AcomA (23.04.2006, 14:50): Im Jahre 1837 komponierte Robert Schumann einen Zyklus bestehend aus acht Stücken. Teilweise arbeitete Schumann demnach an den Davidsbündlertänzen. Es gibt Hinweise dafür, dass zuerst die beiden Stücke 'Warum' (Nr. 3) und 'In der Nacht' (Nr. 5) entstanden und der Komponist dann die Idee eines Zyklus, inspiriert durch die griechische Sage 'Hero und Leander', den unglücklich Verliebten, entwickelte. Das Sujet von Hero und Leander unterlegt z.b. auch die Ballade Nr.2 b-moll von Liszt !
'Des Abends', das erste Stück, drückt gerade aus, was Worte allein nicht vermitteln können ! Es steht im 2/8-Takt, die Melodie durchbricht jedoch im 3/8-Takt die Regeln und erwächst aus dem fliessenden 6/16-Takt der Noten. Dieser Zwiedeutigkeit entsprechen auch die wechselnden Harmonien. Die Hände müssen hier völlig unabhängig voneinander denken und ausführen. Für mich eines der größten Klavierwunder ! :down Das Ausdrucksspektrum des Zyklus insgesamt ist sehr breit: das Dämmerlicht in 'Des Abends', die Turbulenz von 'In der Nacht' und das zarte 'Warum?', der heroisch-ekstatische 'Aufschwung' und schließlich das 'Ende vom Lied' mit seiner anfänglichen Energie und Zuversicht, welche einer irrealen Traeumerei weichen. Ungeheuerlich. :engel
Um es vorweg zu nehmen (ich werde es noch näher ausführen), die Interpretation ist für mich pianistisch und von der poetischen Realisierung idealerweise von Arthur Rubinstein repräsentiert ! Es gibt jedoch noch einen anderen Pianisten, den ich persönlich kenne, der auch sehr tief in die Aussagen des Zyklus vorstößt. Soweit die Einführung, liebe Schumann-Freunde.
Gruß, siamak :engel
Cosima (23.04.2006, 15:10): Lieber Siamak,
wie schön, dass das „Schumann-Projekt“ nun weiter geht! :down
Ich werfe gleich mal Richter (wen sonst? :rofl ) ins Rennen, werde aber noch ausführlicher Stellung nehmen. Ich liebe „Traumes-Wirren“ auch sehr.
Gruß, Cosima
Zelenka (23.04.2006, 15:29): Original von Cosima Lieber Siamak,
wie schön, dass das „Schumann-Projekt“ nun weiter geht! :down
Ich werfe gleich mal Richter (wen sonst? :rofl ) ins Rennen, werde aber noch ausführlicher Stellung nehmen. Ich liebe „Traumes-Wirren“ auch sehr.
Gruß, Cosima
An den "Grillen" und an der "Fabel" hat sich Richter offenbar nie öffentlich versucht. - Und an Siamak Dank für weitere hochinteressante Ausführungen zu Schumann.
Gruß,
Zelenka
Cosima (23.04.2006, 15:37): Original von Zelenka An den "Grillen" und an der "Fabel" hat sich Richter offenbar nie öffentlich versucht.
Stimmt, er hat sie merkwürdigerweise auch nie als Einzelstücke eingespielt. Zumindest sind sie nicht auf CD erhältlich. Da stellt sich gleich die Frage, ob man solch einen Zyklus überhaupt auseinander reißen sollte. Ich meine: Nein.
Und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich halte Richters Interpretationen nicht für optimal.
Gruß, Cosima
Zelenka (23.04.2006, 15:49): Original von Cosima Original von Zelenka An den "Grillen" und an der "Fabel" hat sich Richter offenbar nie öffentlich versucht.
Stimmt, er hat sie merkwürdigerweise auch nie als Einzelstücke eingespielt. Zumindest sind sie nicht auf CD erhältlich. Da stellt sich gleich die Frage, ob man solch einen Zyklus überhaupt auseinander reißen sollte. Ich meine: Nein.
Und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich halte Richters Interpretationen nicht für optimal.
Gruß, Cosima
Richter hat die zwei Stücke offenbar auch nie im Konzert gegeben (laut Katalog seiner öffentlichen Konzerte). Optimal ist Richter hier zur Abwechslung sicher nicht, zuweilen hält er sich zu lange an einzelnen Stellen auf, störend für das Ganze. Ansonsten habe ich in diesem Fall nur eine komplette Aufnahme mit Cabasso und einzelne Stücke mit Brendel, Backhaus und Hofmann. Ich bin gespannt auf die Empfehlungen, die kommen werden, damit ich die Lücke in meiner Sammlung endlich reparieren kann.
