Ferenc Fricsay in seinen großen Aufnahmen

Amadé (04.05.2007, 16:08):
Liebe Forianer,

mir diesem neuen Thread möchte ich an den viel zu früh verstorbenen ungarischen Dirigenten Ferenc Fricsay (1914 - 1963) erinnern, der im Musikleben Deutschlands, vor allem Berlins, aber auch auf dem Schallplattenmarkt tiefe Spuren hinterlassen hat.
Fricsay war der Sohn des damals 1. ungarischen Militärkapellmeisters, dessen Orchester neben den für eine Militärkapelle obligatorischen Blas - und Schlaginstrumente auch Streicher innehatte, so dass das Repertoire weit über das einer Militärkapele hinausreichte. Der Vater nahm seinen Sohn schon in jungen Jahren zu Proben seines Orchester mit und der junge Ferenc lernte hier bereits Repertoirestücke kennen, sowie, und das war sicher noch wichtiger, den Umgang mit den Instrumenten und Probentechnik kennen. Seine Fachausbildung erhielt er an der damals berühmten Budapester Musikhochschule, unter anderem bei Bela Bartok und Zoltan Kodaly. Kurz nach Ende des 2.Weltkrieges durfte er in Wien auftreten. Den positiven Eindruck, den er dort hinterlies führte dazu, dem jungen Fricsay die Uraufführung Gottfrieds von Einems neuer Oper Dantons Tod an Stelle des erkrankten KLemperer bei den Salzburger Festspielen 1948 zu übertragen. Fricsay errang einen großen Erfolg, die Aufführung ist auf Tonträger erhalten geblieben. Elsa Schiller, damals Musikchefin des RIAS Berlin, holte Fricsay als Chefdirigent an das gerade neu gegründete RIAS Symphonie Orchester Berlin. Parallel dazu erhielt er einen Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft, gleich die erste Produktion war ein Volltreffer: Tschaikowskys 5. Sinfonie e-moll mit den Berliner Philharmonikern 1949. Fricsay blieb der Deutschen Grammophon bis zu seinem Tode treu und war in den 50er Jahren neben Fritz Lehmann, Eugen Jochum, Paul van Kempen der führende Dirigent der DGG und hinterlies eine große Anzahl von hervorragenden Aufnahmen, Mozart und Bartok waren irgendwie die Eckpunkte seines Repertoires. Einige seiner besten Einspielungen möchte ich hier nennen:
Bartok: Konzert für Orchester, Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta, Herzog BLaubarts Burg, die 3 Klavierkonzerte mit Anda, 2.Violinkonzert mit T.Varga
Mozart: Sinonien Nr.29, 39 bis 41 mit den Wiener Symphonikern, KLavierkonzerte mit Clara Haskil ( Nr. 19, 20 und 27), seine Opernaufnahmen gerieten von der Besetzung nicht immer einheitlich, Exklusiv-Plattenverträge der Sänger standen einer adäquten Besetzung entgegen. Gut ist der Mitschnitt des Idomeneo von den Salzburger Festspielen.
Beethoven: 7.Sinfonie, wegen des langsam und sehr erfüllt gespielten 2.Satzes, 8. Sinfonie und 9. Sinfonie, die erste Stereo-Aufnahme der DGG, dann die Ouvertüren Egmont und Leonore III, das Tripelkonzert (m.E. Beethovens Cellokonzert) sowie das 3. KLavierkonzert mit Fricsays Landsmännin Annie Fischer.
Verdi: Messa die Requiem
Rossini-Ouvertüren
Tschaikowsky: 5. und 6. Sinfonie
Dvorak: 9.Sinfonie, Violinkonzert a-moll mit Johanna Martzy
Smetana: Die Moldau
Ich könnte noch mehr aufzählen, es gibt auch noch sehr gute, bisher auf CD noch nicht veröffentlichte Aufnahmen, z.B. Tschaikowskys Streicherserenade. Wie steht Ihr Forianer zu Aufnahmen mit dem großen Dirigenten? Gruß Amadé
manrico (04.05.2007, 19:37):
Also, ich habe mich ja bisher um das Dirigenten-Voting herumdedrückt, aber jetzt ist die Katze aus dem Sack. Ich halte Fricsay für den besten aller Dirigenten überhaupt!
Ich schätze ihn höher als sämtliche sogenannte Pultstars mit entsprechender Vermarktungs- und Werbemaschinerie im Hintergrund. Normalerweise kaufe ich CDs nur wegen der Sänger (bzw. lasse sie wegen bestimmter Pult-Größenwahnsinniger im Regal stehen). Fricsay ist (neben Giulini) der einzige, wegen dem ich eine Aufnahme kaufe. Diese beiden bringen auf ganz unterschiedliche Weise Musik von innen her zum Leuchten. Weder gleissende Selbstdarstellung noch kapellmeisterlich betuliche Provinzialität, sondern Echtheit und Wahrheit prägen in meinen Augen Fricsays Aufnahmen (wenn man versucht, mit Musik zu lügen oder zu prahlen, hört man's sofort - aber das hat sich, glaube ich, noch nicht so recht bei allen Musikern herumgesprochen).

