kreisler (07.03.2009, 17:20): War gerade in einem Klavierhaus, zum Klaviere testen, und da ist mir diese Frage gekommen:
Was ist eurer Liblingsflügel, euer Lieblingsklavier?
Welche Marke würdet ihr besonders empfehlen, wer hat ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, eine gute Mechanik etc.
(die Frage ist natürlich besonders an die Pianisten unter uns gestellt ist; aber es kann ja auch jeder der nicht Klavier spielt sagen, welchen Klang er schöner findet etc., das fände ich ganz toll)
Liebe Grüße an alle, Kreisler
cellodil (07.03.2009, 19:33): Lieber Kreisler,
hatte kürzlich mal wieder die Gelegenheit einen Fazioli zu hören und - wieder mal - ging mir bei diesem Ton das Herz auf. Ich kenne keinen Flügel, der so einen angenehm warmen Ton (der sich gerade beim kammermusikalischen Musizieren so schön und rund ins Insgesamt einfügt) und trotzdem Brillanz hat. Gilt wohl auch nicht umsonst als der Rolls Royce unter den Flügeln - leider auch vom Preis her.
Ansonsten liebe ich selbstverständlich mein generalüberholtes, antikes Thürmer-Klavier, das meiner Meinung nach für ein Klavierle einen sehr schönen Klang hat, gut zum Cellole passt und sich auch sehr angenehm spielt.
Aber Du wirst ja vermutlich, wenn Ihr den Platz dazu habt (und das Geld - obwohl, gebrauchte Flügel sind oft überraschend günstig zu haben) und Du ernsthafte musikalische Ambitionen hast, eher einen Flügel brauchen.
Auf was spielst Du denn bisher?
Liebe Grüße
Sabine
kreisler (08.03.2009, 23:52): Also bei den Großen Konzertflügeln ist wohl Fazioli wirklich am besten! Schade, dass kaum einer von den "Großen" auf Fazioli spielt!
Aber bei uns ist das so: Wir haben einen sehr schönen, alten, aber gebrauchten Steinweg-Flügel (Weiß nicht in wie Fern der mit Steinway "verwandt" ist). Der Flügel hat einen wunderschönen Klang, aber die Mechanik ist fürchterlich. Naja, jedefalls reicht sie mir einfach nicht mehr, und mann kann nicht mehr genau spielen. Da meine Mutter den Flügel aber nicht gerne "wegwerfen" würde, haben wir beschlossen, noch ein kleineres Klavier für mein Zimmer zu kaufen. Allerdings fange ich zur Zeit an, sehr viel Technik und Anschlag zu lernen, und da bräuchte ich natürlich schon ein Besseres. Bei meinem Klaviertest war ich von Bechstein ziemlich begeistert. Selbst das kleine Klavier hat unglaublich viele Klangfarben, man merkt kaum dass es nur ein Klavier ist. Dagegen haben mir die Yamaha Klaviere nicht so gut gefallen (sind aber natürlich auch billiger).
Doch eigentlich überlege ich auch ob nicht eine einmalige Investition in einen Flügel (müsste ja nicht gleich Fazioli sein :wink) auf längere Zeit nicht sinnvoller wäre. Ich kann schwer einschätzen, wie groß der Unterschied ist zwischen einem gutem Klavier und einem einigermaßen guten Flügel, weil ich immer nur den alten Steinweg gespielt habe. Jedenfalls habe ich schon noch einiges vor auf dem Klavier...äh, Flügel? :D
Grüße, Kreisler
Gamaheh (09.03.2009, 22:09): Lieber Kreisler,
ein Klavierbauer sagte mir kürzlich, die Repetition sei auf einem Flügel immer besser als auf einem Klavier - vielleicht testest Du mal gezielt in diese Richtung.
