasst habe. Trotzdem gab es soviel neue Facetten zu entdecken, dass es eine Wonne und ein Gewinn war.


Hallo Fairy Queen,

leider sehe ich diesen Faden erst jetzt: Schumanns Liederkreis op39 ist auch meine Lieblingsliderzyklus überhaupt; aber mittlerweile ist die Sendung nicht mehr online. Hättest Du sie eventuell noch am Computer und könntest sie mit mir teilen?
Danke!
Rideamus (15.10.2010, 11:35):
Ich finde das Format ebenfalls sehr gelungen, und seine zwangsläufig erhebliche Länge stört mich nur insofern, als ich selten eine Sendung am Stück hören kann. Vor Jahrzehnten gab es mal ein ähnliches Format mit bekannten Musikkritikern in meinem Hörbereich (Frankfurt), das ich regelmäßig und gerne gehört habe.

Von dem schweizer Format kenne ich bislang nur die AIDA, die ich mir gestern heruntergeladen und weitestgehend angehört habe. Dabei wunderte mich doch sehr, dass ausgerechnet die Harnoncourt-Einspielung mit am besten weg kam. Das Faszinierende daran: dank der Anonymisierung für lange Zeit ist man wirklich darauf angewiesen, vorurteilsfrei hin zu hören und kann manch scheinbar idiosynkratisches Urteil nachvollziehen. Ich habe jedenfalls erstmals bedauert, dass ich dor einiger Zeit meine Harnoncourt-AIDA gleich nach dem ersten Hören weiter verscherbelt habe.

Jedenfalls habe ich den Podcast mal abonniert und mir vorgenommen, künftig viel mehr davon zu hören. Vielen Dank also an Peter für den initialen Hinweis.

:hello Rideamus
Fairy Queen (15.10.2010, 12:44):
Lieber Ab, mir hat sie ein liebenswürdiger Forengenosse per CD geschickt, wenn Du mir deine Adresse verätst...... willst du dann die Dichterliebe gleich auch dazu? :hello
Fairy Queen (15.10.2010, 14:42):
Bei der Dichteliebe hat übrigens Werner Güra mit Jan Scholz und Ian Bostridge mit Julius Drake gewonnen. Beide aufnahmen habe ich noch nciht und kannte ich auch nicht.- es sind halt immer die neuesten udn wenn man wie ich auf Gerard Souzay und Lotte Lehmann und Hans Hotter abfährt...... Güra mit Drake wâre für mich dann das Traumpaar gewesen. Wie sagte einer der Jurorinnen so passend: wer ein solches Stimm-Material hat wie Güra, braucht nichts zu fürchten! Und Drake spielt einfach göttlich. Bostridge hat mich leider live be einem Liederabend sowas von enttäuscht, dass ich da nicht mehr unvoreingenommen rangehe, Aber die Dichterliebe im Studio ist ihm wirklich gut gelungen. Christian Gerhaher, der Star von opus 39, war hier übrigens nciht mit im Rennen. Hôrenswert sind die Kommentare zu Barbara Bonney :A
F.Q.
Peter Brixius (07.12.2010, 13:20):
Beim Abhören der Sendung vom Montag (Thema: Vivaldi: Nisi Dominus fällt mir auf, dass ich sehr viel Informatives über die gesangliche Interpretation höre (SängerInnen von Barockliteratur sei diese Sendung nachhaltig empfohlen - und viel Gewusstes wird doch demonstriert in der Praxis (wenigstens für mich) erst recht verständlich. Worüber ich kaum etwas höre, ist das Werk selbst. Silke Leopold streut immer mal eine Bemerkung ein, doch in der Regel bezieht sie sich direkt auf die Interpretation und ist erst sekundär auf das Werk bezogen. Schade, denn die Frau kennt sich aus ...

Ansonsten habe ich zufälligerweise heute morgen die Mingardo gehört, die "Siegerin" der Diskothek (Stutzmann) habe ich bestellt, sobald sie da ist, werde die beiden genauer vergleichen können.

Noch einmal: Ich halte es für wichtig, mehr über das Kompositorische zu erfahren, damit Vivaldi von dem Geruch des 08/15-Komponisten befreit wird. Wichtig finde ich die Bemerkung von Silke Leopold, dass es in dieser Epoche keine unterschiedliche Sprache für geistliche und Opernmusik gibt, so dass der Vorwurf des Opernhaften (der ja auch bei Pergolesis Stabat mater gemacht wird, ins Leere geht. Aber davon, wie der Psalmtext musikalisch gedeutet wird, leider kein Wort.

