Du hattest an einer Stelle geäußert, dass wir - was das Musikangebot angeht - in einem Schlaraffenland leben. Wenn jemand nach dem Motto kauft: Iinteressant ist nicht, was ich besitze, sondern das was mir noch fehlt (Briefmarkensammler-Mentalität) gerät er - selbst wenn das Budget es durchhält - bald in eine Konffliktsituation mit seinem Kopf.
Ich gebe Dir also mit Deiner Auffassung in vollem Umfange recht.
Ende der 70er Jahre begannen die Angebote auszuufern, als die Sinfonien kassettenweise angeboten wurden. Zum Beispiel gab es alle Sibelius-Symphonien mit Colin Davis, mit Barbirolli, mit Maazel. Falls man sich nicht entscheiden konnte, nahm man alle drei, hatte aber schon etliche Einzeleinspielungen. Man hörte nicht mehr mit Genuss, sondern man hörte mal rein. Wenn man zuviel einkauft, besteht die Gefahr darin, dass man sich sein Hobby verleidet.
Ich war versessen auf Opern und stellte alles an die Reihe, Meter für Meter. Ende der achtziger Jahre war ich bei 25 LP-Metern angekommen. Dann habe ich eine Pause von 10 Jahren eingelegt und stelle nun fest, dass mir wichtige Opern entgangen sind und jetzt mächtig aufholen muss.
Meine Mentalität habe ich allerdings ein bisschen geändert. Von Werken auf die ich wirklich neugierig bin, schaue ich mir die Textheftchen mit dem Libretto genau an und lese mit, während ich höre. Da gibt es jede Menge Überraschungen im positiven wie im negativen Sinne.
Das Sammeln von Opern ist wie ein Fass ohne Boden. Ich habe es im Moment ruhen lassen und mich dem Ballett zugewandt. Das ist ein Gebiet, was überschaubar ist. Wenn man schürft, kommt man auf ein Angebot von etwa 150 Balletten, aber dann hat man auch wirklich alles.
Ich vertiefe mich in die Materie und komme emotional auf mein Kosten. Mein Bankkonto wird von Naxos nicht überstrapaziert.
Allerdings sehe ich im Falle von Spezialisierung auf ein kleines Gebiet und alles andere ausgrenzt die Gefahr der Verblödung im eigenen Hobby.
Wie macht man es richtig?
Gruß Engelbert :engel
Rachmaninov (09.07.2006, 09:40): Original von Engelbert
Allerdings sehe ich im Falle von Spezialisierung auf ein kleines Gebiet und alles andere ausgrenzt die Gefahr der Verblödung im eigenen Hobby.
Wie macht man es richtig?
@Engelbert,
die Problematik ist mir bestens Bekannt!
Defakto "sammel" ich ja auch mehr oder weniger Aufnahmen. Dies geht natürlich ins Geld. Insb. Instrumentalkonzerte gibt es reichlich und ihn einer vielzahl Aufnahmen. Das geht natürlich auch ins Geld. Aber ich bleibe dabei.
Dazu mag ich noch Klaviermusik solo sehr.
Um der von Dir angesprochenen "Verblödung" zu entgehen kaufe ich aber immer wieder ganz bewußt auch hier empfohlene Aufnahmen von Werken, die ich bisher nicht kenne!
In letzter Zeit habe ich mich auch den Sinfonien Schostakowitsch's zu gewandt. Dort tritt aber der gleiche Effekt auf.
Werde es wohl auch nicht ändern können / wollen :engel
Carola (09.07.2006, 11:30): Original von Engelbert
... Wenn jemand nach dem Motto kauft: Iinteressant ist nicht, was ich besitze, sondern das was mir noch fehlt (Briefmarkensammler-Mentalität) gerät er - selbst wenn das Budget es durchhält - bald in eine Konffliktsituation mit seinem Kopf.
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... Man hörte nicht mehr mit Genuss, sondern man hörte mal rein. Wenn man zuviel einkauft, besteht die Gefahr darin, dass man sich sein Hobby verleidet.
