Esa-Pekka Salonen

Cetay (inaktiv) (17.11.2007, 18:35):
Was hat sich da vor rund 25 Jahren für eine unglaubliche Dirigenten-Karriere angebahnt. 1979, da war Esa-Pekka-Salonen gerade 21, dirigierte er das Finnische Radio Sinfonie Orchester, 4 Jahre später stand er in der Royal Festival Hall und leitete das Philharmonia Orchestra durch Mahlers 3. Sinfonie - nach einer grotesk kurzen Vorbereitungszeit von 5 Tagen, wobei sich hartnäckig die Legende hält, Salonen hätte die Partitur nie zuvor gesehen. Weitere zwei Jahre später war er Chef des Schwedischen Radio-Sinfonie-Orchesters, machte seine ersten Plattenaufnahmen, und hatte bald darauf einen Major Deal mit CBS Masterworks in der Tasche. Sein Debut dort gab er mit Nielsens 4. Sinfonie. Schon hier zeigte er sich als Meister des Details. Wie mit der Lupe macht er feinste Nuancen sichtbar und hat ein unglaubliches Gespür für die Dramaturgie des Erzählstroms, für Brüche, Spannungen, Höhepunkte und "überirdische Momente" – und das alles mit einem genau ausgehörten, stellenweise berauschenden Orchesterklang.
Vorläufiger Höhepunkt war 1989 die Berufung zum Chefdirigenten eines der Großen Fünf Amerikanischen Orchester, dem zu dieser Zeit allerdings in seiner vollen Größe daniederliegenden L.A. Philharmonic Orchestra. Wo immer Salonen auftauchte, gab es einen riesigen Medienrummel, Publikum und lokale Presse überschlugen sich, trotzdem gelangte er nie richtig ins Bewusstsein der breiten Konsumentenschar.

Der erste Grund hierfür macht ihn mir so unendlich sympathisch: Anstatt seine Popularität dafür zu nutzen, das ausgetretene Repertoire zum 59. mal einzuspielen, konzentrierte er sich im Studio auf Musik, mit der er gezielt ein jüngeres Publikum erreichen wollte. "To make contact with young people, it's better to play, for example, Stravinsky's Rite of Spring than Mozart or Beethoven. Rite of Spring gives a sense of recognizability even if the listener's only frame of reference is rock music." (http://virtual.finland.fi/netcomm/news/showarticle.asp?intNWSAID=26174) Oder: "The task of our generation is to introduce new repertory, to let the repertory go forward. To perform our grandfathers' repertory is really not that interesting." (http://www.musicianguide.com/biographies/1608000518/Esa-Pekka-Salonen.html). Der zweite Grund macht mir die Verursacher durch und durch unsympathisch. Zu der Zeit als gerade die Generalabrechnung mit Karajan im vollem Gange war, galten Popularität und künstlerische Integrität offenbar als sich einander ausschließende Eigenschaften und so wurde, wann immer sich Salonen dem normalen Repertoire zu sehr näherte, die Keule herausgeholt. Tiefpunkt dieser Entwicklung war der fast einhellige kollektive Verriss seiner überragenden Einspielung von Bruckners 4. Sinfonie, die er entschlackte noch bevor sich die HIP-Bewegung soweit vorgearbeitet hatte.

Zum Thema HIP gibt es eine schöne Anekdote: Gefragt, was er von der Historischen Aufführungspraxis halte, meinte Salonen, er würde es ja gern machen, aber seine Musiker weigerten sich, zum Spielen verlauste Perücken aufzusetzen. Wer so die Klappe aufreist, muss zeigen, dass er es besser kann und die Einspielung von 3 Haydn Sinfonien (82, 78, 22) ist der definitive Beweis. Wie Salonen mit einem modernen Orchesterapparat diese Werke neu erschafft, ist einzigartig und kommt ohne die Übertreibungen der erst viel später auf den Plan tretenden HIP-modern Bewegung aus, die uns weismachen will, dass Komponisten, Musiker und Publikum am Hofe allesamt Punker waren.



Salonen ist nicht nur Dirigent sondern auch Komponist und das befähigt ihn besonders, die Werke von Zeitgenossen aufzuführen, was er Verdienstvollerweise auch tut. Aber es stellt sich die Frage, ob er sich nicht verzettelt. Jetzt wo er bald 50 wird, könnte er sich doch langsam mal auf das Feld des klassischen Repertoires begeben. Wenn er im Konzertsaal Beethoven erklingen lässt, glaubt man bei dem anschließenden Publikumsgejohle auf einem Popkonzert gelandet zu sein – so nachzuhören beim SDR-Mitschnitt eines Konzerts, in dem er die 1. Sinfonie von Sibelius, die Sinfonia del Mare von Nystroem und Beethovens Siebte dirigierte.

Dieses war für mich das Erleben eines der magischen Momente, um deren Willen ich letztlich Musik höre und hat mich auf ewig zum ergebenen Fan gemacht. Und ich hoffe und bange, dass sich Salonen auf seine Dirigentenkarriere konzentriert und dass er sich von der DGG nicht verheizen lässt. Ich muss einfach erfahren, wie dieses Genie Bruckners 8te dirigiert.

Biographie und Diskographie (Auswahl):

http://www.musicianguide.com/biographies/1608000518/Esa-Pekka-Salonen.html

Mein Favorit:



Salonens Brucknerinterpertation ist ein Erzählstrom. So wie ein wie ein Vorleser die Stimme hebt wenn es lebendig wird, den Atem anhält wenn die Spannung dem Höhepunkt entgegen geht, flüstert wenn es geheimnisvoll wird, so schmückt Salonen seine Erzählung dramatisch aus. Dadurch leuchtet er die Tiefen, die Zerrissenheit und die Abgründe der Partitur aus wie kein Zweiter und macht daraus eine Seelenreise durch wild zerklüftete Landschaften, Der Großteil der Kritikerschaft sah in dieser einleuchtenden Leseart freilich nur Willkür und eine Aneinanderreihung von Höhepunkten ohne Sinn für Form und Architektur. Das mag sein, wird für meine Ohren aber durch die Pluspunkte mehr als aufgewogen.
:times10
HenningKolf (18.11.2007, 09:40):
Hallo Jochen

vielen Dank für die Eröffnung des Fadens. Ich muss gestehen, B.R.A.I.N meldet mir, ich hätte nur diese Aufnahme mit Salonen

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61q4TvPpLRL._AA240_.jpg


Eine gute Aufnahme, die ich dann doch nicht allzu oft höre, weil ich von Solistenseite Heifetz, Amoyal und auch Kavakos bevorzuge.

