Friedrich Gernsheim (1839-1916)

Sully (18.11.2011, 13:11):
Friedrich Gernsheim (1839-1916)

Wikipedia schreibt:
Friedrich Gernsheim (* 17. Juli 1839 in Worms; † 10. September 1916 in Berlin) war ein deutscher Pianist, Dirigent, Komponist und Musikpädagoge der Spätromantik.

Friedrich Gernsheim entstammte als Sohn eines Arztes einer angesehenen jüdischen Familie in Worms, deren Mitglieder über einige Jahrhunderte dort nachweisbar sind. Erste musikalische Unterweisung erhielt er in Worms von seiner Mutter, die Pianistin war. Später erhielt er Unterricht bei dem Spohr-Schüler Louis Liebe. Wegen der Unruhen im Revolutionsjahr 1848 übersiedelte er nach Mainz, wo er Klavierunterricht von Ernst Pauer erhielt.

1849 übersiedelte Gernsheim nach Frankfurt am Main und erhielt dort geregelten und systematischen Unterricht in Klavier und Violine. Mit elf Jahren debütierte er dort erstmals öffentlich als Pianist und Geiger, sowie als Komponist einer Konzert-Ouvertüre. Ab 1852 studierte Gernsheim in Leipzig bei Ignaz Moscheles und Ferdinand David. Von 1855 bis 1860 hielt er sich in Paris auf, wo er Bekanntschaft mit Édouard Lalo und Camille Saint-Saëns machte. Seine erste Anstellung fand er in Saarbrücken als Musikdirektor.

Ab 1865 war er Lehrer am Konservatorium in Köln und Leiter des städtischen Gesangvereins und der Musikgesellschaft. Zudem hatte er die Stelle des Kapellmeisters am Stadttheater inne. Einer seiner Schüler war Engelbert Humperdinck. Im Jahr 1874 erfolgte die Berufung nach Rotterdam als Direktor der „Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst“ (Maatschappij tot Bevordering der Toonkunst). Mit Brahms verband ihn eine enge Freundschaft.

Gernsheim heiratete am 1. Mai 1877 in Worms Helene Herrnsheim (* 1851 in Karlsruhe; † 26. Oktober 1927 in Berlin); das Paar hatte zwei Töchter. Nachfahren leben heute im Ausland. Eine Berufung ans Stern’sche Konservatorium in Berlin erhielt er im Jahr 1890. Im Oktober 1910 wurde sein Vortrag dreier eigener Kompositionen für Welte-Mignon aufgenommen. Die Stadt Darmstadt ehrte den 75jährigen Komponisten im Jahr 1914 mit einem zwei Tage andauernden „Gernsheimfest“, bei dem er als Dirigent und Pianist zu erleben war.

Seine Grabstätte befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee in Berlin.

Ich möchte euch 2 CD's vorstellen:

Gernsheim - Complete Symphonies (1 - 4)


The Romantic Cello Concerto, Vol. 2 - mit Gernsheim's Cellokonzert


Gernsheim ist einer der ''vergessenen'' Komponisten. Für mich eine Entdeckung!

Gruss Sully
uhlmann (19.11.2011, 11:20):
ist eh lustig, haufenweise threads zu komponisten zu haben, die keiner kennt.

aber es wäre mal nett, wenn du - statt nur wikipedia zu zitieren und ein paar cover zu posten - die vorgestellten komponisten musikalisch etwas charakterisieren würdest. sie etwa mit zeitgenossen vergleichen, so dass man sich ein bild machen kann, wie sie komponiert haben.

ich lerne gerne neue oder mir bisher unbekannte komponisten kennen. aber warum solls gerade friedrich gernsheim sein? was macht ihn interessant?

