Englische Musik des 19. und 20.Jahrhunderts

nubar (13.02.2007, 14:43):
Liebe Forianer,

schon lange trage ich mich damit herum, die sehr schönen Beiträge unseres Mitglieds sound67 zu würdigen. Da er sich sehr für die englische Sinfonik interessiert, dachte ich, dass dieser Thread die geeignete Möglichkeit dazu ist. Ganz uneigennützig bin ich dabei auch nicht, da ich mich ebenfalls für diese Musik interessiere und auch schon tolle Erfahrungen machen durfte, wobei ich trotzdem noch diesbezüglich sehr unwissend bin.

Ich denke, es lohnt sich, hier seinen Horizont zu erweitern. Gerade für Zeitgenossen eher tonalen Geschmacks hält die englische Sinfonik des 20.Jahrhunderts viele Überraschungen bereit.
Über auch bei uns bekanntere Komponisten wie Britten, Elgar oder Holst können natürlich noch spezielle Threads eröffnet werden.

Nun frisch ans Werk, ich werde erstmal die Beiträge aus dem Tread "Was hört ihr heute?" suchen und übertragen und bin gespannt auf weitere Meinungen und Empfehlungen.

Grüße, nubar
nubar (13.02.2007, 14:53):
NP: RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Fantasia on a Theme of Thomas Tallis; Five Variants of Dives and Lazarus; Job - A Masque for Dancing
The London Philharmonic Orchestra, Vernon Handley (EMI)

http://musicweb-international.com/classrev/2002/Jun02/RVW_job_dfp.jpg

Diese CD ist auch in der Handley-Box mit den neun Symphonien enthalten, obwohl sie strenggenommen gar nicht zu dem Zyklus der Einspielungen gehört, entstanden diese Aufnahmen doch Jahre vorher mit einem anderen Orchester. So wurde die Tallis-Fantasie bereits 1974(!) eingespielt, daran liegt es vielleicht auch, dass Handley hier nicht ganz die Kraft seiner späteren RVW-Interpretationen erreicht. Die Referenz in diesem frühen Meisterwerk von 1910 bleiben John Barbirolli und Andrew Davis.

Die Five Variants sind ein leichtgewichtigeres Stück, aber durchweg inspiriert und für Streicher und Harfen geschickt gesetzt. Die CD schließt mit einem weiteren Hauptwerk des Komponisten, der fast 50 minütigen"Ballettpantomime"(?) JOB nach den Illustrationen des Buches Hiob durch den englischen Dichter und Graphiker William Blake (eine davon ziert das Cover). Es ist ein visionäres Werk von Vaughan Williams, voll betörender impressionistischer Schönheit, unterbrochen aber auch durch harte, dissonante Passagen in Vorausdeutung auf die 4. Symphonie. Hier ist allenfalls die Einspielung durch Adrian Boult auf EMI British Composers noch etwas packender, allerdings klingt Handleys Aufnahme besser.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 14:57):
MALCOLM ARNOLD: English Dances (complete); Cornish Dances; Serenade for Small Orchestra, Sinfoniettas 1-3

http://www.violinproject.de/arnoldenglish.jpg

Schöner, gutgefüllter Sampler mit den sinfonischen Tänzen und den Sinfoniettas von Malcolm Arnold. Sehr solide Einspielungen, guter Analogklang.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:02):
Eine kleine Ergänzung:

Die dem Commonwealth zugehörigen Staaten können natürlich bedingt auch mit dazugenommen werden, sofern es Werke aus der gleichen Musiktradition sind.

DOUGLAS LILBURN: Aotearoa-Overture; A Birthday Offering, Drysdale Overture, The Forest (Tone Poem), A Song of Islands; Festival Overture, Processional Overture

http://ec1.images-amazon.com/images/P/B000H1QUQK.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V59939293_.jpg

Die zweite Naxos-CD mit Werken des neuseeländischen Vaughan Williams-Schülers Douglas Lilburn (nach den drei Sinfonien). Schöne, kürzere Orchesterwerke, wie die beiden ersten Sinfonien deutlich von Silbelius beeinflusst, jedoch etwas glatter und weniger "abgründig" in der Stimmung. Gute Einspielungen und Klang.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:06):
ENGLISH STRING MASTERPIECES - EDWARD ELGAR: Serenade for Strings, op.20; BENJAMIN BRITTEN: Variations on a Theme of Frank Bridge, op.10; RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Fantasia on a Theme of Thomas Tallis; MICHAEL TIPPETT: Fantasia Concertante on a Theme of Corelli

http://www.prestoclassical.co.uk/images/records/regisrrc1138.jpg

Der Morgen beginnt mit einer äußerst stimulierenden Sammlung englischer Musik für Streichorchester. Die CD umfasst wirklich nur "Meisterwerke", und zumindest die Variationen über ein Thema von Frank Bridge (dem Lehrer Brittens) erfahren hier so etwas wie eine Referenzeinspielung. Groves war einer der größten Experten für britische Musik, und keine seiner Einspielungen ist schlechter als "sehr gut". Auch voller, transparenter Klang mit gutem Bass in der Aufnahme von 1989 (Groves starb 1992). Für knapp 10 Euro sehr(!) zu empfehlen.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:09):
EDWARD ELGAR: Sea Pictures, op.37
Bernadette Greevy, London Philharmonic Orchestra, Vernon Handley (EMI)

http://musicweb-international.com/classrev/2002/Jun02/Elgar2_Sea_Pictures_cfp.jpg

Neben dem Violin- und dem Cellokonzert mein Lieblingswerk des Komponisten. Greevy hat nicht ganz die Stimme von Janet Baker (unter Barbirolli, ebenfalls EMI), aber Vernon Handley führt sie und das Orchester mit Umsicht und Differenzierungsvermögen durch den fünfteiligen Liederzyklus. Höhepunkt hier wie da ist das dritte Lied, "Sabbath Morning at Sea". In den Takten, die mit "He shall assist me to look higher" beginnen packt es mich jedes Mal.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:12):
NP: EDWARD ELGAR: Violin Concerto in B minor, op.61
Yehudi Menuhin, New Philharmonia Orchestra, Sir Adrian Boult (EMI British Composers)

http://www.violinproject.de/elgarmenuhin.jpg

Menuhin führte das Stück mehr als 30 Jahre zuvor unter Elgars Leitung auf - die Einspielung ist inzwischen Legende - leider aber eben nur "historisch" in jeder Beziehung!

Das Remake mit Boult von 1965 erreicht nicht die Klasse z.B. von Alfredo Campoli - dazu ist Menuhins Ton in dieser Zeit schon zu harsch, seine Technik nicht mehr auf der absoluten Höhe. Auch Boults Begleitung fällt hinter die für Campoli zurück. Perlman (mit Barenboim!), Hahn, Kennedy (unter Handley - nicht das Brechmittel mit Rattle!), etc. - alle sind sie besser.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:18):
BENJAMIN BRITTEN: Violin Concerto, op.15
Lydia Mordkovitch, BBC Symphony Orchestra, Richard Hickox (Chandos)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3747759.jpg

BENJAMIN BRITTEN: Violin Concerto, op.15; Cello Symphony, op.68
Rebecca Hirsch, Tim Hugh, BBC Scottish Symphony Orchestra, Takuo Yuasa (Naoxs)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1391237.jpg

Zwei in jeder Hinsicht unterschiedliche Deutungen von Brittens Violinkonzert: Die Oistrakh-Schülerin Morkovitch mit einem scharfen Ritt und harschem, gelegentlich auch unsauberem Ton - aber sehr leidenschaftlich, Hirsch mit entspannterem Zugriff und weichem, rundem, sanglichem Ton. Beide Lesarten haben ihren Reiz, wobei vor allem die räumlich transparentere, gleichzeitig aber auch präsentere Abbildung des Orchesters in der Naxos-Aufnahme zusätzlich für diese einnimmt.

Gruß, Thomas
Rachmaninov (13.02.2007, 15:18):
Original von nubar
Liebe Forianer,

schon lange trage ich mich damit herum, die sehr schönen Beiträge unseres Mitglieds sound67 zu würdigen. Da er sich sehr für die englische Sinfonik interessiert, dachte ich, dass dieser Thread die geeignete Möglichkeit dazu ist. Ganz uneigennützig bin ich dabei auch nicht, da ich mich ebenfalls für diese Musik interessiere und auch schon tolle Erfahrungen machen durfte, wobei ich trotzdem noch diesbezüglich sehr unwissend bin.

Ich denke, es lohnt sich, hier seinen Horizont zu erweitern. Gerade für Zeitgenossen eher tonalen Geschmacks hält die englische Sinfonik des 20.Jahrhunderts viele Überraschungen bereit.
Über auch bei uns bekanntere Komponisten wie Britten, Elgar oder Holst können natürlich noch spezielle Threads eröffnet werden.

Nun frisch ans Werk, ich werde erstmal die Beiträge aus dem Tread "Was hört ihr heute?" suchen und übertragen und bin gespannt auf weitere Meinungen und Empfehlungen.

Grüße, nubar

@Nubar,

danke für diese sehr wichtige und sehr nützliche Arbeit.
Die Beiträge hier zusammen zu führen erachte ich als sehr sinnvoll, da sound67 im "Was höre ich..." Thread sehr genau auch die jeweiligen Aufnahmen eingeht.

grazie
nubar (13.02.2007, 15:19):
RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Symphony No.3, "A Pastoral Symphony"; Symphony No.5 in D Major
London Philharmonic Orchestra, Sir Adrian Boult (Decca)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6814371.jpg

Lange habe ich diese Einspielungen aus dem Mono-Zyklus von Boult nicht gehört. Die "Pastorale" gehört zu den besten Aufnahmen aus der Box, während die Höhepunkte der 5. Symphonie von anderen Dirigenten (Handley, Thomson, Previn, Hickox) doch besser herausgearbeitet wurden. Akzeptabler Klang, aber selbst für die Endphase von Mono sicher nicht state-of-the-art.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:20):
ARNOLD BAX: Concerto for Violin and Orchestra; A Legend; Romantic Overture; Golden Eagle (Incidental Music)
Lydia Mordkovitch, The London Philharmonic Orchestra, Bryden Thomson (Chandos)

http://www.violinproject.de/baxvc.jpg

Eine CD mit eher schwächeren Werken von Arnold Bax, zumeist aus der Spätphase seines kompositorischen Schaffens (bevor er ganz aufhörte). Das Violinkonzert kann mit den anderen konzertanten Werken - z.B. den famosen Winter Legends für Klavier und Orchester, aber auch den Symphonischen Variationen für Klavier und Orchester, nicht mithalten. Besonders der Kopfsatz wirkt ideeenarm und ist mit 14 Minuten einfach zu lang für das Material. Besser sieht es in dem schönen lyrischen Mittelsatz aus, und auch das folkloristische Kopfmotiv des Finales gefällt. Von den kürzeren Stücken der CD ist einzig die Tondichtung "A Legend" erwähnenswert, auch wenn diese nicht die Klasse von Bax besten Arbeiten in diesem Genre (Tintagel, November Woods, The Happy Forest, The Garden of Fand) erreicht.

Das Spiel von Lydia Mordkovitch ist mit Fehlern behaftet, aber es ist nunmal die einzige moderne Aufnahme des Konzerts (inzwischen ist auch eine historische Aufnahme mit der ursprünglichen Solistin, Eda Kersey - die ein Jahr nach der Aufnahme tragisch verstarb - auf Dutton erhältlich).

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:23):
EDWARD ELGAR: Violin Concerto; WILLIAM WALTON: Violin Concerto
Salvatore Accardo, London Symphony Orchestra, Richard Hickox (früher Collins, jetzt Regis)

http://www.regisrecords.co.uk/images/covers/RRC1014.jpg

Eine der schönsten Veröffentlichungen aus dem eher durchwachsenen Regis-Katalog. Die CD erschien ursprünglich 1989 bei Collins und erhielt zumeist sehr gute Kritiken. Besonders gelungen finde ich die Interpretation des Walton-Konzerts (wenn auch nicht besser als die von Suwanai z.B.), beim Elgar ist mir Herr Accardo mit zu "kurzem" Bogenstrich unterwegs. Positiv überrascht mich in Rückschau die zügige, zupackende Gangart von Dirigent Richard Hickox. Insgesamt transparenter, voller Klang, der jedoch die Violine etwas benachteiligt.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:30):
BENJAMIN BRITTEN: The Young Person's Guide to the Orchestra; Four Sea Interludes from "Peter Grimes"; EDWARD ELGAR: Variations on an Original Theme, "Enigma"
Cincinnati Symphony Orchestra, Paavo Järvi (Telarc)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8976601.jpg

Der neue GMD des HR-Sinfonieorchesters liefert mit seinem "alten" Ensemble mal wieder eine virtuos gespielte, sorgfältig gestaltete und im Grunde fehler-, aber auch "keimfreie" Darbietung ab. Und wie meist kann man sich über den "spektakulären" Telarc-Sound durchaus streiten: Die extreme Dynamik sorgt dafür, dass entweder leise Stellen unhörbar sind, oder aber die Lauten die Boxen zerreissen. Hinzu kommt ein SEHR betonter Tiefbass.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:33):
Original von Jürgen
Hallo Thomas,

vom Young Person's Guide kenne ich bislang nur einen Auschnitt als Konzerteröffnung von "Yes". Deine Beurteilung der gesamten CD klingt ja eher verhalten. Welche Einspielung dieses Stücks kannst Du denn empfehlen ?

The London Philharmonic unter Leonard Slatkin, auf RCA/Red Seal (ist aber AFAIK gestrichen:

http://ec1.images-amazon.com/images/P/B000003FAA.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V1115811231_.jpg
nubar (13.02.2007, 15:35):
NP: EDWARD ELGAR: A Concerto for Solo Cello and Full Orchestra , op.85
Daniel Müller-Schott, Oslo Philharmonic Orchestra, André Previn (Orfeo)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9007529.jpg

Die neue Einspielung wird bereits mancherorts als Referenz gehandelt. Müller-Schott ist der Shootings Star unter den deutschen Cellisten und gefällt hier mit einer flüssigen, nie forcierten, dennoch pointierten Darstellung. Das Oslo Philharmonic könnte man sich facettenreicher und direkter abgebildet wünschen.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:38):
BENJAMIN BRITTEN: Overture "Canadian Carnival", op.19; Violin Concerto, op.15; Mont Juic: Suite of Catalan Dances, op.9 (orch. Lennox Berkeley)
Lorraine McAslan, English Chamber Orchestra, Steuart Bedford (Naxos)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9701768.jpg

Gute Einspieluing des Violinkonzerts und zwei attraktive Raritäten: der etwas fragmentarische, fast impressionistische Canadian Carnival ist immerhin interessanter als so manche andere von Brittens Gelegenheitswerken (American Overture, Occasional Overture), die Suite katalanischer Tänze sehr farbig und unterhaltsam. Im Zentrum steht natürlich das Konzert, und McAslan bietet eine sensible, aber dramatische Lesart - nicht so geschliffen wie Rebecca Hirsch (ebenfalls auf Naxos), nicht so exzentrisch wie Vengerov (EMI), aber durchaus interessant. Leider ist ihre Geige aufnahmetechnisch etwas benachteiligt, steht sehr im Orchester. Ansonsten durchweg brillant plastischer, dynamischer Klang.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:42):
BENJAMIN BRITTEN: Overture "Paul Bunyan"; Piano Concerto, op.13; Johnson Over Jordan (Suite)
Joanna MacGregor, English Chamber Orchestra, London Symphony Orchestra, Steuart Bedford (NAXOS)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5517639.jpg

Wenn es eine CD aus der Naxos-Serie (ehemals Collins) mit Werken von Benjamin Britten gibt, die man sich vielleicht schenken kann, dann ist es IMHO diese. Nicht wegen der Interpretationen oder der Tonqualität - beides ist superb - sondern wegen der vergleichsweise uninteressanten Werke selbst. Das Klavierkonzert wirkt im Vergleich zu dem wenig späteren Violinkonzert (op.15) flach, fahrig und nur in wenigen Passagen (Eröffnung!) wirklich mitreißend. Daran ändert auch die "Zugabe" des ursprünglichen Finales wenig.

Die 5-Minuten-Ouvertüre zu der Operette "Paul Bunyan", die erst durch die Neuproduktion von Philip Brunelle für Virgin in den späten 1980ern überhaupt einem breiteren Publikum bekannt wurde, ist ein, gemessen am Schwung und Melodienreichtum des Singspiels, geradezu erschreckend "vakantes" Musikstück, dass so gar nichts von der Lebensfreude des Bühnenwerks vermittelt. Colin Matthews orchestrierte die Ouvertüre nach Klaviersketchen von Britten, der das Vorspiel schon vor der Uraufführung von "Paul Bunyan" verworfen hatte.

Ironischerweise ist die leichtfüßige, bisweilen jazzige Musik zu dem Theaterstück "Johnson Over Jordan" das vielleicht unterhaltsamste Stück der CD.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:44):
MALCOLM ARNOLD: Symphonies Nos. 7 & 8
BBC Philharmonic Orchestra, Rumon Gamba (Chandos)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4092691.jpg

Gelungene, sehr zügige Einspielungen dieser beiden späten Symphonien (1973 und 1979) des gestern verstorbenene englischen Komponisten Sir Malcolm Arnold, der hierzulande für seine Filmmusik ("The Bridge on the River Kwai") am bekanntesten sein dürfte. Die beiden Symphonien sind typisch für Arnold Genrebeiträge, mit deutlichen Brüchen zwischen schroffen Dissonanzen (oft vorgetragen von exzellent orchestrierten Blechbläsern - Arnold begann seine Karriere als Trompeter - und reichlich Schlagwerk), elegischen Streicherpassagen (Mittelsätze!) von meist depressivem Grundduktus sowie oft überschänglichen, manchmal geradezu comichaft überzogenen folkloristischen Finalsätzen. In den Spätwerken haben sich diese Brüche nochmals vertieft.

Gambas schnelle Tempi lassen es vielleicht an Einfühlungsvermögen in den an Shostakovich erinnerenden düsteren Streicherpassagen vermissen, haben aber den großen Vorteil, dass hierdurch der Zusammenhalt der brüchigen Werke gestärkt wird. Insgesamt würde ich dennoch Handleys Einspielungen (die ja demnächst nach längerer Abstinenz wieder erscheinen werden), ehemals auf Connifer, den Vorzug geben. Er trifft meiner Meinung nach am besten den Tonfall genau zwischen Depression und Lebensfreude, der Arnolds werk durchzieht. Sicher mehr als der etwas unverbindlich effiziente Andrew Penny auf Naxos.