Dann hatte ich mal einen Sibelius-"Sampler" ausgeliehen (mit den üblichen "Verdächtigen" Finlandia u.a.). Das war es glaube ich auch schon.

Was ich aus Deiner Eröffnung ersehe ist, dass Du völlig begeistert von Salonen bist. Im Hinblick auf die Haydn-Einspielung habe ich noch nicht ganz nachvollzogen, was das Besondere ist. Anders, aber nicht wie HIP?..Kannst Du das noch konkreter beschreiben oder geht das nicht (ich weiss, über Musik reden ist immer wie mit Krücken gehen, aber man kann sich ja nicht alles anhören)? HIP ist für mich gar nichts, empfinde ich meist als "kastriert".
Haydn z.B höre ich gelegentlich und dann am liebsten unter Szell und Klemperer.

Da ich mich derzeit bei Bruckner "einhöre", liegt es nahe, dass ich mir die von Dir genannte CD zulege. Auch wenn es nach meiner Auffassung ein zweischneidiges Unterfangen ist, wenn man Höhepunkte auf Kosten des Ganzen herausstellt, weil Bruckner oft weitreichende Spannungsbögen eröffnet, die bei einem solchen Ansatz leicht aus den Augen verloren gehen. Sinopolis Achte geht jedenfalls für mein Dafürhalten in eine derartige Richtung. Kennst du diese Einspielung? Ist das vergleichbar?

Ist eine Aufnahme von Bruckners 8. angekündigt oder wünscht Du Dir eine solche nur??

Ansonsten fällt mir zu Salonen noch ein, dass er sich Repertoireverdienste um Saariaho und Lindberg erworben hat; Komponisten, mit denen ich mich noch nicht beschäftigt habe.

Gruß
Henning
ab (18.11.2007, 12:33):
Ich muss gestehen, eigentlich kein Salonen-Fan zu sein. Aber folgende Aufnahme liebe ich sehr, was natürlich auh damit zu tun hat, dass keine andere (1955 Hans Rosbaud; Arkadia 770 (1 CD) / 1956 Hermann Scherchen; Stradivarius 10034 / 1971 Carl Melles; Fonit Cetra (deutsch) / 1975 Antal Dorati; Decca Head 10 (1 LP)) für mich je greifbar war.

Il prigioniero (Der Gefangene; L. Dallapiccola, nach La Torture par l'espérance aus den Contes cruels von Jean-Marie Mathias Philippe Auguste Villiers de l'Isle-Adam und La Légende d'Ulenspiegel et de Lamme Goedzak von Charles Théodore Henri de Coster), Prolog und 1 Akt (1944-1948; 1. Dez. 1949 Turin (konzertant); 20. Mai 1950 Florenz, Teatro Comunale (szenisch)
Musik von Luigi Dallapiccola

1995 Esa-Pekka Salonen; Eric Ericson Kammerchor, Chor und Sinfonie-Orchester des Schwedischen Rundfunks
Phyllis Bryn-Julson - La Madre
Jorma Hynninen - Il Prigioniero
Howard Haskin - Il Carceriere
Howard Haskin - Il Grande Inquisitore
Sony SK 68323 (1 CD live)


http://ecx.images-amazon.com/images/I/51gqk8KUw4L._AA240_.jpg
Cetay (inaktiv) (18.11.2007, 14:04):
Original von HenningKolf
Im Hinblick auf die Haydn-Einspielung habe ich noch nicht ganz nachvollzogen, was das Besondere ist. Anders, aber nicht wie HIP?..Kannst Du das noch konkreter beschreiben oder geht das nicht (ich weiss, über Musik reden ist immer wie mit Krücken gehen, aber man kann sich ja nicht alles anhören)? HIP ist für mich gar nichts, empfinde ich meist als "kastriert".
Haydn z.B höre ich gelegentlich und dann am liebsten unter Szell und Klemperer.

Ich würde eher sagen: mit dem Besten aus HIP, aber doch anders. Auch bei Salonen gibt es das single note Spiel (um mal eine begriffliche Anleihe beim Jazz zu nehmen), aber er bleibt trotzdem flüssig und geschmeidig. Jede Phrase wirkt durchdacht und bedeutungsvoll, aber es sägt und trötet deswegen niemand. Salonen holt durch feine dynamische Abstufungen eine unglaubliche Innenspannung aus diesen Werken heraus, ohne dabei jeden einzelnen Ton an- und abschwellen lassen zu müssen. Das Ganze ist absolut durchsichtig bis ins kleinste Detail ausgehört, ohne dabei so blutleer und ausgezehrt wie die erste HIP-Generation zu klingen. Und die unbändige Spielfreude, mit der hier musiziert wird, ist einfach umwerfend. Trotzdem bleiben Gewichtigkeit und Ernst nie auf der Stecke. Heute, da die meisten Dirigenten die Errungenschaften von HIP auf den modernen Orchesterapparat übertragen, ist diese Aufnahme vielleicht nicht mehr ganz so spektakulär, aber vor 16 Jahren war das eine absolute Sensation.

Original von HenningKolf
Da ich mich derzeit bei Bruckner "einhöre", liegt es nahe, dass ich mir die von Dir genannte CD zulege. Auch wenn es nach meiner Auffassung ein zweischneidiges Unterfangen ist, wenn man Höhepunkte auf Kosten des Ganzen herausstellt, weil Bruckner oft weitreichende Spannungsbögen eröffnet, die bei einem solchen Ansatz leicht aus den Augen verloren gehen. Sinopolis Achte geht jedenfalls für mein Dafürhalten in eine derartige Richtung. Kennst du diese Einspielung? Ist das vergleichbar?

Ganz und gar nicht! Während Sinopoli Höhepunkte auf Kosten des Ganzen herausstellt, stellt Salonen das Ganze auf Kosten der Höhepunkte heraus. Bei ihm gibt es so viele Kuppen und Täler, dass man nicht recht merkt, wann man an den wirklich hohen Gipfeln angekommen ist.
Ich würde diese Einspielung nicht zum Einhören bei Bruckner empfehlen, sie ist eher etwas zum Einhören in Salonens Personalstil, wenn man Bruckner schon gut kennt.

Viele Grüße
Jochen
HenningKolf (18.11.2007, 14:30):
Danke Dir,

also Bruckner steht dann auf der 200 plus Positionen umfassenden Wunschliste...und da Bruckner 2008 bei mir angesagt sein wird nicht so weit hinten..........


Salonens Haydn stell ich mir nach Deiner Beschreibung jetzt ein wenig so vor, wie Dausgaard Beethoven, Dvorák und wohl auch Schumann spielt (letztere Aufnahme kenne ich nicht)....da könnte ich sehr wohl etwas mit anfangen!

