Honoria Lucasta (27.06.2010, 09:03): Ich gebe zu, daß ich an diesem Sänger auch irgendwie immer vorbeigegangen bin, weil seine Präsenz auf CDs vergleichsweise schwach ist und zudem meist Werke betrifft, die ich zumindest im Moment nicht auf dem Radarschirm hatte. Dann sah ich seinen Auftritt als Amonasro auf der DVD mit dem Konzert zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper und war völlig hin und weg: das war stimmlich und gestalterisch ein in meinen Augen und Ohren eine nicht zu übertreffende Leistung. Zufällig stieß ich dann auf die Besprechung dieser CD
und habe sie mir gleich zugelegt - weniger der eindrucksvollen, aber etwas spröden Lieder von Frank Martin wegen als wegen der Schubert- und Wolf-Lieder, die Grundheber unter dem Titel "Lieder einer Reise" auf dieser CD versammelt hat.
Das ist nun wirklich Liedgesang vom Feinsten. Makellose Diktion und feinste Phrasierung, stimmliche Kraft, wo sie hingehört, und ebensolches Zurücknehmen, wo der Hörer quasi selbst innerlich weitersingen soll: eine großartige Leistung. Völlig unverständlich, daß dieses Recital nach seiner Aufnahme 2003 noch 5 Jahre brauchte, um veröffentlicht zu werden - aber das sind halt die Mechanismen des modernen Kulturbetriebs.
Grüße!
Honoria
Gamaheh (27.06.2010, 23:13): Hallo Honoria,
ich bin ja keine Operngängerin, aber Franz Grundheber habe selbst ich schon gehört, denn er ist seit Jahrzehnten an der Hamburgischen Staatsoper und hat ungefähr schon fünfzigmal die Baß-Partie in Beethovens 9. im Silvester-Konzert hier gesungen. Soviel ich weiß ist er mit über 70 Jahren immer noch aktiv.
Den Pianisten Matthias Veit habe ich hier auch schon mal in einem Kammermusik-Konzert gehört, ist aber schon sehr lange her ...
Grüße, Gamaheh
Severina (05.07.2010, 20:36): Ja, er ist in der Tat noch aktiv, ich habe ihn erst im Frühjahr als grandiosen Aron in Schönberg "Moses und Aron" gehört. Jetzt kommt sicher der Einwand, dass das bis auf eine Stelle mehr eine Sprechpartie ist, aber trotzdem bot Grundheber eine beeindruckende Leistung und faszinierte wie eh und je mit seiner Bühnenpräsenz. Für mich zählt er zu den wenigen deutschsprachigen Sängern, die ich im italienischen Fach wirklich liebe, so rangiert er z.B. als Scarpia ganz oben in meiner Bestenliste, auch sein Jago erzeugte immer Gänsehautfeeling bei mir, und wie Honoria so richtig anmerkte, war er ein toller Amonasro.
lg Severina
Billy Budd (30.01.2012, 15:30): Wenn sich am 1. Februar an der Dammtorstraße der Vorhang zu Giuseppe Verdis "Aida" hebt, steht Franz Grundheber als Amonasro in seiner 2000. Vorstellung auf der Bühne der Staatsoper Hamburg. Begonnen hatte alles am 27. Oktober 1966, ebenfalls mit Verdi: Als junges Ensemblemitglied debütierte der Bariton als Deputierter aus Flandern in "Don Carlos". 45 Jahre später ist der Kammersänger der Hamburgischen Staatsoper als Ehrenmitglied noch immer eng verbunden, hat hier in seiner Karriere 10 Uraufführungen, 46 Premieren sowie zahlreiche Repertoirevorstellungen gesungen und ist einer der ganz großen Hamburger Publikumslieblinge. In den letzten Jahren wurde er für seine Interpretationen des Simon Boccanegra in der Neuinszenierung von Claus Guth, für seinen Holländer, seinen Macbeth, seinen Jago und für seinen diabolischen Scarpia gefeiert. Trotz seiner großen Erfahrung ist Franz Grundheber neugierig geblieben und beschreitet auch in Hamburg immer wieder neues Terrain im Repertoire: 2010 gab er als Carlo Gérard in Giordanos "Andrea Chénier" sein Rollendebüt. Die Staatsoper gratuliert ihm herzlich zur 2.000 Vorstellung und wünscht toi toi toi!
