Cosima (26.03.2006, 17:12): Hier ein Thread über Kammermusik, die ich besonders mag: Dvoráks Klaviertrios.
Dvorák schrieb insgesamt sechs Klaviertrios, die beiden ersten wurden von ihm vernichtet – somit verblieben noch vier, nämlich op. 21, 26, 65 und 90 („Dumky“). Besonders schön der 3. Satz des op. 21: Mir gefällt, wie hier der typisch slawische Folklore-Stil anklingt; wie Dvorák die wehmütige Stimmung immer mehr steigert; wie viel Spannungsreichtum und Lebhaftigkeit seiner Komposition innewohnt. All seine Klaviertrios vermitteln IMO intensive emotionale Eindrücke, für mich sind sie richtige Perlen der Kammermusik.
Es existieren diverse Einspielungen bekannter Klaviertrio-Ensembles. Eine tolle, expressive Einspielung aller 4 Trios ist diese mit dem Suk-Trio (Josef Suk, Violine): :down
http://www.wom.de/image/cover/front/0/3658613.jpg
Gruß, Cosima
AcomA (26.03.2006, 19:06): hallo Cosima,
ein schönes thema. dvoraks kammermusik sind 'perlen' der kunstmusik. wie du schon sagtest, die folkloristisch gefärbten themen, dann reichlichen zwischentöne und dichte satzstruktur, nicht ungleich eines brahms. mein lieblingstrio ist das nr.3 f-moll op. 65 ! das lernte ich schon als schüler kennen mit der aufnahme heifetz/piatigorsky/pennario. meine referenz ist jedoch die neue einspielung mit isabelle faust, violine, jean guihen queyras, v'cello und alexander melnikov, piano (HMF). drei solisten finden hier zum blinden verständnis. exzellente klangqualität zudem.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3927249.jpg
das dumky gibt es in der selben besetzung jetzt auch gekoppelt mit cellokonzert von dvorak. ich habe die cd auf meinem wunschzettel. ich werde sie mir 'blind' besorgen ! http://www.jpc.de/image/middle/front/0/9911949.jpg
in jedem falle kann ich mir gut vorstellen, dass das suk-trio seine sache ebenfalls famos macht, da die erfahrung zeigt: musik mit folkloristischem bezug wird vom groove und feeling am schönsten von 'einheimischen' musiziert, da sie es zum persönlichen anliegen machen ! so ist es z.b. auch mit persischer oder aserbeidjanischer musik ! :leb
gruß, siamak :)
Jeremias (26.03.2006, 21:52): @ Siamak: Hast Du die CD immer noch nicht? Aber Du kannst sie Dir blind besorgen, vertrau' mir :haha
AcomA (26.03.2006, 22:00): lieber Jeremias,
wird gemacht !
gruß, siamak :)
Anton (27.03.2006, 18:28): Hallo Cosima,
bisher ist mir nur das Dumky Trio von Dvorák geläufig. Auch wenn mich die CD des Suk Trios schon öfters anlächelte, besitze ich die CD mit dem Beaux Arts Trio - wo man zudem ein glänzendes Mendelssohn Werk geboten bekommt!!!
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2987916.jpg
Klang und Interpretation auf (sehr) hohem Niveau. Nur empfehlenswert.
Die ersten drei sind ja eher unbekannt - interessant, dass du deine Vorliebe im 1. (?) gefunden hast. Kannst du einen Vergleich zum Dumky Trio ziehen? Würde mich sehr interessieren!
Es grüßt Anton.
Cosima (28.03.2006, 16:35): Original von Anton Die ersten drei sind ja eher unbekannt - interessant, dass du deine Vorliebe im 1. (?) gefunden hast. Kannst du einen Vergleich zum Dumky Trio ziehen? Würde mich sehr interessieren!
Hallo Anton,
die Beaux Arts-Aufnahme habe ich auch, müsste aber noch einmal direkt mit dem Suk-Trio vergleichen. Dabei kann ich auch gleich noch das Dumky mit dem ersten Trio vergleichen. Ich melde mich dazu.
