Travi (19.10.2007, 13:48): Wie begeisten wir die, die von der Klassik noch nicht begeistert sind, hat man sich in Düsseldorf (wie andernorts) gefragt. Eine mögliche Lösung (s. die Rheinische Post von heute): Die Konzertreihe "440 Hz - neue Frequenzen in der klassischen Musik", die mit 4 Konzerten bereits in die zweite Runde geht.
Konzerte & Termine: :wink
27.10.2007 Klassik & Hip-Hop mit dem Rapper Miki (alias Mihalj Kekenj, gleichzeitig klassisch ausgebildeter Geiger und stellvertretender Konzertmeister der Niederrheinischen Synfoniker)
18.01.2008 Klassik & Fotografie mit Konrad Beikircher
18.04.2008 Klassik & Jazz mit Götz Alsmann
14.06.2008 Klassik & A-cappella-Pop mit Basta
Gruß, Travi
Travi (19.10.2007, 13:48): Wie begeisten wir die, die von der Klassik noch nicht begeistert sind, hat man sich in Düsseldorf (wie andernorts) gefragt. Eine mögliche Lösung (s. die Rheinische Post von heute): Die Konzertreihe "440 Hz - neue Frequenzen in der klassischen Musik", die mit 4 Konzerten bereits in die zweite Runde geht.
Konzerte & Termine: :wink
27.10.2007 Klassik & Hip-Hop mit dem Rapper Miki (alias Mihalj Kekenj, gleichzeitig klassisch ausgebildeter Geiger und stellvertretender Konzertmeister der Niederrheinischen Synfoniker)
18.01.2008 Klassik & Fotografie mit Konrad Beikircher
18.04.2008 Klassik & Jazz mit Götz Alsmann
14.06.2008 Klassik & A-cappella-Pop mit Basta
Gruß, Travi
Solitaire (26.04.2008, 11:18): Also ich bin ja für die Version "Einladen und Mitschleppen was sich nicht wehren kann". Habe eine Feundin erfolgreich in "La Traviata" und "Carmen" geschleift, und einer anderen Freundin, als sie erwähnt hat, daß ihr die Stimme von "diesem Mexikaner den du ständig hörst" gut gefällt eine ähhh... Sicherungskopie seiner Aufnahmen auf den Schreibtisch gelegt. Beide waren sie begeistert. Vor allem sollte man "Klassikanfängern" den Gedanken nehmen, daß sie Klassik "verstehen" müssten. Zuhören sollen sie, und rausfinden, was ihnen gefällt und was nicht. In der Musikbibliothek in der ich arbeite, drücke ich grundsätzlich jedem der mir sagt er möchte mal was klassisches hören, würde sich aber nicht damit auskennen die Peer-Gynt-Suiten in die Hande. Bis jetzt war danach noch JEDER hingerissen und neugierig auf andere Sachen.
Gerion (26.04.2008, 12:18): Naja, das mit dem "Klassik und..." sehe ich etwas skeptisch. Da schwingt immer ein wenig Rechtfertigung mit, die Klassik nun wirklich nicht nötig hat.
Ich finde, die Leute müssen schon von sich aus Interesse haben - sonst wird die Verbindung auch auf Dauer nicht fruchtbar. Wenn mich jemand anspricht und Interesse hat, empfehle ich ihm, ein Konzert zu besuchen.
Ich bin aber noch auf der Suche nach einer Art "Repertoire-Querschnitt-Sampler", auf dem viele Stile enthalen sind und der nicht teuer ist. Ich glaube, im mp3-CD-Segment könnte es so etwas geben.