Gruß
Henning
satie (18.11.2007, 15:09):
Kann mir mal jemand erklären, was HIP bedeutet? Habe ich nun schon öfters gelesen, bin mir aber nicht sicher, ob ich verstehe, was es meint. Herzlichsten Dank,
S A T IE
HenningKolf (18.11.2007, 16:55):
Original von Satie
Kann mir mal jemand erklären, was HIP bedeutet? Habe ich nun schon öfters gelesen, bin mir aber nicht sicher, ob ich verstehe, was es meint. Herzlichsten Dank,
S A T IE


historically informed performance


scheint mittlerweile ein

von der Wissenschaft akzeptierter Begriff


zu sein


Gruß
Henning
satie (18.11.2007, 22:07):
Danke Henning,
damit wäre dann mein Bedarf an überflüssigen Entlehnungen aus dem Englischen mal wieder gedeckt. Aber eben: auch in der Musikwissenschaft beginnt sich wohl langsam aber sicher ein Fachjargon aus Anglizismen durchzusetzen.
Bei Dir scheint es ja so zu sein, dass Du auf die HIP-Diät schwörst...ach nö, da müsste man ja nur HIP zu sich nehmen.
Ich jedenfalls sage HIP HIP HURRA!

@ORKH:
kommt ohne die Übertreibungen der erst viel später auf den Plan tretenden HIP-modern Bewegung aus, die uns weismachen will, dass Komponisten, Musiker und Publikum am Hofe allesamt Punker waren.

Auch bei Salonen gibt es das single note Spiel (um mal eine begriffliche Anleihe beim Jazz zu nehmen), aber er bleibt trotzdem flüssig und geschmeidig. Jede Phrase wirkt durchdacht und bedeutungsvoll, aber es sägt und trötet deswegen niemand. Salonen holt durch feine dynamische Abstufungen eine unglaubliche Innenspannung aus diesen Werken heraus, ohne dabei jeden einzelnen Ton an- und abschwellen lassen zu müssen. Das Ganze ist absolut durchsichtig bis ins kleinste Detail ausgehört, ohne dabei so blutleer und ausgezehrt wie die erste HIP-Generation zu klingen.

Dass man HIP nicht unbedingt hip finden muss ist schon klar. Aber hier finde ich schon, dass pauschal über einen Kamm geschoren wird.

Gruß,
S A T I E
Cetay (inaktiv) (19.11.2007, 05:36):
Original von Satie

@ORKH:
kommt ohne die Übertreibungen der erst viel später auf den Plan tretenden HIP-modern Bewegung aus, die uns weismachen will, dass Komponisten, Musiker und Publikum am Hofe allesamt Punker waren.

Auch bei Salonen gibt es das single note Spiel (um mal eine begriffliche Anleihe beim Jazz zu nehmen), aber er bleibt trotzdem flüssig und geschmeidig. Jede Phrase wirkt durchdacht und bedeutungsvoll, aber es sägt und trötet deswegen niemand. Salonen holt durch feine dynamische Abstufungen eine unglaubliche Innenspannung aus diesen Werken heraus, ohne dabei jeden einzelnen Ton an- und abschwellen lassen zu müssen. Das Ganze ist absolut durchsichtig bis ins kleinste Detail ausgehört, ohne dabei so blutleer und ausgezehrt wie die erste HIP-Generation zu klingen.

Dass man HIP nicht unbedingt hip finden muss ist schon klar. Aber hier finde ich schon, dass pauschal über einen Kamm geschoren wird.

Gruß,
S A T I E

Ja. Hier werden alle negativen Klischees, die man der Historisch Informierten Aufführungs- und Interpretationspraxis so entgegenschleudert, aufgefahren, um zu zeigen, dass bei Salonen nichts davon vorhanden ist. Das heisst nicht, dass diese Attribute - einzeln oder gemeinsam - bei allen HIP-Interpreten zu finden sind. Ich selbst habe ein ganz entspanntes Verhältnis dazu und finde Gardiners Mozart gar "Referenz"-Verdächtig. Das Thema HIP wäre doch mal einen eigenen Thread wert !?

@Henning

Bruckners 8. ist bisher nur ein Wunsch.
Rachmaninov (19.11.2007, 08:30):
Original von HenningKolf
Hallo Jochen

vielen Dank für die Eröffnung des Fadens. Ich muss gestehen, B.R.A.I.N meldet mir, ich hätte nur diese Aufnahme mit Salonen

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61q4TvPpLRL._AA240_.jpg


Eine gute Aufnahme, die ich dann doch nicht allzu oft höre, weil ich von Solistenseite Heifetz, Amoyal und auch Kavakos bevorzuge.

@Salonen-Freunde,

mir geht es ebenfalls wie Henning!
Von Salonen besitze ich lediglich die o.g. Aufnahme bei der ich den Orchesterpart wirklich sehr spannend finde, die Solistenleistung IMO aber deutlich hinter anderen steht.

I.A. empfinde ich Salonen's Dirigat sehr interessant und habe ich mich durchaus schön öfters gefragt weleche Aufnahme noch spannend sein könnte. An Bruckner hätte ich dabei sicherlich nicht gedacht. Mal sehen wie sehr man hier noch inspiriert wird :engel
Jürgen (19.11.2007, 08:32):
Lass mich mal schauen, was ich von Salonen habe:


Peer Gynt, komplett mit B.Hendricks (mittlerweile mein Lieblingsinterpretation)
Bartok, alle KKs mit Bronfman


Mehr ist es leider nicht. In die KKs höre ich gerade mal rein, kann ich noch nichts zu sagen.

Aber der Peer Gynt glänzt durch Detailreichtum.
http://www.esapekkasalonen.com/images/discography/12.gif

Grüße
Jürgen
Cetay (inaktiv) (19.11.2007, 10:54):
Original von Rachmaninov
Original von HenningKolf
Hallo Jochen

vielen Dank für die Eröffnung des Fadens. Ich muss gestehen, B.R.A.I.N meldet mir, ich hätte nur diese Aufnahme mit Salonen

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61q4TvPpLRL._AA240_.jpg


Eine gute Aufnahme, die ich dann doch nicht allzu oft höre, weil ich von Solistenseite Heifetz, Amoyal und auch Kavakos bevorzuge.

@Salonen-Freunde,

mir geht es ebenfalls wie Henning!
Von Salonen besitze ich lediglich die o.g. Aufnahme bei der ich den Orchesterpart wirklich sehr spannend finde, die Solistenleistung IMO aber deutlich hinter anderen steht.

