Donizetti - L'elisir d'amore (dt. Der Liebestrank)
Heike (27.05.2011, 19:06): Eigentlich wollte ich nur darauf hinwiesen, dass diese sehr populäre Oper demnächst Thema der Sendung Interpretationen ist, aber dann fiel mir auf, dass es noch gar keinen Thread zum Liebestrank gibt.
Also zunächst der aktuelle Programmhinweis, vielleicht ja ein Anlass zu weiterer Diskussion:
Am Donnerstag, den 02.06. von 15:05 Uhr - 17:00 Uhr auf Deutschlandradio Kultur Interpretationen:
"Im Rausch der Emanzipation" Gaetano Donizettis Liebestrank Moderation: Gerald Felber
Heike (27.05.2011, 19:09): L'elisir d'amore (dt. Der Liebestrank) ist eine komische Oper in zwei Akten des italienischen Komponisten Gaetano Donizetti (1797-1848). Sie wurde am 12. Mai 1832 am Mailänder Teatro della Canobbiana uraufgeführt und dauert etwa 2½ Stunden in der Originalfassung (in der „normalen“ etwa 2 Stunden)
Handlung
Erster Akt Der schüchterne, etwas naive Bauer Nemorino ist in die reiche Adina verliebt, sie jedoch zieht den Sergeant Belcore vor. Verzweifelt wendet sich Nemorino an den Quacksalber Dulcamara, der soeben im Dorf angekommen ist, und dieser gibt ihm eine Flasche mit „Liebestrank“. Aus Hoffnung auf die Wirkung des Trankes am nächsten Tag ignoriert Nemorino Adina. Diese verspricht nun, in ihrer Eitelkeit gekränkt, Belcore endgültig ihre Hand.
Zweiter Akt Während der Hochzeitsfeier von Belcore und Adina wendet sich der inzwischen wieder nüchterne Nemorino verzweifelt an den Quacksalber, der aber für die zweite Flasche des „Liebestranks“ Geld verlangt, das Nemorino nicht hat. Nemorino lässt sich also von Belcore als Soldat anwerben, um sich vom ersten Sold das Wundermittel leisten zu können. Währenddessen hat es sich im Dorf herumgesprochen, dass Nemorinos Onkel gestorben und ihm einen Haufen Geld hinterlassen hat, und die Dorfmädchen beginnen sich heftig für ihn zu interessieren. Als Adina das sieht, muss sie sich ihre Liebe zu Nemorino endgültig eingestehen. Sie kauft ihren Geliebten vom Militär frei und gesteht ihm ihre Liebe. Das junge Paar hat sich endlich glücklich gefunden und Dulcamara verlässt das Dorf, nachdem er noch etliche Flaschen des Trankes verkauft hat, der scheinbar nicht nur Liebe, sondern auch Reichtum verschafft.
Musik L'elisir d'amore ist nicht nur eine typische Buffo-Oper mit leichten Melodien und spritziger Laune, Donizetti hat hier auch besonderen Wert auf die musikalische Darstellung der Charaktere und ihrer Entwicklung gelegt. Besonders populär wurde Nemorinos Romanze una furtiva lagrima (dt.: Eine verstohlene Träne), mit obligater Harfe und Fagott, als eine Paradenummer von Enrico Caruso.
Quelle: Wiki
Billy Budd (07.01.2012, 20:05): Derzeit läuft - wie von mir hier angekündigt - die erste Internet-Übertragung einer Oper: "L'elisir d'amore" aus der Bayrischen Staatsoper.
Ich habe nur bis zum Ende von Dulcamaras "Udite, udite" mitgeschaut, was hauptsächlich an der langsamen Internetverbindung lag. Es ist wirklich störend, wenn alle zwei Minuten unterbrochen wird. Das Folgende sind nur meine ungeordneten Kurzeindrücke dieser runden halben Stunde. Die Adina von Adriana Kucerová fiel hauptsächlich durch ein schnelles Tremolo in der Höhe auf. Enttäuscht war ich von Pavol Breslik. In Ensembles, aber auch in Duetten war er nicht oder kaum zu hören und das Timbre des Tenors ist recht eindimensional. Für eine positive Überraschung hingegen sorgte Levente Molnár, denn als Figaro im "Babiere" bot er keine gute Leistung. Sofern man das bei der schlechten Tonqualität sagen kann, hatte ich aber den Eindruck, dass er hin und wieder zu tief intonierte. Ambrogio Maestri habe ich zwei Mal als Dulcamara live gesehen und war nie zufrieden, seltsamerweise ohne dies begründen zu können. Der Bassbariton klingt recht fahl und ich hatte den Eindruck, er müsse sich immens anstrengen. Dan Ettinger drosch zwar manchmal recht hinein, lieferte aber ansonsten ein solides Dirigat ab. Mit Chor und Orchester wurde ich nicht glücklich.
Zur Inszenierung, die mir wirklich nur ansatzweise gefällt: Gott bewahre uns vor einer solchen in Wien, auch wenn ich mit unserer Schenk-Regie nicht restlos glücklich bin! Ich halte es zwar für eine gute Idee, Belcore und seine Kompanie von der brutalen Seite zu zeigen (Sie wollen gleich Adina vergewaltigen.), aber das ist auch schon das einzig positive, was mir dazu einfällt ...
Wie gesagt: Um eine seriöse Beurteilung zu verfassen, müsste ich die ganze Aufführung gesehen haben.
Hat noch jemand geschaut?
Billy :hello
Severina (07.01.2012, 21:46): Nein, ich schaue nicht, weil ich ehrlich gesagt Oper am PC nicht wirklich genießen kann. Dazu gehört für mich nämlich eine bequeme Sitzhaltung (Couch), ein großer Bildschirm, Kerzenschein usw. (Ist wohl ein Generationenproblem, aber Oper am PC ist für mich wie MacDonald's anstatt eines guten Restaurants.) Außerdem sind meine integrierten Lautsprecher viel zu mickrig, um die sängerischen Leistungen seriös zu übermitteln. Maestri hat mir als Dulcamara bisher immer sehr gut gefallen, von Breslik hatte ich mir nach der TV-"Lucrezia Borgia" aus München mehr erwartet, da war ich dann auch etwas enttäuscht, als ich ihn zum ersten Mal live hörte.
Kann es übrigens sein, Billy, dass Du Vibrato mit Tremolo verwechselst? Vibrato ist das natürliche Schwingen einer jeden Stimme, das schwächer oder stärker ausgeprägt sein kann, aber eine völlig "gerade" Stimmführung wirst Du wohl nur in Barockopern hören, wo es ein Kennzeichen ist, aber gerade die magst Du ja nicht. Tremolo ist hingegen ein Zeichen, dass es mit einer Stimme bergab geht (Das letzte Stadium ist dann der berüchtigte Wobble), und das wirst Du doch wohl nicht bei JEDER Sängerin konstatieren? Mir fällt nämlich auf, dass Du sehr oft ein "Tremolo" beanstandest. Ich mag übrigens genau wie Du vibratoarme Stimmen, aber ganz ohne geht's nicht, und speziell bei Spitzentönen ist es normal, dass die Stimme stärker vibriert als z.B. in der Mittellage.
lg Severina :hello
PS: Bei historischen Stimmen ist ein sehr schnelles, ausgeprägtes Vibrato häufig anzutreffen, weshalb ich mit den "alten Knüllern" auch recht wenig anfangen kann. Calleja wird immer nachgesagt, er klinge genauso wie die Großen der Vergangenheit, aber mich macht sein Meckervibrato ganz kirre.
Ingrid (07.01.2012, 22:49): Bei mir war es heute mehr die Generalprobe für den 22. und da muss es dann ja richtig gut werden, denn heute kam Bild und Ton erst eine Viertel Stunde später und danach hatte ich alle fünf Minuten eine totale Bild- und Toneinfrierung. In der Pause kam dann der Supergau und nur noch Error. Ansonsten war das Bild winzig klein, denn bei Vergrößerung fiel gleich alles zusammen und der Ton auch so schwach, dass man wirklich keine Beurteilung abgeben könnte.
