Edward Grieg - Die Streichquartette

ab (23.06.2010, 21:51):
Zwei Streichquartette, eines davon als zweisätziges Fragment, hat Grieg uns hinterlassen, die ich zu den vergnüglichsten der romantischen Literatur zähle: dankbare volkstümliche Melodien, sprühender Elan, große Klangfülle zwischen Dramatik und melancholischer Introvertiertheit. Ein Jugendwerk in d-moll (1861) aus der Leipziger Studienzeit (1858-62) wurde zwar aufgeführt, dann zog Grieg aber die Komposition zurück und sie gilt heute leider als verschollen.

Streichquartett g-Moll op. 27 (1877–1878)
Streichquartett F-Dur, unvollendet (1891)

"Es ist mir lange kein neueres Streichquartett begegnet, das mich so sehr interessiert hätte wie dieses." urteilte Franz Liszt zum op. 27, Debussy scheint bei seinem eigenen Streichquartett davon beeinflusst worden zu sein. Die Uraufführung durch das Heckmann-Quartett in Köln unter Beiwohnen von Grieg und auch eine Aufführung im Leiziger Gewandhaus hatten einen großen Erfolg, auch wenn ihm "unter dem Deckmantel des Skandinavisch-Nationalen begangene Geschmacklosigkeiten" vorgeworfen wurden.

Auch das fragmentarische Spätwerk klingt erfreulich nicht nur durch den volkstümlichen Rhythmus des Springtanzes im Dreivierteltakt. Es wirkt allerdings nicht so wie aus einem Guss heraus, sondern etwas spröder.


Die Streichquartette sind mir die liebste Komposition Griegs neben seinen drei Violinsonaten (die ich ganz besonders in der Einspielung von Dmitry Sitkovetsky & Bella Davidovich bei Orfeo schätze).

Ich empfehle (in dieser Reihenfolge):

Außer Konkurrenz läuft leider die Einspielung von Alexander Chernov / Irina Popova / Igor Boguslavsky / Alexander Rudin (Russian Season, 1994), weil sie nur als mp3 Download, nicht aber lossless oder auf CD greifbar ist. Dazu habe ich mich hier geäußert.
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Oslo String Quartett (Naxos)
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Truls Mörk & Friends (Virgin)
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Emerson String Quartet (DGG)
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Am ehesten noch Auryn Quartett (cpo) oder Guaneri String Quartett (Philips) sonst aber weder New Helsinki Quartet (Finlandia) oder gar Petersen Quartett (Capriccio ), Raphael Quartet (Regis & Brilliant) und Chilingirian Quartet (Hyperion) konnten mich recht überzeugen (auch hier mein Eindruck gereiht).

Leider kenne ich folgende gar nicht:
Kontra Quartett (BIS)
Vertavo String Quartet (Simax)
Engegardkvartetten (2L)
Shanghai Quartet (Delos)
Budapest String Quartet (Biddulph)
Matangi Quartet (Challenge)
Bridge String Quartet (Meridian)
Heike (24.06.2010, 12:20):
Lieber ab,
danke für diesen Thread, auch wenn ich mangels Kenntnis dieser Werke leider gar nichts dazu beitragen kann. Aber ich liebe Streichquartette und die kommen auf meinen Probehören-Zettel für den nächsten Dussmann-Besuch
Heike
Cetay (13.01.2022, 01:58):
Zwei Streichquartette, eines davon als zweisätziges Fragment, hat Grieg uns hinterlassen, die ich zu den vergnüglichsten der romantischen Literatur zähle: dankbare volkstümliche Melodien, sprühender Elan, große Klangfülle zwischen Dramatik und melancholischer Introvertiertheit. Ein Jugendwerk in d-moll (1861) aus der Leipziger Studienzeit (1858-62) wurde zwar aufgeführt, dann zog Grieg aber die Komposition zurück und sie gilt heute leider als verschollen.

Streichquartett g-Moll op. 27 (1877–1878)
Streichquartett F-Dur, unvollendet (1891)

(...)

Leider kenne ich folgende gar nicht:

(...)

Engegardkvartetten (2L)
Aber ich! :thumbsup:

Der Beschreibung kann ich nicht viel hinzufuegen. Vielleicht ist noch zu erwaehnen, dass die volkstümlichen Melodien im g-Moll Quartett mal kunstvoll in die Struktur eingebunden sind, mal durch scharfe Kontraste regelrecht isoliert werden und nie die Gewichtigkeit des Werks untergraben. Truegschluesse, schroffe Brueche, klangliche Raffinesse, zyklische Anlage - in diesem Quartett steckt walles drin und das Engegardkvartetten bietet Elan, Dramatik und Introvertiertheit in perfekter Ausgewogenheit und spannt die Boegen im Kleinen und ueber alle vier Saetze hinweg lueckenlos.