I.A. empfinde ich Salonen's Dirigat sehr interessant und habe ich mich durchaus schön öfters gefragt weleche Aufnahme noch spannend sein könnte. An Bruckner hätte ich dabei sicherlich nicht gedacht. Mal sehen wie sehr man hier noch inspiriert wird :engel

Ich denke bezüglich des Sibelius-Violinkonzerts ähnlich. Ältere Aufnahmen haben bessere Solisten aber eine recht indifferente Behandlung des Orchesterparts. Salonen hat das Werk ein weiteres mal mit Joshua Bell eingespielt, vielleicht gibt es hier ja beides. Ich kenne die Aufnahme nicht, da mir die beiden Einspielungen mit dem excellenten Dong-Suk Kang (Naxos, absoluter Geheimtip!) und Leonidas Kavakos (BIS) vollauf genügen.

Wenn Dir Salonens Sibelius-Dirigat gefällt, bietet sich an, das gleich mit einer Repertoire-Erweiterung zu vertiefen:
Rachmaninov (19.11.2007, 10:59):
Original von Dox Orkh


Wenn Dir Salonens Sibelius-Dirigat gefällt, bietet sich an, das gleich mit einer Repertoire-Erweiterung zu vertiefen:



Danke für die Empfehlung.
Werde ich mich hoffentlich dran erinnern wenn das Werk hier eingehender besprochen wird :hello
HenningKolf (24.11.2007, 09:45):
Ich weiß jetzt nicht, ob dies in der Forengemeinde ein allgemein bekanntes Faktum ist, mir jedenfalls war es neu.

Wenn man also dem wikipedia-Eintrag zum Londoner Philharmonia Orchestra (eigentlich heißt es jetzt nur "The Philharmonia", aber in meinem Kopf ist dies noch immer als (New) Philharmonia Orchestra gespeichert) trauen kann, was bekanntlich nicht immer so ist, wird Salonen im nächsten Jahr dort Chefdirigent.

Gruß
Henning
Cetay (inaktiv) (25.11.2007, 11:02):
Original von HenningKolf
Ich weiß jetzt nicht, ob dies in der Forengemeinde ein allgemein bekanntes Faktum ist, mir jedenfalls war es neu.

Wenn man also dem wikipedia-Eintrag zum Londoner Philharmonia Orchestra (eigentlich heißt es jetzt nur "The Philharmonia", aber in meinem Kopf ist dies noch immer als (New) Philharmonia Orchestra gespeichert) trauen kann, was bekanntlich nicht immer so ist, wird Salonen im nächsten Jahr dort Chefdirigent.

Gruß
Henning

Man kann dem Eintrag trauen.
Es ist konsequent, weil er schon seit 24 Jahren mit diesem Orchester verbunden ist (u.a. als 1. Gastdirigent) und vor allem räumt es sämtliche Gerüchte von Tisch, Salonen wäre bei den Berliner Philharmonikern im erweiterten Kandidatenkreis für die Rattle-Nachfolge. Damit sollte er noch ein paar Jahre warten, sonst wird er ebenso gandenlos verheizt.
Cetay (inaktiv) (25.11.2007, 11:03):
doppeltes post ?(
Zelenka (25.11.2007, 16:16):
Original von Dox Orkh

Salonen ist nicht nur Dirigent sondern auch Komponist und das befähigt ihn besonders, die Werke von Zeitgenossen aufzuführen, was er Verdienstvollerweise auch tut. Aber es stellt sich die Frage, ob er sich nicht verzettelt. Jetzt wo er bald 50 wird, könnte er sich doch langsam mal auf das Feld des klassischen Repertoires begeben. Wenn er im Konzertsaal Beethoven erklingen lässt, glaubt man bei dem anschließenden Publikumsgejohle auf einem Popkonzert gelandet zu sein – so nachzuhören beim SDR-Mitschnitt eines Konzerts, in dem er die 1. Sinfonie von Sibelius, die Sinfonia del Mare von Nystroem und Beethovens Siebte dirigierte.



http://ecx.images-amazon.com/images/I/41VDCFPK55L._AA240_.jpg

Ganz überraschenderweise habe ich Kompositionen von Salonen, die auf der abgebildeteten CD erschienen sind, sehr gern gehört (eine begeisterte Rezension befindet sich hier). Nur als Dirigent ist er kaum bei mir vertreten. Auf der einen CD begleitet er kompetent die Mullova, auf der anderen, die höchst empfehlenswert ist, dirigiert er Revueltas:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51527VDllPL._AA240_.jpg

Gruß, Zelenka
Cetay (inaktiv) (17.11.2007, 18:35):
Was hat sich da vor rund 25 Jahren für eine unglaubliche Dirigenten-Karriere angebahnt. 1979, da war Esa-Pekka-Salonen gerade 21, dirigierte er das Finnische Radio Sinfonie Orchester, 4 Jahre später stand er in der Royal Festival Hall und leitete das Philharmonia Orchestra durch Mahlers 3. Sinfonie - nach einer grotesk kurzen Vorbereitungszeit von 5 Tagen, wobei sich hartnäckig die Legende hält, Salonen hätte die Partitur nie zuvor gesehen. Weitere zwei Jahre später war er Chef des Schwedischen Radio-Sinfonie-Orchesters, machte seine ersten Plattenaufnahmen, und hatte bald darauf einen Major Deal mit CBS Masterworks in der Tasche. Sein Debut dort gab er mit Nielsens 4. Sinfonie. Schon hier zeigte er sich als Meister des Details. Wie mit der Lupe macht er feinste Nuancen sichtbar und hat ein unglaubliches Gespür für die Dramaturgie des Erzählstroms, für Brüche, Spannungen, Höhepunkte und "überirdische Momente" – und das alles mit einem genau ausgehörten, stellenweise berauschenden Orchesterklang.
Vorläufiger Höhepunkt war 1989 die Berufung zum Chefdirigenten eines der Großen Fünf Amerikanischen Orchester, dem zu dieser Zeit allerdings in seiner vollen Größe daniederliegenden L.A. Philharmonic Orchestra. Wo immer Salonen auftauchte, gab es einen riesigen Medienrummel, Publikum und lokale Presse überschlugen sich, trotzdem gelangte er nie richtig ins Bewusstsein der breiten Konsumentenschar.

