Heike (07.02.2009, 19:38): So ich das richtig sehe, gibt es noch keinen Thread zu Schuberts Klaviertrios:
* Klaviertrio Nr. 1 in B-Dur (D 898) * Klaviertrio Nr. 2 in Es-Dur (D 929)
Auf meinem gar nicht so kleinen Schubert-Stapel findet sich leider nur eine einzige Aufnahme eines dieser Trios - und ich habe heute (als ich diese mal wieder hörte) beschlossen, dass das nicht so bleiben darf.
Deshalb meine Fragen: Welches der Trios mögt ihr lieber? Ist das zweite auch so schön wie das erste? Welche Aufnahmen (von beiden) würdet ihr mir empfehlen?
Heike
kreisler (07.02.2009, 20:10): ja, dieser Thread hat wirklich noch gefehlt!
Auch wenn mir Schuberts Streichquartette und besonders das Streichquintett mehr am Herzen liegen, mag ich auch das 1. Klaviertrio ganz gerne.
Das zweite höre ich hingegen fast nie. Ich weiß auch nicht warum. Aber den zweiten Satz finde ich trotzdem sehr schön.
Ich habe die Trios in dieser Aufnahme mit András Schiff, Yuuko Shiokawa und Miklós Perényi:
Mit der bin ich eigentlich ganz zufrieden. Außerdem ist da noch die Arpeggione Sonate drauf :)
Grüße Kreisler
Dr. Schön (07.02.2009, 20:32): Also bei mir nehmen die beiden Klaviertrios innerhalb Schuberts Kammermusik eigentlich einen recht hohen Stellenwert ein, wobei das gerade bei Schubert natürlich schwierig ist, aus der Fülle seiner Werke einzelne, oder eben zwei, Werke herauszupicken. Früher mochte ich das zweite etwas lieber, setzte sie heute aber ziemlich gleichwertig an.
Ich besitze von beiden nur eine Einspielung, die ich aber jeweils sehr empfehlen kann:
In dem CD Set mit histrorischen Aufnahmen Schuberts Kammermusik auf Andante, klanglich unglaublich gut aufbereitet, befinden sich das erste mit dem Trio Pablo Casals, Jacques Thibaud und Alfred Cortot, sowie das zweite mit den Busch Brüdern und dem jungen Rudolf Serkin, die mich eigentlich beide ziemlich wunschlos zufrieden stellen.
Amadé (07.02.2009, 20:45): Hallo Trio Freunde,
Schuberts Trios gehören beide zu den Juwelen der Literatur, entsprechend zahlreich sind die Einspielungen, wenn auch nicht ganz so üppig wie bei den Quintetten. Welches das schönere, bessere Werk von beiden ist, lässt sich schwer sagen und bleibt eher dem persönlichen Geschmack überlassen. In jüngster Zeit gibt es Autoren, die in behaupten, dass die Reihenfolge der Entstehung umgekehrt zu heutigen Zählung sei. Für den Hörer ist dies jedoch nicht von Bedeutung. Das Es-dur Trio wurde bis vor wenigen Jahren aber auch noch heute im 4.Satz gekürzt dargeboten. Erst beim Hören der Aufnahme des Abegg-Trios wurde mir dies bewusst. Schiff-Shiokawa-Perenyi sowie das Wiener Klavier-Trio spielen den Satz auch ungekürzt, er dauert dann ca.19'. Vom B-dur-Trio sollte man unbedingt die alte Aufnahme mit Thibaud-Casals-Cortot kennen, hier wird schlank, cantabel und eindringlich in bewegtem Tempo gespielt (31'04). Vom Es-dur-Trio gibt es ebenfalls eine sehr gute historische Einspielung, die man in seine Sammlung einreihen sollte: Busch-Serkin. An neueren Einspielungen von beiden Werken gefallen mir sehr gut: das Abegg Trio sowie die Aufnahme mit dem Odeon-Trio (Guntner-May-Hokanson), eine Perle.