.......
... Allerdings sehe ich im Falle von Spezialisierung auf ein kleines Gebiet und alles andere ausgrenzt die Gefahr der Verblödung im eigenen Hobby.
Wie macht man es richtig?
Gruß Engelbert :engel
Lieber Engelbert,
Du hast das Spannungsfeld, in dem auch ich mich bewege, wirklich genau auf den Punkt gebracht. Wenn ich mich wirklich mit allen Aufnahmen, die ich in den letzten Monaten gekauft habe, intensiv beschäftigen wollte, bräuchte ich auf lange Zeit keine neuen CDs mehr zu kaufen. Andererseits gibt es aber immer wieder Schnäppchen, an denen ich nicht vorbeigehen möchte oder einfach auch die Lust auf Neues.
Eigentlich sehe ich mich weniger als Sammlerin denn als Hörerin. Obwohl: Sämtliche Bachkantaten hätte ich schon gerne irgendwann. Aber ich brauche dann nicht noch Bachs Orgelwerke dazu, die mich überhaupt nicht interessieren, nur um alles von Bach zu haben. Eigentlich bin ich ganz froh, dass ich bestimmte Gattungen, Komponisten oder auch Instrumente überhaupt nicht mag, sonst würde das Ganze wirklich uferlos.
Und ich habe mir angewöhnt, bestimmte "Projekte" zu verfolgen (ganz zwanglos), also zum Beispiel alle Klavierkonzerte Mozarts anzuhören und zwar mit Werkanalyse und Notenbeispielen dazu. Solche Vertiefungen sind sehr schön, als nächstes kommt jetzt Mozarts geistliche Musik dran. Es kann natürlich auch sein, dass ich in ein oder zwei Wochen plötzlich einen Rappel bekomme und über Tage hinweg nur noch Bach hören will - da ändert dann das schönste "Projekt" auch nichts dran und wird auf Eis gelegt. Sei´s drum. Solange mein Hören tendenziell in die Tiefe geht statt in die Breite, bin ich zufrieden.
Mit Gruß von Carola
Jeremias (09.07.2006, 11:46): Auch mir ist das Problem natürlich bestens bekannt! Ich sammel CDs seit etwa 13 Jahren. Anfangs war es die Neugier, die große Welt der Musik zu erforschen. Hinzu kam, dass ich insbesondere als Pianist bei Klaviermusik Vergleichsaufnahmen gebraucht habe. Mittlerweile kaufe ich mir aber das gängige Repertoire nur noch sehr selten und meistens sowieso via Ebay. Durch meine bessere Hälfte habe ich mich seit einiger Zeit nun wieder verstärkt der Vokalmusik zugewandt. Ich höre im Moment sehr viele Opern und Kunstlieder und merke, dass es da noch viel zu entdecken gibt abseits von Verdi, Pucci und Wagner bzw. Schubert und Brahms....
Rachmaninov (10.07.2006, 23:29): Original von Carola
Eigentlich sehe ich mich weniger als Sammlerin denn als Hörerin.
@Carola,
sehe mich ja auch nicht als "Sammler", der lediglich Aufnahmen besitzen will, sondern schaffe mir zahlreiche Aufnahmen an um die Optimale zu finden!
Rachmaninov (31.10.2006, 20:16): Das Thema ist für mich derzeit wieder extrem aktuell.
Derzeit geht mir immer wieder der Gedanke durch den Kopf ob ich nicht noch eine oder gar zwei Gesamtaufnahmen der Schostakowitsch Sinfonien kaufen soll (Maxim Schostakowitsch / Jansons).
Andererseits denke ich auch: Du hast mittlerweile 4-5 Gesamtaufnahmen, darunter einige sehr vorzügliche sowie zahlreiche sehr gute Einzelaufnahmen!