Gruß, Cosima :)
Cosima (28.03.2006, 21:27): Hallo Anton,
so, jetzt etwas konkreter. Ja, warum habe ich eigentlich den 3. Satz so hervorgehoben? Ich liebe halt dieses umwerfende Scherzo mit dem reizenden Motiv, ganz leicht und heiter! Und dann ist da noch das herrliche Finale, so wunderbar heroisch-auftrumpfend! Und der 1. Satz ist auch nicht zu verachten. Das ist ganz Dvorák, voller Entschlossenheit und Begeisterung. Und der melancholische 2. Satz – man möchte heulen. :down
Das Trio op. 21 liebe ich sehr! Mindestens genauso sehr wie das „Dumky“, aber wozu immer diese Rangfolgen erstellen? Dvorák hat einfach tolle Kammermusik geschrieben. (Und nicht nur das… .)
Das Beaux Arts-Trio spielt gut, gefällig und schön eben. Aber ich möchte Dvorák nicht gefällig und glatt. Wenn ich an diesen Komponisten denke, dann denke ich an: Gesundheit, Robustheit, Bodenständigkeit, Zufriedenheit, Freude, Harmonie. Das Suk Trio spielt mit großer Leidenschaft, etwas spröde und schroff, mit wunderschönem slawischem Klang. Da geht richtig die Post ab! Sie harmonieren wunderbar miteinander, da tanzt keiner aus der Reihe. Dem Geiger Josef Suk liegt der Dvorák in den wehmütigen Momenten genauso wie in den glutvollen, er liegt ihm quasi im Blut – genau so möchte ich das hören.
Ich sehe gerade, dass beim Beaux Arts Trio Daniel Hope die Violine spielt. Der ist doch ansonsten Solist? Oder verwechsele ich da etwas? Irgendwo sprachen wir doch auch neulich über Hope und seine neue CD, oder? Ich schrieb da noch, dass ich Hope noch nie gehört habe. Stimmt ja gar nicht.
Wie dem auch sei, das Suk Trio ziehe ich hier vor. Siamak sprach ja bereits den engeren Bezug zur Musiktradition an. Die Aufnahmen sind übrigens von 1955.
Gruß, Cosima
P.S.: Die von Siamak genannte CD mit Isabelle Faust habe ich auch. Obwohl sie wirklich ausgezeichnet ist, bin ich bislang noch nicht recht warm geworden damit. Habe sie aber auch noch nicht so oft gehört.
Cosima (28.03.2006, 22:28): Original von Cosima Gesundheit, Robustheit, Bodenständigkeit, Zufriedenheit, Freude, Harmonie.
Gerade fiel mir noch etwas Wichtiges ein, das ich in meiner Aufzählung vergessen habe: Traditionsbewusstsein. Vaclav Talich sagte über Dvoràk, dass er seine große handwerkliche Kunst durch den „Geist seines Vaterlandes“ ergänzte. So meine ich das auch. Und das macht Dvorák so sympathisch.
Gruß, Cosima
Rachmaninov (22.04.2006, 20:25): Original von Cosima
Dvorák schrieb insgesamt sechs Klaviertrios, die beiden ersten wurden von ihm vernichtet – somit verblieben noch vier, nämlich op. 21, 26, 65 und 90 („Dumky“). Besonders schön der 3. Satz des op. 21: Mir gefällt, wie hier der typisch slawische Folklore-Stil anklingt; wie Dvorák die wehmütige Stimmung immer mehr steigert; wie viel Spannungsreichtum und Lebhaftigkeit seiner Komposition innewohnt. All seine Klaviertrios vermitteln IMO intensive emotionale Eindrücke, für mich sind sie richtige Perlen der Kammermusik.
Cosima,
eben habe ich mir in der besagten Aufnahme der Suk Trios op.21 angehört.
Ein wunderschönes Werk der Kammermusik. Dvorak war ein großartiger Komponist und ich liebe seine Anlehnung an den Stil der Volksmusik seiner Heimat. In diesen Trio's verdichten sich die thematischen Einfälle.