Quelle: Hier (Letzter Aufruf 30. Jänner 2012)
Billy :hello
Billy Budd (25.08.2012, 10:11): Ich finde es schade, dass dieser Thread so vor sich hinschlummert, denn Franz Grundheber, der mein absoluter Lieblingsbariton ist, würde mE mehr Beachtung verdienen.
Also bitte vormerken: Am 23. September wird auf Ö1 ein Sängerportait ausgestrahlt. Hier ist der Link; das genaue Programm wird noch bekannt gegeben.
Erfolgreich auch im italienischen Fach: Franz Grundheber - Zum 75. Geburtstag des Baritons Ausschnitte aus Opern von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner, Richard Strauss, Giacomo Puccini, Giuseppe Verdi, Alban Berg, u.a. Gestaltung: Michael Blees
Oft beklagen es Sänger und Sängerinnen aus dem deutschen Sprachraum, dass ihnen auf internationaler Ebene kaum italienische Rollen angeboten werden, für den in Trier 1937 geborenen Bariton Franz Grundheber trifft dies allerdings nicht zu: an seinem Stammhaus, der Hamburgischen Staatsoper wurde er ebenso für seine Verdi- und Puccini-Interpretationen bejubelt, wie an der Wiener Staatsoper oder an der New Yorker Metropolitan Opera.
Von Mozart bis Schönberg reicht das immense, mehr als 150 Rollen umfassende Repertoire dieses Ausnahmekünstlers, der in gewisser Weise die Zeitlosigkeit für sich gepachtet haben dürfte: Als er in Wien Anfang des Jahres kurzfristig als Jago in Verdis "Otello" eingesprungen ist, hörte man eine vollkommen intakte, höhenstarke Stimme und erlebte wie stets einen subtil agierenden, leidenschaftlichen Gestalter - da gemahnte nichts daran, dass der Sänger, der schon 1976 an der Wiener Staatsoper debütiert hat, im 75. Lebensjahr stand.
An den größten Bühnen der Welt und bei internationalen Festivals hat Franz Grundheber - Kammersänger und Ehrenmitglied der Staatsopern von Hamburg und Wien - gastiert, und doch war er sich auch nicht zu schade, am kleinen Opernhaus seiner Heimatstadt Trier aufzutreten: Puccinis Scarpia und Wagners Holländer hat er dort gesungen - und an diesem Haus hat er auch erstmals inszeniert: 2007 Alban Bergs "Wozzeck". Leider habe ich ihn bis jetzt nur in zwei Rollen erlebt: als Faninal (5) und Jago (1). Jedes Mal war ich fasziniert. Da er bedauerlicherweise keine weiteren Verträge mit der Wiener Staatsoper mehr hat (ein Einspringen ist aber immer möglich, da - das weiß ich aus sicherer Quelle - Direktor Meyer von seinem Jago begeistert war), freue ich mich schon riesig auf den Dezember, wenn er im Theater an der Wien den Riedinger im Mathis machen wird.
An der Wiener Staatsoper (2010 wurde er nach einem Moses zum Ehrenmitglied ernannt!) hat er seit 1976 ein breit gefächertes Repertoire gesungen, das vom Cardillac über den Germont bis zum Scarpia reicht. Am häufigsten verkörperte er Wozzeck (27), Amfortas (26) und Orest (19). (Quelle: Spielplanarchiv)
Ich habe im Schreiben von Sängertheads leider gar keine Übung, möchte aber versuchen, zu beschreiben, was mich an dieser Stimme so fasziniert: Ich finde, dass Grundheber ein sehr intelligenter Gestalter ist (wenn er singt, weiß ich auch ohne Textkenntnis ungefähr, um was es sich handelt), ein wunderbares Timbre und eine hervorragende Technik (durch die er jetzt im hohen Alter noch hervorragende Leistungen bringen kann) hat, gut schauspielern kann und sich nie in den Mittelpunkt spielt.
Mir wurde von Opernbesuchern, die ihn in vielen Rollen gehört haben berichtet, dass er immer der beste gewesen sein soll (das glaube ich gerne!). Ein Freund hat mir beispielsweise erzählt, dass er die Gestalt des Fliegenden Holländers erst mithilfe von Grundhebers Interpretation ganz begriffen habe. Denn bei "Du aber sollst gerettet sein" ging Grundheber zu Senta hin und strich ihr sanft über die Wange. Ich zumindest denke, dass der Holländer zu diesem Zeitpunkt schon erlöst wurde, weil er nach Jahren wieder menschliche Regungen verspürt, was Grundheber offenbar glaubhaft vermittelt hat.