Muß das denn wirklich sein??? ?(
cellodil (01.11.2006, 01:14): Original von Rachmaninov Derzeit geht mir immer wieder der Gedanke durch den Kopf ob ich nicht noch eine oder gar zwei Gesamtaufnahmen der Schostakowitsch Sinfonien kaufen soll (Maxim Schostakowitsch / Jansons).
Andererseits denke ich auch: Du hast mittlerweile 4-5 Gesamtaufnahmen, darunter einige sehr vorzügliche sowie zahlreiche sehr gute Einzelaufnahmen!
Muß das denn wirklich sein??? ?(
@Rachmaninov
Die Frage kann ich Dir leider auch nicht beantworten. Ich glaube, das kannst Du nur selbst. Aber vielleicht könntest Du Dir die Frage ein bisschen anders stellen und Dich damit einer Antwort ein Stückchen annähern: Was suchst Du in diesen neuen Aufnahmen? Was erhoffst Du Dir davon? Und: Wirst/Kannst Du das auf diese Art bekommen?
Herzliche Grüße
Sabine
sound67 (01.11.2006, 09:08): Ich kenne das "Problem" auch gut (jetzt schon genug CDs für drei Leben), sehe es aber gar nicht als so grioßes Problem an. Frauen sammeln auch Schuhe über Schuhe, auch wenn sie nur ein Paar gleichzeitig tragen können.
Problematisch finde ich es, wenn man zig Einspielungen weniger Werke anhäuft und dafür den Rest des Repertoires vernachlässigt. Das sehe ich hier und auch in anderen Klassikforen. Auch ich habe von manchen Werken ein halbes Dutzend, in der Spitze aber nicht mehr als rund ein Dutzend Versionen. Daneben sammele ich aber auch praktisch das ganze übrige Repertoire nach 1800 (die Musik davor interessiert mich nicht - immerhin eine selbstauferlegte Einschränkung). Und natürlich stehe ich jedesmal vor den Schränken, hilflos: Ich hab ja nichts zum Hören!
Für mich ist das Gefühl, ein bestimmtes Werk neu hören zu müssen, Anreiz, eine neue Version zu kaufen. Das hat schon mit Sucht zu tun- der eine schmeisst sein Geld in den einarmigen Banditen, oder kauft sich alle zwei Jahre ein neues Auto, ich habe ein bestimmtes "Quantum" an CDs monatlich. Wobei wird wohl mehr Geld verbrannt?
Etwas besorgt mich schon, dass es in meinen Schränken jetzt doch so einige CDs gibt, die noch verschweisst sind. Wenn ich eine neue CD nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraums höre, dann schwinden ihre Chancen, je gehört zu werden. Natürliche könnte ich CDs wieder verkaufen, habe ich aber nie gemacht. Musik ist das wichtigste in meinem Leben, und jede CD wird ein Teil von mir.
Gruß, Thomas
Atilla (01.11.2006, 11:10): Hallo,
das ist ja interessant, der Vergleich mit dem einarmigen Banditen... Als ich eben den thread las, kamen mir schon Gedanken, ob es sich hier auch um eine Art Sucht handeln könnte. (Mir geht es hier nicht um Besserweisserei oder um Wertung!). Als wir vor ein paar Jahren unseren ersten Videorecorder bekamen, nahmen wir einiges aus dem Fernseher auf, sehr schöne und interessante Dinge. Das sahen wir einmal und dann stand der Film oder die Oper jahrelang im Regal, völlig ungenutzt. Inzwischen bin ich soweit, dass ich mir keine neuen Leerkasetten mehr kaufe, sondern gnadenlos überspiele und es schadet in keiner Weise. Was nützen mir Infos, die ich nicht verarbeiten kann... (unausgepackte CD´s). Aus meinem Bücherschrank habe ich inzwischen auch sehr viele "Leichen" bei ebay verkauft. Was steckt dahinter, wenn man CD´s für "drei Leben" hat? Nur die Liebe zur Musik kann es ja nicht sein. Um herauszubekommen, ob jemand süchtig ist, so habe ich gelernt, sollte derjenige mal versuchen, eine zeitlang ohne auszukommen...(z.B. CD Kauf) Mal eine musikalische Fastenzeit einzulegen..., ich nehme. z.B. nie in den Urlaub irgendwelche Musik mit und es ist sehr schön, nach dem Urlaub wieder einzutauchen. Na klar sind wir alle irgendwie süchtig, aber alle Süchte sind ja nicht ganz ohne Gefahren, ob es Schuhe oder CD´s sind, weil wir abhängig werden. Ich hörte mal von einer Kaufsüchtigen, die nach dem Einkaufen die Einkaufstüten gar nicht mehr auspackte... Ich denke spätestens hier sollten wir auch uns selbst mal kritisch hinterfragen. Welchen Sinn macht es, Jahre aufzuhohlen...?