Der erste Grund hierfür macht ihn mir so unendlich sympathisch: Anstatt seine Popularität dafür zu nutzen, das ausgetretene Repertoire zum 59. mal einzuspielen, konzentrierte er sich im Studio auf Musik, mit der er gezielt ein jüngeres Publikum erreichen wollte. "To make contact with young people, it's better to play, for example, Stravinsky's Rite of Spring than Mozart or Beethoven. Rite of Spring gives a sense of recognizability even if the listener's only frame of reference is rock music." (http://virtual.finland.fi/netcomm/news/showarticle.asp?intNWSAID=26174) Oder: "The task of our generation is to introduce new repertory, to let the repertory go forward. To perform our grandfathers' repertory is really not that interesting." (http://www.musicianguide.com/biographies/1608000518/Esa-Pekka-Salonen.html). Der zweite Grund macht mir die Verursacher durch und durch unsympathisch. Zu der Zeit als gerade die Generalabrechnung mit Karajan im vollem Gange war, galten Popularität und künstlerische Integrität offenbar als sich einander ausschließende Eigenschaften und so wurde, wann immer sich Salonen dem normalen Repertoire zu sehr näherte, die Keule herausgeholt. Tiefpunkt dieser Entwicklung war der fast einhellige kollektive Verriss seiner überragenden Einspielung von Bruckners 4. Sinfonie, die er entschlackte noch bevor sich die HIP-Bewegung soweit vorgearbeitet hatte.

Zum Thema HIP gibt es eine schöne Anekdote: Gefragt, was er von der Historischen Aufführungspraxis halte, meinte Salonen, er würde es ja gern machen, aber seine Musiker weigerten sich, zum Spielen verlauste Perücken aufzusetzen. Wer so die Klappe aufreist, muss zeigen, dass er es besser kann und die Einspielung von 3 Haydn Sinfonien (82, 78, 22) ist der definitive Beweis. Wie Salonen mit einem modernen Orchesterapparat diese Werke neu erschafft, ist einzigartig und kommt ohne die Übertreibungen der erst viel später auf den Plan tretenden HIP-modern Bewegung aus, die uns weismachen will, dass Komponisten, Musiker und Publikum am Hofe allesamt Punker waren.



Salonen ist nicht nur Dirigent sondern auch Komponist und das befähigt ihn besonders, die Werke von Zeitgenossen aufzuführen, was er Verdienstvollerweise auch tut. Aber es stellt sich die Frage, ob er sich nicht verzettelt. Jetzt wo er bald 50 wird, könnte er sich doch langsam mal auf das Feld des klassischen Repertoires begeben. Wenn er im Konzertsaal Beethoven erklingen lässt, glaubt man bei dem anschließenden Publikumsgejohle auf einem Popkonzert gelandet zu sein – so nachzuhören beim SDR-Mitschnitt eines Konzerts, in dem er die 1. Sinfonie von Sibelius, die Sinfonia del Mare von Nystroem und Beethovens Siebte dirigierte.

Dieses war für mich das Erleben eines der magischen Momente, um deren Willen ich letztlich Musik höre und hat mich auf ewig zum ergebenen Fan gemacht. Und ich hoffe und bange, dass sich Salonen auf seine Dirigentenkarriere konzentriert und dass er sich von der DGG nicht verheizen lässt. Ich muss einfach erfahren, wie dieses Genie Bruckners 8te dirigiert.

Biographie und Diskographie (Auswahl):

http://www.musicianguide.com/biographies/1608000518/Esa-Pekka-Salonen.html

Mein Favorit:



Salonens Brucknerinterpertation ist ein Erzählstrom. So wie ein wie ein Vorleser die Stimme hebt wenn es lebendig wird, den Atem anhält wenn die Spannung dem Höhepunkt entgegen geht, flüstert wenn es geheimnisvoll wird, so schmückt Salonen seine Erzählung dramatisch aus. Dadurch leuchtet er die Tiefen, die Zerrissenheit und die Abgründe der Partitur aus wie kein Zweiter und macht daraus eine Seelenreise durch wild zerklüftete Landschaften, Der Großteil der Kritikerschaft sah in dieser einleuchtenden Leseart freilich nur Willkür und eine Aneinanderreihung von Höhepunkten ohne Sinn für Form und Architektur. Das mag sein, wird für meine Ohren aber durch die Pluspunkte mehr als aufgewogen.
:times10
HenningKolf (18.11.2007, 09:40):
Hallo Jochen

vielen Dank für die Eröffnung des Fadens. Ich muss gestehen, B.R.A.I.N meldet mir, ich hätte nur diese Aufnahme mit Salonen

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61q4TvPpLRL._AA240_.jpg


Eine gute Aufnahme, die ich dann doch nicht allzu oft höre, weil ich von Solistenseite Heifetz, Amoyal und auch Kavakos bevorzuge.

Dann hatte ich mal einen Sibelius-"Sampler" ausgeliehen (mit den üblichen "Verdächtigen" Finlandia u.a.). Das war es glaube ich auch schon.

Was ich aus Deiner Eröffnung ersehe ist, dass Du völlig begeistert von Salonen bist. Im Hinblick auf die Haydn-Einspielung habe ich noch nicht ganz nachvollzogen, was das Besondere ist. Anders, aber nicht wie HIP?..Kannst Du das noch konkreter beschreiben oder geht das nicht (ich weiss, über Musik reden ist immer wie mit Krücken gehen, aber man kann sich ja nicht alles anhören)? HIP ist für mich gar nichts, empfinde ich meist als "kastriert".
Haydn z.B höre ich gelegentlich und dann am liebsten unter Szell und Klemperer.

Da ich mich derzeit bei Bruckner "einhöre", liegt es nahe, dass ich mir die von Dir genannte CD zulege. Auch wenn es nach meiner Auffassung ein zweischneidiges Unterfangen ist, wenn man Höhepunkte auf Kosten des Ganzen herausstellt, weil Bruckner oft weitreichende Spannungsbögen eröffnet, die bei einem solchen Ansatz leicht aus den Augen verloren gehen. Sinopolis Achte geht jedenfalls für mein Dafürhalten in eine derartige Richtung. Kennst du diese Einspielung? Ist das vergleichbar?

Ist eine Aufnahme von Bruckners 8. angekündigt oder wünscht Du Dir eine solche nur??

Ansonsten fällt mir zu Salonen noch ein, dass er sich Repertoireverdienste um Saariaho und Lindberg erworben hat; Komponisten, mit denen ich mich noch nicht beschäftigt habe.

Gruß
Henning
ab (18.11.2007, 12:33):
Ich muss gestehen, eigentlich kein Salonen-Fan zu sein. Aber folgende Aufnahme liebe ich sehr, was natürlich auh damit zu tun hat, dass keine andere (1955 Hans Rosbaud; Arkadia 770 (1 CD) / 1956 Hermann Scherchen; Stradivarius 10034 / 1971 Carl Melles; Fonit Cetra (deutsch) / 1975 Antal Dorati; Decca Head 10 (1 LP)) für mich je greifbar war.