Er ist der einzige Sänger, der mir in jeder (wirklich jeder!) Rolle, in der ich ihn höre, mit großem Abstand am besten gefällt, sei es als Rigoletto, Barak, Orest, Faninal, Jago oder Holländer.
Vor ein paar Monaten habe ich mir seinetwegen zwei CDs zugelegt (ich höre nämlich fast keine CDs): http://ecx.images-amazon.com/images/I/51qV8tuImXL._SL500_AA300_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/61RV1tLL2xL._SL500_AA300_.jpg FroSch, Sinopoli und Hänsel und Gretel, Davis Ferner besitze ich noch folgende Aufnahmen: Richard Strauss: Die Frau ohne Schatten
Deutsche Oper Berlin
26. Jänner 2005
Besetzung:
Der Kaiser - Glenn Winslade Die Kaiserin - Deborah Voigt Die Amme - Jane Henschel Der Geisterbote - Lenus Carlson Ein Hüter der Schwelle des Tempels - Lucy Peacock Erscheinung eines Jünglings - Yosep Kang Stimme des Falken - Fionnuala McCarthy Stimme von oben - Rose Katz Barak, der Färber - Franz Grundheber Sein Weib - Luana DeVol Der Einäugige - Yu Chen Der Einarmige - Roland Schubert Der Bucklige - Burkhard Ulrich Dienerinnen - Robin Johannsen, Stephanie Weiss, Cheri Rose Katz Kinderstimmen - Robin Johannsen, Stephanie Weiss, Gudrun Sieber, Andion Fernandez, Cheri Rose Katz Stimmen der Ungeborenen - Robin Johannsen, Gudrun Sieber, Stephanie Weiss, Andion Fernandez, Jessica Miller, Cheri Rose Katz Die Stimmen der Wächter - Bernd Valentin, Harold Wilson, Piér Dalàs
Orchester der Deutschen Oper Berlin Christian Thielemann. Richard Strauss: Arabella
Wiener Staatsoper
16. März 1996
Besetzung:
Leopold Hager - Dirigent
Dietrich D. Gerpheide - Chorleitung
Alfred Šramek - Graf Waldner Gertrude Jahn - Adelaide Julia Faulkner - Arabella Juliane Banse - Zdenka Franz Grundheber - Mandryka David Kuebler - Matteo Richard Brunner - Graf Elemér Sebastian Holecek - Graf Dominik Wolfgang Bankl - Graf Lamoral Natalie Dessay - Die Fiakermilli Waltraud Winsauer - Eine Kartenaufschlägerin Friedrich Springer - Welko, Leibhusar des Mandryka Zsolt Temes - Djura Josef Stangl - Jankel Michael Knapp - Ein Zimmerkellner Walter Kunz - Ein Arzt Werner Hammer - Portier Nickolaas van Huyssteen, Peter Tuff, Michael Heigl - Drei Spieler Ingeborg Piffl - Begleiterin der Arabella
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper. Giuseppe Verdi: Rigoletto
Metropolitan Opera House (New York)
27. März 1999
Besetzung:
Maurizio Benini - Dirigent
Ramón Vargas - Der Herzog von Mantua Franz Grundheber - Rigoletto Andrea Rost - Gilda John Fanning - Graf von Monterone Yanni Yannissis - Graf von Ceprano Andrea Trebnik - Die Gräfin Ceprano Mariusz Kwiecien - Marullo Bernard Fitch - Borsa Eric Halfvarson - Sparafucile Graciela Araya - Maddalena Diane Elias - Giovanna Alexandra Newland - Ein Page der Herzogin Joseph Pariso - Ein Hussier
Chor und Orchester. Giuseppe Verdi: Aida
Wiener Staatsoper
28. oder 30. Jänner 2001
Besetzung:
Fabio Luisi - Dirigent
Ernst Dunshirn - Chorleitung
Maria Guleghina - Aida Janusz Monarcha - Der König Waltraud Meier - Amneris Sergej Larin - Radames Dan Paul Dumitrescu - Ramphis Franz Grundheber - Amonasro Michael Roider - Ein Bote Ricarda Merbeth - Priesterin
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper. Ich möchte noch auf zwei anhörenswerte Youtube-Links verweisen: Holländer, Wien, 2003 (mit Nina Stemme, Walter Fink, Torsten Kerl, John Dickie und Margareta Hintermeier unter Seiji Ozawa) Orest, Wien, 1989 - 1 bzw. 2 (mit Eva Marton unter Claudio Abbado)