Gruß Ralf
cellodil (01.11.2006, 17:18): Original von Atilla Was nützen mir Infos, die ich nicht verarbeiten kann... (unausgepackte CD´s). (...) Was steckt dahinter, wenn man CD´s für "drei Leben" hat? Nur die Liebe zur Musik kann es ja nicht sein.
Lieber Ralf,
ich denke, Du sprichst hier genau den entscheidenden Punkt an: Die Frage, was hinter diesem Verhalten steckt. Das ist - unabhängig davon, ob man dies nun als Sucht definiert oder nicht - das eigentlich Interessante.
Grüße
Sabine
Rachmaninov (19.12.2006, 12:08): Die Neuankündigungen (z.B. DG Originals) zeigen mir wieder ganz deutlich, daß man einfach ganz nüchtern bei den großen Labels Kopfmensch sein sollte.
Früher oder später schmeißen sie die gewünschte Aufnahme eh als "low budget" auf den Markt.
Sie z.B. Uchidas Kreisleriana.
Nein, einfach nüchtern bleiben und sich dies klar machen!
Anders sieht es natürlich bei wirklich kleinen Labels aus!
:beer
Engelbert (08.07.2006, 20:00): @ Zelenka
Du hattest an einer Stelle geäußert, dass wir - was das Musikangebot angeht - in einem Schlaraffenland leben. Wenn jemand nach dem Motto kauft: Iinteressant ist nicht, was ich besitze, sondern das was mir noch fehlt (Briefmarkensammler-Mentalität) gerät er - selbst wenn das Budget es durchhält - bald in eine Konffliktsituation mit seinem Kopf.
Ich gebe Dir also mit Deiner Auffassung in vollem Umfange recht.
Ende der 70er Jahre begannen die Angebote auszuufern, als die Sinfonien kassettenweise angeboten wurden. Zum Beispiel gab es alle Sibelius-Symphonien mit Colin Davis, mit Barbirolli, mit Maazel. Falls man sich nicht entscheiden konnte, nahm man alle drei, hatte aber schon etliche Einzeleinspielungen. Man hörte nicht mehr mit Genuss, sondern man hörte mal rein. Wenn man zuviel einkauft, besteht die Gefahr darin, dass man sich sein Hobby verleidet.
Ich war versessen auf Opern und stellte alles an die Reihe, Meter für Meter. Ende der achtziger Jahre war ich bei 25 LP-Metern angekommen. Dann habe ich eine Pause von 10 Jahren eingelegt und stelle nun fest, dass mir wichtige Opern entgangen sind und jetzt mächtig aufholen muss.
Meine Mentalität habe ich allerdings ein bisschen geändert. Von Werken auf die ich wirklich neugierig bin, schaue ich mir die Textheftchen mit dem Libretto genau an und lese mit, während ich höre. Da gibt es jede Menge Überraschungen im positiven wie im negativen Sinne.
Das Sammeln von Opern ist wie ein Fass ohne Boden. Ich habe es im Moment ruhen lassen und mich dem Ballett zugewandt. Das ist ein Gebiet, was überschaubar ist. Wenn man schürft, kommt man auf ein Angebot von etwa 150 Balletten, aber dann hat man auch wirklich alles.
