Heike (27.03.2011, 23:28): Ernst Pepping (1901- 1981) war ein deutscher Komponist und Hochschullehrer, er lebte vor allem in Berlin.
Sein "Passionsbericht des Matthäus" stellt quasi eine Aneinanderreihung von Verratsepisoden dar. Judas, Petrus, die Jünger, Das Volk, Pilatus, die Passanten unter dem Kreuz - alle machen sich schuldig, alles ist voller Gewalt und Leiden. Pepping verkürzt also die Matthäuspassionsgeschichte und beginnt direkt mit dem Verrat des Judas, endet mit dem Tod Jesu. Die Liebe, die bei Bach z.B. die Marien am Grab zeigen, hat er ausgespart; er lenkt den Focus nur auf Schuld und Verrat.
Das Werk ist fünfteilig: 1 Einleitung 2 Bericht Verrat des Judas; Das Abendmahl; Jesus und Petrus; Gethsemane; Gefangennahme 3 Intermedium 4 Bericht Jesus vor dem hohen Rat; Petri Verleugnung; Tod des Judas; Jesus vor Pilatus; Jesus vor dem Volke; Jesus und die Kriegsknechte; Golgatha 5 Schluss
Alles wird von einem zweigeteiltem Chor a cappella gesungen, der eine erzählt die Geschichte des Evangelisten, der andere kommentiert.
Heike (27.03.2011, 23:34): 27.3.2011 Berlin, Radialsystem V Halle
Ernst Pepping – Passionsbericht des Matthäus für Chor a cappella
Rundfunkchor Berlin Stefan Parkman - Dirigent Regie: Hans-Werner Kroesinger
In diesem Jahr habe ich mir mal keine Bach-Matthäuspassion angehört, sondern dieses Stück.
Pepping war, soviel ich gehört habe, Atheist. Umso spannender habe ich seine musikalische Umsetzung dieses ja urchristlichen Stoffes gefunden. Relativ moderne Musik, sehr kraftvoll und expressiv. "Höre, Höre.... " fordert Pepping die Hörer mehrmals auf; auch der Regisseur hat den Chor zu einem Querschnitt der Zuhörer gemacht, in Alltagskleidung. Der Rundfunkchor war wie immer fantastisch, textverständlich, eindringlich.
Der Regisser interpretiert das Stück im Rahmen seiner Entstehungszeit. Die Passion, 1949 entstanden, wird in den Kontext der deutschen Kriegsschuld gestellt. Ob Pepping das so sah - wer weiß (ich habe das Programmheft noch nicht gelesen). Über der Chor-Szene sieht man einen großen dreigeteilten Altar, in dessen Mitte alte Passionsdarstellungen projeziert werden und an dessen Seiten Bilder aus dem zerstörten Berln zu sehen sind. Als Schlussbild, zu Peppings Schlussbitte um Gnade, die verschneiten Schienen zum Tor von Auschwitz, davor 4 Choristen, die Wasser in Schüsseln gießen und alle anderen legen Unmengen weißer Handtücher bereit. Hier agierte der Chor mal direkt, vorher gab es nur sehr sparsame Bewegung im Raum und keine weiteren Requisiten.
Durch die Bilder, kombiniert mit den bekannten Texten, rief das Werk natürlich diverse Assoziationen hervor. Manchmal habe ich mich richtig erschrocken über diese heftige, verrückte Musik. Aber dann gab es auch wieder fast choralartige Passagen, Gebete, Stille. Es hat mich durchaus beeindruckt, diese Darbietung. auch wenn ich noch nicht genau weiß, ob ich diese Art der doch sehr trostlosen Interpretation teilen will. Heike