Da ich diese Aufführung aber wenigstens einmal live gesehen habe (bei Villazon war auch ich krank) weiß ich, dass ich mit dieser Inszenierung nicht klar komme. Dieses Gefühl hat sich heute wieder sehr verstärkt, obwohl die Wunderkugel schon ein Meisterwerk der Technik ist und Eindruck schindet. Außer der Komposition, hat dieser Liebestrank aber wirklich keinerlei Ähnlichkeit mit der Wiener Schenk-Inszenierung. In die konnte man sich wirklich verlieben, aber das lag wohl auch mehr an der Besetzung.
AN sah ich bei uns nicht, da unerschwinglich, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie da gut reingepasst hat und RV war ja sowieso ein Schatten seiner selbst. (Las und hörte ich). Trotzdem soll er noch auf den Laternenpfahl geklettert sein... der arme Wicht, denn da fehlt wirklich bei allen Sängern nur noch die Banane und in Schießer-Unterhose und Hemd machen sie meist auch keine so arg gute Figur. Ist alles auf jeden Fall eine ziemlich verrückte Angelegenheit und auf die brutalen Soldaten hätte ich auch liebend gerne verzichtet. Liebe Severina, Du hast also wirklich nichts verpasst. Beim Don Carlo dann wahrscheinlich eher :wink
Gute Nacht und liebe Grüße Ingrid
(morgen bin ich wieder direkt in der Oper und das taugt mir natürlich besser)
Severina (08.01.2012, 15:11): Liebe Ingrid,
der 22. wäre natürlich ungleich reizvoller als der gestrige "L'Elisir", aber meine Vorbehalte gegen Opern am PC werden mich wohl auch dann davon abhalten, zumal der "Carlo" ja eine lange Oper ist. Ich konnte mich schon beim "Fidelio" trotz JK und einer nicht uninteressanten Inszenierung einfach nicht auf das kleine und nicht sehr scharfe Bild konzentrieren, mal abgesehen von der miesen Tonqualität. Aber vorgemerkt ist der Termin zumindest!
lg Severina :hello
Billy Budd (09.01.2012, 21:49): Liebe Severina, danke für Deine Erklärung bezüglich Vibrato/Tremolo/Wobble, aber der Großteil war mir bereits bekannt. Ich weiß, dass jede Stimme ein Vibrato hat, aber wenn es sich zu störend bemerkbar macht, reihe ich das unter Tremolo. Bei jeder Sängerin vermerke ich aber wirklich kein Tremolo. Wie Du bevorzuge ich vibratoarme Stimmen und mit Joseph Calleja kann ich auch recht wenig anfangen. Adriana Kucherová hat aber die ganze Zeit ein wirklich störendes Vibrato/Tremolo besessen. Was ich fragen wollte: Was ist der genaue Unterschied zwischen Tremolo und Wobble? Ist letztes einfach nur stärker, oder gibt es da eine andere Unterscheidung? Zu Pavol Breslik: Ich habe ihn drei Mal live erlebt: Im Dezember 2010 im Musikverein als Alfredo und im September in der Staatsoper als Ottavio und Lenski. Mit jeder Aufführung hat er mir besser gefallen (Beim Lenski beeindruckte mich vor allem seine verinnerlichte Gestaltung.), aber bei der Übertragung des "Liebestrankes" hat er mich sehr enttäuscht. Billy :hello
Billy Budd (09.01.2012, 21:54): Liebe Ingrid, da schien wirklich die Technik nicht ganz funktioniert zu haben, denn ich kaum erst während der Ouvertüre hinein. Hoffentlich haben das die Verantwortlichen beim "Don Carlo" besser im Griff! Bezüglich der Inszenierung war ich wirklich gewillt, mich auf etwas ganz neues einzulassen, wurde aber - siehe oben - enttäuscht. Wie war denn der Holländer? Billy :hello
Severina (09.01.2012, 22:49): Original von Billy Budd Liebe Severina, danke für Deine Erklärung bezüglich Vibrato/Tremolo/Wobble, aber der Großteil war mir bereits bekannt. Ich weiß, dass jede Stimme ein Vibrato hat, aber wenn es sich zu störend bemerkbar macht, reihe ich das unter Tremolo. Bei jeder Sängerin vermerke ich aber wirklich kein Tremolo. Wie Du bevorzuge ich vibratoarme Stimmen und mit Joseph Calleja kann ich auch recht wenig anfangen. Adriana Kucherová hat aber die ganze Zeit ein wirklich störendes Vibrato/Tremolo besessen. Was ich fragen wollte: Was ist der genaue Unterschied zwischen Tremolo und Wobble? Ist letztes einfach nur stärker, oder gibt es da eine andere Unterscheidung?Zu Pavol Breslik: Ich habe ihn drei Mal live erlebt: Im Dezember 2010 im Musikverein als Alfredo und im September in der Staatsoper als Ottavio und Lenski. Mit jeder Aufführung hat er mir besser gefallen (Beim Lenski beeindruckte mich vor allem seine verinnerlichte Gestaltung.), aber bei der Übertragung des "Liebestrankes" hat er mich sehr enttäuscht. Billy :hello
Lieber Billy, diese Grenze wird wohl jeder individuell verschieden ziehen, eine exakte Definition, ab wann der Wobble beginnt, gibt es sicher nicht. Für mich ist Wobble das Zeichen für eine wirklich ausgeleierte Stimme, die nicht mehr auf einer Gesangslinie geführt werden kann und nur mehr unrhythmisch auf und ab hüpft. Ein typisches Beispiel ist für mich aktuell Samuel Ramey, der einmal eine wirklich tolle Stimme besessen, aber mE den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpasst hat und jetzt nur mehr sein eigenes Denkmal demontiert. Auch Kurt Rydl war VOR der "Lady Macbeth" in meinen Ohren schon nah dran am Wobble, hat sich dann aber wieder erfangen. Nach Deinem letzten Bericht allerdings dürfte das nur ein Zwischenhoch gewesen sein.
Ich hab nicht gesagt, dass Du bei JEDER Sängerin ein Tremolo beanstandest, aber immerhin so oft, dass es mir aufgefallen ist. Aber auch das ist kein Problem - wenn Du das so empfindest, dann akzeptiere ich es, ich ar mir nur nicht sicher, ob Dir der Unterschied zwischen Vibrato und Tremolo klar ist, daher meine "Belehrung" :wink.
Als Lenski hat mir Breslik auch gut gefallen, das habe ich ganz vergessen. Auf jeden Fall um Klassen besser als Ramon Vargas, der jeder Zoll kein Lenski war und Tschaikovskij wohl mit Verdi verwechselte. Aber das ist jetzt sehr OT!
lg Severina :hello
Billy Budd (10.01.2012, 00:43): Liebe Severina, oh, dann habe ich zu schnell gelesen und Deine Aussage "Du wirst doch nicht bei jeder Sängerin ein Tremolo konstatieren?" falsch interpretiert. Kurt Rydl hat wirklich schon ein extremes Wobble, was ich aber auch über Nina Stemme (Für die ich mich wirklich nicht erwärmen kann.) oder Eric Halvarson sagen würde. Ain Anger hat für sein Alter ein übermäßig starkes Tremolo, was man schon unter Wobble reihen könnte. Vielleicht liegt das aber daran, dass er mit zu vielen Auftritten und zu schweren Rollen überfordert wurde. Ramón Vargas kann ich mir als Lenski überhaupt nicht vorstellen; abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass er seinen Zenit schon überschritten hat (Der letzte Rodolfo war aber sehr gut; da hat er anscheinend einen guten Tag erwischt.). Gute Nacht! Billy :hello
Billy Budd (11.04.2012, 21:37): Gestern war ich in einer (übrigens sehr guten) Vorstellung des "Liebestrankes" in der alten Schenk-Inszenierung. Ich glaube, dass ich es schon einmal gesagt habe: Die Kulisse ist wirklich schön, aber an der Personenführung gefällt mir ganz und gar nicht, dass die Rolle des Belcore so derart peinlich verblödelt wird. Ich frage mich deswegen: Wie sollte man den Belcore darstellen? Interessant wäre es, ihn nur von seiner brutalen Seite zu zeigen, aber dann würde er doch am Ende nicht so schnell auf Adina verzichten.