Liebe Grüße Peter
ab (07.12.2010, 13:57):
Original von Peter Brixius
Beim Abhören der Sendung fällt mir auf, dass ich sehr viel Informatives über die Interpretation höre. Worüber ich kaum etwas höre, ist das Werk selbst. Silke Leopold streut immer mal eine Bemerkung ein, doch in der Regel bezieht sie sich direkt auf die Interpretation und ist erst sekundär auf das Werk bezogen. Schade, denn die Frau kennt sich aus ...


aber gerade das ist doch der Sinn der Sendung: Etwas über die Kunst der Interpretation.

Mir scheint ein solches Format geeigneter, die Kunst des Hörens zu wecken, gerade bei solchen, die mit dem sonst nötige musikwissenschaftlichen Vokabular nicht vertraut sind - oder gar sein wollen...
Peter Brixius (07.12.2010, 14:10):
Original von ab

aber gerade das ist doch der Sinn der Sendung: Etwas über die Kunst der Interpretation.

Mir scheint ein solches Format geeigneter, die Kunst des Hörens zu wecken, gerade bei solchen, die mit dem sonst nötige musikwissenschaftlichen Vokabular nicht vertraut sind - oder gar sein wollen...

Lieber ab,

dass Interpretation sich auf ein verstandenes Werk bezieht, setze ich einmal voraus - und unterschiedlich verstandene Werke bedingen unterschiedliche Interpretationen, sonst verliert auch so eine Vergleichssendung ihre Komplexität und bildet die Aunahmen nur noch linear ab: Wer hat die Idealinterpretation um die geringste Punktzahl verfehlt?

Natürlich soll und muss die Interpretation im Vordergrund stehen, aber 10% Werkinformation (gerne verknüpft mit der Beurteilung der Interpretationsansätze) wären doch nicht schlecht

meint Peter
Fairy Queen (07.12.2010, 15:22):
Ich weiss nciht, ob das weiterhilft, aber ich habe es trotz allgemeiner technischer Hilflosigkeit geschafft, mir für die Sendung zur Winterreise am sonntag den Player des Deutschlandradio Kultur auf dne rechner zu laden und kann darüber nun alle möglichen Radiosender empfangen-auch den Schweizer Sender, auf dem Diskothek im Zwei ausgestrahlt wird. Für Interessierte wâre das evtl Lösung?
Vielleicht könnte jemand hier regelmâssig die Themen und Sendezeiten einstellen, damit man nicht das versäumt, was einen besonders interessiert?
Den Vivaldi habe ich noch nicht hören können, aber ich fürchte auch , dass eine Gesamtbehandlung von Werk UND Interpretationen den Rahmen der Sendung sprengen würde. Bei Schumanns Liederkreis wären mir einige Details/Einspielungen mehr jedenfalls noch lieber gewesen als Allgemeines zum Werk. Das hängt aber davon ab, wie gut man selbst die Sache schon im Vorfeld kennt. Wenn man das Werk überhaupt nciht oder nur fragmentarisch kennt, wâre wenigstens eine Einordnung in musikalische Gesamtzusammenhänge sehr sinnvoll.

F.Q.
Armin70 (07.12.2010, 16:01):
Original von Fairy Queen
Vieleleciht könnte jemand hier regelmâssig die Themen und Sendezeiten einstellen, damit man nicht das versäumt, was einen besonders interessiert?
F.Q.

Hallo,

die Sendung "Diskothek im Zwei" bei DRS2 wird i.d.R. immer am Montag von 20 - 22 Uhr ausgestrahlt. Die aktuelle Sendung wird dann am darauffolgenden Samstag von 14 - 16 Uhr wiederholt.

Auf der Übersichtsseite dieser Sendung, siehe hier kann man sich alle Sendungen bis zu einem Jahr rückwirkend noch einmal anhören. Daher ist es nicht so schlimm, wenn man mal die ein oder andere Sendung verpasst.

Armin
ab (07.12.2010, 18:14):
Original von Peter Brixius
Wer hat die Idealinterpretation um die geringste Punktzahl verfehlt?


Im Großen und Ganzen gehe ich d'accord; aber Idealinterpretation gibts keine: Interpretationsfreiheit heißt ja gerade, dass das Werk unbestimmt in diesen Hinsichten ist, und es daher den Interpreten anheimgestellt bleibt, es zu machen, wie sie es für richtig und/oder gut halten.