In der 7. Symphonie sprechen die Linernotes von einer Radioaufführung unter Arnolds eigener Leitung, die fast eine Stunde gedauert habe. In der Partitur sind 37 Minuten angegeben, und genauso lang ist auch Handleys Version. Gamba schafft die Symphonie in rund 32 Minuten! Wohl gemerkt: Ohne Wiederholungen auf der einen oder Schnitte auf der anderen Seite.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:45):
MALCOLM ARNOLD: A Sussex Overture, Beckus the Dandipratt; The Smoke; The Far Field; Commonwealth Christmas Overture
The London Philharmonic Orchestra, Sir Malcolm Arnold (Reference Recordings)

http://www.musicweb-international.com/classrev/Apr99/arnoldovertur.jpg

Wie üblich sind Arnolds eigene Interpretation (im Vergleich z.B. zur Ouvertüren-CD von Gamba) durch eher bedächtige Tempi getragen, so auch hier: Das schadet z.B. der Commonwealth Christmas Overture, die zwar durch exotisches Schlagwerk überaus farbig ist, durch Wiederholungen aber doch zur Überlänge tendiert. In dieser Auswahl (seinerzeit immerhin 4 CD-Premieren) ist wohl die jazzige "The Smoke" die schmissigste Overture. Ein gutes Beispiel für das instrumentale Geschick Arnolds und sein Flair für Unterhaltung auf hohem handwerklichem Niveau.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:49):
EDWARD ELGAR: Violin Concerto in B minor, op.61
Alfredo Campoli, The London Philharmonic Orchestra, Sir Adrian Boult (Beulah)

http://www.violinproject.de/elgarcampoli.jpg

Je öfter ich diese Einspielung höre, desto mehr wird sie zu meinem Favoriten unter den Aufnahmen dieses Konzerts.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:51):
RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Fantasia on a Theme of Thomas Tallis; Fantasia on Greensleeves; The Lark Ascending; Five Variants of "Dives and Lazarus"
Iona Brown, Academy of St.Martin-in-the-Fields, Neville Marriner (Decca)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7771221.jpg

Dieses Programm aus dem Jahr 1972 habe ich vglw. spät erworben, weil die CD trotz ihrer kurzen Laufzeit (49') und des Alters der Aufnahme sehr lange im Hochpreisbereich angesiedelt war. Marriner leitet durchweg sehr gut ausgearbeitete, jedoch (bes. in The Lark Ascending und den Five Variants) arg getragene Einspielungen wichtiger Werke von Vaughan Williams. Die Tallis-Fantasie leidet zudem an einem nicht ideal durchhörbaren Klangbild (das war bei Barbirolis legendärer Version auf EMI ein paar Jahre zuvor schon anders), auch ist der Violinton von Iona Brown in The Lark Ascending nicht durchweg ungetrübt.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:56):
http://cover6.cduniverse.com/MuzeAudioArt/Large/87/939587.jpg

Ein abwechslungsreiches Programm mit Filmmusik, Gelegenheitswerken und einer recht komplexen Symphonie des kürzlich verstorbenenen englischen Komponisten Malcolm Arnold. Es handelt sich hierbei um eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 2004, die durch ihren guten Klang immerhin belegt, dass man in der Royal ALbert Hall durchaus ordentliche Aufnahmen machen kann.

Was die Interpretationen angeht, so komme ich zu einem etwas zwiespältigen Urteil: Vernon Handley ist ein Spezialist für britische Musik und speziell die Arnolds, wovon sein überaus gelungener kompletter Zyklus der Symphonien zeugt, der gerade erst neu erschienen ist:

http://www.malcolmarnold.co.uk/biog/images/arnoldedition1.jpg

In der Liveaufnahme zieht Handley das Tempo in der 6. im langsamen Mittelsatz überraschend scharf an und kommt so auf nur 9:26. Die Studioaufnahme bringt es hier auf 10:59(!) und wirkt so wesentlich düsterer und nachdenklicher. Das schnellere Tempo ebnet etwas die Unterschiede zwiuschen den Sätzen ein. Die Studioaufnahme (mit dem Royal Philharmonic, das ich gestern zum ersten Mal live hören durfte) ist zudem besser gespielt.

Der Rest des Programms umfasst eine Suite aus der Filmmusik "The Inn of the Sixth Happiness", in der Handley leider in den häufig beobachteten Fehler verfällt, das Ganze zu langsam zu spielen. FIlmmusik (auch bei Arnold) ist direkter in der Wirkung und weniger subtil in den Mittel als Konzertmusik und sollte deshalb eher zügig und zupackend interpretiert werden. Hier ist Hickox Studioeinspielung auf Chandos vorzuziehen.

Gelungen sind die Einspielungen der Ouvertüre "Beckus the Dandipratt" (einer Art britischem Till Eulenspiegel) und des dreisätzigen "Philharmonic Concerto", das ebenso wie die Symphonie typisch ist für Arnold Mischung aus Lebensfreude, Energie auf der einen, Introvertiertheit und Verzweiflung auf der anderen Seite.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:58):
WILLIAM WALTON: Variations on a Theme by Hindemith; Symphony No.1
Bournemouth Symphony Orchestra, Vernon Handley (EMI)

http://www.violinproject.de/waltonhandley.jpg
Toningenieur: Mike Clements

Hervorragende Einspielung der 1. Symphonie, in der Handley seine zehn Jahre ältere Aufnahme mit dem Royal Liverpool Philharmonic (1978) bei weitem übertrifft. Im Gegensatz zu den Liverpoolern (in jener Aufnahme) spielen die Musiker aus Bournemouth hervorragend, und Handleys Lesart ist diesmal noch zupackender, rhythmisch noch prägnanter. Diese Einspielung kann sich wirklich mit der Andre Previns mit dem LSO aus dem Jahr 1967 (auf Decca wiederveröffentlicht) messen und übertrifft die von Charles Mackerras (ebenfalls auf EMI).

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:59):
RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Piano Concerto in C Major; FREDERICK DELIUS: Piano Concerto in C minor
Piers Lane, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Vernon Handley (EMI)

http://cover6.cduniverse.com/MuzeAudioArt/Large/68/494368.jpg

Zehn Jahre nach der Einspieluing mit Howard Shelley für (das in der Zwischenzeit erloschene Label) Lyrita nahm Vernon Handley Vaughan Williams sperriges, bitonales Klavierkonzert erneut auf, diesmal mit dem fleißigen Pianisten Piers Lane. Das Ergebnis kommt nicht ganz an den Vorläufer heran, dazu fehlt es Lane bei aller Fingerfertigkeit an dem nötigen "Gewicht", dem Klavierklang zudem an Dimension. In Delius noch deutlich der Spätromantik verhaftetem Konzert gefällt Lanes etwas rauer, schlanker Ansatz besser.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:01):
ARTHUR BLISS: Ceremonial Prelude; Welcome to the Queen; A Song of Welcome; Miracle in the Gorbals (Suite); Music for Strings
Philharmonia Orchestra, Sir Arthur Bliss (EMI, Mono)

http://images.amazon.com/images/P/B000HKD7RG.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V41368645_.jpg

Diese Einspielungen unter Leitung des Komponisten sind eine Mischung aus zeremoniellen Gelegenheitswerken und zweier der bekannsten Stücke, dem Ballett "Miracle in the Gorbals" und der großartigen "Music for Strings". Die höfischen Stücke (Bliss war nach dem Tod von Arnold Bax "Master of the Queen's Musick" (mit "k")) sind nicht besonders beeindruckend - eine "Prelude" mit Orgel und Orchester, ein "Welcome the Queen" im Charakter eines der Pomp-and-Circumstance-Märsche von Elgar bzw. jenen von William Walton, und eine kurze "Kantate" für Sopran (immerhin Joan Sutherland - ihre erste Schallplattenaufnahme!), Bariton, Chor und Orchester mit 16 Minuten Länge, die aber kaum über "Musik des Augenblicks" hinausgeht.

Von ganz anderem Kaliber die beiden abschließenden Stücke, die zusammmen auch 47 1/2 der knapp 77 Minuten der CD ausmachen - Miracle in the Gorbals, das düsterste von 4 langen Balletten von Bliss, das mit seinem Sujet ganz eindeutig auf Bartóks "Der wunderbare Mandarin" verweist (Straßen/Bordellmilieu), stilistisch aber wie üblich eine sehr persönliche Mischung von Stravinsky und Elgar ist - Bliss kann man immer nach wenigen Takten an ihr erkennen.

Die Musik für Streicher reiht sich in die Liste der Meisterwerke der Streicherliteratur englischer Komponisten (Vaughan Williams "Tallis Fantasia" und Brittens "Variationen über ein Thema von Bridge" gehören bspw. dazu) ein - brillant für Streicher gesetzt, hochvirtuos, dabei aber von großem Gehalt.

Bliss war ein professioneller Dirigent und hat oft eigene Werke dirigiert, und so sind diese (gut klingenden) Monoaufnahmen durchaus zu empfehlen, auch wenn modernere Einspielungen die Referenzen für sich beanspruchen können.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:02):
ARTHUR BLISS: A Colour Symphony, Concerto for Violin and Orchestra
Lydia Mordkovitch, BBC National Orchestra of Wales, Richard Hickox (Chandos)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1473683.jpg

Die "Colour Symphony" gehört schon seit fast zwei Jahrzehnten zu meinen absoluten Lieblingswerken, nicht nur der englischen Orchesterliteratur. Die einzigartige Mischung aus der Noblesse Elgars und dem Ungestüm von Igor Stravinskys "Petruschka" wurde zum Markenzeichen von Arthur Bliss, anhand dessen jedes seiner größeren Werke schon nach wenigen Takten erkennbar ist. In frühen Werken wie der "Colour Symphony" überwiegt noch der Einfluss Stravinskkys (z.B. auch Rout), in den späteren, abgeklärteren ist Elgars Tonsprache deutlicher zu vernehmen.

Ich bin kein großer Freund von Richard Hickox Einspielungen bei Chandos, am wenigstens seines Vaughan Williams. Die Aufnahme der "Colour Symphony" jedoch hat ihre Meriten, v.a. in der rhythmischen Prägnanz und Kraft in den schnellen Passagen. Hickox zieht die Zügel im flotten 2. Satz straff an, anders als z.B. Barry Wordsworth in seiner wunderbar weichen, fließenden Einspielung auf Nimbus mit demselben Orchester - aber anderthalb Jahrzehnte früher. Im Ganzen wirkt Hickox Aufnahme allerdings auch etwas hemdsärmelig, polternd, es fehlt der Glanz von Wordsworth, aber auch von Handley (Chandos). Positiv fallen v.a. die Holzbläser des guten walisischen Orchesters auf (von dessen Qualitäten ich mich bei den Proms unlängst u.a. in Shostakovichs 15. Symphonie überzeugen durfte), überhaupt ist die Einspielung recht farbig. Nur ein wenig zu "rough around the edges" für meinen Geschmack.

Mit dem recht langen, phasenweise mäandrierenden Violinkonzert (1953), geschrieben für - und in Zusammenarbeit mit - dem italienischen Virtuosen Alfredo Campoli muss ich erst warm werden. Bliss schrieb das Konzert Campoli auf den Leib, zugeschnitten auf dessen bekanntermaßen weichen, singenden Ton. Für den ist die Solistin der vorliegenden Aufnahme, Lydia Morkovitch, trotz ihrer vielen Vorzüge nun nicht unbedingt bekannt. Vielleicht eine Fehlbesetzung? Muss noch häufiger hören. Jedenfalls ist es nicht annähernd so aufregend wie die "Colour Symphony" (1922), aber da war Bliss Sturm-und-Drang Zeit ja auch längst vorbei.

Leider ist es mir bisher nicht gelungen, die CDs von einer der beiden Aufnahmen mit Campoli (beide unter Bliss) in die Finger zu kriegen. So fehlt der Vergleich.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:04):
MALCOLM ARNOLD: Sound Barrier Rhapsody, op.38*; English Dances, Sets I & II, opp. 27 & 33; Homage to the Queen, op.42 (complete ballet), Scottish Dances, op.59
Royal Philharmonic Orchestra*, Malcolm Arnold*; Philharmonia Orchestra, Robert Irving (EMI)

http://images.amazon.com/images/P/B0000263TW.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V59665203_.jpg

Hauptwerk auf dieser CD ist das vollständige Ballett "Homage to the Queen" aus dem Jahr 1953, das gegenüber der Suite (Einspielung siehe Bostock, Royal Aarhus College of Music Symphony Orchestra) etliche zusätzliche Preziosen enthält und insgesamt überaus charmant und flott daherkommt (Gesamtlaufzeit ca. 42 Minuten). Das ist allerdings auch das Problem dieser Zusammenstellung - alles in ihr ist charmant, flott, unterhaltsam, beste "British Light Music". Und auf eine Laufzeit von 77 Minuten ist diese Art Musik am Stück nur schwer zu goutieren. Akzeptable Monoaufnahmen aus den 50ern (die Sound Barrier Rhapsody klingt schon ziemlich topfig), Schottische Tänze in frühem Stereo.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:06):
Original von ab
Was empfiehlst Du also bei Bliss: Wenn nicht Hickox, so nun Wordsworth oder aber Handley?

Wordsworth gefällt mir insgesamt am besten, ist aber nicht mehr greifbar. Handleys Aufnahme ist fast so gut: Rhythmisch etwas fokussierter, klanglich typischer Chandos-Hall. Ich habe auch noch die Aufnahmen von Groves und Lloyd-Jones, es gibt keine wirklich schlechte Einspielung des Stücks.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2088084.jpg

Diese Mid-Price CD enthält u.a. auch das schöne Cello-Konzert.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:07):
YORK BOWEN: Violin Concerto in E minor, op.33; Piano Concerto No.1 in E Flat, op.11
Lorraine McAslan, Michael Dussek, BBC Concert Orchestra, Vernon Handley (Dutton Epoch)

http://cover6.cduniverse.com/MuzeAudioArt/Large/67/924467.jpg

Eigentlich unbegreiflich, dass ein so schönes und sorgfältig gearbeitetes romantisches Violinkonzert wie das des damals 29-jährigen York Bowen so lange vergessen bleiben konnte - sogar den Leuten von Chandos und Hyperion scheint es entgangen zu sein. Im Covertext wird auf einige Ähnlichkeiten mit dem berühmten Elgar-Konzert hingewiesen, sowohl was die Themen als auch was die formale Anlage anbelangt. Tatsächlich gibt es Parallelen, und Bowens Konzert ist mit fast 38 Minuten Länge ähnlich ambitioniert. Indes, die Dichte der thematischen Durchführung und die Feinheit des Orchestersatzes des großen Vorbilds erreicht der junge Bowen dann doch nicht ganz. Dennoch ist das Violinkonzert, das nicht ausgesprochen "britisch" tönt sondern auch vom Kontinent stammen könnte, überaus reizvoll und unterhaltsam. Auf jeden Fall eine Entdeckung wert, und es wird von der für ihre Britten-, Elgar- und Walton-Aufnahmen hochgelobten Lorraine McAslan (z.B. das Britten-Konzert, wiederveröffentlicht bei NAXOS) auch hervorragend gespielt, wenn vielleicht der Geigenton durchaus noch etwas "fetter" sein könnte.

Das anschließende Erste Klavierkonzert (von mindestens vier) entstand noch früher - Bowen schrieb es als 19-jähriger als Virtuosenstück für sich selbst. Hier war der Komponist ganz deutlich noch in den "lehr- und Wanderjahren" - auf eine schöne Einleitung folgt ein ingesamt doch konventionelles Konzert, das sich allzu oft in vordergründig virtuosen Passagen erschöpft. Die Themen wirken im Vergleich zum Violinkonzert etwas beiläufig, auch der Orchestersatz ist deutlich schlichter. Der Stil des Werks orientiert sich weniger an deutschen Vorbildern als an Saint-Saens.

Über die Umsetzung des Konzerts durch Michael Dussek kann man sich indes nicht beklagen, und auch nicht über den ausgezeichnet transparenten Klang der Einspielungen.

Wie so oft erweist sich Vernon Handley - auch noch im inzwischen fortgeschrittenen Alter vn über 70 - als Entdecker und hervorragender Sachwalter gleichermaßen, er führt das BBC Concert Orchestra zu einer disziplinierten, stets intonantionssicheren Aufführung und sorgt für den richtigen Fluss der Musik. Es wäre schön, wenn das Violinkonzert nun auch von anderen Geigern aufgegriffen werden würde.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:08):
RICHARD ARNELL: Symphony No.3, op.40; The New Age - Overture, op.2
Royal Scottish National Orchestra, Martin Yates (Dutton Epoch)

http://www.musicweb-international.com/classrev/2006/Apr06/Arnell_CDLX7161.jpg

Diese CD ist für mich eine der ganz großen persönlichen Entdeckungen des Jahres 2006: Ich kannte Arnell bisher nur als Komponisten einer Ballettmusik, die einmal auf einer Sony-CD vertreten war - erinnere mich vage an neoklassizistisches Fahrwasser. Die vorliegnde Einspielung der 1944-45 komponierten Symphony No.3 aber ist die erste vollständige CD, die ausschließlich den Orchesterwerken des 1916 geborenen englischen Komponisten gewidmet ist.

Die Symphonie ist ein großangelegtes, episches Werk (Laufzeit 63 Minuten) von Brucknerschen Dimensionen - aber gottlob nicht von Bruckner'scher (oder Mahler'scher) Tonsprache. Statt dessen dienen nordische Komponisten, insbesondere Carl Nielsens späte Symphonien - aber auch der späte Sibelius als Vorbild - der Finne genoss in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in England besonders große Bewunderung. Arnells de-facto sechs-sätziges Werk (allerdings ist ein Satz z.B. 1'40 kurz, ein anderer dann 18'40) ist eine richtige Kriegssymphonie voller martialischer Momente mit stampfendem Blech, aber auch nordisch-elegischer Fantasien und einigen leichtfüßigeren Einsprengseln - immer wieder evoziert die Symphonie auch Erinnerungen an Vaughan Williams 6., oder Arnold Bax 3. Symphonie. Dennoch ist die Tonsprache Arnells ganz eigen, wie auch das Beispiel der frühen Ouvertüre "The New Age" zeigt.

Es handelt sich um ein aufregendes symphonisches Werk, und wieder verstehe ich nicht, wie es so lange ignoriert werden konnte. Blitzsauberers Orchesterspiel, Klangbild von großer Tiefe. Ganz tolles Ding!