Gruß, Gerion
Solitaire (26.04.2008, 12:29): Es gibt eine Doppel-CD mit klassischer musik aus bekannten Spielfilmen. Da ist von Mozart ("Elvira Madigan") bis Wagner ("Apocalypse now") alles drauf, was an klassischer Musk in Filmen eine Rolle spielt. "Tod in Venedig" (Mahler, wie wir wissen) "Diva" (Catalani: La Wally), "Die Traumfrau" (Ravel: Bolero) etc. Eine gute Übersicht über diverse Stile und Epochen. Wenn ich wieder im Büro bin, recherchiere ich mal nach den Bestellangaben, wir haben das Ding nämlich in der Bibliothek und es ist immer ein guter Tip für Klassikneulinge. Tante EDIT sagt: Das it "Klassik und..." sehe ich übrigens ähnlich. Auf der anderen Seite: mit Speck fängt man Mäuse :D Als solch eine Mäusejagd betrachte ich übrigens auch die heiß diskutierten "Waldbühnenkonzerte" die es jeden Sommer landauf, landab zu hören und zu sehen gibt. Ich muß das nicht unbedingt haben, aber manch einer hat dadurch schon seine Begeisterung für die Klassik entdeckt.
Tranquillo (26.04.2008, 13:28): Original von Solitaire Es gibt eine Doppel-CD mit klassischer musik aus bekannten Spielfilmen. Da ist von Mozart ("Elvira Madigan") bis Wagner ("Apocalypse now") alles drauf, was an klassischer Musk in Filmen eine Rolle spielt. "Tod in Venedig" (Mahler, wie wir wissen) "Diva" (Catalani: La Wally), "Die Traumfrau" (Ravel: Bolero) etc. Eine gute Übersicht über diverse Stile und Epochen. Das ist insofern ein guter Ansatz für Klassikneulinge, als man ihnen damit sehr gut verdeutlichen kann, dass Klassik für sie nicht etwas völlig Neues und Unbekanntes ist, sondern dass sie schon etwas davon kennen. Das nimmt die (weitgehend unbegründete) Schwellenangst, die viele davon abhält, sich näher mit Klassik zu beschäftigen.
Übrigens sind ja gerade die öffentlichen Bibliotheken mit ihrem teilweise doch recht umfangreichen CD-Angebot im Klassik-Bereich ideal geeignet, um als Klassikneuling herauszufinden, was einem zusagt und was nicht. Und wenn dann auch noch jemand vom Bibliothekspersonal selbst klassikbegeistert ist und fachkundig beraten kann, ist das für den Neuling schon fast wie ein Sechser im Lotto :D
Viele Grüsse Andreas
Solitaire (30.04.2008, 09:29): So, hier die Bestellangaben der CD:
Musiques de films London: EMI, 1988 Best.-Nr. : 7 62573 2 – 7 62574 2
Das Problem ist, daß ich nicht weiß, ob die CD noch lieferbar ist. Aber über die einschlägigen Antiquariate müßte vielleicht was zu machen sein. Außerdem gibt es zumindest bei Amazone France einige ähnliche Zusammenstellungen.
cellodil (01.05.2008, 10:35): Hallo, Ihr Lieben,
ich bin zwar eher selten missionarisch tätig, aber meiner Erfahrung nach ist eines der größten Handicaps tatsächlich die Schwellenangst oder die Angst, irgendwelche vermeintlich dummen Fragen zu stellen. Ich habe auch keine Ahnung, wieso Klassikunerfahrene häufig glauben, dass man für diese Art von Musik ein umfangreiches Vorwissen braucht - und zwar nicht nur, um sie genießen zu können, sondern um sie überhaupt "konsumieren" zu dürfen (zumal vieles, was heute mehr oder weniger weihevoll zelebriert wird zur Entstehungszeit auch schlicht der Unterhaltung diente)...
Jedenfalls versuche ich immer, unerfahrenen Hörern oder Konzertmitgehern zu vermitteln, dass das Freude oder sogar Spaß machen kann, dass man sich zunächst einmal gar nicht anstrengen, sondern nur die Ohren und das Herz aufsperren muss. Und - Menschen sind neugierig - dass es da viel zu entdecken gibt...
Und der einfachste Weg zur "Klassischen Musik" ist - jedenfalls meiner Meinung nach - das Selbermachen. Deshalb ermutige ich auch jeden, der in sich die Lust zu einem Instrument oder zum Singen verspürt, es doch einfach einmal zu versuchen.