Fraglos scheint mir auch richtig, dass "unterschiedlich verstandene Werke unterschiedliche Interpretationen bedingen" werden; aber das ist nicht das einzige: Auch gleich verstandene Werke können durch unterschiedliche Interpretationskonzepte von vornherein unterschiedliche Interpretationen bedingen, meine ich. Anders gesagt: Eine Interpretationsart ist ein "Werk" für sich, ein sozusagen Interpretationswerk des Interpreten, das man ziemlich unabhängig vom Werk des Komponisten, dem Musikwerk, für sich betrachten und bewerten kann.

Aber gegen 10 % Werkdarstellung ist bei zwei Stunden Länge sicher nichts einzuwenden :hello
Peter Brixius (10.12.2010, 13:28):
Original von ab
Im Großen und Ganzen gehe ich d'accord; aber Idealinterpretation gibts keine: Interpretationsfreiheit heißt ja gerade, dass das Werk unbestimmt in diesen Hinsichten ist, und es daher den Interpreten anheimgestellt bleibt, es zu machen, wie sie es für richtig und/oder gut halten.

Da ist wohl meine Ironie (immer schwierig im Netz) nicht angekommen. Da bin ich Deiner Auffassung, ich dachte, dass "nahekommen" statt "erreichen" die Differenz schon deutlich mache. Es ist ein Kommunikationsprozess, an dem idealerweise beide gleicherweise beteiligt sind, der Komponist über sein Werk, der Interpret durch seine Realisation der Noten. Ein Buchstabieren der Noten reicht nicht aus. Da muss die Individualität des Künstlers eine Variation zu anderen Einspielungen erbringen. Es gibt leider auch die 08/15-Interpretationen, die sich an einem "Mainstream" orientieren.


Aber gegen 10 % Werkdarstellung ist bei zwei Stunden Länge sicher nichts einzuwenden


Und auf die instrumentale Interpretation hätte man auch eingehen können, "Nisi Dominus" ist doch nicht nur eine Plattform für einen Alt (ebenso wie Glucks Orfeo).

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (24.01.2011, 00:24):
Hallo,

will man die letzte Sendung über Ives hören, so erhält man die Information

Diese Sendung ist aus urheberrechtlichen Gründen nur in der Schweiz zum Nachhören verfügbar.

Sehr enttäuschend ....

Liebe Grüße Peter
Armin70 (24.01.2011, 16:48):
Original von Peter Brixius
Hallo,

will man die letzte Sendung über Ives hören, so erhält man die Information

Diese Sendung ist aus urheberrechtlichen Gründen nur in der Schweiz zum Nachhören verfügbar.

Sehr enttäuschend ....

Liebe Grüße Peter

Hallo,

ich hatte spasseshalber mal bei DRS2 per Mail angefragt, warum das so ist und die haben mir immerhin prompt geantwortet und deren Antwort habe ich mal hier rein kopiert:

"...DRS hat einen Vertrag mit der IFPI (IFPI Schweiz ist der Dachverband der Ton- und Tonbildträgerhersteller (Labels) in der Schweiz) wo Musiksendungen zum Nachhören und auch als Podcast nur noch in der Schweiz abrufbar sein dürfen.

Es gab bisher eine mit der IFPI vereinbarte Pilotphase, wo Musiksendungen zum Nachhören als Stream verfügbar waren (die Hören Links) und Musikpodcasts wurden 28 Tage weltweit zum Download angeboten.

Neu ist:

Musiksendungen dürfen nur noch in der Schweiz zum Nachhören angeboten werden. Im Webplayer wird bei nur in der Schweiz verfügbaren Audios dann der Text eingeblendet:

'Diese Sendung ist aus urheberrechtlichen Gründen nur in der Schweiz zum Nachhören verfügbar.'

Geschützte – nur in der Schweiz abrufbare - Musiksendungen sind (derzeit):

sounds
on-the-road-again
swissmade
bestseller-auf-dem-plattenteller
hit-welle
volksmusik-brunch
diskothek-im-zwei
musikmagazin
jazz-collection
musik-der-welt
parlando
hitparade
sounds
pop-perlen-und-polo
world-music-special
rock-special

Wir bedauern, dass Sie unsere Musiksendungen im Ausland nicht mehr downloaden sowie nachhören können und hoffen, Sie weiterhin zu unseren treuen Hörern zählen zu dürfen."

Das ist ärgerlich und schade aber leider nicht zu ändern.

Armin
Peter Brixius (24.01.2011, 18:40):
Original von Armin70
Das ist ärgerlich und schade aber leider nicht zu ändern.

Armin

Das sehe ich auch so - da muss ich "meinen" Schweizer aktivieren ....

Liebe Grüße Peter
Fairy Queen (25.01.2011, 07:13):
Wie schade!!! Ich hatte mir extra den Player runtergeladen..... :I
F.Q.
Sfantu (10.03.2011, 18:54):
Als Dauergast bei den Armbrustschützen biete ich mich selbstverständlich gern als V-Mann an.