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:13):
SIR CHARLES VILLIERS STANFORD: Songs of the Fleet, op.117; The Revenge: A Ballad of the Fleet, op.24; Songs of the Sea, op.91
Gerald Finley, BBC National Chorus and Orchestra of Wales, Richard Hickox (Chandos-SACD)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6503606.jpg

Charles Stanford ist als Komponist (außer seinen Chorwerken) auch in Großbritannien weitgehend vergessen, er gehört zur letzten Generation vor der sogenannten "English Musical Renaissance" im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts um Vaughan Williams. Als Lehrer war er jedoch Wegbereiter dieses Aufschwungs an künstlerischer Qualität, und etliche von deren Protagonisten gingen durch seine - zugegeben strengen - Hände. Kommentare wie "Damnably ugly" oder "All rot, m'boy" über die Studienwerke seiner Schüler waren keine Seltenheit und schreckten viele ab.

Interessanterweise forderte er seine Studenten immer dazu heraus, Musik zu schreiben, die sich von der damals in England dominierenden deutschen Romantik abhebt - seine eigenen Werke jedoch zeigen deutliche Einflüsse von Brahms (in den Symphonien), aber auch (in der Kammermusik) Mendelssohn und Schumann.

Er war jedoch auch Pionier in der Verwendung von Volksliedern in symphonischen Partituren (s. Symphony No.3, "The Irish" oder die sechs "Irischen Rhapsodien"). Und so klingen auch einige der hier vereinten (selbstkomponierten) "Seemannslieder", in ihrer Zeit sehr populär, typisch britisch, z.B. "The Little Admiral" aus den SONGS OF THE FLEET oder "The Old Superb" aus den SONGS OF THE SEA. Beide Zyklen umfassen sowohl Lieder zum "Mitsingen" als auch kunstvoller durchgeführte Passagen. Zwischen beiden Zyklen findet sich hingegen ein frühes, mehr dramatisches Werk, eine typische Ballade mit zusammenhängender thematischer Struktur durch die gesamten 25 Minuten des Stücks.

Es handelt sich um die einzige zur Zeit greifbare Aufnahme dieser Werke, und sie ist in interpretatorischer wie in klanglicher Hinsicht sehr gut, wobei die Klangtechnik das Kollektiv gegenüber dem Solisten zu bevorzugen scheint.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:14):
RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Dona Nobis Pacem - A cantata for soprano and baritone soli, chorus and orchestra; Sancta Civitas - An oratorio for tenor and baritone soli, semi-chorus, distant chorus and orchestra*
Yvonne Kenny, Bryn Terfel, Philip Langridge*, Robert Tear*, London Symphony Chorus, Choristers of St.Paul's Cathedral*, London Symphony Orchestra, Richard Hickox (EMI "British Composers")

http://img.tesco.com/pi/entertainment/CD/LF/383993_CD_L_F.jpg

Eine kluge Entscheidung, diese beiden wichtigen Chorwerke von Vaughan Williams auf einer CD zu kombinieren, spiegeln sie doch unterschiedliche Wesenszüge und Stilrichtungen des Komponisten wider und sind so wie zwei Seiten einer Medaille.

Auf der einen steht die kraftvolle Kantate Dona Nobis Pacem, in der Vaughan Williams wieder einmal Gedichte des Amerikaners Walt Whitman vertonte (wie schon in der "Sea Symphony" und "Toward the Unknown Region"), dessen humanistische Botschaft ihn zeitlebens anzog - diesmal umgeben von verschiedenen lateinischen Texten aus der Messe und dem Alten Testament. Hier setzt der Komponist auf starke Kontraste zwischen poetischen und dramatischen Momenten ("Beat! beat! drums!"), in denen er die ausladenden rhethorischen Gesten von Whitman mit ebenso üppigen musik-dramatischen Mitteln umsetzt - im Wechsel mit den liturgischen Texten nimmt Vaughan Williams hier die Struktur von Benjamin Brittens "War Requiem" vorweg.Die Instrumentation ist bisweilen sehr farbig, dann wieder intim.

Ganz anders Sancta Civitas aus dem 1926. Hier herrscht ein impressionistisch-visionärer Tonfall vor, die einzelnen Sätze sind dichter miteinander verwoben, der Grundton ist elegisch - angesichts der Tatsache, dass Vaughan Williams so viele Jahre an seinem Magnus Opus "The Pilgrim's Progress" feilte (mit wenig Erfolg, die Oper konnte sich nicht etablieren) und dass "Sancta Civitas" dieser Oper stilistisch in vielem sehr ähnlich ist, nimmt es nicht Wunder, dass der Komponist dieses Oratorium als sein liebstes unter seinen eigenen Chorwerken bezeichnet hat. Sehr subtil setzt er verschiedene, auch räumlich getrennte Chöre ein, interessant auch die Kombination zweier männlicher Solostimmen.

So ergänzen sich beide Werke - die "öffentliche" pazifistische Rede und der verinnerlichte Monolog - vortrefflich, und Hickox, der 10 Jahre Leiter des LSO Chors war, vermag die Kontraste auch gut in Szene zu setzen. Dazu einige hervorragende Solisten und eine gute Tiefenstaffelung in der Klangtechnik (so wichtig bei groß und so unterschiedlich besetzten Werken) machen diese Einspielung empfehlenswert - man findet diese Kombination der Werke sonst auch nicht.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:17):
ENGLISH MUSIC FOR CELLO AND ORCHESTRA - HERBERT MURRILL: Cello Concerto No.2, "The Songs of the Birds"; SIR GEORGE DYSON: Prelude, Fantasy and Chaconne; EDMUND RUBBRA: Soliloquy, op.57; HAYDN WOOD: Philharmonic Variations
Raphael Wallfisch, BBC Concert Orchestra, Vernon Handley (Sanctuary Classics)

http://www.musicweb-international.com/classrev/2004/Nov04/Song_Birds_CDWHL2153.jpg

Ein sehr schönes Programm mit vier konzertanten Werken für Cello und Orchester, komponiert in dem engen Zeitraum von 1936 bis 1951. Bei allen Unterschieden zwischen den Komponisten sind doch vier Stücke typisch britisch konservativ, tonal. Dabei wechseln Neobarock (Murrill, Rubbra), pastoraler Impressiosnismus (Dyson, v.a. im Kopsatz, der wirklich sehr an Delius gemahnt, wie in den Liner Notes auch zugestanden) und schließlich Spätromantik (Haydn Wood) einander ab.

So entsteht ein farbiges und unterhaltsames Programm, bei dem v.a. das Konzert des mir bis jetzt völlig unbekannten Herbert Murrill (der nur 43 Jahre alt wurde) und das sehr persönliche, verinnerlichte Werk von Edmund Rubbra (immer schon nach wenigen Takten als ein Werk dieses Komponisten zu erkennen) herausragen. Von letzterem gibt es schon eine Aufnahme auf Lyrita, ebenfalls unter Handley. Die anderen Einspielungen sind Weltpremieren.

Murrill schrieb sein Werk mit Hintergedanken auf Pablo Casals, der ihn auf ein spanisches Volklied mit dem Titel "Der Gesang der Vögel" aufmerksam gemacht hatte. So tönt das neobarocke Werk (dessen Einleitung sich vor Bach verneigt - zu einer Zeit, als Bach fast aus dem Gesichtsfeld des Konzertbetriebs verschwunden war) denn auch mehr spanisch-folkloristisch denn englisch, inklusive eines Bolero-Motivs. Einsätzig mit 15 Minuten Laufzeit sehr konzentriert, aber in vier scharf abgegrenzten Passagen.

Rubbra komponierte in einem neobarocken Stil der am ehesten an Vaughan Williams 5. Symphonie denken lässt. Seine Instrumentierung ist sehr ökonomisch, sehr dicht - Farbenliebhaber werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Rubbra betont die melodische Linie und hat so sehr persönliche, sehr dichte, manchmal auch sperrige Stücke geschaffen. Die Soliloquy ist ein gutes Beispiel: eindringlich, ohne Verschwendung einer Note, intensiv im Ausdruck, nicht jedermanns Sache.

Die Werke von Dyson und Wood (einem Komponisten, den man eher für seine "light music" in Erinnerung hat) sind da zugänglicher, farbiger. Dysons quasi-Konzert in drei Sätzen ist das länbgste der CD (21') und setzt auf den Kontrast zwischen der verträumten Prelude im besten "Sommersonnenachtsgartenbeidemflüsschen"-Stil von Frederick Delius und den nachfolgenden, handfester romantischen Sätzen. Haydn Woods Philharmonic Variations erinnern in vielem an Tchaikovsky und verraten nur wenig Eigenständigkeit - sind aber dennoch gut gemacht und entsprechend vergnüglich zu hören.

Wallfisch und Handley sind ein seit vielen Jahren ein etabliertes Duo für die hochklassige Präsentation englischer Musik, und sie enttäuschen nicht. Wallfisch spielt (anders als kürzlich in seiner Aufnahme des Cellokonzerts von Miklós Rózsa mit demselben Orchester unter Barry Wordsworth) mit sattem, sonorem Ton, Handley gestaltet die Orchesterparts prächtig - und v.a. individuell. Hervorragende Klang. CD etwa zum Midprice erhältlich.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:18):
GERALD FINZI: Intimations of Immortality, op.29; For St.Cecilia, op.30
James Gilchrist, Bournemouth Symphony Chorus and Orchestra, David Hill (Naxos)

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Sicher ein Kandidate für die wichtigste Naxos-CD dieses Jahres. Für viele ist Gerald Finzi (1901-56) der einfühlsamste, geschickteste britische Komponist von Vokalmusik, speziell Gedichtvertonungen. Sein Verständnis für Poesie und deren musikalische Umsetzung ist enorm, obwohl IMHO Benjamin Britten ihm bestimmt gleichzusetzen ist.

Die Naxos-CD (bereits die 5. ausschließlich mit Werken Finzis, inklusive zweier CDs mit Liedern) enthält sein bedeutendstes Werk für Solosänger, Chor und Orchester - die fast vierzigminütige Vertonung einer Ode des englischen Romantikers William Wordsworth ("when pleasant thoughts bring sad thoughts to the mind...") - und hier zeigt sich Finzis Genie in der dramatischen Gestaltung zwischen inniger, stiller Melancholie - und Wehklage von größter Vehemenz, mit allen Schattierungen dazwischen. Die "zeremonielle Ode" an St.Cecilia, geschrieben von Finzis Zeitgenossen Edmund Blunden hat zwar nicht das poetische Kaliber von Wordsworth, wird von Finzi aber ebenso fein in Vokal- wie Orchesterpartien umgesetzt.

David Hill, der Chordirektor des St.John's College Cambridge , führt den Tenor Gilchrist und Chor und Orchester der Stadt Bournemouth zu brilanten Leistungen, die durch die geschickte Tontechnik auch in Facetten zu bewundern sind. Gute Tiefenstaffelung des Klangs, hervorragende Balance und durchzugskräftiger Bass - solches Niveau erreichen Naxos-Aufnahmen nicht immer.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:20):
EDWARD ELGAR: A concerto for solo cello and large orchestra in four movements, op.85; WILLIAM WALTON: Concerto for Violoncello and Orchestra, op.68
Daniel Müller-Schott, Oslo Philharmonic Orchestra, André Previn (Orfeo)

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Müller-Schotts Einspielung des Elgar-Konzerts wird schon jetzt zu den gelungesten überhaupt gezählt, verbindet Deutschlands neuer "Star-Cellist" doch einen satten Ton und hohe Expressivität mit flüssigem, niemals forciertem Spiel (anders z.B. als in Jaqueline DuPrés klassischer Einspielung mit Barbirolli, in der die Cellistin doch ein ums andere Mal heftigst "drückt", um den Höhepunkten zu mehr Durchschlagskraft zu verhelfen).

Das Cellokonzert ist das letzte bedeutende Werk Elgars, und es zeigt deutlich die Auswirkungen, die der I. Weltkrieg in der englischen Gesellschaft und Kunst hinterlassen hat: ein Gefühl des Verlusts von geistigen Werten, auch von Illusionen über die Erreichbarkeit einer friedlibeneden Gesellschaft, und natürlich der persönliche Verlust von Freunden und Verwandten in den Schützengräben. Das Cellokonzert ist völlig frei von der veräußerlichten Festlichkeit mancher früherer Werke (keineswegs z.B. den beiden Symphonien), mit denen Elgar bis heute - zumindest von Leuten mit Holzwürmern im Kopf - immer noch ausschließlich identifiziert wird. Für Elgar was es auch ein innerer Abschluss mit dem Beruf des Komponisten, "Finis" steht am Ende der Partitur.

William Walton hingegen war ein "Bonvivant", der die schönen Seiten des Lebens zu geniessen wusste und sich nur widerwillig zur Arbeit bequemte. Seine Werke setzen mehr auf Eleganz, Brillanz und Witz - dem Celokonzert mangelt es, ganz im Gegensatz zum fabelhaften Violinkonzert, manchmal an prägnanten melodischen Einfällen. Das Werk ist durchweg unterhaltsam und inspiriert, erreicht aber nicht die gedankliche Tiefe Elgars. Auch hier ist das Engagement Müller-Schotts und des Osloer Orchesters unter Previn lobenswert.

Das Klangbild stellt den Solisten sehr stark in den Vordergrund, das Orchester könnte in begleitenden Passagen körperhafter abgebildet sein.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:21):
ANTONÍN DVORÁK: Cello Concerto in B minor, op.104; EDWARD ELGAR: Cello Concerto in E minor, op.85*
Robert Cohen, London Philharmonic Orchestra, Zdenek Mácal, Norman Del Mar* (EMI)

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Erstaunlich, dass die Kopplung dieser beiden wichtigen Cellokonzerte der Spätromantik nicht häufiger anzutreffen ist (ich finde sonst kein Beispiel aus jüngerer Zeit, wo dies der Fall ist), dürften doch beide Werke denselben Hörerkreis ansprechen. Dabei gibt es doch deutliche Unterschiede in der Grundstimmung: Bei Dvorák entfaltet sich eine ungeheure Vielfalt melodischen Materials, und auch die Emotionen sind insgesamt positiver, die Farben leuchtender. Bei Elgar wiederum eine sparsame, ja fast "ausgezehrte" Instrumentation, ein insgesamt einheitlich "herbstlichere" Abschiedsstimmung (s.o.).

Die Aufnahnme des Elgar-Konzerts mit Robert Cohen war, damals noch auf LP, einer meiner ersten eigenen Klassikkäufe überhaupt - und heute höre ich sie auf CD zum ersten Mal seit über anderthalb Jahrzehnten. Mehr als Müller-Schott setzt Cohen auf dramatische Akzente, eher in der Nachfolge du Prés, und vielleicht sogar mit einem insgesamt schöneren, trotz Emphase runderem Ton als sie. Aus Cohens Spiel spricht Elgar vielleicht weniger mit leiser Resignation und Melancholie als mit offener Verzweiflung. Cohen nahm das Werk später nochmals auf, unter der Leitung von Charles Mackerras für Decca/Argo.

Im Dvorák leuchtet Cohen gekonnt die Farben des Werks aus, unterstützt von Zdenek Macál, dem heutigen Chefdirigenten der Tschechischen Philharmonie. Das Elgar-Konzert erklingt unter Leitung von Norman Del Mar, einem als Exzentriker bekannten Dirigenten, den man vor keinen Karren einer Organisation lange spannen konnte und der so eine von brillanten Höhepunkten (z.B. Bax 6. Symphonie) geschmückte, aber sehr uneinheitliche Diskografie hinterliess.

Das Klangbild der späten Analogaufnahmen (1980/81) ist kraftvoll und von größter Präsenz.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:22):
EDWARD ELGAR: Organ Sonata in G (orch. Gordon Jacob); The Wand of Youth - Music to a Child's Play, op.1a/b
Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Vernon Handley (EMI)

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Nach dem Cello-Konzert nun einige Schätze ganz vom "Anfang" von Elgars Schaffen: in Anführungszeichen deshalb, weil er die farbigen, charmanten Miniaturen aus den beiden "Wand of Youth"-Suiten seiner Jugend (er schrieb die Melodien mit 12!) erst als Fünzigjähriger orchestrierte, 1907 nämlich. So entand eine überaus unterhaltsame Mischung aus jugendlicher "Leichtigkeit" und der Erfahrung des professionellen Komponisten, wirkliche Prezisosen. Das "Programm" dieser Suiten besteht aus Ideen für ein kleines Schauspiel, dass sich Edward und seine Geschwister ausgedacht hatten, mit Fehen, Drachen, Zwergen, Riesen etc. Und so farbig ist denn auch die Partitur.

Gordon Jacobs Orchesterfassung der Orgelsonate (op.28) wird fast nie gespielt und IIRC wurde sie auch bisher nur zweimal aufgenommen. Jacob empfindet sehr gekonnt Elgars "festive mode" in seiner Instrumentation nach, vielleicht mit ein bischen zuviel Tamtam und Dschingserassabum. Und so ist es das romantische "Andante espressivo", das den angenehmsten Eindruck hinterlässt. Dennoch eine Katalogbereicherung und unterhaltsame 24 Minuten - wie überhaupt die ganze CD für Elgar-Komplettisten sicher ein Muss ist. Handleys Einspielungen sind wie immer pointiert und ohne Manierismen, und er behandelt die Miniaturen genauso ernsthaft wie die großen Werke. Wesentlich besser als z.B. James Judds Aufnahme für Naxos!

Gruß, Thomas /QUOTE]
nubar (13.02.2007, 16:23):
GUSTAV HOLST: Ballet Music from "The Perfect Fool"; Oriental Suite "Beni Mora"; The Planets - Suite for Large Orchestra, op.32
BBC Symphony Orchestra, Royal Philharmonic Orchestra, Sir Malcolm Sargent (EMI)

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Neben Adrian Boult war Malcolm Sargent in den 40er bis 60er Jahren wohl der eifrigste Förderer englischer Musik, ist aber heute außerhalb Englands weit weniger bekannt. Seine Aufnahme der "Planeten" datiert bereits von 1958, in frühem Stereo. In den Crescendi hört man der Aufnahme natürlich ihr Alter an (wie übrigens auch allen Living Stereo oder Living Presence Aufnahmen jener Tage!), doch insgesamt ist die Klangqualität erfreulich präsent und mit einiger Tiefe.

Sargents Tempi sind mitunter sehr zügig, so benötigt er gerade mal 3:31(!) für "Merkur", in "Saturn" allerdings 9:35 und in "Venus" 9:11 (der überaus flotte William Steinberg schafft sie in 7:45 bzw. 7:25!). Bei einigen Soli wackelt es im RPO. Die Darstellung insgesamt wirkt jedoch sehr organisch, v.a. auch im "big tune" von "Jupiter". Wegen der Begrenzung der Dynamik verliert der abschließende "Neptune" ein klein wenig von seiner Mystik.