Was denkt Ihr darüber?
Billy :hello
Severina (11.04.2012, 22:36): Lieber Billy,
Belcore ist ein eitler Fant, von seiner unwiderstehlichen Anziehungskraft auf Frauen überzeugt - der berühmte "Zauber der Montur" - und fühlt sich als Uniformträger sowieso dem Rest der Menschheit überlegen. Also ist's nicht so verkehrt, diesen Hach-Gott-was-bin-ich-toll-Macho der Lächerlichkeit preiszugeben, nur müsste das dann mit einer generellen Militarismuskritik verbunden sein und nicht nur billigen Klamauk bieten, so wie in der Schenk-Inszenierung. Aber Kritik an was auch immer war nie Schenks Sache, er vergagt lieber alles bis zum Gehtnichtmehr, und viele Leute finden es ja auch wirklich lustig. Ich nicht, Du offensichtlich auch nicht. Aus Barcelona gibt es einen sehr guten "L'Elisir", wo der Regisseur das Stück ernst genommen hat. Dort gibt es keine lustige Operettenarmee, sondern der Abschied der Soldaten macht klar, dass sie in den Krieg und womöglich in den Tod ziehen. Und siehe da, in dieser Regie agiert auch Villazón nicht als jonglierender Dorftrottel, sondern spielt sehr ernsthaft und überzeugend einen unglücklich Verliebten und gefällt mir um Klassen besser als auf der Wiener DVD, wo ich ihn einfach nicht aushalte - Villazón-Fan hin oder her.
Zu Deiner Feststellung im WSO-Thread zu Adina und ihrem Verhältnis zu Nemorino kommt noch was von mir (allerdings dann passend in diesem Thread), aber aktuell habe ich leider keine Zeit für längere Beiträge, vielleicht nächste Woche. Ich sehe das nämlich ein bisschen anders als Du, aber dazu muss ich weiter ausholen, und das schaffe ich heute nicht.
lg Severina :hello
Billy Budd (11.04.2012, 23:30): Liebe Severina, danke für Deine rasche Antwort. Wenn ich mich richtig erinnere, gibt es eine Stelle im zweiten Akt, als Nemorino überdenkt, dass er - wenn er zum Militär ginge - alles aufgeben müsste. Er setzt also auch sein Leben ein, um Adina zu bekommen, aber bei diesen Soldaten muss er wohl kaum um sein Leben fürchten. Danke für den Tipp mit dieser DVD. Ich werde schauen, ob es sie in der Bücherei gibt. Ich bin schon gespannt, was Du zum Verhältnis Adina-Nemorino sagen wirst. Damit alle wissen, worum es geht, kopiere ich meine beiden Meldungen aus dem Staatsopern-Thread herüber: Durch eine Umbesetzung kam Adriana Kucerová zu ihrem Hausdebüt als Adina. Die Slowenin würde ich gerne wieder hören. Wie ihre Rollenvorgänger ist sie eine wirklich schöne Frau und – das unterscheidet sie sehr wohltuend von diesen – verfügt über eine brauchbare Stimme. Zu Beginn irritierte mich ihr schnelles Vibrato ein wenig (Nervosität?), doch sie fand bald zu einer ruhigeren Stimmführung. Besonders positiv möchte ich ihre schauspielerische Leistung hervorheben. Sie verkörperte weder eine arrogante Zicke, noch einen verspielten Teenager (Julia Novikova lässt grüßen ...), sondern eine resolute Gutspächterin, die sich im Dorf zu behaupten weiß. Zudem schien zwischen ihr und ihrem Nemorino die Chemie zu stimmen, denn das Ende wirkte glaubhaft. Adriana Kucerová ist die mit Abstand beste Adina seit mindestens zwei Jahren. Auch gesanglich konnte ich mehr als zufrieden sein (Da war sogar eine Steigerung auszumachen!), aber ihre schauspielerische Leistung verdient das Prädikat „Hervorragend“. Es war deutlich zu merken, dass sich die Sängerin entweder genau mit der Rolle beschäftigt hat oder diese sorgfältig mit einem exzellenten Regisseur erarbeitet hat. Ich fand es immer irritierend, dass die meisten Interpreten der Adina zu Beginn der Oper nichts von Nemorino halten, sich dann Belcore zuwenden und zum Schluss erstaunlicherweise Nemorino nehmen. Nicht so Frau Kucerová: Ich hatte den Eindruck, sie sei von Beginn an in Nemorino verliebt, nur möchte sie es nicht zeigen und ist genau so unsicher, wie er. Dazu passte auch, dass sie Belcore fast widerwillig und etwas mitleidig und keinesfalls herablassend oder verächtlich erklärte, Nemorino sei ein unreifer Junge. Das Erscheinen des Notars schien sie alles andere, als zu freuen, zumal sie ja auf Nemorino wartete. Weitere Anmerkungen zu ihrem Rollenportrait finden sich in meiner letzten Besprechung. Ein Wiederhören (eventuell als Susanna oder Nannetta) wäre Anlass zu großer Freude. Billy :hello
Severina (25.11.2012, 19:18): Aus aktuellem Anlass - es läuft ja gerade eine L'Elisir-Serie an der WSO - meine längst überfällige Antwort auf Billys Frage, wie ich das Verhältnis Adina-Nemorina sehe. Nun, das ist auf jeden Fall nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, und wenn Du meinst, dass da von Anfang an etwas mitschwingen sollte/könnte zwischen den beiden, hat das sicher etwas für sich. Dass Adina aber wirklich in Nemorino verliebt ist, also so, dass ihr das auch bewusst ist, würde ich nicht sagen.
Auf jeden Fall besteht anfangs ein großes Gefälle zwischen den beiden: Hier die reiche, gebildete und emanzipierte Gutsbesitzerin (Sie ist finanziell unabhängig, auf keinen Mann angewiesen - im 19.Jhdt. kein sehr häufiges Szenario!), dort der arme (Noch lebt der Onkel, das reiche Erbe also in weiter Ferne), ungebildete (Dass er laut Originaltext mit einem Kreuz unterschreiben soll, weist ihn als Analphabet aus) Bauernbursch, naiv und offensichtlich nicht sehr erfahren im Umgang mit Frauen, zumindest nicht mit einer so ausgepufften wie Adina. Natürlich schmeichelt ihr die hündische Ergebenheit Nemorinos, vielleicht rühren sie seine treuherzigen Liebesbeteuerungen sogar etwas, aber ernst nimmt sie ihn nicht. Adinas Sinn steht nach einem "richtigen Mann", nicht nach einem grünen Jüngling, der sie zwar anbetet, ihr aber sonst in ihren Augen nichts bieten kann (In keiner Beziehung... :wink).