höre übrigens gerade den 4. satz der 1. symphonie auf youtube.
na ja, höchst inspiriert und eigenständig würde ich das nicht nennen. da wurstelt einer ganz gehörig in der tradition (frei nach meiner signatur). :I
laut einem poster soll seine kammermusik besser sein.
Sfantu (19.11.2011, 14:23):
Sehr erfrischend wirkt Gernsheims Musik immer wieder auf mich - habe die Arte Nova-Doppel-CD seit etlichen Jahren in meiner Sammlung (noch mit einem anderen Cover).
In der Tradition wursteln? Das ist sicher Auslegungssache. Sicher, im Blindtest kann man das schon für einen etwas aufgehellten Brahms, etwa den der Orchesterserenaden, halten. Sich mit diesem Etikett zu begnügen, wäre aber ein Schnellschuss, der daneben geht. Immerhin kam bspw. Gernsheims sinfonischer Erstling ein Jahr vor jenem von (Freund) Brahms zur Uraufführung. Gernsheim ist sicherlich kein kompositorischer Initialzünder, ebensowenig aber ein Schifflein, das führerlos in den Winden des Zeitgeistes schippert. In den Scherzi hör' ich noch viel Mendelssohnschen Elfenspuk (nicht anders als bei Stanford oder Raff), die langsamen Sätze lassen stellenweise wiederum Mendelssohn oder Spohr anklingen (ohne in dei manchmal biedermeierliche Süsslichkeit des Letzteren zu rutschen), den Finali fehlt manchmal der letzte dramatische Zug. Wohlgemerkt: Das sind alles kleinere (& für mich verzeihliche) Abstriche - die Habenseite wiegt dafür weit schwerer: Gekonnte, wohlproportionierte Kompositionsweise, handwerkliche Meisterschaft, klug platzierte dramatische Akzente & ein Stil, der sehr gewinnend ist. Virtuose Textur namentlich für die Streicher, ein steter Wechsel zwischen den führenden Stimmen, wodurch das Blech pointiert zur Geltung kommt. Vielleicht die ideale Einstiegsdroge, um sich dem sperrigen Brahms zu nähern.

Die Ludwigshafener schlagen sich mehr als tapfer - freilich kommen die hohen Streicher eines B-Orchesters oft hörbar an ihre Grenzen, sind aufnahmetechnisch ausserdem wohl auch etwas vernachlässigt (in diesem Fall vielleicht gar nicht mal so schlimm :P).

Möchte mehr von Gernsheim hören - vor allem auch mal im Konzert!
Sully (19.11.2011, 22:00):
hallo Uhlmann,

nach Deinen Worten muss ich mich wohl entschuldigen, dass ich unbekannte Komponisten ins Forum stelle. Deine Kriterien zur Musik kann ich nicht teilen. Ich habe schon einiege male gesagt: Musik muss für mich gut klingen und berühren. Gernsheim erfüllt diese für mich. Das sezieren und vergleichen mit Kompositionen anderer Komponisten kann und will ich auch nicht. Nimm es so wie ich es ins Forum stelle - Du must ja nicht darauf eingehen.

Gruss Sully
Maurice inaktiv (14.03.2013, 00:52):
Ich habe beide CDs zur Hand.Doch zunächst noch ein paar Worte zu Friedrich Gernsheim,die nicht bei Wikipedia zu stehen scheinen.

Einer seiner Schüler war Engelbert Humperdinck (ich meine den Komponisten,nicht den Schmusesänger :D).

Seine wichtigste Zeit erlebte er von 1874-1890 als Musikdirektor in Rotterdam,wo er die Werke seines Freundes Johannes Brahms und drei seiner Sinfonien aufführte.

Seine vier Sinfonien stehen Brahms nahe,aber auf Grund seiner sehr umfassenden Ausbildung stehen auch Beethoven,Spohr,Mendelssohn oder Franz Schubert Pate seiner Werke.

Seine erste Sinfonie wurde ein Jahr VOR jener von Brahms uraufgeführt,was der Nähe zu Brahms vielleicht doch ein etwas anderes Gewicht verleiht als man allgemein denken würde.

Gernsheim schrieb auch eher "heiter" und "leichtfüßig",auch hier besteht ein Gegensatz zur Strenge und Schwerblütigkeit des Norddeutschen Brahms.

