Eure großen Konzerterlebnisse

Jeremias (30.03.2006, 16:15):
Welches waren denn Eure größten Konzererlebnisse? Welche Konzerte haben Euch geprägt, welche hatten andere Besonderheiten?
Ganong (30.03.2006, 16:56):
Lieber Jeremias ,
ich hatte im dem Thread "Music that changed me" eigentlich auch solche grossen Konzerterlebnisse mit einbeziehen wollen .
Kann "Rachmaninov" dies vielleicht zusammenlegen ?
In meinen sehr vielen Jahren grosser Stunden und einer Reihe von Enttäuschungen gibt es eine sehr lange Liste .
Zu den für immer bleibenden Erinnerungen zähle auch ich meine Bayreuth- und Wienaufenthalte mit den besten Bestzungen in Wagner-Opern , die es damals gab ( obwohl ich kein Wagner - Fan bin ; Ausnahme Tristan & isolde mitMödl , varnay , Dvorakova , Nilsson , Bjoner und einem einsamen Wolfgang Windgassen )) .
Den Gipfel bilden sicherlich meine Soloabende mizt Alexis Weissenberg , Emil Gilels und Claudio Arrau ( klavier solo ) ; Carlo Maria Giulinis Dirigat aller seiner Konzerte ; Zino Francecattis Interpretation des Beethoven-konzertes Anfang der 1960er Jahre in Düsseldorf ; Henryk Szeryng und Nathan Milsteins Bach-interpretationen ; das Juilliard String Quartet mit den späten Beethovenwerken ; "meine" Martha Argerich jetzt leider nur noch mit dem Schumannkonzert .
Und : Maria Callas als Norma 1965 in Paris .
Viele Grüsse , Ganong
Rachmaninov (13.05.2006, 12:54):
Original von Jeremias
Welches waren denn Eure größten Konzererlebnisse? Welche Konzerte haben Euch geprägt, welche hatten andere Besonderheiten?

@Jeremias,

ein prägendes Konzerterlebnis war für mich ganz klar Olli Mustonen in Frankfurt. Er spielte Scarlatti, Bach (Inventionen) und Rachmaninov Sonate #1.

Mustonens Aufnahmen fand und finde ich bis heute recht gut!

Aber das Konzert war für mich eher ein Reinfall!

Die Scarlatti Sonaten konnten noch überzeugen, Bach war ordentlich aber auch sicherlich nicht mehr und die Rachmaninov Sonate #1 war einfach nur ein "Krampf".
Mustonen kämpfte aber irgendwie kam nichts an!

Es ging nicht nur mir so, einige Leute standen bereits auf und gingen als Mustonen dabei war den spärlichen Applaus zu empfangen.

Die Zugabe sparten sich die meisten Zuschauer!
Jeremias (13.05.2006, 12:58):
Mustonen habe ich auch einmal hier in D'dorf gesehen. Er spielte u.a. Hindemith und Prokofieff (Dornröschen) sowie einige Scarlatti-Sonaten. Er ist ein Möchtegern-Pogorelich. Er versucht sich als Exzentriker darzustellen, scheitert aber kläglich. Ich fand ihn sehr schwach, sein Spiel war äußerst langweilig und leblos... eine 2. Chance wird er nicht bekommen
ab (16.05.2006, 15:31):
Leider gibt es derselben nicht so viele,

aber sicherlich war es das Bartók-Streichquartett Nr. 3 mit dem Zehetmair-Quartett, das damals noch alles auswendig spielte (gemeinsam mit Hartmann und Mozart): Eine solche Expressivität habe ich nie vorher noch nachher erlebt und war für mich überhaupt undenkbar!

Außergewöhnlich tief beeindruck hat mich das Schnittke Cellokonzert Nr. 1 mit Natalia Gutmann (und dem Gewandhausorchester).

Überwältigt hat mich ein Klavier-Recital (wie man heute auf Deutsch sagt) mit dem italienischen Pianisten Claudio Crismani (von dem ich ein andermal noch schreiben werde), insbesondere sein Scriabin-Spiel.

Ein Erlebnis der besonderen Art war auch ein Abend mit Grigory Sokolov, der bereits die Bühne wie in Trance betrat, aus der er sich nicht einmal beim Applaus zurückholen ließ.

Völlig hingerissen war ich von Haydn D-dur Cellokozert mit dem Ungarischen Cellisten Miklós Pérenyi: Herzlicher lässt sich nicht spielen!

Erfüllt war ich vom Barockgeiger Andrew Manze: Freudiger, erfüllender lässt sich nicht spielen!

Aber wenn es ein Ensemble gibt, dem ich gerne bei jedem Konzert nachreisen würde (schließlich ist Sviatoslav Richter bereits lange tot – und ihn im Konzert zu erleben habe ich leider, leider verabsäumt), dann ist es das Hagen Quartett, insbesondere wenn sie Beethoven spielen. Tiefers Musizieren kenne ich derzeit nicht!
Jürgen (17.05.2006, 09:58):
Bayreuth späte 80er. Lohengrin. Ich war begeistert vom Festspielhaus, abgestoßen vom eltitären Gehabe und etwas enttäuscht von der musikalischen Leistung. Ich hatte mir damals eine Qualität, ähnlich der meiner Schallplatten, erhofft.

Solo-Klavier Andrej Gavrilov im Wiesbadener Kurhaus. Ich hatte gute Karten und konnte dem Pianisten aus 5 Meter Entfernung auf die Finger schauen.

Rainbow 1976 oder 77. Eine herrliche Bühnenpräsenz des Tenors, ein genialer Lautenspieler und wunderbare mitreissende Rhytmen haben sich bis heute eingeprägt. Was wurde gegeben? Fast ausschliesslich Eigenkompositionen des Lautenspielers, ins deutsche übersetzt heißt er "Schwarzmehr" oder so.

Ein Kinobesuch. Carmenverfilmung unter Maazel. Ich saß allein in einer Vormittagsvorstellung und wurde mit einem Glas Sekt empfangen. Ich habe den Film sehr intensiv genossen.
AcomA (21.05.2006, 12:52):
hallo,

gestern abend erlebte ich ein musikalisches highlight meines lebens. wiedermal im rahmen des klavierfestivals ruhr. es war das diesjährige eröffnungskonzert (in der essener philharmonie). ich saß quasi am linken flügel (rang) des saales. zunächst gab es die obligatorischen eröffnungsreden, etwas langatmig bis langweilig, ziemlich humorlos und erzwungen. :(

martha argerich und nelson freire kennen sich seit ihren jungen jahren in wien. ich hatte schon während der oberstufe ihre gemeinsame aufnahme (philips) der 2. rachmaninov-suite, der paganini-variationen von lutoslawski und ravels la valse. und diese werke bildeten das kernprogramm.

brahms: variationen b-dur über ein thema von j. haydn op.56 b

m. argerich, linker flügel; n. freire, rechts

rachmaninov: suite nr.2 op.17

m. argerich, linker flügel; n. freire, rechts

pause

lutoslawski: variationen über ein thema von paganini

n. freire, linker flügel; m. argerich, rechts

schubert: grand rondeau a-dur D 951 vierhändig

am linken flügel: n. freire, oben; m. argerich, unten

ravel: la valse

m. argerich, linker flügel; n. freire, rechts

zugaben:

ravel: aus 'ma mère l'oye, laideronnette, impératrice des pagodes

vierhändig: n. freire, oben; m. argerich, unten

stück f. 4 hände, m.argerich, oben; n. freire, unten

stück f 2 klaviere: m.argerich, linker flügel; n. freire, rechts

als erstes muss ich gestehen, dass ich die letzten beiden zugaben nicht kannte, vielleicht kann jeremias was dazu sagen. ich würde zumindest beim letzten auf etwas südamerikanisches tippen ?(

dieser duo-abend war eine 'sternstunde'! :down beide künstler waren manual-technisch und in der beherrschung des klangspektrums, als auch dynamischer abstufung absolut gleichwertig und top of the top ! es geht nicht besser. die haydn-variationen kamen im thema wunderbar gesungen, die finale fuge hatte vehemenz und transparenz.

rachmaninovs 2. suite ist eines meiner lieblingswerke. der erste satz wurde gefährlich zügig angegangen, als wollte man die verlorene zeit der ansprachen wieder wett machen, sie waren noch schneller als auf der platte ! aber sie mussten keinen tribut zollen. es war herrlich, wie die polyphonie, der kontrapunkt herausgespielt wurden. zum 'fliegen' der dritte satz. die tarantella war furios und pianistisch perfekt.

lutoslawskis paganini-variationen waren echte 'zirkusakrobatik'. auch hier würde ich sagen, noch stupender als auf platte ! :down

beim schubert demonstrierten beide, dass sie auch 'einfache' musik gestalten können, nämlich schnörkellos und natürlich singen.

la valse, eine echte explosion zum finale !

das verständnis der beiden war 'blind'. ein herzliches musizieren miteinander, natürlich hätte man sofort mitschneiden können und es als voolwertige platte ausgeben können. vielleicht können Jeremias und Claas, als auch Nikolaus etwas dazu sagen.

gruß, siamak :engel
nikolaus (21.05.2006, 15:06):
Hallo,

ich bin auch noch ganz erfüllt von gestern abend :engel :down :down!

Wie wahrscheinlich alle hier wissen, bin ich absolut begeistert von Martha Argerich, und auch gestern abend hat sie (und natürlich auch Nelson Freire, der ihr ein gleichwertiger und einfühlsamer Partner ist) mich wieder vom ersten Ton an mitgerissen.

Ich saß links im Chor in der ersten Reihe und hatte einen recht guten Blick auf die Hände: fantastisch, wie beide spielen. Auch in den schnellsten Passagen wirken sie nie verkrampft, sind immer flexibel und souverän und zeigen ihre Freude am Spiel.
Beide müssen wohl niemandem mehr etwas beweisen, und daraus resultiert eine entspannte und sympathische Atmosphäre, in der ihre Lust an der Musik deutlich hervortreten kann - wundervoll!!
Dabei darf ruhig mal etwas (beinahe) schief gehen: Martha Argerich verpasste fast ihren Einsatz bei den Paganini-Variationen, weil sie sich noch mit dem Deckenlicht anfreunden musste, hat aber blitzschnell reagiert, sozusagen von 0 auf 100. Etwas später schmunzelte sie etwas skeptisch, da war wohl auch etwas nicht astrein - ich hab's aber nicht gehört.

Die zweite Zugabe war übrigens aus den Sechs Duetten op. 11 von Rachmaninov; die dritte kannte ich auch nicht, tippe aber ebenfalls auf etwas südamerikanisches.

Ich schwelge noch ein bisschen :engel

Gruß, Nikolaus.
claashorst (21.05.2006, 18:02):
Opening des Klavierfestival Ruhr 2006

2 Postings dazu schon im "Was hört Ihr gerade jetzt"

Nach der Pause wurde witold Lutoslawski´s Variationen über ein Thema von Nicolo paganini für 2 klaviere interpretiert.
offen gesagt, das Paar hat mich verblüfft:
er im Pinguin-Frach alter Schule gravitätisch, sie sprühend vor Dynamik mit Lebenslust. Zwei völlig verschiedene Charaktere, die auch mal die 2 verschiedenen Steinwa´s (von Bloch damals ausgesucht) tauschen und sich sogar nebeneinander setzen können (bei Schubert), fand ich beeindruckend.
Offensichtlich nicht immer nur ein "gleich und gleich gesellt sich gern" für gemeinsames Spiel nötig.
Und Spielen miteienander haben sie. Keiner übertrumpfte den anderen, sondern liess jeden seine Stärken einbringen.
Eben eingespielte profi´s mit Lust und Laune an der Sache.
:wink
CH
Jeremias (21.05.2006, 19:17):
Auch ich bin immer noch fasziniert von dem gestrigen Abend. Ich habe Martha jetzt zum 5. Mal live erlebt. Höchst interessant ist der Vergleich mit den Abenden mit Rabinovich bzw. Zilberstein, denn beide Male standen die haydn-Variationen auf dem Programm. Zwischen den damaligen - erstklassigen - Interpretationen und der gestrigen lagen Welten!

Es ist bereits alles gesagt, wenn man das Erlebnis überhaupt in Worte fassen kann! Eines kann ich aber noch hinzufügen: Die letzte Zugabe war "Bailecito" des argentinischen Komponisten Carlos Gustavino. Das habe ich allerdings aus dem Internet :D
Zelenka (21.05.2006, 19:27):
Original von Jeremias
Die letzte Zugabe war "Bailecito" des argentinischen Komponisten Gustavino Carlos. Das habe ich allerdings aus dem Internet :D

Ungeheurer Neid meinerseits wegen des Konzerterlebnisses! Nur eine kleine Korrektur: Der argentinische Komponist heißt richtig herum Carlos Guastavino. Kenne vom Bailecito nur eine zweihändige Version.

Gruß,

Zelenka
Jeremias (21.05.2006, 19:45):
Da gibt es eine zweihändige Version? Die muss ich haben! :down
Jeremias (21.05.2006, 19:48):
Schon bestellt :-)
Zelenka (21.05.2006, 19:54):
Original von Jeremias
Da gibt es eine zweihändige Version? Die muss ich haben! :down

Noten bestellt? Oder CD?

J.D.Z.
Jeremias (21.05.2006, 21:50):
Die Noten natürlich :D
Zelenka (21.05.2006, 21:53):
Original von Jeremias
Die Noten natürlich :D

Alles klar! :D :D :D

J.D.Z.
Jeremias (21.05.2006, 22:16):
Ich kenne jemand, dem wird das gefallen, wenn ich das spiele :leb
Zelenka (21.05.2006, 22:28):
Original von Jeremias
Ich kenne jemand, dem wird das gefallen, wenn ich das spiele :leb

Mir würde es jedenfalls gefallen. Bin immer gerührt, wenn lateinamerikanische Musik dann doch gefällt, wenn man sie im Konzertsaal tatsächlich mal hört. :D

J.D.Z.
claashorst (25.05.2006, 12:05):
Am Dienstag, 23.05.06 spielten die beiden Brüder in der Tonhalle.
Mussorgsky, Bilder einer Ausstellung.
Die verschiedenen Bilder der Ausstellung wurden sehr schön dargestellt. Die Akkustik nach dem Umbau für mich gewöhnungs-umstellungsbedürftig, aber sehr klar, ohne Widerhall, die bläulich gehaltene Atmosphäre bewirkt Aufmerksamkeit, inneres Gespanntsein. Die Interpreten haben ein sehr ausgeglichenes, erwachsenes Verhältnis zueinander trotz unmittelbar verwandschaftlicher Beziehung . Ihr Umgang erschien fair, respektvoll, zuvorkommend. Profession benötigte wenig Abstimmungshinweise trotz hoch anspruchsvoller Klavierstücke.
es folgte z.B. noch Strauß Till Eulenspiegel. Ihre Konzentration auf die musikalische Darbietung lässt jeden Veranstalter sicher freuen. Das Abspielen vom Blatt minderte nicht die Aufführung. (Der fehlende Service des Blatt-Wechsler für die beiden wie bei A.&F kürzlich fiel nicht ins Gewicht.)
Die Zuhörer fühlten sich von de beiden sympatischen Pianisten gut mitgenommen, die keinerlei Allüren an den Tag legten und in unmittelbarer Präsenz das Erleben von Klavierliteratur ermöglichten. Sie machten Appetit auf ein Mehr-Hören.

Die Tonhalle lohnte durch ihr "Ambiente ohne Barrieren" diesen puren doppelten Klaviergenuss an einem Werktag.
Die verschiedenen Sinneseindrücke des Konzertbesuches liessen die Ausstellungsbilder recht wirkungsvoll hervortreten.
CH
Cosima (25.05.2006, 12:11):
Hallo claashorst,

ein interessanter Beitrag zu einem sicher beflügelnden Abend! Ich würde die Beiden auch gerne einmal live erleben. Leider sah ich sie bisher nur auf einem DVD-Mitschnitt:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000A9DZG.03.LZZZZZZZ.jpg ...(Derzeit zu einem Spottpreis bei amazon erhältlich!)

Hier – wie auch auf ihrer Mendelssohn-CD – überzeugt das scheinbar blinde Verständnis, das sich im überragenden Zusammenspiel ausdrückt. Ganz erstaunlich und wundervoll!

Gruß, Cosima
Daniel Behrendt (25.05.2006, 12:46):
Ein Abend, der mich fürs Leben geprägt hat, war das Konzert, das Shura Cherkassky zu seinem 80. Geburtstag in der Londoner Royal Festival Hall spielte. Ein Mamutprogramm, eine Kombi alter Schule von Bach-Tausig (oder Bach-Busoni) bis hin zu Strawinskys "Trois Mouvements de Petrouchka". Das Publikum flippte aus, Cherkassky gab einen regelrechten Zugabenregen - toll, toll, toll. Und niemand war so beckmesserisch, ihm seine technischen Unbedarftheiten zu verübeln. Seine absolut augenblicksorientierte Kunst entschädigte reichlich für (ziemlich viele) falsche Töne. Einen poetischeren und originelleren Klavierabend habe ich weder vorher noch nachher gehört.

So ähnlich muss es früher mit dem exentrischen Vladimir Pachmann gewesen sein. Dem sagt man übrigens nach, er habe im Konzert (ziemlich laute) Selbstgespräche geführt und bisweilen das Publikum beschimpft, wenn es seiner Meinung nach nicht adäquat auf sein Spiel reagierte. Na gut: Sherkassky war wohl ähnlich spleenig, aber ganz sicher ein extrem liebenswerter Zeitgenosse!

LG!
Daniel
AcomA (25.05.2006, 15:06):
hallo Daniel,

sehr beneidenswert, deine erfahrung mit cherkassky. möglicherweise der virtuose mit den kleinsten fingern. :wink

hallo Claas,

ich war ja auch bei dem paratore-abend in der düsseldorfer tonhalle. ich darf also deinen eindruck verstärken. mussorgskys bilder einer ausstellung in der version für 2 klaviere war exzellent dargeboten. die verstärkungen im klang, das eine oder andere schmankerl, integrierten sich in den ablauf, so dass die konzeption des originals eigentlich nicht verlassen wurde. gigantisch das große tor von kiew ! unser russischer fanblock, der sich durch dauergeräusche wie papierrasseln und gespräche bemerkbar machte, war ganz aus dem häuschen ! :rofl

nach der pause dann die version für 2 klaviere von strauss' till eugenspiegels lustigen streichen, sehr komplex, die harmonien und orchestralen verdichtungen. wie Class schon schrieb, blindes verständnis der brüder. kein blickkontakt war nötig. anthony übrigens saß nun am rechten flügel.

dann zeigten die paratores, was sie so richtig überragend beherrschen, das 'singen' und die kultivierung von klang, in ravels 'ma mere l'oye' für 4 hände.

zum abschluss der 'renner' für den russischen fanblock: tschaikowskys nussknacker-suite in nicolas economous version für 2 klaviere (siehe einspielung argerich/economou) ! phantastico ! :down

als zugaben:

1. - de fallas 'feuertanz' in der version für 4 hände (rubinsteins lieblingszugabe !)
2. - aus brubecks jazz-suite für 2 klaviere

3. - eine 'zirkus'-version für 4 hände vom finale des karneval der tiere von saint saens. ungeheuerlich ! :leb

zum abschluss sein noch bestätigt, dass vom blatt gespielt wurde und die pianisten selbst blättern mussten, das war schon akrobatisch-meisterhaft bis stupend !

gruß, siamak :engel
Jeremias (25.05.2006, 15:11):
Das freut mich, dass Ihr einen ausgesprochen angenehmen Abend hattet! Die "Zirkusnummer" kannte ich übrigens aus dem letzten Jahr schon :D

Ich hatte am Di. das große Vergnügen, zum 3. Mal Piotr Anderszewski zu hören. Er spielte Mozarts Fantasie in c-moll und ohne Unterbrechnung die Sonate in c-moll und nach der Pause die Bagatellen op.126 von Beethoven sowie die Sonate op.110. Als Zugabe gab es eine Mazurka von Chopin.

Anderszewski glänzte auch diesmal wieder mit einer sehr feinen, durchdachten Interpretation. Allerdings hatte der Flügel leider v.a. im Diskant einen etwas matten Klang. Sehr gut hat mir insbesondere die Aria aus der op.110 gefallen, es waren dies die stillen Moment, die besonders beeindruckt haben.
Daniel Behrendt (25.05.2006, 17:34):
Zitat Siamak: sehr beneidenswert, deine erfahrung mit cherkassky. möglicherweise der virtuose mit den kleinsten fingern

... zumindest der Virtuose mit den wurstigsten Fingern...

Übrigens transportieren seine Aufnahmen nicht ansatzweise das Flair, das Cherkassky live auszustrahlen vermochte - schade!

LG!
Daniel
claashorst (27.05.2006, 23:47):
Programm:
Ludwig van Beethoven, Sonate Nr. 8 c-Moll op 13 >>Pathetique<<
Ludwig van Beethoven, Sonate Nr. 31 As-Dur op. 110
Pause
Jean Sibelius, Klaviertranskriptionen: Karelia-Suite
Jean Sibelius, Klaviertranskriptionen: Valse triste G-Dur op. 44 aus <Jean Sibelius, Klaviertranskriptionen:Finlandia As-Dur op. 26
Franz Liszt, paraphrase nach der Oper >>Don Giovanni<< von Wolfgang Amadeus Mozart

Gesamteindruck:
Athletischer Pianisten-Typ mit selbstbewusster Bühnenpräsenz.
Sehr gute Körperbeherrschung, aus den Armen spielend, aufrecht, konzentriert beherrscht spielend.
Programm: Pathetique-Titel spiegelte sich im ersten Satz, etwas aufgeregt beginnend, dann schimmerte nordischer Charakter hindurch: kühl, nicht unterkühlt, sehr gut auf den Flügel und den schwierigen Saal eingehend, kraftvoll, nicht scheppernd. Nicht unbedingt leidenschaftlich, aber mit Ebenmass die Referenz dem Meister mit Gestaltungsgeist erweisend.
As-Dur-Werk (laut Michael Stenger:" tönende Psychologie") -> die aus der Regentraufe kommenden Konzertbesucher wachten aufweichend allmählich auf.
Pause mit älterem Publikum und vielen Japanern;
gutes,routiniert- freundliches Service-Team des Veranstalter-Intendanten Ohnesorg, der seinem Namen entsprechend in der Pause mit Schülern und Publikum fachsimpelnd recht zufrieden drein schaute. Für den Bonner B.-Wettbewerb legte er auch schon mal die Hefte aus. Dazu äußere ich mich später mal :P
CD-Verkauf der letzten Festivaljahre ab 40 € aufwärts. Offensichtlich gleich schon Sammler-Status inclusive ? (da muss sich dann mein Senior die 2005´er-CD wohl sebst besorgen ?(
Nach der Pause:
Ich gestehe: Sigfrisson oder Sibelius packten mich irgendwo:
Karelia-Suite und Kuolema des spätromantsichen Monolithen sagenhaft orchestraler Flügel. So hört sich wohl Bühnenmusik an..
Valse triste wie lebendiger Tanz (makaber nicht so).
Stolzes Finlandia.
Zum Schluß kam Sigfridsson noch mehr aus der coolen Haut heraus: Don Giovanni muss wohl ein "kontrollierter Wüstling" gewesen sein.
Feines Lächeln und Zwinkern zum Abschied, beim Rausgehen gab es noch eine Zugabe.
Musik hat den 200 Besuchern den Mai-Regen vergessen machen. :wink
Hoffe, der Dateianhang klappt zum Anschauen ?!
Das zweite Foto zeigt noch den "Flügelbetreuer" (erstmals so einen bei der Arbeit gesehen: Stimm-Kontrolle und Tastenreinigung.. )
CH
Jeremias (28.05.2006, 12:15):
Ich war in der Nachmittagsvorstellung, in welcher der junge Pianist Herbert Schuch spielte. Auf dem Programm standen die Schubert-Variationen von Lachemann, die frühe Sonate a-moll vom Schubert und die Appassionata von Beethoven, nach der Pause spielte er die Abegg-Variationen von Schumann sowie die Humoreske.