So stellt sich die Sache für mich anfangs dar. Dann aber kommt Belcore ins Spiel, und da fragt man sich schon, was eine intelligente Frau wie Adina an diesem eitlen Hohlkopf findet. Der Zauber der Montur, wie ich oben schon erwähnt habe, OK, aber das ist mir zu wenig. Ein paar plumpe Komplimente, ein bisschen schneidig tun, und schon ist sie so hin und weg, dass sie diesen Angeber auf der Stelle heiraten will?? Das überzeugt mich nicht. Aber warum dann? Eine Antwort wäre, dass sie keine Sekunde ernsthaft daran denkt, Belcores Frau zu werden, sondern sie damit nur Nemorino ärgern will. Aber wenn er sie nur nervt mit seiner Verehrung, wie sie behauptet, warum will sie ihn dann provozieren? (Was sich liebt, das neckt sich???) Als er sie dann, auf die Wirkung des Liebestrankes vertrauend, scheinbar ignoriert, wurmt sie das ziemlich, denn sie will ihn zwar keineswegs erhören, behandelt ihn aber so, als ob er ihr gehört. Keinesfalls soll es ihm gelingen, sich von ihrem Gängelband loszureißen! (Insgeheim ist er ihr also ganz und gar nicht gleichgültig, auch wenn sie sich das in dieser Phase auf keinen Fall eingestehen würde!) Das ganze folgende Spektakel mit der Verlobung inszeniert sie also in erster Linie, um Nemorino zu ärgern/wieder an sich zu binden. Die Schlüsselszene ist für mich dann die, wo Adina auf Belcores Drängen einer sofortigen Hochzeit zustimmt. Hier müsste ein guter Regisseur herausarbeiten, dass da etwas passiert in Adina, dass sie von Nemorinos Verzweiflung im Innersten getroffen wird, dass sie sich des bösen Spiels, das sie mit seinen Gefühlen treibt, bewusst wird und sich das schlechte Gewissen in ihr regt. Sie spielt zwar ihr Spiel mit Belcore noch weiter, aber es macht ihr keinen Spaß mehr. Als dann Nemorino der Hochzeitsfeier fern bleibt, reagiert sie fast ein wenig panisch - sie fürchtet, dass sie ihn nun verloren hat, und jetzt wird ihr deutlich bewusst, dass ihr das ganz und gar nicht gleichgültig ist. Ihr weiteres Verhalten ergibt sich folgerichtig aus dieser Erkenntnis. Diesen Knackpunkt muss ein Regisseur herausarbeiten, aber dazu braucht es natürlich ein anderes Kaliber als den Großmeister der Blödelei, Otto Schenk..... Natürlich könnt ihr jetzt einwenden: Mensch, was willst Du, "L'Elisir" ist eine Komödie mit einem banalen Libretto, wozu diese tiefgründigen Gedanken? Ja, schon, aber eine Komödie, in der ganz fies mit den ehrlichen Gefühlen eines anständigen, etwas naiven jungen Mannes gespielt wird, und zumindest mir bleibt das Lachen einige Male im Hals stecken. Dass zum Beispiel viele Leute es zum Brüllen komisch finden, wenn Nemorino am Ende des ersten Aktes gedemütigt und von allen verhöhnt am Boden liegt, werde ich nie begreifen.
Mario del Monaco hat vor vielen Jahren in Bonn den tragischen Unterton bei all der Komödiantik in seiner Inszenierung mitschwingen lassen. Nie werde ich das "Una furtiva lagrima" vergessen, wo Nemorino in einer viel zu großen Uniform wie ein Häufchen Elend auf der Bühne stand, Sieger und Verlierer zugleich, denn just in dem Moment, wo er das Herz Adinas scheinbar gewonnen hat, muss er in den Tod ziehen. Noch nie hat das "Si può morir d'amor" doppelbödiger und ergreifender geklungen als damals in der Interpretation von Francisco Araiza.
So, jetzt seid Ihr dran! :D
lg Severina :hello
stiffelio (25.11.2012, 21:07): Liebe Severina,
wie du weisst sind Komödien nicht so mein Ding - was für eine Antwort auf deine Analyse Adinas aber ganz günstig ist, denn dadurch kenne ich tatsächlich bisher nur die Schenk-Inszenierung mit Netrebko und Villazon (obwohl mindestens 2 weitere auf meinem Stapel warten). Und da muss ich der Inszenierung (oder dem Schauspieltalent von AN) zumindest zugute halten, dass ich nahezu alles, was du aus meiner Sicht sehr richtig schreibst, in ihr wiedergefunden habe.
Eine Nuance zu Beginn sehe ich ein bisschen anders: Adina sehnt sich nicht nach einem "richtigen" Mann, sie sehnt sich nach gar keiner Bindung, auch keiner emotionalen. Sie genießt es, mit den Männern zu spielen, die sie umwerben - sie ist ein von Blume zu Blume flatternder Schmetterling (bzw. ein Zephir, wie sie selbst singt) und genau so möchte sie es haben. Ernsthaft zu lieben würde für sie nur bedeuten, diese Freiheit zu verlieren, die (zumindest jetzt noch) nicht aufgeben möchte. Und da ist sie tatsächlich der Gegenpol zu Nemorino, der von Adina erklärtermaßen auch dann weder lassen könnte noch möchte, wenn sie ihn niemals erhören würde. Das bedeutet auch für mich glasklar, dass sie niemals auch nur im Entferntesten daran denkt, Belcore zu heiraten. Am Anfang spielt sie lediglich mit ihm wie mit allen Männern. Unnachahmlich dann die Szene, in der Nemorino mit seiner scheinbaren Nichtachtung Adina zur Weißglut bringt und Adina plötzlich Belcore nahen hört: sie drapiert sich mit so übertriebener Gestik auf die Treppenstufen, dass mir immer sonnenklar war - das ist eine reine Demonstration um Nemorino wieder eifersüchtig zu machen und dass Belcore darauf hereinfällt, ist nur mit seiner ans Pathologische grenzenden Selbstgefälligkeit zu erklären.
Dass Adina in der Folgeszene zu ahnen beginnt, dass an der Treue Nemorinos etwas dran ist, aber sich da noch lieber die Zunge abbeißen würde, als das zuzugeben, hast du sehr gut herausgearbeitet. Auch in der Schenk-Inszenierung konnte ich das mühelos an Adinas (ANs) Mimik ablesen.
Es stimmt natürlich, dass das Marionetten-Militär in dieser Inszenierung nicht wirklich die Dimension herausarbeitet, dass Nemorino für seine Liebe zu Adina auch den Tod in der Schlacht riskiert. Das spielt aber für mich eine untergeordnete Rolle, denn Nemorino stimmt mit seiner Rekrutierung so oder so der (zumindest räumlichen) Trennung von Adina zu. Und das ist für ihn praktisch gleichbedeutend mit dem Tod, auch wenn das hier ulkig verbrämt wird. Im Kern läuft es zumindest aus Nemorinos Sicht auf das Gleiche hinaus, denn er ist kein Planer und seine Entlassung aus dem Militär liegt für ihn ebenso fern wie der Mond.
Das wären so meine Gedanken, mit denen du mich glücklicherweise an einem Sonntagabend erwischt hast, denn ansonsten habe ich momentan leider viel weniger Zeit für Opern und Foren, als ich eigentlich möchte.
VG, stiffelio
Severina (25.11.2012, 21:41): Liebe Stiffelio, natürlich hast Du Recht, wenn Du Adina mit einem von Blume zu Blume flatternden Schmetterling vergleichst. Mit "richtigem Mann" meinte ich auch nicht Ehemann :wink, einem kleinen Abenteuer ist sie aber sicher nicht abgeneigt. Gerade deshalb steht sie der Ernsthaftigkeit und Tiefe von Nemorinos Gefühlen anfangs so verständnislos gegenüber. Sie findet den jungen Mann höchst mühsam mit seinen Liebesbeteuerungen, aber doch auch amüsant, und als nettes Schoßhündchen will sie ihn gerne behalten. Klar gibt es immer wieder Sängerinnen, die den von mir so genannten Knackpunkt intuitiv erfassen und zu Herzen gehend interpretieren, aber das ist nicht auf Schenks Mist gewachsen. Ich kenne ja diese Inszenierung von der ersten Stunde an, und im Laufe der Jahrzehnte hat sich gottlob der hemmungslose Klamauk etwas abgeschliffen, aber der Rest ist noch immer ärgerlich genug. Am stimmigsten finde ich persönlich die Produktion aus Barcelona mit Rolando Villazón, der dort im Unterschied zu Wien nicht den Clown spielt, dafür leider sängerisch nicht mehr ganz so souverän ist.
lg Severina :hello
Yorick (25.11.2012, 22:14): Ich habe diese Aufnahme:
Hier habe ich die DVD aus Barcelona genau besprochen!
lg Severina :hello
Yorick (26.11.2012, 10:28): O Gott, der Mann kann nichts dafür, aber wenn ich Villazón sehe, schalte ich weg; ähnlich bei Netrebko! Das fing eigentlich alles mit Mutter an ...
palestrina (26.11.2012, 14:25): Ja, Ja das kommt davon wenn man zu viele DVD 's anschaut , hören ist besser , denn er singt den Nemorino ganz fantastisch .