Seine Sinfonien stehen im damals zeitgemäßen spätromantischen Stil und dauern zwischen 30 und 40 Minuten,sind also keine so groß angelegten Werke wie jene seiner Zeitgenossen Bruckner,Mahler,Strauss oder auch dem so wichtigen Hans Rott.

Die Staatsphilharmonie Rheinland-Pflalz gehört mMn zu den besten Orchestern der zweiten Reihe.Mit 88 Musikern dürfte es sich um ein sog. "B-Orchester" handeln,und steht so fast zwangsläufig unter den wirklich "großen" Orchestern in Deutschland.

Dass man hier aber erstklassige Einspielungen vorliegen hat,wird durch die damalige Kritik der Fono-Forum bestätigt,die für Interpretation und Klang ein "sehr gut" vergaben.Ich zitiere: "Den spätromantisch geprägten,voll klingenden Kompositionen erweist sich das traditionsreiche Orchester als ein adäquater Mittler.....Somit wurde die Repertoirelücke sowohl in intepretatorischer wie auch in klanglicher Hinsicht erfolgreich geschlossen"(aus FF,04/1999).

Noch Fragen?

Nun zu den Cellokonzerten.Hier wurde mit Sicherheit ein Meilenstein aufgenommen,weil es alle wichtigen Cellokonzerte der deutschen Romantik im Umfeld von Schumann und Brahms zu bieten hat.

Der Solist Alban Gerhardt gehört zu den besten Cellisten dieses Landes,auch hier wurde ein absoluter Toppmann verpflichtet.

Das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin unter Hannu Lintu ist für diese Konzerte absolut gut genug,siehe auch hier die Bewertungen der einzelnen Fachzeitschriften.

Folgende Bewertungen wurden hier vorgenommen :

BBC Music Magazine : Interpretation & Klang : hervorragend(04/2007)
Rondo : Interpretation & Klang : sehr gut (02/2007)
Stereoplay : Interpretation & Klang : hervorragend(09/2007)

ich möchte dabei erwähnen,dass hier wirklich wunderbare Musik eingespielt wurde.Robert Volkmann und Albert Dietrich habe ich auch durch das Label CPO mit ihren Sinfonien hier im Regal stehen.Zwei weitere hochrangige Komponisten,die es verdient hätten,mehr aufgeführt und gehört zu werden.

Auch hier gilt : Noch Fragen?

VG,Maurice
abendroth (14.03.2013, 23:08):
Ich kenne von Gernsheim die beiden Klavierquartette und die Violinsonaten. Von diesen Werken war ich sehr angenehme überrascht. Sie sind musikalisch irgendwo zwischen Mendelssohn und Brahms angesiedelt. Da diese Werke recht preisgünstig sind (Brilliant) kann ich jedem nur empfehlen, das Risiko einzugehen, sie kennenzulernen. Wer relativ konservative romantische Kammermusik mag, wird den Ankauf wahrscheinlich nicht bereuen.
mit freundlichen Grüssen
abendroth
Maurice inaktiv (14.03.2013, 23:20):
Stimmt!!Es gibt auch eine interessante Orchester-CD,auf welcher zwei unbekannte Werke von jeweils August Klughardt (von dem ich heute eine CPO-CD bekommen habe) und Gernsheim gekoppelt sind :

http://www.amazon.de/Klughardt-Gernsheim-Lenore-Anhaltische-Philharmonie/dp/B008K1PWZO/ref=sr_1_7?s=music&ie=UTF8&qid=1363299413&sr=1-7

Mir ist sie aber noch zu hochpreisig,sonst hätte ich sofort zugegriffen.Doch so liegen andere Komponisten noch weit davor....
Sfantu (22.01.2021, 15:43):
Wie doch die Zeit vergeht!
Vor gut neun Jahren schrieb ich hier etwas zur Ludwigshafener Einspielung der vier Gernsheim-Sinfonien mit Siegfried Köhler.
Wenn ich mich heute neu mit Gernsheim beschäftige, reib' ich mir bei einem Teil meiner Aussagen die Äuglein. Drum muß ich sie jetzt mal relativieren resp. revidieren:
Sicher, im Blindtest kann man das schon für einen etwas aufgehellten Brahms, etwa den der Orchesterserenaden, halten.