Wirklich gespannt,
Zelenka
Ganong (23.04.2006, 17:07): Lieber Siamak , Dank für Deine Einführung und die Querverweise . Als ich 2005 vorhatte , "im Alleingang" alle Schumannschen Kompositionen für Klavier solo und das Konzert zu besprechen , da fiel mir der Satz von Harold C. Schonberg ein , der nach einem Konzert von S Richter schrieb , er könne sich nicht vorstellen , dass ein anderer Pianist das Werk ( auch wenn Richter ja sein Leben lang zwei Stücke immer "ausgelassen" hat ) mit einer solchen Intensität spielen könne . ich hörte die herrlich eRichteraufnahme an und wieder an . Und dann fiel mir ein Pianist ein , den hier wahrscheinlich live nie jemand erlebt hat , und der seine Karriere vor allem mit den Werken von Chopin , Johannes Brahms und den Kompositionen spanischer Meister zu Höhepumnkten der Interpretationskultur geführt hatte : Arthur Rubinstein . Seine b e i d e n Aufnahmen des Werkes ( RCA ) sind Sternszunden interpretatorischen Könnens geblieben . Sowohl die Aufnahme aus 1949 als auch die letzte Studioeinspielung Rubinstein sind Glücksmomente der Interpretationsgeschichte ! Dass Rubinstein seine kaum erreichte Aufnahmetätigkeit mit "Des Abends" beschloss , - war es Zufall ? Diese beiden Aufnahmen bleiben meine Refernzaufnahmen . Viele Grüsse , Frank
Ganong (23.04.2006, 17:15): Lieber Siamak , liebe Schumann-Freunde , ich weiss nicht ,m wieviel Pianisten / Oianistinnen sich vor allem einigerEinzelstücke des Werke sangenommen haben . Wilhelm Backhaus spielte in seinem letzten Recital dann im Nachinein Warum ? und die "Traumes Wirren" hat wohl kaum ein Pianist von Rang ( ähnlich dem "Vogel als Prophet" aus den "Waldszenen" ) "ausgelassen " . Darus könnne wir aber keinen Rückschlüsse über eine möglich eGesamtinterpretation der Fantasiestücke schliessen . Claudio Arrau verleiht den Stücken eine innerlich betrachtende Tiefe , die - leider - der technisch perfekten Martha Argerich leider nicht gelingt ( EMI ) . Grüsse , Frank
Ganong (23.04.2006, 17:17): Lieber zelenk a, S Richter hat - wie bei anderen Werken - lapidar geantwortet , dass er diese beiden Stücke nicht möge . Alles Gute , Frank
Zelenka (23.04.2006, 17:36): Original von Ganong Lieber zelenk a, S Richter hat - wie bei anderen Werken - lapidar geantwortet , dass er diese beiden Stücke nicht möge . Alles Gute , Frank
Lieber Frank:
Besten Dank für die Information! Richters Meinung muß man dann einfach respektieren.
Gruß,
Zelenka
Ganong (23.04.2006, 18:02): Lieber Zelenk a, das für Richter abschrendste Beispiel war das 3. Klavierkonzert von Sergey Rachmaninov . Er liebte es . Und er hatte das 2. KK ja mehrfach aufgenommen und öffentlich gespielt . Als wurde er von allen , dei sich eine spektakuläre Interpretation des "Rach-3" erhofften / erwartetetn immer wider bedrängt und gedrängt , das Werk aufzunehmen . Das Orchester hätte er sich wie den Dirigenten aussuchen können . Richter ging dem mit einem einfachen , überzeugenden Satz aus dem Weg :"Es gibt bereits zwei Aufnahmen , die so gut sind , das ich nichts besser machen könnte" . Wir / "man" sollte(n) solch eine Einstellung auch akzeptieren ( lernen ) . Diegrundsätzlich interessante Frage , warum jemand ein Werk nicht auf LP , CD aufegnommen hat , bleibt davon unberührt . Grüsse , Frank
Cosima (23.04.2006, 18:05): Jetzt bin ich wieder im Schumann-Fieber. Dank an Siamak und Frank… :)
Die ganze Liebesgeschichte um Robert und Clara ist schon zum Verzweifeln dramatisch und zum Jubilieren schön, da bräuchte es Hero und Leander gar nicht mehr, weil die Realität mindestens ebenso dramatisch war. Diese unglaubliche Leidenschaft in Robert Schumann erschüttert mich immer wieder! Die Fantasiestücke sind der englischen Pianistin Anna Laidlaw gewidmet, mit der er einige Zeit in Leipzig verbrachte und deren Gegenwart ihn zu beruhigen schien. Aus diesem Grund sind die Stücke zwar überwiegend schwermütig, aber es finden sich auch fast heitere und zuversichtliche Anklänge. Insgesamt sind sie m.E. nicht von der ganz starken Zerrissenheit geprägt, wie sie in den „Davidsbündlern“ deutlich wird.
