uhlmann (15.02.2013, 12:32):
http://www.emiltabakov.dir.bg/pics/etabakov1.jpg
Emil Tabakov is well known worldwide as a guest conductor in Germany, England, Denmark, Sweden, Poland, France, Italy, Russia, Spain, Romania, Austria, Switzerland, United States, Australia, Canada, Japan, South Korea, Singapore, Taiwan, Brazil, Israel, Netherlands etc.
so stehts auf seiner website http://www.emiltabakov.dir.bg/conductor.html
wow! klingt nach einem wichtigen mann!
am besten bekannt dürfte emil tabakov bei uns durch seinen in den neunzigern bei capriccio erschienenen mahler-zyklus mit dem sofia philharmonic sein, über den unser cetay voll der lobeshymnen ist.
hier ein auszug seiner (und teilweise auch meiner) einschätzung:
Original von Cetay
Original von Cetay
Ich habe keine Mahler-GA und es hat mich auch noch nie gereizt, mir eine ins Regal zu stellen.
Nichts ist so beständig wie der Wandel. Mittlerweile habe ich mir die GA von Emil Tabakov zugelegt, sie allerdings nicht ins Regal gestellt, weil das voll ist und weil die Box nach einem Jahr immer noch so heiss ist, dass sie noch auf einem der Stapel in der Nähe des CD-Players liegt.
Original von uhlmann
gute gesamtaufnahmen sind für mich solche, wo diese durchgängige linie, der allgemeine zugang eines dirigenten zu einem gesamtwerk deutlich ersichtlich wird. wo, wenn man so will, ein bogen über den gesamten zyklus gespannt wird.
Ich teile diese Meinung und meine, dass Tabakov dieser Anforderung voll und ganz entspricht. Leider gilt diese Konstanz auch für die Orchester-"Leistung". Klassikfreunde, die hier unerbittlich Makellosigkeit fordern, werden mit dieser Aufnahme nicht glücklich. Interpretatorisch gibt es freilich wenig bis nichts auf Augenhöhe. Ich schreib zur Achten: Mir ist natürliches und organisches Musizieren mit nie nachlassender Innenspannung wichtiger als interpretatorische Kunstkniffe, ich mag weder Bombast noch Pathos und ich will Mahler eher absolut als biographisch verstehen. Tabakov bietet das alles und dafür kann ich gerne auf die letzte Perfektion verzichten. Das gilt ohne Einschränkungen für die gesamte GA. Sicher, es gibt hier und da zu den Einzelsymphonien Aufnahmen, die mir besser gefallen (bei der 4. und 9. sowie dem Adagio zur 10. wird es aber verdammt schwer, die zu finden), aber eine Reise von 1 bis 10, wie ich sie mit Tabakov gleich zwei Mal unternommen habe -wenn auch nicht chronologisch- kann ich mir zur Zeit (noch) mit keinem anderen Dirigenten vorstellen. Was ist Tabakovs Geheimnis? Ich habe hier und da schon mal versucht, das in Worte zu fassen, aber es kam nur Fluff dabei heraus (siehe den Zitatenschatz aus anderen Fäden). Das geht mir aber immer so, wenn eine Platte einfach das letzte Quentchen "Magie" hat.
sein Mahler klingt 100% nach echtem Mahler. (Ich bin mir durchaus bewußt, dass so eine Aussage völlig sinnleer ist, aber ich kann beim besten Willen nicht besser begründen, warum Tabakov mit Mahler alle anderen Dirigenten weit hinter sich läßt - deswegen drücke ich mich vor der Besprechung der GA.
Wie der sich organisch aus sich selbst heraus in weiten Bögen entwickelt, wie Tabakov das Ermatten nach dem ersten Aufbäumen ausspielt und wie sich dann der so treffend durch einen Walzer symbolisiete innere Höllenkreis absolut ansatzlos aus der im nichts mäandrierenden Klangfläche löst - das ist zum ausflippen! Und dann gibt es obendrauf das Lied-Finale endlich mal nicht als Stilbruch sondern als konsequente Weiterentwicklung interpetiert - der Himmel als innerster Höllenkreis!