Liebe Grüße
Sabine
Tranquillo (01.05.2008, 11:49): Original von cellodil ich bin zwar eher selten missionarisch tätig Liebe Sabine,
Du hast das Wort "missionarisch" sicher ironisch gemeint, aber dahinter steht etwas, womit man Menschen eher abschreckt, nämlich: Ich bin ein Vertreter der einzig wahren (!) Musikrichtung und möchte Dich auch dazu bekehren. Musik ist weder Religion noch Religionsersatz, hier gibt es meiner Meinung nach nichts "einzig Wahres". Das, was die Menschen im Laufe der Musikgeschichte dafür gehalten haben, hat sich immer wieder gravierend verändert. Sicher könnte man objektiv argumentieren, dass klassische Musik beispielsweise "besser" ist als Volksmusik (oder das, was in den Medien so bezeichnet wird), aber was nutzt das, wenn dem Gegenüber das musikalische Wissen und das entsprechende Vokabular fehlt.
aber meiner Erfahrung nach ist eines der größten Handicaps tatsächlich die Schwellenangst Ganz genau.
Ich habe auch keine Ahnung, wieso Klassikunerfahrene häufig glauben, dass man für diese Art von Musik ein umfangreiches Vorwissen braucht - und zwar nicht nur, um sie genießen zu können, sondern um sie überhaupt "konsumieren" zu dürfen (zumal vieles, was heute mehr oder weniger weihevoll zelebriert wird zur Entstehungszeit auch schlicht der Unterhaltung diente)... Ich denke, es liegt daran, dass klassische Musik oft - bildlich gesprochen - auf den Sockel gestellt wird. Man hat ihr aufgrund ihres Alters und ihrer Qualität Ehrfurcht entgegenzubringen; sie ist nicht Bestandteil des Alltags, sondern für besondere Anlässe gedacht und sie darf schon gar nicht der Unterhaltung dienen, sondern der Erbauung und geistigen Erhebung.
Und der einfachste Weg zur "Klassischen Musik" ist - jedenfalls meiner Meinung nach - das Selbermachen. Deshalb ermutige ich auch jeden, der in sich die Lust zu einem Instrument oder zum Singen verspürt, es doch einfach einmal zu versuchen. Der einfachste Weg ist meiner Meinung nach immer noch das unvoreingenommene, vorurteilsfreie Hören und Sich-darauf-einlassen. Ein Instrument zu erlernen ist eine Sache, zu der man neben etwas Talent auch viel Disziplin, Hartnäckigkeit und Gelassenheit gegenüber Rückschlägen braucht. Kinder bekommen das wesentlich besser hin als Erwachsene, weil sie (einen guten Lehrer vorausgesetzt) eher spielerisch an das Instrument herangehen, während Erwachsene meist zu "verkopft" sind und sich selbst unter Leistungsdruck setzen. Beim Singen würde ich Dir auch bei Erwachsenen zustimmen - das bekommt man auch im fortgeschrittenen Alter noch gut hin (zumindest im Chor).
Viele Grüsse Andreas
cellodil (01.05.2008, 19:50): Original von Tranquillo Du hast das Wort "missionarisch" sicher ironisch gemeint, aber dahinter steht etwas, womit man Menschen eher abschreckt, nämlich: Ich bin ein Vertreter der einzig wahren (!) Musikrichtung und möchte Dich auch dazu bekehren. Musik ist weder Religion noch Religionsersatz, hier gibt es meiner Meinung nach nichts "einzig Wahres".
Lieber Andreas,
so hatte ich das in etwa auch gemeint... Ich möchte niemanden zu irgend etwas bekehren - auch, weil ich selbst nicht bekehrt werden möchte... Von mir aus darf jeder mit der Musik leben, die für ihn (vielleicht auch nur in diesem Moment oder dieser Lebensphase passt). In manchen Fällen allerdings unter der Voraussetzung, dass ich nicht zum Mithören gezwungen bin...
Worum es mir eigentlich ging, das war eher, dass ich bislang noch nie das Gefühl hatte, jemanden vorsätzlich für "Klassik" begeistern oder ihn auch nur an diese Musik heranführen zu müssen.