Herbert Schuch gewann 2005 den Beethoven-Wettbewerb in Wien und veröffentlichte bei Oehms-Classics dieses Jahr seine erste CD mit der Kreisleriana sowie den Miroirs von Ravel. Durch diese CD bin ich erstmals auf ihn aufmerksam geworden. Leider wurde mein durch diese Aufnahme gewonnener Eindruck nicht bestätigt. Schuch verfügt zwar über eine fulminante Technik, spielte aber für einen 26-jährigen sehr unreif. Dies überraschte, war er doch jahrelang Schüler u.a. von Karl-Heinz Kämmerling. In der Schubert'schen Sonate wusste er gerade mit den Piano-Stellen nichts anzufangen. Die Appassionata spielte er zwar mit der notwendigen Leidenschaft, doch hatte er insbesondere im 3. Satz kein durchdachtes und ausgearbeitetes "Konzept". So begann er diesen Satz wahnsinnig langsam, wurde dann immer schneller und schneller, verwischte die Melodieführung durch viel zu viel Pedal und man hatte nahezu Angst, dass er irgendwann rausfliegen würde. Es gabt zwar vereinzelt "Bravo"-Rufe, die waren aber m.E. übertrieben. Genau dasselbe Bild zeichnete sich dann bei Schumann ab. Alles hörte sich irgendwie gleich an, es gab keine Höhepunkte. Zudem hat Schuch eine sehr seltsame Bühnenpräsenz, er macht einen abwesenden und selbstverliebten Eindruck, was auch die Optik sehr störte.

Als Zugabe spielte er dann noch "La Campanella" von Liszt.

Alles in allem bleibt das Fazit des Konzertes: Der Junge hat wahnsinnig viel geübt.... wofür? ?(
claashorst (03.06.2006, 12:11):
Gestern abend nahm er am Klavierfestival Ruhr teil.
Der vielseitige Pianist und Dirigent mit vielen Einspielungen hatte für sein Programm folgende Auswahl getroffen:

Wolfgang Amadeus Mozart, Sonate Nr. 10 C-Dur KV 330
Wolfgang Amadeus Mozart, Sonate Nr. 11 A-Dur KV 331

Das "Schreiten auf die Bühne" war für mich der Schlüssel zum Erleben dieses ersten Teiles. Eine unelastische, gehemmt erscheinde Körpersprache und Mimik, zu der die lebendige, kontrollierte Arm- und Handarbeit in deutlichem Kontrast stehen:
Pletnev bot eine nahezu technisch makellose Darbietung der beiden Klassiker. :)
Wenn Wolfgang in Paris jedoch ganze 22 Lebensjahre alt nach Köchel gewesen sein soll, als er sie komponierte, empfand ich die Darbietung leider als die eines sehr reifen, kühlen, distanzierten, schnörkellosen Mozart. Warum konnte ich mich nicht erwärmen ? War es viell. die Anspannung des Tages gewesen, die man als Konzertbesucher anfangs immer mit einbringt ? Pletnev erweckte eine derart distanziert, analysierende Emotionalität -natürlich auf technisch sehr hohem Niveau, keine Frage- die mich Zuhörer erstaunlicherweise etwas kalt liess. ?(
Die Leidenschaft Mozart´schen Ausdrucks vermisste ich. Wo man sagen würde: Ein wunderschönes Stück, müsste hier konstatiert werden: einfach brillant. Aber wie Brillanten eben sind : Solitärstücke im gleissenden Licht des Bewunderers, der sich den unerreichbaren Edelstein nur hinter Glas anschauen kann.
Sylvia Systermann nennt "vollendete Heiterkeit" ein Wesenselement von KV 330, im Andante eine "Romanze": Fehlanzeige. A-Dur-Sonate: anrührend zärtliches Andante ? Hören konnte ich ein gravitätisches Menuetto, nach dem das Publikum vorzeitig klatschte, vom Interpreten mit Zeigefinger-Wink jeoch weitergeführt wurde zum Alla turca-Marsch, nicht irritiert, sehr nüchtern, unverspielt dargeboten.

In der Pause traf ich einige Bekannte, mit denen sich über die neue Tonhalle und die Akkustik der Philharmonie diskutueren liess. Am CD-Stand wurde Pletnev´s in Weiss gehaltene Mozart-Einspielung (Neu?) zum Verkauf angeboten. Ob ich sie mir holen würde ? :wink

Nach der Pause: Schumann´s Kreisleriana OP 16. Es war sofort spür- und hörbar: Pletnev lebte auf. Konnte er doch den Ansatz des Intuitiv-Spontanen souverän transportieren, wieder einmal ersichtlich mit überragender, unglaublich sicherer Anschlagstechnik.

Mein subjektives Fazit: gemischt. :cool
Die Luft im Künstler-Olymp muss sehr dünn sein, so dass mitunter das Verhältnis zum Publikum nur noch in rationalisiert technisierter Ablieferung von Musikbetriebsanforderungen bestehen kann. Doch Technik alleine ?
Auch jeder hochgelobte, Interpret hat offensichtlich mehrere Seelen in seiner Brust, die nicht für jeden Komponisten gleich stark in jeder Lebensphase empfänglich sein müssen.
CH
Rachmaninov (03.06.2006, 12:19):
@claashorst,

das darf ich leider (noch) nicht lesen!

Werde Pletnev nämich selber heute Abend in Schwetzingen erleben :leb
claashorst (03.06.2006, 14:15):
Ich bin nicht leicht vom Hocker zu holen,
aber das nur vorweg: Der Abend war für mich sensationell.
So etwas habe ich noch nie erlebt.
:)


Es war ein Abend, der die Zuhörer fürchten machte vor den unglaublichen Anforderungen, die Komponisten in ihrem (unbewältigten?) Aberwitz an die pianistische Zunft gestellt haben.

Thibaudet spielte im ersten Teil

Robert Schumann, Arabeske C-Dur op 18.

Eine schöne Miniatur , die zu Tiefe ging. Ich habe die Arabeske durch seine Interpretation lieb gewonnen. Der Franzose erweckte das Piano zu einem melancholischen Klang, einfach wunderbar.
Nur, was dann kam, verlief in eine gänzlich andere Richtung !

Robert Schumann, Symphonische Etüden op. 13 (Spätfassung von 1852)

Es war zum in die Knie gehen. eine unglaubliche virtuose Vorstellung, die sich ganz in den Dienst der Fingerübungen stellte. Heraus kam eine sagenhaft orchestrale Satzkunst. Thibaudet´s Klangfülle, Klangfarben und Farbigkeit, alles längst bekannte Attribute der Schumann´schen Komposition, verkörperte bei diesem Auftritt der Pianist. Quasi eine erlebte Symbiose, in die die Zuhörer mit hineingenommen wurden. Der etwas dunkle Stadtsaal schillerte in einem modernen Klangfeuerwerk.
Jean-Yves spielte mittendrin zwischen Florestan und Eusebius, die buchstäblich an den beiden Seiten zu sehen waren.
Das aus den Händen einer eher asthenisch, schlanken Körperkonstituion mit zumeist dem Publikum abgewendeten Gesicht tiefkonzentriert spielenden Persönlichkeit zu hören: einfach unvergesslich.

Ich war in der Pause gebügelt. Die Cola baute bei lebhaftem Publikumsklima wieder auf :wink

Mehr und besseres war m.E. nicht möglich.
Ich sollte mich getäuscht haben.

Maurice Ravel, Valses nobles et sentimentales

Endlich konnte ich einen Zugang zum französichen Pianisten finden. Danke, Jean-Yves , hier mit Glanz und Elan zum Tanz verschiedener Walzer aufgefordert worden zu sein, auch wenn wir Zuhörer sitzen blieben :hello

Gibt es Teufelei von Komponisten ? Es gibt sie:

Maurice Ravel, Gaspard de la nuit

Die Nixe Ondine schwebte in den Raum mit einem unerhörten Tremolo.
Le Gibet pendelte über den Zuhörern mit der Totenglockenähnlichen "b"-Wiederholung.
Der infernalische Zwerg sauste mit Fallen und Tricks durch den Saal auf einem Höllenritt.
:down
Ravel´s dargebotener Gaspard motivierte mich später, einmal in den Reclam-Klavierführer zu schauen, wie der die Komposition und indirekt so viell. Zuhörereindrücke beschreibt:
"Der Komponist überläßt sich dem Dämon der Technik.."
"Schwindelhafte Bravour eigener Ravel´scher Klangphantasie.."
"Ungebührlich großer Aufwand mit ökonomischen und maßvollen Mitteln.."
"rhythmisch einfach, sanglich melodisch elegant."
Hier an diesem Abend wurde solcherart langweilige Musik-Theorie tatsächlich livehaftig.

Mein Fazit:
Virtuosität und Musikalität: Thibaudet bewies an diesem Abend, dass die beiden Schwestern der Musik Hand in Hand an einem Klavier zusammenspielen können. Er war sensibel kaltblütig präzise, liess dabei virtuos das Prahlen und Schwärmen sein.
Ein Franzose, der die transzendente Virtuosität eines anderen Franzosen in Geistesverwandschaft ausdrucksstark und nuancenreich interpretierte.

Der heimliche Traum aller Konzertbesucher, diesen nicht fassbaren Hauch der Musik zu spüren, erfüllte sich, weil das technische Können die Brücke zu einer Begegnung mit Pianist und Komponist bot.

Die Zuhörer durften sich glücklich schätzen, die pianistische Schreckenskammer, so Reclam´s drastische Formulierung, von Schumann und Ravel unbeschadet verlassen zu haben.
(Es gab noch die Wut auf den verlorenen Groschen als Dreingabe ?).
Nach diesem Abend hat Ravel in mir einen weiteren Bewunderer seiner geistreichen und schweren Komposition gefunden
:times10
AcomA (03.06.2006, 20:11):
lieber Claas,

herzlichen dank für deine rezensionen. ich nehem nun bezug zum gestrigen abend in der essener philharmonie mit mikhail pletnev. er bewegt sich tatsächlich fast wie eine unbeteiligte dritte person auf und von der bühne. wie im spaziergang.

die mozart-sonaten gehören zu meinen favoriten. die c-dur sonate wurde vom duktus her ähnlich präsentiert wie es der alte horowitz machte. etwas mehr pedal als üblich im mittlerem satz und mit zartem non-legato in den ecksätzen. die a-dur sonate, ich behaupte das einfach, interpretiere ich interessanter und dem klassischen stil angepasster. so benutze ich gerade im variationssatz kaum pedal. dadurch setzen sich die variationen deutlicher voneinander ab. bei pletnev klingt alles gleich ! der türkische marsch wurde ähnlich wie auf der platte sehr schnell dargeboten, aber hier mit deutlich mehr 'türkischem' groove. die geläufogkeit des pianisten ist absolut stupend.

nach der pause dann schumanns kreisleriana. es war eine, wie class dchon sagte, großartige und intensive darstellung. es klang wie improvisiert. was beim mozart vorteilhaft war, zeigte sich hier als begrenzung für den großen saal, der blüthner-flügel. es fehlt einfach klangvolumen, der steinway hätte hier mehr an dem intensiven spiel, z.b. in der vorletzten fantasie transportiert. die letzte fantasie klang schon sehr unheimlich.

pletnev spielte zwei zugaben. schumanns arabeske kam zügig und zart formuliert. 'mädchens wunsch' von chopin (lied) in der bearbeitung von liszt war richtiges 'virtuosenfutter', sehr beeindruckend.

den letzten applaus unterband pletnev wie ein dirigent (was er ja ist) mit einem handzeichen.

claas, du saßt im hochparkett ganz links, ich habe dich gesehen, wir trafen uns leider nicht in der pause. ich bin mal gespannt, was Sergejewitsch aus schwetzingen zu berichten hat.

gruß, siamak :engel
Rachmaninov (05.06.2006, 10:01):
Hallo,

nun mein Bericht über M. Pletnev's Auftritt am Sonntag, 4.6. im Rokokosaal im Schloss Schwetzingen im Rahmen der dortigen Festspiele 2006.

Der recht kleine Rokokosaal bietet ein sehr schönes Ambiente für einen solchen Klavierabend.

Wir, also Walter, seine Frau und ich, hatte fantastisch gute Plätze.
Reihe 4 links. Perfekter Blick aus geschätzten 5-6 Metern, der uns erlaubte sowohl Finger als auch die Füße bei der Arbeit zu beobachten.

Von seiner Erscheinung her wirkt dieser Mann ja etwas unscheinbar. Eher klein im Wuchs. Sein scheues Lächeln und seine Gestig wirken sehr schüchetrn. Übrigens hat er auch bei uns nach 2 Zugaben mit einem eindeutigen Handzeichen darauf hingewiesen, daß es dabei bleiben wird.

Pletnev's Sicht auf Mozart war mir bereits von seiner Aufnahme her bekannt, so daß ich nicht sonderlich überrascht war.
Die erste Sonate spielte er insb. im ersten Satz etwas "gehemt".
Insgesamt hatte ich den Eindruck sein Mozart ergreift die Leute eher weniger und alle warten schon "sehnsüchtlich" auf Schumann.

Die Kreisleriana war allerdings eine voller Genuss.

Die technischen Fähigkeiten und die Souveränität sind und waren sehr beeindruckend.

Somit ein insgesamt doch gelungener Abend :)

Jedenfalls nehme ich mir vor künftig mehr ins Konzert zu gehen!
Es ist halt ein besonderes Ereignis!
Zelenka (05.06.2006, 10:10):
Original von Rachmaninov

Der recht kleine Rokokosaal bietet ein sehr schönes Ambiente für einen solchen Klavierabend.

Wir, also Walter, seine Frau und ich, hatte fantastisch gute Plätze.
Reihe 4 links. Perfekter Blick aus geschätzten 5-6 Metern, der uns erlaubte sowohl Finger als auch die Füße bei der Arbeit zu beobachten.

Die Kreisleriana war allerdings eine voller Genuss.


Mal wieder grün vor Neid,

Zelenka
Cosima (05.06.2006, 10:52):
Original von Rachmaninov
Übrigens hat er auch bei uns nach 2 Zugaben mit einem eindeutigen Handzeichen darauf hingewiesen, daß es dabei bleiben wird.


Das ist recht ulkig, nicht wahr!? Zeugt aber auch von Selbstbewusstsein hinter der unscheinbar wirkenden Fassade.

Ich wäre auch gerne dabei gewesen, freue mich aber für Euch alle für das schöne Erlebnis!

Gruß, Cosima :)
Walter (05.06.2006, 11:23):
:D :D :D

Hallo

ungefähr so (wie die Smilies) sind wir gestern aus dem Konzert marschiert.
Sergejewich hat eigentlich schon das meiste zusammengefasst, aber ich muss meine Eindrücke auch noch los werden:

Der Michail ist ein ganz :cool er. Kommt auf die Bühne, grinst von Backe zu Backe und spielt die ersten Töne noch bevor Ruhe eingekehrt war.
Meine Frau ist noch immer erzürnt!

Der erste Satz - Mozart Sonate C-dur KV330 - war noch etwas staubig, aber dann... Ich bin immer noch beeindruckt von der Leichtigkeit mit der er mit dem Klavier SPIELT. Mal total "ver"spielt, geradezu kindisch, dann wieder egagiert und expressiv!

Leider gibts in so einem Konzert dann aber noch Zuhörer, die den Takt mitklopfen müssen oder alle 5 Minuten auf die Toilette rennen. Da krieg ich dann ne mittlere Krise!

Entschädigt wurden wir dann für alles mit der Kreisleriana - :engel

Musikgenuss pur!

Der Abschied mit Chopin war dann noch mal der i-Punkt.


Außerdem war es richtig nett zu dritt das Konzert zu besuchen. :beer


Gruß, Walter
ab (05.06.2006, 11:37):
Original von Walter
Ich bin immer noch beeindruckt von der Leichtigkeit mit der er mit dem Klavier SPIELT. Mal total "ver"spielt, geradezu kindisch, dann wieder egagiert und expressiv!

Hallo Walter,

Freut mich, dass euch das Konzert so gut gefallen hat! Weil Du hier von "SPIELT" geschrieben hast: Das erinnert mich sofort an jenes, was ich bereits an anderer Stelle über Horowitz geschrieben habe (und dabei als anderes Beispiel gerade auch Pletnev erwähnt habe).

Ich zitiere mich selbst:


Was übrigens Horowitz betrifft, so hab ich immer das Gefühl, dass er die Musik nicht ganz ernst nimmt. Er scheint mir einer jener Künstler zu sein , denen Musik seine Art Spiel ist. Spielen ist schön und gut, sozusagen eine Art feiner Zeitvertreib - man hätte aber in jener Zeit auch etwas anderes tun können, etwa Staubsaugen. Demzufolge könnte man die Musiker in Spieler und Ernsthafte einteilen (was natürlich immer als eine ganz grobe Abstrahierung zu verstehen ist!). Um mich aber nicht misszuverstehen: Nicht jeder, der manieriert wie Horowitz (sich) spielt, gehört zu den Spielern.


Kannst Du etwas damit anfangen? Das interessierte mich sehr.

Danke!
claashorst (05.06.2006, 13:45):
Pianist aus NY, der mit Geigerin Marcia Weinfeld verheiratet ist und mit Mitsuko Uchida das Marlboro Music Festival für junge Musiker leitet.
Studium am Mannes College of Music und Curtis Institute of Music.

Programm:

Johann Sebastian Bach, Partita Nr. 5 G-Dur BWV 829
Johann Sebastian Bach, Partita Nr. 6 e-Moll BWV 830

Es wurde eine "gemütliche" Bach-Stunde.
Ein netter, freundlich-behäbiger älterer Herr betrat die Bühne und spielte routiniert vom Blatt ab. Ein gleichmässiges Tönen, das nach einiger Zeit Langeweile aufkommen liees.
Ich versuchte, meine subj. spontan aufkeimende Voreingenommenheit gegenüber seinem pyknischen Habitus im Zaum zu halten. Leider gelang es mir nicht ganz.
Seine Darstellung führte mich innerlich zu der interessanten Frage, ob Amerikaner an sich oder grundsätzlich europäische Komponisten angemessen bzw Maßstäbe setzend, interpretieren können.
Abgesehen davon, dass das süße Leben im Big Apple nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sein muss (desillusionierende Irreführung des Veranstalters, den Besuchern eine Porträt-Fotografie aus jüngeren Jahren ins Programm-Heft zu stellen), konnte ich nicht nachempfinden, wieso sein Bach-Spiel hervorragende Kritiken erhalten haben soll. Für mich hörte sich (nichts für ungut, Herr Goode) alles gleich an. Ein Bach-Brei im Gleichmass ohne innere Spannung, als ob er beide Partiten schon tausendmal gespielt hätte. Viell. lag es auch daran, dass ich schon anderweitige Interpretationen gehört habe (Schiff, Anderszewski et al.)

In der Pause interessante Begegnung mit ehem. Gymnasialklassenkameraden, der mit seinem Junior zum event gekommen war. Sah auch etwas enttäuscht aus und entschuldigte sich leise, dass sie nun verschwinden wollten. Nu ja, meinte ich, den Schubert im zweiten Teil wollte ich mir aber nicht entgehen lassen. Der Musiklehrer sollte Recht behalten... .

Franz Schubert, Sonate Nr. 17 D-Dur op. 53 D 850 >>Gasteiner<<

Nun souverän aus dem Gedächtnis spielend, zerhackten die Hände den armen Franz.
Es sah aus, wie wenn Klavierlehrer ihren Schülern etwas zeigen wollen (Natürlich verehre ich Pädagogen, die lehren können ! :wink ). Vieles wurde bei Goode jedoch über-, anderes unterbetont. Zum Schluß kamen noch einige schöne Läufe, aber Goode und Schubert ? Das war wie Bad Hofgastein statt im Sommer 1825 (ausgelassene Sommerfreuden) jahreszeitlich bedeckter Regen von Almdächern: Perkussiv- jazziger Anschlag, die Sonate fiel im Zeittakt etwas auseinander, weil sehr schnell "Könner-mäßig" hingelegt. Zu sprunghafte Läufe empfand ich. Schubert´sches Seelenleben ?
Wie oben gefragt, ob Pianisten aus der neuen Welt dies empfinden können ?
Michael Stengers schöne Beschreibung der Gasteiner trösteten mich darüber hinweg: Nicht jeder Klavier-Abend kann "Schlag auf Schlag packend und fortreißend wie Gasteiner sein".
Auch solche Konzerterlebnisse schulen und bereichern die Erfahrung.
:(
CH
Walter (06.06.2006, 07:53):
Hallo Ab,

Original von ab


Was übrigens Horowitz betrifft, so hab ich immer das Gefühl, dass er die Musik nicht ganz ernst nimmt. Er scheint mir einer jener Künstler zu sein , denen Musik seine Art Spiel ist. Spielen ist schön und gut, sozusagen eine Art feiner Zeitvertreib - man hätte aber in jener Zeit auch etwas anderes tun können, etwa Staubsaugen. Demzufolge könnte man die Musiker in Spieler und Ernsthafte einteilen (was natürlich immer als eine ganz grobe Abstrahierung zu verstehen ist!). Um mich aber nicht misszuverstehen: Nicht jeder, der manieriert wie Horowitz (sich) spielt, gehört zu den Spielern.


Kannst Du etwas damit anfangen? Das interessierte mich sehr.

Danke!

Jetzt wo Du es sagst erinnere ich mich an Bilder von Horowitz, bei denen ich auch diesen Eindruck von Spielen habe. Insofern scheint die Beiden etwas zu verbinden.

Zum Spielen habe ich aber eine ganz persönliche Ansicht - für mich ist Spiel Ausdruck von Freude und Konzentration. Man lernt so z.B. während des Spiels schneller und nachhaltiger als anders. Wiederholungen fallen leichter - wenn Arbeit zum Spiel wird, dann wird man erfolgreicher.

(Stell Dir das mal vor dem Hintergrund unserer Fußballer bei der WM vor - obwohl ich kein Fußball Fan bin :ignore )

Deutlich möchte ich aber Manieriertheit von Spielfreude abgrenzen! Manierismus führt ganz schnell zu Stillstand.

Gruß Walter
nikolaus (20.06.2006, 19:31):
Gestern spät abends hatte ich ein Konzerterlebnis der besonderen Art:

Zur Zeit findet der Progetto Martha Argerich in Lugano statt, zu dem ich dieses Jahr leider, leider nicht fahren konnte :I :I :I.
(http://www.rtsi.ch/trasm/argerich/welcome.cfm?lng=1

Man kann aber am nächsten Tag die Konzerte übers Internet hören. Gestern spät abends wollte ich nur in das Konzert vom vergangenen Samstag "reinhören":

MozartConcerto in C minor, K. 491
--
1. Allegro
2. Larghetto
3. Allegretto
--
Piotr Anderszewski, piano
Orchestra della Svizzera italiana, orchestra
Alexander Vedernikov, director

SciostakovicConcerto No. 1, in C minor, for Piano, Trumpet and String Orchestra, Op. 35
--
1. Allegro moderato
2. Lento
3. Moderato
4. Allegro con brio
--
Martha Argerich, piano
Sergej Nakariakov, trumpet
Orchestra della Svizzera italiana, orchestra
Alexander Vedernikov, director

Trotz der mangelhaften Qualität meines notebooks fand ich das Konzert so spannend und lebendig, risikofreudig und emotional, das ich es zu Ende hören mußte!!
Jetzt bedaure ich noch mehr, daß ich nicht dabei sein konnte :I :I :I :I :I :I :I :I :I :I

Untröstlich, Nikolaus.
(Na ja, nicht ganz. Der Angelich - meine Neuerwerbungen, s. ensprechender thread - spielt toll, und ist auch in Lugano :I)
nikolaus (12.07.2006, 00:00):
Gerade zurück von einem spontanen Ausflug nach Essen:
Grigory Sokolov im Rahmen des Klavierfestival Ruhr.
Nur soviel vorerst: :down

Ab ins Bett!

Gute Nacht, Nikolaus.
claashorst (12.07.2006, 00:26):
antwortete Beethoven auf Anton Schindlers Frage nach dem Verständnis des Stückes.. .

sehr schade , dass wir uns nicht gesehen bzw kennengelernt haben.
Stimme zu. Auch ich schreibe noch dazu später einige Zeilen.
Nur vorweg: Der Sturm hat mich schon vom Hocker gerissen.
Alle berufliche Plackerei und inneren Gefühlswelten brachte Sokolov mit dem d-Moll Stück mich reinigend zum Ausdruck. War mal echt nötig.
Habe auch einige CD´s von ihm auf dem Stand gesehen.
Eine DVD (Live-Mitschnitt 2002 in Paris) von ihm soll hochgepriesen sein ?

OT: lieber Webmaster. die automatische posting-Info für "Was höre ich gerade jetzt" funktioniert irgendwie nicht bei mir.
Der Konzerte-Thread-Melder springt dagegen sofort an.
Was muss ich einstellen, damits auch klappt bei euren aktuellen Hits der Hörerlebnisse ?