Sehr schöne Werke der Kammermusik!
Gruß
ab (31.05.2006, 11:46): Original von AcomA mein lieblingstrio ist das nr.3 f-moll op. 65 ! meine referenz ist jedoch die neue einspielung mit isabelle faust, violine, jean guihen queyras, v'cello und alexander melnikov, piano (HMF).
Wie findest denn Du das Violinkonzert? Selten, dass mich etwas so derart kalt gelassen hat...
Cosima (26.03.2006, 17:12): Hier ein Thread über Kammermusik, die ich besonders mag: Dvoráks Klaviertrios.
Dvorák schrieb insgesamt sechs Klaviertrios, die beiden ersten wurden von ihm vernichtet – somit verblieben noch vier, nämlich op. 21, 26, 65 und 90 („Dumky“). Besonders schön der 3. Satz des op. 21: Mir gefällt, wie hier der typisch slawische Folklore-Stil anklingt; wie Dvorák die wehmütige Stimmung immer mehr steigert; wie viel Spannungsreichtum und Lebhaftigkeit seiner Komposition innewohnt. All seine Klaviertrios vermitteln IMO intensive emotionale Eindrücke, für mich sind sie richtige Perlen der Kammermusik.
Es existieren diverse Einspielungen bekannter Klaviertrio-Ensembles. Eine tolle, expressive Einspielung aller 4 Trios ist diese mit dem Suk-Trio (Josef Suk, Violine): :down
http://www.wom.de/image/cover/front/0/3658613.jpg
Gruß, Cosima
AcomA (26.03.2006, 19:06): hallo Cosima,
ein schönes thema. dvoraks kammermusik sind 'perlen' der kunstmusik. wie du schon sagtest, die folkloristisch gefärbten themen, dann reichlichen zwischentöne und dichte satzstruktur, nicht ungleich eines brahms. mein lieblingstrio ist das nr.3 f-moll op. 65 ! das lernte ich schon als schüler kennen mit der aufnahme heifetz/piatigorsky/pennario. meine referenz ist jedoch die neue einspielung mit isabelle faust, violine, jean guihen queyras, v'cello und alexander melnikov, piano (HMF). drei solisten finden hier zum blinden verständnis. exzellente klangqualität zudem.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3927249.jpg
das dumky gibt es in der selben besetzung jetzt auch gekoppelt mit cellokonzert von dvorak. ich habe die cd auf meinem wunschzettel. ich werde sie mir 'blind' besorgen ! http://www.jpc.de/image/middle/front/0/9911949.jpg
in jedem falle kann ich mir gut vorstellen, dass das suk-trio seine sache ebenfalls famos macht, da die erfahrung zeigt: musik mit folkloristischem bezug wird vom groove und feeling am schönsten von 'einheimischen' musiziert, da sie es zum persönlichen anliegen machen ! so ist es z.b. auch mit persischer oder aserbeidjanischer musik ! :leb
gruß, siamak :)
Jeremias (26.03.2006, 21:52): @ Siamak: Hast Du die CD immer noch nicht? Aber Du kannst sie Dir blind besorgen, vertrau' mir :haha
AcomA (26.03.2006, 22:00): lieber Jeremias,
wird gemacht !
gruß, siamak :)
Anton (27.03.2006, 18:28): Hallo Cosima,
bisher ist mir nur das Dumky Trio von Dvorák geläufig. Auch wenn mich die CD des Suk Trios schon öfters anlächelte, besitze ich die CD mit dem Beaux Arts Trio - wo man zudem ein glänzendes Mendelssohn Werk geboten bekommt!!!
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2987916.jpg
Klang und Interpretation auf (sehr) hohem Niveau. Nur empfehlenswert.
Die ersten drei sind ja eher unbekannt - interessant, dass du deine Vorliebe im 1. (?) gefunden hast. Kannst du einen Vergleich zum Dumky Trio ziehen? Würde mich sehr interessieren!
