andreas (03.08.2006, 20:43): Liebe Freunde und Freundinnen, Ich habe heute erfahren, dass Elisabeth Schwarzkopf in der vergangenen Nacht im Alter von 91 Jahren gestorben. Die Nachricht wird viele Freunde der klassischen Musik erschüttern, da sie eine der größten Sängerinnen des 20. jahrhunderts war.
Die 1915 in Jarotschin bei Posen geborene Sängerin, eine der letzten Diven der Opernwelt, hat viele Schallplattenaufnahmen hinterlassen und stand lange, bis 1971 (?), auf der Bühne.
Was verbindet ihr mit dem Namen E. Scharzkopf? kennt ihr gute Aufnahmen? habt ihr sie live erlebt?
Also ich gestehe ich finde ihr Stimme und ihren Gesang als etwas künstlich und angestrengt und zog andere Sängerinnen vor.
Andreas
Jeremias (03.08.2006, 20:53): Ich habe es auch schon gehört. Eine der größten aller Zeiten :down
@ Andreas: Welche sängerinnen bevorzugst Du denn? Keine Schwarzkopf, keine callas....
Jimi (03.08.2006, 21:53): Hallo andreas und Jeremias,
Original von andreas
Ich habe heute erfahren, dass Elisabeth Schwarzkopf in der vergangenen Nacht im Alter von 91 Jahren gestorben. Die Nachricht wird viele Freunde der klassischen Musik erschüttern, da sie eine der größten Sängerinnen des 20. jahrhunderts war.
dem kann ich nur zustimmen. Elisabeth Schwarzkopf hat wohl in ihren besten Aufnahmen Maßstäbe gesetzt an denen sich ihre Nachfolgerinnen noch heute messen lassen müssen. Für mich besonders beeindruckend : Marschallin in "Der Rosenkavalier" und Contessa in "Le Nozze di Figaro" beide von Karajan dirigiert. In Le Nozze singt sie ein unglaubliches "Porgi Amor", natürlicher und eindringlicher als in der späteren (eh schon sehr guten) Giulini-Einspielung.
Viele Grüße von
Jimi
Jascha Horenstein (03.08.2006, 22:16): Ihre liebste Einspielung sind mir die vier letzten Lieder von Richard Strauss mit G.Szell. Eine passende musikalische Untermalung dieses traurigen Anlasses.
ab (04.08.2006, 09:45): Was waren den ihre größten Momente im Lied-Fach?
Jimi (04.08.2006, 22:59): Hallo Jascha und ab,
die Strauss-Lieder habe ich von Elisabeth Schwarzkopf leider noch nicht gehört. Ausgesprochen eindrucksvoll finde ich zwei Ihrer Schubertinterpretationen:
Gretchen am Spinnrade und Die junge Nonne
Viele Grüße,
Jimi
Carola (04.08.2006, 23:02): In der Online-Ausgabe der Welt las ich gerade diesen schönen Nachruf:
elisabeth Schwarzkopf wird sicherlich eine der bedeutensten Sängerinnen überhaupt bleiben . Frei von musikalischen Skandalen , hatte sie es nicht nötig von der windmühlenartig wiederholten Geschichte ihres "geliehenen hohen C's" zu leben . Sie war stimmlich , wie ihr spärere Mann Walter Legge einmal schrieb eine Mischung aus mehreren grossen Sopranistinnen und des Tenors (!!!) MacCormack. Legge hat die Schwarzkopf sehr sorgfältig und behutsam aufgebaut und danach , wo immer möglich , protegiert ( vor allem in Aufnahmen mit von Karajan und der EMI , deren wichtigster Produzent Walter Legge über viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war ) . Und natürlich in der Zusammenarbeit mit dem von Legge begründeten Philharmonia Orchestra London . Dass die Schwarzkopf trotz ihrer bis in ihr hohes Alter nie geänderten politischen Meinung ( siehe den vorletzten Beitrag der F.A.Z. dazu in einem gespräch mit ihr ) , "dame of the British Empire" wurde, mag angesichts der Tatsache , dass Walter Legge Jude war, besonders überraschen und verwundern .
