Fanny Hensel - The other Mendelssohn

Taniquel (23.05.2017, 23:46):
Ich habe in meinem Vorstellungsthread geschrieben, dass ich momentan eine Seminararbeit über Fanny Hensel schreibe.

Fanny Hensel war die Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy, und sie galt damals als genauso begabt wie ihr Bruder. Sie war eine ausgezeichnete Pianistin und komponierte auch selber, obwohl nur wenige ihrer Kompositionen zu Lebzeiten veröffentlicht wurden. Einige wurden unter dem Namen ihres Bruders veröffentlicht und lange ihm zugeschrieben, einige veröffentlichte sie später auch unter ihrem eigenen Namen. Allerdings galt es zu ihrer Zeit für eine Frau ihres Standes nicht als schicklich, eine andere Karriere als die der Hausfrau anzustreben, weshalb sie immer im Schatten ihres Bruders stand.

Zurzeit arbeite ich mich gerade durch diese Biographie:

R. Larry Todd: "Fanny Hensel - The Other Mendelssohn". Oxford University Press 2010. (gibt es als Taschenbuch oder gebunden)

Das Buch ist auf Englisch und richtet sich nicht gerade an Englischanfänger, doch wer Englisch gut kann und Biographien mag, wird sie wahrscheinlich gerne lesen. Der Autor erzählt über Fannys Leben und vor allem auch über die Beziehung ihres Bruders. Dabei setzt er wenig geschichtliches Vorwissen voraus, und die meisten historischen Themen, die erwähnt werden, werden kurz erklärt. Auch werden viele Stücke von ihr analysiert, und einzelne Stücke sind im Buch speziell markiert, weil man sie sich auf der Begleit-Webpage anhören kann. Erfrischenderweise hebt der Autor zwar die Unterschiede in der Ausbildung der Geschwister hervor, er gleitet aber nie in eine "Die arme, ungeförderte Fanny"- Haltung ab, wie man es teilweise in anderen Biographien sieht. Den es ist leider eine Tatsache, dass Felix mehr gefördert wurde als Fanny, doch auch Fanny hatte für die damalige Zeit eine sehr gute musikalische Ausbildung, besonders für eine Frau.

Vielleicht interessiert sich jemand dafür, besonders, weil es über Fanny Hensel nicht besonders viel Material gibt und die eine oder andere Biographie zu sehr ins Klagen über Geschlechterdiskriminierung verfällt, obwohl diese im 19. Jahrhundert leider einfach Tatsache war.