Jeremias (20.05.2012, 18:55): Wir haben hier zwar viele Threads mit empfehlenswerten Aufnahmen, Geheimtipps etc., aber meines Wissens fehlt ein solcher, in welchem dringend vom Kauf einiger Aufnahmen abgeraten wird.
Aus gegebenem Anlass möchte ich daher dieses Thema starten und direkt auf eine Aufnahme hinweisen, deren Kauf eine reine Geldverschwendung wäre:
Ich bin ENTSETZT, dass so etwas veröffentlicht wird! es gibt so viele hervoragende junge Pianisten, denen man eine Chance geben sollte. Stattdessen wird der Selbstzerfall eines Altmeisters dokumentiert, der anscheinend wochenlang nicht geübt hat und sich gedacht hat, mit viel Oktavgedonner und Pedalnebel könne er hierüber hinweg täuschen...
Er und die DG mögen sich schämen!
Amadé (20.05.2012, 20:24): Hallo Jeremias, das ist ein guter Faden, da werden bald noch andere CDs folgen. Ich habe mal im Veranstaltungskalender des diesjährigen Klavier Festivals Ruhr nachgeschaut und die Preise für die jeweils teuersten Karten recherchiert, da ist zu lesen:
Barenboim 115 € Radu Lupu 60 € Sokolov 70 €
Der Marktwert vom Maestro, der gewiss vor 35 Jahren noch ein hervorragender Pianist war, ist ungebrochen und wird weiter hochgepuscht, auf das die Kassen noch lange klingeln. Gegen Sokolov konnte Barenboim nie ankommen. Die letzte von mir erstandene CD mit Barenboim war Brahms 3.Sonate f-moll, jedoch nicht aus Überzeugung sondern aus anderen Gründen, die man unschwer ergründen kann.
Gruß Amadé
teleton (06.06.2012, 12:00): Leider kann ich das Geschriebene über Barenboim bestätigen.
Vor einiger Zeit lief ein Festkonzert im TV. Dort hatte Barenbiom das Brahms-KK NR.1 gespielt. Ich war überrascht über diese "Wurstfingerigkeit"... selten so belanglos und schlecht gehört ...
Er sollte sich in der Hauptsache als Dirigent betätigen. Denn was er mit dem "Divan Orchestra"(oder wie das heisst) an zwischenmenschlichen Leistungen hervorbrachte ist schon sehr sehr anerkennenswert !
Jeremias (06.06.2012, 17:40): Mittlerweile habe ich auch seine 2. Chopin CD mit den Konzerten aus Bochum gehört... ich musste die Karten aus Zeitgründen damals abgeben... gott wie furchtbar!
„Pocket Symphonies“ ist die Antithese zum gängigen Crossover. Es ist ein organisches, von innerer Logik und künstlerischer Notwendigkeit getragenes Stück Musik, das die Möglichkeiten der Aneignung von Klassik und Pop auf spektakulär unspektakuläre Weise zu einer Einheit führt, die jedes Nachdenken über konventionelle oder neue musikalische Kategorien verbietet.
Ganz umgekehrt: das ist der Inbegriff gängigem Crossvovers. Und nein: das ist auf völlig unspektakuläre Weise gänzlich unspäktakular. Gut, dass sich das Nachdenken über solche Kategorien durch die Musik selbst verbietet :ignore :S
Eine von nichts als der inneren Logik marktschreierischer Notwendigkeit getragenes Stück reinen Wohlfühlegeklängels? Oder anders gefragt: Nichts als ein Zyklus von zwölf sich aufeinander beziehenden Kitsch-Songs?
Amadé (22.02.2013, 09:22):
Original von ab Eine von nichts als der inneren Logik marktschreierischer Notwendigkeit getragenes Stück reinen Wohlfühlegeklängels? Oder anders gefragt: Nichts als ein Zyklus von zwölf sich aufeinander beziehenden Kitsch-Songs?
Also Lieschen-Müller-Klassik, oder Musik zum Weghören.
Gruß Amadé :hello
ab (01.03.2013, 09:29): Es ist schon gut und recht, dass die DGG auf neue Märkte wie Südamerika setzt, aber muss man wirklich dann alles auf den internationalen Markt schmeißen? Damit ruiniert man sich seinen guten Ruf. :S
"Musik muss mit Leidenschaft, Liebe und dem ganzen Herzen gemacht werden" (Alejandro Carreno, Erste Geige, SBSQ). Das ist schon ok, aber das allein reicht wohl hörbar wirklich noch nicht. "Die Geiger Alejandro Carreño and Boris Suaréz, Bratscher Ismel Campos und der Cellist Aimon Mata hauchen drei Juwelen des Kammermusikrepertoires neues Leben ein." - eher ziehen sie ihnen den letzten Lebensnerv...
Besser als in den Worten des ersten Beitrags hier kann es nicht gesagt werden: "Ich bin ENTSETZT, dass so etwas veröffentlicht wird! es gibt so viele hervoragende junge , denen man eine Chance geben sollte."