Bei Netrebko ist es zum Teil umgekehrt .
LG palestrina
Yorick (26.11.2012, 16:54): Original von palestrina Ja, Ja das kommt davon wenn man zu viele DVD 's anschaut , hören ist besser , denn er singt den Nemorino ganz fantastisch .
Bei Netrebko ist es zum Teil umgekehrt .
LG palestrina Nix DVD, vor allem und TV und Feuilleton - nicht zum Aushalten! :cool
P.S. Beantwortest du bitte meine Frage im Sammlerthread!? :)
Billy Budd (26.11.2012, 17:13): Ich stimme Severina zu 100% zu. Dass zum Beispiel viele Leute es zum Brüllen komisch finden, wenn Nemorino am Ende des ersten Aktes gedemütigt und von allen verhöhnt am Boden liegt, werde ich nie begreifen. Jo, ich auch nicht. Billy :hello
Rideamus (25.12.2012, 06:35): Das nenne ich mal eine originelle Idee für die Inszenierung einer Belcantooper. Der Regisseur Rolando Villazon siedelt seinen LIEBESTRANK im Milieu der Dreharbeiten zu einem B-Western an. Laut Villazon soll das in den 30er oder 40er Jahren sein, aber eigentlich sieht alles aus wie beim Stummfilm, dessen größte Clowns Chaplin und Keaton seine anerkannten Vorbilder waren. Es ist bewundernswert, wie viele hübsche und durchaus originelle Einfälle er seiner Liebesgeschichte zwischen einer amerikanischen B-Filmdiva und einem mexikanischen Statisten abgewinnt. Ein Grund dafür ist, dass er seine Inspirationen aus fast 100 Jahren Filmgeschichte bezieht und sich keineswegs auf eine platte Westernparodie beschränkt. Mit diesen verschiedenen Ebenen jongliert er virtuos besonders dann, wenn er Chaplin nachahmt, ihn aber durch die Maske des mexikanischen Komikers Cantinflas filtert (erinnert sich noch jemand an die Filme IN 80 TAGEN UM DIE WELT oder PEPE?) und so die platte Karikatur vermeidet, die man allerorts von Straßenclowns geboten bekommt.
Aber auch neuere Komödien kommen zu ihrem Recht. So liebt Villazon ersichtlich die Situationskomödien von Blake Edwards, dessen herrlicher Schwank THE PARTY offenbar Pate gestanden hat für den von Villazon verkörperten Statisten, der besten Willens beständig Chaos verursacht, und - ein Zitat aus Edwards' bester Komödie DER ROSAROTE PANTHER und nicht King Kong, wie manche schrieben - sogar einen ratlosen Gorilla im Gewühl des ersten Finales auftauchen lässt. Auch seine Liebe zu den Comics um Lucky Luke kommt deutlich zum Vorschein, wenn er wiederholt Ma Dalton und ihre vier kriminellen Söhne auftkreuzern und so unmotiviert wie wirkungssicher durch die Szenerie stapfen lässt.
Wie Villazon im Pauseninterview selbst sagte: alle spielen eine Rolle, und das auf mehreren Ebenen. Dulcamara (ebenso köstlich wie in Wien: Ildebrando D'Arcangelo) ist nicht nur ein pseudoindianischer Betrüger, sondern auch der Regisseur des Films, der sich mehr für die Casting Couch interessiert als für den Schrottfilm, den er gerade zu drehen hat. Adina, ein wenig zu aufgesetzt gespielt, aber vorzüglich gesungen von Miah Persson, ist ein zweitrangiger Filmstar, der es nicht vertragen kann, nicht von allen angehimmelt zu werden. Selbst die sonst sehr vernachlässigte Nebenrolle der Gianetta Regula Mühlemanns erhält erfreuliches Profil als Regieassistentin, die immer eingreifen muss, wenn etwas schief geht, weil der Regisseur seine Hosen nicht anbehalten kann, und belebt es vorzüglich. Einzig Roman Trekel, dessen Besetzung wir womgöich seiner Lebensgefährtin Miah Persson zu verdanken haben, scheitert an den Anforderungen des Belcore, und das leider sowohl als Schauspieler, der auf unglückliche Weise übertreibt und jedes komische Timing vermissen lässt, als auch als Sänger. Zum Glück ist seine Rolle begrenzt, im Gegensatz zu der des Balthasar Neumann Chors, der enorm von Villazons Talent zur Bewegungskomik profitiert und manch berühmteres Ensemble lahm aussehen lässt. Wenn nur der Dirigent Pablo Heras-Casado ähnlich souverän wäre wie Villazon, der Regisseur. Dazu mehr im nächsten Abschnitt zum zweiten Akt.
Zunächst möchte ich jedem dringend empfehlen, von dem Angebot der ARTE Gebrauch zu machen und hier das Vergnügen dieser Darbietung nachzuholen: "http://videos.arte.tv/de/videos/der-liebestrank-mit-rolando-villazon--7139890.html"
Fortsetzung folgt.
:hello Rideamus
Rideamus (25.12.2012, 13:34): Es ist schon ungewöhnlich, wenn sich ein Sänger als Regisseur auf das Experiment des sogenannten Regietheaters einlässt und die Geschichte einer Oper ganz woanders ansiedelt, als sie eigentlich vorgesehen war. Villazon gelingt aber auf bravouröse Art der Beweis, dass nicht das Sakrileg als solches das Problem ist, sondern das es allein auf das Endergebnis ankommt, das schlüssig sein und den Zuschauer spontan überzeugen muss. Dies gilt um so mehr bei einer komischen Oper, die deswegen noch nicht anspruchslos sein muss, aber nun einmal das verkopfte Spekulieren über den Sinn der Sache bei der ersten Begegnung schlecht aushält.
Villazons Lösung aber überzeugt auf Anhieb, und das hat zwei Gründe: Zum einen hat er sich mit der Filmparodie ein Umfeld ausgesucht, das ähnlich funktioniert wie das von Romanis ursprünglichem Libretto, das sich auch nicht all zu ernst nimmt (eine Bäuerin liest TRISTAN UND ISOLDE?).
Vor allem aber konzentriert er das Geschehen geschickt auf die archetypischen Konflikte der Personen, die er gegen Ende immer mehr isoliert, so dass deren Umfeld zunehmend sekundär wird. Damit schält er den Kern des Konfliktes um den vermeintlichen Trottel heraus, der an der Verlogenheit der Welt nicht weniger verzwiefelt als an der Koketterie seiner großen Liebe. Diesen KOnflikt behält er jederzeit im Auge, was sich auch in seiner liebevollen Aufmerksamkeit für die Aktion auch kleinster Nebendarsteller niederschlägt, die eine detaillierte Würdigung wert wäre. Die aber kann und sollte jeder selbst vornehmen, denn dafür reicht hier der Raum nicht.
Natürlich funktioniert nicht jeder Gag so, wie er soll. Bei welcher Komödie klappt das schon? So ist das Zitat aus Buster Keatons STEAMBOAT BILL, JR. von der Hauswand, die über Nemorino herniederbricht, ihn aber verschont, weil er genau durch das offene Fenster passt, eine hübsche Idee, funktioniert aber höchstens für Kenner des Originals, weil das spektakuläre Element Keatons fehlt, der bei seinen Dreharbeiten tatsächlich das volle Risiko gegangen war, von der schweren Hauswand erschlagen zu werden, während hier nur ganz vorsichtig eine Kulisse herabgelassen wird.