:hello
Auf bald, CH
Rachmaninov (12.07.2006, 09:22):
@Nikoluas & claashorst,

ich bitte eindringlich um genaue Berichte :thanks
nikolaus (12.07.2006, 19:42):
Ja, dann will ich mal:

Zunächst zum Programm:
J.S.Bach: Französische Suite Nr. 3 h-moll BWV 814
L.v.Beethoven: Sonate Nr. 17 d-moll op. 31/2
- Pause -
R.Schumann: Sonate Nr. 1 fis-moll op. 11
5 Zugaben (Chopin und Bach)

Wie ich finde ein sehr schönes Programm mit gut zueinander passenden Stücken, die - so meint man - fast logisch aufeinander folgen.

Zum Pianisten:
Grigory Sokolov ist auf seine Weise sicher ein phänomenaler Pianist. Noch nie ist mir eine Vielseitigkeit und Feinheit im Anschlag so aufgefallen wie bei ihm. Er gestaltet akribisch genau und detailverliebt, so daß er einen die Musik z.T. ganz neu hören lässt. Es enstehen so ungemein spannende und wunderschöne Momente.
Tempo spielt bei ihn offenbar ein grosse Rolle, wobei ihm Schnelligkeit, die er sicher beherrscht, nicht so wichtig ist, sondern eher das Spiel mit der Geschwindigkeit. Er ist fähig, auch bei langsamem Tempo den Spannungsbogen zu halten - sehr beeindruckend.
Seine Interpretation wird bestimmt von grosser Ernsthaftigkeit, Tiefe und vor allem Respekt vor der Musik. Ich habe das Gefühl, daß er die Musik bis in die letzte Kleinigkeit durchdacht hat. Dadurch - so finde ich - fehlt aber eine gewisse Spontaneität. Alles wirkt sehr kontrolliert; er spielt zwar zum Teil riskant, aber wissend, daß nichts fehlschlagen kann (ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken kann).
So großartig sein Spiel ist, so eigenartig wirkt seine Person. Er zeigt eigentlich überhaupt keine Emotionen und wirkt absolut ernst, verzieht - soweit ich das sehen konnte - keine Miene. Nun gut, er spricht durch die Musik, die er spielt (und das macht er fantastisch), und ich brauche in einem solchen Konzert sicher keinen Entertainer am Klavier, aber er wirkt, als könnte er gar nicht genießen, was er tut, als hätte er keine Freude daran - das wäre allerdings jammerschade.

Alles zusammen bin ich enorm froh, daß ich ihn erleben konnte. Ich sehe ihn als ungemein faszinierenden, individuellen (das meine ich jetzt positiv!) Pianisten.

In der Hoffnung, mit meine Eindrücken gedient zu haben

Nikolaus. :hello
Rachmaninov (12.07.2006, 19:48):
Original von nikolaus
Ja, dann will ich mal:

Zunächst zum Programm:
J.S.Bach: Französische Suite Nr. 3 h-moll BWV 814
L.v.Beethoven: Sonate Nr. 17 d-moll op. 31/2
- Pause -
R.Schumann: Sonate Nr. 1 fis-moll op. 11
5 Zugaben (Chopin und Bach)



Ein sehr schönes und hoch interessantes Programm!


Seine Interpretation wird bestimmt von grosser Ernsthaftigkeit, Tiefe und vor allem Respekt vor der Musik. Ich habe das Gefühl, daß er die Musik bis in die letzte Kleinigkeit durchdacht hat. Dadurch - so finde ich - fehlt aber eine gewisse Spontaneität. Alles wirkt sehr kontrolliert; er spielt zwar zum Teil riskant, aber wissend, daß nichts fehlschlagen kann (ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken kann).


"kalkuliertes" Risiko würde ich wohl behaupten :engel


........aber er wirkt, als könnte er gar nicht genießen, was er tut, als hätte er keine Freude daran - das wäre allerdings jammerschade.


Er genießt, sonst gäbe es nicht 80 Auftritte pro Jahr!


Alles zusammen bin ich enorm froh, daß ich ihn erleben konnte. Ich sehe ihn als ungemein faszinierenden, individuellen (das meine ich jetzt positiv!) Pianisten.


Ihn möchte ich auch unbedingt einmal erleben!!!!


In der Hoffnung, mit meine Eindrücken gedient zu haben


Ja, sehr sogar!

neidig

R :cool
claashorst (12.07.2006, 23:31):

Ihn möchte ich auch unbedingt einmal erleben!!!!



Nikolaus hat den Abend wunderbar beschrieben.
d´accord !

Ich möchte nochmal auf die treffende Beobachtung des "Spiels mit der Geschwindigkeit" hinweisen.
offen gesagt, ich habe es erstmals so intensiv erlebt.
Insbesondere das Adagio aus der Sturmsonate: ich dachte, man hört jeden Konzertbesucher-Pulsschlag. Erstaunlich war, das der Satz nicht auseinanderfiel, sondern die Akzentuierung den musikalischen Gehalt mit voller Präsenz an den Zuhörer brachte. Also in etwa, wie wenn Regentropfen in Zeitlupe gefilmt werden und dann der erlösende Tropfenaufprallton kommt: Die Intensität des Spiels wird enorm gesteigert. Insbesondere wir schnellebige Mitteleuropäer können uns so wieder viel mehr auf Beethovens´Leidenschaften einlassen und: empfinden.
Der zeitlose Bach war Bach pur: eine Sehnsucht in das Unvergändliche weckend, das der Köthener zu seiner Zeit, und m.E. bis heute unerreicht in der Musikhistorie komponiert hat. Die blaue Bach-CD von ihm habe ich mal zum Geburtstag von Siamek geschenkt bekommen (Danke für die Sternstunde damals !Falls ihm mal der Herz-Thorax-Kollegen Jacobs über den Flur läuft, kann er ihn ja zum Sokolov-Abend fragen :wink)
So konnte ich mein Verlangen nur kaum zügeln, seine am Stand verlockend ausgelegten Veröffentlichungen bei zwei kleineren Verlagen (höhere Künstlergage? oder mutige Rückendeckung für einen damals recht unbekannten Russen?) mit Chopin, Brahms, u.a. erwerben zu wollen.
Nun, live ist livehaftig und entlohnte für vieles der letzten Zeit.
Schumann´s "Herzensschrei nach Clara" aus den Händen dieses schütteren, übergewichtigen, unauffälligen Pyknikers, und doch so filigran, wenig pedalisierenden Künstler´s machte aus ihm einen überzeugend auftretenden Romantiker im Pinguinfrack. Für mich überraschend, wie vielgestaltig musikalisch komponierte Liebesbeweise öffentlich erlebbar sind . :rofl
Wie Nikolaus schon beschrieb: bei Grigory fiel sein Spiel nicht auseinander, sondern kam großartig gespannt und anrührend in den großen Saal zum ältlich-dankbaren, hochsommerlichen Publikum, dass sich schlussendlich seiner Etiketten entledigte und endlich einmal - da als recht steif bekannt, sich übermässig konservativ präsentierend - Mut zu eigenen menschlichen Gefühlen zeigte.

Solcherart beschriebene Suggestivkraft, wie Sistermann formuliert, liess mich rätseln, wie sie entsteht. Ich habe für mich bisher nur die Antwort finden können, dass Menschen, die persönlich viele und große Entbehrungen erlebt haben, eine besondere innere Kraft entwickeln. Diese Transparenz von innerer Stärke und Abgeklärtheit in Folge von (durchaus möglich fremdbedingtem)Verzicht auf unmittelbare Bedürfnisbefriedigung, verbunden mit tiefer emotionaler Empfindung, bei Künstlern zumal, hebt auffällig aus dem Durchschnitt des pianistischen Mainstream der schnellebig selbstgefälligen Orientierungslosigkeit heraus.
Seine russische Zeit der persönlichen Unfreiheit muss Sokolov zu Beginn für ein Leben geprägt haben, dass sich auch in seinen CD-Covern unauffällig widerspiegelt: Sie sind alle in nuancenreicher Schwarz-Schattierung gehalten, das damit so unergründlich erscheint wie der Interpret selbst.
Das zumindest wurde uns Zuhörern deutlich: letztlich entzieht sich der Pianist der Verfügungsgewalt des begehrlichen Publikums. Er bleibt mitsamt dem Komponisten und dem Klavierinstrument ein unerschöpfliches Numinosum, das den sich dafür öffnenden Zuhörer beschenkt.
Kosten von seinem Nektar dürfen die Rheinländer, die ihn verpasst haben, wieder am 02.11.06 in der Tonhalle. ( identisches Programm)
:times10
Jeremias (15.07.2006, 09:28):
Gestern Abend in Essen, Boris Berezovsky:

Medtner: Märchenstücke (Auswahl)
Llywelyn: Mutata Consilia - Wechselpläne (Klavierséance - Psychogramm in drei Sätzen, Uraufführung)
- Pause -
Beethoven: Diabelli-Variationen

Zugaben:
Godowsky: Alt Wien
Liadov: 3 preludes

Ich hatte - dank Siamak und seinen genialen Fähigkeiten, welche von seinen Kollegen mit 2 Karten belohnt wurden - beste Sicht auf den Pianisten. Wir hatten ihn bereits vor 6 Jahren einmal gesehen mit einem wahren Mammutprogramm. Damals spielte er 6 Etüden von Skriabin, die 7. Sonate von Prokofieff sowie die 12 Etüden von Liszt. Die "Fantasie apoplektica" von Llyewelin spielte er damals kurzer Hand nicht, da ihm nachts "der Teufel erschienen sei", der ihm davon abrate. es war damals ein reines "Sportprogramm", das uns v.a. musikalisch nicht überzeugt, aber wir gaben ihm heute eine 2.Chance.

Also, er begann mit Medtner. Vorweg, für mich im regulären Programm der stärkste Teil. sofern es sehr kompakt wurde, kam in Berezovsky wieder der Tastenlöwe hervor. Erstaunlich aber, dass ein doch so korpulenter Pianist gerade in den Piano-Stellen brillieren kann. Das hätten ihm viele wohl nicht zugetraut. Eine sehr schöne Zusammenstellung von 8 Märchenstücken, höchst abwechslungsreich!

Dann die Uraufführung: Berezovsky ist mit Llywelyn befreundet, die Komposition stellte ein Psychogramm Berezovskys dar. Ich muss gestehen, dass es zwar beeindruckend war, wie er dieses ca. 12 Minütige Stück meisterte, welches mit technischen Höchstschwierigkeiten versehen war. Aber zumindest ich konnte damit eigentlich nichts anfangen. Der Komponist selbst war auch im Saal und ließ sich feiern. Die Bravo-Rufe konnte ich auch nicht ganz nachvollziehen.

Nach der Pause ging es durch einen guten Kaffe gestärkt in die Welt des späten Beethovens. Berezovsky spielte nach Noten (die UA hatte er noch auswendig gespielt) und begann sehr forsch und kompakt, so dass einiges leider verloren ging. Er "huschte" über einige Variationen hinweg, in anderen zog es sich leider viel zu weit hin. Insgesamt eine sehr trockene Interpretation, die mich nicht besonders ansprach. Ich habe den Zyklus vor geraumer Zeit mit Siamak live mit Oppitz erlebt, der Eindruck war viel stärker. zudem erinnere ich mich an tolle Live-Eindrücke mit Alfongs Kontarsky vor einigen Jahren sowie mit Pollini in Hamburg 1998. Gerade im Vergleich mit letzterem kann Berezovsky einfach nicht mithalten.

Die Zugaben, insbesondere der Godowsky, entschädigten dann dann doch noch.

@ Siamak: Noch einmal vielen Dank!
claashorst (15.07.2006, 10:37):
sehr treffende Beschreibung des Konzertabends von Jeremias .
voll dáccord !
Für mich war es die erste live-Begegnung mit Medtner.
Da im Forum öfters Hamelin´s Einspielung erscheint, liebäugel ich damit. Mal schau´n.
Interessant fand ich den thematischen Zugang des Konzertheftes zum Abend: Die Frage nach der Identität...
Medtner als Dt.Russe zw. Rachm,Scriabin einerseits und Beeth.,Brahms und Wagner andererseits. Sein Bruder Emil Medtner über Nikolaj: Gespür bekommen für diesen abgesondert stehenden Komponisten..
Zu der 12minütigen Komposition von Llwelyn habe ich ebenfalls keinen Zugang gefunden. Im Konzertheft breit episch über drei Seiten vorgestellt, was alles zu hören sei, war sie im nu schon vorbei ?(
Das Llywelyn (was für ein schwieriger Name) den Tod der Mutter verarbeitet oder dem befreundeten Boris das Stück zueignete: Hintergründe, die das Verstehen bzw den Genuss nicht erleichterten.
Das Identitätsthema des "Kriminologen", wie Dafydd sich selbst charakterisiert, wurde hier auf die Spitze getrieben :A
- Namenswechsel von Eliasberg in Berezovsky zur Konservatoriumsaufnahme in Moskau,
- 2 Namen als 2 Seelen in einer Brust
- Eusebius weicht Florestan (Yin zu Yang, Feminin zu Maskulin)
-Widersprüche beider Naturen, Suche nach Identität
-"Pro duobus amicis mei (Für meine zwei Freunde)
(Gut, dass ich noch das Große Latinum mit bekommen habe :ignore)
Beide Themen unisono in rechter (Eliasberg) und linker (Berezovsky) Hand ?(
- Anarchie der Selbstfindung
- " Ich bin !" (Selbstfindungsprozess kommt zum Abschluss)

Für mich war das alles nicht heraushörbar.
Der freundliche ältere Herr in Ehren: etwas freundlichen Applaus habe ich ihm als Respektbekundung gegeben.
In der Pause traf ich einen Kollegen, den ich mal in´s Forum einladen will.. .
Beethoven´s Bemerkung zu Diabelli´s Walzerstück, es sei ein Schusterflicken: empfand ich die Spielweise von Berezovsky auch als sehr hart, wie rohes ungearbeitetes Pferdeleder, einfach zu kraftvoll dominant, phasenweise zwar angenehme Episoden, aber neben dem hart zupackenden Pianisten erschien das attraktive, umblätternde Fräulein doch sehr zart und schmächtig.
Die Kamera´s (auch eine Premiere, Musik-Kameraleute und -Technik bei der Arbeit zu zusehen ) störte mich nicht so, da (sorry !) streckenwiese im dösenden Zustand (sehr lange zweite Hälfte durch die 33 Variationen)
Das Konzert war nur mässig besucht. Die Essener alle im Urlaub.
Das Programm trotz eines solch renommierten Interpreten für einen Sommerabend zu anspruchsvoll. :(
CH
Jeremias (15.07.2006, 11:34):
@ Claas: warst Du nicht auch vor 2 Jahren mit dabei, als Kissin Medtner gespielt hat?

Mir kam der Beethoven auch recht lang vor, aber ich habe die Zeit genutzt ein wenig meine Gedanken schweifen zu lassen, zudem hatte ich in der Pause einen starken kaffee getrunken, der hat mich wachgehalten :beer
AcomA (15.07.2006, 12:57):
lieber Jeremias und lieber Claas,

herzlichen dank für die ausführlichen und sehr profunden berichte zum berezovsky-abend. ich war auch sehr glücklich, dort gewesen zu sein. boris berezovsky befindet sich zweifellos in einem tiefgreifenden entwicklungsprozess ! das unterscheidet ihn von etlichen anderen seines alters. hochinteressanter zeitgenosse. Ja, Jeremias hat es angesprochen. der kontrast seiner gigantischen physiognomie und seines filigranen spiels im piano-bereich ist beachtlich. ganz lustig, wie er gelegentlich mit sehr feinen bewegungen einzelne tasten 'säuberte', als ob ihm ein staubkorn oder eine ameise störte. :rofl

eindrucksvoll war der selbstfindungsprozess am ende der uraufführung: prestissimo chaotica con fuoco ! :cool kompakt-vertrackte akkorde beider hände in alternierender form in gehetztem tempo hatten ihre komik.

wie Jeremias es schon sagte, waren beethovens diabelli-variationen nicht so überzeugend gespielt. gerade die schlussfuge kam sehr statisch bis träge ! ich zog den vergleich zum fußball ! berezovsky rettete sich ins elfmeterschießen, dass er mit seinen zugaben dann bestand ! :D

gruß, siamak :engel
nikolaus (15.07.2006, 13:16):
Hallo,

ich bin gestern abend (spontan) auch beim Recital von Berezovsky gewesen. Insgesamt sehe ich den Abend ähnlich wie bereits beschrieben.
Es war das erstemal, daß ich Berezovsky live erlebt habe; ich hatte einen sportlichen, viruosen Tastenlöwen erwartet und war dann durchaus positiv überrascht von der über weite Strecken sehr weichen, fast zarten Spielweise.
Den Beethoven empfand ich auch als recht lang. Im Unterschied zum bereits gesagten würde ich Berezovskys Spiel weniger als forsch oder hart beschreiben. Eigentlich hat mir hier sogar etwas Spritzigkeit gefehlt. Um es positiv auszudrücken: es hatte etwas meditatives an sich, so daß ich Claashorsts Reaktion
streckenwiese im dösenden Zustand
durchaus nachvollziehen kann :hello
Die Uraufführung habe ich auch nicht ganz verstanden. Da ich vorher die Beschreibung des Stückes gelesen hatte, dachte ich, als Berezovsky geendet hatte, der erste Satz wäre vorbei ?(. Gefallen hat mir die Art der Musik zwar, berührt hat sie mich jedoch nicht.
Mit Medtner will ich mich mal näher befassen, da waren sehr schöne "Miniaturen" dabei.

Fazit: interessanter, anspruchsvoller, aber nicht ganz überzeugender Abend.

Nikolaus :hello

P.S.: Was mich noch am meisten geärgert hat, war meine Naivität: ich habe einem Gast eine Karte (1.Reihe Parkett) günstiger abkaufen können; hinterher mußte ich feststellen, daß es eine gesponsorte Karte war, für die dieser Gast gar nichts bezahlt hat! X(
Was bin ich doch weltfremd :engel :wink
Rachmaninov (15.07.2006, 18:22):
@Nikolaus, Claas, Siamak und Jeremias,

vier nahezu deckungsgleiche Berichte zum gestriegen Abend.

Zufälle oder habt ihr euch gar getroffen :rofl

Die Diabelli Variationen sind schon ein Werk das Konzentration erfordert und die erbringe ich ebenfalls nur bei einer "faszinierenden" Darbietung!

Ansonsten müßte ich aus "Selbstschutz" ebenfalls geistig abschalten.

So gin es mir einst auch bei Mustonen mit Rachmanonov's erster Sonate :ignore

P.S.:

Leute, die meinen "bravo" rufen zu müssen gibt es IMMER!
Bei Julia Fischer im Brahms Doppelkonzert war das Orchester in FFM derart uninspiriert, daß Fischer deutlich SICHTBAR, auffordernde Gesten mit Kopf und Arm vollführte.

Dannach schrieb auch jemand unmittelbar während der letzte Ton noch zu hören war laut "bravo".

Da frage ich mich immer."Hat der andere Erwartungen oder etwas anderes erlebt?"
Jeremias (15.07.2006, 18:36):
@ Richard: Ich war ja mit Siamak da und wir haben Claas in der Pause getroffen. Von Nikolaus wusste ich nichts... jedenfalls waren unsere Meinungen in der Pause schon gleich, wir haben uns dann ausgetauscht. interessanterweise haben wir aber auch von einer Bekannten eine genau umgekehrte Bewertung gehört....

Wie auch immer, ich werde jetzt "Alt Wien" von Godowsky einstudieren :cool
claashorst (15.07.2006, 22:11):
Interessant wäre noch später zu erfahren, wie sich das Filmprojekt darstellen wird.
Näheres weiss ich nicht, also ob eine DVD draus wird oder eine Doku-Aufnahme. Offensichtlich wird aber zunehmend mit Bild gearbeitet, um aus dem Konzertsaal herauszukommen.
Die E-Musik arbeitet sich hartnäckig weiter vor. Anscheinend auch viel cross-over von arrivierten und weniger arrivierten Künstlern. hier s.a. z.B. das Sängerfach ! (Auch der Umfang der letzten piano-news bspw. hat mich doch verblüfft. Dort fiel mir erstmals die Rubrik DVD´s auf, da , glaube ich, Nordolf in seiner Personenvorstellung "Wer bin ich" so etwas nebenbei ansprach)
Mich hatte ja kürzlich hier auf einen Forum-Tip die arte-Sendung über ein französisches Dorf- Klavierfest fasziniert, in dem Berezovsky auftrat. Es war musik-redaktionell fantastisch gewesen. Die Optik und Akkustik der Regie phänomenal.
Könnte also sein, dass die 4 Kamera-Augen ( auf dem Rang hinterm Podium oben links stand noch eine 5. kamera) einen schönen Mitschnitt auflegen werden.
OT @jeremias: der Kaffee muss wirklich gut gewesen sein, hätte ich auch machen sollen.
Gruß an alle Kombatanten,
:)
Claas
Zelenka (31.07.2006, 20:08):
Mit gehöriger Verspätung hier noch ganz knappe Berichte von meinen Konzertbesuchen in London in diesem Monat:

6. Juli: Mozarts unvollendetes Singspiel "Zaide" wurde im Rahmen des "Mostly Mozart"-Festivals im Barbican aufgeführt (ursprünglich eine Wiener Produktion). Die Sklaverei-Thematik des Singspiels wurde von Regisseur Peter Sellars, der selbst anwesend war und auch, aktualisiert. Das rudimentäre Bühnenbild stellte einen modernen Sweatshop dar. Der Aufführung selbst war etwa eine halbe Stunde vorgeschaltet, während der Sellars und zwei Vertreter von Organisationen, die sich mit dem aktuellen Menschenhandel befassen, Reden hielten. Danach dann endlich die Musik. Es spielte das Concerto Köln (mit Verve – wie zu erwarten), die Leistungen der durchgehend schwarzen Sänger waren eher unterdurchschnittlich, sehr gut war die Koreanerin Hyunah Yu als Zaide. Das Schlaflied "Ruhe sanft!" (wohl das bekannteste Stück aus "Zaide") war doch recht ergreifend. Insgesamt ein musikalisch nicht recht befriedigender Abend.

Am 21.7. ist übrigens eine Neuaufnahme des Singspiels unter Harnoncourt erschienen.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9183227.jpg

7. Juli: Wieder ins Barbican zu "Mostly Mozart": Mozarts Ouverture zu Così fan tutte
und sein Klavierkonzert No. 20 mit Piotr Anderszewski als Solisten, zuletzt Beethovens Pastorale. Anderszewskis präzises, eher unterkühltes Spiel hinterließ habe ich in guter Erinnerung. Es spielte die Academy of St Martin in the Fields unter Carlo Rizzi. Die Pastorale war bestens gelungen mit einem für ein Kammerorchester furchterregenden Sturm

14. Juli: Und noch einmal "Mostly Mozart" im Barbican. Auf dem Programm: Introduction and Allegro op. 47 von Elgar, Mendelssohns Violinkonzert op. 64, Vaughan Williams' "The Lark Ascending" und Mozarts Jupiter-Symphonie. Die Solistin in Vaughan Williams und Mendelssohn war Hilary Hahn, das Orchester das ganz ausgezeichnete English Chamber Orchestra unter der Leitung von Roy Goodman. Der Höhepunkt des Abends war natürlich H. Hahn, die technisch unglaublich sicher spielte, vielleicht fehlt bei ihr immer noch ein wenig Mut zur Spontaneität und. Das kurze Stück von Vaughan Williams habe ich noch nie so unglaublich vollkommen gehört. Ähnlich ihre Zugabe, Bachs D-moll-Sarabande. Das Mendelssohn-Konzert war geradezu umwerfend beeindruckend, zum Schluß ein ungeheuer schnelles virtuoses Spiel auch vom Orchester. Zurecht bedankte sich H. Hahn bei der Konzertmeisterin mit einer Rose aus ihrem Blumenstrauß. Das Orchester spielte im Elgar-Stück mit höchster Expressivität, und auch die Jupiter-Symphonie, mit raschen Tempi gespielt (die historische Forschung beeinflusst auch Nicht-HIP-Orchester), war fast ein großes Ereignis. Störend Zuhörer, die nach Hahns Vorstellung einfach den Saal verließen. Sie haben etwas verpaßt.