Ich hatte immer den Eindruck, dass das irgendwie von ganz alleine kommt. Dass die Menschen von sich aus neugierig sind und dann Fragen stellen oder Handreichungen/Hilfestellungen einfordern. Deshalb habe ich mir bislang auch noch nie Gedanken darüber gemacht, wie ich meine Begeisterung anderen vermitteln könnte.
Original von Tranquillo Der einfachste Weg ist meiner Meinung nach immer noch das unvoreingenommene, vorurteilsfreie Hören und Sich-darauf-einlassen. Ein Instrument zu erlernen ist eine Sache, zu der man neben etwas Talent auch viel Disziplin, Hartnäckigkeit und Gelassenheit gegenüber Rückschlägen braucht. Kinder bekommen das wesentlich besser hin als Erwachsene, weil sie (einen guten Lehrer vorausgesetzt) eher spielerisch an das Instrument herangehen, während Erwachsene meist zu "verkopft" sind und sich selbst unter Leistungsdruck setzen. Beim Singen würde ich Dir auch bei Erwachsenen zustimmen - das bekommt man auch im fortgeschrittenen Alter noch gut hin (zumindest im Chor).
... vielleicht hast Du recht (auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob dieses "offene und aufmerksame Hören" wirklich so einfach ist). Ich finde es trotzdem immer wieder erstaunlich, was gerade bei Erwachsenen alles (auch jenseits des Musikverständnisses) in Bewegung kommt, wenn sie sich an einem Instrument versuchen.
Liebe Grüße
Sabine
Tranquillo (02.05.2008, 14:08): Original von cellodil Von mir aus darf jeder mit der Musik leben, die für ihn (vielleicht auch nur in diesem Moment oder dieser Lebensphase passt). In manchen Fällen allerdings unter der Voraussetzung, dass ich nicht zum Mithören gezwungen bin... Liebe Sabine,
das geht mir genauso. Allerdings ist man, wenn man wie ich an jedem Arbeitstag öffentliche Verkehrsmittel benutzt, manchmal eben doch zum Mithören gezwungen. Wenn in der Bahn in meiner Nähe ein Jugendlicher sitzt, der seinen MP3-Player bis zur Schmerzgrenze aufgedreht hat, dann höre ich seine Musik sogar noch durch meine In-Ear-Kopfhörer und durch die eigene Musik hindurch (Reger hätte gesagt: Das ist wahre Polyphonie!). Ich habe leider noch kein Patentrezept gefunden, wie ich mit dieser Situation umgehe.
Ich hatte immer den Eindruck, dass das irgendwie von ganz alleine kommt. Dass die Menschen von sich aus neugierig sind und dann Fragen stellen oder Handreichungen/Hilfestellungen einfordern. Manche Menschen sind von sich aus neugierig (im Idealfall bis ins hohe Alter), die meisten nach meiner Erfahrung aber eher nicht, und dann wird es auch nichts mit klassischer Musik. Zur Neugier muss aber noch etwas hinzukommen, das ich mal mit "emotionaler Empfänglichkeit" umschreiben will. Derjenige, der zwar neugierig ist, den die Musik aber letztlich kalt lässt, wird auch keinen Weg zu ihr finden können.
... vielleicht hast Du recht (auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob dieses "offene und aufmerksame Hören" wirklich so einfach ist). Es ist mit Sicherheit nicht einfach und wird umso schwieriger, je intensiver man sich mit einer bestimmten Musikrichtung oder einem bestimmten Interpretationsstil beschäftigt hat. Im Laufe der Zeit entwickelt sich mit der Hörerfahrung auch eine Hörerwartung, die ein Neueinsteiger noch nicht hat - und darum beneide ich diejenigen ein bißchen, die sich ganz neu mit klassischer Musik beschäftigen.
Viele Grüsse Andreas
Gamaheh (02.05.2008, 14:54): Ich vermute, daß Travi in der Eröffnung meinte, daß man sich Gedanken macht, wie man die Leute für klassische Konzerte interessieren kann (das würde ja schon reichen, es muß ja nicht gleich Begeisterung sein).
Wenn man damit aufwachsen würde, daß es normal ist, in klassische Konzerte zu gehen (so wie man z.B. ins Kino geht oder Sport treibt etc.), dann hätten die Veranstalter, meine ich, kein Problem.