Finger weg vom Gehölzel des SBSQ - Simón Bolívar String Quartet
Maurice inaktiv (15.03.2013, 13:18): Wer DIE Slawischen Tänze unter Neeme Järvi kauft,kann die Aufnahme als Einschlafmittel für seine Kleinkinder benutzen.
"Hier tanzt weder der Bär,noch der Dirigent, hier wird nicht getanzt,sondern nur gepennt...."
die Hörschnippsel hinterlassen aber bei mir einen anderen Eindruck. :)
:hello
Maurice inaktiv (31.03.2013, 18:17): Ich hatte die ganze CD gekauft-es sind meine schlechtesten "Slawischen Tänze",die ich je auf CD hatte oder noch habe.Dazu stehe ich nach wie vor.
Die CD habe ich wieder unters Volk gebracht,auf das ein Anderer glücklich werde damit.ICh wurde es definitiv nicht,sorry!!!
VG,Maurice
Hosenrolle1 (04.04.2015, 15:53): Da ich ja sämtliche HUG-Aufnahmen sammle, habe ich mich über den Kauf dieser CD
nicht geärgert, aber dennoch, ich rate unbedingt davon ab, dafür Geld auszugeben.
Gesungen wird englisch, was an sich ja kein so großes Problem wäre, aber sicher nicht jedermanns Sache sein wird, dazu ist die Aufnahme auch noch live; man hört immer wieder Hintergrundgeräusche, etwa ein Verrutschen eines Sessels mitten in eine ruhige Stelle der Ouvertüre hinein.
Was aber wirklich grottig ist, ist dieser Hänsel! Es gibt viele Interpretinnen, die aus meiner Sicht unpassend für diese Partie waren, aber DAS hier ist an Grausigkeit nicht mehr zu überbieten. Eine extrem tiefe und sehr alt klingende Stimme, mit unangenehmen Vibrato, wird einem da als kleiner Junge vorgesetzt. Man hat den Eindruck, als hätte sich die Hexe als Hänsel verkleidet.
Die Gretel klingt ebenfalls viel zu alt, aber der Hänsel geht einfach gar nicht.
Finger weg, und lieber die Grümmer-Versionen (1953, 1956) kaufen!
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (04.04.2015, 16:02): Wenn es um den Freischütz geht, so fallen mir eigentlich keine Aufnahmen ein, wo ich sagen würde, dass man die Finger davon lassen sollte, bis auf eine:
Das liegt jedoch nicht an den Leistungen der Interpreten, sondern an der miserablen Qualität des Klanges.
Ich habe die oben gezeigte CD von Cantus Classics, einem Billig-Label, und man hört hier fast durchgehend keine Musik, sondern sehr lautes Kratzen, als ob die Lautsprecher kaputt wären. Wohlgemerkt, ich meine Kratzen, nicht Rauschen! Und man hört es auch nicht nur bei besonders lauten Stellen, sondern fast durchgehend.
Darüber verärgert habe ich damals eine Mail an die Firma geschickt, wie man eine Aufnahme in dieser Qualität auf den Markt bringen und dafür auch noch Geld verlangen könne. Keine Antwort.
Ich habe dann bei JPC nach anderen Ausgaben der Aufnahme gesucht, und mir die Hörproben angehört. Dort war das Krachen ebenfalls zu hören, wenn auch nicht so stark wie hier.
Es ist nun ein paar Jahre her, dass ich die CD gekauft und recherchiert habe, aber ich bilde mir ein, auf YouTube gab es die Aufnahme auch aus einer anderen Quelle, und da war kein Kratzen zu hören. (Vielleicht war es auch eine Hörprobe einer anderen Version auf CD, ich weiß es nicht mehr).
Ich gehe also einmal davon aus, dass es ein gutes Master gibt, und schlechte Versionen davon. Diese CD hier hat auf jeden Fall eine völlig unbrauchbare Version, deswegen auch hier: Finger weg!
LG, Hosenrolle1
Rotkäppchen (04.04.2015, 18:04): Nur so aus Interesse: In welchem Jahr wurde denn diese englische Hansel-and-Gretel-Aufnahme mitgeschnitten?
:hello Rk
Hosenrolle1 (04.04.2015, 18:11): Nur so aus Interesse: In welchem Jahr wurde denn diese englische Hansel-and-Gretel-Aufnahme mitgeschnitten?
Gerade nachgesehen: November 2003. Und eben "Live recording", was einem auf dem Cover verschwiegen wird. (Ähnlich wie beim Harnoncourt-Freischütz von 1995, der ebenfalls live ist, was aber erst im Booklet steht)
LG, Hosenrolle1
Peter Brixius (05.04.2015, 16:15): Lieber hosenrolle1,
eine Bemerkung noch zu den Gui-Aufnahmen. Ich kenne sie leider auch nur in einer Qualität, die auch für den an historischen Aufnahmen Interessierten an die Schmerzgrenze geht. Da würde ich mir mal - so skeptisch ich da auch bin - ein Remastering wünschen, das der Qualität der Interpretation entspricht. Denn die ist so groß, dass ich mich immer mal durch die in Vinyl und später in CD getauchten Ungetüme durchgehört habe. Zumindest eine erstklassige Callas steht schon auf der Habenseite, wenn auch nicht bei diesem Freischütz.