Als Ergänzung gibt es die zehnminütige Ballettmusik aus "The Perfect Fool", die häufig mit den "Planeten" gekoppelt wurde. In "Beni Mora" schafft Sargent nicht ganz das durchschlagende Format von Boult in dessen Lyrita-Aufnahme, dem allerdings auch eine wesentlich bessere Klangtechnik zur Verfügung stand.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:26):
MALCOLM ARNOLD: Symphony for Brass Instruments, op.123; Symphony No.9, op.128
The Philip Jones Brass Ensemble; Bournemouth Symphony Orchestra, Vernon Handley (Decca)

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Zwei Spätwerke aus dem reichhaltigen Schaffen des kürzlich verstorbenen Malcolm Arnold. Die 9. und letzte Symphonie (das Cover der CD-Box ist mißverständlich, zählt es doch die "Bläser-Sinfonie" sowie eine frühe Symphony for String Instruments mit, die aber nicht zum numerierten Zyklus der Sinfonien gehören) ist sein kältester, depressivster Beitrag zu diesem Genre - geschrieben während einer seiner tiefen Lebenskrisen und erst Jahre nach der Entstehung aufgeführt.

Es handelt sich um ein sparsames, ja geradezu "kahles" Werk und lässt in seiner Struktur an Mahlers 9. denken, v.a. aber auch an die Symphonien von Shostakovich. Der letzte Satz, ein besonders karges Adagio, in dem es kaum einmal mehr als zwei Stimmen nebeneneinander gibt, dauert so lang wie die übrigen drei Sätze zusammen (in der vorliegenden Einspielung knapp 24 Minuten, von insgesamt 49').

Keine leichte Kost, aber eine lohnenswerte Erfahrung - und Vernon Handley legt die bislang beste Einspeilung des Werks vor - seine Interpretation leuchtet deutlicher als Gamba und v.a. Penny die verschiedenen Aspekte von Arnolds "symphonischer Depression" aus, wirkt in den Details charaktervoller und mit größerem Bogen geplant. Ganz eindeutig jedoch ist das Spiel des Orchesters aus Bournemouth dem der Kollgen aus Manchester bzw. Dublin überlegen, ja geradezu brillant - und durch die fahlen Farben kann sich kein Mitglied, kein Solist "verstecken". Auch die Klangtechnik ist ein einer Weise präsent und glasklar, dass sie die Konkurrenz aussticht.

Die "Symphonie für Blechbläser" ist eine späte Referenz an Arnolds erste Karriere, als Trompeter beim London Philharmonic Orchestra - und ebenfalls ein sehr sperriges Werk, wenn auch nicht ganz so "aschfahl" wie die 9. Sinfonie. Die Bläser des berühmten Philip Jones Ensemble (brillante Blechbläserkapellen sind eine englische und amerikanische Spezialität) erhält jede Menge Gelegenheit, seine Virtuosität unter Beweis zu stellen. Kaum noch etwas erinnert in diesem Stück an die heiteren "Gassenhauer", die manche Themen in Anrolds Symphonien waren.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:27):
FREDERICK DELIUS: Brigg Fair (An English Rhapsody); In a Summer Garden; Eventyr (Once upon a time); A Song of Summer; Summer Night on the River*; A Song before Sunrise*; The Walk to the Paradise Garden*
Hallé Orchestra, *London Philharmonic Orchestra, Vernon Handley (EMI)

http://www.violinproject.de/deliushandley.jpg

79 Minuten Delius am Stück sind sicher nicht jedermanns Sache, und so genießt man die unabhängig voneinander teilweise wirklich betörend schönen impressionistischen Tongemälde (jeweils einsätzig, zwischen 6 und 18 Minuten Länge) am besten in kleineren Portionen.

Frederick Delius (1862-1934) war zwar Engländer, er war jedoch sehr frankophil und lebte auch lange im Land des "Erzfeindes". Und so gehören seine Werke streng genommen nicht zur sog. "English Musical Renaissance" um Vaughan Williams. Obwohl Delius Oeuvre beinahe alle Genres (außer der Symphonie) umfasst und seine Oper "A Village Romeo and Juliet" (aus der "The Walk to the Paradise Garden" stammt) sich immer noch einer gewissen Popularität erfreut, so muss man doch sagen, dass sein spezielles Talent für Miniaturen in den vorliegenden kurzen Orchesterwerken am besten zur Geltung kommt - die CD enthält alle wichtigen Beiträge von Delius, und auch das selten gespielte "Eventyr". Die Konzerte (für Violine, Cello oder Klavier) hingegen wirkten oft formal wenig plausibel und gar nicht aufregend).

Für Delius-Einsteiger ist diese großzügig gefüllte CD mit exemplarischen Einspielungen aus den Jahren 1981 (Hallé) bzw. 1977 zum Super-Budget-Preis ideal geeignet. Vernon Handley weist in seinem Kommentar im Text darauf hin, viele Dirigenten machten den Fehler, die Schönheit der Musik durch zu langes "Verweilen" noch betonen zu wollen, doch bedürften die Werke dem gar nicht und wrden nur Schaden nehmen. So sind Handleys Einspielungen denn auch klangschön und differenziert, aber recht zügig.

Das Hallé Orchestra, nicht gerade die Perle englischer Orchesterkultur, spiuelt unter seiner Leitung weit disziplinierter und klarer als jemals unter Barbirolli. Angemessen opulentes Klangbild mit genug Wärme.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:30):
EDWARD ELGAR: Sea Pictures, op.37; Symphony No.2 in E-flat Major, op.63
Larisa Avdeyeva, USSR State Symphony Orchestra, Evengy Svetlanov (Scribendum/Melodiya)

http://www.musicabona.com/coversbig/sc032.jpg

Stimulierende, kontrastreiche Elgar-Interpretationen aus ungewohnter Quelle. Die Sea Pictures erklingen - obwohl nirgendwo auf oder in der CD-Hülle erwähnt - auf Russisch, vorgetragen von einem Mezzo mit ausgesprochen voluminöser, dramatischer Stimme.

Gegenüber den mir bekannten Einspielungen von der Insel (Barbirolli, Handley, Hickox, Thomson) sind die rhythmischen Kontraste enorm geschärft, die Tempowechsel geradezu "wild" forciert. Zumeist funktioniert dieser Ansatz hervorragend, zumal auch das russische Orchester erstaunlich souverän die Wechsel zwischen Explosivität und Intimität meistert. Sicher keine "Sea Pictures" für alle Tage, aber doch ein erfrischener Ansatz.

Der setzt sich auch in der nachfolgenden Sinfonie fort, die Svetlanov besonders im ersten Satz durch Tempoforcierung noch dramatischer, noch schärfer die häufigen Stimmungswechseln der Musik betonendd geradezu herunter"drischt". Nur 14 Minuten benötigt er für den Kopfsatz - zum Vergleich: Handley in 17 1/2 und der überaus gemächliche Sinopoli in fast 21! Hernach wirkt die reine Zeitdauer "mainstreamiger", doch auch hier entsteht das "Normale" durch ungewöhnliche Forcierungen der Tempi in die eine oder andere Richtung. Natürlich führt die anspruchsvolle Partitur, die das Orchester kaum im Blut gehabt haben kann, hier zu einigen "Ausritten" v.a. der Bläser. Insgesamt aber überaus belebend.

Der Klang (Liveaufnahme von 1977) ist überraschend gut, mit viele Tiefe und ordentlich Wumms. Anders als andere Melodiya-Aufnahmen wurden die unter dem "Srcibendum" Label in England wiederveröffentlichten in den Abbey Road Studios neu gemastert!

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:33):
EDWARD ELGAR: Concerto for Cello and Orchestra in E minor, op.85
Raphael Wallfisch, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Richard Dickins (Nimbus)

http://cover6.cduniverse.com/MuzeAudioArt/Large/08/893908.jpg

Sehr nervöse und "melancholische" Einspielung des Elgar-Konzerts mit schlankem Celloton vor sehr kompakt, aber präsent aufgenommenem Orchester (wie bei Nimbus üblich wird kein Toningenieur genannt). Wallfisch rafft die schelleren Passagen sehr, wirkt dadurch auch etwas gehetzt. Wie DuPré neigt er dazu, sich in Momenten der Emphase noch einmal besonders ins Zeug zu legen und zu drücken, die sich daraus ergebenden besonders starken Betonungen muss man nicht unbedingt schätzen.

Für dieses Album spricht allerdings die interessante Kopplung mit zwei weniger bekannten, gleichwohl hervorragenden englischen Werken für Cello und Orchester, Gustav Holsts 10-minütige "Invocation" und das halbstündige "Oration: Concerto elegiaco" von Brittens Kompositionslehrer Frank Bridge.

Für eine neutralere, flüssigere, spieltechnisch aber (auch als DuPré) bessere Aufnahme empfehle ich Daniel Müller-Schott:

http://www.classicstoday.com/images/coverpics/10190_coverpic.jpg

http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=10190

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:34):
DOUGLAS COATES: Violin Concerto in D; ERNEST JOHN MOERAN: Violin Concerto*
Colin Sauer, *Alfredo Campoli, BBC Northern Symphony Orchestra, *BBC Symphony Orchestra, Sir Charles Groves, *Sir Adrian Boult (divine art)

http://cover6.cduniverse.com/MuzeAudioArt/920/920129.jpg

Historische Aufnahmen zweier englischer Violinkonzerte, von denen das erste, von Douglas Coates, selbst für Eingeweihte völlig unbekannt gewesen sein muss. Der Grund hierfür liegt darin, dass es von Coates dreisätzigem, spätromantischen Konzert nur diese eine Aufnahme gibt, und auch sonst keine von IRGENDEINEM seiner Werke. Und es wird auch keine mehr geben: Coates vernichtete vor seinem Tod alle seine größeren Konzertwerke, weil sie nie gespielt wurden - er selbst war im Hauptberuf Bankangestellter. Deshalb ist die vorliegende Aufnahme einer Radioübertragung von 1951 das einzige Tondokument.

Das Konzert hat einen wunderbaren, 15 Minuten langen ersten Satz mit famosen Themen und solider, wenngleich konventioneller Form. Die beiden anschließenden Sätze sind nicht nur mit je unter 5 Minuten sehr kurz, sondern auch weit weniger "gewichtig", wodurch das Werk unaug´sgeglichen ist. Dennoch aber unterhaltsam, wenn es auch (1934 komponiert) nicht über in etwa Elgar an "Modernität" hinausgeht.

Das Konzert von Moeran ist durch die Chandos-Aufnahme mit Lydia Mordkovitch natürlich bekannter - die Radioübertragung von 1953 spielt Alfredo Campoli - und auch wenn Mordkovitchs Einspielung exzellent ist, so muss man doch Campoli eine Klasse höher einordnen (er machte auch eine famose Aufnahme des Elgar-Konzerts unter Boult, ebenfalls in den 50ern), und auch der Klang ist gemessen an den technischen Problemen und der Quellenlage überraschend gut - voll, relativ dynamisch, und man hört die Details der Orchestrierung.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:40):
GUSTAV HOLST: The Planets - Suite for Large Orchestra, op.32
London Symphony Orchestra, André Previn (EMI DVD-Audio)

http://www.classicalcdreview.com/SUR21.jpg

Diese DVD-A war ein 4.99 Wühltisch-Angebot von Saturn-Hansa. Der Klang ist speaktakulär räumlich und der Tiefbass erderschütternd - ob das nun auf DVD-Audio-Technologie zurückgeht oder schon in der Originalaufnahme von Christopher Parker aus dem Jahr 1973 so war, kann ich leider mangels LP-CD-Fassungen nicht überprüfen. Jedenfalls kommt die Breitwand-Wirkung von Holsts Suite voll zum Tragen.

Die Interpretation durch Previn und das LSO ist vollmundig, im "Mars" lässt es Previn bei gemäßigten Tempi ganz schön krachen - so martialisch habe ich dieses Stück bisher noch nie gehört. Auch im weiteren Verlauf setzt er aufs Handgreifliche, was insbesondere den Sätzen "Jupiter", "Saturn" und "Uranus" gut tut. Insgesamt eine beachtenswert virtuos krachlederne Lesart. Neben den Planeten finden sich noch die Ballettmusik aus "The Perfect Fool" und Holsts "heimliches Meisterwerk", die Tondichtung "Egdon Heath" (nach Thomas Hardy) auf der DVD-A. Ob dafür eine DVD 10 nötig war?

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:52):
EDWARD ELGAR: Sea Pictures, op.37; The Music Makers, op.69
Sarah Connolly, Bournemouth Symphony Orchestra and Chorus, Simon Wright (Naxos)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1980563.jpg

Eine schöne Aufnahme, die trotzdem von den sechs, die ich kenne (Janet Baker, Bernadette Greevey, Linda Finnie, Felicity Lott, und last not least Larisa Andeyeva - auf Russisch) nur der sechste Sieger ist. Obwohl die Tempi gar nicht schnell sind wirken manche Sequenzen gehetzt, Silben unangenehm verkürzt und Betonungen künstlich. Hinzu kommt, dass trotz großer Tiefe und Plastizität das Klangbild insgesamt synthetisch wirkt, Stimme und Orchester mischen sich schlecht.

Die mir bis dato unbekannte Sarah Connelly hat zwar eine sehr klangschöne, volle und abgerundete Stimme, doch fehlt ihr die Tiefe von Janet Baker.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:58):
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6392860.jpg

Ein sehr attraktives und klug zusammengestelltes Programm englischer Musik, leider sind Ausführung und Klang nicht mehr als solides Mittelmaß. Es handelt sich um einen Livemitschnitt aus der Royal Albert Hall, und wer da schon mal ein Konzert gehört hat, der weiss, wie entfernt und pauschal dort die Orchester klingen. Zwar haben die Toningenieure einiges gerettet, und zumindest der Tiefbass kommt sher schön (Orgel in "Sea Pictures"), aber dennoch klingt alles etwas belegt. In dem Liederzyklus agiert die Mezzo-Sopranistin zwar mit Stil und Akuratesse, aber wenig Druck und dramatischem Flair.

Vergleichsaufnahmen:

Sea Pictures - Janet Baker, Barbirolli (EMI), oder Linda Finnie, LSO, Bryden Thomson (Chandos)
November Woods - LPO, Adrian Boult (Lyrita) oder BBC PO, Vernon Handley (Chandos)
The Young Person' Guide - Cincinnati SO, Paavo Järvi (Telarc), LPO, Leonard Slatkin (RCA-BMG)

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 14:43):
Liebe Forianer,

schon lange trage ich mich damit herum, die sehr schönen Beiträge unseres Mitglieds sound67 zu würdigen. Da er sich sehr für die englische Sinfonik interessiert, dachte ich, dass dieser Thread die geeignete Möglichkeit dazu ist. Ganz uneigennützig bin ich dabei auch nicht, da ich mich ebenfalls für diese Musik interessiere und auch schon tolle Erfahrungen machen durfte, wobei ich trotzdem noch diesbezüglich sehr unwissend bin.

Ich denke, es lohnt sich, hier seinen Horizont zu erweitern. Gerade für Zeitgenossen eher tonalen Geschmacks hält die englische Sinfonik des 20.Jahrhunderts viele Überraschungen bereit.
Über auch bei uns bekanntere Komponisten wie Britten, Elgar oder Holst können natürlich noch spezielle Threads eröffnet werden.

Nun frisch ans Werk, ich werde erstmal die Beiträge aus dem Tread "Was hört ihr heute?" suchen und übertragen und bin gespannt auf weitere Meinungen und Empfehlungen.

Grüße, nubar
nubar (13.02.2007, 14:53):
NP: RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Fantasia on a Theme of Thomas Tallis; Five Variants of Dives and Lazarus; Job - A Masque for Dancing
The London Philharmonic Orchestra, Vernon Handley (EMI)

http://musicweb-international.com/classrev/2002/Jun02/RVW_job_dfp.jpg

Diese CD ist auch in der Handley-Box mit den neun Symphonien enthalten, obwohl sie strenggenommen gar nicht zu dem Zyklus der Einspielungen gehört, entstanden diese Aufnahmen doch Jahre vorher mit einem anderen Orchester. So wurde die Tallis-Fantasie bereits 1974(!) eingespielt, daran liegt es vielleicht auch, dass Handley hier nicht ganz die Kraft seiner späteren RVW-Interpretationen erreicht. Die Referenz in diesem frühen Meisterwerk von 1910 bleiben John Barbirolli und Andrew Davis.

Die Five Variants sind ein leichtgewichtigeres Stück, aber durchweg inspiriert und für Streicher und Harfen geschickt gesetzt. Die CD schließt mit einem weiteren Hauptwerk des Komponisten, der fast 50 minütigen"Ballettpantomime"(?) JOB nach den Illustrationen des Buches Hiob durch den englischen Dichter und Graphiker William Blake (eine davon ziert das Cover). Es ist ein visionäres Werk von Vaughan Williams, voll betörender impressionistischer Schönheit, unterbrochen aber auch durch harte, dissonante Passagen in Vorausdeutung auf die 4. Symphonie. Hier ist allenfalls die Einspielung durch Adrian Boult auf EMI British Composers noch etwas packender, allerdings klingt Handleys Aufnahme besser.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 14:57):
MALCOLM ARNOLD: English Dances (complete); Cornish Dances; Serenade for Small Orchestra, Sinfoniettas 1-3

http://www.violinproject.de/arnoldenglish.jpg

Schöner, gutgefüllter Sampler mit den sinfonischen Tänzen und den Sinfoniettas von Malcolm Arnold. Sehr solide Einspielungen, guter Analogklang.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:02):
Eine kleine Ergänzung:

Die dem Commonwealth zugehörigen Staaten können natürlich bedingt auch mit dazugenommen werden, sofern es Werke aus der gleichen Musiktradition sind.