In den Beiträgen h i e r sind zu recht die Aufnahmen mit George Szell und ihre "Marschallin" im "Rosenkavalier" herausgehoben worden.
Mir fehlen ihre beiden Aufnahmen von "Cosí fan tutte" mit von Karjan und noch überzeugender mit Guido Cantelli und ihre Sopranpartien in Verdis "Messa da Requiem" mit Giulini ( Walter Legge soll seine Frau gegen den ursprünglichen Plan , Maria Callas singen zu lassen , "durchgedrückt" haben ) und die Aufnahme aus 1954 unter V. de Sabata ( mit der stimmgewaltigen bedeutenden Oratoriensängerin Oralia Dominguez , di Stefano und Cesare Siepi im Zenith ihres stimmlichen Könnens ) .
Die Vergleiche mit Maria Callas halt ich für absolut unrichtig . Und um die Wogen direkt zu glätten : Die beiden Primadonnen waren in Freundschaft verbunden gewesen.
Ob Frau Schwarzkopf , wie es die FAZ im Nachruf schrieb, eine "sophisticated Lady" war , das sei allerdings dahingestellt .
Frank
Janina (14.08.2006, 20:01): Wie war denn ihre politische Einstellung? Da weiß ich gar nix von, würd mich aber interessieren. Bin da nämlich sehr intolerant.
Ansonsten muss ich auch sagen, dass mich ihr Tod nicht besonders bewegt. Sie war schließlich eine alte Frau und hat den Tonträgermarkt auch nicht mehr bereichern können. Ich finde das immer so komisch, wenn so ein Aufschrei durchs Volk geht, obwohl man zu der entsprechenden Person doch gar keine persönliche Bindung hatte und man wie im Fall Schwarzkopf auch nicht denken kann "mann, was hätte man von der noch alles hören können". Da fand ich den Tod von K. Cobain bedauerlicher. :D
Rachmaninov (14.08.2006, 20:04): Original von Janina Da fand ich den Tod von K. Cobain bedauerlicher. :D
In der Tat und der war halb (?) so alt, oder? Aber das ist jetzt wohl "off-topic" :ignore
sennahresor (17.08.2006, 15:24): Original von ab Was waren den ihre größten Momente im Lied-Fach?
... ich finde, im Lied hatte die Schwarzkopf ohnehin ihre größten Momente, ohne die Opernaufnahmen zu verachten. Meine beiden absoluten Lieblingsaufnahmen sind:
Hugo Wolf: Lied der Mignon, mit Gerald Moore, Salzburg live 1956 (bei EMI im Rahmen derFestsieldokumente erschienen) und
Rossini: Katzenduett, live in Londo 1967, mit Victoria De Los Angeles und am Klavier wieder Gerald Moore. Wurde bei EMI in diversen Auflagen rausgebracht.
Überhaupt Hugo Wolf mit Elisabeth Schwarzkopf, das lohnt sich immer.
In der Oper finde ich es schade, dass sie nur so wenige Rollen ganz aufgenommen hat. Ebenfalls bei EMI gibt es eine großartige Sammlung mit romantischen Arien (Tannhäuser, Freischütz, Lohengrin, Verkaufte Braut, Eugen Onegin). Es ist wirklich nicht verständlich, warum man da keine Gesamtaufnahmen gemacht hat. Ganz zu schweigen von Debussys Pelleas und Melisande, die es (mit Karajan!) nur in einer akustisch völlig unbefriedigenden Liveaufnahme aus Italien gibt.
Viele Grüße, Hannes
Jack Bristow (17.08.2006, 15:29): Original von Rachmaninov Original von Janina Da fand ich den Tod von K. Cobain bedauerlicher. :D
In der Tat und der war halb (?) so alt, oder? Aber das ist jetzt wohl "off-topic" :ignore
Halb? Rockstars sterben mit 27 (Jimi, Janis, Jim), das ist doch bekannt ;) Frau Schwarzkopf war 90 und hat die letzten Jahrzehnte damit verbracht, Nachwuchssänger in sogenannten Meisterklassen zu triezen. Eine Tragik kann ich hier nicht erkenen, hätte sie 120 werden sollen, oder was? :ignore
viele Grüße
J. Bristow
andreas (03.08.2006, 20:43): Liebe Freunde und Freundinnen, Ich habe heute erfahren, dass Elisabeth Schwarzkopf in der vergangenen Nacht im Alter von 91 Jahren gestorben. Die Nachricht wird viele Freunde der klassischen Musik erschüttern, da sie eine der größten Sängerinnen des 20. jahrhunderts war.