Grüße Amadé
Wooster (07.02.2009, 23:16): Mir gefällt das Es-Dur sogar besser als das B-Dur, aber bitte in der üblichen ("gekürzten") Version (ist auch so schon lang genug...). Es gibt unübersehbar viele Einspielungen. An historischen ist jedenfalls noch das B-Dur mit Rubinstein/Heifetz/Feuermann erwähnenswert. Die mitunter sehr preiswerte Einspielung des Odeon-Trios ist sicher eine gute Möglichkeit, die Stücke kennenzulernen. Es gibt inzwischen ja auch einige Aufnahmen auf historischen Instrumenten.
:hello
Wooster
Heike (08.02.2009, 11:05): Also ich muss mir beide Trios wirklich mal konzentriert anhören. Danke schon mal für eure bisherigen Tipps, die kommen auf meine Dussmann-Probehören-Liste. Heike
Gamaheh (08.02.2009, 16:14): Liebe Forenser,
dem Andante con moto des 2. bin ich gewissermaßen verfallen, als ich es vor zwei Jahren anläßlich der Klassik-Wahl von Radio Classique gehört habe (es war von den Franzosen zu ihrem liebsten Stück der klassischen Musik gewählt worden - ist wohl aus dem Film Barry Lyndon von Stanley Kubrick bekannt). Es wurde dort gespielt von Philippe Bianconi, Tedi Papavrami und Marc Coppey.
Diese Interpretation findet etwas Bejahendes in der Melancholie - Melancholie ohne Resignation - hat einen so wunderbaren gleichmäßigen Atem und ist für mich das beste Beispiel für Bruno Walters Ausspruch: "Der Komponist mag mittels der Musik von Leid erzählen, sie selbst flästert gelichzeitig von Glück; und ihr Eigenlaut ist mächtiger als als seine Schilderung - er mag sein lautestes Nein rufen, die Sprache, die er dazu verwendet, singt ein leises und doch machtvolleres Ja mit." Es gehört für mich zum Schönsten, was ich gehört habe.
Ich habe dann versucht, eine Aufnahme des ganzen Trios zu finden, deren 2. Satz dieser Interpretation in ihrer Wirkung nahekam, aber bin bis jetzt nicht fündig geworden. Insgesamt gefällt mir die Interpretation des Abegg-Trios am besten, aber der zweite Satz ist mir zu hart, zu zackig. Das Trio Fontenay, das Trio Wanderer, das Trio Jean-Philippe Collard, Augustin Dumay, Frédéric Lodéon sind für mein Empfinden "senza moto"; das Haydn-Trio Eisenstadt, das mir vom Händler meines Vertrauens empfohlen wurde und das ich probegehört habe, hat mir auch nicht gefallen ... Gerne würde ich das Odeon-Trio hören, zumal ich Leonard Hokanson als Pianisten schätze - mal sehen, ob ich es finden kann.
Vom ersten Trio habe ich mehrere Aufnahmen, einschließlich der schon genannten historischen, und hier gebe ich dem Trio Rubinstein/Heifetz/Feuermann den Vorzug, wobei ich das Abegg-Trio aber auch schätze. Die Aufnahme des Beaux-Arts-Trio (in alter Besetzung) mag ich nicht so.
Grüße, Gamaheh
Heike (29.01.2011, 20:06): Am Sonntag den 30.01 von 15.05 Uhr - 17.00 Uhr auf Deutschlandradio Kultur Interpretationen Schlagt mein ganzes Glück in Splitter! Franz Schuberts B-dur-Klaviertrio op. 99 Moderation: Jürgen Otten
Amadé (05.05.2014, 16:36): Schon vier Jahre lang ist hier nichts mehr gepostet worden, Kammermusik scheint völlig aus der Mode gekommen sein. Ich möchte hier kurz über eine Neuerscheinung der Trios berichten, bitte beachten: nur meine subjektive Meinung.