Fricsay führt die Orchster (zumeist das RIAS Symphonie-Orchster ) mit zügigem, aber nie gehetztem Dirigat und schlankem Klang. Keine Tempiverzerrungen, keine sinnlosen Extrema in der Dynamik, kein Breitband-"ich musizier' für einen Hollywoodschinken"klang.

Diverse Labels (Myto, Walhall, Preiser, DG) legen dankenwerter Weise manches wieder auf, manches wird zum ersten Mal präsentiert.

Höhepunkte sind für mich:

Der fliegende Holländer (1952, urspr. DG, jetzt Preiser: Metternich, Greindl, Häfliger, Windgassen, Kupper): Der beste Holländer aller Zeiten - kein Wunder, wenn zwei Genies wie Fricsay und Metternich zusammenarbeiten!!

Le nozze di figaro (1951, Walhall: Kunz, Grümmer, Güden, Schöffler): Das Finale im 2. Akt hat den sensationellsten Spannungsbogen aller Figaro-Aufnahmen.

Don Giovanni (195, DG: Dieskau, Jurinac, Haefliger, Seefried, Stader, Kreppel). Dieskau gehört sonst nicht zu meinen bevorzugten Sängern, aber Fricsay zwingt ihn zur Darstellung des Don und nicht des Herrn Dieskau, und damit er bestens beraten und liefert ein hervorragendes Rollenportrait. Von besonderer Größe sei hier nur die Straßenszene nach dem Mord am Komtur erwähnt.

Es stimmt, dass manche Aufnahmen unter einzelnen Sängern leiden, die nicht unbedingt zu den besten ihres Faches gehören. Aber auch diese Aufnahmen finde ich oft nicht schlechter als schlampig eingespielte starbesetzte Hochglanzproduktionen.


liebe Grüße



Werner
daniel5993 (04.05.2007, 20:32):
Hallo!

Hab sämtliche LP''s von Ferenc Fricssy und auch ich schätze ihn sehr!

Seine Moldau ist das höchste! Auch die Mozart-Symphonien 29, 39,40,41 habe ich in einem Doppel-LP-Album, den Sommernachtstraum und den Figaro. Hab zwar noch mehr, aber genau die oben aufgezählten schätze ich am meisten!

Auch habe ich Ihn auf dem DVD von EMI, Violinkonzert von Max Bruch, gespielt von Yehdi Menuhin unter seiner Leitung, Live! Sehr schön!

Hab von vielen gehört, das die neunte von Beethoven, welche er eingespielt hat, die Beste Neunte sei, die je Aufgenommen wurde! Kann ich aber nichts zu sagen, kenne ich nicht!

Ansonst kann ich hier sagen, dass ich wirklich niemanden kenne, der an Friscay's Fähigkeiten als Dirigent zweifelt. Alle achten Ihn hoch!

Was hätte er noch auf die Beine gestellt, wenn er noch länger gelebt hätte?
Ich habe gehört, dass die DGG fest in seiner Hand war und erst als er gestorben ist, haben die sich Karajan zugewand, ist da was dran?

Gruß
daniel :beer
Rachmaninov (21.05.2007, 08:35):
Es gabe einmal einen sehr interessanten Artikel zu Ferenc Fricsay in der Zeitschrift "hifi image".