Die 1915 in Jarotschin bei Posen geborene Sängerin, eine der letzten Diven der Opernwelt, hat viele Schallplattenaufnahmen hinterlassen und stand lange, bis 1971 (?), auf der Bühne.
Was verbindet ihr mit dem Namen E. Scharzkopf? kennt ihr gute Aufnahmen? habt ihr sie live erlebt?
Also ich gestehe ich finde ihr Stimme und ihren Gesang als etwas künstlich und angestrengt und zog andere Sängerinnen vor.
Andreas
Jeremias (03.08.2006, 20:53): Ich habe es auch schon gehört. Eine der größten aller Zeiten :down
@ Andreas: Welche sängerinnen bevorzugst Du denn? Keine Schwarzkopf, keine callas....
Jimi (03.08.2006, 21:53): Hallo andreas und Jeremias,
Original von andreas
Ich habe heute erfahren, dass Elisabeth Schwarzkopf in der vergangenen Nacht im Alter von 91 Jahren gestorben. Die Nachricht wird viele Freunde der klassischen Musik erschüttern, da sie eine der größten Sängerinnen des 20. jahrhunderts war.
dem kann ich nur zustimmen. Elisabeth Schwarzkopf hat wohl in ihren besten Aufnahmen Maßstäbe gesetzt an denen sich ihre Nachfolgerinnen noch heute messen lassen müssen. Für mich besonders beeindruckend : Marschallin in "Der Rosenkavalier" und Contessa in "Le Nozze di Figaro" beide von Karajan dirigiert. In Le Nozze singt sie ein unglaubliches "Porgi Amor", natürlicher und eindringlicher als in der späteren (eh schon sehr guten) Giulini-Einspielung.
Viele Grüße von
Jimi
Jascha Horenstein (03.08.2006, 22:16): Ihre liebste Einspielung sind mir die vier letzten Lieder von Richard Strauss mit G.Szell. Eine passende musikalische Untermalung dieses traurigen Anlasses.
ab (04.08.2006, 09:45): Was waren den ihre größten Momente im Lied-Fach?
Jimi (04.08.2006, 22:59): Hallo Jascha und ab,
die Strauss-Lieder habe ich von Elisabeth Schwarzkopf leider noch nicht gehört. Ausgesprochen eindrucksvoll finde ich zwei Ihrer Schubertinterpretationen:
Gretchen am Spinnrade und Die junge Nonne
Viele Grüße,
Jimi
Carola (04.08.2006, 23:02): In der Online-Ausgabe der Welt las ich gerade diesen schönen Nachruf:
elisabeth Schwarzkopf wird sicherlich eine der bedeutensten Sängerinnen überhaupt bleiben . Frei von musikalischen Skandalen , hatte sie es nicht nötig von der windmühlenartig wiederholten Geschichte ihres "geliehenen hohen C's" zu leben . Sie war stimmlich , wie ihr spärere Mann Walter Legge einmal schrieb eine Mischung aus mehreren grossen Sopranistinnen und des Tenors (!!!) MacCormack. Legge hat die Schwarzkopf sehr sorgfältig und behutsam aufgebaut und danach , wo immer möglich , protegiert ( vor allem in Aufnahmen mit von Karajan und der EMI , deren wichtigster Produzent Walter Legge über viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war ) . Und natürlich in der Zusammenarbeit mit dem von Legge begründeten Philharmonia Orchestra London . Dass die Schwarzkopf trotz ihrer bis in ihr hohes Alter nie geänderten politischen Meinung ( siehe den vorletzten Beitrag der F.A.Z. dazu in einem gespräch mit ihr ) , "dame of the British Empire" wurde, mag angesichts der Tatsache , dass Walter Legge Jude war, besonders überraschen und verwundern .