Ich vertiefe mich in die Materie und komme emotional auf mein Kosten. Mein Bankkonto wird von Naxos nicht überstrapaziert.
Allerdings sehe ich im Falle von Spezialisierung auf ein kleines Gebiet und alles andere ausgrenzt die Gefahr der Verblödung im eigenen Hobby.
Wie macht man es richtig?
Gruß Engelbert :engel
Rachmaninov (09.07.2006, 09:40): Original von Engelbert
Allerdings sehe ich im Falle von Spezialisierung auf ein kleines Gebiet und alles andere ausgrenzt die Gefahr der Verblödung im eigenen Hobby.
Wie macht man es richtig?
@Engelbert,
die Problematik ist mir bestens Bekannt!
Defakto "sammel" ich ja auch mehr oder weniger Aufnahmen. Dies geht natürlich ins Geld. Insb. Instrumentalkonzerte gibt es reichlich und ihn einer vielzahl Aufnahmen. Das geht natürlich auch ins Geld. Aber ich bleibe dabei.
Dazu mag ich noch Klaviermusik solo sehr.
Um der von Dir angesprochenen "Verblödung" zu entgehen kaufe ich aber immer wieder ganz bewußt auch hier empfohlene Aufnahmen von Werken, die ich bisher nicht kenne!
In letzter Zeit habe ich mich auch den Sinfonien Schostakowitsch's zu gewandt. Dort tritt aber der gleiche Effekt auf.
Werde es wohl auch nicht ändern können / wollen :engel
Carola (09.07.2006, 11:30): Original von Engelbert
... Wenn jemand nach dem Motto kauft: Iinteressant ist nicht, was ich besitze, sondern das was mir noch fehlt (Briefmarkensammler-Mentalität) gerät er - selbst wenn das Budget es durchhält - bald in eine Konffliktsituation mit seinem Kopf.
.........
... Man hörte nicht mehr mit Genuss, sondern man hörte mal rein. Wenn man zuviel einkauft, besteht die Gefahr darin, dass man sich sein Hobby verleidet.
.......
... Allerdings sehe ich im Falle von Spezialisierung auf ein kleines Gebiet und alles andere ausgrenzt die Gefahr der Verblödung im eigenen Hobby.
Wie macht man es richtig?
Gruß Engelbert :engel
Lieber Engelbert,
Du hast das Spannungsfeld, in dem auch ich mich bewege, wirklich genau auf den Punkt gebracht. Wenn ich mich wirklich mit allen Aufnahmen, die ich in den letzten Monaten gekauft habe, intensiv beschäftigen wollte, bräuchte ich auf lange Zeit keine neuen CDs mehr zu kaufen. Andererseits gibt es aber immer wieder Schnäppchen, an denen ich nicht vorbeigehen möchte oder einfach auch die Lust auf Neues.
Eigentlich sehe ich mich weniger als Sammlerin denn als Hörerin. Obwohl: Sämtliche Bachkantaten hätte ich schon gerne irgendwann. Aber ich brauche dann nicht noch Bachs Orgelwerke dazu, die mich überhaupt nicht interessieren, nur um alles von Bach zu haben. Eigentlich bin ich ganz froh, dass ich bestimmte Gattungen, Komponisten oder auch Instrumente überhaupt nicht mag, sonst würde das Ganze wirklich uferlos.
Und ich habe mir angewöhnt, bestimmte "Projekte" zu verfolgen (ganz zwanglos), also zum Beispiel alle Klavierkonzerte Mozarts anzuhören und zwar mit Werkanalyse und Notenbeispielen dazu. Solche Vertiefungen sind sehr schön, als nächstes kommt jetzt Mozarts geistliche Musik dran. Es kann natürlich auch sein, dass ich in ein oder zwei Wochen plötzlich einen Rappel bekomme und über Tage hinweg nur noch Bach hören will - da ändert dann das schönste "Projekt" auch nichts dran und wird auf Eis gelegt. Sei´s drum. Solange mein Hören tendenziell in die Tiefe geht statt in die Breite, bin ich zufrieden.