Nichts desto trotz sind sie wunderschön! Leider habe ich keine adäquate Einspielung zur Hand und freue mich - wie Zelenka - auf Vorschläge. Außer Richter liegt mir nur noch Earl Wild vor. Da ist mir der Richter jedoch viel lieber, da er deutlich mehr Ausdruckstiefe besitzt. Wild spielt sie zwar technisch einwandfrei, aber das ist für Schumann zu wenig. Aber wie ich sehe, wird es wohl auf Rubinstein hinauslaufen.
Kurz noch zu Richter: Er sagt in seinen Erinnerungen, dass er „Des Abends“ besonders mochte, weil es auf Debussy voraus weise. Nun ja, so richtig gemocht hat er wohl den ganzen Zyklus nicht, sonst gäbe es auch nicht diese Lücken. Schade.
So liest sich übrigens die Hero und Leander-Liebesgeschichte auszugsweise aus der Feder von Schiller:
Heros und Leanders Herzen Rührte mit dem Pfeil der Schmerzen Amors heil'ge Göttermacht. Hero, schön wie Hebe blühend, Er, durch die Gebirge ziehend Rüstig, im Geräusch der Jagd. Doch der Väter feindlich Zürnen Trennte das verbundne Paar, Und die süße Frucht der Liebe Hing am Abgrund der Gefahr.
:engel
Gruß, Cosima
Ganong (23.04.2006, 18:32): Liebe Cosima , also die beiden Rubinstein - Einspielungen ( auf jeden Fall aber die späte ) solltest Du Dir doch besoregn . Un dRichter liebte (!!!) den Zyklus sehr . Und seine Aufnahme , die ich kenne , ist doch interpretatorisch einfach ganz wundervoll . ich finde , dass sie eine der besten und vor allem innigsten von Richter ist . Martha gewinnt dem Werk wundervolle Momente ab ; würde sie dann nicht doch hin und wieder die Virtuosin hervorkehren . Wohl auch eine temperatemntssache . Da die Aufnahme bei EMI mit der C-Dur-Fantasie gekoppelt ist , bin ich überrascht gewesen , wie Martha es gelingt in der ja in jeder Hinsichet heiklen C-Dur-Fantasie dermassen innig zu spielen . Dies gelingt ihr - für mich war dies selbstverständlich ! - in den Kinderszenen exemplarisch ; eine wunderschöne Aufnahme . Alles Gute , Frank
Cosima (23.04.2006, 18:41): Original von Ganong Un dRichter liebte (!!!) den Zyklus sehr . Und seine Aufnahme , die ich kenne , ist doch interpretatorisch einfach ganz wundervoll . ich finde , dass sie eine der besten und vor allem innigsten von Richter ist .
Lieber Frank,
voraus schließt Du das denn? Sagte er es selber? Wenn es so wäre, dann hätte er den Zyklus doch komplett eingespielt, oder meinst Du nicht? Ich höre seine Einspielung schon die ganze Zeit nebenbei. Ja, sie ist sehr innig und seine Traumes-Wirren sind ganz hinreißend! Aber dennoch bin ich nicht ganz zufrieden. Aber es nützt ja keine Grübelei – eine Alternative muss her, erst dann kann ich wirklich beurteilen. Ich habe mir den Rubinstein vorgemerkt.
