Ernst Eichner (1740-1777) - berühmt und doch vergessen

Maurice inaktiv (21.07.2013, 09:02):
Über das Leben und Werk des Komponisten und Virtuosen Ernst Eichner (1740 - 1777) :

Heute versuche ich einmal, einen kleinen Überblick über den Komponisten Ernst Eichner zu verschaffen, der heute völlig unbekannt ist.

Geboren wurde er in Arolsen, dem heutigen Bad Arolsen am 17.02.1740, gestorben leider sehr früh 1777 in Potsdam oder Berlin.

Sein Vater Andreas war Hofmusicus und Hof-Fagottist zu Arolsen beim Fürsten zu Waldeck-Pyrmont. Zunächst erlernte er das Violinspiel, vermutlich auch das Spielen auf Tasteninstrumenten wie Spinett und Klavier, bevor er dann das Fagott ergriff, auf dem er wohl ein beträchtliches Können entwickelte und zum bedeutendsten Virtuosen auf diesem Instrument der damaligen Zeit wurde.

Seine erste Anstellung fand er hei Herzog Christian IV. von Zweibrücken-Birkenfeld, dem Bruder der Waldecker Fürstin Christiane. Dieser hatte einen recht weitem Arm auch ans Königshaus in Paris, und der Herzog nahm ihn einige Male auch mit dorthin auf Reisen. Von einer dieser Reisen setze er sich ab, warum ist nicht bekannt.

1768 wurde er in Mannheim Mitglied in dieser so wichtigen Hofkapelle vom dortigen Kurfürsten Karl Theodor . Wie lange er dort angeblich als Konzertmeister tätig war,konnte ich leider nicht herausfinden. Da die Kapelle 1778 aufgelöst wurde, dürfte Eichner spätestens ab hier als Solist durch das Land gezogen sein.

Johann Christian Bach lud ihn zu den berühmten Bach-Abel-Konzerten nach London ein, wo er spätestens 1773 als Fagott-Virtuose auftrat. Ob er bereits hier nicht mehr in Mannheim tätig war, vermag mir keine Quelle zu nennen. Er verließ allerdings im August 1773 London wieder, um eine Stellung als erster Fagottist in der Hofkapelle des Kronprinzen Friedrich Wilhelm in Berlin/Potsdam anzutreten. Es ist hier unklar,warum er sich mit dieser Position zufrieden gab und nicht in den Rang eines Konzertmeister befördert wurde.

Immerhin besuchten ihn in Berlin zahlreiche Musikkritiker und man zählte in dort in der Kapelle zu den "Zierden der kronprinzlichen Kapelle". Anfang 1977 verstarb Eichner nur wenig bemerkt von der Öffentlichkeit im dortigen Berlin/Potsdam.

Als Komponist wurde Eichner in Paris und auch ganz Europa gefeiert. Seine Sinfonien müssen zu den beliebtesten Werken der damaligen Zeit gehört haben- Er versuchte seinen eigenen Stil zu schaffen, geprägt durch die Mannheimer Schule, aber doch zusätzlich geprägt von italienischen und vor allem französischen Einflüssen. Hier steht er dem Sturm und Drang" der damaligen Zeit nahe, ohne ihn zu kopieren.

Seine Sinfonien,ca. 30 Stück, hielt er bis zu seinem Tode alle in seiner Hand fest. Sorgfältig vermerkte er das Datum der Fertigstellung ,auch eine durchlaufende Nummerierung nahm er vor. Sein Nachlass verblieb in der königlich-preußischen Bibliothek in Berlin und verblieb dort bis 1945. Danach verschwand in den Nachkriegswirren der Nachlass und ist bis heute unauffindbar. Nur durch die Katalogisierung im 19.Jahrhundert weiß man von seiner Existenz.

30 seiner Sinfonien ließ Eichner zu Lebzeiten drucken. Diese wurden zu wahren Bestsellern, die auch bis nach Burgsteinfurt kamen. So kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass dire der vier auf der von mir gleich vorgestellten CD damals dort aufgeführt worden waren.

Meine Quellenangaben waren Wikipedia Deutschland (nur in geringem Maße) und vor allem der sehr profunde Booklet-Text von Werner Ehrhardt, dem Konzertmeister des Ensembles "l'arte del Mondo, die auch die CD-Einspielung vorgenommen haben, die ich gleich noch abbilden werde.

Die Zusammenstellung ist aber auf meinen eigenen Mist gewachsen und wurde auch fast wörtlich im Forum Capriccio gepostet.

Da ich aber auch dort für den Text zuständig war,konnte ich das Ganze auch für hier übernehmen,ohne mich zwischen die Stühle zu setzen.

Da es hier um den Komponisten geht,dürfte das auch nicht gegen die Bestimmungen hier verstoßen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/510UvSdOGUL._SX450__PJautoripBadge,BottomRight,4,-40_OU11__.jpg

VG,Maurice
Andréjo (21.07.2013, 12:10):
Danke, Maurice, für diese informative Einführung. Es reizt mich jetzt schon, diesen Komponisten kennenzulernen.

PS: Du hast Deine Quellen klar angegeben, der Rest ist "wissenschaftlliches Zitieren" - das wäre in diesem Kontext lächerlich. Wir sollten uns von einem - vorsichtig formuliert - Unsympathen im anderen Forum nicht beeindrucken lassen. Genannten halte ich - natürlich persönlich - für durchaus problematischer als jenen, der hier unerwünscht und im anderen Form gerade gesperrt ist. Letzterer ist nämlich schlichtweg intelligenter ...
:helloWolfgang
Cetay (inaktiv) (21.07.2013, 12:45):
Ein paar biographische Angaben und ein grobes Werkverzeichnis finden sich bei: Heussner, Horst, „Eichner, Ernst“, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 383 f. ; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118688308.html
Maurice inaktiv (21.07.2013, 18:05):
Danke lieber Kollege Cetay!!Das ist ja super!!!

VG,Maurice
Jürgen (22.07.2013, 11:29):
Danke Maurice, für diesen informativen Einführungsbeitrag.

Auch ich bin neugierig geworden und habe obige CD bei Spotify gefunden.

Für heute Mittag steht sie auf meiner Liste.

Grüße
Jürgen
Maurice inaktiv (22.07.2013, 14:10):
Keine Ursache!!

Ich wurde durch einen Querverweis bei Amazon auf die CD aufmerksam. Und da ich ja bekanntermaßen geil auf solche Sachen bin ( :D :D :D ), habe ich zugeschlagen.

VG,Maurice
Jürgen (22.07.2013, 14:41):
Original von Jürgen
Danke Maurice, für diesen informativen Einführungsbeitrag.

Auch ich bin neugierig geworden und habe obige CD bei Spotify gefunden.

Für heute Mittag steht sie auf meiner Liste.

Grüße
Jürgen

Leider nicht so mein Ding, sorry. Ich hätte gerne mitgeredet.