Antwort (im Ausruf des Ernstaunens): "ALS V-MANN?"
Ich (Mantelkragen hochgeschlagen, den Finger vor den Mund und im Flüsterton): "Pschhhhhh!! G e n a u..."

Also, bei Interesse bitte PN an mich.

:hello Sfantu
Karsten (11.03.2011, 21:13):
Original von Peter Brixius
Original von Armin70
Das ist ärgerlich und schade aber leider nicht zu ändern.

Armin

Das sehe ich auch so - da muss ich "meinen" Schweizer aktivieren ....

Liebe Grüße Peter

Nö, nicht notwendig. Der Phonostarplayer lässt sich problemlos programmieren, um die Sendungen "Diskothek im Zwei" regelmäßig aufzunehmen.
Heike (23.12.2011, 01:28):
Hat jemand die Sendung am 19.12. aufgenommen????
Leos Janácek: Auf verwachsenem Pfade
http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/diskothek-im-zwei/2633.sh10201164.html
Ich suche das dringend!!!! Oder kann einer der Schweizer das runterladen und mir irgendwie zukommen lassen??????
Heike
Armin70 (23.12.2011, 16:47):
Hallo Heike,
die Sendung habe ich leider auch verpasst aber sie wird morgen von 15 - 16 Uhr noch mal auf DRS2 wiederholt. Zwar verkürzt auf 1 Stunde aber falls sich keiner von den Schweizern meldet immer noch besser als nix.
Armin
Heike (23.12.2011, 17:47):
Ich hoffe, es findet sich noch jemand, ich würde soooo gerne die ganze Sendujng hören! Heike
Jürgen (23.12.2011, 18:22):
Original von Armin70
Hallo Heike,
die Sendung habe ich leider auch verpasst aber sie wird morgen von 15 - 16 Uhr noch mal auf DRS2 wiederholt. Zwar verkürzt auf 1 Stunde aber falls sich keiner von den Schweizern meldet immer noch besser als nix.
Armin

Im Programm steht 14-16 Uhr. Also die komplette Sendung.

:)
Heike (23.12.2011, 18:34):
:engel
Danke euch zweien für die Infos, dann ist ja der Tag gerettet! Das scheint nach den Nachrichten weiterzugehen! Sieht jedenfalls so aus. Es wird sich ja morgen zeigen, ob es komplett ist!
Heike
Armin70 (23.12.2011, 18:38):
Original von Jürgen
Original von Armin70
Hallo Heike,
die Sendung habe ich leider auch verpasst aber sie wird morgen von 15 - 16 Uhr noch mal auf DRS2 wiederholt. Zwar verkürzt auf 1 Stunde aber falls sich keiner von den Schweizern meldet immer noch besser als nix.
Armin

Im Programm steht 14-16 Uhr. Also die komplette Sendung.

:)

Stimmt, da hatte ich mich verguckt uns sah nur, dass die Sendung von 15:03 - 16 Uhr kommt und habe nicht gepeilt, dass die Sendung schon ab 14 Uhr läuft und von einer kurzen Nachrichtensendung unterbrochen wird. Tschuldigung
Heike (03.01.2012, 17:57):
Ich hab die Sendung inzwischen gehört - es war eine vollständige Wiederholung (übrigens auch ohne die angezeigten Nachrichten dazwischen). Hat sich gelohnt, eine sehr interessante Besprechung eines viel zu wenig bekannten Werkes!
Heike
Amadé (05.06.2012, 09:08):
Gestern Abend. 04.06.12, lief auf DRS2 "Diskothek im Zweiten" ein Vergleich von Aufnahmen der 2.Sinfonie von Brahms. Ich habe die Sendung leider nicht hören können, für Bewohner der Schweiz lässt sie sich jedoch nachhören und evtl. auch downloaden.

Die Aufnahmen waren diese

Resultat

Gruß Amadé
Armin70 (05.06.2012, 09:55):
DRS 2 wiederholt generell die Sendung "Diskothek im Zwei" am Samstag in der gleichen Woche, so auch die aktuelle Sendung mit Brahms' 2. Sinfonie am 09.06.2012 von 14 - 16 Uhr. Da kann man sich das noch mal anhören bzw. aufnehmen.
Amadé (09.05.2013, 09:39):
Neu am Samstag, 11. 05.13, zum Wagnerjahr ein Vergleich von 5 neueren Tristan-Aufnahmen, Sendezeit 14-16 Uhr. In der Jury u.a. Jürgen Kesting.

Gruß Amadé