Mit Gruß von Carola
Jeremias (09.07.2006, 11:46): Auch mir ist das Problem natürlich bestens bekannt! Ich sammel CDs seit etwa 13 Jahren. Anfangs war es die Neugier, die große Welt der Musik zu erforschen. Hinzu kam, dass ich insbesondere als Pianist bei Klaviermusik Vergleichsaufnahmen gebraucht habe. Mittlerweile kaufe ich mir aber das gängige Repertoire nur noch sehr selten und meistens sowieso via Ebay. Durch meine bessere Hälfte habe ich mich seit einiger Zeit nun wieder verstärkt der Vokalmusik zugewandt. Ich höre im Moment sehr viele Opern und Kunstlieder und merke, dass es da noch viel zu entdecken gibt abseits von Verdi, Pucci und Wagner bzw. Schubert und Brahms....
Rachmaninov (10.07.2006, 23:29): Original von Carola
Eigentlich sehe ich mich weniger als Sammlerin denn als Hörerin.
@Carola,
sehe mich ja auch nicht als "Sammler", der lediglich Aufnahmen besitzen will, sondern schaffe mir zahlreiche Aufnahmen an um die Optimale zu finden!
Rachmaninov (31.10.2006, 20:16): Das Thema ist für mich derzeit wieder extrem aktuell.
Derzeit geht mir immer wieder der Gedanke durch den Kopf ob ich nicht noch eine oder gar zwei Gesamtaufnahmen der Schostakowitsch Sinfonien kaufen soll (Maxim Schostakowitsch / Jansons).
Andererseits denke ich auch: Du hast mittlerweile 4-5 Gesamtaufnahmen, darunter einige sehr vorzügliche sowie zahlreiche sehr gute Einzelaufnahmen!
Muß das denn wirklich sein??? ?(
cellodil (01.11.2006, 01:14): Original von Rachmaninov Derzeit geht mir immer wieder der Gedanke durch den Kopf ob ich nicht noch eine oder gar zwei Gesamtaufnahmen der Schostakowitsch Sinfonien kaufen soll (Maxim Schostakowitsch / Jansons).
Andererseits denke ich auch: Du hast mittlerweile 4-5 Gesamtaufnahmen, darunter einige sehr vorzügliche sowie zahlreiche sehr gute Einzelaufnahmen!
Muß das denn wirklich sein??? ?(
@Rachmaninov
Die Frage kann ich Dir leider auch nicht beantworten. Ich glaube, das kannst Du nur selbst. Aber vielleicht könntest Du Dir die Frage ein bisschen anders stellen und Dich damit einer Antwort ein Stückchen annähern: Was suchst Du in diesen neuen Aufnahmen? Was erhoffst Du Dir davon? Und: Wirst/Kannst Du das auf diese Art bekommen?
Herzliche Grüße
Sabine
sound67 (01.11.2006, 09:08): Ich kenne das "Problem" auch gut (jetzt schon genug CDs für drei Leben), sehe es aber gar nicht als so grioßes Problem an. Frauen sammeln auch Schuhe über Schuhe, auch wenn sie nur ein Paar gleichzeitig tragen können.
Problematisch finde ich es, wenn man zig Einspielungen weniger Werke anhäuft und dafür den Rest des Repertoires vernachlässigt. Das sehe ich hier und auch in anderen Klassikforen. Auch ich habe von manchen Werken ein halbes Dutzend, in der Spitze aber nicht mehr als rund ein Dutzend Versionen. Daneben sammele ich aber auch praktisch das ganze übrige Repertoire nach 1800 (die Musik davor interessiert mich nicht - immerhin eine selbstauferlegte Einschränkung). Und natürlich stehe ich jedesmal vor den Schränken, hilflos: Ich hab ja nichts zum Hören!