Grüße, Gamaheh
satie (10.03.2009, 06:17): In der Mechanik unterscheiden sich Pianino und Flügel selbstverständlich sehr, und generell kann man auch sagen, dass der Klang eines Flügels immer besser ist als der eines Pianinos. Gamaheh sprach ja schon die Repetition an, die bei einem Flügel unter Umständen weit besser ist als bei einem Pianino. Einen weiteren epochalen Unterschied gibt es bei den Pedalen: zum einen ist das Gestänge eines Pianino meist eine verhältnismäßig billige Holzkonstruktion, die sich auf Dauer geräuschvoll bemerkbar macht. Man kann generell nicht so genau pedalisieren wie bei einem Flügel, wobei es da auch stark auf die Marken und Modelle ankommt. Nicht zu vergessen ist, dass die Pedale bei Flügel und Klavier sich aber auch noch in der Funktion unterscheiden: das rechte Pedal hebt die Dämpfer auf, das ist bei Pianino und Flügel der identische Effekt. Schon beim linken Pedal aber kommen zwei völlig unterschiedliche Verfahren zur Anwendung: während beim Pianino nur die Hämmer etwas näher an die Saiten bewegt werden, werden beim Flügel alle Hämmer inkl. kompletter Tastatur etwas nach rechts verschoben, wodurch vor allem im mittleren und oberen Register nur zwei der jeweils drei Saiten angeschlagen werden (beim Hammerklavier war das alles weit ausgefeilter, damit man sowohl una corda, due corde und tre corde spielen konnte; man hatte bedeutend mehr Klangfarben). Der Effekt ist in beiden Fällen, dass der Klang weniger massiv ist, man eine schlankere Klangfarbe hat und auch besser pianissimo spielen kann. Der bedeutendste Unterschied liegt aber im dritten, dem mittleren Pedal, dessen Funktion erschütternderweise selbst mancher Pianist nicht kennt. Dieses sogenannte Sostenuto-Pedal ermöglicht nämlich erstaunliches: man kann damit einzelne Dämpfer aufheben, sprich einzelne Töne klingen lassen, während der Rest beispielsweise staccato klingt. Das ist aber nur beim Flügel der Fall, und man wird dieses Pedal zu schätzen wissen, wenn man mal Ravel und Debussy intensiver spielt. Welch klangliche Möglichkeiten ergeben sich da! Und wie seltsam ist es, dass die Pianisten es so selten einsetzen!! Beim Pianino hat dieses Pedal, falls vorhanden, eine komplett andere Funktion: dort schiebt sich einfach ein Filzstreifen zwischen Hämmer und Saiten, damit alles ganz leise und gedämpft klingt. Ein interessanter Klang zwar, aber eine ganz andere Funktion, die eines Übepedals für empfindliche Nachbarn nämlich, sostenuto gibts also beim Pianino nicht.
Alles in allem würde ich sowieso dann doch zu einem Flügel raten, wenn die finanziellen Möglichkeiten da sind. Eventuell wäre auch ein Stutzflügel eine Idee, quasi als Mittelding zwischen Pianino und Flügel.
@Kreisler: Zwar sind meine persönlichen Favoriten neben dem Fazioli immer noch Bösendorfer und Bechstein, aber es gibt durchaus annehmbare Flügel zu einem bescheideneren Preis. Fragt sich, ob man eventuell eine gute Finanzierung bekäme und doch einen ganz hochwertigen nehmen könnte oder etwas in der Art eines Mietkaufs, aber damit habe ich mich nie auseinandergesetzt. Die Finger würde ich mit Sicherheit von asiatischen Produkten lassen (außer Yamaha, wenn man den Klang mag; Kawai beispielsweise bürgt für Ärger in der Zukunft). Steinweg übrigens ist im Grunde Steinway, denn einer von den Jungs ging dann in die USA und nannte sich eben Steinway. Die Instrumente allerdings haben schon lange nichts mehr miteinander zu tun, aber die Grotrian-Steinweg haben mir früher immer gut gefallen. Habe allerdings länger keinen mehr gehört... Vor Jahren waren mal die Instrumente von Feurich angesagt, die waren auch nicht ganz so teuer und klangen schön. Aber das ist natürlich immer Geschmackssache. Schimmel mag ich persönlich nicht.