Titel war damals "Ein Ungar in Berlin".

Ferenc Fricsay starb leider viel zu früh und es ist ein Jammer.

Zu seinen ganz großen Aufnahmen gehört aus meiner Sicht die bisheute unerreichte Aufnahme der 9. Sinfonie von Dvorak.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5074675.jpg

Außerdem gehört die 9. Beethovens zu seinen sehr empfehlenswerten Aufnahmen

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7097031.jpg

Sehr lange nicht gehört aber durchaus mit sehr positiven Eindruck:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6375580.jpg
Amadé (04.05.2007, 16:08):
Liebe Forianer,

mir diesem neuen Thread möchte ich an den viel zu früh verstorbenen ungarischen Dirigenten Ferenc Fricsay (1914 - 1963) erinnern, der im Musikleben Deutschlands, vor allem Berlins, aber auch auf dem Schallplattenmarkt tiefe Spuren hinterlassen hat.
Fricsay war der Sohn des damals 1. ungarischen Militärkapellmeisters, dessen Orchester neben den für eine Militärkapelle obligatorischen Blas - und Schlaginstrumente auch Streicher innehatte, so dass das Repertoire weit über das einer Militärkapele hinausreichte. Der Vater nahm seinen Sohn schon in jungen Jahren zu Proben seines Orchester mit und der junge Ferenc lernte hier bereits Repertoirestücke kennen, sowie, und das war sicher noch wichtiger, den Umgang mit den Instrumenten und Probentechnik kennen. Seine Fachausbildung erhielt er an der damals berühmten Budapester Musikhochschule, unter anderem bei Bela Bartok und Zoltan Kodaly. Kurz nach Ende des 2.Weltkrieges durfte er in Wien auftreten. Den positiven Eindruck, den er dort hinterlies führte dazu, dem jungen Fricsay die Uraufführung Gottfrieds von Einems neuer Oper Dantons Tod an Stelle des erkrankten KLemperer bei den Salzburger Festspielen 1948 zu übertragen. Fricsay errang einen großen Erfolg, die Aufführung ist auf Tonträger erhalten geblieben. Elsa Schiller, damals Musikchefin des RIAS Berlin, holte Fricsay als Chefdirigent an das gerade neu gegründete RIAS Symphonie Orchester Berlin. Parallel dazu erhielt er einen Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft, gleich die erste Produktion war ein Volltreffer: Tschaikowskys 5. Sinfonie e-moll mit den Berliner Philharmonikern 1949. Fricsay blieb der Deutschen Grammophon bis zu seinem Tode treu und war in den 50er Jahren neben Fritz Lehmann, Eugen Jochum, Paul van Kempen der führende Dirigent der DGG und hinterlies eine große Anzahl von hervorragenden Aufnahmen, Mozart und Bartok waren irgendwie die Eckpunkte seines Repertoires. Einige seiner besten Einspielungen möchte ich hier nennen:
Bartok: Konzert für Orchester, Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta, Herzog BLaubarts Burg, die 3 Klavierkonzerte mit Anda, 2.Violinkonzert mit T.Varga
Mozart: Sinonien Nr.29, 39 bis 41 mit den Wiener Symphonikern, KLavierkonzerte mit Clara Haskil ( Nr. 19, 20 und 27), seine Opernaufnahmen gerieten von der Besetzung nicht immer einheitlich, Exklusiv-Plattenverträge der Sänger standen einer adäquten Besetzung entgegen. Gut ist der Mitschnitt des Idomeneo von den Salzburger Festspielen.
Beethoven: 7.Sinfonie, wegen des langsam und sehr erfüllt gespielten 2.Satzes, 8. Sinfonie und 9. Sinfonie, die erste Stereo-Aufnahme der DGG, dann die Ouvertüren Egmont und Leonore III, das Tripelkonzert (m.E. Beethovens Cellokonzert) sowie das 3. KLavierkonzert mit Fricsays Landsmännin Annie Fischer.
Verdi: Messa die Requiem
Rossini-Ouvertüren
Tschaikowsky: 5. und 6. Sinfonie
Dvorak: 9.Sinfonie, Violinkonzert a-moll mit Johanna Martzy
Smetana: Die Moldau
Ich könnte noch mehr aufzählen, es gibt auch noch sehr gute, bisher auf CD noch nicht veröffentlichte Aufnahmen, z.B. Tschaikowskys Streicherserenade. Wie steht Ihr Forianer zu Aufnahmen mit dem großen Dirigenten? Gruß Amadé
manrico (04.05.2007, 19:37):
Also, ich habe mich ja bisher um das Dirigenten-Voting herumdedrückt, aber jetzt ist die Katze aus dem Sack. Ich halte Fricsay für den besten aller Dirigenten überhaupt!
Ich schätze ihn höher als sämtliche sogenannte Pultstars mit entsprechender Vermarktungs- und Werbemaschinerie im Hintergrund. Normalerweise kaufe ich CDs nur wegen der Sänger (bzw. lasse sie wegen bestimmter Pult-Größenwahnsinniger im Regal stehen). Fricsay ist (neben Giulini) der einzige, wegen dem ich eine Aufnahme kaufe. Diese beiden bringen auf ganz unterschiedliche Weise Musik von innen her zum Leuchten. Weder gleissende Selbstdarstellung noch kapellmeisterlich betuliche Provinzialität, sondern Echtheit und Wahrheit prägen in meinen Augen Fricsays Aufnahmen (wenn man versucht, mit Musik zu lügen oder zu prahlen, hört man's sofort - aber das hat sich, glaube ich, noch nicht so recht bei allen Musikern herumgesprochen).