Ich habe die Entwicklung jetzt in den letzten Jahren nicht mehr verfolgt, weil ich in einem anderen Segment des Repertoires unterwegs war, aber vielleicht bringt mich da jemand auf Stand der Dinge: Welche Gui-Aufnahmen liegen in anhörbarer Qualität in der Zwischenzeit vor?
Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (05.04.2015, 16:23): Original von Peter Brixius eine Bemerkung noch zu den Gui-Aufnahmen. Ich kenne sie leider auch nur in einer Qualität, die auch für den an historischen Aufnahmen Interessierten an die Schmerzgrenze geht. Da würde ich mir mal - so skeptisch ich da auch bin - ein Remastering wünschen, das der Qualität der Interpretation entspricht.
Ich ebenfalls, vor allem auch, weil ein Freischütz in ital. Sprache doch interessant ist, wenngleich ich generell kein Fan von Übersetzungen bin.
Kein Problem hätte ich mit den üblichen Tonstörungen, die man aus historischen Aufnahmen kennt. Ich habe mehrere Freischütz-Aufnahmen aus den 40er Jahren, und die sind alle genießbar. Aber dieses Kratzen ist wirklich fürchterlich, und ich glaube, dass es gar nicht an der Aufnahme selbst liegt, sondern an irgendetwas anderem. Ich habe auch Rezensionen gelesen, die sie sehr gut bewerten.
LG, Hosenrolle1
Heike (27.12.2017, 14:31): Gerade Ausschnitte und die vernichtende CD- Kritik im Radio gehört - hier ist die Zusammenfassung nachzulesen: https://www.kulturradio.de/rezensionen/cd/2017/12/Franz-Schubert-Forellenquintett-Anne-Sophie-Mutter.html
Warum auch ein Trifonov sich für sowas hergibt ?
Amadé (27.12.2017, 16:21): Ich habe die Aufnahme vor ein paar Wochen im Radio gehört und kann nur bestätigen, was der Rezensent im rbb-Kulturradio äußert: total nichtssagend, an Schubert vorbei.
Cetay (inaktiv) (28.12.2017, 06:56): Warum auch ein Trifonov sich für sowas hergibt ? Er hat einen Exklusivvertrag unterschrieben.
Violina95 (31.01.2019, 10:49): Kunst ist Kunst, es macht nur den Unterschied, ob sie allgemein gefällt oder nicht.
Sfantu (04.10.2022, 10:09): Nachdem mir diese Veröffentlichung mit Musik der Genfer Komponistin Caroline Boissier-Butini (1786 - 1836) viel Freude bereitete, griff ich zu, als ich folgendes Album beim Händler stehen sah:
Klavierkonzert Nr. 5 "Irlandais" Klavierkonzert Nr. 6 (mit konzertierender Flöte) "Suisse" Divertimento für Klarinette, Fagott und Klavier
Adalberto Maria Riva, Hammerlklavier Sarah van Cornewal, Flöte Pierre André Taillard, Klarinette Rogério Gonçalves, Fagott Ensemble Le Moment Baroque - Jonathan Nubel (CD, live, Gallo, 2020)
Zwar hatte ich zunächst Bedenken, da diese CD zu der erstgenannten Aufnahme desselben Labels gleich zwei Doubletten liefert: das 6. Konzert und das Divertimento sind dort nämlich (wenn auch mit anderen Interpreten) ebenfalls enthalten. Doch dann wogen die Neugier und die nicht eben üppige Diskographie zu dieser Komponistin am Ende schwerer und ich griff zu. Das Fazit vorab: 24 tief in den Sand gesetzte Franken. Immerhin wird das 6. Konzert hier in seiner Ersteinspielung auf historischen Instrumenten geboten. Immerhin wird die Kammermusik fein und geschmackvoll musiziert. Immerhin ist zumindest der Pianist großartig. Was aber richtig miese Laune macht, ist das Ensemble Le Moment Baroque. Den Namen bitte merken und bei eventueller Wiederbegegnung damit: ganz schnell ganz weit weg rennen! Es wird so tranig, lustlos und blutarm heruntergenudelt, daß es mir die Schuhe auszieht. Wurden sie gezwungen, da mitzumachen?? Über mehr als einen dokumentarischen Wert wächst diese Scheibe daher leider nicht hinaus. Gerade auch das Concert Irlandais wartet mit einiger reizvoller Musik auf - gegen Ende mit unerwartbaren Pauken-Soli. Jammerschade!
So etwas als kommerzielle CD herauszubringen, ist Nichts weniger als eine Frechheit!