Il prigioniero (Der Gefangene; L. Dallapiccola, nach La Torture par l'espérance aus den Contes cruels von Jean-Marie Mathias Philippe Auguste Villiers de l'Isle-Adam und La Légende d'Ulenspiegel et de Lamme Goedzak von Charles Théodore Henri de Coster), Prolog und 1 Akt (1944-1948; 1. Dez. 1949 Turin (konzertant); 20. Mai 1950 Florenz, Teatro Comunale (szenisch)
Musik von Luigi Dallapiccola

1995 Esa-Pekka Salonen; Eric Ericson Kammerchor, Chor und Sinfonie-Orchester des Schwedischen Rundfunks
Phyllis Bryn-Julson - La Madre
Jorma Hynninen - Il Prigioniero
Howard Haskin - Il Carceriere
Howard Haskin - Il Grande Inquisitore
Sony SK 68323 (1 CD live)


http://ecx.images-amazon.com/images/I/51gqk8KUw4L._AA240_.jpg
Cetay (inaktiv) (18.11.2007, 14:04):
Original von HenningKolf
Im Hinblick auf die Haydn-Einspielung habe ich noch nicht ganz nachvollzogen, was das Besondere ist. Anders, aber nicht wie HIP?..Kannst Du das noch konkreter beschreiben oder geht das nicht (ich weiss, über Musik reden ist immer wie mit Krücken gehen, aber man kann sich ja nicht alles anhören)? HIP ist für mich gar nichts, empfinde ich meist als "kastriert".
Haydn z.B höre ich gelegentlich und dann am liebsten unter Szell und Klemperer.

Ich würde eher sagen: mit dem Besten aus HIP, aber doch anders. Auch bei Salonen gibt es das single note Spiel (um mal eine begriffliche Anleihe beim Jazz zu nehmen), aber er bleibt trotzdem flüssig und geschmeidig. Jede Phrase wirkt durchdacht und bedeutungsvoll, aber es sägt und trötet deswegen niemand. Salonen holt durch feine dynamische Abstufungen eine unglaubliche Innenspannung aus diesen Werken heraus, ohne dabei jeden einzelnen Ton an- und abschwellen lassen zu müssen. Das Ganze ist absolut durchsichtig bis ins kleinste Detail ausgehört, ohne dabei so blutleer und ausgezehrt wie die erste HIP-Generation zu klingen. Und die unbändige Spielfreude, mit der hier musiziert wird, ist einfach umwerfend. Trotzdem bleiben Gewichtigkeit und Ernst nie auf der Stecke. Heute, da die meisten Dirigenten die Errungenschaften von HIP auf den modernen Orchesterapparat übertragen, ist diese Aufnahme vielleicht nicht mehr ganz so spektakulär, aber vor 16 Jahren war das eine absolute Sensation.

Original von HenningKolf
Da ich mich derzeit bei Bruckner "einhöre", liegt es nahe, dass ich mir die von Dir genannte CD zulege. Auch wenn es nach meiner Auffassung ein zweischneidiges Unterfangen ist, wenn man Höhepunkte auf Kosten des Ganzen herausstellt, weil Bruckner oft weitreichende Spannungsbögen eröffnet, die bei einem solchen Ansatz leicht aus den Augen verloren gehen. Sinopolis Achte geht jedenfalls für mein Dafürhalten in eine derartige Richtung. Kennst du diese Einspielung? Ist das vergleichbar?

Ganz und gar nicht! Während Sinopoli Höhepunkte auf Kosten des Ganzen herausstellt, stellt Salonen das Ganze auf Kosten der Höhepunkte heraus. Bei ihm gibt es so viele Kuppen und Täler, dass man nicht recht merkt, wann man an den wirklich hohen Gipfeln angekommen ist.
Ich würde diese Einspielung nicht zum Einhören bei Bruckner empfehlen, sie ist eher etwas zum Einhören in Salonens Personalstil, wenn man Bruckner schon gut kennt.

Viele Grüße
Jochen
HenningKolf (18.11.2007, 14:30):
Danke Dir,

also Bruckner steht dann auf der 200 plus Positionen umfassenden Wunschliste...und da Bruckner 2008 bei mir angesagt sein wird nicht so weit hinten..........


Salonens Haydn stell ich mir nach Deiner Beschreibung jetzt ein wenig so vor, wie Dausgaard Beethoven, Dvorák und wohl auch Schumann spielt (letztere Aufnahme kenne ich nicht)....da könnte ich sehr wohl etwas mit anfangen!

Gruß
Henning
satie (18.11.2007, 15:09):
Kann mir mal jemand erklären, was HIP bedeutet? Habe ich nun schon öfters gelesen, bin mir aber nicht sicher, ob ich verstehe, was es meint. Herzlichsten Dank,
S A T IE
HenningKolf (18.11.2007, 16:55):
Original von Satie
Kann mir mal jemand erklären, was HIP bedeutet? Habe ich nun schon öfters gelesen, bin mir aber nicht sicher, ob ich verstehe, was es meint. Herzlichsten Dank,
S A T IE


historically informed performance


scheint mittlerweile ein

von der Wissenschaft akzeptierter Begriff


zu sein


Gruß
Henning
satie (18.11.2007, 22:07):
Danke Henning,
damit wäre dann mein Bedarf an überflüssigen Entlehnungen aus dem Englischen mal wieder gedeckt. Aber eben: auch in der Musikwissenschaft beginnt sich wohl langsam aber sicher ein Fachjargon aus Anglizismen durchzusetzen.
Bei Dir scheint es ja so zu sein, dass Du auf die HIP-Diät schwörst...ach nö, da müsste man ja nur HIP zu sich nehmen.
Ich jedenfalls sage HIP HIP HURRA!

@ORKH:
kommt ohne die Übertreibungen der erst viel später auf den Plan tretenden HIP-modern Bewegung aus, die uns weismachen will, dass Komponisten, Musiker und Publikum am Hofe allesamt Punker waren.

Auch bei Salonen gibt es das single note Spiel (um mal eine begriffliche Anleihe beim Jazz zu nehmen), aber er bleibt trotzdem flüssig und geschmeidig. Jede Phrase wirkt durchdacht und bedeutungsvoll, aber es sägt und trötet deswegen niemand. Salonen holt durch feine dynamische Abstufungen eine unglaubliche Innenspannung aus diesen Werken heraus, ohne dabei jeden einzelnen Ton an- und abschwellen lassen zu müssen. Das Ganze ist absolut durchsichtig bis ins kleinste Detail ausgehört, ohne dabei so blutleer und ausgezehrt wie die erste HIP-Generation zu klingen.