DOUGLAS LILBURN: Aotearoa-Overture; A Birthday Offering, Drysdale Overture, The Forest (Tone Poem), A Song of Islands; Festival Overture, Processional Overture

http://ec1.images-amazon.com/images/P/B000H1QUQK.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V59939293_.jpg

Die zweite Naxos-CD mit Werken des neuseeländischen Vaughan Williams-Schülers Douglas Lilburn (nach den drei Sinfonien). Schöne, kürzere Orchesterwerke, wie die beiden ersten Sinfonien deutlich von Silbelius beeinflusst, jedoch etwas glatter und weniger "abgründig" in der Stimmung. Gute Einspielungen und Klang.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:06):
ENGLISH STRING MASTERPIECES - EDWARD ELGAR: Serenade for Strings, op.20; BENJAMIN BRITTEN: Variations on a Theme of Frank Bridge, op.10; RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Fantasia on a Theme of Thomas Tallis; MICHAEL TIPPETT: Fantasia Concertante on a Theme of Corelli

http://www.prestoclassical.co.uk/images/records/regisrrc1138.jpg

Der Morgen beginnt mit einer äußerst stimulierenden Sammlung englischer Musik für Streichorchester. Die CD umfasst wirklich nur "Meisterwerke", und zumindest die Variationen über ein Thema von Frank Bridge (dem Lehrer Brittens) erfahren hier so etwas wie eine Referenzeinspielung. Groves war einer der größten Experten für britische Musik, und keine seiner Einspielungen ist schlechter als "sehr gut". Auch voller, transparenter Klang mit gutem Bass in der Aufnahme von 1989 (Groves starb 1992). Für knapp 10 Euro sehr(!) zu empfehlen.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:09):
EDWARD ELGAR: Sea Pictures, op.37
Bernadette Greevy, London Philharmonic Orchestra, Vernon Handley (EMI)

http://musicweb-international.com/classrev/2002/Jun02/Elgar2_Sea_Pictures_cfp.jpg

Neben dem Violin- und dem Cellokonzert mein Lieblingswerk des Komponisten. Greevy hat nicht ganz die Stimme von Janet Baker (unter Barbirolli, ebenfalls EMI), aber Vernon Handley führt sie und das Orchester mit Umsicht und Differenzierungsvermögen durch den fünfteiligen Liederzyklus. Höhepunkt hier wie da ist das dritte Lied, "Sabbath Morning at Sea". In den Takten, die mit "He shall assist me to look higher" beginnen packt es mich jedes Mal.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:12):
NP: EDWARD ELGAR: Violin Concerto in B minor, op.61
Yehudi Menuhin, New Philharmonia Orchestra, Sir Adrian Boult (EMI British Composers)

http://www.violinproject.de/elgarmenuhin.jpg

Menuhin führte das Stück mehr als 30 Jahre zuvor unter Elgars Leitung auf - die Einspielung ist inzwischen Legende - leider aber eben nur "historisch" in jeder Beziehung!

Das Remake mit Boult von 1965 erreicht nicht die Klasse z.B. von Alfredo Campoli - dazu ist Menuhins Ton in dieser Zeit schon zu harsch, seine Technik nicht mehr auf der absoluten Höhe. Auch Boults Begleitung fällt hinter die für Campoli zurück. Perlman (mit Barenboim!), Hahn, Kennedy (unter Handley - nicht das Brechmittel mit Rattle!), etc. - alle sind sie besser.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:18):
BENJAMIN BRITTEN: Violin Concerto, op.15
Lydia Mordkovitch, BBC Symphony Orchestra, Richard Hickox (Chandos)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3747759.jpg

BENJAMIN BRITTEN: Violin Concerto, op.15; Cello Symphony, op.68
Rebecca Hirsch, Tim Hugh, BBC Scottish Symphony Orchestra, Takuo Yuasa (Naoxs)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1391237.jpg

Zwei in jeder Hinsicht unterschiedliche Deutungen von Brittens Violinkonzert: Die Oistrakh-Schülerin Morkovitch mit einem scharfen Ritt und harschem, gelegentlich auch unsauberem Ton - aber sehr leidenschaftlich, Hirsch mit entspannterem Zugriff und weichem, rundem, sanglichem Ton. Beide Lesarten haben ihren Reiz, wobei vor allem die räumlich transparentere, gleichzeitig aber auch präsentere Abbildung des Orchesters in der Naxos-Aufnahme zusätzlich für diese einnimmt.

Gruß, Thomas
Rachmaninov (13.02.2007, 15:18):
Original von nubar
Liebe Forianer,

schon lange trage ich mich damit herum, die sehr schönen Beiträge unseres Mitglieds sound67 zu würdigen. Da er sich sehr für die englische Sinfonik interessiert, dachte ich, dass dieser Thread die geeignete Möglichkeit dazu ist. Ganz uneigennützig bin ich dabei auch nicht, da ich mich ebenfalls für diese Musik interessiere und auch schon tolle Erfahrungen machen durfte, wobei ich trotzdem noch diesbezüglich sehr unwissend bin.

Ich denke, es lohnt sich, hier seinen Horizont zu erweitern. Gerade für Zeitgenossen eher tonalen Geschmacks hält die englische Sinfonik des 20.Jahrhunderts viele Überraschungen bereit.
Über auch bei uns bekanntere Komponisten wie Britten, Elgar oder Holst können natürlich noch spezielle Threads eröffnet werden.

Nun frisch ans Werk, ich werde erstmal die Beiträge aus dem Tread "Was hört ihr heute?" suchen und übertragen und bin gespannt auf weitere Meinungen und Empfehlungen.

Grüße, nubar

@Nubar,

danke für diese sehr wichtige und sehr nützliche Arbeit.
Die Beiträge hier zusammen zu führen erachte ich als sehr sinnvoll, da sound67 im "Was höre ich..." Thread sehr genau auch die jeweiligen Aufnahmen eingeht.

grazie
nubar (13.02.2007, 15:19):
RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Symphony No.3, "A Pastoral Symphony"; Symphony No.5 in D Major
London Philharmonic Orchestra, Sir Adrian Boult (Decca)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6814371.jpg

Lange habe ich diese Einspielungen aus dem Mono-Zyklus von Boult nicht gehört. Die "Pastorale" gehört zu den besten Aufnahmen aus der Box, während die Höhepunkte der 5. Symphonie von anderen Dirigenten (Handley, Thomson, Previn, Hickox) doch besser herausgearbeitet wurden. Akzeptabler Klang, aber selbst für die Endphase von Mono sicher nicht state-of-the-art.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:20):
ARNOLD BAX: Concerto for Violin and Orchestra; A Legend; Romantic Overture; Golden Eagle (Incidental Music)
Lydia Mordkovitch, The London Philharmonic Orchestra, Bryden Thomson (Chandos)

http://www.violinproject.de/baxvc.jpg

Eine CD mit eher schwächeren Werken von Arnold Bax, zumeist aus der Spätphase seines kompositorischen Schaffens (bevor er ganz aufhörte). Das Violinkonzert kann mit den anderen konzertanten Werken - z.B. den famosen Winter Legends für Klavier und Orchester, aber auch den Symphonischen Variationen für Klavier und Orchester, nicht mithalten. Besonders der Kopfsatz wirkt ideeenarm und ist mit 14 Minuten einfach zu lang für das Material. Besser sieht es in dem schönen lyrischen Mittelsatz aus, und auch das folkloristische Kopfmotiv des Finales gefällt. Von den kürzeren Stücken der CD ist einzig die Tondichtung "A Legend" erwähnenswert, auch wenn diese nicht die Klasse von Bax besten Arbeiten in diesem Genre (Tintagel, November Woods, The Happy Forest, The Garden of Fand) erreicht.

Das Spiel von Lydia Mordkovitch ist mit Fehlern behaftet, aber es ist nunmal die einzige moderne Aufnahme des Konzerts (inzwischen ist auch eine historische Aufnahme mit der ursprünglichen Solistin, Eda Kersey - die ein Jahr nach der Aufnahme tragisch verstarb - auf Dutton erhältlich).

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:23):
EDWARD ELGAR: Violin Concerto; WILLIAM WALTON: Violin Concerto
Salvatore Accardo, London Symphony Orchestra, Richard Hickox (früher Collins, jetzt Regis)

http://www.regisrecords.co.uk/images/covers/RRC1014.jpg

Eine der schönsten Veröffentlichungen aus dem eher durchwachsenen Regis-Katalog. Die CD erschien ursprünglich 1989 bei Collins und erhielt zumeist sehr gute Kritiken. Besonders gelungen finde ich die Interpretation des Walton-Konzerts (wenn auch nicht besser als die von Suwanai z.B.), beim Elgar ist mir Herr Accardo mit zu "kurzem" Bogenstrich unterwegs. Positiv überrascht mich in Rückschau die zügige, zupackende Gangart von Dirigent Richard Hickox. Insgesamt transparenter, voller Klang, der jedoch die Violine etwas benachteiligt.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:30):
BENJAMIN BRITTEN: The Young Person's Guide to the Orchestra; Four Sea Interludes from "Peter Grimes"; EDWARD ELGAR: Variations on an Original Theme, "Enigma"
Cincinnati Symphony Orchestra, Paavo Järvi (Telarc)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8976601.jpg

Der neue GMD des HR-Sinfonieorchesters liefert mit seinem "alten" Ensemble mal wieder eine virtuos gespielte, sorgfältig gestaltete und im Grunde fehler-, aber auch "keimfreie" Darbietung ab. Und wie meist kann man sich über den "spektakulären" Telarc-Sound durchaus streiten: Die extreme Dynamik sorgt dafür, dass entweder leise Stellen unhörbar sind, oder aber die Lauten die Boxen zerreissen. Hinzu kommt ein SEHR betonter Tiefbass.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:33):
Original von Jürgen
Hallo Thomas,

vom Young Person's Guide kenne ich bislang nur einen Auschnitt als Konzerteröffnung von "Yes". Deine Beurteilung der gesamten CD klingt ja eher verhalten. Welche Einspielung dieses Stücks kannst Du denn empfehlen ?

The London Philharmonic unter Leonard Slatkin, auf RCA/Red Seal (ist aber AFAIK gestrichen:

http://ec1.images-amazon.com/images/P/B000003FAA.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V1115811231_.jpg
nubar (13.02.2007, 15:35):
NP: EDWARD ELGAR: A Concerto for Solo Cello and Full Orchestra , op.85
Daniel Müller-Schott, Oslo Philharmonic Orchestra, André Previn (Orfeo)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9007529.jpg

Die neue Einspielung wird bereits mancherorts als Referenz gehandelt. Müller-Schott ist der Shootings Star unter den deutschen Cellisten und gefällt hier mit einer flüssigen, nie forcierten, dennoch pointierten Darstellung. Das Oslo Philharmonic könnte man sich facettenreicher und direkter abgebildet wünschen.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:38):
BENJAMIN BRITTEN: Overture "Canadian Carnival", op.19; Violin Concerto, op.15; Mont Juic: Suite of Catalan Dances, op.9 (orch. Lennox Berkeley)
Lorraine McAslan, English Chamber Orchestra, Steuart Bedford (Naxos)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9701768.jpg

Gute Einspieluing des Violinkonzerts und zwei attraktive Raritäten: der etwas fragmentarische, fast impressionistische Canadian Carnival ist immerhin interessanter als so manche andere von Brittens Gelegenheitswerken (American Overture, Occasional Overture), die Suite katalanischer Tänze sehr farbig und unterhaltsam. Im Zentrum steht natürlich das Konzert, und McAslan bietet eine sensible, aber dramatische Lesart - nicht so geschliffen wie Rebecca Hirsch (ebenfalls auf Naxos), nicht so exzentrisch wie Vengerov (EMI), aber durchaus interessant. Leider ist ihre Geige aufnahmetechnisch etwas benachteiligt, steht sehr im Orchester. Ansonsten durchweg brillant plastischer, dynamischer Klang.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:42):
BENJAMIN BRITTEN: Overture "Paul Bunyan"; Piano Concerto, op.13; Johnson Over Jordan (Suite)
Joanna MacGregor, English Chamber Orchestra, London Symphony Orchestra, Steuart Bedford (NAXOS)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5517639.jpg

Wenn es eine CD aus der Naxos-Serie (ehemals Collins) mit Werken von Benjamin Britten gibt, die man sich vielleicht schenken kann, dann ist es IMHO diese. Nicht wegen der Interpretationen oder der Tonqualität - beides ist superb - sondern wegen der vergleichsweise uninteressanten Werke selbst. Das Klavierkonzert wirkt im Vergleich zu dem wenig späteren Violinkonzert (op.15) flach, fahrig und nur in wenigen Passagen (Eröffnung!) wirklich mitreißend. Daran ändert auch die "Zugabe" des ursprünglichen Finales wenig.

Die 5-Minuten-Ouvertüre zu der Operette "Paul Bunyan", die erst durch die Neuproduktion von Philip Brunelle für Virgin in den späten 1980ern überhaupt einem breiteren Publikum bekannt wurde, ist ein, gemessen am Schwung und Melodienreichtum des Singspiels, geradezu erschreckend "vakantes" Musikstück, dass so gar nichts von der Lebensfreude des Bühnenwerks vermittelt. Colin Matthews orchestrierte die Ouvertüre nach Klaviersketchen von Britten, der das Vorspiel schon vor der Uraufführung von "Paul Bunyan" verworfen hatte.

Ironischerweise ist die leichtfüßige, bisweilen jazzige Musik zu dem Theaterstück "Johnson Over Jordan" das vielleicht unterhaltsamste Stück der CD.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:44):
MALCOLM ARNOLD: Symphonies Nos. 7 & 8
BBC Philharmonic Orchestra, Rumon Gamba (Chandos)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4092691.jpg

Gelungene, sehr zügige Einspielungen dieser beiden späten Symphonien (1973 und 1979) des gestern verstorbenene englischen Komponisten Sir Malcolm Arnold, der hierzulande für seine Filmmusik ("The Bridge on the River Kwai") am bekanntesten sein dürfte. Die beiden Symphonien sind typisch für Arnold Genrebeiträge, mit deutlichen Brüchen zwischen schroffen Dissonanzen (oft vorgetragen von exzellent orchestrierten Blechbläsern - Arnold begann seine Karriere als Trompeter - und reichlich Schlagwerk), elegischen Streicherpassagen (Mittelsätze!) von meist depressivem Grundduktus sowie oft überschänglichen, manchmal geradezu comichaft überzogenen folkloristischen Finalsätzen. In den Spätwerken haben sich diese Brüche nochmals vertieft.

Gambas schnelle Tempi lassen es vielleicht an Einfühlungsvermögen in den an Shostakovich erinnerenden düsteren Streicherpassagen vermissen, haben aber den großen Vorteil, dass hierdurch der Zusammenhalt der brüchigen Werke gestärkt wird. Insgesamt würde ich dennoch Handleys Einspielungen (die ja demnächst nach längerer Abstinenz wieder erscheinen werden), ehemals auf Connifer, den Vorzug geben. Er trifft meiner Meinung nach am besten den Tonfall genau zwischen Depression und Lebensfreude, der Arnolds werk durchzieht. Sicher mehr als der etwas unverbindlich effiziente Andrew Penny auf Naxos.

In der 7. Symphonie sprechen die Linernotes von einer Radioaufführung unter Arnolds eigener Leitung, die fast eine Stunde gedauert habe. In der Partitur sind 37 Minuten angegeben, und genauso lang ist auch Handleys Version. Gamba schafft die Symphonie in rund 32 Minuten! Wohl gemerkt: Ohne Wiederholungen auf der einen oder Schnitte auf der anderen Seite.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:45):
MALCOLM ARNOLD: A Sussex Overture, Beckus the Dandipratt; The Smoke; The Far Field; Commonwealth Christmas Overture
The London Philharmonic Orchestra, Sir Malcolm Arnold (Reference Recordings)

http://www.musicweb-international.com/classrev/Apr99/arnoldovertur.jpg

Wie üblich sind Arnolds eigene Interpretation (im Vergleich z.B. zur Ouvertüren-CD von Gamba) durch eher bedächtige Tempi getragen, so auch hier: Das schadet z.B. der Commonwealth Christmas Overture, die zwar durch exotisches Schlagwerk überaus farbig ist, durch Wiederholungen aber doch zur Überlänge tendiert. In dieser Auswahl (seinerzeit immerhin 4 CD-Premieren) ist wohl die jazzige "The Smoke" die schmissigste Overture. Ein gutes Beispiel für das instrumentale Geschick Arnolds und sein Flair für Unterhaltung auf hohem handwerklichem Niveau.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:49):
EDWARD ELGAR: Violin Concerto in B minor, op.61
Alfredo Campoli, The London Philharmonic Orchestra, Sir Adrian Boult (Beulah)

http://www.violinproject.de/elgarcampoli.jpg

Je öfter ich diese Einspielung höre, desto mehr wird sie zu meinem Favoriten unter den Aufnahmen dieses Konzerts.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:51):
RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Fantasia on a Theme of Thomas Tallis; Fantasia on Greensleeves; The Lark Ascending; Five Variants of "Dives and Lazarus"
Iona Brown, Academy of St.Martin-in-the-Fields, Neville Marriner (Decca)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7771221.jpg

Dieses Programm aus dem Jahr 1972 habe ich vglw. spät erworben, weil die CD trotz ihrer kurzen Laufzeit (49') und des Alters der Aufnahme sehr lange im Hochpreisbereich angesiedelt war. Marriner leitet durchweg sehr gut ausgearbeitete, jedoch (bes. in The Lark Ascending und den Five Variants) arg getragene Einspielungen wichtiger Werke von Vaughan Williams. Die Tallis-Fantasie leidet zudem an einem nicht ideal durchhörbaren Klangbild (das war bei Barbirolis legendärer Version auf EMI ein paar Jahre zuvor schon anders), auch ist der Violinton von Iona Brown in The Lark Ascending nicht durchweg ungetrübt.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:56):
http://cover6.cduniverse.com/MuzeAudioArt/Large/87/939587.jpg

Ein abwechslungsreiches Programm mit Filmmusik, Gelegenheitswerken und einer recht komplexen Symphonie des kürzlich verstorbenenen englischen Komponisten Malcolm Arnold. Es handelt sich hierbei um eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 2004, die durch ihren guten Klang immerhin belegt, dass man in der Royal ALbert Hall durchaus ordentliche Aufnahmen machen kann.

Was die Interpretationen angeht, so komme ich zu einem etwas zwiespältigen Urteil: Vernon Handley ist ein Spezialist für britische Musik und speziell die Arnolds, wovon sein überaus gelungener kompletter Zyklus der Symphonien zeugt, der gerade erst neu erschienen ist:

http://www.malcolmarnold.co.uk/biog/images/arnoldedition1.jpg

In der Liveaufnahme zieht Handley das Tempo in der 6. im langsamen Mittelsatz überraschend scharf an und kommt so auf nur 9:26. Die Studioaufnahme bringt es hier auf 10:59(!) und wirkt so wesentlich düsterer und nachdenklicher. Das schnellere Tempo ebnet etwas die Unterschiede zwiuschen den Sätzen ein. Die Studioaufnahme (mit dem Royal Philharmonic, das ich gestern zum ersten Mal live hören durfte) ist zudem besser gespielt.

Der Rest des Programms umfasst eine Suite aus der Filmmusik "The Inn of the Sixth Happiness", in der Handley leider in den häufig beobachteten Fehler verfällt, das Ganze zu langsam zu spielen. FIlmmusik (auch bei Arnold) ist direkter in der Wirkung und weniger subtil in den Mittel als Konzertmusik und sollte deshalb eher zügig und zupackend interpretiert werden. Hier ist Hickox Studioeinspielung auf Chandos vorzuziehen.