Bemerkenswert ist, wie unegoistisch Villazon weitgehend darauf verzichtet, sich ähnlich stark in den Vordergrund zu inszenieren, wie er sich in Wien und Barcelona spielte. Selbst bei seiner Bravourarie "Una furtiva lacrima" erlaubt er Miah Persson, ihm einen Teil der Aufmerksamkeit zu stehlen, indem sie als unbemerkte Zuhörerin an der einsamen Hütte lauscht, in der er singt. Mit achtbarem Ergebnis übrigens. Ds ist natürlich auch ein raffinierter Trick, der vermeidet, dass er ein Da Capo geben muss, denn Villazon nicht mehr die strahlende Stimme von früher und muss mehr durch sein Spiel beeindrucken als durch seinen Gesang. Der aber ist wahrlich nicht schlecht, und man sollte nicht vergessen, dass Villazon nie eine Tenorino di grazia war, für den diese Partie geschrieben wurde, sondern eigentlich eine zu schwere Stimme für diesen Teil des Repertoires hatte, den sich aber kein Tenor entgehen lassen will, der auf Bühnenwirksamkeit bedacht ist.
Ein großer Teil des Genies von Donizettis Partitur besteht nämlich darin, dass er, unterstützt von Felice Romanis superbem Libretto, seine Sänger optimal zur Geltung bringt ohne sie je überzubeanspruchen. Was nicht bedeutet, dass sie nicht sehr hohe Ansprüche erfüllen müssen. Denen werden vor allem Ildebrando D'Arcangelo und Miah Persson vorbildlich gerecht. Perssons Adina gehört sogar zu den am besten gesungenen, die ich kenne, und da findet sie sich immerhin im Wettbewerb mit großen Namen wie Freni, Cotrubas, Bonney oder Damrau. Leider verhindern Roman Trekel, den ich noch als Berliner FIGARO-Graf bewunderte, und der sehr unebene Dirigent, der das Geschehen manchmal verhetzt und manchmal verschleppt ohne eine halbwegs einheitliche Linie zu finden oder zumindest immer das musikalische Geschehen zusammenhalten zu können, dass dies eine Aufnahme ist, die man auch lieber als andere hört. Immerhin sind die Duette zwischen jeweils D'Arcangelo, Persson und Villazon musikalische Höhepunkte der ELISIR-Diskographie. Da es eines Tages eine DVD dieser Inzenierung geben soll, kann ich die also auch aus musikalischen Gründen empfehlen.
Sie lohnt sich aber vor allem, und das war für mich die größte Überraschung, wegen der sensiblen Regie, die beileibe nicht nur in Klamauk ausartet, sondern auch das tragische Potenzial des Stoffes durchscheinen lässt. Irgendjemand im Regieteam muss die Kavalleriewestern John Fords, vielleicht auch nur deren Niederschlag in Susan Stromans Inszenierung des Gershwin-Potpourris CRAZY FOR YOU (das Schlussbild ist fast eine Kopie des Schlussbilds bei Strohman) gesehen haben, denn die leicht parodistische Stimmung des romantisierten Western ist hier sehr gut eingefangen. Da wundert es dann weniger als dass es Anlass zum Bewundern gibt, wenn am Schluss noch ein kleiner Stummfilm läuft, der in der Regie Villazons gedreht wurde und den Film namens THE WILD WILD GIRL zeigt, der angeblich während der Aufführung gedreht wurde und ähnlich wie der diesjährige Oscar-Gewinner, THE ARTIST von Jean Dujardin, ein sehr feinsinniges Gespür nicht nur für die komischen, sondern auch für die starken Elemente des Stummfilms aufweist, den er ersichtlich kennt und liebt.
Kurz zusammengefasst: Villazon ist hier ein Juwel gelungen, das zudem noch ein echter Solitär ist, und das jeder kennen sollte, der ein Herz für diese Oper hat und sich darüber freuen kann, dass es zwar keine Elogen mehr über den Sänger Rolando Villazon zu schreiben gibt, wohl aber einen hochbegabten Komödienregisseur zu entdecken.
:hello Rideamus
Severina (25.12.2012, 19:30): Lieber Rideamus,
dann hoffe ich inständig, mein Festplattenrecorder in Wien hat brav seinen Dienst getan und diese Übertragung aufgenommen! Gestern konnte ich sie mir nämlich nicht anschauen, denn am Hl. Abend ist Fernsehen in unserer Familie tabu. Allerdings werde ich mich garantiert nicht so gut unterhalten wie Du, da ich die von Villazón offensichtlich zitierten Filme allesamt nicht kenne und daher vieles an raffinierten Einfällen an mir vorbeigehen wird. Aber schon alleine wenn Villazón hier nicht so penetrant auf Clown macht wie in Wien, wäre es für mich ein Gewinn.
Nach dem 4. Jänner werde ich also meine Eindrücke mitteilen!
lg Sevi :hello
schwarzehand (25.12.2012, 20:02): Ich fand die Western/Film-Idee prinzipiell auch ganz gut und gelungen umgesetzt (hätte ich vorher nicht so erwartet), aber insgesamt war es mir dann einfach 'too much'. Zu viele Gags, zu viel "Action" auf der Bühne (= zu viel Ablenkung), was mich irgendwann einfach ermüdet hat. Und ich vermute, dass es durch die TV-Kameraführung ja schon ziemlich eingeschränkt war, da dort die Bühne nicht im Ganzen eingefangen wurde. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass unbedingt alle 2 bis 3 Sekunden irgendwo irgendetwas passieren musste, und sei es mit der Holzhammer-Methode. So wirkten dann auch einige Gags auf mich ziemlich plump, beispielsweise der Chinese im Hintergrund oder der sich ständig wiederholende Clapper, der sich den Finger einklemmt.
Rideamus (28.12.2012, 15:46): Neuerdings findet man auch YT auch eine hübsche Dokumentation zur Entstehung von Villazons Inszenierung, die sehr passend (keine Ironie!) mit Alfred Newmans Musik zu dem epischen Western HOW THE WEST WAS WON eingeleitet wird.
Hier findet man sie: http://www.youtube.com/watch?v=BGKlanJJKtg
Mit ein bisschen Glück findet man dort übrigens auch schon eine Aufzeichnung der gesamten Ausstrahlung.
:hello Rideamus
Rideamus (30.12.2012, 13:36): Man muss wirklich alles überprüfen, was die Presse schreibt. Wie es aussieht, bin ich bezüglich der Lebenspartnerschaft von Miah Persson und Roman Trekel einer Ente aufgesessen.
Ich wollte natürlich nicht ihre Ehe mit dem englischen Tenor Jeremy Ovenden gefährden.
:ignore Rideamus
Severina (13.01.2013, 14:54): Gestern habe ich es endlich geschafft, mir diesen "L'Elisir" anzuschauen und meinen versprochenen Kommentar abzuliefern. Nun ja.... Prinzipiell finde ich Villazóns Idee, die Handlung in ein Westernfilmset zu verpflanzen, originell und absolut im Rahmen der Interpretationsmöglichkeiten, die das Libretto zulässt. Die Umsetzung geht wunderbar auf, ohne dass die Logik allzu sehr verbogen werden muss. Aber wie immer bei caro Rolando wäre weniger mehr gewesen. Was nämlich den Cineasten Rideamus entzückt, die vielen Zitate aus diversen Filmen, läuft bei einem Kinomuffel wie mir ins Leere. Ich kenne die Vorlagen allesamt nicht, und anstatt einer liebevollen Hommage an X, Y, Z bleibt für mich unterm Strich nur viel sinnloser Aktionismus und Herumgehample, das von der eigentlichen Handlung ablenkt. Dass Nemorino nach der Pause Charlie Chaplin imitiert, ist sogar mir Banausin aufgefallen, aber die Sinnhaftigkeit erschließt sich mir nicht wirklich. Im Gegenteil, die an Stummfilme angelehnten Bewegungsabläufe erzeugen ein Gefühl der Künstlichkeit, das verhindert, dass mir Nemorinos Schicksal in irgendeiner Weise nahe geht. (Absolut albern finde ich den Gag mit der in Zeitlupe "fallenden" Kulisse, und typisch für diese Inszenierung, dass das just in einem Augenblick passiert, wo eigentlich Ernsthaftigkeit angesagt wäre!)