Es grüßt Anton.
Cosima (28.03.2006, 16:35): Original von Anton Die ersten drei sind ja eher unbekannt - interessant, dass du deine Vorliebe im 1. (?) gefunden hast. Kannst du einen Vergleich zum Dumky Trio ziehen? Würde mich sehr interessieren!
Hallo Anton,
die Beaux Arts-Aufnahme habe ich auch, müsste aber noch einmal direkt mit dem Suk-Trio vergleichen. Dabei kann ich auch gleich noch das Dumky mit dem ersten Trio vergleichen. Ich melde mich dazu.
Gruß, Cosima :)
Cosima (28.03.2006, 21:27): Hallo Anton,
so, jetzt etwas konkreter. Ja, warum habe ich eigentlich den 3. Satz so hervorgehoben? Ich liebe halt dieses umwerfende Scherzo mit dem reizenden Motiv, ganz leicht und heiter! Und dann ist da noch das herrliche Finale, so wunderbar heroisch-auftrumpfend! Und der 1. Satz ist auch nicht zu verachten. Das ist ganz Dvorák, voller Entschlossenheit und Begeisterung. Und der melancholische 2. Satz – man möchte heulen. :down
Das Trio op. 21 liebe ich sehr! Mindestens genauso sehr wie das „Dumky“, aber wozu immer diese Rangfolgen erstellen? Dvorák hat einfach tolle Kammermusik geschrieben. (Und nicht nur das… .)
Das Beaux Arts-Trio spielt gut, gefällig und schön eben. Aber ich möchte Dvorák nicht gefällig und glatt. Wenn ich an diesen Komponisten denke, dann denke ich an: Gesundheit, Robustheit, Bodenständigkeit, Zufriedenheit, Freude, Harmonie. Das Suk Trio spielt mit großer Leidenschaft, etwas spröde und schroff, mit wunderschönem slawischem Klang. Da geht richtig die Post ab! Sie harmonieren wunderbar miteinander, da tanzt keiner aus der Reihe. Dem Geiger Josef Suk liegt der Dvorák in den wehmütigen Momenten genauso wie in den glutvollen, er liegt ihm quasi im Blut – genau so möchte ich das hören.
Ich sehe gerade, dass beim Beaux Arts Trio Daniel Hope die Violine spielt. Der ist doch ansonsten Solist? Oder verwechsele ich da etwas? Irgendwo sprachen wir doch auch neulich über Hope und seine neue CD, oder? Ich schrieb da noch, dass ich Hope noch nie gehört habe. Stimmt ja gar nicht.
Wie dem auch sei, das Suk Trio ziehe ich hier vor. Siamak sprach ja bereits den engeren Bezug zur Musiktradition an. Die Aufnahmen sind übrigens von 1955.
Gruß, Cosima
P.S.: Die von Siamak genannte CD mit Isabelle Faust habe ich auch. Obwohl sie wirklich ausgezeichnet ist, bin ich bislang noch nicht recht warm geworden damit. Habe sie aber auch noch nicht so oft gehört.
Cosima (28.03.2006, 22:28): Original von Cosima Gesundheit, Robustheit, Bodenständigkeit, Zufriedenheit, Freude, Harmonie.
Gerade fiel mir noch etwas Wichtiges ein, das ich in meiner Aufzählung vergessen habe: Traditionsbewusstsein. Vaclav Talich sagte über Dvoràk, dass er seine große handwerkliche Kunst durch den „Geist seines Vaterlandes“ ergänzte. So meine ich das auch. Und das macht Dvorák so sympathisch.
Gruß, Cosima
ab (31.05.2006, 11:46): Original von AcomA mein lieblingstrio ist das nr.3 f-moll op. 65 ! meine referenz ist jedoch die neue einspielung mit isabelle faust, violine, jean guihen queyras, v'cello und alexander melnikov, piano (HMF).
Wie findest denn Du das Violinkonzert? Selten, dass mich etwas so derart kalt gelassen hat...