Da sehe ich aber in einer Gesellschaft wie der unseren, wo Kinder so sehr als Störfaktoren betrachtet werden, ausgesprochen schwarz.
Grüße, Gamaheh
Solitaire (03.05.2008, 16:19): Original von Gamaheh
Wenn man damit aufwachsen würde, daß es normal ist, in klassische Konzerte zu gehen (so wie man z.B. ins Kino geht oder Sport treibt etc.), dann hätten die Veranstalter, meine ich, kein Problem.
Da sehe ich aber in einer Gesellschaft wie der unseren, wo Kinder so sehr als Störfaktoren betrachtet werden, ausgesprochen schwarz.
Grüße, Gamaheh Hallo Gamaheh! Ich stimme dir absolut zu, das es ideal ist, wenn Kinder mit klassischer Musik als etwas völlig normalem aufwachsen, sodaß Schwellenangst oder der Gedanke, Klassik sei etwas für "besondere Anlässe" und hätte nichts mit dem normalen Leben zu tun, gar nicht erst entsteht. Ich bin miit einer opernverrückten Mutter aufgewachsen. Bei uns liefen ständig die bekannten Opernquerschitte mit den üblichen Verdächtigen: Schock, Wunderlich, Muszely, Berger, Metternich etc. Schwellenangst vor dem Konzert- oder Opernhaus gab es bei mir also nie, und ich habe bis heute Mühe zu verstehen, wieso sich soviele Leute damit rumschlagen.
Was das Thema "Kinder als Störfaktor" angeht, sehe ich das allerdings etwas anders. Ich weiß nicht, wie es in anderen Städten ist, aber hier in Remscheid gibt es durchaus tolle Angebote für Kinder, und Kinder sind im Theater auch bei "Erwachsenenvorstellungen"immer hochwillkommen. Seit den 70ger Jahren gehen die Mitglieder unseres Orchesters (daß erst "Orchester der Stadt Remscheid" und seit einer Fusion vor einigen Jahren "Bergische Symphoniker" heißt) mit ihren Instrumenten in die Grundschulen um sie den Kindern zu zeigen, ihnen darauf vorzuspielen und sie es manchmal auch selbst versuchen zu lassen. Das ist damals als "Remscheider Modell" bekannt geworden. Ich slöebst habe 1976 bei dieser Gelegenheit zum erstenmal eine Geige von Nahem gesehen und ohne alle Hemmungen vor der ganzen Klasse "Ein Jäger aus Kurpfalz" gesungen. Etwas, daß ich heute wohl selbst unter Androhung von Folter nicht mehr tun würde :D. Es gibt Konzerte extra für Kinder bei denen unsere wunderbare Generalmusikdirektorin Romely Pfund auf unnachahmlich Art den Kindern die Klassische Musik näherbringt (leider geht sie bald an ein anderes Theater in Mecklenburg :I). Bei bestimmten Opern (allen voran natürlich "Zauberflöte", Hänsel und Gretel" und "Freischütz") und nahezu allen gängigen klassichen Balletten sind grundätzlich immer sehr viele Kinder im Publikum. Es bewegt mich immer sehr, zu erleben, wie begeistert die Kinder immer noch auf Papagenos Späße reagieren, auf diese Worte und diese Musik, die vor über 200 Jahren geschrieben wurde. Und das nicht nur bei der Kinderversion, sondern auch bei der "großen" Zauberflöte. Bei uns wird schon viel getan, um Kinder für's Theater und die Musik zu begeistern. Das Problem sind wohl oft eher die Eltern :ignore Sie lassen ihre Kinder zwar schön brav zum Schulkonzert gehen, das war's dann aber oft auch schon, sie lassen sich nicht selber auf die Musik ein, die ihre Kinder da im Konzert zu hören bekommen. Wenn Eltern nicht lesen und nicht vermitteln, daß lesen etwas