HIer haben sich drei hervorragende Musiker für die beiden Schubert-Trios zusammengetan. Das Ergebnis ist ein sportlich zu nennendes Musizieren, wobei die Musik vor allem in den schnellen Sätzen etwas glatt gebügelt wird. Schuberts Tiefen werden hier elegant umgangen. Das Klangbild ist nicht ausgeglichen, das Cello agiert oft zu sehr im HIntergrund. Eine Kaufempfehlung kann ich von daher nicht aussprechen, zumal eine Menge sehr guter Einspielungen auf dem Markt sind. Auch die beiden Zugaben, die Lieder Der Hirt auf dem Felsen und Ständchen aus dem Schwanengesang, beide bearbeitet für Klaviertrio, bleiben nur Raritäten und ändern nichts am Gesamteindruck.
Grüße Amadé
palestrina (05.05.2014, 19:20): Hallo Amadé, eine Kaufempfehlung wäre jedenfalls das Trio Wanderer !
Ich habe sie kennen gelernt über Arensky u. Tchaikovsky . Die spielen die Schubert Trios einfach GÖTTLICH ! Sollte man sich mal anhören ! Da ich ja nicht so der große Kenner bin, gehe ich nur danach was mir gefällt, und als ich mir was neues von den Piano Trios wollte, hörte ich verschiedene an und blieb dabei hängen ! Höre dir mal das Trio von Arensky an !!!!
Angehängt sind Notturno D 897 u. Sonatensatz D 28 (Allegro)
LG palestrina
Florestan (10.05.2014, 11:39): Seltsamerweise wurde hier noch nicht die Aufnahme mit dem Trio Stern, Rose, Istomin genannt. Die drei Herren haben ja auch einen großen Teil der anderen Repertoirestücke für Klaviertrio (Haydn, Beethoven, Mendelssohn, Brahms) eingespielt. Für mich ist das eine der stringentesten Aufnahmen die ich kenne.
Vor vielen Jahren habe ich mal die beiden Trios mit Lars Vogt und den beiden Tetzlaff Geschwistern gehört. Beim 2. Satz des Es-Dur Trios wurde es derart intensiv, dass sogar eine Saite im Bass des Flügels gerissen ist (war aber wohl eher eine Ermüdungserscheinung des Instrumentes). Der Abend indes war grandios. Die drei sind ja durch ihre vielen gemeinsamen Auftritte sehr gut aufeinander eingespielt, und auch solistisch ganz hervorragende Musiker. Noch in der Pause habe ich die CD Aufnahmen erworben (Übrigens stand Herr von Imhausen persönlich am Tisch um die Aufnahmen seiner Schützlinge zu verkaufen. Er hat ja auch alle Rechte zur Vermarktung der Heimbach-Mitschnitte von EMI erworben). Ich habe den Kauf nie bereut, und höre immer wieder gerne in diese Aufnahmen hinein. Neben all den anderen großartigen Werken aus Schuberts Feder, die er in seinem letzten Lebensjahr geschrieben hat, sind auch die beiden Trios etwas Unbegreifliches. Das jemand in so kurzer Zeit derart konzentrierte Werke schaffen kann, für die manch anderer ein ganzes Leben benötigt, ist ein ewiges Rätsel. Der bereits genannte langsame Satz aus dem Es-Dur Trio, der auf ein schwedisches Volkslied zurückgeht, ist etwas das man sein Lebtag nicht mehr los wird. Einerseits weil es so einprägsam ist, und andererseits, weil es, ähnlich dem langsamen Satz aus der späten A-Dur Sonate, eine überwältigende Intensität besitzt. Wer als Musiker oder Musikerkollektiv in der Lage ist, das so herüber zu bringen, dass man auf der Stelle ergriffen ist, hat das Werk verstanden. Die genannten Aufnahmen gehören für mich auf jeden Fall dazu.
LG Florestan
Amadé (10.05.2014, 20:06): @ palestrina
Die Aufnahmen mit dem Wanderertrio besitze ich auch, es sind gute Einspielungen.