In den Scherzi hör' ich noch viel Mendelssohnschen Elfenspuk.
Gernsheim ist alles Andere als ein aufgehellter Westentaschen-Brahms!
& alles Andere als Mendelssohnscher Elfenspuk weht durch seine Scherzi.
Die Musik besitzt so viel an dramatischer Energie, an Ausdruckskraft, lotet schwermütige Untiefen aus, wie sie anderenorts aber auch Freude & Aufbruch feiert. Punktuell flackern düstere Episoden auf, die an die Grusel-Romantik Marschners denken lassen,Das Finale der Ersten steht mit seinen weitschweifenden, sanglichen Themen in gewisser Nähe zu Max Bruch, mit dem Gernsheim seit seiner Kölner Zeit befreundet war. Dergestalt vielleicht der schwächste Gernsheim-Satz. Gerade die Scherzi besitzen so viel ganz eigenes Gepräge, daß mein Verweis auf Felix den Glücklichen sich bald als Stereotyp entlarvt. In der Ersten besitzt das Scherzo eine fast Brucknersche Grundierung. In der Zweiten kleidet Gernsheim es in das Gewand einer Tarantella mit schellenkranzverstärktem Rhythmus. In der programmatischen Dritten (der Beiname "Mirjam" verweist auf die Schwester Aarons) schildert es die nächtliche Flucht der Israeliten - die Schatten, die Gefahr, die ängstliche Eile werden Klang.
Die Ludwigshafener schlagen sich mehr als tapfer - freilich kommen die hohen Streicher eines B-Orchesters oft hörbar an ihre Grenzen
Hier war ich eindeutig zu beckmesserisch in meiner Beschreibung.
Beim erneuten Hören bin ich durchweg begeistert vom Pfälzer Orchester. Verve, Dramatik, große wie auch zarte Gesten - all das spielen sie mit Herzblut. Der Wunsch nach einer anderen, besseren Aufnahme kommt zu keiner Zeit auf. Dennoch wäre es spannend, zu erfahren, wie sich die spätere Konkurrenzeinspielung aus Mainz (cpo) schlägt.

Es gibt auch eine interessante Orchester-CD,auf welcher zwei unbekannte Werke von jeweils August Klughardt (von dem ich heute eine CPO-CD bekommen habe) und Gernsheim gekoppelt sind


Mir ist sie aber noch zu hochpreisig,sonst hätte ich sofort zugegriffen.
Für mich darf Qualität auch mal was kosten.



"Zu einem Drama". Tondichtung für großes Orchester op. 82

SWR Radiofunkorchester Kaiserslautern - Klaus Arp
(CD, Sterling, 2012. Aufnahme von 1995)

& wieder sind es Pfälzer, die sich hier für ihren genius loci einsetzen.
Diese Tondichtung ist gleich in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert & der Vergleich mit den Sinfonien äußerst reizvoll: entstanden diese in Gernsheims mittlerer Schaffenszeit, zählt die Tondichtung schon eher zum Spätwerk - 1902 geschrieben & 1910 veröffentlicht. Dirigiert hat sie Gernsheim auch selbst.
Die Stadt Darmstadt ehrte den 75jährigen Komponisten im Jahr 1914 mit einem zwei Tage andauernden „Gernsheimfest“, bei dem er als Dirigent und Pianist zu erleben war.
Hier müssen wir Darmstadt gegen Dortmund tauschen.
Widmungsträger des Werkes ist Georg Hüttner, der mit Gernsheim befreundete Dortmunder Musikdirektor.
Ein Programmheft belegt eine Aufführung in Dortmund mit Gernsheim am Pult bereits für den 8. Oktober 1912.
("Philharmonisches Orchester der Stadt Dortmund. Sinfonie der Hundert - Porträt eines Orchesters". Harenberg, 1997, S. 50)