Fricsay führt die Orchster (zumeist das RIAS Symphonie-Orchster ) mit zügigem, aber nie gehetztem Dirigat und schlankem Klang. Keine Tempiverzerrungen, keine sinnlosen Extrema in der Dynamik, kein Breitband-"ich musizier' für einen Hollywoodschinken"klang.

Diverse Labels (Myto, Walhall, Preiser, DG) legen dankenwerter Weise manches wieder auf, manches wird zum ersten Mal präsentiert.

Höhepunkte sind für mich:

Der fliegende Holländer (1952, urspr. DG, jetzt Preiser: Metternich, Greindl, Häfliger, Windgassen, Kupper): Der beste Holländer aller Zeiten - kein Wunder, wenn zwei Genies wie Fricsay und Metternich zusammenarbeiten!!

Le nozze di figaro (1951, Walhall: Kunz, Grümmer, Güden, Schöffler): Das Finale im 2. Akt hat den sensationellsten Spannungsbogen aller Figaro-Aufnahmen.

Don Giovanni (195, DG: Dieskau, Jurinac, Haefliger, Seefried, Stader, Kreppel). Dieskau gehört sonst nicht zu meinen bevorzugten Sängern, aber Fricsay zwingt ihn zur Darstellung des Don und nicht des Herrn Dieskau, und damit er bestens beraten und liefert ein hervorragendes Rollenportrait. Von besonderer Größe sei hier nur die Straßenszene nach dem Mord am Komtur erwähnt.

Es stimmt, dass manche Aufnahmen unter einzelnen Sängern leiden, die nicht unbedingt zu den besten ihres Faches gehören. Aber auch diese Aufnahmen finde ich oft nicht schlechter als schlampig eingespielte starbesetzte Hochglanzproduktionen.


liebe Grüße



Werner
daniel5993 (04.05.2007, 20:32):
Hallo!

Hab sämtliche LP''s von Ferenc Fricssy und auch ich schätze ihn sehr!

Seine Moldau ist das höchste! Auch die Mozart-Symphonien 29, 39,40,41 habe ich in einem Doppel-LP-Album, den Sommernachtstraum und den Figaro. Hab zwar noch mehr, aber genau die oben aufgezählten schätze ich am meisten!

Auch habe ich Ihn auf dem DVD von EMI, Violinkonzert von Max Bruch, gespielt von Yehdi Menuhin unter seiner Leitung, Live! Sehr schön!

Hab von vielen gehört, das die neunte von Beethoven, welche er eingespielt hat, die Beste Neunte sei, die je Aufgenommen wurde! Kann ich aber nichts zu sagen, kenne ich nicht!

Ansonst kann ich hier sagen, dass ich wirklich niemanden kenne, der an Friscay's Fähigkeiten als Dirigent zweifelt. Alle achten Ihn hoch!

