Peter Brixius (25.06.2011, 21:00):
Viele Spuren in gängigen Musikgeschichten hat er nicht hinterlassen. Meist findet man ihn unter einem Eintrag bei der "Mannheimer Schule". Aus Mannheim stammte der Komponist, dort ist er am 20. Februar 1734 geboren, zwei Jahre jünger als Haydn. Sein Vater war Musiker, von ihm erhält er die erste Ausbildung, später wurde er, wie das Titelblatt seiner Sinfonien op. 1 (1758) ausweist, Schüler von Johann Stamitz. Doch schon 1750 musste er aus der Pfalz fliehen. Sein Schüler Henry Blanchard berichtet 1845 in der "Revue et Gazette musical de Paris", dass er wegen seines Talentes Günstling des Kurfürsten geworden war. Das machte ihm Neider, die ihn in eine Intrige verwickelten: er duellierte sich (gegen das geltende Duellverbot), sein Gegenüber fingierte nach dem ersten Schuss seinen Tod - unter Zuhilfenahme von Theaterblut. Der scheinbar tödliche Ausgang des Duells zwang ihn zur sofortigen Flucht (übrigens begegnete Beck 1783 anlässlich der Aufführung seines "Stabat Mater" dem vermeintlich Getöteten).
Beck wandte sich nach Italien,dort soll er bei Galuppi Komposition studiert haben. In Venedig war Beck u.a. Musiklehrer im Hause des Dogen-Sekretärs Oniga, dessen Tochter Anna sich in ihren Lehrer verliebte. Beide flohen über Neapel per Schiff nach Frankreich. In Marseille fand er eine Stelle als Konzertmeister. Auf dem Titelblatt seiner Sinfonien op. 3 findet sich "Primo violino dell' Concerto di Marsilia".
1764 hatte Beck seinen Wohnsitz in Bordeaux, wo er der Dirigent des Grand Théâtre war und wohl auch Organist an der Kirche St. Seurin. Beck war hoch geschätzt wegen seiner Sinfonien und seinen Klavierwerken, wohl auch für seine kirchlichen und musikdramatischen Werken - das meiste ist allerdings verschollen.
Beck geriet auch in die Wirren der französischen Revolution, das ancien régime hatte ihn geschätzt. Doch wusste er sich anzupassen und wurde 1803 zum Korrepondenten des "Institut de France" ernannt.
Was seine Bedeutung angeht, so zitiert das Booklet (aus dem weitgehend neben wikipedia und MGG meine Angaben stammen) Robert Sondheimer, der konstatierte;
Wie sich aus der Arbeit ergeben wird, ist Beck nicht nur individuell eine eigenartige Künstlerpersönlichkeit, sondern auch für die Entwicklungsgeschichte von größter Bedeutung. Ohne ihn wird man in Zukunft nicht mehr auskommen, wenn die Klassiker erklärt werden sollen. Gerade an ihn schließt sich Beethoven mit den eigentlichen Wurzeln seiner Gestaltung an.
Er hat als erster thematisches Nebeneinander (das wohl durch thematische Beziehungen zusammenhing, aber keine Entwicklung zu einem Satzganzen in sich barg: Stamitz) mit motivischer Steigerung versehen. Durch intensive motivische Arbeit durchdrang er gleichzeitig den Satz so tief, dass auch das Satzganze, trotzdem es noch stark in einzelne Unterteile gespalten war, künstlerischen Zusammenhang gewann.Das Ergebnis war formal ein schwungvoller und in sich begründeter Bau, inhaltlich ein reiches organisches Leben.
Hier noch von einem Angehörigen der "Mannheimer Schule", der er zweifelsfrei entstammte, zu sprechen, scheint mir verfehlt. Die Sinfonien op. 3, die ich kenne, gehen deutlich über das hinaus, was man bei der Mannheimer "Vorklassik" zu hören bekommt.
In meiner Fantasie öffnet sich ein Bild: Hölderlin hört in Bordeaux Franz Ignaz Beck - spannend ...
Liebe Grüße Peter