Rideamus (23.04.2011, 13:41): Da es heuer von mir keine Ostereiersuche geben wird, weil ich mein letztes Rätsel gerade beendet habe und jemand anders eines schon für Mai versprochen hat, möchte ich für die über die Feiertage Daheimgebliebenen eine andere Tradition des Zeitvertreibs weiter führen, nämlich das Dreierrätsel.
Für alle, die sich nicht erinnern können: dahinter verbirgt sich ein einfaches Prinzip. Zu raten sind dreimal drei Werke, Komponisten oder was auch immer, die jeweils drei verschiedene Voraussetzungen erfüllen, aber auch eine wichtige Gemeinsamkeit haben. Ein nahe liegendes Beispiel, das deswegen nicht gefragt ist, wäre der Mythos von Orpheus, der u.a. von Ovid, Calderón und Cocteau bedichtet und von Monteverdi (Oper), Liszt (Symphonische Dichtung) und Strawinsky (Ballett) vertont wurde. So einfach wird es diesmal aber nicht sein, und einmal sind es auch nur zwei sehr verschiedene Musikgattungen, weil es sonst zu schwer würde.
Statt abstrakt zu definieren, stelle ich einfach die Rätsel. Rückfragen und Antworten dazu können und sollen öffentlich gestellt, diskutiert und gemeinsam gelöst werden, also nicht per PN.
Die Prämisse: drei Werke der Weltliteratur, in denen Himmel und/oder Hölle in Bewegung gesetzt werden, wurden wiederholt und von mindestens je drei Komponisten unterschiedlicher Nationalität in verschiedenen Musikgattungen vertont. Die Stoffe behandeln (u. a. )
a) eine erschlichene Zwangsheirat b) die vergebliche Jagd nach dem Glück durch eine zweite Jugend c) zwei Doppelgänger
Die Fragen: 1) welches sind die drei erfragten Stoffe? a)
b)
c)
2) Welche großen Dichter (mindestens) haben jeweils Weltliteratur um je einen diese Stoffe geschrieben? a) drei aus einem Land b) drei aus drei Ländern c) drei aus drei Ländern
3) wer sind die (mindestens) drei Komponisten zu jeder Frage und welches sind ihre hier gefragten Werke aus a) 2 verschiedenen Musikgattungen b) 3 verschiedenen Musikgattungen c) 3 verschiedenen Musikgattungen
Ich habe vor, mich vorerst mit Kommentaren zurück zu halten, damit Ihr Euch unbeeinflusst austauschen könnt, bestätige aber gerne richtige Lösungen.
Und nun wünsche ich viel Spaß und frohe Ostern
:hello Riddleamus
Heike (23.04.2011, 17:58): Ich fange mal an und schlage vor:
1 b) Fauststoff
2 b) Goethes Faust (D) Christopher Marlowe: Tragicall History of Doctor Faustus (England) Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita (Russland)
3 b) Faust _ Charles Gounod (Oper) Schumann - Faustszenen (Oratorium) Franz Liszt - Faust Sinfonie (Sinfonie)
Rideamus (23.04.2011, 20:02): Liebe Heike,
damit lioegst Du schon mal völlig richtig. Ich hatte statt des Bulgakov Puschkin auf dem Papier, aber sonst dieselbe Lösung.
Bleiben noch A und C
Rideamus
Emotione (23.04.2011, 20:11): Ich beginne mit
1a) Francesca di Rimini
2a) Dante, Divina Commedia (Inferno, Francesca und Paolo di Rimini) Luigi Bellacchi, Francesca di Rimini Gabriele D'Annunzio, Francesca di Rimini jeweils Italien
3a) Riccardo Zandonai, Francesca di Rimini, Oper, Peter Tschaikowski, Francesca di Rimini, symph. Dichtung,
und ergänze
1c) Amphitryon
2c) John Dryden, Amphitryon, England Jean Baptiste Molière, Amphitryon, Frankreich Heinrich von Kleist, Amphitryon, Deutschland
3c) Giselher Klebe, Alkmene, Oper, Cole Porter, Out of this World, Musical, Joseph Martin Kraus, Amphitryon, Schauspielmusik
:hello
Emotione
Heike (23.04.2011, 20:46): der dritte Komponist zu 3a) könnte sein:
Francesca da Rimini, op. 25 von Rachmaninov (auch eine Oper)
Ich gratuliere Euch als gemeinsame Champions des diesjährigen österlichen Dreierrätsel und freue mich besonders, dass auch Emotione wieder dabei ist. Ihr habt Ihr es tatsächlich geschafft, das Rätsel noch vor Ostern zu lösen.
a) ist Francesca da Rimini
Vor Dante wurde diese Geschichte schon von Boccaccio erzählt, und Gabriele d'Annunzio wäre der dritte Italiener, der ihr ein literarisch hochrangiges Werk gewidmet hat (naja, bei D'Annunzio bin ich nicht ganz sicher, was den Rang betrifft). Wie ich aus einer Rätsellösung erfahren habe, hat außerdem auch ein gewisser Luigi Bellacchi 1824 eine Tragödie mit dem Titel FRANCESCA DA RIMINI verfasst, die mindestens in Italien noch heute verlegt wird. Da waren es schon vier Italiener plus Paul Heyse und womöglich noch mehr Ausländer.
Neben Tschaikowskys Tondichtung und den Opern Rachmaninoffs und Zandonais hat auch Herrmann Goetz eine Oper nach diesem Stoff geschrieben. Es haben sich also wirklich mindestens drei Komponisten aus drei Ländern damit auseinander gesetzt.