Erfahrungsgemäß lohnt sich nicht, nach gebrauchten Instrumenten Ausschau zu halten, die sind meiner Meinung nach meist zu teuer, und man weiß nie, ob man gleich irgendwas erneuern muss. Das ist bei Pianinos etwas anders.
kreisler (10.03.2009, 07:39): Lieber Satie,
danke für die genaue Beschreibung. Das müssen wir uns doch noch mal überlegen mit Flügel/Klavier. Ich hab mir schon gedacht, dass da gehörige Unterschiede in der Mechanik liegen, und sostenuto konnte ich noch nie Spielen, weil unser Flügel das nicht hatte. Wäre auch sehr nützlich bei Schumann gewesen...
Wir könnten uns sicher auch einen Mittelklasse-Flügel leisten (Ist schließlich eine Investition und mein Bruder fängt auch an Klavier zu lernen...) mit Mietkäufen oder Finanzierung hab ich keine Ahnung.
Allerdings ist ein weiteres Problem noch, dass ich mittlerweile sehr viel Spiele, und ein Klavier gewissermaßen um einiges "humaner" als ein Flügel für die Nachbarn...
Viele Grüße, Kreisler
cellodil (10.03.2009, 08:31): Original von kreisler Bei meinem Klaviertest war ich von Bechstein ziemlich begeistert. Selbst das kleine Klavier hat unglaublich viele Klangfarben, man merkt kaum dass es nur ein Klavier ist.
Lieber Kreisler,
als ich mir vor ein paar Jahren (zwei oder drei??) ein Klavier (also ein Pianino) gekauft habe, fand ich unter den neuen Modellen die Bechstein-Klaviere auch sehr ansprechend, haben mir vom Klang deutlich besser gefallen als dieses Steinway-Modell, das angeblich wie ein Flügel klingt (allerdings sind mir die Steinways auch als Flügel meistens im Ton etwas zu "steril").
Original von kreisler Jedenfalls habe ich schon noch einiges vor auf dem Klavier...äh, Flügel? :D
... das klingt - ob Pianino oder Flügel - auf jeden Fall beflügelt...
Original von Satie Erfahrungsgemäß lohnt sich nicht, nach gebrauchten Instrumenten Ausschau zu halten, die sind meiner Meinung nach meist zu teuer, und man weiß nie, ob man gleich irgendwas erneuern muss. Das ist bei Pianinos etwas anders.
Wahrscheinlich hast Du recht, lieber Satie, für einen gebrauchten Flügel braucht es eine gewisse Leidensfähigkeit. Freunde haben vor einem Jahr einen gebrauchten Bechstein supergünstig gekauft und der erinnert mich ein bisschen an den Alfa Romeo, den ich vor Jahren hatte, der mehr in der Werkstatt als auf der Straße war... Und auch beim Gebrauchtpianino sollte man einen unabhängigen Klavierbauer mal draufschauen lassen, der einem sagen kann, was da so zu erwarten ist.
Original von kreisler Allerdings ist ein weiteres Problem noch, dass ich mittlerweile sehr viel Spiele, und ein Klavier gewissermaßen um einiges "humaner" als ein Flügel für die Nachbarn...
Da bin ich mir nicht so sicher (es sei denn, es handelt sich um ein "silent piano"). Und die Nachbarn haben ja bislang keinen Aufstand gemacht... Als Nachbarin mehrerer Musiker muss ich allerdings auch sagen, dass mich das noch nie gestört hat, wenn sie üben, das klingt doch ganz anders als wenn der kleine Jannis, Leon, Quentin oder wie auch immer heute Sechsjährige heißen mögen seine ersten Gehversuche auf der Blockflöte macht...