Hier finden sich zwei interessante Texte: Es ist sehr menschlich, böse zu sein (letzter Aufruf am 25. August 2012) und Der bedeutendste Wozzeck-Darsteller des 20. Jahrhunderts (letzter Aufruf am 25. August 2012). Daraus zitiere ich vier Auszüge: Die größte Herausforderung stellen für Grundheber seine Lieblingspartien dar: Simon Boccanegra, Barak und Wozzeck. Das Schwierige dieser Rollen liege darin, sich uneitel und in einer außerordentlichen Ehrlichkeit dem Publikum öffnen zu müssen, erklärt er. Wichtig sei es, dabei nicht irgendwelche Gefühle zu spielen oder den Opernsänger zu mimen, sondern einfach nur die Figur zu sein. Alles Gespielte mache jede der drei Gestalten unglaubhaft. "Wenn ich das schaffe und das Publikum packe, ist es für mich eine unglaubliche Erfüllung." Zweifelsohne gehört Franz Grundheber zu den bedeutendsten Sängern unserer Zeit. Dabei sind es nicht nur sein wunderbar timbrierter Bariton und seine großartige musikalische Gestaltungskraft, welche die Zuhörer weltweit begeistern, sondern auch seine hervorragende Bühnenpräsenz, sein Charisma und seine außergewöhnlichen schauspielerischen Fähigkeiten. Beim modernen Regietheater, dem er überaus zugetan ist ("Ich hasse konventionelle und langweilige Inszenierungen"), kommt es Grundheber in erster Linie darauf an, dass nicht ein Regiekonzept über das Stück gestülpt und nur ein einziger Aspekt herausgegriffen wird. Der Regisseur müsse, sagt er, in jedem Fall versuchen, dem Werk gerecht zu werden, indem er an die Basis, also an den Text und an die Musik, herangehe und von daher inszeniere. Buch- und CD-Präsentationen sind in Salzburg wichtiger Alltag. Für junge Künstler ein wichtiges Sprungbrett in die Öffentlichkeit, die nicht nur den Weg zum großen Geld öffnen sollen. Ein Sänger, der heutzutage keine Solo CD- auf den Markt bringt, kann viel weniger punkten, von dem spricht man nicht, er/sie wäre ja kein Star. Dazu muss man natürlich jung sein, wichtig: Schönheit bei Frauen - jede wird sofort an der Frau Netrebko gemessen – oder eine Modelfigur auch als Mann besitzen (welch ideale Züge da z.B. Herr Schrott für die Werbebranche hat). Natürlich wünscht man jedem Sänger, dass er erfolgreich seinen Weg geht – aber was nützt da Werbung alleine: auf der Bühne, vor dem Publikum ist jeder sich selber überlassen, da nützt keine PR – keine noch so große Werbemaschinerie. Allerdings gibt es auch Künstler, die diesen Teil der Karriere nie für sich in Anspruch genommen haben, nie in das Vermarktungsschema gepasst hatten. Umso erfreulicher war die Tatsache, dass Frau Dr. HELGA RABL-STADLER sich selbst Zeit nahm, ein ganz besonders Buch vorzustellen: „Franz Grundheber und Wozzeck“, das 1.Buch über den 1937 in Trier geborenen Sänger und Stammgast bei den Salzburger Festspielen Billy :hello
stiffelio (25.08.2012, 16:22): Lieber Billy,
ich mag Franz Grundheber auch sehr - was bei meiner Leidenschaft für intensive Darstellung kein Wunder ist, denn auch ich halte ihn für einen außergewöhnlich schauspielerisch begabten Sänger. Bei ihm kommt eben beides zusammen: stimmliche und darstellerische Gestaltungskraft. Das ist dann der Stoff, aus dem die Opern-Sternstunden gewebt sind.