Was hätte er noch auf die Beine gestellt, wenn er noch länger gelebt hätte?
Ich habe gehört, dass die DGG fest in seiner Hand war und erst als er gestorben ist, haben die sich Karajan zugewand, ist da was dran?

Gruß
daniel :beer
Rachmaninov (21.05.2007, 08:35):
Es gabe einmal einen sehr interessanten Artikel zu Ferenc Fricsay in der Zeitschrift "hifi image".

Titel war damals "Ein Ungar in Berlin".

Ferenc Fricsay starb leider viel zu früh und es ist ein Jammer.

Zu seinen ganz großen Aufnahmen gehört aus meiner Sicht die bisheute unerreichte Aufnahme der 9. Sinfonie von Dvorak.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5074675.jpg

Außerdem gehört die 9. Beethovens zu seinen sehr empfehlenswerten Aufnahmen

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7097031.jpg

Sehr lange nicht gehört aber durchaus mit sehr positiven Eindruck:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6375580.jpg
Amadé (13.08.2008, 21:43):
Liebe Fricsay-Freunde,

dieser Faden muss ein wenig belebt werden, da die die Plattenindustrie in diesem Jahr peu a peu Neues mit Fricsay auf den Markt bringt. Es handelt sich hier um Studioproduktionen bzw. Konzertmitschnitte aus Berlin und Köln, die vom kleinen Label audite und von Medici Masters, quasi der deutsche Ableger von BBC Legends, herausgegeben werden. Vom Repertoire her ist allerdings wenig Neues auf die Scheiben gepresst, sieht man einmal von der allerneuesten Scheibe ab:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4022143954992.jpg

Das selten gespielte 2. Tschaikowsky-Konzert G-dur op.44 wurde im Jahre 1951 in der Berliner Jesus Christus Kirche für den RIAS Berlin produziert. Fast 5 Jahre später hat sie dann die DGG als LP am selben Ort aufgenommen, allerdings stand damals nicht Fricsay sondern der Kölner Operchef Richard Kraus am Pult der Berliner Philharmoniker.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028945775128.jpg

Cherkassky spielt die gekürzte von Tschaikowsky sanktionierte Fassung von Siloti. Obwohl die Aufnahme mit Fricsay eine halbe Minute länger dauert, finde ich sie lebendiger als die mit Kraus. Das zweite Werk auf der CD ist Liszts 1. Konzert in Es-dur, auch eine CD-Novität von Fricsay, evtl. auch Cherkasskys. Eine empfehlenswerte CD!

Weitere Neuheiten:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4022143954985.jpg

Solist im Schumann KLavierkonzert war der legendäre Alfred Cortot, der damals seinen Zenit längst hinter sich gelassen hatte.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4022143234100.jpg

Bartok 2. Klavierkonzert mit Geza Anda

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4022143955845.jpg

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4022143234063.jpg

Die Berliner Rigoletto-Aufnahme von 1950, ein Jahr zuvor entstand diese Aufnahme, die jedoch auf anderen Labels greifbar war:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4022143234117.jpg

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4022143954978.jpg

hier handelt es sich um Fricsays erster und auch umfangreicherer Querschnitt (70'25), in seiner Münchner Zeit folgte eine offizielle LP- Produktion (51'49). Die audite-CD leidet jedoch unter einem erheblichen Nachteil: ohne Escamillo!

http://www.mediciarts.co.uk/site_manager/includes/images/product_images/MM020%20resized.jpg

Strawinsky Violinkonzert mit Arthur Grumiaux live 1951 Recklinghausen, Sacre ,Köln 1953 und Bartok Divertimento für Streichorchester, Köln 1953.

Die Diskussion um Fricsays Interpretationskunst geht weiter.

