Toni Bernet (08.11.2021, 23:55):
Ein Konzert, zu schön als einfach vergessen zu werden, oder in einem Gesamtwerk unterzugehen, dieses fünfte Violinkonzert F-Dur aus der Sammlung Concerti a quattro, due Violini, alto Viola, e Basso, con Violino di Rinforzo (Trient, um 1715). Es ist ein genial schönes Stück Musik aus einer Sammlung von zehn Konzerten. Das Konzert stammt, so steht es auf der Originalausgabe, “del SIG.D.Francesco Antonio Bonporti, Dilettante di Musica, e familiare aulico di sua maestà caesarea, regia, e cattolica”. Diesen Titel erhielt Signor Bonporti von Kaiser Karl VI, denn Bonporti war ein gut ausgebildeter und weitherum anerkannter Komponist. Dazu trug bei, dass Bonporti seine Kompositionen auf eigene Kosten drucken liess und weitherum verschickte.
Geboren in Trient, wurde er 1691 in das Collegium Germanicum in Rom aufgenommen, wo er Theologie studierte. Während seines Aufenthalts in Rom bildete er sich zudem in Komposition bei Giuseppe Ottavio Pitoni aus, und möglicherweise auch in Violine bei Arcangelo Corelli, was aber historisch nicht bestätigt ist.
Er wurde 1695 zum Priester geweiht und kehrte nach Trient zurück und wirkte fast sein ganzes Leben am Dom von Trient, ohne allerdings eine bedeutende berufliche und kirchliche Stellung eingenommen zu haben. Weil er zu seiner Enttäuschung nicht zum Kanonikus des Trienter Doms ernannt wurde, verliess er Trient und verbrachte die letzten 8 Jahre in Padua, wo er 1749 begraben wurde, ein Jahr vor Bachs Tod. Bach war von seinen 10 Invenzioni a Violino solo (1712 und folgende) beeindruckt und schrieb sie ab, sodass es zu einer Verwechslung kam und Invenzioni von Bonporti ins Bach-Werk-Verzeichnis mit aufgenommen wurden.
Wie Vivaldi war er Priester, der aber keine Reisen unternahm und keine Opern dirigierte. Seine erhaltenen Kompositionen sind denn auch zu einem grossen Teil Werke für Violine oder geistliche Motetten.
Zu schön, um vergessen zu sein. Unterdessen gibt es eine Bonporti-Edition auf CDs, und ab und zu ist auch eines seiner Concerti zu hören, denn im Grunde sind diese Concerti a quattro mit einer verstärkenden Violine Geigenkonzerte im italienischen Stil. Weniger die Virtuosität steht aber im Vordergrund, sondern die Vielfalt der Klänge und Bewegungen, die Musik hervorbringen kann. Gerade das hier vorzustellende Konzert zeugt von Bonbortis ganz eigner verinnerlichter Liebe zur Musik. Bonporti, ein Dilettante di Musica eben.
Einen Hörbegleiter zum Concerto a quattro op 11 No 5 findet sich hier auf meiner Homepage: Francesco Antonio Bonporti: Concerto a quattro, due Violini, alto Viola, e Basso, con Violino di Rinforzo op 11 No 5 (um 1715) - unbekannte-violinkonzerte Webseite! (jimdofree.com)
Mit liebem Gruss an alle, deren Interesse ich geweckt habe.
Toni