15. Juli: Ein Mozartprogramm bei den BBC Proms in der Albert Hall. Der Einfachheit halber kopiere ich Programm und Beteiligte:

Mozart
Idomeneo - Ballet music (15 mins)
Mitridate - 'Se viver non degg'io' (6 mins)
Zaide - 'Nur mutig, mein Herze' (5 mins)
Lucio Silla - 'Fra i pensier' (5 mins)
The Abduction from the Seraglio - Act 2 Finale (10 mins)
interval
Mozart
La clemenza di Tito - Overture (5 mins)
Don Giovanni - 'Dalla sua pace' (4 mins)
The Marriage of Figaro - Scene from Act 3 (10 mins)
The Magic Flute - 'Ach, ich fühl's' (5 mins)
Don Giovanni - Act 2 Finale (18 mins)

Anna Leese soprano
Rebecca Nash soprano
Ailish Tynan soprano
Ian Bostridge tenor
Benjamin Hulett tenor
Simon Keenlyside baritone
Kyle Ketelsen bass-baritone
Mikhail Petrenko bass

BBC Singers men's voices
Scottish Chamber Orchestra
Sir Roger Norrington conductor

Norrington sprach aus dem Stegreif selbst die Einleitungen zu den einzelnen Stücken, er tat dies auf überaus witzige Weise. Der erste Teil des Programms mit frühem Mozart war eher wenig aufregend, bei Don Giovanni wurde es dann hochdramatisch. Von den Sängern hat mich wohl Petrenko, der kurzfristig eingesprungen war, fast am meisten beeindruckt. Zu Bostridge habe ich ein gestörtes Verhältnis.

21. Juli: Bei den BBC Proms in der Royal Albert Hall Thomas Zehetmair als Dirigent und Solist in Ligetis Ramifications für Streicher, Schumanns vierter Symphonie in der Originalfassung von 1841 und Brahmsens Violinkonzert. Zehetmair dirigierte seine Northern Sinfonia (Newcastle/Gateshead). Das fast intime Ligeti-Stück paßte nicht recht in die riesige Albert Hall, der in der Originalfassung nicht überorchestrierte Schumann war hingegen sehr gut gelungen. Im Brahmskonzert waren bei Zehetmair (er verfügt nicht über das schiere technische Können von H. Hahn) gewisse Unsicherheiten zu verzeichnen, er klang überraschend auch ein wenig zu schmalzig. Großer Beifall insgesamt.

Gruß,

Zelenka
Jeremias (06.08.2006, 07:55):
Klavierfestival Ruhr - Dennis Matsuev (Düsseldorf, Schumann-Saal, gestern Abend)

Dennis Matsuev gewann 1998 den Tschaikowsky-Wettbewerb. Ich sah ihn kurz darauf mit dem 1. Konzert von Tschaikowsky in düsseldorf, als er den Yamaha-Flügel regelrecht auseinandernahm. Nachdem er nun mittlerweile Künstler bei RCA ist, dachte ich mir, es könnte vielleicht doch ganz interessant werden. Das Programm:

Tschaikowsky: Die Jahreszeiten
Pause
-

Liszt: 1.Mephisto-Walzer
Horowitz: Carmen-Fantasie
Stravinsky: Petrushka

Zugaben:
Liadov: Die Spieldose
Rossini/Ginzurg: Paraphrase über die "Figaro-Arie" aus dem Barbier v. Sevilla
Grieg: In der Halle des Bergkönigs (wohl eigene Bearb.)
Liszt: 2. Ungarische rhapsodie

Mein Fazit vorab: Es einmalig! ..... einmalig scheusslich, grauenhaft, furchtbar!

Matsuev versuchte sich im 1. Teil als Poet am Klavier darzustellen. Mochte es ihm im Januar noch ansatzweise gelingen, so war es schon im Februar vorbei. Er hat einen knalligen Ton im Forte, vom Fortissimo will ich gar nicht reden. Man hat bereits hier gemerkt, dass er sich auf die 2. Hälfte freute. den Rest des Zyklus spielte er solide runter, es war aber absolut nichts besonderes.

Im 2. Teil dann begann das Sportprogramm. Ich habe noch nie gesehen, dass ein Pianist in so kurzerZeit so viele Noten und diese auch noch so laut spielen kann, aber wofür? Bereits der Liszt hatte außer einer brillianten Technik nichts zu bieten, die Hommage an Horowitz geriet zu einem Wettlauf gegen die Uhr und bei Petrushka musste man Angst haben, dass der Flügel auseinanderbricht. Und da beschwert sich meine Family wenn ich bei denen mal ein wenig Brahms übe? Was wird seine family oder v.a. was sagen seine Nachbarn, wenn er sowas übt? :D Problematisch war auch, dass bei all der Lautstärke und recht viel Pedal unglaublich viel verlorenging. Es fehlten auch einfach die ruhigen, leisen Momente. Das konnte er einfach nicht. Die einzig schöne Zugabe, den Liadov, verunstaltete er, indem er viel mit Rubato arbeitete. Ich habe noch nie eine Spieldose gesehen, die im tempo variiert. Und dann begann der 2. Teil der Sportprogramm. Gewiss, das Publikum war begeistert, aber es hatte keinerlei Sachverstand. Die Frau neben mir sagte zu ihrem Mann ganz stolz bei Beginn des Griegs, dass sie wisse, was das sei.... "Das ist Sibelius".... kein Kommentar!

Ansonsten sei auf die CD "Hômmage à Horowitz" verwiesen. Ich hoffe, dass die Kritiker ihn am Montag zerreissen werden, er hat es nicht anders verdient und ich werde ihn mir NIE WIEDER ansehen! Dagegen ist Lang Lang ein Pianistengott....
AcomA (06.08.2006, 14:52):
lieber Jeremias,

das war ja dann wohl wirklich ziemlich enttäuschend mit matsuev. danke für deinen bericht. da werde ich heute ja sicherlich meh musik geboten bekommen mit gerhard oppitz und heinrich schiff (beethovens sonaten f. v'cello und klavier) !

gruß, siamak :)
Rachmaninov (07.08.2006, 07:48):
Original von Jeremias
Gewiss, das Publikum war begeistert, aber es hatte keinerlei Sachverstand. Die Frau neben mir sagte zu ihrem Mann ganz stolz bei Beginn des Griegs, dass sie wisse, was das sei.... "Das ist Sibelius".... kein Kommentar!

Warum gibt es eigentlich Programmhefte ?

:rofl
Jeremias (07.08.2006, 07:52):
Es war ja die Zugabe ;-)
Rachmaninov (07.08.2006, 07:57):
Original von Jeremias
Es war ja die Zugabe ;-)

Böse Falle :leb
AcomA (08.08.2006, 19:58):
hallo,

am vergangenen sonntagabend in der mülheimer stadthalle:

beethoven:

sonaten für klavier und v'cello op. 5 nr.1, op. 102 nr.1
zwölf variationen über 'ein mädchen oder weibchen' aus mozarts zauberflöte

gerhard oppitz, klavier, heinrich schiff, v'cello

für mich war es die letzte veranstaltung des klavierfestivals ruhr in diesem jahr. beim anblick des heinrich schiff vernimmt sich sein v'cello wie eine geige ! beide musiker sind ein eingespieltes team über gut 25 jahre. man bekam einen erstklassigen beethoven präsentiert, straight forward, virtuos, mit lust am musizieren !

einziger wehrmutstropfen war die schlechte klimatisierung des saales. es gab gar keine klimatisierung !

gruß, siamak :engel
Walter (16.08.2006, 09:00):
Gestern in Michelstadt in der Stadtkriche.

Um es vorwegzunehmen - ein großes Konzerterlebnis war es nun zwar nicht, aber immerhin das beste was der wirklich schönen Stadtkirche Michelstadts musikalisch passieren konnte.

Im Rahmen der Internationalen Sommer Musikakademie in Michelstadt hat einer der Dozenten, Prof. Daniel Pollack (Los Angeles) ein Konzert gegeben.

Chopin:

Sonate Nr.2 h-moll Op 35
Nocturne Des-Dur Op 27, Nr.2

Liszt:

Consolation Des-Dur
Funerailles

Schumann:

Carnaval Op 9


Leider fiel schon bei den ersten Tönen die üble Akustik der Kirche auf. Durch den Hall verschwimmen besonders die tiefen Töne zu einem Dröhnen. Dennoch konnte der Künstler die Zuhörer in seinen Bann ziehen und erntete nach dem Schumann standing Ovations.

Zu meher als einer Zugabe (Chopin) lies er sich dann doch nicht ermuntern.

Für die 10 Euros Eintritt hatten wir doch einen wirklich netten Klavierabend in angenehmer Umgebung. Dennoch klingts halt bei mir daheim doch wesentlich besser und auch der Wein fehlt dann nicht :leb


Und diese Dame spielt Herrn Pollack locker an die Wand:




PS
Dem Programmheft entnehme ich, dass Herr Pollack den Internationalen Tchaikovsky Wettbewerb gewonnen hat und Teilnehmer beim Rachmaninoff Wettbewerb und beim Queen Elizabeth Wettbewerb war. Zudem Aufnahmen für Naxos, Sony und Cambria.
claashorst (17.08.2006, 23:07):
Programm des viertletzten Konzertes des Klavierfestival Ruhr:

Mozart, 9 Variationen über ein Menuett von Jean Pierre Duport D-Dur KV 573.
Tatjana Komarowa (*1968), Thema und Variationen
Pause
Schubert, Sonate B-Dur op.posth.D 960

Ich hatte mir die Karte im Vvk besorgt, mittlerweile Stammplatz Balkon, da die Ränge im Neubau des Saalbau sichtmäßig äußerst schlecht gebaut wurden. Ich war am Abend müde, hatte aber Zeit das Programm zu lesen und stolperte erstmal.
(Mozart und Schubert ?? Wie passt das zusammen ? Welche Verbindungen könnte es hier geben ?)
Der Saal füllte sich mässig, trotz trübe, bestem Konzertregenwetter, die Sommerferien waren schon längts vorbei.
Die Bühne wurde von einem agilen, athletisch schlanken Musiker betreten, der seine Zuhörer freundlich begrüßte. Konzertmässig top-modern gekleidet begann sein Mozartspiel.
Für mich überraschend klar, unverzärtelt auf technisch hohem Niveau, mit kräftigem Duktus und angenehm konturiertem Anschlag. Es fiel schon von Anfang an auf: Klang war Vogt sehr wichtig.
Meine Müdigkeit wich, der Capellmeister aus Wien machte nicht nur 1789 Friedrich Wilhelm II. damit eine Reverenz, sondern übte seinen Zauber auch auf die Konzertbesucher von heute aus.

Komarowa, recht junge Komponistin, widmete Vogt ihre Komposition. Sie lernte am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium. Lars spielte sie vom Blatt, der Zuhörer musste sich etwas gewöhnen. Interessant waren die 7 Variationeneines Themas zu hören.

In der Pause erklärte der Stöber-Gang zum Tonträger-Stand teilweise die Programmgestaltung. Eine neuere Mozart-CD lag aus. (s.u.) Der live-Eindruck lässt zumindest keinen Fehlerwerb erwarten.

Die junge, sich wichtig nehmende Eingangskontrolle nach der Pause war besonders streng und gewissenhaft. Schön, wenn das Ticket auch mal kontrolliert wurde ! :wink

Mozart liegt dem 37 - Jährigen Pianisten, der ihn den Zuhörer erfrischend interpretiert.
Was den zweiten Teil des Programms aber als ambivalent empfinden liess. Ein solches Werk von einem so jungen Pianisten aufgeführt zu erleben, war schon eine zwiespältige Erfahrung. Die Bestrebungen nach Wohlklang erweckten den Eindruck, dass die rechte Hand die linke überwiegend dominierte, also insgesamt eine auf höheren Tonlagen hell-freundliche Interpretation dargeboten wurde. Mich hatte hier zudem Systermanns Heft-Beschreibung der Sonate irritiert, in dem sie Formulierungen verwendete wie "lyrischer Gesang, bukolischer Frieden, nachtschweifende Barkarole, delikate Pizzikati, harmonische Wechselbäder, munteres Zwischenspiel, ausgelassen, heiterer Reigen, Kehraus. " Treffen solche Sichtweisen auf Schuberts Komposition zu ?
Ich will mich viell. nochmal gelegentlich in den betreffenden Thread zu dieser Sonate einlesen, wie sie denn zu verstehen sei bzw die Empfindungswelt der Zuhörer auf dieses (unergründliche )pianistische Wunderwerk reagiert.
Miir erklang zumindest Vogts Schubertspiel hier zu jugendlich, auseinanderfallend durch überbetonte Pausen, ohne Fluß, keine Dynamik und Spannung entwickelnd. Die linke Hand war zu schwach zu hören.
Andererseits kann es sein, das meine Hörgewohnheiten der D960 durch reifere Musikinterpretationen die Hörerwartung vorab festegelegt haben. Volodos aus derselben Generation klingt da ganz anders.

Insgesamt war es ein schöner Abend, dankbarer Beifall, sympathischer Empfangs-Gestus des Pianisten. auch wenn der Kontrast zwischen Mozart und Schubert in einem Auftritt zu groß ist, um eine Brücke , selbst als Pianist, schlagen zu können.
Zwei Fotografen wollten die Abendatmosphäre noch auf Film bannen. Das ist zum Glück mit Musik nicht möglich.
Ob ich noch einmal den Pianisten hören möchte ?
ja, wenn´s denn kein Schubert ist.
CH
claashorst (02.09.2006, 23:58):
Während viele Michels schon 15 Jahren der Rente frönen würden,
brachte der 75 Jährige Alfred Brendel aus der Alpenrepublik am 02.09.06 folgende "Klassiker" mit in die Tonhalle nach Düsseldorf am Rhein:

Joseph Haydn (1732-1809) Sonate D-dur Hob XVI:42
Franz Schubert (1797-1828) Sonate G-Dur op.78
Wolfgang A.Mozart (1756 - 1809) Fantasie c-moll KV 475,Rondo a-moll KV 511
Joseph Haydn, Sonate C-dur Hob XVI:50

Ich war leider von der Abo-Betreuung entgegen meiner ursprünglichen Absicht wieder in das 2. Parkett gesetzt worden, lasse es aber noch korrigieren. Die dadurch nahezu Pianisten-hinterrücks mögliche Sitzposition liess den schütteren , langen, hageren Pianisten mit Opa-Brille als durchaus agil erscheinen.
Zu Haydn habe ich bisher wenig Zugang gefunden. Brendel liess ihn als recht energischen Wiener auftreten, die rechte Hand mit sehr kräftigem Anschlag, etwas expressiv.
Der Applaus wurde routiniert, unbewegt angedeutet linkisch gebeugt entgegen genommen.
Schuberts Sonate wurde in dem Zieharmonika-artigen, neuen Programm-Faltblatt von Heinersdorff interessant vorgestellt (der Rest war musikwissenschaftlich, unverständlicher Formalismus, viell. auf das geübte Düsseldorfer Publikum abzielend?):

D 894 beginne mit einem langsamen Satz, für den Pianisten recht unterschiedliche Tempi wählen. Spiele Wilhelm Kempff eher zügig, dehnen Svjatoslav Richter oder Arcadie Volodos die Akkorde, insbesondere die G-Dur-Tonika (?), aus wie ein musikalisches Bekenntnis. Beide Herangehensweisen hätten ihre Berechtigung; verstünde das zügige Tempo Schubert als letzten Klassiker, präsentiere das Getragene Schubert als Romantiker. Schuberts zeitliche und stilistische Position zwischen der klassischen und romatischen Epoche würde beide Lesarten möglich machen.
Nach diesen Hinweisen schien Brendel rasch, zügig zu spielen. Seine attaca-ähnlich agierende rechte Hand erweckte den Eindruck, als handele es sich um einen späten Haydn.Oder er schaltete einfach nicht so schnell um.. :wink
Welche Wirkung erzeugt eigentlich das rechte Pedal ? (Carsten Dürer macht ja zum linken Pedal einen Exkurs im neuen Pianoforte). Brendel bediente es ausgiebig bei Schubert.
Die lyrischen Passagen im Andante und Menuetto gelangen recht schön; bewegte Abschnitte erklangen bei ihm nicht gerade "heiter".
Insgesamt ein zwar geschmackvolles Programm, jedoch ohne größere emotionale Höhepunkte, eher routiniert aus dem langjährigen Reisegepäck hervorgeholt. Für mich war es insoweit interessant, einen älteren Pianisten zu erleben, der nicht ins Dirigentenfach gewechselt ist, sondern durchaus noch aus dem Gedächtnis spielend seine klaviertechnische Erfahrung und Übung einsetzen kann.
CH
P.S. den Mozart und die 2. Haydn-Sonate habe ich mir bei dem lauen Früh-Herbst geschenkt, da ich am Mittag bei dem Erfinder der Romantik (in der Malerei) gewesen war: Die umfangreiche Ausstellung von Caspar David Friedrich beendet nämlich morgen ihren Gastaufenthalt im Folkwang Museum, das nun auch besseren Tagen entgegensehen kann, nachdem die Krupp-Stiftung für einen Neubau 55 Mio. locker machen will. Der Besuch war anstrengend, überfüllt, in mitgenommenen, zeitungemässen Räumen, die Bilder konnte man nur aus 5 - 10 Meter Entfernung sehen. :ignore
So gestaltete sich die Begegnung mit Klassik und Romantik am heutigen Tage wechselhaft, durchaus ambivalent.
sound67 (29.09.2006, 10:51):
Gestern abend in der Frankfurter Alten Oper ein eher kontrastarm-beschauliches Programm:

R.Wagner, Lohengrin-Vorspiel
R.Wagner, Siegfried-Idyll
A.Bruckner, Symphonie Nr.4, "Romantische" (Erstfassung)

Bayrisches Staatsorchester
Kent Nagano

Ein insgesamt eher enttäuschender Abend: Nagano bietet dem Publikum wenig, er vollführt praktisch immer nur eine einzige Bewegung mit dem Dirigentenstab. Sehr trocken.

Das Orchester in den beiden ersten Stücken zu laut in den leisen Passagen, ohne Magie. Das Siegfried-Idyll (ursprünglich für 13 Musiker komponiert) mit vollem Streichersatz, jede Intimität geht verloren - es klingt wie eine x-beliebige Ouvertüre. Auch hier zu laute Streicher, ein nicht unübliches Problem bei vielen Opernorchestern.

Die BRuckner-Symphonie in der später verworfenen Erstfassung. ENDLOS, zahllose Wiederholungen. Es schien kein Ende nehmen zu wollen. Auch hier die Darstellung sachlich kühl, insgesamt aber doch zufriedenstellend - ein immer noch überzeugendes Eintreten ... für die Novak-Fassung. ;)

Saal fast voll besetzt, der Kalk floß in Strömen.

Gruß, Thomas
Amadé (06.10.2006, 21:13):
@ Jeremias

an Höhepunkten sind mir immer noch in Erinnerung, obwohl sie schon lange zurückliegen:

ein Sonaten-Abend mit David Oistrach und Frida Bauer

ein Soloabend mit Nathan Milstein (Bach 1.Sonate, 2. Partita, 3.Sonate)

Klavierabende mit Wilhelm Kempff (Beethoven, Schubert, Schumann)

Wilhelm Kempff und Pierre Fournier spielen Cellosonaten von Beethoven

das erste Konzert von Svjatoslav Richter in der BRD im September 1972 in der Bonner Beethoven-Halle. Zunächst Beethoven op.90 und 101, nach der Pause die Sinfonischen Etüden von Schumann mit den 5 posthum veröffentlichten, die ich bisher noch nicht kannte. Als Zugabe 4 späte Klavierstücke von Brahms. Damals begann Eurodisc mit der Herausgabe von Richter-Platten, die in Salzburg vom ehemaligen EMI-Produzenten Fritz Ganss erstellt wurden

ein Klavierabend mit Claudio Arrau in Göttingen (Beethoven op,110 und 111 , Debussy und Liszt, von Arrau lernte ich, wie Lisztsche KLaviermusik zu spielen sei

Beindruckt war ich auch vom ersten Besuch eines Sinfoniekonzerts, den KLang des Orchesters fand ich überwältigend, vor allem die leise spielenden Streicher. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich, als ich 1978 zum ersten mal die Bayreuther Festspiele besuchte, welch ein Orchesterklang!!

Heute beeindruckt mich immer wieder Grygory Sokolov, phänomenal!

Gruß Bernd:hello
sound67 (07.10.2006, 22:35):
So viele schöne Konzerte, so wenig Zeit.

Am vergangenen Dienstag abend: wunderbarer Zyklus von Lieder von Benjamin Britten (Folksong Arrangements, Winter Words, The Holy Sonnets of John Donne) und Frank Bridge, mit dem für seine 67 Lenze kolossal "rüstigen" und brillant gestaltenden Philip Langridge, am Klavier subtil und pointiert begleitet von David Owen Norris. Leider wie immer bei Liederabenden viel zu wenige Besucher ...
(Oper Frankfurt am Main)

Einen Tag später, die Barock-Experten vom Venice Baroque Ensemble unter Andrea Marcon, mit ihrem bekannten Solisten G.Carmignola, der in jüngster Zeit durch diverse Vivaldi-Aufnahmen von sich reden machte. Hier ein Programm aus Streicherkonzerten und Violinkonzerten von Vivaldi, und einem (schon deutlich harmonisch fortgeschritteneren) Violinkonzert von Tartini. 14 Musiker, zumeist stehend, alle auf historischen Instrumenten, füllten leider nicht ganz den großen Saal der (recht schwach besuchten) Alten Oper. Carmignola verwechselte auch ein paar Mal streichen mit sägen. Aber das ist dann wohl "authentisch" .... ;) Man bemühte sich um Abwechslung, doch noch ein Vivaldi-Konzert mehr, und ich hätte womöglich einen Blutrausch gekriegt.
(Alte Oper Frankfurt am Main)

Und eben erst verklungen: Phantastisch (und überraschend) guter Shostakovich von den Hamburger Symphonikern unter deren Chef Andrey Boreyko: Dem frühen Scherzo für Orchester (op.7) folgte eine fast 15(!) minütige Ansprache des Dirigenten über die Bedeutung des Komponisten und die Begründung für die daran anschließende Zusammenstellung aus den Fünf Fragmenten für Orchester (op.42) und Ausschnitten aus den Ballettsuiten 1 & 3, vorgenommen von Boreyko selbst. Diese Gegenüberstellung (11 Sätze insgesamt, immer im Wechsel) sollte sozusagen Lebensfreude und Lebensleid, Jubel und Verzweiflung, Triumph und Selbtszweifel Shostakovichs in den Jahren 1934/35 illustrieren, wie Boreyko (zu) wortreich ausführte. Eine sehr abswechslungsreiche Melange aus subtilen Kammereffekten (Fragmente) auf der einen, und bald witzigen, bald eleganten, bald spöttischen Walzern, Gavotten und Polkas aus den Ballettsuiten auf der anderen Seite. Zusammen fast eine halbe Stunde.

Da konnte man gut verschmerzen, dass für diesen Teil des Konzerts eigentlich eine Uraufführung eines Auftragswerks zum Anlass von Shostakovichs 100-jährigem Geburtstag gedacht war. Warum diese nicht stattfand, darüber kein Wort ...

Nach der Pause der dramatische Höhepunkt. Shostakovichs 13. Symphonie "Babij Jar" mit einem fulminanten Bass in Gestalt von Robert Holl, begleitet vom Männerchor des Tschechischen Rundfunks. Diesmal wurde die Symphonie auf Deutsch(!) gegeben, der "Nachdichter" der deutschen Fassung der Gedichte von Jewtuschenko war persönlich anwesend - übrigens eine sehr befriedigende Fassung! Boreyko begründete die Aufführung in Deutsch mit dem Wunsch des Komponisten, die Texte sollten doch in jedem Land in der jeweiligen Muttersprache gesungen werden - damit sie unmittelbar für das Publikum zu verstehen seien.

Besonders hier zeigten sich die sonst eher biederen Hamburger Symphoniker von ihrer besten Seite: satter Streicherklang, farbige Bläser und Schlagwerk - und jede Menge Abstufungen zwischen kammermusikalischer Intimität und bombastischem Getöse. Das war wirklich ein schöner Abend!
(Hamburg Laeiszhalle)

Gruß, Thomas
sound67 (10.10.2006, 10:49):
Gestern in der Alten Oper, Frankfurt am Main:

Ludwig van Beethoven:

Ouvertüre "Egmont"
Konzert für Violine und Orchester
Symphonie Nr.4

Julian Rachlin
Royal Philharmonic Orchestra
Daniele Gatti


Insgesamt ein gelungenes Konzert. Sehr scharf akzentuierte, ja fast schon "abgehackte" Egmont-Ouvertüre mit sattem Streicherklang (alle Interpretationen waren klassisch-romantisch, mit keinerlei Konzessionen an "HIP"), im Violinkonzert Rachlin mit weichem, feinem Ton - im ersten Satz mit rund 24 Minuten vielleicht etwas zu gemächlich - heitere, lebendige Lesart der 4. Symphonie, die ja weiß Gott kein Schwergewicht im Oeuvre Beethovens ist.

Gut gefüllter Saal - wohl auch deshalb, weil der Sponsor etliche Karten an Kunden(?) und Angestellte verteilt hatte - aber jemand sollte Investmentleuten doch erklären, dass man nach dem Kopfsatz eines Konzerts nicht klatscht. :(

Es fiel auf, dass das RPO einen sehr viel kräftigeren, auch dunkleren Streicherton hat als die mir bekannten englischen Orchester, z.B. jene der BBC. Fast schon "kontinental".