Die restlichen und umfangreicheren Lösungen folgen morgen, aber Ihr habt sie ja größtenteils schon selbst veröffentlicht.
Seid stolz auf Euch und genießt eine gute Nacht, bevor es endgültig heißt:
:hello Riddleamus
Rideamus (24.04.2011, 11:14): Die Antwort auf die Frage b) ist FAUST
Der Legende vom sagenhaften Gelehrten Dokotor Faustus haben sich unter anderem schon 1589 Christopher Marlowe (Doktor Faustus a ballad of the life and deathe of Doctor Faustus, the great Cungerer), natürlich Johann Wolfgang von Goethe mit seinen beiden FAUST - Dramen und viele andere bis hin zu Thomas Mann und auch Alexander Puschkin angenommen, der sich mit einem eigenen Drama nach Goethes Stoff versuchte, letztlich aber nur seine in Versen gefasste "Szene aus Faust" vollendete, die 1936 von Boris Assafjew vertont wurde. Auch Bulgakows großer zeitkritischer Roman "Der Meister und Margarita" bezieht sich explizit auf den FAUST, ohne allerdings den Stoff selbst aufzugreifen.
Vertonungen stammen seit Fürst Anton Radziwill, der sich 1808 als erster an "Compositionen zu Göthe's Faust" versuchte, von zahlreichen Komponisten wie Charles Gounod mit seiner Oper FAUST bzw. MARGARETHE wie man das "Sakrileg" in Deutschland nannte, Robert Schumann mit seinen "Szenen aus Goethes Faust", Richard Wagner mit seiner "Faust-Ouvertüre (er schrieb auch noch sieben Kompositionen zu Goethes Faust" als sein op. 5) und natürlich Hector Berlioz mit seinen "Huit scenes des Faust", aus denen später die szenische Kantate LA DAMNATION DE FAUST wurde, Arrigo Boito mit seinem MEFISTOFELE oder Ferruccio Busoni.
Darin noch gar nicht berücksichtigt sind die vielen Vertonungen des Liedes vom "König von Thule", das u. a. Beethoven, Schubert, Berlioz und Paul Dessau inspirierte.
Die Lösung zur Frage c) erläutere ich in Kürze.
Fröhliche Ostereier wünscht Riddleamus
Rideamus (24.04.2011, 12:09): Bei dem dritten Osterei handelte es sich in der Tat um den klassischen Stoff um Amphitryon, den angeblichen Vater des Helden Herakles, der eigentlich ein Sohn des Zeus aus dessen incognito abgestatteten Bettgeschichte mit Amphitryons Ehefrau Alkmene war.
Es gab wohl eine frühe Dramatisierung von Sophokles, womöglich die einzige Bühnenbearbeitung des Stoffes, die keine Komödie war. Die aber ist bis auf wenige Bruchstücke verschollen, so dass ungeachtet des zu seiner Zeit schon betagten, griechischen Mythos eigentlich der Römer Plautus die Grundlagen für die zahlreichen späteren Variationen über das Thema vom doppelten Feldherrn Amphitryon und seinem Diener Sosias legte. Offensichtlich fiel es schon den alten Römern schwer, in der Geschichte von der Zeugung des Herakles durch den Schürzenjäger Zeus nicht die Verwechslungskomödie zu sehen, die so offensichtlich darin steckt. So hatten auch Plautus' Nachfolger, zu denen immerhin so renommierte Autoren wie John Dryden, Molière, Kleist, Giraudoux und andere gehörten.
Trotz solch erhabener Vorgänger finde ich jedoch, dass erst die Musikbearbeitungen das richtige Sahnehäubchen zu diesem köstlichen Verwirrspiel lieferten. Die Schauspielmusiken von Purcell und Kraus sowie Grétrys frühe Oper AMPHITRION kenne ich leider nicht, und auch Léhars GÖTTERGATTE war mir neu, bis Peter mich darauf stieß. Um so lieber aber denke ich, trotz Cole Porters hübschem Musical OUT OF THIS WORLD, an die beiden deutschen Bearbeitungen. Viele kennen wohl noch Reinhold Schünzels köstlichen Film AMPHITRYON - AUS DEN WOLKEN KOMMT DAS GLÜCK mit Willy Fritsch, Käthe Gold und Paul Kemp sowie Adele Sandrock als furiose Juno. Wenn nicht, sollte man ihn haben:
Nicht nur der Film selbst, auch die Musik von Franz Doelle mit ihrem Lied "Tausend mal hab ich an dich gedacht" hat die Zeiten gut überlebt.
Noch köstlicher, nur leider kaum zu bekommen, ist aber die Operette EHE IM KREIS (nicht zu verwechseln mit Ernst Lubitschs Stummfilmkomödie DIE EHE IM KREISE) von Eduard Künneke, Herrmann Haller und Rideamus. Mit seinen köstlichen Knittelversen wie "Ich weiß soeben, ich muss nach Theben" ist das Stück von einer ansteckenden Ausgelassenheit, wie man sie in einem Stück unserer Zunge leider nur all zu selten findet. Zum Glück sind noch einige Nummern mit der Originalbesetzung der Europa, der unvergesslichen Claire Waldoff erhalten, etwa "Hei Shimmy, so klingt es" oder "Wir woll'n den Gram in Sekt ertränken", das sie als Europa gemeinsam mit den anderen Ex-Geliebten Jupiters Leda und Io sang, bevor sie sich in Alkmenes Bett schleicht um statt ihrer den Helden Herakles zu empfangen. Wie das geht? "Ja, des nachts sind alle Katzen grau".