Gelungen sind die Einspielungen der Ouvertüre "Beckus the Dandipratt" (einer Art britischem Till Eulenspiegel) und des dreisätzigen "Philharmonic Concerto", das ebenso wie die Symphonie typisch ist für Arnold Mischung aus Lebensfreude, Energie auf der einen, Introvertiertheit und Verzweiflung auf der anderen Seite.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:58):
WILLIAM WALTON: Variations on a Theme by Hindemith; Symphony No.1
Bournemouth Symphony Orchestra, Vernon Handley (EMI)

http://www.violinproject.de/waltonhandley.jpg
Toningenieur: Mike Clements

Hervorragende Einspielung der 1. Symphonie, in der Handley seine zehn Jahre ältere Aufnahme mit dem Royal Liverpool Philharmonic (1978) bei weitem übertrifft. Im Gegensatz zu den Liverpoolern (in jener Aufnahme) spielen die Musiker aus Bournemouth hervorragend, und Handleys Lesart ist diesmal noch zupackender, rhythmisch noch prägnanter. Diese Einspielung kann sich wirklich mit der Andre Previns mit dem LSO aus dem Jahr 1967 (auf Decca wiederveröffentlicht) messen und übertrifft die von Charles Mackerras (ebenfalls auf EMI).

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 15:59):
RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Piano Concerto in C Major; FREDERICK DELIUS: Piano Concerto in C minor
Piers Lane, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Vernon Handley (EMI)

http://cover6.cduniverse.com/MuzeAudioArt/Large/68/494368.jpg

Zehn Jahre nach der Einspieluing mit Howard Shelley für (das in der Zwischenzeit erloschene Label) Lyrita nahm Vernon Handley Vaughan Williams sperriges, bitonales Klavierkonzert erneut auf, diesmal mit dem fleißigen Pianisten Piers Lane. Das Ergebnis kommt nicht ganz an den Vorläufer heran, dazu fehlt es Lane bei aller Fingerfertigkeit an dem nötigen "Gewicht", dem Klavierklang zudem an Dimension. In Delius noch deutlich der Spätromantik verhaftetem Konzert gefällt Lanes etwas rauer, schlanker Ansatz besser.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:01):
ARTHUR BLISS: Ceremonial Prelude; Welcome to the Queen; A Song of Welcome; Miracle in the Gorbals (Suite); Music for Strings
Philharmonia Orchestra, Sir Arthur Bliss (EMI, Mono)

http://images.amazon.com/images/P/B000HKD7RG.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V41368645_.jpg

Diese Einspielungen unter Leitung des Komponisten sind eine Mischung aus zeremoniellen Gelegenheitswerken und zweier der bekannsten Stücke, dem Ballett "Miracle in the Gorbals" und der großartigen "Music for Strings". Die höfischen Stücke (Bliss war nach dem Tod von Arnold Bax "Master of the Queen's Musick" (mit "k")) sind nicht besonders beeindruckend - eine "Prelude" mit Orgel und Orchester, ein "Welcome the Queen" im Charakter eines der Pomp-and-Circumstance-Märsche von Elgar bzw. jenen von William Walton, und eine kurze "Kantate" für Sopran (immerhin Joan Sutherland - ihre erste Schallplattenaufnahme!), Bariton, Chor und Orchester mit 16 Minuten Länge, die aber kaum über "Musik des Augenblicks" hinausgeht.

Von ganz anderem Kaliber die beiden abschließenden Stücke, die zusammmen auch 47 1/2 der knapp 77 Minuten der CD ausmachen - Miracle in the Gorbals, das düsterste von 4 langen Balletten von Bliss, das mit seinem Sujet ganz eindeutig auf Bartóks "Der wunderbare Mandarin" verweist (Straßen/Bordellmilieu), stilistisch aber wie üblich eine sehr persönliche Mischung von Stravinsky und Elgar ist - Bliss kann man immer nach wenigen Takten an ihr erkennen.

Die Musik für Streicher reiht sich in die Liste der Meisterwerke der Streicherliteratur englischer Komponisten (Vaughan Williams "Tallis Fantasia" und Brittens "Variationen über ein Thema von Bridge" gehören bspw. dazu) ein - brillant für Streicher gesetzt, hochvirtuos, dabei aber von großem Gehalt.

Bliss war ein professioneller Dirigent und hat oft eigene Werke dirigiert, und so sind diese (gut klingenden) Monoaufnahmen durchaus zu empfehlen, auch wenn modernere Einspielungen die Referenzen für sich beanspruchen können.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:02):
ARTHUR BLISS: A Colour Symphony, Concerto for Violin and Orchestra
Lydia Mordkovitch, BBC National Orchestra of Wales, Richard Hickox (Chandos)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1473683.jpg

Die "Colour Symphony" gehört schon seit fast zwei Jahrzehnten zu meinen absoluten Lieblingswerken, nicht nur der englischen Orchesterliteratur. Die einzigartige Mischung aus der Noblesse Elgars und dem Ungestüm von Igor Stravinskys "Petruschka" wurde zum Markenzeichen von Arthur Bliss, anhand dessen jedes seiner größeren Werke schon nach wenigen Takten erkennbar ist. In frühen Werken wie der "Colour Symphony" überwiegt noch der Einfluss Stravinskkys (z.B. auch Rout), in den späteren, abgeklärteren ist Elgars Tonsprache deutlicher zu vernehmen.

Ich bin kein großer Freund von Richard Hickox Einspielungen bei Chandos, am wenigstens seines Vaughan Williams. Die Aufnahme der "Colour Symphony" jedoch hat ihre Meriten, v.a. in der rhythmischen Prägnanz und Kraft in den schnellen Passagen. Hickox zieht die Zügel im flotten 2. Satz straff an, anders als z.B. Barry Wordsworth in seiner wunderbar weichen, fließenden Einspielung auf Nimbus mit demselben Orchester - aber anderthalb Jahrzehnte früher. Im Ganzen wirkt Hickox Aufnahme allerdings auch etwas hemdsärmelig, polternd, es fehlt der Glanz von Wordsworth, aber auch von Handley (Chandos). Positiv fallen v.a. die Holzbläser des guten walisischen Orchesters auf (von dessen Qualitäten ich mich bei den Proms unlängst u.a. in Shostakovichs 15. Symphonie überzeugen durfte), überhaupt ist die Einspielung recht farbig. Nur ein wenig zu "rough around the edges" für meinen Geschmack.

Mit dem recht langen, phasenweise mäandrierenden Violinkonzert (1953), geschrieben für - und in Zusammenarbeit mit - dem italienischen Virtuosen Alfredo Campoli muss ich erst warm werden. Bliss schrieb das Konzert Campoli auf den Leib, zugeschnitten auf dessen bekanntermaßen weichen, singenden Ton. Für den ist die Solistin der vorliegenden Aufnahme, Lydia Morkovitch, trotz ihrer vielen Vorzüge nun nicht unbedingt bekannt. Vielleicht eine Fehlbesetzung? Muss noch häufiger hören. Jedenfalls ist es nicht annähernd so aufregend wie die "Colour Symphony" (1922), aber da war Bliss Sturm-und-Drang Zeit ja auch längst vorbei.

Leider ist es mir bisher nicht gelungen, die CDs von einer der beiden Aufnahmen mit Campoli (beide unter Bliss) in die Finger zu kriegen. So fehlt der Vergleich.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:04):
MALCOLM ARNOLD: Sound Barrier Rhapsody, op.38*; English Dances, Sets I & II, opp. 27 & 33; Homage to the Queen, op.42 (complete ballet), Scottish Dances, op.59
Royal Philharmonic Orchestra*, Malcolm Arnold*; Philharmonia Orchestra, Robert Irving (EMI)

http://images.amazon.com/images/P/B0000263TW.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V59665203_.jpg

Hauptwerk auf dieser CD ist das vollständige Ballett "Homage to the Queen" aus dem Jahr 1953, das gegenüber der Suite (Einspielung siehe Bostock, Royal Aarhus College of Music Symphony Orchestra) etliche zusätzliche Preziosen enthält und insgesamt überaus charmant und flott daherkommt (Gesamtlaufzeit ca. 42 Minuten). Das ist allerdings auch das Problem dieser Zusammenstellung - alles in ihr ist charmant, flott, unterhaltsam, beste "British Light Music". Und auf eine Laufzeit von 77 Minuten ist diese Art Musik am Stück nur schwer zu goutieren. Akzeptable Monoaufnahmen aus den 50ern (die Sound Barrier Rhapsody klingt schon ziemlich topfig), Schottische Tänze in frühem Stereo.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:06):
Original von ab
Was empfiehlst Du also bei Bliss: Wenn nicht Hickox, so nun Wordsworth oder aber Handley?

Wordsworth gefällt mir insgesamt am besten, ist aber nicht mehr greifbar. Handleys Aufnahme ist fast so gut: Rhythmisch etwas fokussierter, klanglich typischer Chandos-Hall. Ich habe auch noch die Aufnahmen von Groves und Lloyd-Jones, es gibt keine wirklich schlechte Einspielung des Stücks.

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Diese Mid-Price CD enthält u.a. auch das schöne Cello-Konzert.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:07):
YORK BOWEN: Violin Concerto in E minor, op.33; Piano Concerto No.1 in E Flat, op.11
Lorraine McAslan, Michael Dussek, BBC Concert Orchestra, Vernon Handley (Dutton Epoch)

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Eigentlich unbegreiflich, dass ein so schönes und sorgfältig gearbeitetes romantisches Violinkonzert wie das des damals 29-jährigen York Bowen so lange vergessen bleiben konnte - sogar den Leuten von Chandos und Hyperion scheint es entgangen zu sein. Im Covertext wird auf einige Ähnlichkeiten mit dem berühmten Elgar-Konzert hingewiesen, sowohl was die Themen als auch was die formale Anlage anbelangt. Tatsächlich gibt es Parallelen, und Bowens Konzert ist mit fast 38 Minuten Länge ähnlich ambitioniert. Indes, die Dichte der thematischen Durchführung und die Feinheit des Orchestersatzes des großen Vorbilds erreicht der junge Bowen dann doch nicht ganz. Dennoch ist das Violinkonzert, das nicht ausgesprochen "britisch" tönt sondern auch vom Kontinent stammen könnte, überaus reizvoll und unterhaltsam. Auf jeden Fall eine Entdeckung wert, und es wird von der für ihre Britten-, Elgar- und Walton-Aufnahmen hochgelobten Lorraine McAslan (z.B. das Britten-Konzert, wiederveröffentlicht bei NAXOS) auch hervorragend gespielt, wenn vielleicht der Geigenton durchaus noch etwas "fetter" sein könnte.

Das anschließende Erste Klavierkonzert (von mindestens vier) entstand noch früher - Bowen schrieb es als 19-jähriger als Virtuosenstück für sich selbst. Hier war der Komponist ganz deutlich noch in den "lehr- und Wanderjahren" - auf eine schöne Einleitung folgt ein ingesamt doch konventionelles Konzert, das sich allzu oft in vordergründig virtuosen Passagen erschöpft. Die Themen wirken im Vergleich zum Violinkonzert etwas beiläufig, auch der Orchestersatz ist deutlich schlichter. Der Stil des Werks orientiert sich weniger an deutschen Vorbildern als an Saint-Saens.

Über die Umsetzung des Konzerts durch Michael Dussek kann man sich indes nicht beklagen, und auch nicht über den ausgezeichnet transparenten Klang der Einspielungen.

Wie so oft erweist sich Vernon Handley - auch noch im inzwischen fortgeschrittenen Alter vn über 70 - als Entdecker und hervorragender Sachwalter gleichermaßen, er führt das BBC Concert Orchestra zu einer disziplinierten, stets intonantionssicheren Aufführung und sorgt für den richtigen Fluss der Musik. Es wäre schön, wenn das Violinkonzert nun auch von anderen Geigern aufgegriffen werden würde.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:08):
RICHARD ARNELL: Symphony No.3, op.40; The New Age - Overture, op.2
Royal Scottish National Orchestra, Martin Yates (Dutton Epoch)

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Diese CD ist für mich eine der ganz großen persönlichen Entdeckungen des Jahres 2006: Ich kannte Arnell bisher nur als Komponisten einer Ballettmusik, die einmal auf einer Sony-CD vertreten war - erinnere mich vage an neoklassizistisches Fahrwasser. Die vorliegnde Einspielung der 1944-45 komponierten Symphony No.3 aber ist die erste vollständige CD, die ausschließlich den Orchesterwerken des 1916 geborenen englischen Komponisten gewidmet ist.

Die Symphonie ist ein großangelegtes, episches Werk (Laufzeit 63 Minuten) von Brucknerschen Dimensionen - aber gottlob nicht von Bruckner'scher (oder Mahler'scher) Tonsprache. Statt dessen dienen nordische Komponisten, insbesondere Carl Nielsens späte Symphonien - aber auch der späte Sibelius als Vorbild - der Finne genoss in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in England besonders große Bewunderung. Arnells de-facto sechs-sätziges Werk (allerdings ist ein Satz z.B. 1'40 kurz, ein anderer dann 18'40) ist eine richtige Kriegssymphonie voller martialischer Momente mit stampfendem Blech, aber auch nordisch-elegischer Fantasien und einigen leichtfüßigeren Einsprengseln - immer wieder evoziert die Symphonie auch Erinnerungen an Vaughan Williams 6., oder Arnold Bax 3. Symphonie. Dennoch ist die Tonsprache Arnells ganz eigen, wie auch das Beispiel der frühen Ouvertüre "The New Age" zeigt.

Es handelt sich um ein aufregendes symphonisches Werk, und wieder verstehe ich nicht, wie es so lange ignoriert werden konnte. Blitzsauberers Orchesterspiel, Klangbild von großer Tiefe. Ganz tolles Ding!

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:13):
SIR CHARLES VILLIERS STANFORD: Songs of the Fleet, op.117; The Revenge: A Ballad of the Fleet, op.24; Songs of the Sea, op.91
Gerald Finley, BBC National Chorus and Orchestra of Wales, Richard Hickox (Chandos-SACD)

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Charles Stanford ist als Komponist (außer seinen Chorwerken) auch in Großbritannien weitgehend vergessen, er gehört zur letzten Generation vor der sogenannten "English Musical Renaissance" im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts um Vaughan Williams. Als Lehrer war er jedoch Wegbereiter dieses Aufschwungs an künstlerischer Qualität, und etliche von deren Protagonisten gingen durch seine - zugegeben strengen - Hände. Kommentare wie "Damnably ugly" oder "All rot, m'boy" über die Studienwerke seiner Schüler waren keine Seltenheit und schreckten viele ab.

Interessanterweise forderte er seine Studenten immer dazu heraus, Musik zu schreiben, die sich von der damals in England dominierenden deutschen Romantik abhebt - seine eigenen Werke jedoch zeigen deutliche Einflüsse von Brahms (in den Symphonien), aber auch (in der Kammermusik) Mendelssohn und Schumann.

Er war jedoch auch Pionier in der Verwendung von Volksliedern in symphonischen Partituren (s. Symphony No.3, "The Irish" oder die sechs "Irischen Rhapsodien"). Und so klingen auch einige der hier vereinten (selbstkomponierten) "Seemannslieder", in ihrer Zeit sehr populär, typisch britisch, z.B. "The Little Admiral" aus den SONGS OF THE FLEET oder "The Old Superb" aus den SONGS OF THE SEA. Beide Zyklen umfassen sowohl Lieder zum "Mitsingen" als auch kunstvoller durchgeführte Passagen. Zwischen beiden Zyklen findet sich hingegen ein frühes, mehr dramatisches Werk, eine typische Ballade mit zusammenhängender thematischer Struktur durch die gesamten 25 Minuten des Stücks.

Es handelt sich um die einzige zur Zeit greifbare Aufnahme dieser Werke, und sie ist in interpretatorischer wie in klanglicher Hinsicht sehr gut, wobei die Klangtechnik das Kollektiv gegenüber dem Solisten zu bevorzugen scheint.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:14):
RALPH VAUGHAN WILLIAMS: Dona Nobis Pacem - A cantata for soprano and baritone soli, chorus and orchestra; Sancta Civitas - An oratorio for tenor and baritone soli, semi-chorus, distant chorus and orchestra*
Yvonne Kenny, Bryn Terfel, Philip Langridge*, Robert Tear*, London Symphony Chorus, Choristers of St.Paul's Cathedral*, London Symphony Orchestra, Richard Hickox (EMI "British Composers")

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Eine kluge Entscheidung, diese beiden wichtigen Chorwerke von Vaughan Williams auf einer CD zu kombinieren, spiegeln sie doch unterschiedliche Wesenszüge und Stilrichtungen des Komponisten wider und sind so wie zwei Seiten einer Medaille.

Auf der einen steht die kraftvolle Kantate Dona Nobis Pacem, in der Vaughan Williams wieder einmal Gedichte des Amerikaners Walt Whitman vertonte (wie schon in der "Sea Symphony" und "Toward the Unknown Region"), dessen humanistische Botschaft ihn zeitlebens anzog - diesmal umgeben von verschiedenen lateinischen Texten aus der Messe und dem Alten Testament. Hier setzt der Komponist auf starke Kontraste zwischen poetischen und dramatischen Momenten ("Beat! beat! drums!"), in denen er die ausladenden rhethorischen Gesten von Whitman mit ebenso üppigen musik-dramatischen Mitteln umsetzt - im Wechsel mit den liturgischen Texten nimmt Vaughan Williams hier die Struktur von Benjamin Brittens "War Requiem" vorweg.Die Instrumentation ist bisweilen sehr farbig, dann wieder intim.

Ganz anders Sancta Civitas aus dem 1926. Hier herrscht ein impressionistisch-visionärer Tonfall vor, die einzelnen Sätze sind dichter miteinander verwoben, der Grundton ist elegisch - angesichts der Tatsache, dass Vaughan Williams so viele Jahre an seinem Magnus Opus "The Pilgrim's Progress" feilte (mit wenig Erfolg, die Oper konnte sich nicht etablieren) und dass "Sancta Civitas" dieser Oper stilistisch in vielem sehr ähnlich ist, nimmt es nicht Wunder, dass der Komponist dieses Oratorium als sein liebstes unter seinen eigenen Chorwerken bezeichnet hat. Sehr subtil setzt er verschiedene, auch räumlich getrennte Chöre ein, interessant auch die Kombination zweier männlicher Solostimmen.