Gruß, Thomas
sound67 (21.10.2006, 22:33):
In der Alten Oper, Frankfurt am Main:

Robert Schumann, Symphonie Nr.4, op.120
Dmitri Shostakovich, Symphonie Nr.5, op.47

London Philharmonic Orchestra
Kurt Masur

Der doch schon recht gebrechlich wirkende Masur leitete eine konventionelle, sehr groß besetzte Schumann-Symphonie auf hohem Niveau. Konventionell weil klassisch-romantisch, etwas pauschal, dick - auf hohem Niveau weil gut gespielt, mit genug Schwung.

Beim Shostakovich war es oft doch etwas sehr "prollig", Bläsereinsätze im ersten Satz kamen mehrfach nicht sauber, das Blech sehr(!) laut.

Wie verwandelt im Adagio: extrem leises Spiel der Streicher, hervorragend. Im Finalsatz Tempowechsel zwischen den ersten Takten und danach nicht wirklich beachtet, zum Ende hin schien Masur etwas die Puste aus zu gehen. Beim Umblättern der Partiturseiten mitunter fast Parkinson-haftes Zittern.

Voll besetzter Saal, reichlich Applaus, sichtlich gerührter Maestro, neckischer Abschiedswinker vor dem Abgang. Netter Abend insgesamt.

Gruß, Thomas
nikolaus (22.10.2006, 11:02):
Gestern abend: Premiere "Vier Jahreszeiten" des Tanztheaters Bielefeld.

Insgesamt ein gelungener Abend, den ich wegen der Musikauswahl hier erwähne (eben nicht Vivaldi):
Live gespielt von den Bielefelder Philharmonikern unter Kevin John Edusei:
J.Haydn, Sinfonie No. 6 (=Frühling)
M.-A.Turnage, Scherzoid (=Sommer; deutsche Erstaufführung)
E.-S-Tüür, Passion (=Herbst)
B.Britten, Sinfonia da Requiem (=Winter)

Brittens Musik hat mich wirklich sehr, sehr berührt, mir lief ein Schauer über den Rücken und beinahe kullerten die Tränen :I!

Nikolaus.
Jeremias (22.10.2006, 11:28):
Am vergangenen Freitag, zusammen mit Siamak und Claashorst erlebt:

Alexandre Tharaud im Bechstein-Center Düsseldorf

Programm:

Scarlatti: 5 Sonaten
Ravel: Miroirs
Pause
Chopin: 14 Walzer

Zugaben: Ein Andante aus einem von Bach bearbeiteten Vivaldi-Konzert in einer Klavierfassung sowie ein kleines Stück von Rameau

Zunächst ist vorab kurz anzumerken, dass die von Bechstein veranstalteten Konzerte in einem kleinen Saal stattfinden, in welchem sonst v.a. Lesungen etc. abgehalten werden. für diesen Saal ist der Bechstein-Flügel einfach zu groß. Und letzterer erwies sich als ein großes Problem für Tharaud: Er kam bei den Scarlatti-Sonaten mit diesem einfach nicht zurecht. Der Flügel hört sich in den tiefen Lagen wie im Diskant fast genaus laut an. Zudem ist es sehr schwer, dieses Instrument zum klingen zu bringen. Ohne Pedal geht dies nahezu gar nicht und auch mit Pedal kommt es kaum rüber.

Tharaud versuchte sich in einer romantischen Deutung der Scarlatti-Sonaten. Er begann mit der durch Horowitz berühmt gewordenen Sonate in E-Dur. Bis ihm diese Sonate auch nur annähernd grazil gelingt, dürfte er noch viel üben müssen. Die Sonate L422, die Martha Argerich oftmals als Zugabe spielt, kam ebenfalls viel zu laut herüber. Nach unserer Einschätzung war er bei Scarlatti durchgefallen.

Eine Steigerung konnten wir bei den höchst schwierigen "Miroirs" von Ravel erleben. Man merkte gleich, dass er sich bei dem Repertoire viel wohler fühlt. Gleichwohl kam er auch hier im berühmten "Alborada" nicht mit der Lautstärke des Instruments zurecht. Leichte Enttäuschung zur Pause.

Nach der Pause dann 14 Walzer von Chopin, die er auf seiner jüngsten CD eingespielt hat. Hier entschädigte er dann doch für einiges, was er im 1. Teil hatte vermissen lassen. Gleichwohl geriet seine darstellung immer wieder ein wenig hektisch. Ihm fehlt einfach eine gewisse Ruhe in seinem Spiel.

2 Zugaben, von denen die erste wohl die schönste Darbietung des Abends war. bei Rameau fehlt ihm ein wenig Finesse wie man sie von Barto her kennt. Zudem ist genau diese Miniatur ein von Sokolov gespieltes Zugabenstück. Und damit werden wir ihn am 2.11. in Düsseldorf hören.

Bei Bechstein habe ich jetzt vielleicht 5 oder 6 Konzerte erlebt. Bislang ist eindeutig Steven Osborne mit dem Instrument am besten zurecht gekommen und auch die Leistung von Anna Gourari ist dahingehend als "top of the top" einzuordnen, wie Siamak immer sagt. Er hatte in der Pause die Idee, man könne doch demnächst einen Steinway-Flügel verwenden und das Bechstein-Logo darüber kleben.... :haha
nikolaus (26.10.2006, 23:00):
Ob es große Ereignisse werden, weiß ich noch nicht, aber ich habe in nächster Zeit viel vor :leb, aber auch viel investiert :I:

2.11. Martha Argerich und Lilya Zilberstein in Hamburg (Mozart, Schumann, Shostakovich, Brahms, Milhaud)

25.11. Operngala in Essen, u.a. sind Grace Bumbry und Agnes Baltsa angekündigt (das ist eher ein Experiment für mich, bin mir nicht sicher, ob es gut und schön wird)

28.11. (heute eine der Restkarten ergattert :rofl) Krystian Zimermann in Essen (Chopin, Sonaten 1,2,3)

3.12. noch einmal Martha Argerich, diesmal mit Gidon Kremer in Köln (Schumann, Bartok (u.a. Die Kinderszenen :down, wobei sich das Programm sicher noch ändern wird))

Mal sehen...

Nikolaus.
cellodil (27.10.2006, 00:56):
Original von nikolaus
3.12. noch einmal Martha Argerich, diesmal mit Gidon Kremer in Köln (Schumann, Bartok (u.a. Die Kinderszenen :down, wobei sich das Programm sicher noch ändern wird))


@nikolaus

Nicht, dass mich die anderen Konzerte nicht interessieren würden, aber auf das bin ich wirklich neidisch. Ich wollte die beiden nämlich im Dezember in München oder in Zürich hören, kann aber jetzt wegen anderer Termine doch nicht hinfahren... :(

Von dem Abend musst Du dann unbedingt erzählen!!!!

Grüße

Sabine
(ganz leicht grün werdend)
nikolaus (27.10.2006, 09:41):
@ Sabine

Ich glaube, in Paris geben sie auch noch ein Konzert, wie wär's damit?

Ansonsten: bitte nicht grün werden, ich werde auf jeden Fall berichten!

Gruß, Nikolaus.
Jeremias (27.10.2006, 10:45):
Ich hatte auch überlegt, ob ich das Konzert in Köln besuche, aber ich muss sagen, dass mich das Programm nicht sonderlich anspricht. Ich kann mit den Werken von Bartok nichts anfangen, mag sie halt einfach nicht und dafür gebe ich kein Geld aus, auch wenn es Martha ist... ich habe die beiden mit der 1. Sonate von Schumann einst gehört und es war schon faszinierend, wie die beiden miteinander auf der Bühne harmoniert haben (sie sollen wohl sogar mal verheiratet gewesen sein). Ich werde mir aber die beiden Werke von Bartok noch einmal mit den beiden auf CD anhören, vielleicht entscheide ich mich ja doch noch anders.... :haha
cellodil (27.10.2006, 22:43):
Original von Jeremias
sie sollen wohl sogar mal verheiratet gewesen sein

@Jeremias
... das wäre mir neu. Bist Du Dir sicher??? Das müsste ja in jüngerer Zeit gewesen sein. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, dass das in den Biografien von Kremer (wunderbare Bücher übrigens, sehr schön fand ich vor allem die "Kindheitssplitter") irgendwo erwähnt worden wäre. Kann mir auch nicht vorstellen, dass ich das überlesen habe (sonst: Asche auf mein Haupt).

Grüße
Sabine

P.S. Vielleicht auch noch ein Thema: Künstlerehen... Oder Künstlerpartnerschaften (da gibt es ja das witzige Buch von Arnold Steinhardt, "Mein Leben zu viert")



Original von nikolaus
@ Sabine

Ich glaube, in Paris geben sie auch noch ein Konzert, wie wär's damit?

Ansonsten: bitte nicht grün werden, ich werde auf jeden Fall berichten!

Gruß, Nikolaus.

@Nikolaus

Mit Paris wird's wohl auch nix...

Freu' mich auf Deinen Bericht.

Grüße

Sabine
(schon wieder ein bisschen weniger grün)


P.S. Das gehört ja eigentlich alles nicht wirklich zu diesem Thema... :ignore
sorry!
Gamaheh (27.10.2006, 23:01):
Original von nikolaus
2.11. Martha Argerich und Lilya Zilberstein in Hamburg (Mozart, Schumann, Shostakovich, Brahms, Milhaud)


Hallo Nikolaus,

da beabsichtige ich auch zu sein, es sei denn, ich bekomme an der Abendkasse keine Karte mehr (es wäre das erste Mal).

Grüße,
Gamaheh
Jeremias (27.10.2006, 23:14):
Auch die beiden habe ich im Duo schon erlebt, es war ein sehr schöner Abend, aber Zilberstein hat in puncto Finesse nicht ganz die Klasse einer Martha. Es gibt einfach nur 2 Pianisten, die ihr ebenbürtig sind oder waren: Nicolas Economou und Nelson Freire! :down
Jeremias (29.10.2006, 12:22):
Gestern Abend in der Oper Wuppertal:

PIQUE DAME von Tschaikowsky,

es war ein einmaliges Erlebnis, Kritik folgt!
nikolaus (29.10.2006, 21:06):
Original von Jeremias
Auch die beiden habe ich im Duo schon erlebt, es war ein sehr schöner Abend, aber Zilberstein hat in puncto Finesse nicht ganz die Klasse einer Martha. Es gibt einfach nur 2 Pianisten, die ihr ebenbürtig sind oder waren: Nicolas Economou und Nelson Freire! :down

Da gebe ich dir Recht, aber trotzdem ist es eine tolle Partnerschaft.
Ich habe beide vor zwei Jahren ebenfalls in HH und letztes Jahr in Dortmund erlebt. Zilberstein war jeweils überaus motiviert und zeigte eine grosse Lust am Spiel mit Martha Argerich; es war ein richtiges Geben und Nehmen, absolut faszinierend.

Dieses Jahr dann Martha Argerich und Nelson Freire: zwei ebenbürtige, in der Tat!

Nikolaus.
Jeremias (29.10.2006, 22:40):
Warst Du da auch in Essen? es war eine absolute Sternstunde! Ich erlebte Martha auch einmal mit Alexandre Rabinovitch, man merkte doch einige Defizite gegenüber Martha. Nelson Freire dagegen war wirklich einsame Klasse!
nikolaus (29.10.2006, 22:52):
Original von Jeremias
Warst Du da auch in Essen? es war eine absolute Sternstunde! Ich erlebte Martha auch einmal mit Alexandre Rabinovitch, man merkte doch einige Defizite gegenüber Martha. Nelson Freire dagegen war wirklich einsame Klasse!

Äh, ja, siehe in diesem thread weiter oben :wink
Jeremias (03.11.2006, 00:43):
Heute in der Düsseldorfer Tonhalle:

Grigory Sokolov mit Werken von Bach, Beethoven und Skriabin und 5 Zugaben, davon 4x chopin.... ich bin leider ein wenig enttäuscht, Rezension folgt morgen!
Rachmaninov (03.11.2006, 07:43):
Original von Jeremias
Grigory Sokolov mit Werken von Bach, Beethoven und Skriabin und 5 Zugaben, davon 4x chopin.... ich bin leider ein wenig enttäuscht, Rezension folgt morgen!

Oh Jeremias,

das verwundert mich und um so mehr bin ich gespannt was Du in der Rezension morgen schreiben wirst!

Richard
nikolaus (03.11.2006, 09:31):
Gestern abend in der Hamburger Laeisz-Halle:

Martha Argerich und Lilya Zilberstein

Erschrecken wenig Zuschauer/Zuhörer, die Halle war nur etwa zur Hälfte besetzt, dafür war das wenige Publikum absolut begeistert und machte dieser Begeisterung auch Luft; da kann sich mancher voll besetzter Konzertsaal hinter verstecken!

Programm:
W.A.Mozart: Fantasie f-moll KV 608
Andante mit Variationen KV 501
Sonate B-Dur KV 186c
R.Schumann: Andante und Variationen B-Dur op. 46
D.Schostakowitsch: Concertino a-moll op. 94

J.Brahms: Variationen über ein Thema von Haydn op. 56b
D.Milhaud: Scaramouche op. 165b

Zugaben: aus M.Ravel: Ma mère l'oye,
aus S.Rachmaninov: Sechs Duette op. 11
"Rausschmeißer": Stück eines russischen Komponisten für präpariertes
Klavier

Alles in allem ein schöner Abend, auch wenn es manchmal vielleicht etwas holperte. So etwas stört mich bei ihnen eigentlich nicht, dafür zeigen sie einfach zu viel Freude am Musizieren.
Mozart war sicher etwas zum "warm werden", aber auch hier wunderschöne Momente, und hier sei einmal betont, daß gerade Martha Argerich sanfte Töne von großer Intensität schaffen kann - das wird bei ihr meistens unterschlagen.
Schumann fand ich fast am schwächsten, aber das liegt wohl eher an dem Stück an sich (oder ich konnte dem "roten Faden" nicht folgen).
Schostakowitsch war neu für mich. Ein abwechslungsreiches, recht "tänzerisches" Stück. Es wirkt vielleicht etwas oberflächlich, aber ich glaube, das täuscht. Man sollte es öfter hören. Auf jeden Fall waren hier beide in ihrem Element!
Brahms habe ich mit Martha Argerich in verschiedenen Konstellationen häufiger gehört und bin jedesmal erstaunt, wie unterschiedlich es jedesmal klingt. Mit Nelson Freire dieses Jahr in Essen hatte sie mir allerdings besser gefallen, es war mehr "Größe" i.S.v. "majestätisch" dabei.
Milhaud ist einfach eine gute-Laune-Musik und kommt dem Temperament v.a. von Martha Argerich entgegen. Aber auch hier gelang der langsame mittlere Satz sehr schön!

Faszinierend ist, wie entspannt Martha Argerichs Hände beim Spielen wirken. Eigentlich spielt sie total unspektakulär: fast beiläufig streicht sie über die Tasten und produziert doch ganz differenzierte Töne in immer anderen Farben; sie hat da keine Grenzen!

Nun bin ich gespannt auf ihren Abend mit Gidon Kremer in Köln (ob sie wirklich die Kinderszenen spielt?)

Gruß, Nikolaus.

@Gamaheh: Warst du auch da? Wenn ja, wie ist deine Meinung?
Jeremias (03.11.2006, 10:20):
Ich glaube Dir, dass es ein wunderschöner Abend war! Den "Rausschmeisser" kenne ich, es ist ein Stück von Swiridov, das andere Schüler meiner früheren Klavierlehrein mal bei Jugend Musiziert gespielt haben :D
Rachmaninov (03.11.2006, 10:31):
Original von nikolaus
D.Schostakowitsch: Concertino a-moll op. 94


Ein tolles Werk! Hätte ich auch zu gerne live erlebt :beer
Jeremias (03.11.2006, 12:50):
Nun zu meinem Sokolov-Erlebnis:

Ich sass hinter der Bühne auf dem Podium und hatte somit Einblick in die gesamte blaue Kuppel der Tonhalle. Das Licht war stark gedämpft.

1. Teil:

Bach: 3. Französische Suite

Beethoven: Sonate Nr.17 "Sturm"

Bach war natürlich einmalig. Es war für mich mittlerweile das 8. Erlebnis mit sokolov, aber erstmals sass ich derart nah dran, dass ich nur auf seine Hände fokussiert war. Interessanterweise spielte er viele Triller mit dem 3. und dem 5. Finger, soweit man das sehen konnte. Interpretatorisch war die Suite auf höchstem Niveau, es war der stärkste Eindruck an diesem Abend. es folgte die Sturmsonate von Beethoven, die leider eher zu einem lauen Herbstwind geriet. Den 1. Satz spielte er in den langsamen Stellen sehr frei, dann wiederum leider etwas zu starr im Tempo, sehr wenig Freiheiten, desöfteren vernebelte er Töne mit dem Pedal. Der langsame Satz war schön klar gestaltet, der Schlusssatz für meinen Geschmack auch zu "unfrei", zu sehr klammerte er sich an die metrischen Vorgaben.

2. Teil:

Skriabin: Prelude und Nocturne op.9 für die li. Hand, 3. Sonate fis-moll, 2 Poèmes op.69, 10. Sonate op. 70, Vers la flamme op.72

Eine eher ungewöhnliche Reihenfolge. Höhepunkt war sicherlich die 3. Sonate, dier er ja auch auf CD veröffentlicht hat. Je mehr er im Programm voranschritt, desto schwieriger wurde es, ihm konzentriert zu folgen. Ich weiss nicht, wie es Euch geht, aber ich selber habe immer wieder Probleme mich mit spätem Skriabin anzufreunden. Vielleicht auch deswegen dieser gespaltene Eindruck meinerseits. Natürlich hat er seine Sache sehr gut gemacht, aber es war mir bisweilen generell ein bisschen zuviel forte oder fortissimo.

Zugaben: 4 x Chopin (Walzer a-moll, Impromptus Nr.2 & 1, Mazurka e-moll) sowie einen kleinen Skriabin hinterher.

Mit den Impromptus hörte ich ihn bereits im vergangenen Jahr und ich muss sagen, dass er - wie viele Russen - leider kein Chopin-Spieler ist. Zu schnell, zu kräftig. Es fehlt einfach an einer gewissen Noblesse. Ich hätte gerne ein wenig mehr Bach, Rameau oder Couperin gehört! Weiterhin ist mir aufgefallen, dass seine triller in der Barockmusik wirklich einmalig sind, diese aber in der Klassik, Romantik oder Spätromantik aber nicht passen. Diesen Eindruck hatte ich bereits desöfteren bei ihm.

Und noch ein negativer Beigeschmack, für den er aber nichts konnte: Gegenüber unserer Plätze im Rang fotografierte jemand während des ganzen Konzertes. Derjenige benutzte ein relativ helles, ja fast grelles Licht, welches immer wieder in unsere Richtung aufleuchtete und einen in der Konzentration störte, da man immer wieder abgelenkt wurde. Auch auf mehrere Beschwerden hin wurde dies im 2. Teil nicht unterlassen. Bei einem Preis von stolzen 35 € pro Karte eine Zumutung....

die nächsten beiden Konzerte werden Highlights: Zimerman in Köln und das requiem von Mozart am 1.12. in der Tonhalle :down
Jeremias (03.11.2006, 16:59):
Kleiner Nachtrag zu dem "Lichtproblem" gestern: Der Konzertveranstalter persönlich hat mich gerade angerufen, er kann meinen Unmut verstehen, er und Sokolov waren nicht informiert, es muss jemand aus dem Konzerthaus gewesen sein. Er dankt mir für den Hinweis und wird da nä. Woche Stunk machen :D
Gamaheh (03.11.2006, 21:23):
Original von nikolaus
Gestern abend in der Hamburger Laeisz-Halle:


Hallo Nikolaus,

ja, ich war auch da (offensichtlich hatte ich keine Probleme, an der Abendkasse noch eine Karte zu bekommen), und mein Eindruck deckt sich mit Deinem.

Ich finde es (als Hamburgerin) immer ein wenig peinlich, wenn die Musikhalle so spärlich besetzt ist. Aber es ist richtig, daß das Hamburger Publikum immer vor Begeisterung tobt (wenn nicht gerade etwas Modernes gegeben wird), auch wenn ich das Getrampel, Gepfeife und Wolfsgeheul - auch bei der größten Begeisterung - oft als etwas unpassend empfinde.

Zu den Pro Arte-Konzerten kommen viele Leute nicht mehr, weil sie so teuer sind (im Volksmund: Pro pecunia).. Wer oder was soll nur die Elbphilharmonie füllen, wenn sie denn gebaut wird?

Für mich war es genau auch "alles in allem ein schöner Abend", aber nichts, was mich nicht in den Schlaf hätte kommen lassen. Ich hätte gerne Martha Argerich mal alleine gehört, mir schienen die beiden mehrere Klassen auseinander zu liegen. Lilya Zilberstein empfand ich - sowohl vom Anschlag als auch vom Gestus - als ein wenig ... bäuerisch.

Nichtsdestotrotz war es einer von den Abenden, wo die Leute erfreut und mit glänzenden Augen rausgehen.

Den Schumann fand ich auch eher schwach, interessanterweise enthielt das Stück etwas, was ich im Sommer in einer Komposition von Clara Schumann gehört habe. Und eines von den Mozart-Stücken (ich weiß nicht mehr, welches) erinnerste mich an ein Lied von Loewe, ich glaube "Die verfallene Mühle".

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (03.11.2006, 21:27):
Original von Jeremias
Den "Rausschmeisser" kenne ich, es ist ein Stück von Swiridov :D

Hallo Jeremias,

danke, daß Du diese Lücke gefüllt hast. Weißt Du, womit das Klavier präpariert wird? Jemand brachte ein Beutelchen mit irgendwelchen kleinen Teilen heran, die ich auch mit meinem Feldstecher nicht erkennen konnte, und Lilya Zilberstein disponierte sie irgendwie im Innern des Flügels...

Grüße,
Gamaheh
Jeremias (03.11.2006, 23:12):
das sind ganz normale Metallgegenstände, die auf die Saiten gelegt werden. Meine Lehrerin hat damals immer einen Metallkamm genommen, einen Schraubenschlüssel und was weiss ich...
sound67 (04.11.2006, 15:51):
Gestern abend, Alte Oper FFM:

Igor Stravinsky, Suite No.2
Dmitri Shostakovich: Violinkonzert Nr.1, op.77
Pyotr I. Tchaikowsky: Sinfonie Nr.4

Sergey Khachatryan
HR-Sinfonieorchester
Eliahu Inbal


Der früherere langjährige Chefdirigent des HR-Orchesters mit einem "russischen" Programm. Die "Suite" von Stravinsky besteht aus vier kurzen, abrupten Vignetten mit weniger als 8 Minuten Spielzeit. Sehr farbig, etwas derb - typische balletöser Stravinsky. Das Violinkonzert hatte ich mit Khachatryan ein Jahr zuvor in London gehört, der Solist gefiel mir hier in FFM (noch) besser, aber das HR-Orchester klang zu glatt, zu wenig "schwermütig". Die Tchaikowsy-sche gehobene Salonmusik mit irrwitzigem Tempo abgespult - gut so, so war das Leiden etwas kürzer. Sauberes Orchesterspiel, voller Saal.

heute vormittag (und Mittag, und Nachmittag), Alte Oper:

Generalprobe
Jean Sibelius: Finlandia, op.26
Camille Saint-Saens: Cellokonzert Nr.1
Pyotr I. Tchaikovsky: Rokkoko-Variationen
Antonín Dvorák: Sinfonie Nr.7, op.70

Johannes Moser
Frankfurter Museumsorchester
Eivind Gulbert Jensen

Ein schönes, abwechslungsreiches Programm. Der Sibelius vielleicht etwas zu wenig "reisserisch", eher auf Durchhörbarkeit ausgelegt (etwas kleinere Besetzung als üblich), das Saint-Saens-Konzert (mit mozartianischer Besetzung) angehnehm luftig-elegant, schöner Celloton.

Danach die "Spezialität" dieses jungen Cellisten Moser (mit der er 2002 den Tchaikowksy-Wettbewerb in Moskau gewonnen hatte): die Rokkoko-Variationen, sehr wendig, fast mit ein paar "Verzierungen" zuviel, aber prägnant. Höhepunkt aber die vortreffliche 7. Sinfonie von Dvorák - die besser ist als die "Neue Welt", weil viel schlüssiger und strenger (nur im Finale trifft Vaughan Williams Dvorák-Kritik auch hier zu: "five endings to each movement"), mit dramatischem Flair. Dvorák zeigt Tchaikovsky, wie man Sinfonien wirlich komponiert! Durchweg solide engagiertes Orchester, junger aufstrebender Dirigent aus Norwegen (Masur-Schüler).