Viele Grüße, Cosima
Cosima (23.04.2006, 19:42): Wegen Rubinstein:
Ich nehme an, dass es sich um diese beiden CDs handelt - aus den 70-ern und die alte Mono-Aufnahme aus der Rubinstein-Collection.
http://www.wom.de/image/middle/front/0/2357230.jpg und http://www.wom.de/image/middle/front/0/3222728.jpg
Frank hat die späte vorgeschlagen, und Siamak wird noch mehr Licht in das Dunkel bringen und sagen, welche der beiden aus seiner Sicht vorzuziehen wäre. Ich möchte nämlich nur eine von Rubinstein für den Anfang. Herzlichen Dank für die Anregungen aber jetzt schon von meiner Seite.
arthur rubinstein hatte ein bewegtes und dazu noch sehr langes leben. die interpretationen des älteren arthur rubinstein vermitteln durchweg dieses 'glück', ein glück, welches sich auf den hörer überträgt. und damit man mich nicht missversteht, es ist keine routine, im gegenteil, bewegendes und spontanes klavierspiel mit extremem inneren und äußeren einsatz. das instrument ist, und das ist das ganz besondere, ein verlängertes organ, eine verlängerte lunge, ein verlängerter arm, ein verlängertes gehirn ! natürlich sind die beiden oben erwähnten aufnahmen von Frank und Cosima top of the top ! da würde ich die spätere von 1962 wegen der stereo-bedingungen schon alleine deswegen vorziehen. ich habe sie gekoppelt mit dem carnaval und dem 'vogel als prophet'.
aber es gibt noch ein drittes dokument dieses wunderbaren menschen. es handelt sich um seinen letzten öffentlichen auftritt, 15.01.1975. da war der pianist schon an die neunzig jahre alt, hat kaum noch funktionelle sehkraft. das recital fand in pasadena statt. ein feiner vorort nordöstlich von los angeles, wo sich auch das californian institute of technology befindet, genannt caltec, albert einstein arbeitete hier. ich hatte das glück, diese institution besichtigen zu dürfen. nun gibt es neben der cd auch einen fernsehmitschnitt von diesem ereignis. natürlich greift hier rubinstein ganz gelegentlich mal daneben, was in den studio-aufnahmen nicht passiert. dafür geht er hier an die grenzen des ausdrucks. die zuversichtliche kraft und der impetus im 'ende vom lied' sind exorbitant, die ausklingenden takte klingen geradezu wie ein abschied, im sinne einer abrundung eines ereignisreichen und intensiven lebens. und sein 'singen' kommt einem noch sonorer, beglückender vor. also unabhängig von den anderen aufnahmen rubinsteins würde ich die doppel-cd des pasadena-recitals jedem klavierfan empfehlen (u.a. appassionata). :down für mich ist die doppel-cd ein zusätzliches andenken, da ich sie beim vorletzten aufenthalt in teheran kaufte. sie war gut sichtbar in der vitrine ausgestellt mit dem titel 'recital for israel' ! der jetzige regierungschef war gerade ein paar wochen im amt :D !
als alternative empfehle ich den 'gesangskünstler' boris bloch. ich stellte ihn in einem eigenen thread vor. es handelt sich um eine italienische studio-aufnahme aus den 80er jahren. gekoppelt ist die dritte sonate f-moll (Agora, DDD, leider keine abb. im netz). auch bei boris bloch dient der flügel als verlängertes organ. seine art des spiels ähnelt rubinstein doch sehr. er legt sich mit dem rücken nach hinten und streckt die hände über der distanz aus und 'atmet' in großen bögen auf dem flügel, mit geschlossenen augen und glückseligem antlitz. ein genuss, ihn und auch rubinstein zu sehen ! :down
arthur rubinstein überreicht auf dem photo von 1977 boris bloch den zweiten preis beim arthur-rubinstein-wettbewerb in tel aviv !