So ergänzen sich beide Werke - die "öffentliche" pazifistische Rede und der verinnerlichte Monolog - vortrefflich, und Hickox, der 10 Jahre Leiter des LSO Chors war, vermag die Kontraste auch gut in Szene zu setzen. Dazu einige hervorragende Solisten und eine gute Tiefenstaffelung in der Klangtechnik (so wichtig bei groß und so unterschiedlich besetzten Werken) machen diese Einspielung empfehlenswert - man findet diese Kombination der Werke sonst auch nicht.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:17):
ENGLISH MUSIC FOR CELLO AND ORCHESTRA - HERBERT MURRILL: Cello Concerto No.2, "The Songs of the Birds"; SIR GEORGE DYSON: Prelude, Fantasy and Chaconne; EDMUND RUBBRA: Soliloquy, op.57; HAYDN WOOD: Philharmonic Variations
Raphael Wallfisch, BBC Concert Orchestra, Vernon Handley (Sanctuary Classics)

http://www.musicweb-international.com/classrev/2004/Nov04/Song_Birds_CDWHL2153.jpg

Ein sehr schönes Programm mit vier konzertanten Werken für Cello und Orchester, komponiert in dem engen Zeitraum von 1936 bis 1951. Bei allen Unterschieden zwischen den Komponisten sind doch vier Stücke typisch britisch konservativ, tonal. Dabei wechseln Neobarock (Murrill, Rubbra), pastoraler Impressiosnismus (Dyson, v.a. im Kopsatz, der wirklich sehr an Delius gemahnt, wie in den Liner Notes auch zugestanden) und schließlich Spätromantik (Haydn Wood) einander ab.

So entsteht ein farbiges und unterhaltsames Programm, bei dem v.a. das Konzert des mir bis jetzt völlig unbekannten Herbert Murrill (der nur 43 Jahre alt wurde) und das sehr persönliche, verinnerlichte Werk von Edmund Rubbra (immer schon nach wenigen Takten als ein Werk dieses Komponisten zu erkennen) herausragen. Von letzterem gibt es schon eine Aufnahme auf Lyrita, ebenfalls unter Handley. Die anderen Einspielungen sind Weltpremieren.

Murrill schrieb sein Werk mit Hintergedanken auf Pablo Casals, der ihn auf ein spanisches Volklied mit dem Titel "Der Gesang der Vögel" aufmerksam gemacht hatte. So tönt das neobarocke Werk (dessen Einleitung sich vor Bach verneigt - zu einer Zeit, als Bach fast aus dem Gesichtsfeld des Konzertbetriebs verschwunden war) denn auch mehr spanisch-folkloristisch denn englisch, inklusive eines Bolero-Motivs. Einsätzig mit 15 Minuten Laufzeit sehr konzentriert, aber in vier scharf abgegrenzten Passagen.

Rubbra komponierte in einem neobarocken Stil der am ehesten an Vaughan Williams 5. Symphonie denken lässt. Seine Instrumentierung ist sehr ökonomisch, sehr dicht - Farbenliebhaber werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Rubbra betont die melodische Linie und hat so sehr persönliche, sehr dichte, manchmal auch sperrige Stücke geschaffen. Die Soliloquy ist ein gutes Beispiel: eindringlich, ohne Verschwendung einer Note, intensiv im Ausdruck, nicht jedermanns Sache.

Die Werke von Dyson und Wood (einem Komponisten, den man eher für seine "light music" in Erinnerung hat) sind da zugänglicher, farbiger. Dysons quasi-Konzert in drei Sätzen ist das länbgste der CD (21') und setzt auf den Kontrast zwischen der verträumten Prelude im besten "Sommersonnenachtsgartenbeidemflüsschen"-Stil von Frederick Delius und den nachfolgenden, handfester romantischen Sätzen. Haydn Woods Philharmonic Variations erinnern in vielem an Tchaikovsky und verraten nur wenig Eigenständigkeit - sind aber dennoch gut gemacht und entsprechend vergnüglich zu hören.

Wallfisch und Handley sind ein seit vielen Jahren ein etabliertes Duo für die hochklassige Präsentation englischer Musik, und sie enttäuschen nicht. Wallfisch spielt (anders als kürzlich in seiner Aufnahme des Cellokonzerts von Miklós Rózsa mit demselben Orchester unter Barry Wordsworth) mit sattem, sonorem Ton, Handley gestaltet die Orchesterparts prächtig - und v.a. individuell. Hervorragende Klang. CD etwa zum Midprice erhältlich.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:18):
GERALD FINZI: Intimations of Immortality, op.29; For St.Cecilia, op.30
James Gilchrist, Bournemouth Symphony Chorus and Orchestra, David Hill (Naxos)

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Sicher ein Kandidate für die wichtigste Naxos-CD dieses Jahres. Für viele ist Gerald Finzi (1901-56) der einfühlsamste, geschickteste britische Komponist von Vokalmusik, speziell Gedichtvertonungen. Sein Verständnis für Poesie und deren musikalische Umsetzung ist enorm, obwohl IMHO Benjamin Britten ihm bestimmt gleichzusetzen ist.

Die Naxos-CD (bereits die 5. ausschließlich mit Werken Finzis, inklusive zweier CDs mit Liedern) enthält sein bedeutendstes Werk für Solosänger, Chor und Orchester - die fast vierzigminütige Vertonung einer Ode des englischen Romantikers William Wordsworth ("when pleasant thoughts bring sad thoughts to the mind...") - und hier zeigt sich Finzis Genie in der dramatischen Gestaltung zwischen inniger, stiller Melancholie - und Wehklage von größter Vehemenz, mit allen Schattierungen dazwischen. Die "zeremonielle Ode" an St.Cecilia, geschrieben von Finzis Zeitgenossen Edmund Blunden hat zwar nicht das poetische Kaliber von Wordsworth, wird von Finzi aber ebenso fein in Vokal- wie Orchesterpartien umgesetzt.

David Hill, der Chordirektor des St.John's College Cambridge , führt den Tenor Gilchrist und Chor und Orchester der Stadt Bournemouth zu brilanten Leistungen, die durch die geschickte Tontechnik auch in Facetten zu bewundern sind. Gute Tiefenstaffelung des Klangs, hervorragende Balance und durchzugskräftiger Bass - solches Niveau erreichen Naxos-Aufnahmen nicht immer.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:20):
EDWARD ELGAR: A concerto for solo cello and large orchestra in four movements, op.85; WILLIAM WALTON: Concerto for Violoncello and Orchestra, op.68
Daniel Müller-Schott, Oslo Philharmonic Orchestra, André Previn (Orfeo)

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Müller-Schotts Einspielung des Elgar-Konzerts wird schon jetzt zu den gelungesten überhaupt gezählt, verbindet Deutschlands neuer "Star-Cellist" doch einen satten Ton und hohe Expressivität mit flüssigem, niemals forciertem Spiel (anders z.B. als in Jaqueline DuPrés klassischer Einspielung mit Barbirolli, in der die Cellistin doch ein ums andere Mal heftigst "drückt", um den Höhepunkten zu mehr Durchschlagskraft zu verhelfen).

Das Cellokonzert ist das letzte bedeutende Werk Elgars, und es zeigt deutlich die Auswirkungen, die der I. Weltkrieg in der englischen Gesellschaft und Kunst hinterlassen hat: ein Gefühl des Verlusts von geistigen Werten, auch von Illusionen über die Erreichbarkeit einer friedlibeneden Gesellschaft, und natürlich der persönliche Verlust von Freunden und Verwandten in den Schützengräben. Das Cellokonzert ist völlig frei von der veräußerlichten Festlichkeit mancher früherer Werke (keineswegs z.B. den beiden Symphonien), mit denen Elgar bis heute - zumindest von Leuten mit Holzwürmern im Kopf - immer noch ausschließlich identifiziert wird. Für Elgar was es auch ein innerer Abschluss mit dem Beruf des Komponisten, "Finis" steht am Ende der Partitur.

William Walton hingegen war ein "Bonvivant", der die schönen Seiten des Lebens zu geniessen wusste und sich nur widerwillig zur Arbeit bequemte. Seine Werke setzen mehr auf Eleganz, Brillanz und Witz - dem Celokonzert mangelt es, ganz im Gegensatz zum fabelhaften Violinkonzert, manchmal an prägnanten melodischen Einfällen. Das Werk ist durchweg unterhaltsam und inspiriert, erreicht aber nicht die gedankliche Tiefe Elgars. Auch hier ist das Engagement Müller-Schotts und des Osloer Orchesters unter Previn lobenswert.

Das Klangbild stellt den Solisten sehr stark in den Vordergrund, das Orchester könnte in begleitenden Passagen körperhafter abgebildet sein.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:21):
ANTONÍN DVORÁK: Cello Concerto in B minor, op.104; EDWARD ELGAR: Cello Concerto in E minor, op.85*
Robert Cohen, London Philharmonic Orchestra, Zdenek Mácal, Norman Del Mar* (EMI)

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Erstaunlich, dass die Kopplung dieser beiden wichtigen Cellokonzerte der Spätromantik nicht häufiger anzutreffen ist (ich finde sonst kein Beispiel aus jüngerer Zeit, wo dies der Fall ist), dürften doch beide Werke denselben Hörerkreis ansprechen. Dabei gibt es doch deutliche Unterschiede in der Grundstimmung: Bei Dvorák entfaltet sich eine ungeheure Vielfalt melodischen Materials, und auch die Emotionen sind insgesamt positiver, die Farben leuchtender. Bei Elgar wiederum eine sparsame, ja fast "ausgezehrte" Instrumentation, ein insgesamt einheitlich "herbstlichere" Abschiedsstimmung (s.o.).

Die Aufnahnme des Elgar-Konzerts mit Robert Cohen war, damals noch auf LP, einer meiner ersten eigenen Klassikkäufe überhaupt - und heute höre ich sie auf CD zum ersten Mal seit über anderthalb Jahrzehnten. Mehr als Müller-Schott setzt Cohen auf dramatische Akzente, eher in der Nachfolge du Prés, und vielleicht sogar mit einem insgesamt schöneren, trotz Emphase runderem Ton als sie. Aus Cohens Spiel spricht Elgar vielleicht weniger mit leiser Resignation und Melancholie als mit offener Verzweiflung. Cohen nahm das Werk später nochmals auf, unter der Leitung von Charles Mackerras für Decca/Argo.

Im Dvorák leuchtet Cohen gekonnt die Farben des Werks aus, unterstützt von Zdenek Macál, dem heutigen Chefdirigenten der Tschechischen Philharmonie. Das Elgar-Konzert erklingt unter Leitung von Norman Del Mar, einem als Exzentriker bekannten Dirigenten, den man vor keinen Karren einer Organisation lange spannen konnte und der so eine von brillanten Höhepunkten (z.B. Bax 6. Symphonie) geschmückte, aber sehr uneinheitliche Diskografie hinterliess.

Das Klangbild der späten Analogaufnahmen (1980/81) ist kraftvoll und von größter Präsenz.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:22):
EDWARD ELGAR: Organ Sonata in G (orch. Gordon Jacob); The Wand of Youth - Music to a Child's Play, op.1a/b
Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Vernon Handley (EMI)

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Nach dem Cello-Konzert nun einige Schätze ganz vom "Anfang" von Elgars Schaffen: in Anführungszeichen deshalb, weil er die farbigen, charmanten Miniaturen aus den beiden "Wand of Youth"-Suiten seiner Jugend (er schrieb die Melodien mit 12!) erst als Fünzigjähriger orchestrierte, 1907 nämlich. So entand eine überaus unterhaltsame Mischung aus jugendlicher "Leichtigkeit" und der Erfahrung des professionellen Komponisten, wirkliche Prezisosen. Das "Programm" dieser Suiten besteht aus Ideen für ein kleines Schauspiel, dass sich Edward und seine Geschwister ausgedacht hatten, mit Fehen, Drachen, Zwergen, Riesen etc. Und so farbig ist denn auch die Partitur.

Gordon Jacobs Orchesterfassung der Orgelsonate (op.28) wird fast nie gespielt und IIRC wurde sie auch bisher nur zweimal aufgenommen. Jacob empfindet sehr gekonnt Elgars "festive mode" in seiner Instrumentation nach, vielleicht mit ein bischen zuviel Tamtam und Dschingserassabum. Und so ist es das romantische "Andante espressivo", das den angenehmsten Eindruck hinterlässt. Dennoch eine Katalogbereicherung und unterhaltsame 24 Minuten - wie überhaupt die ganze CD für Elgar-Komplettisten sicher ein Muss ist. Handleys Einspielungen sind wie immer pointiert und ohne Manierismen, und er behandelt die Miniaturen genauso ernsthaft wie die großen Werke. Wesentlich besser als z.B. James Judds Aufnahme für Naxos!

Gruß, Thomas /QUOTE]
nubar (13.02.2007, 16:23):
GUSTAV HOLST: Ballet Music from "The Perfect Fool"; Oriental Suite "Beni Mora"; The Planets - Suite for Large Orchestra, op.32
BBC Symphony Orchestra, Royal Philharmonic Orchestra, Sir Malcolm Sargent (EMI)

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Neben Adrian Boult war Malcolm Sargent in den 40er bis 60er Jahren wohl der eifrigste Förderer englischer Musik, ist aber heute außerhalb Englands weit weniger bekannt. Seine Aufnahme der "Planeten" datiert bereits von 1958, in frühem Stereo. In den Crescendi hört man der Aufnahme natürlich ihr Alter an (wie übrigens auch allen Living Stereo oder Living Presence Aufnahmen jener Tage!), doch insgesamt ist die Klangqualität erfreulich präsent und mit einiger Tiefe.

Sargents Tempi sind mitunter sehr zügig, so benötigt er gerade mal 3:31(!) für "Merkur", in "Saturn" allerdings 9:35 und in "Venus" 9:11 (der überaus flotte William Steinberg schafft sie in 7:45 bzw. 7:25!). Bei einigen Soli wackelt es im RPO. Die Darstellung insgesamt wirkt jedoch sehr organisch, v.a. auch im "big tune" von "Jupiter". Wegen der Begrenzung der Dynamik verliert der abschließende "Neptune" ein klein wenig von seiner Mystik.

Als Ergänzung gibt es die zehnminütige Ballettmusik aus "The Perfect Fool", die häufig mit den "Planeten" gekoppelt wurde. In "Beni Mora" schafft Sargent nicht ganz das durchschlagende Format von Boult in dessen Lyrita-Aufnahme, dem allerdings auch eine wesentlich bessere Klangtechnik zur Verfügung stand.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:26):
MALCOLM ARNOLD: Symphony for Brass Instruments, op.123; Symphony No.9, op.128
The Philip Jones Brass Ensemble; Bournemouth Symphony Orchestra, Vernon Handley (Decca)

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Zwei Spätwerke aus dem reichhaltigen Schaffen des kürzlich verstorbenen Malcolm Arnold. Die 9. und letzte Symphonie (das Cover der CD-Box ist mißverständlich, zählt es doch die "Bläser-Sinfonie" sowie eine frühe Symphony for String Instruments mit, die aber nicht zum numerierten Zyklus der Sinfonien gehören) ist sein kältester, depressivster Beitrag zu diesem Genre - geschrieben während einer seiner tiefen Lebenskrisen und erst Jahre nach der Entstehung aufgeführt.

Es handelt sich um ein sparsames, ja geradezu "kahles" Werk und lässt in seiner Struktur an Mahlers 9. denken, v.a. aber auch an die Symphonien von Shostakovich. Der letzte Satz, ein besonders karges Adagio, in dem es kaum einmal mehr als zwei Stimmen nebeneneinander gibt, dauert so lang wie die übrigen drei Sätze zusammen (in der vorliegenden Einspielung knapp 24 Minuten, von insgesamt 49').

Keine leichte Kost, aber eine lohnenswerte Erfahrung - und Vernon Handley legt die bislang beste Einspeilung des Werks vor - seine Interpretation leuchtet deutlicher als Gamba und v.a. Penny die verschiedenen Aspekte von Arnolds "symphonischer Depression" aus, wirkt in den Details charaktervoller und mit größerem Bogen geplant. Ganz eindeutig jedoch ist das Spiel des Orchesters aus Bournemouth dem der Kollgen aus Manchester bzw. Dublin überlegen, ja geradezu brillant - und durch die fahlen Farben kann sich kein Mitglied, kein Solist "verstecken". Auch die Klangtechnik ist ein einer Weise präsent und glasklar, dass sie die Konkurrenz aussticht.

Die "Symphonie für Blechbläser" ist eine späte Referenz an Arnolds erste Karriere, als Trompeter beim London Philharmonic Orchestra - und ebenfalls ein sehr sperriges Werk, wenn auch nicht ganz so "aschfahl" wie die 9. Sinfonie. Die Bläser des berühmten Philip Jones Ensemble (brillante Blechbläserkapellen sind eine englische und amerikanische Spezialität) erhält jede Menge Gelegenheit, seine Virtuosität unter Beweis zu stellen. Kaum noch etwas erinnert in diesem Stück an die heiteren "Gassenhauer", die manche Themen in Anrolds Symphonien waren.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:27):
FREDERICK DELIUS: Brigg Fair (An English Rhapsody); In a Summer Garden; Eventyr (Once upon a time); A Song of Summer; Summer Night on the River*; A Song before Sunrise*; The Walk to the Paradise Garden*
Hallé Orchestra, *London Philharmonic Orchestra, Vernon Handley (EMI)

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79 Minuten Delius am Stück sind sicher nicht jedermanns Sache, und so genießt man die unabhängig voneinander teilweise wirklich betörend schönen impressionistischen Tongemälde (jeweils einsätzig, zwischen 6 und 18 Minuten Länge) am besten in kleineren Portionen.

Frederick Delius (1862-1934) war zwar Engländer, er war jedoch sehr frankophil und lebte auch lange im Land des "Erzfeindes". Und so gehören seine Werke streng genommen nicht zur sog. "English Musical Renaissance" um Vaughan Williams. Obwohl Delius Oeuvre beinahe alle Genres (außer der Symphonie) umfasst und seine Oper "A Village Romeo and Juliet" (aus der "The Walk to the Paradise Garden" stammt) sich immer noch einer gewissen Popularität erfreut, so muss man doch sagen, dass sein spezielles Talent für Miniaturen in den vorliegenden kurzen Orchesterwerken am besten zur Geltung kommt - die CD enthält alle wichtigen Beiträge von Delius, und auch das selten gespielte "Eventyr". Die Konzerte (für Violine, Cello oder Klavier) hingegen wirkten oft formal wenig plausibel und gar nicht aufregend).

Für Delius-Einsteiger ist diese großzügig gefüllte CD mit exemplarischen Einspielungen aus den Jahren 1981 (Hallé) bzw. 1977 zum Super-Budget-Preis ideal geeignet. Vernon Handley weist in seinem Kommentar im Text darauf hin, viele Dirigenten machten den Fehler, die Schönheit der Musik durch zu langes "Verweilen" noch betonen zu wollen, doch bedürften die Werke dem gar nicht und wrden nur Schaden nehmen. So sind Handleys Einspielungen denn auch klangschön und differenziert, aber recht zügig.