Unter den aktiven Sängern ist er mein Lieblings-Holländer (auch wenn mir, wie du weisst, die Wiener Inszenierung nicht sonderlich gefällt - ich konnte die von deinem Freund beschriebene Geste in dem youtube-Link auch nicht finden). Ein Simon Boccanegra mit ihm würde ganz oben auf meiner Wunschliste stehen. Bei seinem Wozzeck und seinem Barak steht mir leider die Musik im Weg, zu der ich noch keinen Zugang gefunden habe. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass er in diesen tiefgründigen Rollen grandios ist. Ich gehe mal davon aus, dass deine Aufnahmen mit ihm alles Audio-Versionen sind?
Hier noch ein Link zu seinem oben angesprochenen konzertanten Amonasro: http://www.youtube.com/watch?v=PdSd7F_RhTY
VG, stiffelio
Karolus Minus (25.08.2012, 18:30): ich hab heute mittag mal in meine PC-Datei mit den Besetzungen der von mir live gesehenen Vorstellungen geschaut und bin dabei für Grundheber auf ungefähr 250!!! Aufführungen gekommen, was schlicht daran liegt, daß er bis Mitte der 70er in Hamburg eine Unzahl von Klein- und Kleinstrollen gesungen hat, bis hin zu einem der flandrischen Deputierten im Don Carlos. Es hat ab seinem Debut 1966 nämlich ungefähr 10 Jahre gedauert, bis er anfing, sich wirklich durchzusetzen. Zum einen war damals die internationale erstklassige Konkurrenz groß, zum anderen hat die Stimme sich auch langsam entwickelt (obwohl er beim Debut ja schon 29 Jahre alt war). Die Kombination von beidem hat ihn aber davor bewahrt, zu früh zu dicke Brocken singen zu müssen, die Früchte erntet er immer noch, Lg Karolus Minus
Billy Budd (25.08.2012, 19:24): :thanks für Eure Beiträge!
Liebe stiffelio, Du hast recht: Die beschriebene Geste ist in der Youtube-Aufnahme tatsächlich nicht zu finden; ich gehe davon aus, dass er das in nicht jeder Vorstellung gemacht hat. Aber mir gefällt da ganz besonders, wie sanft er das "Du aber sollst gerettet sein singt".
Ja, die beschriebenen Aufnahmen sind alle audio (ich weiß, das ist Geschmackssache, aber mir reicht das völlig). Vielleicht bekomme ich demnächst noch einen Cardillac-Mitschnitt (mit Pieczonka, Kurt Schreibmayer und Fink), auf den ich schon sehr gespannt bin.
Sein Simon Boccanegra würde mich auch sehr interessieren und ich ärgere mich ganz besonders, dass ich nicht hingegangen bin, als er diese Rolle in Wien gesungen hat. :S (gilt auch für Scarpia und Moses)
Wozzeck kenne ich auch noch nicht (steht aber mit Keenlyside, Schwanewilms, Bankl und (leider) Lippert in der kommenden Saison auf dem Spielplan der Wiener Staatsoper :leb ), aber die FroSch finde ich ganz toll. Hast Du Dir die von mir verlinkte Orest-Szene schon angehört?
Billy :hello
stiffelio (25.08.2012, 19:52): Original von Billy Budd Hast Du Dir die von mir verlinkte Orest-Szene schon angehört?
Lieber Billy,
nein, nicht wirklich (hab es versucht, aber nach den ersten 1-2 Minuten wieder weggeklickt). Auch Elektra gehört leider zu den Opern, zu denen ich musikalisch noch keinen Zugang finde.
VG, stiffelio
Billy Budd (23.09.2012, 16:45): Original von Billy Budd Also bitte vormerken: Am 23. September wird auf Ö1 ein Sängerportait ausgestrahlt. Hier ist der Link; das genaue Programm wird noch bekannt gegeben. Die Sendung ist bis So., 30. September um 15:04 kostenlos hier nachzuhören.