Die von den Sinfonien vertraute Substanz kompositorischer Meisterschaft in reichem Orchestersatz, meist dunkel grundiert, findet sich auch hier. Was aber kommt hinzu? Das nicht näher bezeichnete "Drama" entfaltet sich in einem schillernden Wechselbad an Stimmungen: ein schmachtendes Motiv verkörpert wohl ein Art Hoffnungs-, Sehnsuchts-, Siegesgedanken, der in Veränderungen wiederkehrt. Dazwischen ereignet sich ein wahres Kaleidoskop an packend-dramatischen Konflikten, teils in grellen Klangeffekten, die stellenweise Richard Strauss erahnen lassen, auch vermitteln sich wagnersche Einflüsse - Gernsheim zeigt sich also in reiferen Jahren offen für Neues & hat keine Berührungsängste mit dem vermeintlich feidlichen Lager (traditionsbewahrende, Brahmssche Grundierung hier, ein Schritt in die Richtung der Programmmusik der Neudeutschen dort). Ein großer Sympathiepunkt also für die Souveränität seines freien Geistes.

Interessant auch diese Charakterisierung:
"A conservative composer, he was strongly influenced by Brahms's harmony and orchestration, In his composition, Gernsheim aimed above all for unity, believing that each bar should be both essential and inevitable in its place in the conception of the whole. His music shows technical mastery and a command of form, although only some of the last works, such as the symphonic poem Zu einem Drama (1910) and the String Quartet no. 5 (1911), show greater innovation"
(New Grove, 2nd edition, Band 9, S. 745)

Auch diese Einspielung läßt in mir keine Wünsche nach etwas Anderem laut werden. Bestens disponiertes Orchester & eine packende Dramaturgie, welche die Musik zum Leuchten bringt.
Satter, klarer Klang.
Maurice inaktiv (22.01.2021, 15:57):
Für mich darf Qualität auch mal was kosten.
Die CD gibt es bei JPC zur Zeit für erschwingliche 14,99 €. Sie war und ist bei Amazon nämlich nach wie vor kaum, bzw. sehr teuer zu erwerben nur.

https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/August-Klughardt-1847-1902-Symphonie-Nr-2-d-moll-op-27-Leonore/hnum/2871447

Vor allem ist die Klughardt-Sinfonie noch nicht bei CPO erschienen, also eine Rarität innerhalb der Raritäten hier.
Toni Bernet (01.02.2021, 12:26):
Ich habe mich, angeregt durch obige Beiträge, wieder mal den Violinkonzerten von Friedrich Gernsheim zugewandt. Aber ich wurde mit den Violinkonzerten nicht so richtig warm. Ich fand keinen Einstieg und Zugang.

Anders beim Fantasiestück für Violine mit Begleitung des Orchesters D-Dur op. 33 (1878), einem kleinen romantischen Bijou, sprich Kleinod.

Gernsheims Fantasiestück ist ein Vorläufer seiner Violinkonzerte und noch ganz in der romantischen Tradition komponiert, man denke an die Fantasiestücke von Schumann und Brahms, die Gefühl und formale Freiheiten verbinden wollen. Doch reicht das Leben Gernsheims bis ins 20. Jahrhundert, und enthält eine Fülle von Musik in verschiedenen Gattungen und Ausführungen, sodass man ihn zur Spätromantik zählen kann.


Persönlich habe ich zu diesem noch echt romantischen Fantasiestück einen unmittelbaren Zugang. Das gelingt mir bei Gernsheims späteren Violinkonzerten von 1880 und 1912 nicht, aber vielleicht hilft mir da jemand. Ich habe deshalb keines von Gernsheims Violinkonzerten auf meine Homepage von unbekannten Violinkonzerten aufgenommen.

Dieses Fantasiestück kann durchaus neben einem Werk wie der Schottischen Fantasie von Max Bruch bestehen. Im Gegenteil, seine Kürze spricht für sich. Ich meine auch, dass in der CD-Aufnahme dieser Werke (bei cpo, versteht sich!) der Geiger Linus Roth bei diesem Fantasiestück am besten in Form ist, diesen Melodien Emotion vermittelt und deren Höhepunkte mit engagierter Expressivität zum Strahlen bringt.



Gruss
Toni