gruß, siamak :engel
Ganong (24.04.2006, 12:04): Liebe Schumann - Freunde , liebe Cosima , lieber Siamak , chronologisch nichtg ganz richtig gibt es dann noch eine vierte Aufnahme . 1962 aufgenommen ( RCA ) . Meiner Meinung nach die schwächste Interpretation . Diese Aufnahmeist enthalten in : "The Great Pianists of the Century" . Siamak hat recht bezüglich des Altersstiles von Rubinstein . Wichtig ist auch sein hinweis auf Rubinsteins Interpretation der Appassionata" von Beethoven , die Rubinstein mit seinem goldene n Ton vielleicht doch eini wenig zu domstieziert spielte . Das "recital for Israel" war beim Erscheinen gleichzeitig ein ( politioscher ) Spendenaufruf Rubinsteins . Nicht viel später starb Rubinstein . Er wurde eingeäschert ( auf eigenen Wunsch ) . Und das Makabre an der Freigabe der Urne über dem Mittelmeer war , dass der derselbe Pilot flog , der auch die Aasche von Adolf Eichmann dem Meer "anvertraute" . Kein Kommentar . Grüsse , Frank
Cosima (24.04.2006, 12:41): Um das mal eben zu sortieren:
Es existiert die alte Mono-Aufnahme (wie von mir rechts oben gezeigt). Dann die aus 1962, gekoppelt mit Carnaval (von Siamak empfohlen). Eine weitere aus 1962 (von Frank als schwächste eingestuft, Great Pianists). Aus den 70-ern (die von mir links aufgezeigte). Aus 1975 jene aus Pasadena, Recital for Israel (von Siamak empfohlen).
Das wären aber fünf. Oder sind die beiden aus 1962 doch identisch? Ich bitte um eindeutige Hinweise zwecks Erleichterung meiner Kaufentscheidung. :)
Gruß, Cosima
Ganong (24.04.2006, 15:02): Liebe Cosima , die Aufnahmen aus 1962 sind identisch . Leider geht dies aus der "Pinaisten-Edition" nicht hervor , sondern nu raus dem Booklet des "Recitals for Israel" ( RCA ) . Beste Grüsse , Frank
Nun, das wird schwieriger als ich dachte. Das Pasadena-Recital ist nur noch – da vergriffen - zu unverschämten Preisen erhältlich. Die 62-er Version scheidet wohl aus. Bleibt also letztlich die Wahl zwischen den beiden Aufnahmen, die ich bereits aufzeigte. Mich würde die Mono-Version nicht abschrecken, wenn sie interpretatorisch wirklich besser ist als die spätere. Ist sie es?
Oder vielleicht doch eine ganz andere Alternative? Was sagen denn die anderen?
Gruß, Cosima
AcomA (24.04.2006, 17:32): liebe Cosima,
schau doch mal, ob du den boris bloch bekommen kannst !
gruss, siamak :engel
Cosima (24.04.2006, 17:44): Original von AcomA schau doch mal, ob du den boris bloch bekommen kannst !
Ich glaube, da ist es fast einfacher, wenn ich Klavierunterricht nehme und die Stücke selber einspiele… kein Boris Bloch weit und breit zu finden. Geht es nicht etwas weniger exotisch, bitte? :rofl
Gruß, Cosima
Ganong (24.04.2006, 18:53): Liebe Cosima , es gibt noch eine herrliche Aufnahme mit Benno Moiseiwitsch . Aber trotz seines überregdnen Schumannspieles , muss ich Dir leider sagenb , dass die Aufnahme , entstanden in Moiseiwitschs pianistischem Zenith , technisch eben nicht Deinen Ansprüchen gerecht wird . Boris Bloch hat sich schon 1994 wild beschwert , dass es auf dem deutschen Markt keine einzige seiner aufnahmen gab . Bleibt noch Martha Argerich . Aber wenn Rubinstein greifbar ist , dann die letzte Aufnahme - kein Zweifel . Viel Erfolg ! Frank
Ganong (28.04.2006, 11:43): Liebe Cosima , liber Siamak , selbst über amazon.fr sind bis auf eine Lisztaufnahme alle Einspielungen von Boris Bloch nicht erhältlich . herr Bloch hatte sich , wie bereits mitgeteilt , bereits im persönliochen Gespräch 1994 darüber ( zu recht 9 geärgert , dass in Deutschland keine einzige seiner Aufnahmen erhältlich gewesen ist . Viele Grüsse , Frank
danke für die Erwähnung der letzten Rubinstein Aufnahme. Ich habe sie heute auf LP gekoppelt mit Beethovens op.31,3 bekommen und bin sehr gespannt.
Rachmaninov (28.05.2006, 20:56): Hallo,
was die o.g. Rubinstein Aufnahme von op.12 angeht kann ich nur zustimmen. Wundervolles "leuchtendes und farbiges" Klavierspiel. Sehr schöne Aufnahme. (leider nur eine Leihgabe :I )
raro (24.08.2006, 10:52): Hallo Leute!
Da ich nun wieder im Schumannfieber bin, hab ich mir für die nächste Zeit, also nach dem ich Chopin und Bach fertig einstudiert habe, ein Werk von Schumann zum Üben ausgesucht. Ich schwanke nur noch zwischen den Kinderszenen und den Fantasiestücken.