Konzerte sind am So um 11.00 und am Mo. um 19. Uhr Hingehen!

Gruß, Thomas
sound67 (07.11.2006, 08:12):
Gerade aus der Provinz heimgekehrt:

Jean Sibelius: Pohjola's Tochter -Sinfonische Dichtung (1893)
Jean Sibelius: Konzert für Violine und Orchester, op.47
Dmitri Shostakovich: Sinfonie Nr.6, op.53

Olga Pogorelowa
Orchester des Staatstheaters Darmstadt
Stephane Blunier

Es ist immer schön, sich hin- und wieder vor Augen zu führen, dass auch die "kleinen" Orchester oprdentlich musizieren können. Immerhin ist das Darmstädter Orchester nominell sogar "A", allerdings ein kleines "a". 14er Besetzung ist Maximum, und das hört sich hin- und wieder dann eben etwas "transparenter" an als gewollt. ;)

Immerhin: Die Konzertmeisterin als Solistin zeigt, dass auch Orchestergeiger virtuose Fähigkeiten besitzen: da gibt es manchen Patzer, und hin- und wieder droht ihr die Puste auszugehen, aber es gelingen Pogorelowa doch einige bemerkenswert schöne Momente. Im Shostakowitsch zeigt sich das Orchester (in der staubtrockenen Akustik des Staatstheaters) von seiner besten Seite, auch wenn GMD Blunier die Tempi etwas sehr(!) straff anzieht - auch im Andagio der Einleitung.

Gruß, Thomas
sound67 (08.11.2006, 13:29):
Gestern abend ein beeindruckender Liederabend in der Frankfurter Oper:

Violeta Urmana, Sopran
Jan Philip Schulze, Klavier

Lieder von Hector Berlioz (Les Nuits d´été -Auszüge), Sergei Rachmaninov (inkl. "Vocalise") und Richard Strauss

Die litauische Sopranistin hat nicht nur ein enormes Organ, sondern zeigt auch Intelligenz und Einfühlungsvermögen bei der Interporetation der Texte - längst nicht jede "hauptamtliche" Opernsängerin ist als Liedsängerin so geeignet. Am besten gefielen mir die Lieder von Richard Strauss, da sie die komplexesten, variabelsten waren - besonders "Wasserrose" op.22/4. Zu den drei Zugaben gehörte auch die Arie der Tosca.

Gruß, Thomas
cellodil (14.11.2006, 18:42):
Letzten Samstag in der Stuttgarter Liederhalle:

SWR Vokalensemble Stuttgart unter Leitung von Marcus Creed

Festkonzert zum 60. Geburtstag des SWR Vokalensembles Stuttgart
- Musik gegen Krieg und Gewalt

Das Programm:

- Heinrich Schütz, 3 Psalmen aus dem "Psalmen Davids" (Psalm 6, 130, 137)
für zwei vierstimmige Chöre
- Wolfgang Rihm, Mit geschlossenem Mund
für 8 Stimmen a cappella
- Arnold Schönberg, Friede auf Erden
für vierstimmigen gemischten Chor a cappella op. 13
- György Kurtág, Ommagio a Luigi Nono op. 16
für gemischten Chor a cappella
- Max Reger, Vater unser
a cappella zwölfstimmig in drei Chören

Selbst für einen Vokalmusik-Muffel wie mich: Ein grandioser Abend. Sehr gelungen war die Verbindung von Alter und Neuer Musik (für die der Chor ja auch bekannt ist). Mir persönlich am besten gefallen haben der Rihm (ein phantastisches Stück) und der Reger. In beide Stücke konnte ich mich so richtig reinfallen und auf den Wogen der Musik, der Töne tragen lassen.

Schade nur, dass das Konzert nicht (wie sonst in dieser Reihe, die ein Extra zum RSO-Abo ist) in einer Kirche stattgefunden hat. Naja trotz des profanen Raums (dessen Akustik nicht so ganz ideal ist): Dem Himmel doch ein gutes Stückchen näher...
:engel

Grüße

Sabine

P.S. Der SWR hat den Abend fürs Fernsehen aufgezeichnet, wird also irgendwann (vermutlich demnächst) mal ausgestrahlt werden. Kann mir allerdings nicht vorstellen, dass sich das im Fernsehen vermittelt, und auch nicht, dass es für so etwas wirklich ein TV-Publikum gibt (ich wollte das nicht anschauen und hatte im Konzert auch häufig die Augen zu).
nikolaus (26.11.2006, 22:35):
Am 25.11.06 in der Essener Philharmonie:
Festliches Gala-Konzert zugunsten der Deutschen Aids-Stiftung (die Verschlüsselung kann ich nicht umgehen, kommt automatisch ?(; Stichwort: rote Schleife)

Essener Philharmoniker, Stefan Soltesz: schwungvoll-tänzerisch, aber nicht ganz einwandfrei
Extrachor des Aalto-Theaters
Kinderchor des Aalto-Theaters

Edda Moser, Moderation: alte Schule, etwas pathetisch, aber nicht ohne Charme

Höhepunkte waren sicherlich die Auftritte von

Grace Bumbry: "Adieu forets", Arie der Jeanne aus Jeanne d'Arc von P.I.Tschaikowsky
Ein berührender Auftritt mit der Würde des alternden Stars. Die Stimme ist natürlich nicht mehr so wie früher, aber sie setzt sie geschickt ein und hat eine bewunderungswürdige Kontrolle. Außerdem macht ihre "Aura", so nenne ich das jetzt mal, alles wett! :down

Agnes Baltsa: "Voi lo sapete", Arie der Santuzza aus Cavalleria rusticana von P.Mascagni und "Oh mio babbino caro", Arie der Lauretta aus Gianni Schicchi von G.Puccini
Auch hier gilt: die Stimme hat nicht mehr so viel Fülle, aber sie kann es immer noch und reißt durch ihre Leidenschaft und Bedingungslosigkeit mit! :down :down

Insgesamt ein schöner Abend, den ich mir aber vorwiegend wegen der beiden "Großen" gegönnt und nicht bereut habe!

Nikolaus.
Jeremias (28.11.2006, 00:00):
Am kommenden Mittwoch in der Kölner Philharmonie spielt der Gott aller Pianisten:



Krystian Zimerman Klavier


Wolfgang Amadeus Mozart

* Sonate für Klavier C-Dur KV 330 (300h)

Allegro moderato
Andante cantabile
Allegretto


Ludwig van Beethoven

* Sonate für Klavier Nr. 8 c-Moll op. 13
'Pathétique'

Grave - Allegro di molto e con brio
Adagio cantabile
Rondo. Allegro


- Pause -

Ludwig van Beethoven

* Sonate für Klavier Nr. 21 C-Dur op. 53
'Waldsteinsonate'

Allegro con brio
Introduzione. Adagio molto
Rondo. Allegretto moderato - Prestissimo


Grazyna Bacewicz

* Sonate Nr. 2 (1953)


Selbstverständlich werde ich berichten!!!
nikolaus (28.11.2006, 23:56):
Gerade zurück von Krystian Zimerman in Essen.

Das Programm sollte ursprünglich die drei Sonaten von Chopin beinhalten, Zimerman hat dann aber folgendes gespielt:

W.A.Mozart: Sonate C-Dur KV 330

L.v.Beethoven: Sonate Nr. 21 C-Dur op. 53 "Waldstein"

- Pause -

M.Ravel: Valses nobles et sentimentales

G.Gershwin: Three preludes for piano -Allegro ben ritmato
-Andante con moto e poco rubato
-Allegro ben ritmato e deciso

G.Bacewicz: Klaviersonate Nr. 2

Zugabe (leider nur eine, und ich komme partout nicht darauf, was es war)

Ein, wie ich finde, überaus interessantes Programm und ein in jeder Hinsicht überaus interessanter Abend, der mich gedanklich sehr beschäftigt.
Mehr möchte ich nicht erzählen, da Jeremias ihn ja morgen in Köln hört. Ich bin gespannt, was er erzählt!

@ Jeremias: Viel Spaß!

Gruß, Nikolaus.
Jeremias (30.11.2006, 00:28):
Nun hatte auch ich das große Vergnügen, Zimerman zu erleben, es war mein insgesamt 7. Konzert mit ihm. Ein ausführlicher Bericht folgt morgen, nur soviel: Der Abend hat auch mich zum Nachdenken gebracht. es war insbesondere die Sonate der polnischen Komponistin Bacewicz, die hierfür gesorgt hat, es erschütterndes Dokument über die Erlebnisse des 2. Weltkrieges. Der Abend war überhaupt sehr auf die klanglichen Elemente und die "Macht der Pausen" zugeschnitten, Zimerman hat richtig mit dem Publikum gespielt. ein sehr eindrucksvoller Abend!

Wie gesagt, Rezension folgt!
nikolaus (30.11.2006, 22:56):
Original von Jeremias
... Der Abend war überhaupt sehr auf die klanglichen Elemente und die "Macht der Pausen" zugeschnitten, Zimerman hat richtig mit dem Publikum gespielt. ein sehr eindrucksvoller Abend!

Wie gesagt, Rezension folgt!

Genau das ist auch meine Meinung!
Wobei leider das Essener Publikum sich nicht richtig darauf einlassen konnte/wollte, so daß etwas von der "Magie", die Zimerman ausübt, regelrecht verpuffte. Gerade in den von ihm zelebrierten "Pausen" und Momenten des Nachhallens und der "Stille" hätte es im Publikum mucksmäuschenstill sein müssen vor lauter Spannung - aber nein, hust, schnief und sogar Handy klingel !!! :S
Ich muß allerdings gestehen, daß ein Teil meiner Konzentration auch darauf abfiel, Hustenreize zu unterdrücken, was mir gut gelungen ist :engel
Nichts desto trotz ein denkwürdiger Abend.
Ich bin gespannt auf deine Rezension, Jeremias.

Gruß, Nikolaus.
Jeremias (30.11.2006, 23:25):
Rezension folgt noch, bin heute ein wenig müde. Leider war es auch bei uns so, viel Husten etc.... wie voll war der Saal bei Euch? Bei uns war er erschreckend leer! Tja, machen sich Essen und Köln eben doch gut Konkurrenz ?(

Ach ja, morgen Abend gibt es das Requiem von Mozart in der D'dorfer Tonhalle :down
nikolaus (01.12.2006, 13:43):
Original von Jeremias
Rezension folgt noch, bin heute ein wenig müde. Leider war es auch bei uns so, viel Husten etc.... wie voll war der Saal bei Euch? Bei uns war er erschreckend leer! Tja, machen sich Essen und Köln eben doch gut Konkurrenz ?(

Ach ja, morgen Abend gibt es das Requiem von Mozart in der D'dorfer Tonhalle :down

Essen war laut Internet fast ausverkauft bis auf wenige Plätze im 2.Rang.
Am Abend selber blieben jedoch einige Sessel leer, insgesamt war es aber zu - na, sagen wir - 6/8 voll.
Problem: wenn sich von diesen vielen Menschen nur die Hälfte von der Musik mitreissen lassen, dann verliert die Atmosphäre. Ich hätte mir da fast einen kleineren Rahmen gewünscht, wobei Zimerman natürlich keine Probleme hat, den grossen Saal klanglich zu füllen.
Übrigens: sein Auftreten empfand ich als sehr angenehm, zurückhaltend und bescheiden aber bestimmt; sehr professionnell.

Viel Spaß beim Requiem!
Bei mir steht am Sonntag der Abend mir Argerich/Kremer in Köln auf dem Programm, wahrscheinlich das letzte Konzert für mich in diesem Jahr und hoffentlich ein Höhepunkt!

Gruß, Nikolaus.
Gamaheh (03.12.2006, 23:26):
Nachdem es mir am Sonnabend (25.) nicht gelungen war, einen der 1900 Plätze in der renovierten Salle Pleyel zu ergattern, um Maria Joao Pires zu hören, am folgenden Tag wieder mal ein Beispiel dafür, daß man häufig die erinnerungswertesten Konzerte außerhalb der großen Konzertsäle erlebt:

Sonntag, 26.11.06, 15 H: Philippe Bianconi spielte für die Fondation Cziffra im Liszt-Auditorium, Chapelle Royale Saint Frambourg in Senlis (ca. 50 km nördlich von Paris)

Programm:
Beethoven. Klaviersonate in c op.13 „Pathétique“
Schumann. Carnaval op.9 (ursprünglich waren die Kreisleriana angekündigt)
Ravel. Drei Stücke aus den Miroirs (Noctuelles, Oiseaux tristes, Une barque sur l’océan)
Liszt. Petrarca-Sonett Nr. 104
Liszt. Mephisto-Walzer Nr. 1
Zugaben: Ein kleines Stück von Listz (habe den Titel nicht verstanden) und Ravel, Jeux d’eaux.

Einer meiner Konzert-Höhepunkte des Jahres. Was soll ich viel dazu sagen, ich fühlte mich gereinigt (wie es unser Satie so schön ausdrückt) und versöhnt.
Aber nicht nur die Musik wird mir in Erinnerung bleiben, auch das Bild des goldenen Scheins der untergehenden Sonne auf den Deckenbögen neben den dunkelblauen Miro-Fenstern zu den Klängen von Liszt ... (Entschuldigung: klingt kitschig, aber war so.)

Ein interessanter Ort mit einer schönen vollen und klaren Akustik. Diese ehemalige königliche Kapelle aus dem 12. Jahrhunder (erbaut auf den Fundamenten zweier älterer), mit den Capetinger Königen und dem französischen Papst Sylvester II. assoziiert, wurde vor 1973, als sie der Pianist György Cziffra erwarb, zuletzt als Garage genutzt. In den Folgejahren renoviert und zum Auditorium Franz Liszt (mit einigen Memorabilia des Komponisten) wieder auf- und ausgebaut, entwarf Joan Miro einige wunderschöne Glasfenster für dieses Gebäude.

Cziffra förderte – ähnlich wie heute Martha Argerich – junge Talente, indem er sie in seinen eigenen Konzerten statt seiner vor großem Publikum Zugaben spielen ließ. Zu diesen gehörte auch als Siebzehnjähriger Philippe Bianconi, wie jemand von der Stiftung in einer Einführungsansprache erklärte.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (04.12.2006, 22:36):
Gestern tatsächlich für mich der Höhepunkt des Konzertjahres:

Anläßlich des 60. Geburtstages von Gidon Kremer:

Martha Argerich und Gidon Kremer in der Philharmonie Köln:

R.Schumann: Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 d-moll op. 121

B.Bartók: Sonate für Violine solo BB 104

R.Schumann: Kinderszenen op. 15 !!

B.Bartók: Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 BB 84

Ein für mich überaus beglückender Abend in einer wohl fast ausverkauften Philharmonie.
Im Gegensatz zum Abend mit Zimerman in Essen liess sich das Publikum vom intensiven Spiel der beiden mitunter so gefangen nehmen, daß es mucksmäuschen still wurde und sich die Hustenexzesse sehr in Grenzen hielten.

Faszinierend ist die Konzentriertheit, mit der Kremer jedes dieser Stücke "zelebrierte" und der man sich kaum entziehen kann. Es gab sowohl bei Schumann als auch bei Bartók, der für mich eigentlich eher schlecht zugänglich ist, Momente, da blieb mir der Atem weg, so intensive und berührende, fast schon schmerzende Töne hat Gidon Kremer "gezaubert".

Sehr zu Herzen gehend auch die Kinderszenen. Es war das erste Mal, daß ich Martha Argerich alleine auf der Bühne erlebte, und ich möchte diesen Moment nicht missen. Mal saß sie da ganz in sich versunken, dann wieder hellwach und lebendig, und ihr Spiel wirkte so natürlich und selbsverständlich, absolut fantastisch!

Ein Abend, den ich nie vergessen werde!!

Nikolaus.
cellodil (04.12.2006, 23:06):
Lieber Nikolaus,

das scheint ja wirklich ein sehr berührender Abend gewesen zu sein. So eine Sternstunde, die man lange mit und in sich trägt.

Danke, dass Du das mit uns teilst.

Herzliche Grüße

Sabine
(nur ein ganz klein wenig grün)
claashorst (05.12.2006, 01:08):
war in etwa auch mein konzerteindruck.
habe mir daraufhin die scriabin-cd von ihm aus petersbug gekauft.
habe ich dann sehr häufig abgehört.
kein einfacher Zugang zum Komponisten.
Das Licht in der Tonhalle ist, wie Du beschreibst ~ ~
CH
claashorst (17.08.2006, 23:07):
Programm des viertletzten Konzertes des Klavierfestival Ruhr:

Mozart, 9 Variationen über ein Menuett von Jean Pierre Duport D-Dur KV 573.
Tatjana Komarowa (*1968), Thema und Variationen
Pause
Schubert, Sonate B-Dur op.posth.D 960

Ich hatte mir die Karte im Vvk besorgt, mittlerweile Stammplatz Balkon, da die Ränge im Neubau des Saalbau sichtmäßig äußerst schlecht gebaut wurden. Ich war am Abend müde, hatte aber Zeit das Programm zu lesen und stolperte erstmal.
(Mozart und Schubert ?? Wie passt das zusammen ? Welche Verbindungen könnte es hier geben ?)
Der Saal füllte sich mässig, trotz trübe, bestem Konzertregenwetter, die Sommerferien waren schon längts vorbei.
Die Bühne wurde von einem agilen, athletisch schlanken Musiker betreten, der seine Zuhörer freundlich begrüßte. Konzertmässig top-modern gekleidet begann sein Mozartspiel.
Für mich überraschend klar, unverzärtelt auf technisch hohem Niveau, mit kräftigem Duktus und angenehm konturiertem Anschlag. Es fiel schon von Anfang an auf: Klang war Vogt sehr wichtig.
Meine Müdigkeit wich, der Capellmeister aus Wien machte nicht nur 1789 Friedrich Wilhelm II. damit eine Reverenz, sondern übte seinen Zauber auch auf die Konzertbesucher von heute aus.

Komarowa, recht junge Komponistin, widmete Vogt ihre Komposition. Sie lernte am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium. Lars spielte sie vom Blatt, der Zuhörer musste sich etwas gewöhnen. Interessant waren die 7 Variationeneines Themas zu hören.

In der Pause erklärte der Stöber-Gang zum Tonträger-Stand teilweise die Programmgestaltung. Eine neuere Mozart-CD lag aus. (s.u.) Der live-Eindruck lässt zumindest keinen Fehlerwerb erwarten.

Die junge, sich wichtig nehmende Eingangskontrolle nach der Pause war besonders streng und gewissenhaft. Schön, wenn das Ticket auch mal kontrolliert wurde ! :wink

Mozart liegt dem 37 - Jährigen Pianisten, der ihn den Zuhörer erfrischend interpretiert.
Was den zweiten Teil des Programms aber als ambivalent empfinden liess. Ein solches Werk von einem so jungen Pianisten aufgeführt zu erleben, war schon eine zwiespältige Erfahrung. Die Bestrebungen nach Wohlklang erweckten den Eindruck, dass die rechte Hand die linke überwiegend dominierte, also insgesamt eine auf höheren Tonlagen hell-freundliche Interpretation dargeboten wurde. Mich hatte hier zudem Systermanns Heft-Beschreibung der Sonate irritiert, in dem sie Formulierungen verwendete wie "lyrischer Gesang, bukolischer Frieden, nachtschweifende Barkarole, delikate Pizzikati, harmonische Wechselbäder, munteres Zwischenspiel, ausgelassen, heiterer Reigen, Kehraus. " Treffen solche Sichtweisen auf Schuberts Komposition zu ?
Ich will mich viell. nochmal gelegentlich in den betreffenden Thread zu dieser Sonate einlesen, wie sie denn zu verstehen sei bzw die Empfindungswelt der Zuhörer auf dieses (unergründliche )pianistische Wunderwerk reagiert.
Miir erklang zumindest Vogts Schubertspiel hier zu jugendlich, auseinanderfallend durch überbetonte Pausen, ohne Fluß, keine Dynamik und Spannung entwickelnd. Die linke Hand war zu schwach zu hören.
Andererseits kann es sein, das meine Hörgewohnheiten der D960 durch reifere Musikinterpretationen die Hörerwartung vorab festegelegt haben. Volodos aus derselben Generation klingt da ganz anders.

Insgesamt war es ein schöner Abend, dankbarer Beifall, sympathischer Empfangs-Gestus des Pianisten. auch wenn der Kontrast zwischen Mozart und Schubert in einem Auftritt zu groß ist, um eine Brücke , selbst als Pianist, schlagen zu können.
Zwei Fotografen wollten die Abendatmosphäre noch auf Film bannen. Das ist zum Glück mit Musik nicht möglich.
Ob ich noch einmal den Pianisten hören möchte ?
ja, wenn´s denn kein Schubert ist.
CH
claashorst (02.09.2006, 23:58):
Während viele Michels schon 15 Jahren der Rente frönen würden,
brachte der 75 Jährige Alfred Brendel aus der Alpenrepublik am 02.09.06 folgende "Klassiker" mit in die Tonhalle nach Düsseldorf am Rhein:

Joseph Haydn (1732-1809) Sonate D-dur Hob XVI:42
Franz Schubert (1797-1828) Sonate G-Dur op.78
Wolfgang A.Mozart (1756 - 1809) Fantasie c-moll KV 475,Rondo a-moll KV 511
Joseph Haydn, Sonate C-dur Hob XVI:50

Ich war leider von der Abo-Betreuung entgegen meiner ursprünglichen Absicht wieder in das 2. Parkett gesetzt worden, lasse es aber noch korrigieren. Die dadurch nahezu Pianisten-hinterrücks mögliche Sitzposition liess den schütteren , langen, hageren Pianisten mit Opa-Brille als durchaus agil erscheinen.
Zu Haydn habe ich bisher wenig Zugang gefunden. Brendel liess ihn als recht energischen Wiener auftreten, die rechte Hand mit sehr kräftigem Anschlag, etwas expressiv.
Der Applaus wurde routiniert, unbewegt angedeutet linkisch gebeugt entgegen genommen.
Schuberts Sonate wurde in dem Zieharmonika-artigen, neuen Programm-Faltblatt von Heinersdorff interessant vorgestellt (der Rest war musikwissenschaftlich, unverständlicher Formalismus, viell. auf das geübte Düsseldorfer Publikum abzielend?):

D 894 beginne mit einem langsamen Satz, für den Pianisten recht unterschiedliche Tempi wählen. Spiele Wilhelm Kempff eher zügig, dehnen Svjatoslav Richter oder Arcadie Volodos die Akkorde, insbesondere die G-Dur-Tonika (?), aus wie ein musikalisches Bekenntnis. Beide Herangehensweisen hätten ihre Berechtigung; verstünde das zügige Tempo Schubert als letzten Klassiker, präsentiere das Getragene Schubert als Romantiker. Schuberts zeitliche und stilistische Position zwischen der klassischen und romatischen Epoche würde beide Lesarten möglich machen.
Nach diesen Hinweisen schien Brendel rasch, zügig zu spielen. Seine attaca-ähnlich agierende rechte Hand erweckte den Eindruck, als handele es sich um einen späten Haydn.Oder er schaltete einfach nicht so schnell um.. :wink
Welche Wirkung erzeugt eigentlich das rechte Pedal ? (Carsten Dürer macht ja zum linken Pedal einen Exkurs im neuen Pianoforte). Brendel bediente es ausgiebig bei Schubert.
Die lyrischen Passagen im Andante und Menuetto gelangen recht schön; bewegte Abschnitte erklangen bei ihm nicht gerade "heiter".
Insgesamt ein zwar geschmackvolles Programm, jedoch ohne größere emotionale Höhepunkte, eher routiniert aus dem langjährigen Reisegepäck hervorgeholt. Für mich war es insoweit interessant, einen älteren Pianisten zu erleben, der nicht ins Dirigentenfach gewechselt ist, sondern durchaus noch aus dem Gedächtnis spielend seine klaviertechnische Erfahrung und Übung einsetzen kann.
CH
P.S. den Mozart und die 2. Haydn-Sonate habe ich mir bei dem lauen Früh-Herbst geschenkt, da ich am Mittag bei dem Erfinder der Romantik (in der Malerei) gewesen war: Die umfangreiche Ausstellung von Caspar David Friedrich beendet nämlich morgen ihren Gastaufenthalt im Folkwang Museum, das nun auch besseren Tagen entgegensehen kann, nachdem die Krupp-Stiftung für einen Neubau 55 Mio. locker machen will. Der Besuch war anstrengend, überfüllt, in mitgenommenen, zeitungemässen Räumen, die Bilder konnte man nur aus 5 - 10 Meter Entfernung sehen. :ignore
So gestaltete sich die Begegnung mit Klassik und Romantik am heutigen Tage wechselhaft, durchaus ambivalent.
sound67 (29.09.2006, 10:51):
Gestern abend in der Frankfurter Alten Oper ein eher kontrastarm-beschauliches Programm:

R.Wagner, Lohengrin-Vorspiel
R.Wagner, Siegfried-Idyll
A.Bruckner, Symphonie Nr.4, "Romantische" (Erstfassung)

Bayrisches Staatsorchester
Kent Nagano

Ein insgesamt eher enttäuschender Abend: Nagano bietet dem Publikum wenig, er vollführt praktisch immer nur eine einzige Bewegung mit dem Dirigentenstab. Sehr trocken.