@ Florestan
Wie Du kenne und schätze ich die Stern-Rose-Istomin-Mannschaft schon seit LP-Zeiten, ebenso wie die drei Brahms-Trios. Warum sie noch nicht genannt wurden liegt wohl auch daran, dass der Kreis der Kammermusikfreunde hier sehr klein ist und selten jemand postet. Das könnte sich jedoch ändern ..... :rofl
Gruß Amadé
palestrina (10.05.2014, 20:47): Original von Amadé Wie Du kenne und schätze ich die Stern-Rose-Istomin-Mannschaft schon seit LP-Zeiten, ebenso wie die drei Brahms-Trios. Warum sie noch nicht genannt wurden liegt wohl auch daran, dass der Kreis der Kammermusikfreunde hier sehr klein ist und selten jemand postet. Das könnte sich jedoch ändern ..... :rofl
Gruß Amadé
Das würde ich sehr BEGRÜSSEN, denn wie ihr wisst bin ich ja noch nichts ganz so bewandert in Sachen Kammermusik !
LG palestrina
Florestan (11.05.2014, 12:17): Original von palestrina Original von Amadé Wie Du kenne und schätze ich die Stern-Rose-Istomin-Mannschaft schon seit LP-Zeiten, ebenso wie die drei Brahms-Trios. Warum sie noch nicht genannt wurden liegt wohl auch daran, dass der Kreis der Kammermusikfreunde hier sehr klein ist und selten jemand postet. Das könnte sich jedoch ändern ..... :rofl
Gruß Amadé
Das würde ich sehr BEGRÜSSEN, denn wie ihr wisst bin ich ja noch nichts ganz so bewandert in Sachen Kammermusik !
LG palestrina
Da könnt Ihr hier lange warten. Ich hätte ja schon längst mehr über Kammermusik geschrieben, da es eines meiner Spezialgebiete ist, und ich sogar mal vorhatte einen Kammermusikführer zu schreiben, der etwas ausführlicher ist als die gängigen. Der Grund weshalb ich es noch nicht getan habe liegt darin, das es hier kaum noch nenneswerte Resonanz auf welche Themen auch immer gibt. Und um für den Papierkorb zu schreiben ist mir meine Zeit zu kostbar.
Für Einsteiger in dieses Genre kann ich hingegen den Kammermusikführer von Ingrid Allihn, erschienen bei Bärenreiter, empfehlen. Er bietet einen guten Überblick zu den wichtigen Werken, hat aber für Fortgeschrittene erhebliche Lücken.
LG Florestan
Sfantu (05.03.2022, 18:42): HIer haben sich drei hervorragende Musiker für die beiden Schubert-Trios zusammengetan. Das Ergebnis ist ein sportlich zu nennendes Musizieren, wobei die Musik vor allem in den schnellen Sätzen etwas glatt gebügelt wird. Schuberts Tiefen werden hier elegant umgangen. Das Klangbild ist nicht ausgeglichen, das Cello agiert oft zu sehr im HIntergrund.
Lieber Amadé,
ich nehme an, Du meintest in Beitrag Nr. 9 diese Einspielung? Das Bild wird nämlich nicht mehr angezeigt und Du erwähntest die Interpreten nicht.
Oliver Schnyder Trio
Oliver Schnyder, Klavier Andreas Janke, Violine Benjamin Nyfenegger, Violoncello (2 CDs, RCA, 2013)
Trio B-dur op. 99, D 898
Allegro moderato 14`40 Andante un poco mosso 10`56 Scherzo. Allegro 6`34 Rondo. Allegro vivace 8`44
Ich hörte sie heute im Vergleich mit dieser Einspielung, die nun schon seit Anfang der 90er bei mir steht und über lange Jahre meine einzige Version der Schubert-Trios war:
Haydn-Trio Wien
Heinz Medjimorec, Klavier Michael Schnitzler, Violine Walter Schulz, Violoncello (2 CDs, Teldec, 1987) Das DMM-Signet unten links verrät, daß dies das Cover der Schallplatte ist. Die CD-Booklets (2 Einzel-CDs) hatten in der Erstausgabe die gleichen Cover. Ich hoffe, die LPs irgendwann nochmal zu ergattern.