Das Hallé Orchestra, nicht gerade die Perle englischer Orchesterkultur, spiuelt unter seiner Leitung weit disziplinierter und klarer als jemals unter Barbirolli. Angemessen opulentes Klangbild mit genug Wärme.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:30):
EDWARD ELGAR: Sea Pictures, op.37; Symphony No.2 in E-flat Major, op.63
Larisa Avdeyeva, USSR State Symphony Orchestra, Evengy Svetlanov (Scribendum/Melodiya)

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Stimulierende, kontrastreiche Elgar-Interpretationen aus ungewohnter Quelle. Die Sea Pictures erklingen - obwohl nirgendwo auf oder in der CD-Hülle erwähnt - auf Russisch, vorgetragen von einem Mezzo mit ausgesprochen voluminöser, dramatischer Stimme.

Gegenüber den mir bekannten Einspielungen von der Insel (Barbirolli, Handley, Hickox, Thomson) sind die rhythmischen Kontraste enorm geschärft, die Tempowechsel geradezu "wild" forciert. Zumeist funktioniert dieser Ansatz hervorragend, zumal auch das russische Orchester erstaunlich souverän die Wechsel zwischen Explosivität und Intimität meistert. Sicher keine "Sea Pictures" für alle Tage, aber doch ein erfrischener Ansatz.

Der setzt sich auch in der nachfolgenden Sinfonie fort, die Svetlanov besonders im ersten Satz durch Tempoforcierung noch dramatischer, noch schärfer die häufigen Stimmungswechseln der Musik betonendd geradezu herunter"drischt". Nur 14 Minuten benötigt er für den Kopfsatz - zum Vergleich: Handley in 17 1/2 und der überaus gemächliche Sinopoli in fast 21! Hernach wirkt die reine Zeitdauer "mainstreamiger", doch auch hier entsteht das "Normale" durch ungewöhnliche Forcierungen der Tempi in die eine oder andere Richtung. Natürlich führt die anspruchsvolle Partitur, die das Orchester kaum im Blut gehabt haben kann, hier zu einigen "Ausritten" v.a. der Bläser. Insgesamt aber überaus belebend.

Der Klang (Liveaufnahme von 1977) ist überraschend gut, mit viele Tiefe und ordentlich Wumms. Anders als andere Melodiya-Aufnahmen wurden die unter dem "Srcibendum" Label in England wiederveröffentlichten in den Abbey Road Studios neu gemastert!

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:33):
EDWARD ELGAR: Concerto for Cello and Orchestra in E minor, op.85
Raphael Wallfisch, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Richard Dickins (Nimbus)

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Sehr nervöse und "melancholische" Einspielung des Elgar-Konzerts mit schlankem Celloton vor sehr kompakt, aber präsent aufgenommenem Orchester (wie bei Nimbus üblich wird kein Toningenieur genannt). Wallfisch rafft die schelleren Passagen sehr, wirkt dadurch auch etwas gehetzt. Wie DuPré neigt er dazu, sich in Momenten der Emphase noch einmal besonders ins Zeug zu legen und zu drücken, die sich daraus ergebenden besonders starken Betonungen muss man nicht unbedingt schätzen.

Für dieses Album spricht allerdings die interessante Kopplung mit zwei weniger bekannten, gleichwohl hervorragenden englischen Werken für Cello und Orchester, Gustav Holsts 10-minütige "Invocation" und das halbstündige "Oration: Concerto elegiaco" von Brittens Kompositionslehrer Frank Bridge.

Für eine neutralere, flüssigere, spieltechnisch aber (auch als DuPré) bessere Aufnahme empfehle ich Daniel Müller-Schott:

http://www.classicstoday.com/images/coverpics/10190_coverpic.jpg

http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=10190

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:34):
DOUGLAS COATES: Violin Concerto in D; ERNEST JOHN MOERAN: Violin Concerto*
Colin Sauer, *Alfredo Campoli, BBC Northern Symphony Orchestra, *BBC Symphony Orchestra, Sir Charles Groves, *Sir Adrian Boult (divine art)

http://cover6.cduniverse.com/MuzeAudioArt/920/920129.jpg

Historische Aufnahmen zweier englischer Violinkonzerte, von denen das erste, von Douglas Coates, selbst für Eingeweihte völlig unbekannt gewesen sein muss. Der Grund hierfür liegt darin, dass es von Coates dreisätzigem, spätromantischen Konzert nur diese eine Aufnahme gibt, und auch sonst keine von IRGENDEINEM seiner Werke. Und es wird auch keine mehr geben: Coates vernichtete vor seinem Tod alle seine größeren Konzertwerke, weil sie nie gespielt wurden - er selbst war im Hauptberuf Bankangestellter. Deshalb ist die vorliegende Aufnahme einer Radioübertragung von 1951 das einzige Tondokument.

Das Konzert hat einen wunderbaren, 15 Minuten langen ersten Satz mit famosen Themen und solider, wenngleich konventioneller Form. Die beiden anschließenden Sätze sind nicht nur mit je unter 5 Minuten sehr kurz, sondern auch weit weniger "gewichtig", wodurch das Werk unaug´sgeglichen ist. Dennoch aber unterhaltsam, wenn es auch (1934 komponiert) nicht über in etwa Elgar an "Modernität" hinausgeht.

Das Konzert von Moeran ist durch die Chandos-Aufnahme mit Lydia Mordkovitch natürlich bekannter - die Radioübertragung von 1953 spielt Alfredo Campoli - und auch wenn Mordkovitchs Einspielung exzellent ist, so muss man doch Campoli eine Klasse höher einordnen (er machte auch eine famose Aufnahme des Elgar-Konzerts unter Boult, ebenfalls in den 50ern), und auch der Klang ist gemessen an den technischen Problemen und der Quellenlage überraschend gut - voll, relativ dynamisch, und man hört die Details der Orchestrierung.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:40):
GUSTAV HOLST: The Planets - Suite for Large Orchestra, op.32
London Symphony Orchestra, André Previn (EMI DVD-Audio)

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Diese DVD-A war ein 4.99 Wühltisch-Angebot von Saturn-Hansa. Der Klang ist speaktakulär räumlich und der Tiefbass erderschütternd - ob das nun auf DVD-Audio-Technologie zurückgeht oder schon in der Originalaufnahme von Christopher Parker aus dem Jahr 1973 so war, kann ich leider mangels LP-CD-Fassungen nicht überprüfen. Jedenfalls kommt die Breitwand-Wirkung von Holsts Suite voll zum Tragen.

Die Interpretation durch Previn und das LSO ist vollmundig, im "Mars" lässt es Previn bei gemäßigten Tempi ganz schön krachen - so martialisch habe ich dieses Stück bisher noch nie gehört. Auch im weiteren Verlauf setzt er aufs Handgreifliche, was insbesondere den Sätzen "Jupiter", "Saturn" und "Uranus" gut tut. Insgesamt eine beachtenswert virtuos krachlederne Lesart. Neben den Planeten finden sich noch die Ballettmusik aus "The Perfect Fool" und Holsts "heimliches Meisterwerk", die Tondichtung "Egdon Heath" (nach Thomas Hardy) auf der DVD-A. Ob dafür eine DVD 10 nötig war?

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:52):
EDWARD ELGAR: Sea Pictures, op.37; The Music Makers, op.69
Sarah Connolly, Bournemouth Symphony Orchestra and Chorus, Simon Wright (Naxos)

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Eine schöne Aufnahme, die trotzdem von den sechs, die ich kenne (Janet Baker, Bernadette Greevey, Linda Finnie, Felicity Lott, und last not least Larisa Andeyeva - auf Russisch) nur der sechste Sieger ist. Obwohl die Tempi gar nicht schnell sind wirken manche Sequenzen gehetzt, Silben unangenehm verkürzt und Betonungen künstlich. Hinzu kommt, dass trotz großer Tiefe und Plastizität das Klangbild insgesamt synthetisch wirkt, Stimme und Orchester mischen sich schlecht.

Die mir bis dato unbekannte Sarah Connelly hat zwar eine sehr klangschöne, volle und abgerundete Stimme, doch fehlt ihr die Tiefe von Janet Baker.

Gruß, Thomas
nubar (13.02.2007, 16:58):
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Ein sehr attraktives und klug zusammengestelltes Programm englischer Musik, leider sind Ausführung und Klang nicht mehr als solides Mittelmaß. Es handelt sich um einen Livemitschnitt aus der Royal Albert Hall, und wer da schon mal ein Konzert gehört hat, der weiss, wie entfernt und pauschal dort die Orchester klingen. Zwar haben die Toningenieure einiges gerettet, und zumindest der Tiefbass kommt sher schön (Orgel in "Sea Pictures"), aber dennoch klingt alles etwas belegt. In dem Liederzyklus agiert die Mezzo-Sopranistin zwar mit Stil und Akuratesse, aber wenig Druck und dramatischem Flair.

Vergleichsaufnahmen:

Sea Pictures - Janet Baker, Barbirolli (EMI), oder Linda Finnie, LSO, Bryden Thomson (Chandos)
November Woods - LPO, Adrian Boult (Lyrita) oder BBC PO, Vernon Handley (Chandos)
The Young Person' Guide - Cincinnati SO, Paavo Järvi (Telarc), LPO, Leonard Slatkin (RCA-BMG)

Gruß, Thomas
Maurice inaktiv (13.03.2013, 08:45):
Es gibt noch eine Reihe von Komponisten der Insel,die bisher noch nicht genannt wurden,aber die wirklich wunderschöne Musik schrieben,die auch in sehr guten Einspielungen vorliegen.

Ich fange mal mit Sir Alexander Mackenzie (1847-1935) an.Geboren in Edinburgh,war er der Sohn eines hervorragenden Geigers und Komponisten.M. studierte bereits mit zehn Jahren in Sondershausen/Deutschland,wo er bereits mit elf Jahren als zweiter Geiger im Herzöglichen Orchester spielte.

Später wurde er Rektor an der Royal Academy of Music,bis er 1924 in den Ruhestand ging.

Er hatte eine bemerkenswertes Talent für die Melodie,die trotz gewisser Einflüsse von Wagner und Brahms immer eigenständig war,natürlich viel mit schottischem Einflüssen geprägt.

Die vier hier eingespielten Werke stammen aus unterschiedlichen Schaffensperioden des Komponisten,und beinhalten die Jahre 1888-1901.

Eingespielt wurden sie von dem BBC Scottish Symphony Orchestra unter dem sehr guten Martyn Brabbins.

Des weiteren möchte ich Sir John Blackwood McEwen (1868-1948) vorstellen.McEwen war auch an der Royal Academy of Music tätig,ebenfalls auch später als Direktor (bis 1936 zurücktrat).

Seine Sinfonie,als "Solway-A Symphony" bezeichnet,stammt von 1911,war seine fünfte Sinfonie,und damals bereits seine letzte dieser Gattung.Sie war die erste britische Sinfonie,die auf Schallplatte eingespielt wurde.

McEwen beherrscht hier bereits Form,Harmonik,Kontrapunkt und Orchestrierung perfekt.Sein sehr persönlicher Stil scheint aber auch von Bruckner,Sibelius und Debussy beeinflusst worden sein,eine erstaunliche Mischung,denke ich mal.

Moray Welsh (Cello) ist der Solist von "Hill o'Heather" for Cello and Orchestra.Es wurde editiert von Dirigent Alasdair Mitchell,einem schottischen Dirigenten,der sein Cd-Debut mit ener weiteren McEwen-CD gab,nämlich mit Aufnahmen den "Three Border Ballads",die zwischen 1906 und 1908 entstanden.

Ein weiterer Komponist aus England ist Sir Granville Ransome Bantock (1868-1946).Auch er studierte an der Royal Academy of Music,dazu galt er als ausgezeichneter Dirigent.

Er hatte großes Interesse an britischer Musik einerseits,aber auch der Musik des Kontinentes.Hier vor allem von Richard Strauss,Claude Debussy und besonders stark,Jean Sibelius,der ihm seine Dritte Sinfonie widmete.

Ferner galt er als großer Lehrer,und wurde von 1908-1934 an der University of Birmingham Nachfolger von Sir Edward Elgar.

Seine Werke waren von Liszt,Wagner und den drei bereits erwähnten Komponisten geprägt.Seine Werke waren entweder programmatisch oder textgebunden,hier ganz an Liszt anschließend.

Seine beiden Hauptwerke waren die "A Hebridean Symphony" die 1913 vollendet wurde,die bereits be der Uraufführung 1916 großen Eindruck hinterließ,und sein Spätwerk,die "Celtic Symphony" von 1940 vollendet.

Die mir vorliegende Einspielung mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter dem auch hier immer wieder hochgeschätzen Vernon Handley gefällt mir außerordentlich gut.

Es gibt bei Naxos ebenfalls eine CD mit der "Hebridean Symphony" und anderen Werken,hier mit dem jungen Adrian Leaper und der Tscheslowakischen Staatsphilharmonie Kosice,die ich auch besitze,und die durchaus gut gelungen ist.

Bei Amazon sind mehrere CDs dieses tollen Komponisten zu kaufen,die ich aber nicht kenne.

Ebenfalls erwähnen möchte ich den Komponisten William Wallace (1860-1940).Auch er ein Schotte,der in Edinburgh und an der Royal Academy of Music studierte,aber er war auch Arzt und Chirurg,wie sein Vater.

Mit Granville Bantock hatte er eine Zeitung,die vierteljährlich Musikrezensionen veröffentlichte.Während des Ersten Weltkrieges war er als Chirurg tätig,und schied als Hauptmann 1919 aus dem Dienst aus.

Anschließend war er als Professor an der bereits erwähnten Royal Academy of Music tätig.

Sein wichtigstes Werk war die Creation Symphony in C sharp minor",die bei der Aufnahme hier runde hundert Jahre von niemandem mehr aufgeführt wurde,einmalig in Großbritannien.

Wir haben es also hier mit einer absoluten Rarität zu tun,die hier im Forum vielleicht keiner selbst kennt oder gar besitzt.Das Werk wurde 1896-1899 geschrieben,stammt also noch aus dem alten Jahrhundert.

Wer dieses Werk hört,wird kaum glauben,dass es keinen Triumph angetreten hat.Auch heute noch fristet es ein Schattendasein in der Musikwelt.

Seine "Pelleas and Melisande-Suite" wurde 1900 uraufgeführt,und ist deshalb älter als die bekannteren Kompositionen von Claude Debussy (1902 vollendet) und Jean Sibelius' Suite (1905).

Eigentlich ist sie fünfsätzig,aber hier sind nur drei Sätze eingespielt worden,nämlich jene Sätze,die Wallace selbst vorgschlagen hatte.

Die CD wurde damals im Fono-Forum und Klassik Heute außerordentlich hoch bewertet,so dass man hier eine tolle Entdeckung machen kann und wird.

Eine weitere sehr empfehlenswerte CD mit vier Symphonischen Dichtungen von William Wallace sind ebenfalls sehr empfehlenswert,und ebenfalls bei Hyperion unter Martyn Brabbins und dem BBC Scottish Symphony Orchestra veröffentlicht worden.
Sfantu (13.03.2013, 15:42):
Lieber Maurice,

ei hoschema! Schon widde e Hessekopp - ihr stellt inzwischen ja 'ne starke Fraktion hier. Find' ich gut - hab' allerlei persönliche Verbindungen & bin immer wieder gern in Bouffier-County!

Herzlich willkommen also!
Schön, dass mit Dir auch mal wieder ein Praktiker mit an Bord kommt. Viele Werk-Aspekte erschliessen sich Menschen, die selbst musizieren, eher als "Nur"-Hörern wie bspw. mir (meine Klavier-und Gesangskünste zählen nicht wirklich). Dankbar bin ich Dir für den Hinweis auf William Wallace - das könnte nach Deiner Charakterisierung & meinen folgenden Recherchen Musik sein, die mich interessiert. Du schreibst, dass er mit seiner Palleas et Melisande-Musik den bekannteren Vertonungen von Sibelius und Debussy zeitlich voraus war (Schönberg wäre auch noch zu nennen). Gabriel Fauré, wiederum, war ihm um zwei Jahre voraus, nämlich 1898.
Granville Bantock erfreut sich bei dem Ein-oder Anderen hier ziemlicher Beliebtheit - Nordolf etwa lässt uns wiederholt wissen, dass er seine Musik gern & oft auflegt.
Viel Spass hier & hoffentlich viel interessante Beiträge von Dir!

LG - Sfantu
Maurice inaktiv (13.03.2013, 16:33):
Hallo,Sfantu!!

Danke Dir,aber weißt Du auch,ob ich ein echter Hesse bin? :D

Im Moment komme ich mir eher wie der Winterräumdienst der Stadtwerke vor,als ein Musiker,der seinem Hobby nachgehen möchte.... :hello

Ich kann William Wallace wirklich sehr empfehlen.Auch Sir Willam Walton,dazu noch Sir Hamilton Harty (1879-1941) ,der eigentlich als Dirigent mehr bekannt sein dürfte denn als Komponist.

Immerhin war er 13 Jahre lang Chefdirigent des Hallé-Orchesters in Manchester,das er wieder in die Spitzengruppe führte.Er brachte auch die Erste Sinfonie von Walton zur Uraufführung 1934.

Seine "Irish Symphony" wurde bei Naxos hervorragend eingespielt.Auch hier würde ich Freunden der Spätromantik zum Kaufen raten.

Ein weiterer Kandidat wäre Sir Edward German (1862-1936).Hier kenne ich die beiden Marco Polo-CDs mit dem Dirigenten Andrew Penny,der auch die Sir Malcolm Arnold-Aufnahmen so wunderbar eingespielt hat bei Naxos.

Germans "Symphonie No.2,Norwich,a-moll" und die "Welsh Rhapsody" auf der einen CD,die erste CD beinhaltet "Richard III-Ouvertüre","Theme and Six Diversions" und "The Seasons".

Beide CDs wurden sehr gelobt,auch mir gefallen sie sehr gut.

Noch original verpackt habe ich hier die Zweite Sinfonie unter John Wilson mit dem BBC Concert Orchestra hier zum Anhören liegen.Hier sind noch die "Symphonic Suite in d-moll" und "March Rhapsody on Original Themes" mit drauf.

Ebenfalls empfehlen kann ich Sir Arthur Sullivan (1842-1900).Hier liegt mir die CPO-CD vor,die im Moment für 5,99 € bei JPC angeboten wird.

Vor allem die "Symphony in E-Dur"-"The Irish"-ist ein wunderschönes Werk der Spätromantik.Auch hier spielt das BBC Concert Orchestra,aber unter Owain Arwel Hughes.

Hier gibt es aber auch Alternativen.So jene mit Richard Hickox bei Chandos,und bei Naxos eine sehr interessante Kombination mit dem sehr guten Dirigenten David Lloyd-Jones und dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra.

Die Naxos-CD habe ich gerade günstig gekauft,die Hickox-CD kenne ich nicht,dürfte aber auch eine Alternativer sein auf hohem Niveau.