Das Orchester in den beiden ersten Stücken zu laut in den leisen Passagen, ohne Magie. Das Siegfried-Idyll (ursprünglich für 13 Musiker komponiert) mit vollem Streichersatz, jede Intimität geht verloren - es klingt wie eine x-beliebige Ouvertüre. Auch hier zu laute Streicher, ein nicht unübliches Problem bei vielen Opernorchestern.

Die BRuckner-Symphonie in der später verworfenen Erstfassung. ENDLOS, zahllose Wiederholungen. Es schien kein Ende nehmen zu wollen. Auch hier die Darstellung sachlich kühl, insgesamt aber doch zufriedenstellend - ein immer noch überzeugendes Eintreten ... für die Novak-Fassung. ;)

Saal fast voll besetzt, der Kalk floß in Strömen.

Gruß, Thomas
Amadé (06.10.2006, 21:13):
@ Jeremias

an Höhepunkten sind mir immer noch in Erinnerung, obwohl sie schon lange zurückliegen:

ein Sonaten-Abend mit David Oistrach und Frida Bauer

ein Soloabend mit Nathan Milstein (Bach 1.Sonate, 2. Partita, 3.Sonate)

Klavierabende mit Wilhelm Kempff (Beethoven, Schubert, Schumann)

Wilhelm Kempff und Pierre Fournier spielen Cellosonaten von Beethoven

das erste Konzert von Svjatoslav Richter in der BRD im September 1972 in der Bonner Beethoven-Halle. Zunächst Beethoven op.90 und 101, nach der Pause die Sinfonischen Etüden von Schumann mit den 5 posthum veröffentlichten, die ich bisher noch nicht kannte. Als Zugabe 4 späte Klavierstücke von Brahms. Damals begann Eurodisc mit der Herausgabe von Richter-Platten, die in Salzburg vom ehemaligen EMI-Produzenten Fritz Ganss erstellt wurden

ein Klavierabend mit Claudio Arrau in Göttingen (Beethoven op,110 und 111 , Debussy und Liszt, von Arrau lernte ich, wie Lisztsche KLaviermusik zu spielen sei

Beindruckt war ich auch vom ersten Besuch eines Sinfoniekonzerts, den KLang des Orchesters fand ich überwältigend, vor allem die leise spielenden Streicher. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich, als ich 1978 zum ersten mal die Bayreuther Festspiele besuchte, welch ein Orchesterklang!!

Heute beeindruckt mich immer wieder Grygory Sokolov, phänomenal!

Gruß Bernd:hello
sound67 (07.10.2006, 22:35):
So viele schöne Konzerte, so wenig Zeit.

Am vergangenen Dienstag abend: wunderbarer Zyklus von Lieder von Benjamin Britten (Folksong Arrangements, Winter Words, The Holy Sonnets of John Donne) und Frank Bridge, mit dem für seine 67 Lenze kolossal "rüstigen" und brillant gestaltenden Philip Langridge, am Klavier subtil und pointiert begleitet von David Owen Norris. Leider wie immer bei Liederabenden viel zu wenige Besucher ...
(Oper Frankfurt am Main)

Einen Tag später, die Barock-Experten vom Venice Baroque Ensemble unter Andrea Marcon, mit ihrem bekannten Solisten G.Carmignola, der in jüngster Zeit durch diverse Vivaldi-Aufnahmen von sich reden machte. Hier ein Programm aus Streicherkonzerten und Violinkonzerten von Vivaldi, und einem (schon deutlich harmonisch fortgeschritteneren) Violinkonzert von Tartini. 14 Musiker, zumeist stehend, alle auf historischen Instrumenten, füllten leider nicht ganz den großen Saal der (recht schwach besuchten) Alten Oper. Carmignola verwechselte auch ein paar Mal streichen mit sägen. Aber das ist dann wohl "authentisch" .... ;) Man bemühte sich um Abwechslung, doch noch ein Vivaldi-Konzert mehr, und ich hätte womöglich einen Blutrausch gekriegt.
(Alte Oper Frankfurt am Main)

Und eben erst verklungen: Phantastisch (und überraschend) guter Shostakovich von den Hamburger Symphonikern unter deren Chef Andrey Boreyko: Dem frühen Scherzo für Orchester (op.7) folgte eine fast 15(!) minütige Ansprache des Dirigenten über die Bedeutung des Komponisten und die Begründung für die daran anschließende Zusammenstellung aus den Fünf Fragmenten für Orchester (op.42) und Ausschnitten aus den Ballettsuiten 1 & 3, vorgenommen von Boreyko selbst. Diese Gegenüberstellung (11 Sätze insgesamt, immer im Wechsel) sollte sozusagen Lebensfreude und Lebensleid, Jubel und Verzweiflung, Triumph und Selbtszweifel Shostakovichs in den Jahren 1934/35 illustrieren, wie Boreyko (zu) wortreich ausführte. Eine sehr abswechslungsreiche Melange aus subtilen Kammereffekten (Fragmente) auf der einen, und bald witzigen, bald eleganten, bald spöttischen Walzern, Gavotten und Polkas aus den Ballettsuiten auf der anderen Seite. Zusammen fast eine halbe Stunde.

Da konnte man gut verschmerzen, dass für diesen Teil des Konzerts eigentlich eine Uraufführung eines Auftragswerks zum Anlass von Shostakovichs 100-jährigem Geburtstag gedacht war. Warum diese nicht stattfand, darüber kein Wort ...

Nach der Pause der dramatische Höhepunkt. Shostakovichs 13. Symphonie "Babij Jar" mit einem fulminanten Bass in Gestalt von Robert Holl, begleitet vom Männerchor des Tschechischen Rundfunks. Diesmal wurde die Symphonie auf Deutsch(!) gegeben, der "Nachdichter" der deutschen Fassung der Gedichte von Jewtuschenko war persönlich anwesend - übrigens eine sehr befriedigende Fassung! Boreyko begründete die Aufführung in Deutsch mit dem Wunsch des Komponisten, die Texte sollten doch in jedem Land in der jeweiligen Muttersprache gesungen werden - damit sie unmittelbar für das Publikum zu verstehen seien.

Besonders hier zeigten sich die sonst eher biederen Hamburger Symphoniker von ihrer besten Seite: satter Streicherklang, farbige Bläser und Schlagwerk - und jede Menge Abstufungen zwischen kammermusikalischer Intimität und bombastischem Getöse. Das war wirklich ein schöner Abend!
(Hamburg Laeiszhalle)

Gruß, Thomas
sound67 (10.10.2006, 10:49):
Gestern in der Alten Oper, Frankfurt am Main:

Ludwig van Beethoven:

Ouvertüre "Egmont"
Konzert für Violine und Orchester
Symphonie Nr.4

Julian Rachlin
Royal Philharmonic Orchestra
Daniele Gatti


Insgesamt ein gelungenes Konzert. Sehr scharf akzentuierte, ja fast schon "abgehackte" Egmont-Ouvertüre mit sattem Streicherklang (alle Interpretationen waren klassisch-romantisch, mit keinerlei Konzessionen an "HIP"), im Violinkonzert Rachlin mit weichem, feinem Ton - im ersten Satz mit rund 24 Minuten vielleicht etwas zu gemächlich - heitere, lebendige Lesart der 4. Symphonie, die ja weiß Gott kein Schwergewicht im Oeuvre Beethovens ist.

Gut gefüllter Saal - wohl auch deshalb, weil der Sponsor etliche Karten an Kunden(?) und Angestellte verteilt hatte - aber jemand sollte Investmentleuten doch erklären, dass man nach dem Kopfsatz eines Konzerts nicht klatscht. :(

Es fiel auf, dass das RPO einen sehr viel kräftigeren, auch dunkleren Streicherton hat als die mir bekannten englischen Orchester, z.B. jene der BBC. Fast schon "kontinental".

Gruß, Thomas
sound67 (21.10.2006, 22:33):
In der Alten Oper, Frankfurt am Main:

Robert Schumann, Symphonie Nr.4, op.120
Dmitri Shostakovich, Symphonie Nr.5, op.47

London Philharmonic Orchestra
Kurt Masur

Der doch schon recht gebrechlich wirkende Masur leitete eine konventionelle, sehr groß besetzte Schumann-Symphonie auf hohem Niveau. Konventionell weil klassisch-romantisch, etwas pauschal, dick - auf hohem Niveau weil gut gespielt, mit genug Schwung.

Beim Shostakovich war es oft doch etwas sehr "prollig", Bläsereinsätze im ersten Satz kamen mehrfach nicht sauber, das Blech sehr(!) laut.

Wie verwandelt im Adagio: extrem leises Spiel der Streicher, hervorragend. Im Finalsatz Tempowechsel zwischen den ersten Takten und danach nicht wirklich beachtet, zum Ende hin schien Masur etwas die Puste aus zu gehen. Beim Umblättern der Partiturseiten mitunter fast Parkinson-haftes Zittern.

Voll besetzter Saal, reichlich Applaus, sichtlich gerührter Maestro, neckischer Abschiedswinker vor dem Abgang. Netter Abend insgesamt.

Gruß, Thomas
nikolaus (22.10.2006, 11:02):
Gestern abend: Premiere "Vier Jahreszeiten" des Tanztheaters Bielefeld.

Insgesamt ein gelungener Abend, den ich wegen der Musikauswahl hier erwähne (eben nicht Vivaldi):
Live gespielt von den Bielefelder Philharmonikern unter Kevin John Edusei:
J.Haydn, Sinfonie No. 6 (=Frühling)
M.-A.Turnage, Scherzoid (=Sommer; deutsche Erstaufführung)
E.-S-Tüür, Passion (=Herbst)
B.Britten, Sinfonia da Requiem (=Winter)

Brittens Musik hat mich wirklich sehr, sehr berührt, mir lief ein Schauer über den Rücken und beinahe kullerten die Tränen :I!

Nikolaus.
Jeremias (22.10.2006, 11:28):
Am vergangenen Freitag, zusammen mit Siamak und Claashorst erlebt:

Alexandre Tharaud im Bechstein-Center Düsseldorf

Programm:

Scarlatti: 5 Sonaten
Ravel: Miroirs
Pause
Chopin: 14 Walzer

Zugaben: Ein Andante aus einem von Bach bearbeiteten Vivaldi-Konzert in einer Klavierfassung sowie ein kleines Stück von Rameau

Zunächst ist vorab kurz anzumerken, dass die von Bechstein veranstalteten Konzerte in einem kleinen Saal stattfinden, in welchem sonst v.a. Lesungen etc. abgehalten werden. für diesen Saal ist der Bechstein-Flügel einfach zu groß. Und letzterer erwies sich als ein großes Problem für Tharaud: Er kam bei den Scarlatti-Sonaten mit diesem einfach nicht zurecht. Der Flügel hört sich in den tiefen Lagen wie im Diskant fast genaus laut an. Zudem ist es sehr schwer, dieses Instrument zum klingen zu bringen. Ohne Pedal geht dies nahezu gar nicht und auch mit Pedal kommt es kaum rüber.

Tharaud versuchte sich in einer romantischen Deutung der Scarlatti-Sonaten. Er begann mit der durch Horowitz berühmt gewordenen Sonate in E-Dur. Bis ihm diese Sonate auch nur annähernd grazil gelingt, dürfte er noch viel üben müssen. Die Sonate L422, die Martha Argerich oftmals als Zugabe spielt, kam ebenfalls viel zu laut herüber. Nach unserer Einschätzung war er bei Scarlatti durchgefallen.

Eine Steigerung konnten wir bei den höchst schwierigen "Miroirs" von Ravel erleben. Man merkte gleich, dass er sich bei dem Repertoire viel wohler fühlt. Gleichwohl kam er auch hier im berühmten "Alborada" nicht mit der Lautstärke des Instruments zurecht. Leichte Enttäuschung zur Pause.

Nach der Pause dann 14 Walzer von Chopin, die er auf seiner jüngsten CD eingespielt hat. Hier entschädigte er dann doch für einiges, was er im 1. Teil hatte vermissen lassen. Gleichwohl geriet seine darstellung immer wieder ein wenig hektisch. Ihm fehlt einfach eine gewisse Ruhe in seinem Spiel.

2 Zugaben, von denen die erste wohl die schönste Darbietung des Abends war. bei Rameau fehlt ihm ein wenig Finesse wie man sie von Barto her kennt. Zudem ist genau diese Miniatur ein von Sokolov gespieltes Zugabenstück. Und damit werden wir ihn am 2.11. in Düsseldorf hören.

Bei Bechstein habe ich jetzt vielleicht 5 oder 6 Konzerte erlebt. Bislang ist eindeutig Steven Osborne mit dem Instrument am besten zurecht gekommen und auch die Leistung von Anna Gourari ist dahingehend als "top of the top" einzuordnen, wie Siamak immer sagt. Er hatte in der Pause die Idee, man könne doch demnächst einen Steinway-Flügel verwenden und das Bechstein-Logo darüber kleben.... :haha
nikolaus (26.10.2006, 23:00):
Ob es große Ereignisse werden, weiß ich noch nicht, aber ich habe in nächster Zeit viel vor :leb, aber auch viel investiert :I:

2.11. Martha Argerich und Lilya Zilberstein in Hamburg (Mozart, Schumann, Shostakovich, Brahms, Milhaud)

25.11. Operngala in Essen, u.a. sind Grace Bumbry und Agnes Baltsa angekündigt (das ist eher ein Experiment für mich, bin mir nicht sicher, ob es gut und schön wird)

28.11. (heute eine der Restkarten ergattert :rofl) Krystian Zimermann in Essen (Chopin, Sonaten 1,2,3)

3.12. noch einmal Martha Argerich, diesmal mit Gidon Kremer in Köln (Schumann, Bartok (u.a. Die Kinderszenen :down, wobei sich das Programm sicher noch ändern wird))

Mal sehen...

Nikolaus.
cellodil (27.10.2006, 00:56):
Original von nikolaus
3.12. noch einmal Martha Argerich, diesmal mit Gidon Kremer in Köln (Schumann, Bartok (u.a. Die Kinderszenen :down, wobei sich das Programm sicher noch ändern wird))


@nikolaus

Nicht, dass mich die anderen Konzerte nicht interessieren würden, aber auf das bin ich wirklich neidisch. Ich wollte die beiden nämlich im Dezember in München oder in Zürich hören, kann aber jetzt wegen anderer Termine doch nicht hinfahren... :(

Von dem Abend musst Du dann unbedingt erzählen!!!!

Grüße

Sabine
(ganz leicht grün werdend)
nikolaus (27.10.2006, 09:41):
@ Sabine

Ich glaube, in Paris geben sie auch noch ein Konzert, wie wär's damit?

Ansonsten: bitte nicht grün werden, ich werde auf jeden Fall berichten!

Gruß, Nikolaus.
Jeremias (27.10.2006, 10:45):
Ich hatte auch überlegt, ob ich das Konzert in Köln besuche, aber ich muss sagen, dass mich das Programm nicht sonderlich anspricht. Ich kann mit den Werken von Bartok nichts anfangen, mag sie halt einfach nicht und dafür gebe ich kein Geld aus, auch wenn es Martha ist... ich habe die beiden mit der 1. Sonate von Schumann einst gehört und es war schon faszinierend, wie die beiden miteinander auf der Bühne harmoniert haben (sie sollen wohl sogar mal verheiratet gewesen sein). Ich werde mir aber die beiden Werke von Bartok noch einmal mit den beiden auf CD anhören, vielleicht entscheide ich mich ja doch noch anders.... :haha
cellodil (27.10.2006, 22:43):
Original von Jeremias
sie sollen wohl sogar mal verheiratet gewesen sein

@Jeremias
... das wäre mir neu. Bist Du Dir sicher??? Das müsste ja in jüngerer Zeit gewesen sein. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, dass das in den Biografien von Kremer (wunderbare Bücher übrigens, sehr schön fand ich vor allem die "Kindheitssplitter") irgendwo erwähnt worden wäre. Kann mir auch nicht vorstellen, dass ich das überlesen habe (sonst: Asche auf mein Haupt).

Grüße
Sabine

P.S. Vielleicht auch noch ein Thema: Künstlerehen... Oder Künstlerpartnerschaften (da gibt es ja das witzige Buch von Arnold Steinhardt, "Mein Leben zu viert")



Original von nikolaus
@ Sabine

Ich glaube, in Paris geben sie auch noch ein Konzert, wie wär's damit?

Ansonsten: bitte nicht grün werden, ich werde auf jeden Fall berichten!

Gruß, Nikolaus.

@Nikolaus

Mit Paris wird's wohl auch nix...

Freu' mich auf Deinen Bericht.

Grüße

Sabine
(schon wieder ein bisschen weniger grün)


P.S. Das gehört ja eigentlich alles nicht wirklich zu diesem Thema... :ignore
sorry!
Gamaheh (27.10.2006, 23:01):
Original von nikolaus
2.11. Martha Argerich und Lilya Zilberstein in Hamburg (Mozart, Schumann, Shostakovich, Brahms, Milhaud)


Hallo Nikolaus,

da beabsichtige ich auch zu sein, es sei denn, ich bekomme an der Abendkasse keine Karte mehr (es wäre das erste Mal).

Grüße,
Gamaheh
Jeremias (27.10.2006, 23:14):
Auch die beiden habe ich im Duo schon erlebt, es war ein sehr schöner Abend, aber Zilberstein hat in puncto Finesse nicht ganz die Klasse einer Martha. Es gibt einfach nur 2 Pianisten, die ihr ebenbürtig sind oder waren: Nicolas Economou und Nelson Freire! :down
Jeremias (29.10.2006, 12:22):
Gestern Abend in der Oper Wuppertal:

PIQUE DAME von Tschaikowsky,

es war ein einmaliges Erlebnis, Kritik folgt!
nikolaus (29.10.2006, 21:06):
Original von Jeremias
Auch die beiden habe ich im Duo schon erlebt, es war ein sehr schöner Abend, aber Zilberstein hat in puncto Finesse nicht ganz die Klasse einer Martha. Es gibt einfach nur 2 Pianisten, die ihr ebenbürtig sind oder waren: Nicolas Economou und Nelson Freire! :down

Da gebe ich dir Recht, aber trotzdem ist es eine tolle Partnerschaft.
Ich habe beide vor zwei Jahren ebenfalls in HH und letztes Jahr in Dortmund erlebt. Zilberstein war jeweils überaus motiviert und zeigte eine grosse Lust am Spiel mit Martha Argerich; es war ein richtiges Geben und Nehmen, absolut faszinierend.

Dieses Jahr dann Martha Argerich und Nelson Freire: zwei ebenbürtige, in der Tat!

Nikolaus.
Jeremias (29.10.2006, 22:40):
Warst Du da auch in Essen? es war eine absolute Sternstunde! Ich erlebte Martha auch einmal mit Alexandre Rabinovitch, man merkte doch einige Defizite gegenüber Martha. Nelson Freire dagegen war wirklich einsame Klasse!
nikolaus (29.10.2006, 22:52):
Original von Jeremias
Warst Du da auch in Essen? es war eine absolute Sternstunde! Ich erlebte Martha auch einmal mit Alexandre Rabinovitch, man merkte doch einige Defizite gegenüber Martha. Nelson Freire dagegen war wirklich einsame Klasse!

Äh, ja, siehe in diesem thread weiter oben :wink
Jeremias (03.11.2006, 00:43):
Heute in der Düsseldorfer Tonhalle:

Grigory Sokolov mit Werken von Bach, Beethoven und Skriabin und 5 Zugaben, davon 4x chopin.... ich bin leider ein wenig enttäuscht, Rezension folgt morgen!
Rachmaninov (03.11.2006, 07:43):
Original von Jeremias
Grigory Sokolov mit Werken von Bach, Beethoven und Skriabin und 5 Zugaben, davon 4x chopin.... ich bin leider ein wenig enttäuscht, Rezension folgt morgen!

Oh Jeremias,

das verwundert mich und um so mehr bin ich gespannt was Du in der Rezension morgen schreiben wirst!

Richard
nikolaus (03.11.2006, 09:31):
Gestern abend in der Hamburger Laeisz-Halle:

Martha Argerich und Lilya Zilberstein

Erschrecken wenig Zuschauer/Zuhörer, die Halle war nur etwa zur Hälfte besetzt, dafür war das wenige Publikum absolut begeistert und machte dieser Begeisterung auch Luft; da kann sich mancher voll besetzter Konzertsaal hinter verstecken!

Programm:
W.A.Mozart: Fantasie f-moll KV 608
Andante mit Variationen KV 501
Sonate B-Dur KV 186c
R.Schumann: Andante und Variationen B-Dur op. 46
D.Schostakowitsch: Concertino a-moll op. 94

J.Brahms: Variationen über ein Thema von Haydn op. 56b
D.Milhaud: Scaramouche op. 165b

Zugaben: aus M.Ravel: Ma mère l'oye,
aus S.Rachmaninov: Sechs Duette op. 11
"Rausschmeißer": Stück eines russischen Komponisten für präpariertes
Klavier

Alles in allem ein schöner Abend, auch wenn es manchmal vielleicht etwas holperte. So etwas stört mich bei ihnen eigentlich nicht, dafür zeigen sie einfach zu viel Freude am Musizieren.
Mozart war sicher etwas zum "warm werden", aber auch hier wunderschöne Momente, und hier sei einmal betont, daß gerade Martha Argerich sanfte Töne von großer Intensität schaffen kann - das wird bei ihr meistens unterschlagen.
Schumann fand ich fast am schwächsten, aber das liegt wohl eher an dem Stück an sich (oder ich konnte dem "roten Faden" nicht folgen).
Schostakowitsch war neu für mich. Ein abwechslungsreiches, recht "tänzerisches" Stück. Es wirkt vielleicht etwas oberflächlich, aber ich glaube, das täuscht. Man sollte es öfter hören. Auf jeden Fall waren hier beide in ihrem Element!
Brahms habe ich mit Martha Argerich in verschiedenen Konstellationen häufiger gehört und bin jedesmal erstaunt, wie unterschiedlich es jedesmal klingt. Mit Nelson Freire dieses Jahr in Essen hatte sie mir allerdings besser gefallen, es war mehr "Größe" i.S.v. "majestätisch" dabei.
Milhaud ist einfach eine gute-Laune-Musik und kommt dem Temperament v.a. von Martha Argerich entgegen. Aber auch hier gelang der langsame mittlere Satz sehr schön!

Faszinierend ist, wie entspannt Martha Argerichs Hände beim Spielen wirken. Eigentlich spielt sie total unspektakulär: fast beiläufig streicht sie über die Tasten und produziert doch ganz differenzierte Töne in immer anderen Farben; sie hat da keine Grenzen!

Nun bin ich gespannt auf ihren Abend mit Gidon Kremer in Köln (ob sie wirklich die Kinderszenen spielt?)

Gruß, Nikolaus.

@Gamaheh: Warst du auch da? Wenn ja, wie ist deine Meinung?
Jeremias (03.11.2006, 10:20):
Ich glaube Dir, dass es ein wunderschöner Abend war! Den "Rausschmeisser" kenne ich, es ist ein Stück von Swiridov, das andere Schüler meiner früheren Klavierlehrein mal bei Jugend Musiziert gespielt haben :D
Rachmaninov (03.11.2006, 10:31):
Original von nikolaus
D.Schostakowitsch: Concertino a-moll op. 94


Ein tolles Werk! Hätte ich auch zu gerne live erlebt :beer
Jeremias (03.11.2006, 12:50):
Nun zu meinem Sokolov-Erlebnis:

Ich sass hinter der Bühne auf dem Podium und hatte somit Einblick in die gesamte blaue Kuppel der Tonhalle. Das Licht war stark gedämpft.