Da ich eigentlich kein Solowerk von Schumann, nur die Violinsonate op. 105, im Repertoire hab, hab ich mir gedacht, dass op. 12 zum Einsteigen sicherlich gut wären. Oder würdet ihr die Kinderszenen bevorzugen? Ich bin mir zurzeit noch unschlüssig.... ?( Gefallen würden mir ja beide, wobei ich glaube, dass die Fantasiestücke doch technisch ziemlich schwerer als die Kinderszenen sind.
Und zu den erwähnten Aufnahmen: Ich finde, dass die Argerich zu sehr über op. 12 rast, mit Ausnahme von "In der Nacht". Das bekommt sie wirklich gut hin, dieses Zerissene und mystisch Dämonische. Ansonsten würde ich auf die Schumann Edition von Claudio Arrau verweisen. Ein begnadeter Schumanninterpret!!! Bei seinen Einspielungen denk ich mir immer: So muss es Schumann gewollt haben.
Aber gut, nun noch ein paar Zeilen zu den Fantasiestücken, so wie sie auf mich wirken:
1. Des Abends: Die Dissonanzen im ganzen Stück und der perlend leichte Klang sinken wie ein leichter Nieselregen an einem frühen Herbstabend. Der Wind weht leise dazu und das Wechseln der Stimmen in der rechten Hand hören sich an als ob der Wind ständig die Richtung ändern würde.... bis der Regen endlich aufhört und ein letzter Sonnenstrahl noch den Horizont streif.
2. Der Aufschwung: Ich finde, dass das eine gelunge Überleitung zum 1. Stück ist. Es ist als ob plötzlich in der Nacht in aller Ruhe ein Gewittersturm ausbrechen würde. Das Zwischenspiel mit den perlenden 16tel Läufen symbolisiert für mich wieder den Wind, der nicht so recht weiß wo er hin soll und dann wieder in Blitz und Donner endet. Der Mittelteil in B-Dur ist als ob die schweren Wolken sich auflockern, weiter ziehen wollten, es jedoch nicht zustande bringen bis der letzte Blitz nicht zum Himmel erstrahlt ist - in traurigem f-Moll.
3. Warum?: Einfach nur Schumann! Ein Wirr-Warr aus verschiedenen Stimmen, die sich nicht einig werden, wer jetzt die Oberhand gewinnen solle - entweder der dunkle Bass oder der zarte, liebliche Sopran. Für mich ist es auch eine Art Bezeugung der Schumann'schen Zerrissenheit in seinem Herzen, welche jedoch nicht in einem konsequenten Schluss endet, sondern sich in Synkopen undendlich weiterspinnen ließe....
4. Grillen: Ein warmer Sommerabend an dem die Grillen kräftig um die Wette zirpen, um die ausstehende Nacht zu begrüßen... und vielleicht um einander werben? Im Mittelteil hört man ein deutliches Abklingen der Situation, die durch Synkopen unterstrichen wird - als wollten die Grillen sich bereits zur Nachtruhe begeben. In der "Reprise" formieren sie sich jedoch wieder zu einem fulminanten Ende, um dann dem nächsten Stück den Weg zu ebenen.
5. In der Nacht: Schumann selbst sagte einmal, dass im der 5. Stück sehr am Herzen läge und es im am besten von allen gefiele. Wen wunderts? Es ist typisch für ihn... Dieser Stil und die aufsteigenden Triolen strotzen nur so von einem innerlischen Kampt mit der Nacht selbst, in der man sich mit Albträumen herum plagt.... Es sind auch die vielen Harmoniewechsel für irgendwie sehr charackteristisch für einem Albtraum, in dem man ja auch alle möglichen Fasseten wahrnimmt, diese aber nicht wirklich zusammenhängen bzw. -passen.
6. Die Fabel: Ich betrachte es als eine Art Auflösung des "In der Nacht" nach dem man quasi nach dem schlimmen Traumaufgewacht ist und sich dann wieder niederlegt und beruhigt weiterschlafen kann. Das Eintauchen in den neuen "Fabeltraum" ist wunderbar mit den ersten 3-4 Takten gemacht. In denen man sich wieder der Traumwelt übergibt, in der es dann wider Erwarten lustig und froh zu geht.