Dass man HIP nicht unbedingt hip finden muss ist schon klar. Aber hier finde ich schon, dass pauschal über einen Kamm geschoren wird.

Gruß,
S A T I E
Cetay (inaktiv) (19.11.2007, 05:36):
Original von Satie

@ORKH:
kommt ohne die Übertreibungen der erst viel später auf den Plan tretenden HIP-modern Bewegung aus, die uns weismachen will, dass Komponisten, Musiker und Publikum am Hofe allesamt Punker waren.

Auch bei Salonen gibt es das single note Spiel (um mal eine begriffliche Anleihe beim Jazz zu nehmen), aber er bleibt trotzdem flüssig und geschmeidig. Jede Phrase wirkt durchdacht und bedeutungsvoll, aber es sägt und trötet deswegen niemand. Salonen holt durch feine dynamische Abstufungen eine unglaubliche Innenspannung aus diesen Werken heraus, ohne dabei jeden einzelnen Ton an- und abschwellen lassen zu müssen. Das Ganze ist absolut durchsichtig bis ins kleinste Detail ausgehört, ohne dabei so blutleer und ausgezehrt wie die erste HIP-Generation zu klingen.

Dass man HIP nicht unbedingt hip finden muss ist schon klar. Aber hier finde ich schon, dass pauschal über einen Kamm geschoren wird.

Gruß,
S A T I E

Ja. Hier werden alle negativen Klischees, die man der Historisch Informierten Aufführungs- und Interpretationspraxis so entgegenschleudert, aufgefahren, um zu zeigen, dass bei Salonen nichts davon vorhanden ist. Das heisst nicht, dass diese Attribute - einzeln oder gemeinsam - bei allen HIP-Interpreten zu finden sind. Ich selbst habe ein ganz entspanntes Verhältnis dazu und finde Gardiners Mozart gar "Referenz"-Verdächtig. Das Thema HIP wäre doch mal einen eigenen Thread wert !?

@Henning

Bruckners 8. ist bisher nur ein Wunsch.
Rachmaninov (19.11.2007, 08:30):
Original von HenningKolf
Hallo Jochen

vielen Dank für die Eröffnung des Fadens. Ich muss gestehen, B.R.A.I.N meldet mir, ich hätte nur diese Aufnahme mit Salonen

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61q4TvPpLRL._AA240_.jpg


Eine gute Aufnahme, die ich dann doch nicht allzu oft höre, weil ich von Solistenseite Heifetz, Amoyal und auch Kavakos bevorzuge.

@Salonen-Freunde,

mir geht es ebenfalls wie Henning!
Von Salonen besitze ich lediglich die o.g. Aufnahme bei der ich den Orchesterpart wirklich sehr spannend finde, die Solistenleistung IMO aber deutlich hinter anderen steht.

I.A. empfinde ich Salonen's Dirigat sehr interessant und habe ich mich durchaus schön öfters gefragt weleche Aufnahme noch spannend sein könnte. An Bruckner hätte ich dabei sicherlich nicht gedacht. Mal sehen wie sehr man hier noch inspiriert wird :engel
Jürgen (19.11.2007, 08:32):
Lass mich mal schauen, was ich von Salonen habe:


Peer Gynt, komplett mit B.Hendricks (mittlerweile mein Lieblingsinterpretation)
Bartok, alle KKs mit Bronfman


Mehr ist es leider nicht. In die KKs höre ich gerade mal rein, kann ich noch nichts zu sagen.

Aber der Peer Gynt glänzt durch Detailreichtum.
http://www.esapekkasalonen.com/images/discography/12.gif

Grüße
Jürgen
Cetay (inaktiv) (19.11.2007, 10:54):
Original von Rachmaninov
Original von HenningKolf
Hallo Jochen

vielen Dank für die Eröffnung des Fadens. Ich muss gestehen, B.R.A.I.N meldet mir, ich hätte nur diese Aufnahme mit Salonen

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61q4TvPpLRL._AA240_.jpg


Eine gute Aufnahme, die ich dann doch nicht allzu oft höre, weil ich von Solistenseite Heifetz, Amoyal und auch Kavakos bevorzuge.

@Salonen-Freunde,

mir geht es ebenfalls wie Henning!
Von Salonen besitze ich lediglich die o.g. Aufnahme bei der ich den Orchesterpart wirklich sehr spannend finde, die Solistenleistung IMO aber deutlich hinter anderen steht.

I.A. empfinde ich Salonen's Dirigat sehr interessant und habe ich mich durchaus schön öfters gefragt weleche Aufnahme noch spannend sein könnte. An Bruckner hätte ich dabei sicherlich nicht gedacht. Mal sehen wie sehr man hier noch inspiriert wird :engel

Ich denke bezüglich des Sibelius-Violinkonzerts ähnlich. Ältere Aufnahmen haben bessere Solisten aber eine recht indifferente Behandlung des Orchesterparts. Salonen hat das Werk ein weiteres mal mit Joshua Bell eingespielt, vielleicht gibt es hier ja beides. Ich kenne die Aufnahme nicht, da mir die beiden Einspielungen mit dem excellenten Dong-Suk Kang (Naxos, absoluter Geheimtip!) und Leonidas Kavakos (BIS) vollauf genügen.

Wenn Dir Salonens Sibelius-Dirigat gefällt, bietet sich an, das gleich mit einer Repertoire-Erweiterung zu vertiefen:
Rachmaninov (19.11.2007, 10:59):
Original von Dox Orkh


Wenn Dir Salonens Sibelius-Dirigat gefällt, bietet sich an, das gleich mit einer Repertoire-Erweiterung zu vertiefen:



Danke für die Empfehlung.
Werde ich mich hoffentlich dran erinnern wenn das Werk hier eingehender besprochen wird :hello
HenningKolf (24.11.2007, 09:45):
Ich weiß jetzt nicht, ob dies in der Forengemeinde ein allgemein bekanntes Faktum ist, mir jedenfalls war es neu.

Wenn man also dem wikipedia-Eintrag zum Londoner Philharmonia Orchestra (eigentlich heißt es jetzt nur "The Philharmonia", aber in meinem Kopf ist dies noch immer als (New) Philharmonia Orchestra gespeichert) trauen kann, was bekanntlich nicht immer so ist, wird Salonen im nächsten Jahr dort Chefdirigent.

Gruß
Henning
Cetay (inaktiv) (25.11.2007, 11:02):
Original von HenningKolf
Ich weiß jetzt nicht, ob dies in der Forengemeinde ein allgemein bekanntes Faktum ist, mir jedenfalls war es neu.