tolles ist und Spaß macht, dann haben Kinder es auch schwerer, den Weg zum Buch zu finden, und wenn Eltern sich nicht auf klassische Musik einlassen, wird das auch ihren Kindern schwerer fallen, sich dafür zu begeistern. Dabei gibt es eine Menge Leute, die bestimmt für die Klassik zu haben wären, wenn da nicht diese verdammte Überzeugung wäre, daß sowas "schlaue Musik" ist. Wenn jemand Andre Rieu mag (und das tun viele), wie begeistert wäre er wohl erst, wenn er sich mal auf Perlman, Menuhin oder die Wiener Philharmoniker einlassen würde. Wer Andrea Bocelli und Helmut Lotti für gute Sänger hält und ihnen gerne lauscht(und auch das tun viele), der würde mit den Ohren schlackern und den Mund nicht mehr zu kriegen, wenn er es mal mit Wunderlich, Domingo, Florez, Villazón oder Pavarotti versuchen würde. Um nur ein paar von denen zu nennen die ich persönlich mag. Aber sie tun es nicht. Und warum nicht? Weil es immer noch und immer wieder jede Menge Eierköppe gibt, die die Klassik in einen Elfenbeinturm sperrn möchten und für elitär erklären. (Und wir wissen auch, wo sich einige von denen rumtreiben :D ) Wie sagt Rolando Villazón so treffend:"Ja, die Puristen, die wissen genau, wo die Kunst zu sein hat: Hier bleibt die Oper – und nur wir wissen, wo sie versteckt wurde!" Ah, jetzt habe ich mich richtig in Wut geschrieben. Aber ist doch wahr, Mensch.
Gamaheh (03.05.2008, 22:05): Hallo Solitaire,
gesegnete Remscheider ! Hier in Hamburg sieht es leider doch etwas anders aus. Meine Kinder sind natürlich von Anfang an mit klassischer Musik beschallt worden, und sie haben keinerlei Vorurteile dagegen, gehen auch seit Jahren gerne mal gutwillig mit mir ins Konzert. (Als ich meinen Jüngeren mal fragte, was er denn auf seinem MP3-Player habe, meinte er „Hip-Hop und Vivaldi – und die Arie der Königin der Nacht“; ein anderes Mal meinte er, wenn er älter sei, würde er wahrscheinlich auch klassische Musik mögen – das sagt viel aus!). Allerdings werden sie immer davon abgeschreckt, daß einige Leute im Publikum meinen, Kinder oder Jugendliche könne man nach Belieben maßregeln. Als einer meiner Söhne mal bei einer besonders langweilig gegebenen Brahms-Symphonie einnickte, stieß ihn immer jemand von der Seite mit dem Ellenbogen an, was er sicherlich bei einem „Erwachsenen“ nie gemacht hätte. Wobei sich die teilweise viel schlimmer benehmen – husten, keuchen, röcheln, rasseln mit ihren Klunkern ... Dazu kommt die Tatsache, daß insbesondere in Abonnementskonzerten fast ausschließlich Leute sitzen, die drei- oder viermal so alt sind wie sie. Es ist somit verständlicherweise einfach nicht cool, ins Konzert zu gehen. Sogar eine Freundin, die ich mal mitgenommen hatte, fragte mich, was ich mir dabei dächte, sie in eine Veranstaltung der Grauen Panther zu schleppen!
Auch hier gibt es natürlich Angebote für Kinder, aber das sind halt Kinderveranstaltungen, hübsch getrennt von den Erwachsenen. Ich habe dagegen die Erfahrung gemacht, daß Kinder gern an dem teilhaben, was die Erwachsenen machen. Aber ich darf nicht ungerecht sein: Der NDR, der es sich leisten kann, bietet auch auch für Schüler und Studenten gute Karten für 5 Euro, wenn man sechs pro Saison abnimmt.