1. Teil:

Bach: 3. Französische Suite

Beethoven: Sonate Nr.17 "Sturm"

Bach war natürlich einmalig. Es war für mich mittlerweile das 8. Erlebnis mit sokolov, aber erstmals sass ich derart nah dran, dass ich nur auf seine Hände fokussiert war. Interessanterweise spielte er viele Triller mit dem 3. und dem 5. Finger, soweit man das sehen konnte. Interpretatorisch war die Suite auf höchstem Niveau, es war der stärkste Eindruck an diesem Abend. es folgte die Sturmsonate von Beethoven, die leider eher zu einem lauen Herbstwind geriet. Den 1. Satz spielte er in den langsamen Stellen sehr frei, dann wiederum leider etwas zu starr im Tempo, sehr wenig Freiheiten, desöfteren vernebelte er Töne mit dem Pedal. Der langsame Satz war schön klar gestaltet, der Schlusssatz für meinen Geschmack auch zu "unfrei", zu sehr klammerte er sich an die metrischen Vorgaben.

2. Teil:

Skriabin: Prelude und Nocturne op.9 für die li. Hand, 3. Sonate fis-moll, 2 Poèmes op.69, 10. Sonate op. 70, Vers la flamme op.72

Eine eher ungewöhnliche Reihenfolge. Höhepunkt war sicherlich die 3. Sonate, dier er ja auch auf CD veröffentlicht hat. Je mehr er im Programm voranschritt, desto schwieriger wurde es, ihm konzentriert zu folgen. Ich weiss nicht, wie es Euch geht, aber ich selber habe immer wieder Probleme mich mit spätem Skriabin anzufreunden. Vielleicht auch deswegen dieser gespaltene Eindruck meinerseits. Natürlich hat er seine Sache sehr gut gemacht, aber es war mir bisweilen generell ein bisschen zuviel forte oder fortissimo.

Zugaben: 4 x Chopin (Walzer a-moll, Impromptus Nr.2 & 1, Mazurka e-moll) sowie einen kleinen Skriabin hinterher.

Mit den Impromptus hörte ich ihn bereits im vergangenen Jahr und ich muss sagen, dass er - wie viele Russen - leider kein Chopin-Spieler ist. Zu schnell, zu kräftig. Es fehlt einfach an einer gewissen Noblesse. Ich hätte gerne ein wenig mehr Bach, Rameau oder Couperin gehört! Weiterhin ist mir aufgefallen, dass seine triller in der Barockmusik wirklich einmalig sind, diese aber in der Klassik, Romantik oder Spätromantik aber nicht passen. Diesen Eindruck hatte ich bereits desöfteren bei ihm.

Und noch ein negativer Beigeschmack, für den er aber nichts konnte: Gegenüber unserer Plätze im Rang fotografierte jemand während des ganzen Konzertes. Derjenige benutzte ein relativ helles, ja fast grelles Licht, welches immer wieder in unsere Richtung aufleuchtete und einen in der Konzentration störte, da man immer wieder abgelenkt wurde. Auch auf mehrere Beschwerden hin wurde dies im 2. Teil nicht unterlassen. Bei einem Preis von stolzen 35 € pro Karte eine Zumutung....

die nächsten beiden Konzerte werden Highlights: Zimerman in Köln und das requiem von Mozart am 1.12. in der Tonhalle :down
Jeremias (03.11.2006, 16:59):
Kleiner Nachtrag zu dem "Lichtproblem" gestern: Der Konzertveranstalter persönlich hat mich gerade angerufen, er kann meinen Unmut verstehen, er und Sokolov waren nicht informiert, es muss jemand aus dem Konzerthaus gewesen sein. Er dankt mir für den Hinweis und wird da nä. Woche Stunk machen :D
Gamaheh (03.11.2006, 21:23):
Original von nikolaus
Gestern abend in der Hamburger Laeisz-Halle:


Hallo Nikolaus,

ja, ich war auch da (offensichtlich hatte ich keine Probleme, an der Abendkasse noch eine Karte zu bekommen), und mein Eindruck deckt sich mit Deinem.

Ich finde es (als Hamburgerin) immer ein wenig peinlich, wenn die Musikhalle so spärlich besetzt ist. Aber es ist richtig, daß das Hamburger Publikum immer vor Begeisterung tobt (wenn nicht gerade etwas Modernes gegeben wird), auch wenn ich das Getrampel, Gepfeife und Wolfsgeheul - auch bei der größten Begeisterung - oft als etwas unpassend empfinde.

Zu den Pro Arte-Konzerten kommen viele Leute nicht mehr, weil sie so teuer sind (im Volksmund: Pro pecunia).. Wer oder was soll nur die Elbphilharmonie füllen, wenn sie denn gebaut wird?

Für mich war es genau auch "alles in allem ein schöner Abend", aber nichts, was mich nicht in den Schlaf hätte kommen lassen. Ich hätte gerne Martha Argerich mal alleine gehört, mir schienen die beiden mehrere Klassen auseinander zu liegen. Lilya Zilberstein empfand ich - sowohl vom Anschlag als auch vom Gestus - als ein wenig ... bäuerisch.

Nichtsdestotrotz war es einer von den Abenden, wo die Leute erfreut und mit glänzenden Augen rausgehen.

Den Schumann fand ich auch eher schwach, interessanterweise enthielt das Stück etwas, was ich im Sommer in einer Komposition von Clara Schumann gehört habe. Und eines von den Mozart-Stücken (ich weiß nicht mehr, welches) erinnerste mich an ein Lied von Loewe, ich glaube "Die verfallene Mühle".

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (03.11.2006, 21:27):
Original von Jeremias
Den "Rausschmeisser" kenne ich, es ist ein Stück von Swiridov :D

Hallo Jeremias,

danke, daß Du diese Lücke gefüllt hast. Weißt Du, womit das Klavier präpariert wird? Jemand brachte ein Beutelchen mit irgendwelchen kleinen Teilen heran, die ich auch mit meinem Feldstecher nicht erkennen konnte, und Lilya Zilberstein disponierte sie irgendwie im Innern des Flügels...

Grüße,
Gamaheh
Jeremias (03.11.2006, 23:12):
das sind ganz normale Metallgegenstände, die auf die Saiten gelegt werden. Meine Lehrerin hat damals immer einen Metallkamm genommen, einen Schraubenschlüssel und was weiss ich...
sound67 (04.11.2006, 15:51):
Gestern abend, Alte Oper FFM:

Igor Stravinsky, Suite No.2
Dmitri Shostakovich: Violinkonzert Nr.1, op.77
Pyotr I. Tchaikowsky: Sinfonie Nr.4

Sergey Khachatryan
HR-Sinfonieorchester
Eliahu Inbal


Der früherere langjährige Chefdirigent des HR-Orchesters mit einem "russischen" Programm. Die "Suite" von Stravinsky besteht aus vier kurzen, abrupten Vignetten mit weniger als 8 Minuten Spielzeit. Sehr farbig, etwas derb - typische balletöser Stravinsky. Das Violinkonzert hatte ich mit Khachatryan ein Jahr zuvor in London gehört, der Solist gefiel mir hier in FFM (noch) besser, aber das HR-Orchester klang zu glatt, zu wenig "schwermütig". Die Tchaikowsy-sche gehobene Salonmusik mit irrwitzigem Tempo abgespult - gut so, so war das Leiden etwas kürzer. Sauberes Orchesterspiel, voller Saal.

heute vormittag (und Mittag, und Nachmittag), Alte Oper:

Generalprobe
Jean Sibelius: Finlandia, op.26
Camille Saint-Saens: Cellokonzert Nr.1
Pyotr I. Tchaikovsky: Rokkoko-Variationen
Antonín Dvorák: Sinfonie Nr.7, op.70

Johannes Moser
Frankfurter Museumsorchester
Eivind Gulbert Jensen

Ein schönes, abwechslungsreiches Programm. Der Sibelius vielleicht etwas zu wenig "reisserisch", eher auf Durchhörbarkeit ausgelegt (etwas kleinere Besetzung als üblich), das Saint-Saens-Konzert (mit mozartianischer Besetzung) angehnehm luftig-elegant, schöner Celloton.

Danach die "Spezialität" dieses jungen Cellisten Moser (mit der er 2002 den Tchaikowksy-Wettbewerb in Moskau gewonnen hatte): die Rokkoko-Variationen, sehr wendig, fast mit ein paar "Verzierungen" zuviel, aber prägnant. Höhepunkt aber die vortreffliche 7. Sinfonie von Dvorák - die besser ist als die "Neue Welt", weil viel schlüssiger und strenger (nur im Finale trifft Vaughan Williams Dvorák-Kritik auch hier zu: "five endings to each movement"), mit dramatischem Flair. Dvorák zeigt Tchaikovsky, wie man Sinfonien wirlich komponiert! Durchweg solide engagiertes Orchester, junger aufstrebender Dirigent aus Norwegen (Masur-Schüler).

Konzerte sind am So um 11.00 und am Mo. um 19. Uhr Hingehen!

Gruß, Thomas
sound67 (07.11.2006, 08:12):
Gerade aus der Provinz heimgekehrt:

Jean Sibelius: Pohjola's Tochter -Sinfonische Dichtung (1893)
Jean Sibelius: Konzert für Violine und Orchester, op.47
Dmitri Shostakovich: Sinfonie Nr.6, op.53

Olga Pogorelowa
Orchester des Staatstheaters Darmstadt
Stephane Blunier

Es ist immer schön, sich hin- und wieder vor Augen zu führen, dass auch die "kleinen" Orchester oprdentlich musizieren können. Immerhin ist das Darmstädter Orchester nominell sogar "A", allerdings ein kleines "a". 14er Besetzung ist Maximum, und das hört sich hin- und wieder dann eben etwas "transparenter" an als gewollt. ;)

Immerhin: Die Konzertmeisterin als Solistin zeigt, dass auch Orchestergeiger virtuose Fähigkeiten besitzen: da gibt es manchen Patzer, und hin- und wieder droht ihr die Puste auszugehen, aber es gelingen Pogorelowa doch einige bemerkenswert schöne Momente. Im Shostakowitsch zeigt sich das Orchester (in der staubtrockenen Akustik des Staatstheaters) von seiner besten Seite, auch wenn GMD Blunier die Tempi etwas sehr(!) straff anzieht - auch im Andagio der Einleitung.

Gruß, Thomas
sound67 (08.11.2006, 13:29):
Gestern abend ein beeindruckender Liederabend in der Frankfurter Oper:

Violeta Urmana, Sopran
Jan Philip Schulze, Klavier

Lieder von Hector Berlioz (Les Nuits d´été -Auszüge), Sergei Rachmaninov (inkl. "Vocalise") und Richard Strauss

Die litauische Sopranistin hat nicht nur ein enormes Organ, sondern zeigt auch Intelligenz und Einfühlungsvermögen bei der Interporetation der Texte - längst nicht jede "hauptamtliche" Opernsängerin ist als Liedsängerin so geeignet. Am besten gefielen mir die Lieder von Richard Strauss, da sie die komplexesten, variabelsten waren - besonders "Wasserrose" op.22/4. Zu den drei Zugaben gehörte auch die Arie der Tosca.

Gruß, Thomas
cellodil (14.11.2006, 18:42):
Letzten Samstag in der Stuttgarter Liederhalle:

SWR Vokalensemble Stuttgart unter Leitung von Marcus Creed

Festkonzert zum 60. Geburtstag des SWR Vokalensembles Stuttgart
- Musik gegen Krieg und Gewalt

Das Programm:

- Heinrich Schütz, 3 Psalmen aus dem "Psalmen Davids" (Psalm 6, 130, 137)
für zwei vierstimmige Chöre
- Wolfgang Rihm, Mit geschlossenem Mund
für 8 Stimmen a cappella
- Arnold Schönberg, Friede auf Erden
für vierstimmigen gemischten Chor a cappella op. 13
- György Kurtág, Ommagio a Luigi Nono op. 16
für gemischten Chor a cappella
- Max Reger, Vater unser
a cappella zwölfstimmig in drei Chören

Selbst für einen Vokalmusik-Muffel wie mich: Ein grandioser Abend. Sehr gelungen war die Verbindung von Alter und Neuer Musik (für die der Chor ja auch bekannt ist). Mir persönlich am besten gefallen haben der Rihm (ein phantastisches Stück) und der Reger. In beide Stücke konnte ich mich so richtig reinfallen und auf den Wogen der Musik, der Töne tragen lassen.

Schade nur, dass das Konzert nicht (wie sonst in dieser Reihe, die ein Extra zum RSO-Abo ist) in einer Kirche stattgefunden hat. Naja trotz des profanen Raums (dessen Akustik nicht so ganz ideal ist): Dem Himmel doch ein gutes Stückchen näher...
:engel

Grüße

Sabine

P.S. Der SWR hat den Abend fürs Fernsehen aufgezeichnet, wird also irgendwann (vermutlich demnächst) mal ausgestrahlt werden. Kann mir allerdings nicht vorstellen, dass sich das im Fernsehen vermittelt, und auch nicht, dass es für so etwas wirklich ein TV-Publikum gibt (ich wollte das nicht anschauen und hatte im Konzert auch häufig die Augen zu).
nikolaus (26.11.2006, 22:35):
Am 25.11.06 in der Essener Philharmonie:
Festliches Gala-Konzert zugunsten der Deutschen Aids-Stiftung (die Verschlüsselung kann ich nicht umgehen, kommt automatisch ?(; Stichwort: rote Schleife)

Essener Philharmoniker, Stefan Soltesz: schwungvoll-tänzerisch, aber nicht ganz einwandfrei
Extrachor des Aalto-Theaters
Kinderchor des Aalto-Theaters

Edda Moser, Moderation: alte Schule, etwas pathetisch, aber nicht ohne Charme

Höhepunkte waren sicherlich die Auftritte von

Grace Bumbry: "Adieu forets", Arie der Jeanne aus Jeanne d'Arc von P.I.Tschaikowsky
Ein berührender Auftritt mit der Würde des alternden Stars. Die Stimme ist natürlich nicht mehr so wie früher, aber sie setzt sie geschickt ein und hat eine bewunderungswürdige Kontrolle. Außerdem macht ihre "Aura", so nenne ich das jetzt mal, alles wett! :down

Agnes Baltsa: "Voi lo sapete", Arie der Santuzza aus Cavalleria rusticana von P.Mascagni und "Oh mio babbino caro", Arie der Lauretta aus Gianni Schicchi von G.Puccini
Auch hier gilt: die Stimme hat nicht mehr so viel Fülle, aber sie kann es immer noch und reißt durch ihre Leidenschaft und Bedingungslosigkeit mit! :down :down

Insgesamt ein schöner Abend, den ich mir aber vorwiegend wegen der beiden "Großen" gegönnt und nicht bereut habe!

Nikolaus.
Jeremias (28.11.2006, 00:00):
Am kommenden Mittwoch in der Kölner Philharmonie spielt der Gott aller Pianisten:



Krystian Zimerman Klavier


Wolfgang Amadeus Mozart

* Sonate für Klavier C-Dur KV 330 (300h)

Allegro moderato
Andante cantabile
Allegretto


Ludwig van Beethoven

* Sonate für Klavier Nr. 8 c-Moll op. 13
'Pathétique'

Grave - Allegro di molto e con brio
Adagio cantabile
Rondo. Allegro


- Pause -

Ludwig van Beethoven

* Sonate für Klavier Nr. 21 C-Dur op. 53
'Waldsteinsonate'

Allegro con brio
Introduzione. Adagio molto
Rondo. Allegretto moderato - Prestissimo


Grazyna Bacewicz

* Sonate Nr. 2 (1953)


Selbstverständlich werde ich berichten!!!
nikolaus (28.11.2006, 23:56):
Gerade zurück von Krystian Zimerman in Essen.

Das Programm sollte ursprünglich die drei Sonaten von Chopin beinhalten, Zimerman hat dann aber folgendes gespielt:

W.A.Mozart: Sonate C-Dur KV 330

L.v.Beethoven: Sonate Nr. 21 C-Dur op. 53 "Waldstein"

- Pause -

M.Ravel: Valses nobles et sentimentales

G.Gershwin: Three preludes for piano -Allegro ben ritmato
-Andante con moto e poco rubato
-Allegro ben ritmato e deciso

G.Bacewicz: Klaviersonate Nr. 2

Zugabe (leider nur eine, und ich komme partout nicht darauf, was es war)

Ein, wie ich finde, überaus interessantes Programm und ein in jeder Hinsicht überaus interessanter Abend, der mich gedanklich sehr beschäftigt.
Mehr möchte ich nicht erzählen, da Jeremias ihn ja morgen in Köln hört. Ich bin gespannt, was er erzählt!

@ Jeremias: Viel Spaß!

Gruß, Nikolaus.
Jeremias (30.11.2006, 00:28):
Nun hatte auch ich das große Vergnügen, Zimerman zu erleben, es war mein insgesamt 7. Konzert mit ihm. Ein ausführlicher Bericht folgt morgen, nur soviel: Der Abend hat auch mich zum Nachdenken gebracht. es war insbesondere die Sonate der polnischen Komponistin Bacewicz, die hierfür gesorgt hat, es erschütterndes Dokument über die Erlebnisse des 2. Weltkrieges. Der Abend war überhaupt sehr auf die klanglichen Elemente und die "Macht der Pausen" zugeschnitten, Zimerman hat richtig mit dem Publikum gespielt. ein sehr eindrucksvoller Abend!

Wie gesagt, Rezension folgt!
nikolaus (30.11.2006, 22:56):
Original von Jeremias
... Der Abend war überhaupt sehr auf die klanglichen Elemente und die "Macht der Pausen" zugeschnitten, Zimerman hat richtig mit dem Publikum gespielt. ein sehr eindrucksvoller Abend!

Wie gesagt, Rezension folgt!

Genau das ist auch meine Meinung!
Wobei leider das Essener Publikum sich nicht richtig darauf einlassen konnte/wollte, so daß etwas von der "Magie", die Zimerman ausübt, regelrecht verpuffte. Gerade in den von ihm zelebrierten "Pausen" und Momenten des Nachhallens und der "Stille" hätte es im Publikum mucksmäuschenstill sein müssen vor lauter Spannung - aber nein, hust, schnief und sogar Handy klingel !!! :S
Ich muß allerdings gestehen, daß ein Teil meiner Konzentration auch darauf abfiel, Hustenreize zu unterdrücken, was mir gut gelungen ist :engel
Nichts desto trotz ein denkwürdiger Abend.
Ich bin gespannt auf deine Rezension, Jeremias.

Gruß, Nikolaus.
Jeremias (30.11.2006, 23:25):
Rezension folgt noch, bin heute ein wenig müde. Leider war es auch bei uns so, viel Husten etc.... wie voll war der Saal bei Euch? Bei uns war er erschreckend leer! Tja, machen sich Essen und Köln eben doch gut Konkurrenz ?(

Ach ja, morgen Abend gibt es das Requiem von Mozart in der D'dorfer Tonhalle :down
nikolaus (01.12.2006, 13:43):
Original von Jeremias
Rezension folgt noch, bin heute ein wenig müde. Leider war es auch bei uns so, viel Husten etc.... wie voll war der Saal bei Euch? Bei uns war er erschreckend leer! Tja, machen sich Essen und Köln eben doch gut Konkurrenz ?(

Ach ja, morgen Abend gibt es das Requiem von Mozart in der D'dorfer Tonhalle :down

Essen war laut Internet fast ausverkauft bis auf wenige Plätze im 2.Rang.
Am Abend selber blieben jedoch einige Sessel leer, insgesamt war es aber zu - na, sagen wir - 6/8 voll.
Problem: wenn sich von diesen vielen Menschen nur die Hälfte von der Musik mitreissen lassen, dann verliert die Atmosphäre. Ich hätte mir da fast einen kleineren Rahmen gewünscht, wobei Zimerman natürlich keine Probleme hat, den grossen Saal klanglich zu füllen.
Übrigens: sein Auftreten empfand ich als sehr angenehm, zurückhaltend und bescheiden aber bestimmt; sehr professionnell.

Viel Spaß beim Requiem!
Bei mir steht am Sonntag der Abend mir Argerich/Kremer in Köln auf dem Programm, wahrscheinlich das letzte Konzert für mich in diesem Jahr und hoffentlich ein Höhepunkt!

Gruß, Nikolaus.
Gamaheh (03.12.2006, 23:26):
Nachdem es mir am Sonnabend (25.) nicht gelungen war, einen der 1900 Plätze in der renovierten Salle Pleyel zu ergattern, um Maria Joao Pires zu hören, am folgenden Tag wieder mal ein Beispiel dafür, daß man häufig die erinnerungswertesten Konzerte außerhalb der großen Konzertsäle erlebt:

Sonntag, 26.11.06, 15 H: Philippe Bianconi spielte für die Fondation Cziffra im Liszt-Auditorium, Chapelle Royale Saint Frambourg in Senlis (ca. 50 km nördlich von Paris)

Programm:
Beethoven. Klaviersonate in c op.13 „Pathétique“
Schumann. Carnaval op.9 (ursprünglich waren die Kreisleriana angekündigt)
Ravel. Drei Stücke aus den Miroirs (Noctuelles, Oiseaux tristes, Une barque sur l’océan)
Liszt. Petrarca-Sonett Nr. 104
Liszt. Mephisto-Walzer Nr. 1
Zugaben: Ein kleines Stück von Listz (habe den Titel nicht verstanden) und Ravel, Jeux d’eaux.

Einer meiner Konzert-Höhepunkte des Jahres. Was soll ich viel dazu sagen, ich fühlte mich gereinigt (wie es unser Satie so schön ausdrückt) und versöhnt.
Aber nicht nur die Musik wird mir in Erinnerung bleiben, auch das Bild des goldenen Scheins der untergehenden Sonne auf den Deckenbögen neben den dunkelblauen Miro-Fenstern zu den Klängen von Liszt ... (Entschuldigung: klingt kitschig, aber war so.)

Ein interessanter Ort mit einer schönen vollen und klaren Akustik. Diese ehemalige königliche Kapelle aus dem 12. Jahrhunder (erbaut auf den Fundamenten zweier älterer), mit den Capetinger Königen und dem französischen Papst Sylvester II. assoziiert, wurde vor 1973, als sie der Pianist György Cziffra erwarb, zuletzt als Garage genutzt. In den Folgejahren renoviert und zum Auditorium Franz Liszt (mit einigen Memorabilia des Komponisten) wieder auf- und ausgebaut, entwarf Joan Miro einige wunderschöne Glasfenster für dieses Gebäude.

Cziffra förderte – ähnlich wie heute Martha Argerich – junge Talente, indem er sie in seinen eigenen Konzerten statt seiner vor großem Publikum Zugaben spielen ließ. Zu diesen gehörte auch als Siebzehnjähriger Philippe Bianconi, wie jemand von der Stiftung in einer Einführungsansprache erklärte.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (04.12.2006, 22:36):
Gestern tatsächlich für mich der Höhepunkt des Konzertjahres:

Anläßlich des 60. Geburtstages von Gidon Kremer:

Martha Argerich und Gidon Kremer in der Philharmonie Köln:

R.Schumann: Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 d-moll op. 121

B.Bartók: Sonate für Violine solo BB 104

R.Schumann: Kinderszenen op. 15 !!

B.Bartók: Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 BB 84

Ein für mich überaus beglückender Abend in einer wohl fast ausverkauften Philharmonie.
Im Gegensatz zum Abend mit Zimerman in Essen liess sich das Publikum vom intensiven Spiel der beiden mitunter so gefangen nehmen, daß es mucksmäuschen still wurde und sich die Hustenexzesse sehr in Grenzen hielten.

Faszinierend ist die Konzentriertheit, mit der Kremer jedes dieser Stücke "zelebrierte" und der man sich kaum entziehen kann. Es gab sowohl bei Schumann als auch bei Bartók, der für mich eigentlich eher schlecht zugänglich ist, Momente, da blieb mir der Atem weg, so intensive und berührende, fast schon schmerzende Töne hat Gidon Kremer "gezaubert".

Sehr zu Herzen gehend auch die Kinderszenen. Es war das erste Mal, daß ich Martha Argerich alleine auf der Bühne erlebte, und ich möchte diesen Moment nicht missen. Mal saß sie da ganz in sich versunken, dann wieder hellwach und lebendig, und ihr Spiel wirkte so natürlich und selbsverständlich, absolut fantastisch!

Ein Abend, den ich nie vergessen werde!!

Nikolaus.
cellodil (04.12.2006, 23:06):
Lieber Nikolaus,

das scheint ja wirklich ein sehr berührender Abend gewesen zu sein. So eine Sternstunde, die man lange mit und in sich trägt.

Danke, dass Du das mit uns teilst.

Herzliche Grüße

Sabine
(nur ein ganz klein wenig grün)
claashorst (05.12.2006, 01:08):
war in etwa auch mein konzerteindruck.
habe mir daraufhin die scriabin-cd von ihm aus petersbug gekauft.
habe ich dann sehr häufig abgehört.
kein einfacher Zugang zum Komponisten.
Das Licht in der Tonhalle ist, wie Du beschreibst ~ ~
CH