Wenn man also dem wikipedia-Eintrag zum Londoner Philharmonia Orchestra (eigentlich heißt es jetzt nur "The Philharmonia", aber in meinem Kopf ist dies noch immer als (New) Philharmonia Orchestra gespeichert) trauen kann, was bekanntlich nicht immer so ist, wird Salonen im nächsten Jahr dort Chefdirigent.

Gruß
Henning

Man kann dem Eintrag trauen.
Es ist konsequent, weil er schon seit 24 Jahren mit diesem Orchester verbunden ist (u.a. als 1. Gastdirigent) und vor allem räumt es sämtliche Gerüchte von Tisch, Salonen wäre bei den Berliner Philharmonikern im erweiterten Kandidatenkreis für die Rattle-Nachfolge. Damit sollte er noch ein paar Jahre warten, sonst wird er ebenso gandenlos verheizt.
Cetay (inaktiv) (25.11.2007, 11:03):
doppeltes post ?(
Zelenka (25.11.2007, 16:16):
Original von Dox Orkh

Salonen ist nicht nur Dirigent sondern auch Komponist und das befähigt ihn besonders, die Werke von Zeitgenossen aufzuführen, was er Verdienstvollerweise auch tut. Aber es stellt sich die Frage, ob er sich nicht verzettelt. Jetzt wo er bald 50 wird, könnte er sich doch langsam mal auf das Feld des klassischen Repertoires begeben. Wenn er im Konzertsaal Beethoven erklingen lässt, glaubt man bei dem anschließenden Publikumsgejohle auf einem Popkonzert gelandet zu sein – so nachzuhören beim SDR-Mitschnitt eines Konzerts, in dem er die 1. Sinfonie von Sibelius, die Sinfonia del Mare von Nystroem und Beethovens Siebte dirigierte.



http://ecx.images-amazon.com/images/I/41VDCFPK55L._AA240_.jpg

Ganz überraschenderweise habe ich Kompositionen von Salonen, die auf der abgebildeteten CD erschienen sind, sehr gern gehört (eine begeisterte Rezension befindet sich hier). Nur als Dirigent ist er kaum bei mir vertreten. Auf der einen CD begleitet er kompetent die Mullova, auf der anderen, die höchst empfehlenswert ist, dirigiert er Revueltas:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51527VDllPL._AA240_.jpg

Gruß, Zelenka
Hermes (08.02.2023, 04:56):
Bin ein grosser Bewunderer dieses Dirigenten. Selbst in Beethoven-Sinfonien entdeckt er für mich oft neue Details. Hier habe ich einen spannenden Artikel über ihn gefunden: https://www.marczitzmann.art/post/tonsetzer-und-taktgeber :thumbup:
Joe Dvorak (08.02.2023, 06:22):
Hallo Hermes,

herzlich Willkommen hier im Forum. Ich freue mich auf regen und spannenden Austausch. Mit der Wertschaetzung fuer Salonen haben wir schon mal eine Gemeinsamkeit und bei anderen Forenmitgliedern steht er ebenfalls hoch im Kurs. Danke fuer den Link.

Es gab hier schon mal einen Thread. Der liegt allerdings schon 15 Jahre lang brach: Esa-Pekka Salonen - Dirigenten - das-klassikforum.de

Mir faellt zuerst seine fulminante Einspielung von 3 Haydn-Sinfonien ein, dann die erste Sinfonie von Carl Nielsen. Beide sind in meinen Ohren der Konkurrenz turmhoch ueberlegen.
Andréjo (08.02.2023, 13:13):
Auch von mir ein herzliches Willkommen an Hermes!

Seine Sicht auf Strawinskis Frühlingweihe gehört gewiss zu den gelungenen jüngeren Einspielungen, auch wenn man vielleicht über die Aufnahmetechnik - sehr dominant herangezoomtes Schlagwerk - und manche Details diskutieren kann. Enthalten ist ansonsten neben Bartoks Suite zum wunderbaren Mandarin, der offentlich zu seinem Standard gehört, auch die weniger geläufige und schärfere Originalversion von Mussorgskis Nacht auf dem kahlen Berge.



Mein Sohn hat ihn in Berlin im Konzert der Philharmoniker gehört und gesehen. Da kam auch seine Orgelsinfonie mit Olivier Latry zur Uraufführung. Den Live-Mitschnitt konnte ich mir anhören. Das ist nachromantische Postmoderne, da gibt es sicher Spannenderes.

:) Wolfgang
Hermes (08.02.2023, 18:47):
Die Sinfonia concertante mit Orgel habe ich auch gehört, fand es bei der ersten Begegnung das mit Abstand schwächste seiner jüngeren Werke. Zuviel Figurenwerk, zu wenig Substanz.

Mit Joe Dvorak teile ich die Liebe für das Haydn-Album. So schade, dass Salonen kaum Wiener Klassiker dirigiert, bis auf Beethoven! (Es gibt meines Wissens keine einzige kommerzielle Mozart-Aufnahme von ihm!). Salonens "Eroica" mit dem ad-hoc-Orchester von La Grange au Lac ist wirklich hörenswert.
Maurice inaktiv (08.02.2023, 21:50):
Ich bin auch ein Sympathisant von Salonen, vor allem bei Nielsen, Sibelius und auch der wunderbaren CD mit Werken von Silvestre Revueltas (mit dem Los Angeles PO), aber auch die recht frühe Einspielung der Sinfonien Nr.3 & 4 von Franz Berwald.

Sonst halte ich mich bei Salonen zurück, da ich andere Einspielungen von ihm nicht kenne.
Nicolas_Aine (09.02.2023, 14:30):
ich hab die Beiträge mal in den schon existierenden Faden verschoben, dann ist alles an einem Ort :) Herzlich willkommen @Hermes!
Joe Dvorak (11.02.2023, 03:54):
Ich hatte mal wieder Lust auf den Peer Gynt und habe mir die Aufnahme mit dem Oslo PO unter Salonen angehoert. Die fand ich sehr gelungen. Geboten werden 18 Nummern, inklusive einigen wenigen Einlagen von Chor & Sopran (Barbara Hendricks). Das ist frei von Sentimentalitaet und anderen Romantizismen, selbst die gefuerchtete Morgenstimmung gefaellt. Man erkauft sich die 'absolute', relativ undramatische und auf die vielfaeltigen Orchesterfarben fokussierte Leseart (der Musik zu einem Drama) nicht mit Kuehle oder Ueberanalytik. Das ist ganz klar meins.