Programm: Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart Titel: "Champagner-Arie" des Don Giovanni aus der Oper "Don Giovanni" / 1.Akt Solist: Franz Grundheber/Don Giovanni Orchester: Orchester der Ludwigsburger Festspiele Leitung: Wolfgang Gönnewein Länge: 01:24 min
Komponist: Richard Strauss Titel: Szene des Mandryka mit Graf Waldner aus der Oper "Arabella" / 1.Aufzug Solist: Franz Grundhaber/Mandryka Solist: Ernst Gutstein/Graf Waldner Orchester: Orchester des Royal Opera House Covent Garden London Leitung: Jeffrey Tate Länge: 08:21 min
Komponist: Richard Strauss Titel: Monolog des Jupiter aus der Oper "Die Liebe der Danae" / 2.Aufzug Solist: Franz Grundheber/Jupiter Orchester: Philharmonisches Orchester Kiel Leitung: Ulrich Windfuhr Länge: 04:29 min
Komponist: Alban Berg Titel: Szene Marie - Wozzeck aus der Oper "Wozzeck" / 2.Akt Solist: Hildegard Behrens/Marie Solist: Franz Grundheber/Wozzeck Orchester: Orchester der Wiener Staatsoper Leitung: Claudio Abbado Länge: 03:29 min
Komponist: Alexander von Zemlinsky Titel: Monolog des Gyges aus der Oper "Der König Kandaules" / 3.Akt Solist: Franz Grundheber/Gyges Orchester: Philharmonisches Staatsorchester Hamburg Leitung: Gerd Albrecht Länge: 06:01 min
Komponist: Richard Wagner Titel: Duett Holländer - Senta aus der Oper "Der Fliegende Holländer" / 2.Aufzug Solist: Franz Grundheber/Holländer Solist: Julia Varady/Senta Orchester: Orchester der Wiener Staatsoper Leitung: Ulf Schirmer Länge: 06:45 min
Komponist: Giuseppe Verdi Titel: Duett Amonasro - Aida aus der Oper "Aida" / 3.Akt Solist: Franz Grundheber/Amonasro Solist: Violeta Urmana/Marie Orchester: Orchester der Wiener Staatsoper Leitung: Daniele Gatti Länge: 06:39 min
Komponist: Giacomo Puccini Titel: Arie des Guglielmo aus der Oper "Le Villi" / 2.Akt Solist: Franz Grundheber/Guglielmo Orchester: Orchester der Wiener Staatsoper Leitung: Simone Young Länge: 05:14 min Mitschnitt aus der Wiener Staatsoper vom 23.10.2005 (Text Ö1) Billy :hello
Falstaff (23.02.2017, 23:07): Aus (noch) aktuellem Anlass möchte ich diesen Thread hier einmal wieder reaktivieren.
Franz Grundheber sang am 2. Weihnachtstag zu seinem 50. Bühnenjubiläum in Hamburg in 'Hänsel und Gretel'. Er ist weiterhin sehr aktiv und kann dabei, hoffentlich bei weiterhin guter Gesundheit, im September dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feiern.
Als mehr als regelmäßiger Besucher der Hamburgischen Staatsoper in den 80iger und 90iger Jahren habe ich ihn unzählige Male auf der Bühne erlebt. Zunächst in kleineren Rollen des deutschen, auch italienischen Faches (z.B. Heerrufer im Lohengrin, Traviata, Zauberflöte, Marcello) übernahm er dann immer mehr größeren Partien. Barack, Holländer, Kurwenal, Mandryka, Wozzeck, Simone Boccanegra, Sharpless, Jago, Scarpia, Amonasro, Amfortas, Macbeth usw.
Zunächst dachte man, dass er diese größeren Rollen nicht bewältigen könnte. Aber stets wurde man eines besseren belehrt. Grundheber war nicht nur eine zuverlässige Stütze des Ensembles, er sang und phrasierte, er gestaltete diese Partien auf unnachahmliche Art. Und dabei sang er und sang und sang und sang ... und singt immer noch. Die letzten Aufführungen, die ich mit ihm hörte waren im Chenier und als Simone Boccanegra. Im siebzigsten Lebensjahrzehnt stehend, war das in keinster Weise zu spüren.
Dafür aber eine volle, runde Tonproduktion, sichere Höhe, ausdrucksvoll und angefüllt mit einer langen, langen Erfahrung.
Franz Grundheber habe ich in all den Jahren in der Hamburgischen Staatsoper wirklich schätzen, ja, vielleicht auch lieben gelernt, als einen Sänger, der noch aus einem intakten Ensemble kam und dann als ein 'Haussänger' grandiose, auch international anerkannte Leistungen vollbrachte.
palestrina (23.02.2017, 23:35): Auch ich habe ihn einige male Live gehört und gesehen, Boccanegra u. Fiesco, Scarpia und vorallem sein Barak war traumhaft, ein sehr bescheidener Sänger mit großer Ausstrahlung und Gesangskultur.