Trio B-dur op. 99, D898
Allegro moderato 11`35 Andante un poco mosso 8`51 Scherzo. Allegro 6`34 Rondo. Allegro vivace 9`16
Die Unterschiede sind schon eindrücklich. Die Wiener liefern mehr Details, verweilen in dezenten Temporückungen, üben sich in beflissener Klangrede. An dramatisch aufgeladenen Stellen ist die Spannung das ein oder andere Mal zum Bersten. Dagegen bleiben die Schnyders mehr an der Oberfläche - das empfinde ich auch so. Doch federn sie beschwingter im Scherzando des Es-dur-Trios. Ich möchte ihre Darbietung als Normal-Null-Version bezeichnen. Bei diesen Trios, so dicht und facettenreich, kann das mal ganz wohltuend wirken. Das Haydn-Trio Wien lotet zwar sämtliche Tiefen aus - das ist fulminant, birgt aber auch die Gefahr, am Ende dieser nicht gerade kurzen Werke regelrecht erschlagen zu sein. Und immerhin: die Schnyders spielen den Schlußsatz von D 929 ungekürzt. Da es sich nicht einfach um Wiederholungen handelt sondern ganze Passagen sonst fehlender Musik sind, geben sie diesem Finale ein ganz anderes Gesicht. Mir kam beim Vergleichshören noch dieser Gedanke: kann es nicht sein, daß ein Mehr oder Weniger an Lebenserfahrung einen Unterschied für das Gesamtkonztept der Interpretation bedeutet? Sicher - die Frage kann man sich am Ende in bezug auf jede Musik stellen. Aber ja - ich meine, es könnte bei diesen (Meister-) Werken hörbar durchschlagen. Daher fände ich es spannend, zu hören, wie die jugendlichen Schnyders das in zehn, zwanzig Jahren spielen.
Daß das Cello von der Klangregie zu sehr in den Hintergrund gedrängt wäre, nehme ich so nicht wahr. Hier mag aber auch das heimische Set up einen Einfluß haben. Allerdings hat die alte Teldec-Aufnahme ohnehin den besseren, weil präsenteren, konturenschärferen Klang.
Amadé (06.03.2022, 10:31): Guten Morgen Sfantu,
es ist sicher richtig, dass mit zunehmender Lebenserfahrung, aber auch mit immer wieder neuen Erfahrungen im Umgang mit einer bestimmten Komposition sich die Sicht auf das Werk vertieft. Das trifft sicher auch auf das schweizer Oliver-Schnyder-Trio zu. Außer dem Schubert-Doppelalbum besitze ich auch die Aufnahmen der Brahms-Trios mit den drei Musikern. Besonders gefällt mir dort der Schwung, dem sie die, sonst oft mit Schwere belasteten Werke, angedeihen lassen. Mir gefällt diese lustbetonte Art des Musizierens. Die Aufnahme von Schuberts B-Dur Trio D.898 mit dem Winer Haydn-TRio kenne ich leider nicht, jedoch die des Es-dur Trios. In der Triowelt scheint sich die vollständige Wiedergabe des Finalsatzes noch nicht durchgesetzt zu haben. Die "himmlischen Längen" bergen auch Gefahren in sich, wenn die Konzentration nachlässt. Das habe ich in den letzten zwei Jahren bei einem ähnlich konzipierten Satz Schuberts live zweimal erfahren - dem Finale der A-Dur Sonate D. 959 - , als die Pianistin/der Pianist den Faden verlor und sich im Kreis drehte. Durch einen befreienden Ruck kam es dann doch noch zum Abschluss. Für mich als Vertrauter dieser Sonate war es wie ein Horror, als ich erlebte, wie der Interpret mit dem Werk, seinem Gedächtnis und den Fingern rang. Vermutlich stellte es für die anderen Zuhörer eine Verlängerung der "himmlischen Längen" dar. Schuberts Originalfassung des 4. SAtzes von D. 929 habe ich zum ersten Mal vor Jahren mit dem Abegg-Trio gehört. Vor der Darbietung gab der Pianist Gerrit Zitterbart eine Einführung zu Schuberts Urfassung.