7. Traumeswirren: Das Stück spricht für sich.... Ein heiterer Traum, der sich turbulent aufbaut, weiterentwickelt und sich dann in luftigen aufsteigenden F-Dur Akkorden auflöst und unscheinbar verblasst.
8. Das Ende vom Lied: Ein neuer Tag bricht an! Dieser wird durch kräftige aufsteigende Akkorde eingeleitet. Es kommt mir speziell bei Arrau so vor als, würd ich bei den Oktavverdoppelungen Posaunen oder Hörner hören, die doch sich doch etwas wehmütig von den Fantasiestücken verabschieden, als ob sie nicht enden sollten... Der Mittelpart lässt noch das letzte Nachsinnen an einen Traum verspüren, dan den man sich nach dem Erwachen noch wage erinnert. Und zum Schluss die Coda setzt nun endlich einen mehr als gelungenen Eck- und Endstein für die Fantasiestücke, in der das 8. Thema sehr breit auseinander gezogen noch einmal vorgestellt wird.
9. Appendix: Der Anhang wird von Arrau als 5. Stück, also nach den Grillen gespielt. Das finde ich auch sehr passend! Nun noch einige Worte dazu: Die sich aufbauende Polyphonie wirkt sehr nach vorwärts drängend und in allen Farben schimmernd. Bei Schumann finde ich es immer wieder fantastisch, dass er es zusammenbringt, mit einem Thema in einer Tonart zu beginnen, um dann plötzlich, durch Setzen von nachfolgenden Stimmen, die Tonart schlagartig zu ändern und so den Zuhörer zu verwirren, verzaubern, überraschen.... Das hört man in dem Stück speziell. Der Zwischenteil ist wieder sehr piano und baut sich nach und nach auf, um das Thema wieder in kräftigen forte zu präsentieren. Das Stück endet wieder Erwarten in leisem As-Dur und verstreicht so aus des Hörers Ohren...
So, ich hoffe, dass ich ein bisschen meinen Eindruck von den Fantasiestücken vermitteln konnte. Kommentare sind herzlich willkommen!
raro
AcomA (24.08.2006, 18:17): lieber raro,
herzlich willkommen und dankeschön für die detaillierten eindrücke zu den einzelnen charakterstücken. als schumann-einstieg werden ja häufig die kinderszenen herangezogen. es stimmt, dass die fantasiestücke op. 12 deutlich technisch anspruchsvoller sind. du musst also selbst deine fähigkeiten einschätzen.
gruß, siamak :)
Ganong (26.08.2006, 16:30): Lieber Meister Raro !
Eine wunderviolle Einführung ganz persönlicher Art ! Meinen aufrichtigen Glückwunsch dazu .
Vor allem die Hinweise auf Claudio Arrau erscheinen mir wichtig .
Arrau hat sich hörbar mit Schumanns Vorstellung des Werkes ( und anderer von Schumann ) eingehend befasst . Es ist schon beeindruckend , was er alles aus den Notentexten heraushört und wie er dies zu spielen vermag .
Persönlich würdei ch mit den rein technisch wohl leichteren "Kinderzenen" beginnen . Aber diese enthalten so unendlich viel von Robert Schumann selbst , dass ich sie dann auch als geschlossens Ganzes entweder in den Mittelpunkt ( also etwa als letztes Stück vor der Pause ) oder als "Zugabe" spielen würde .
es macht wenig, ja keinen Sinn, die "Kinderszenen" zu zerstückeln . Der Ganze Sinn des Werkes geht verloren .( dazu : Robert Schumann : Tagebücher und Briefwechsel; beide ab 1838 ) .
ich habe bei dem Label APR ( (P) 2007 ) die bisher mit Abstand überzeugenste Interpretatiuon heute gehört :
Georges Cziffra , eher überraschenderweise , hat eine weitere überragende Schuzmanninterpretation 1957 in Paris im Studio eingespielt .
Interpretation : 10/10
Technik : 9 / 10 .
Es gibt 2 CDs , aber leider kein Booklet .
Die auf der CD 1 , dies am Rande , enthaltenen Liszt-Interpretationen sind unterschiedlkich im Wert gegenüber den Aufnahmen bei EMI , aber sehr interessant zuhören , wie Cziffra sich nachdem der erste Druck nach sei er Flucht mit seiner Familie , offensichtlich in Frankreich von ihm gefallen ist , zu spektakulären Höchstleistungen fand .