Für mich ist das Gefühl, ein bestimmtes Werk neu hören zu müssen, Anreiz, eine neue Version zu kaufen. Das hat schon mit Sucht zu tun- der eine schmeisst sein Geld in den einarmigen Banditen, oder kauft sich alle zwei Jahre ein neues Auto, ich habe ein bestimmtes "Quantum" an CDs monatlich. Wobei wird wohl mehr Geld verbrannt?
Etwas besorgt mich schon, dass es in meinen Schränken jetzt doch so einige CDs gibt, die noch verschweisst sind. Wenn ich eine neue CD nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraums höre, dann schwinden ihre Chancen, je gehört zu werden. Natürliche könnte ich CDs wieder verkaufen, habe ich aber nie gemacht. Musik ist das wichtigste in meinem Leben, und jede CD wird ein Teil von mir.
Gruß, Thomas
Atilla (01.11.2006, 11:10): Hallo,
das ist ja interessant, der Vergleich mit dem einarmigen Banditen... Als ich eben den thread las, kamen mir schon Gedanken, ob es sich hier auch um eine Art Sucht handeln könnte. (Mir geht es hier nicht um Besserweisserei oder um Wertung!). Als wir vor ein paar Jahren unseren ersten Videorecorder bekamen, nahmen wir einiges aus dem Fernseher auf, sehr schöne und interessante Dinge. Das sahen wir einmal und dann stand der Film oder die Oper jahrelang im Regal, völlig ungenutzt. Inzwischen bin ich soweit, dass ich mir keine neuen Leerkasetten mehr kaufe, sondern gnadenlos überspiele und es schadet in keiner Weise. Was nützen mir Infos, die ich nicht verarbeiten kann... (unausgepackte CD´s). Aus meinem Bücherschrank habe ich inzwischen auch sehr viele "Leichen" bei ebay verkauft. Was steckt dahinter, wenn man CD´s für "drei Leben" hat? Nur die Liebe zur Musik kann es ja nicht sein. Um herauszubekommen, ob jemand süchtig ist, so habe ich gelernt, sollte derjenige mal versuchen, eine zeitlang ohne auszukommen...(z.B. CD Kauf) Mal eine musikalische Fastenzeit einzulegen..., ich nehme. z.B. nie in den Urlaub irgendwelche Musik mit und es ist sehr schön, nach dem Urlaub wieder einzutauchen. Na klar sind wir alle irgendwie süchtig, aber alle Süchte sind ja nicht ganz ohne Gefahren, ob es Schuhe oder CD´s sind, weil wir abhängig werden. Ich hörte mal von einer Kaufsüchtigen, die nach dem Einkaufen die Einkaufstüten gar nicht mehr auspackte... Ich denke spätestens hier sollten wir auch uns selbst mal kritisch hinterfragen. Welchen Sinn macht es, Jahre aufzuhohlen...?
Gruß Ralf
cellodil (01.11.2006, 17:18): Original von Atilla Was nützen mir Infos, die ich nicht verarbeiten kann... (unausgepackte CD´s). (...) Was steckt dahinter, wenn man CD´s für "drei Leben" hat? Nur die Liebe zur Musik kann es ja nicht sein.
Lieber Ralf,
ich denke, Du sprichst hier genau den entscheidenden Punkt an: Die Frage, was hinter diesem Verhalten steckt. Das ist - unabhängig davon, ob man dies nun als Sucht definiert oder nicht - das eigentlich Interessante.
Grüße
Sabine
Rachmaninov (19.12.2006, 12:08): Die Neuankündigungen (z.B. DG Originals) zeigen mir wieder ganz deutlich, daß man einfach ganz nüchtern bei den großen Labels Kopfmensch sein sollte.
Früher oder später schmeißen sie die gewünschte Aufnahme eh als "low budget" auf den Markt.
Sie z.B. Uchidas Kreisleriana.
Nein, einfach nüchtern bleiben und sich dies klar machen!
Anders sieht es natürlich bei wirklich kleinen Labels aus!