Das Bild wird in Elementarereignisse zerlegt ohne dass Homogenität oder Wucht verloren gehen, im Gegenteil, das ist viel intensiver als bei den berüchtigten Orchesterpeitschern. Tabakov läßt es nicht krachen, sondern es kracht. Oder hören wir das einleitende Adagio zur Schlussszene , wenn am Höhepunkt kurz vor Ende ein unfassbar ergreifendes Motiv ertönt, das sich für ewig ins Hirn brennt. Wie natürlich und organisch das hier herauswächst, ohne dass vorher das Orchester aufgewiegelt werden musste oder gar die Sentimentalitätskeule herausgeholt wird, das ist ganz große Klasse.
Uhlmann hat hier das eigentlich Wesentliche so treffend gesagt, dass ich mir erlaube, das hierherzuzitieren:
was mir grundsätzlich an tabakov (mahler und auch genannte bruckner 8) gefällt, ist sein gespür für das richtige tempo. dabei meine ich weniger die reinen zeitangaben als das tempomäßig sinnvolle in-relation-setzen einzelner teile des werks gegenüber anderen (einzelne sätze gegenüber den anderen, aber auch oft nur eine kleine passage innerhalb eines satzes gegenüber den teilen vor und danach). so entstehen imo sehr "natürlich klingende" interpretationen - soll heißen, dass man selten den eindruck hat hier interpretiert einer - ich mag das.
Original von Cetay
Diese Nicht-Interpretation ist das herausragende und gleichzeitig gar kein Merkmal. Es geht mir schlichtweg so, dass ich mir beim Anhören einer Mahlersinfonie unter Tabakov nicht über Tempo- und Interpretationsfragen, sondern über Inhalte Gedanken mache - und erst hinterher merke, dass mich dabei nichts abgelenkt hat. Es ist leichter zu sagen, was diese Aufnahmen nicht sind: weder haben wir es hier mit hochglänzenden Bravourstücken zu tun, noch mit einem hochemotionalen Spektakel, aber auch nicht mit einem röntgenographischen Ausleuchten der letzten Details oder dem detailversessenen Aufzeigen von Bedeutung in jeder Phrase. Bei einem solchen Mittelweg mag die Assoziation "langweilig" mitschwingen, aber das Gegenteil ist der Fall. Wie hier aus der Ruhe heraus mit langem Atem Spannungsbögen entstehen und gehalten werden ist einmalig - man höre den Schlusssatz der Dritten. Und das gelingt deshalb, weil die Aufmerksamkeit weder auf effekthascherische Äußerlichkeiten gerichtet noch durch eine aufdringliche Detailflut gestört wird. Der erste Satz der Neunten ist ein gutes Beispiel. Ich habe eine meiner favorisierten Aufnahmen, Barbirollis Livemitschnitt aus Turin, im Direktvergleich gehört und hatte das Gefühl, Tabakov würde Details unterschlagen und die blockhafte Struktur nivellieren. Aber nochmaliges Nachhören ergab, dass alles da ist, nur bleibt es immer in das Große und Ganze eingebettet. Tabakov drückt dem Hörer nichts auf die Ohren, sondern fordert ihn auf, hinzuhören.
Was diese Gesamteinspielung für mich so wertvoll macht, ist die Art und Weise wie Bezüge zwischen den Sinfonien ohrenfällig werden. Mahler-GAs haben bei der Kritik einen schweren Stand, weil jede einzelne Sinfonie eine individuelle Herangehensweise erfordere und das keinem Dirigenten über den ganzen Zyklus gelänge. Ich zweifle das an. Es ist geradezu eine Stärke des Zyklus aus Sofia, dass er von 1-10 mit einem einheitlichen Ansatz aufwartet -das tun andere Zyklen auch, aber die sind eben nicht nur einheitlich, sondern auch einseitig- und damit tatsächlich den großen Bogen über alle Sinfonien spannt. Dass ich dennoch keine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen kann, ist der Tatsache geschuldet, dass viele Klassikfreunde ihre Kunst sportlich sehen und nur Höchstleistungen akzeptieren. Und die kann man dem Orchester auch mit viel gutem Willen nicht attestieren. Ich bin zwar relativ unerschrocken und nehme den einen oder anderen Verspieler oder verpassten Einsatz ebenso hin, wie den körnigen Streicherklang und die bisweilen vulgäre Intonation des Blechs. Aber da gibt es von Amsterdam bis Wien dann doch Ohrenschmeichelnderes. Auf der Suche nach einer interpretatorisch so stimmigen und geschlossenen Präsentation wird sich freilich nicht so leicht etwas Gleichwertiges finden.