In den Beiträgen h i e r sind zu recht die Aufnahmen mit George Szell und ihre "Marschallin" im "Rosenkavalier" herausgehoben worden.
Mir fehlen ihre beiden Aufnahmen von "Cosí fan tutte" mit von Karjan und noch überzeugender mit Guido Cantelli und ihre Sopranpartien in Verdis "Messa da Requiem" mit Giulini ( Walter Legge soll seine Frau gegen den ursprünglichen Plan , Maria Callas singen zu lassen , "durchgedrückt" haben ) und die Aufnahme aus 1954 unter V. de Sabata ( mit der stimmgewaltigen bedeutenden Oratoriensängerin Oralia Dominguez , di Stefano und Cesare Siepi im Zenith ihres stimmlichen Könnens ) .
Die Vergleiche mit Maria Callas halt ich für absolut unrichtig . Und um die Wogen direkt zu glätten : Die beiden Primadonnen waren in Freundschaft verbunden gewesen.
Ob Frau Schwarzkopf , wie es die FAZ im Nachruf schrieb, eine "sophisticated Lady" war , das sei allerdings dahingestellt .
Frank
Janina (14.08.2006, 20:01): Wie war denn ihre politische Einstellung? Da weiß ich gar nix von, würd mich aber interessieren. Bin da nämlich sehr intolerant.
Ansonsten muss ich auch sagen, dass mich ihr Tod nicht besonders bewegt. Sie war schließlich eine alte Frau und hat den Tonträgermarkt auch nicht mehr bereichern können. Ich finde das immer so komisch, wenn so ein Aufschrei durchs Volk geht, obwohl man zu der entsprechenden Person doch gar keine persönliche Bindung hatte und man wie im Fall Schwarzkopf auch nicht denken kann "mann, was hätte man von der noch alles hören können". Da fand ich den Tod von K. Cobain bedauerlicher. :D
Rachmaninov (14.08.2006, 20:04): Original von Janina Da fand ich den Tod von K. Cobain bedauerlicher. :D
In der Tat und der war halb (?) so alt, oder? Aber das ist jetzt wohl "off-topic" :ignore
sennahresor (17.08.2006, 15:24): Original von ab Was waren den ihre größten Momente im Lied-Fach?
... ich finde, im Lied hatte die Schwarzkopf ohnehin ihre größten Momente, ohne die Opernaufnahmen zu verachten. Meine beiden absoluten Lieblingsaufnahmen sind:
Hugo Wolf: Lied der Mignon, mit Gerald Moore, Salzburg live 1956 (bei EMI im Rahmen derFestsieldokumente erschienen) und
Rossini: Katzenduett, live in Londo 1967, mit Victoria De Los Angeles und am Klavier wieder Gerald Moore. Wurde bei EMI in diversen Auflagen rausgebracht.
Überhaupt Hugo Wolf mit Elisabeth Schwarzkopf, das lohnt sich immer.
In der Oper finde ich es schade, dass sie nur so wenige Rollen ganz aufgenommen hat. Ebenfalls bei EMI gibt es eine großartige Sammlung mit romantischen Arien (Tannhäuser, Freischütz, Lohengrin, Verkaufte Braut, Eugen Onegin). Es ist wirklich nicht verständlich, warum man da keine Gesamtaufnahmen gemacht hat. Ganz zu schweigen von Debussys Pelleas und Melisande, die es (mit Karajan!) nur in einer akustisch völlig unbefriedigenden Liveaufnahme aus Italien gibt.
Viele Grüße, Hannes
Jack Bristow (17.08.2006, 15:29): Original von Rachmaninov Original von Janina Da fand ich den Tod von K. Cobain bedauerlicher. :D
In der Tat und der war halb (?) so alt, oder? Aber das ist jetzt wohl "off-topic" :ignore
Halb? Rockstars sterben mit 27 (Jimi, Janis, Jim), das ist doch bekannt ;) Frau Schwarzkopf war 90 und hat die letzten Jahrzehnte damit verbracht, Nachwuchssänger in sogenannten Meisterklassen zu triezen. Eine Tragik kann ich hier nicht erkenen, hätte sie 120 werden sollen, oder was? :ignore