Gruß Amadé
Andréjo (07.03.2022, 11:32): Was haltet Ihr von der folgenden Einspielung?
Ich kenne diverse andere, teilweise sehr historische, die spannend sind, aber diese neuschulische hat schon auch was auch! :thumbup: Wobei es klassische Kammermusik aus dieser Zeit gibt, bei der mich die Transparenz und Farbigkeit alter Instrumente stärker überzeugt haben. Liegt es am subtilen, verdeckten, feinnervigen, eben Schubert'schen Pathos dieser Musik? Vielleicht.
Vielleicht ist es auch eine Frage des reiferen Zugangs, wenn mich vor weit über vierzig Jahren das B-Dur-Trio viel eher angesprochen hat - zunächst in einer bald hundert Jahre alten Einspielung mit Thibaud/ Casals/ Cortot - deren Reiz war für mich damals möglicherweise eher was Guinness-Mäßiges
das Bier meine ich nicht, sondern den Rekord-Wettbewerb.
Heute ist es das Es-Dur-Trio - und da stehe ich natürlich nicht alleine da.
La Gaia Scienza: Schöne, etwas extravagante äußere Aufmachung in Buchform.
:) Wolfgang
Amadé (07.03.2022, 18:41): In www.klassik-prisma.de merkte ich zur Aufnahme des B-Dur-Trios folgendes an:
I zu Beginn der Durchführung Tempo leicht angezogen, bestes Miteinander, hervorragendes Team, artikulatorische Feinarbeit, sehr gute Balance und Transparenz, II intensiv, III zupackendes Scherzo, abwechslungsreich, sehr guter Kontrast zum Trio, IV vivace! hervoragende dynamische Gestaltung, tragfähige Spannungsbögen
das trifft, so weit ich mich erinnere, auch auf das Es-Dur-Trio zu.
Gruß Amadé
Andréjo (08.03.2022, 00:24): Danke schön, Amadé!
:) Wolfgang
Sfantu (08.03.2022, 10:25): aber diese neuschulische hat schon auch was auch! Wobei es klassische Kammermusik aus dieser Zeit gibt, bei der mich die Transparenz und Farbigkeit alter Instrumente stärker überzeugt haben. Liegt es am subtilen, verdeckten, feinnervigen, eben Schubert'schen Pathos dieser Musik? Vielleicht. Als Nicht-Strömer, der ich bin, finde ich frei abrufbar nur den zweiten Satz aus dem Es-dur-Trio mit der von Dir erwähnten "fröhlichen Wissenschaft". Mit Kopfhörer ist das klanglich okay, schon auf halbem Weg Richtung HiFi. Feinste Dynamik-Abstufungen, behutsame Gestaltung. Durch den Einsatz des schlanker klingenden Hammerklaviers entgeht das Cello hier mühelos der Gefahr, zugedeckt zu werden.
"Subtiles, verdecktes, feinnerviges Pathos" - gefällt mir, die Charakterisierung. Und sie paßt.
Andréjo (08.03.2022, 12:56): Danke auch Dir, Meister Sfantu!
Schubert à la Gaia müsstest Du dann halt kaufen ... doch ich (ebenso kein Strömer und auch schon lange kein Stromer mehr) kann mich mittlerweile diesbezüglich auch eher beherrschen als noch vor vielleicht zehn, fünfzehn Jahren. Im Zweifelsfall wird auf jeden Fall lieber was für mich völlig Neues gekauft, das ich noch nie gehört habe, und nicht zum fünften oder gar zehnten Mal die ganz bekannte Literatur.
Und obige Doppel-CD ist nun kein Schnäppchen, sondern leicht gemäßigter Hochpreis.