Was mich bei einem so feinfühligen Künstler wie Villazón besonders erstaunt, dass er in seiner Inszenierung immer dann, wenn das Tragische der Handlung durchschimmert, besonders "lustig" sein will und damit jeder Ernsthaftigkeit den Boden entzieht. Besonders stört mich das in der Werbeszene: Da muss doch etwas von der Verzweiflung spürbar sein, die Nemorino zu diesem Schritt treibt. Er, dem alles Martialische völlig fern liegt, verkauft sich für schnöde 20 Scudi als Soldat, setzt sein Leben aufs Spiel für die vage Chance, doch noch Adinas Liebe zu gewinnen. Klar ist diese Szene auch lustig, aber eben nicht nur, und eine gelungene Inszenierung muss diese Doppelbödigkeit herausarbeiten. Hier spüre ich nichts davon, ich sehe nur ein hemmungsloses Herumblödeln von Villazón und D'Arcangelo, und das war der Moment, wo ich gestern mein Interesse an diesem "L'Elisir" so ziemlich verlor. Daher regte mich der peinliche Schluss, wo Nemorino vor Adina wie ein Kleinkind auf und abhüpft, das endlich die versprochene Schokolade aus Muttis Hand entgegennehmen will, gar nicht mehr auf. Ich frage mich nur, was Adina an diesem in seiner Entwicklung offensichtlich steckengebliebenen Kasperl eigentlich findet. Aber gut, Villazón konnte mich mit Ausnahme der Produktion aus Barcelona als Nemorino noch nie überzeugen.
Natürlich hat die Inszenierung auch ihre Meriten, in erster Linie der exzellent geführte, äußerst lebendig agierende Chor, wo wirklich jeder einzelne ein unerwechselbares Profil erhält. Diie Aufwertung Gianettas als gestresste und genervte Regieassistentin halte ich für eine ausgezeichnete Idee, auch für Dulcamara hat sich Villazón viel Gelungenes einfallen lassen. (Abgesehen von seiner Aufmachung nach der Pause, wo ich dauernd an Bully Herbig und den "Schuh des Mannitu" denken musste, ein unsäglich dummer Film, von dem aber alle so geschwärmt haben, dass ich ihn mir im TV angetan habe. Ich lasse mich für dieses Urteil gerne prügeln, aber das ist absolut nicht mein Verständnis von Humor....) Seltsamerweise stört mich Belcore viel weniger als Rideamus, denn da ist Villazón doch wirklich eine köstliche Parodie auf Westernhelden und deren oft zweitklassige Darsteller gelungen. (Maske und Kostüm erinnern mich sehr an General Custer!)
Musikalisch ist dieser "L'Elisir" für mich OK, aber mehr nicht. Miah Persson gefällt mir bis zur Pause sehr gut, danach aber klingt ihre Stimme zunehmend angestrengt und scharf. Rolando Villazón ist zwar wesentlich besser als zuletzt in Wien, aber leider noch immer weit von seiner früheren Form entfernt. Er scheint so damit beschäftigt zu sein, die Gesangslinie zu halten, dass dabei die Interpretation auf der Strecke bleibt. "Una furtiva lagrima" ist brav und ohne gröbere Probleme heruntergesungen, aber nicht mehr, und warum er an den unpassendsten Stellen grinsen muss, kapiere ich auch nicht. Auch da fehlt mir die Doppelbödigkeit, das schmerzliche Bewusstsein, zwar Adinas Liebe errungen zu haben, aber die Früchte nicht ernten zu können, weil er ja mit den Soldaten in den Krieg ziehen muss. Villazón bietet eine glatt polierte Oberfläche, die Untiefen darunter bleiben verborgen. Und das schmerzt mich eigentlich mehr als der ramponierte tenorale Schmelz, denn gerade das Sezieren seelicher Dispositionen ist einst die große Stärke dieses Sängers gewesen.
Roman Trekel fällt nicht aus dem Rahmen, ich habe schon derart desaströse Belcores erlebt, dass ich ihn im guten Mittelfeld ansiedle.
Am besten gefällt mir Ildebrando D'Arcangelo, der hier eine wirklich ausgezeichnete Leistung erbringt und sein prächtiges Stimmmaterial endlich wieder makellos zur Geltung bringt, was zuletzt nicht immer der Fall gewesen ist.
Zum uninspirierten Dirigat hat Rideamus schon alles gesagt.
Mein Fazit: Ein "L'Elisir", der mir Wechselbäder aus Vergnügen und Ärger beschert, musikalisch solide umgesetzt ohne Ausreißer nach oben oder unten.
lg Severina :hello
palestrina (07.11.2015, 11:31): Weil ich gerade im Carreras Fieber bin, hörte ich auch mMn die schönste aller Liebestrank GA mit dem jungen und wohl stimmlich schönsten Nemorino , José Carreras .....
Rec. live at London Orch. of the Royal Opera House Covent Garden], John Pritchard (cond.) Yasuko Hayashi (A), José Carreras (N), Thomas Allen (B), Geraint Evans (D), Lillian Watson (G)
live Covent Garden 1976.
Das ist eine Produktion aus dem Premierenjahr '76 , die GA danach im Studio '77 wurde aber leider mit Domingo gemacht , jedoch mit I.Cotrubas statt Y.Hayashi und der Belcore ist mit T.Allan besser besetzt als mit I.Wixell . Diese Live GA ist klanglich ganz hervorragend , bin immer wieder begeistert wenn ich es höre !
Und das ist die GA ein Jahr später , wenn nur Domingo nicht wäre , er passt einfach nicht in die Rolle, obwohl Hayashi wahrlich nicht schlecht ist ,hier ist die Cotrubas doch etwas besser .Hatte wohl auch mit der Besetzungspolitik zu tun , denn Carreras war erst am Anfang seiner Karriere !
Nemorino - Luciano Pavarotti (gefällt mir bei Donizetti immer sehr gut) Adina - Joan Sutherland (perfekt gesungen, aber etwas steif) Belcore - Dominic Cossa (stellt den Belcore nicht so sehr als Aufschneider und Witzfigur da, wie sonst üblich; sehr stimmschöne Darbietung) Dulcamara - Spiro Malas (sehr ausdrucksstarke Stimme, neben Pavarotti die beste Leistung dieser Aufnahme) Giannetta - Maria Casula (in den Ensembles deutlich hörbar anwesend, was bei dieser Rolle selten ist)
Ambrosian Opera Chorus English Chamber Orchestra, Richard Bonynge (tadellos, aber es fehlt noch etwas Schwung)
Insgesamt eine rundum gelungene Aufnahme, der jedoch etwas Witz und Spielfreude fehlen.
Nemorino - Rolando Villazón (stellt den naiven Dorftrottel überzeugend da, stellenweise zu viel Show (Äpfel-Jonglieren, etc.)) Adina - Anna Netrebko (gut, aber stimmlich ziehe ich die Sutherland vor) Belcore - Leo Nucci (sehr überzeichnete Darstellung, stimmlich schon weit über seinen Zenit hinaus) Dulcamara - Ildebrando d'Arcangelo (stimmlich und darstellerisch hervorragend) Giannetta - Inna Los (unauffällig)
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper, Alfred Eschwé (lässt keine Wünsche offen) Inszenierung: Otto Schenk
Insgesamt eine sehr kurzweilige, konservative Aufführung. Die Beteiligten haben sichtlich Spaß dabei.
Abgesehen von Una furtiva lagrima und den Szenen des Dulcamara gibt mir diese Oper nicht all zu viel. Allerdings bevorzuge ich sowieso ernste Opern. Speziell Donizettis spätere Opern (vor allem Don Pasquale!) mag ich aber deutlich mehr als den Liebestrank.
Gruß Amonasro :hello
Rotkäppchen (08.11.2015, 19:23): Da ich auch ernste Opern bevorzuge :beer, war dieses Werk lange an mir vorbeigegangen. Allerdings kam vor kurzem genau diese Otto-Schenk-Produktion mit Netrebko/Villazón auf 3sat und ich dachte, aufnehmen kann ja nicht schaden. Inzwischen hab' ich das auch angesehen, muss aber sagen, dass ich in Zukunft, wenn ich überhaupt noch einen Versuch mache, mich aufs Hören beschränke, wie weiter vorn im Thread auch empfohlen wurde :D. Das Jonglieren mit den drei Äpfeln fand ich allerdings klasse – ich weiß nicht, wieviele der unzähligen Nemorinos, die in dieser Inszenierung schon aufgetreten sind, das gemacht haben? Das zweite interessante Highlight war der drollige Blickkontakt zwischen Villazón und dem Dirigent, bevor Una furtiva lagrima wiederholt wurde.