Grüße Amadé

___________________________________

@ Daniel

Bitte um Verzeihung, dass ich erst jetzt auf Deine Frage bezgl. Karajan und DGG antworte.
Die Personaldecke der DGG in Bezug auf Dirigenten war nach dem Tode Fritz Lehmanns (1956) und Paul van Kempen (1955) sehr dünn. Dirigenten mit internationalem Renommee waren beim Gelbe Etikett nur Eugen Jochum und Fricsay, der damals schon längere Zeit krankheitsbedingt nicht arbeiten konnte. Für eine aufstrebende Gesellschaft, die sich auch im Ausland aufzustellen bemühte, suchte Elsa Schiller Dirigenten von Rang und Klang. Der neue Chef der BPh HvK kam so zwangsläufig ins Blickfeld.
Dr. Schön (13.08.2008, 22:39):
Fricsay gehört auch zu meinen oft bevorzugten Dirigenten.

Neben einigen hier aufgeführten Aufnahmen möchte ich noch auf Mendelssohns "Sommernachtstraum" hinweisen, den er einfach hinreisend eingespielt hat.

Original von manrico

Fricsay führt die Orchster (zumeist das RIAS Symphonie-Orchster ) mit zügigem, aber nie gehetztem Dirigat und schlankem Klang. Keine Tempiverzerrungen, keine sinnlosen Extrema in der Dynamik,

....

Höhepunkte sind für mich:

Der fliegende Holländer (1952, urspr. DG, jetzt Preiser: Metternich, Greindl, Häfliger, Windgassen, Kupper): Der beste Holländer aller Zeiten - kein Wunder, wenn zwei Genies wie Fricsay und Metternich zusammenarbeiten!!



Da ich an Fricsay genau diese Eigenschaften sehr schätze klingt dieser Hinweis sehr interessant (oder kurios) für mich. Zumal ich "meinen" Holländer noch nicht gefunden habe.
Kann jemand sagen welche Fassung hier gewählt wurde?

Gruß
Dr. Schön
Amadé (14.08.2008, 16:25):
Es handelt sich m.E. um die (ursprüngliche) Dresdner Fassung von 1841, wie sie zwei Jahre später uraufgeführt wurde. Die Akte gehen nicht ineinander über.

Gruß Amadé
ab (19.08.2008, 14:02):
Ich kenne nichts von Fricsay, dass nur mittelmäßig wäre!

Leider kenne ich noch viel zu wenig. Besonders bedauere ich es, dass er nicht mehr von KAHartmann aufgenommen hat. Schade finde ich, dass er bei Beethovens 9. den langsamen Satz zeitgemäß zu langsam nimmt. Besonders erstaunlich im positiven Sinne finde ich sein überzeugendes Tschaikowskij & Verdi-Dirigat. Sein Mozart, der ja immer besonders heikel ist, ist noch heute bestens anzuhören. Exemplarisch ist der darin gewesen, ein festes Gesangsensemble um sich aufzubauen, anstatt auf Stars zurückzugreifen.

Meine zwei Lieblingsaufnahmen bislang sind Dvoraks 9. und Mozarts Entführung aus dem Serail.

Kennt ihr etwas von ihm, das ihr für (zumindest eher) missglück haltet?
kreisler (11.01.2009, 12:44):
Ich kenne nichts missglücktes von ihm.
Ich achte besonders seine 9. (vielmehr Beethovens neunte) sehr hoch!
teleton (27.01.2009, 11:13):
Hallo Fricsay-Freunde,

es ist schade, das die Menge der zur Verfügung stehenden Fricsay-Aufnahmen nicht gerade groß zu nennen ist. Zudem sind dann auch noch eine ganze Reihe in MONO - schade.

Dvorak 9 mit der schönsten Smetana-Moldau auf DG, wurde schon folgerichtig genannt.

Aber Liszt: Les Preludes- Sinfonische Dichtung Nr.3 auf dieser DG-CD wurde dabei nicht erwähnt.
Das ist IMO die beste und mitreißenste Aufnahme, dieses Werkes.
Fabelhaft wie er die Details mit Spannung herausarbeitet und TOP-Pauken bietet.
Da bleiben selbst Haitink (Philips), Masur (EMI) und Joo (Hungaroton) weit zurück. Nur Karajan (DG) und fast gleichwertig Solti (Decca) können da noch mithalten.

:beer Etwas missglücktes kenne ich auch nicht von Fricsay.
Aber mit seinen Bartok - Klavierkonzerten mit dem Pianisten Anda konnte ich nie warm werden - da mußten Pollini/Abbado (DG) und Ashkenazy/Solti (Decca) her.