Da es hier aber um Schubert und nicht um Privatgschmarri geht, verlinke ich mal die Uralteinspielung - die ich, wie soeben festgestellt, auf fragwürdige Weise doch verfügbar gemacht habe. (Die Bandmaschine, mit der die Aufnahme einst entstand, ist schon lange kaputt.) Die CD werde ich mir wohl nicht kaufen ... das ginge preisgünstiger, indem dass die Einspielungen noch nicht einmal als SACDs aufbereitet wurden (kleiner Scherz):
Gruß von Wolfgang
Sfantu (12.03.2022, 17:12):
Paul Badura-Skoda, Klavier Wolfgang Schneiderhan, Violine Boris Pergamentschikow, Violoncello (2 LPs, ex libris - Lizenz vom ORF, 1984)
Trio B-dur op. 99, D 898
Allegro moderato 11`13 Andante un poco mosso 8`37 Scherzo. Allegro 6`48 Rondo. Allegro vivace 9`00
Was die Beschäftigung mit bestimmten Werken doch für erfreuliche Nebeneffekte mit sich bringen kann: im vorliegenden Beispiel gerät das zu einem Playoff, an dessen Ende 1/2 cm mehr Platz im Plattenregal entsteht - Fortsetzung nicht ausgeschlossen...
Dieses All Star-Trio macht Vieles richtig. Die jeweilige individuelle Klasse steht außer Frage. Vor allem in den langsamen Sätzen werden große romantische Dramen gestaltet. Aber: In den Tanzsätzen vermisse ich das Tänzerische. Das Pointierte, die schwungvolle Delikatesse des Oliver Schnyder-Trios etwa, sind hier nicht mal zu erahnen. Hölzern und brav geht es zu. So wird das stampfende Schrumm-Schrumm zu Beginn des Mittelteils im Scherzando des Es-dur-Trios zu handzahm genommen. Die rasenden Unisono-Tonrepetitionen der beiden Streicher, während das Klavier seine satten Akkorde auf jede Eins setzt, jagen mit den Schnyders wohliges Kribbeln durch den Bauch während hier alles ziemlich mau bleibt. Größter Schwachpunkt: Schneiderhan. Sein Ton ist mir oft zu süßlich. Zudem hat er hie und da hörbare Intonationsschwächen - am deutlichsten im Scherzo des B-dur-Trios. Größter Glanzpunkt: Badura-Skoda. Geschmackvolle Phrasierungen und eine nur schwer genauer zu beschreibende Eleganz. Zudem macht er nur sparsam Gebrauch vom Pedal, sodaß der Gesamtklang transparenter wird. Sein Instrument rückt so ein hörbares Stück Richtung Hammerklavier. Es (das Instrument) wird im Klappentext nicht genannt - dafür aber der delikate Zusammenklang der beiden Streicher hervorgehoben, da sie beide Stradivaris spielen. Technisch könnte die Aufnahme mehr Biß, mehr Trennschärfe vertragen. Sie ist mir eine Spur zu weich gezeichnet.
Sfantu (09.07.2022, 00:15): Beim VEB entschied man sich seinerzeit für eine zusammengewürfelte Schubert-Trio-Gesamtschau, bestehend aus Einspielungen durch das Beethoven-Trio sowie dieser hier durch das Suk-Trio:
Trio B-dur op. 99, D 898
Suk-Trio: Jan Panenka, Klavier Josef Suk, Violine Josef Chuchro, Violoncello (LP, Eterna / VEB Deutsche Schallplatten (Lizenz Supraphon),1964)
Allegro moderato 11`13 Andante un poco mosso 8`37 Scherzo. Allegro 6`48 Rondo. Allegro vivace 9`00
In seinem Klassik-Prisma beschreibt Amadé das Spiel des Trios als sauber, robust, etwas rauh und musikantisch. Dem schließe ich mich uneingeschränkt an. Und ich finde, dieser schnörkellose, geradlinige, beinahe unromantische Ansatz bekommt dem Stück sehr gut - fast mehr noch dem hier zugegebenen Notturno. Schlanke, trockene Tongebung, gute Durchhörbarkeit und eine Stimmenbalance, die hier auch das Cello in keinem Moment untergehen läßt. Dennoch besitzt die Aufnahme keinen ganz natürlichen Raumklang.