Liebe Grüße
Sabine
kreisler (15.03.2009, 11:59): Wollte nur mal schreiben, dass ich mich jetzt für das kleine Bechstein-Klavier, von dem ich oben schon so geschwärmt habe, entschieden hab. Kann kaum erwarten bis es geliefert wird :leb
Ich denke dass ist Technisch mehr als ausreichend. Ein neuer Flügel wäre auch irgendwie komisch gewesen, immerhin kann ich ja noch auf dem Alten spielen (nur für´s Gefühl:D), und es ging ja auch darum, dass ich in Ruhe in meinem Zimmer üben kann. Außerdem störe ich jetzt nicht die Fernseh-Abende von meinem Bruder. Dass war sicher auch noch ein Gesichtspunkt :D
Und Sabine, es hat tatsächlich eine "Silent-Funktion" auf die man umschalten kann; Natürlich ist sie in keinster weise mit dem richtigen Klang (der übrigens wirklich grandios ist!) zu vergleichen, aber so kann ich auch noch etwas später spielen. Und ganz ehrlich, wer will schon meine Klavierübungen, oder noch schlimmer, meine Kompositionsversuche hören? :P
Aber den Thread kann man ja ruhig, wenn man will weiterführen:
Beim testen bin ich auch auf ein (nicht zu übersehendes) riesiges Bösendorfer-Klavier gestoßen. Ich muss sagen, dass war das beste Klavier auf dem ich bis jetzt gespielt habe, aber wer kauft sich bitte für 30.000 ein Klavier, obwohl man dafür einen wirklich guten Flügel bekommt ?(
Und außerdem hat, während ich auch in dem Geschäft war, jemand gar nicht übel Schumanns C-dur Fantasie auf einem Fazioli gespielt. Das klingt wirklich toll!
viele grüße, kreisler
cellodil (15.03.2009, 13:41): Original von kreisler Wollte nur mal schreiben, dass ich mich jetzt für das kleine Bechstein-Klavier, von dem ich oben schon so geschwärmt habe, entschieden hab. Kann kaum erwarten bis es geliefert wird :leb
Lieber Kreisler,
wie schön, das klingt doch sehr danach, als wenn sich da zwei (Du und das Bechsteinle) gefunden hätten... Scheint mir, nach allem, was Du schreibst, wohl tatsächlich die beste Variante zu sein.
Die Silent-Funktion ist wohl immer ein Notbehelf, aber doch nützlich. So wie der Übungsdämpfer auf dem Cello (es gibt ja auch Silent-Celli, aber die finde ich so unsinnlich, erinnern eher an einen Besenstiel als an ein Intrument), den ich auch eher ungern nutze, weil sich das so genkebelt anhört und nicht wirklich Spaß macht, aber manchmal ist es einfach als Demonstration des good will fürs Umfeld ganz gut.
Auf jeden Fall freue ich mich für Dich und mit Dir und wünsche Dir mit dem Pianino ganz, ganz viel Freude.
Original von kreisler Beim testen bin ich auch auf ein (nicht zu übersehendes) riesiges Bösendorfer-Klavier gestoßen. Ich muss sagen, dass war das beste Klavier auf dem ich bis jetzt gespielt habe, aber wer kauft sich bitte für 30.000 ein Klavier, obwohl man dafür einen wirklich guten Flügel bekommt ?(
... ich weiß auch nicht, wie der Markt für solche Pianini aussieht, aber es scheint einen zu geben. Menschen mit viel Geld und wenig Raum??? Oder für den Zweitwohnsitz??? Oder...???
Original von kreisler Und außerdem hat, während ich auch in dem Geschäft war, jemand gar nicht übel Schumanns C-dur Fantasie auf einem Fazioli gespielt. Das klingt wirklich toll!
... Du bist ja noch jung... Kommt Zeit, kommt Fazioli :D