Grüße! -- Rotkäppchen :hello
Zefira (09.11.2015, 11:09): Und mir gefällt es immer wieder, wie Villazón bei der Entgegennahme des Beifalls seine über den Arm gelegte Jacke streichelt. Man merkt, wie sehr er Nemorino liebt. Ich verstehe es so :o)
Grüße von Zefira
Viola (10.11.2015, 13:27): Mir gefällt die Aufzeichnung dieser Oper auch ausgesprochen gut - ernst oder nicht ernst hin oder her. Solche Unterscheidungen treffe ich irgendwie nicht :wink
Finde besonders, dass eine Person - eine weibliche - eine Augenweide sondergleichen ist.
:)
Viola
Hosenrolle1 (10.11.2015, 17:24): Namen! :times10
LG, Hosenrolle1
Rotkäppchen (10.11.2015, 17:36): Es geht nach wie vor um die ein paar Postings weiter oben von Amonasro besprochene Elisir-DVD :D.
Was schändlicherweise noch nicht lobend erwähnt wurde, ist der brave, offenbar Donizetti-verständige Esel (der ist doch echt, oder?), der in dieser Produktion mitspielt :P.
:hello Rk
Hosenrolle1 (10.11.2015, 17:37): Mir ging´s um diesen Beitrag von Viola:
Finde besonders, dass eine Person - eine weibliche - eine Augenweide sondergleichen ist.
:D
LG, Hosenrolle1
Rotkäppchen (10.11.2015, 17:48): Jaja, das hab' ich schon verstanden ... Du musst doch nur mal auf das DVD-Cover gucken :wink, oder ist Dir das zu unscharf?
:beer Rk
Hosenrolle1 (10.11.2015, 18:06): Alles klar, klassischer Fall von Missverständnis :D
Ich dachte, dass du dachtest, dass ich die Besetzungsliste haben möchte.
Also geht es um Netrebko? Hmmm ...
Ich habe übrigens die Pritchard-Version auf Schallplatte, aus der CBS MASTERWORKS Reihe.
LG, Hosenrolle1
Amonasro (10.11.2015, 18:45): Original von Viola Mir gefällt die Aufzeichnung dieser Oper auch ausgesprochen gut - ernst oder nicht ernst hin oder her. Solche Unterscheidungen treffe ich irgendwie nicht icon_wink
Es stellt für mich auch kein prinzipielles Problem dar, wenn eine Oper komisch ist. Die meisten Opern, die mir sehr gefallen, sind allerdings ernst. Genau begründen kann ich das nicht. Speziell L'elisir finde ich abgesehen von ein paar Nummern musikalisch etwas fad. Don Pasquale beispielsweise gefällt mir musikalisch deutlich besser. Mit der Regimentstochter kann ich wieder weniger anfangen (abgesehen von ein paar Stellen).
Für die, die die DVD nicht haben, gibt es übrigens die gesamte Aufführung hier: https://www.youtube.com/watch?v=WVj768jyq_s
Gruß Amonasro :hello
Viola (11.11.2015, 10:09): Original von Amonasro Original von Viola Mir gefällt die Aufzeichnung dieser Oper auch ausgesprochen gut - ernst oder nicht ernst hin oder her. Solche Unterscheidungen treffe ich irgendwie nicht icon_wink
Es stellt für mich auch kein prinzipielles Problem dar, wenn eine Oper komisch ist. Die meisten Opern, die mir sehr gefallen, sind allerdings ernst. Genau begründen kann ich das nicht.
Verstehe ich gut, muss man auch nicht weiter begründen ... Was dem einen (stellenweise) fad, mundet dem anderen halt ganz gut :wink
Und ich bin, was Opernstoffe betrifft, ein Ketzer, auch wenn ich zunehmend mitlese - und das den Musikgenuss doch beeinflusst, wie mir scheint. Mehr als ich dachte jedenfalls.
Viele Grüße Viola
Falstaff (04.09.2018, 01:12): Ich muss gestehen, dass Donizetti nicht unbedingt zu meinen liebsten Komponisten gehört. Ich mag die 'Favorita', auch den 'Pasquale' und 'Lucia' natürlich auch. Ok, aber den 'Liebestrank' finde ich wirklich toll. Der hat solch eine charmante Naivität, solch eine Liebenswürdigkeit. Für mich ein wirklich großer Wurf.
Aber vielleicht bin ich auch ganz besonders durch die wirklich zauberhafte Inszenierung Ponelles in Hamburg geprägt. Premiere war damals mit Pavarotti, Freni, Taddei und Weikl, von denen ich leider nur noch Taddei gesehen habe. Aber das ist eine mit unglaublicher Liebenswürdigkeit und auch Witz inszenierte Bauernromanze, ganz klassisch, dass ich sie eigentlich gar nicht anders sehen möchte.
Gut, das ist das Live-Erlebnis (und ich habe tolle Sänger und Sängerinnen darin erlebt), aber auf Schallplatte fehlt mir immer noch die Aufnahme. Eigentlich habe ich nur folgende:
An sich wäre di Stefano ein idealer Nemorino, aber leider kam die Aufnahme für ihn um Jahre, gefühlte Jahrzehnte zu spät. Pavarotti war da sicherlich idealer, aber die Sutherland ist so gar nicht mein Fall. Schon gar nicht als Adina. Cotrubas und Domingo. Aber treffen sie den Tonfall und sind sie nicht, v.a. er, zu schwer für die Partien?
Gibt es eine ideale Aufnahme, die auch Belcore und Dulcamara hervorragend besetzt, berücksichtigt?
:hello Falstaff
Waldi (29.08.2019, 16:50): Leider nicht auf DVD vzw. Blue ray erhältlich (wenigstens nicht bei uns) ist die im TV manchmal gezeigte Inszenierung der MET von 2012 von Bartlett Sher mit Matthew Polenzani als Nemorino und Anna Netrebko als Adina - zwei Idealbesetzungen. Eine reizvolle Alternative zur Schenkschen Wiener Fassung (Villazón/Netrebko/Nucci).
Nemorino ist hier kein Hampelmann, sondern ein recht stattlicher Mann mit Rückgrat, nur eben durch seine Verliebtheit etwas durcheinandergebracht. Was er nicht merkt: Adina ist von Anfang an in ihn verliebt (sie nimmt heimlich seine Aufzeichnungen (Tagebuch? Liebesgedicht?) an sich), läßt das aber nicht merken. Als Frau muß sie sich ja in einer Männerwelt behaupten und ist die längste Zeit im Zweifel, ob Nemorino echte Gefühle für sie hegt odernur so tut. Sehr schön ist die Symbolik mit dem Zylinderhut, den sie immer aufsetzt, wenn sie die Gutsherrin herauskehren will. Den zur Aggressivität neigenden Belcore (sehr gut: Mariusz Kwiecien) benützt sie nur, solange sie ihn zu ihrem - etwas aus dem Ruder geratenden - Heuchelspiel braucht. Aus der Komödie wird aber eigentlich sehr rasch Ernst. Herkömmliche Buffokomik verströmt nur Ambrogio Maestri als Dulcamara (rein stimmlich-musikalisch kommt er aber an die anderen Hauptdarsteller nicht ganz heran). Interessant, welche Rolle Sher der Gianetta zuordnet: sie entpuppt sich letztlich als kleines Luder, das sich am Ende Belcore an den Hals wirft (ob ihr das gut bekommen wird, darf man bezweifeln). Auch optisch-farblich ist die Inszenierung anspruchsvoll-hochwertig gestaltet. Sie setzt kräftige Buntakzente und vereint historistische Reminiszenzen bruchlos mit modernen Ansprüchen.