Bei uns wird ja jetzt das Prestige-Objekt Elbphilharmonie gebaut („Hamburg setzt sich ein Denkmal“), die zwar frühestens 2010 fertig wird, aber bereits einen Intendanten in Amt und Würden hat. Dieser kommt aus Wien, wo es – nach allem, was ich gehört habe – ganz anders aussieht : Dort stehen die Jugendlichen auch für klassische Konzerte Schlange, weil sie überall für 5 Euro reinkommen. Das wollte der hier auch machen, aber es gab ungeheure Proteste vom Establishment (warum, kann ich noch nicht so recht nachvollziehen) – jetzt redet er über 15 Euro ! Auch wenn sich das die Jugendlichen leisten könnten, wenn sie an anderen Ecken sparten – wer tut das dann schon, da gibt es dann doch andere Prioritäten ...
Was meine Erfahrungen aus der Schulzeit angeht, so kann ich berichten, daß bei uns nur für den Schulchor zugelassen wurde, wer bereits ein Instrument spielte. Alle anderen wurden durch kurzes Vorsingen in der ersten Stunde ausgesondert, weil sie nicht wußten, daß man genau die Noten nachsingen mußte, die der Lehrer auf dem Cembalo vorspielte, und es nicht reichte, wenn man die Melodie nach kindlichem Gehör korrekt transponiert nachsang. Ich selbst habe mich – völlig abwegigen Geschmacks, denn meine Eltern fanden klassische Musik „spießig“ – schon zu Grundschulzeiten dafür begeistert, weil ich ein paar alte Schellackplatten fand, von denen die klassischste das „Capriccio italien“ von Tschaikowsky war. Dann habe ich regelmäßig eine Sendung mit Hermann Prey im Fernsehen gesehen, die gleich nach „Sport, Spiel, Spannung“ lief (der einzigen Kindersendung damals), und war total begeistert. Allerdings bin ich das erste Mal mit neunzehn in ein Konzert gegangen, als ich mich aus der Familie befreit hatte (und das war nicht in Hamburg, dort hätte ich mich nie getraut).
Es ist gut, daß Du Dich „in Wut geschrieben“ hast. Das macht mich alles auch ziemlich wütend, auch die Tatsache, daß es in Kulturdingen generell nach meiner Beobachtung weder Demokratie noch Mitbestimmung gibt – wir müssen nehmen, was uns vorgesetzt wird, alles findet hinter verschlossenen Türen statt ! Gesegnete Athener, die ihre Theater-Wettbewerbe hatten !
Grüße, Gamaheh
Solitaire (14.05.2008, 16:26): Es In unserem Theater gibt es hin und wieder öffentliche Proben, und es ist aufschlussreich zu sehen, wer dort hingeht: oftmals Leute, die sich offenbar nicht trauen, in die offizielle Vorstellung zu gehen, weil sie befürchten, da nicht willkommen zu sein. Ich war einmal in einer solchen öffentlichen Probe und habe eine ganze Gruppe von Menschen mit geistiger Behinderung gesehen, die ihrer Begeisterung sehr lautstark Ausdruck verliehen haben. In der Vorstellung sieht man diese Menschen normalerweise nie, wohl weil die Eltern oder Betreuer und sie selbst Angst vor schrägen Blicken haben. Sehr schade so was. In unserem Schulchor war es ähnlich, wie in deinem, ich durfte nicht mitsingen, weil ich zu der Zeit noch kein Instrument gespielt habe, und zu nervös war, vor der ganzen Klasse (!) vorzusingen. Nun ja, eine Callas ist dann ja auch tatsächlich nicht aus mir geworden, aber immerhin, habe ich später den Weg in diverse Chöre gefunden. Ich habe heute im neuen „Fono Forum“ einen Bericht über das Projekt „Rhapsody in School“ gelesen, im Prinzip eine Variation unseres Remscheider Modells: Solisten, darunter durchaus namhafte wie Sabine Meyer, Christoph Prégardien, Lars Vogt etc. besuchen (kostenlos) mit Instrumenten (oder eben der Stimme) Schulklassen und erzählen, spielen und lassen selber ausprobieren. Der Henle-Verlag unterstützt das Projekt finanziell. Das es solche Prosteste wegen der verbilligten Karten für Jugendliche gegeben hat finde ich ausgesprochen traurig. Aber es ist nunmal so, es gibt immer noch genug Leute, die wollen hübsch unter sich bleiben. In die Oper? Ins Konzert ? Also wirklich, wenn das jeder machen würde! :J