Basstibariton (05.10.2008, 11:22): Im Konkurrenzforum des A. S. las ich neulich, René Pape habe sich in der "Eugen-Onegin"-Premiere vorige Woche an der Lindenoper doubeln lassen und sei erst zu seiner Arie persönlich auf die Bühne gekommen. Stimmt das? Kommt sowas öfter vor? Warum machen Sänger das- und wie funktioniert's?
Heike (05.10.2008, 11:43): Hallo, das scheint zu stimmen, wenn man dem seriösen Berliner Tagesspiegel glauben mag, der das auch berichtete - siehe mein verlinkter Beitrag im Onegin-Thread bzw. direkt hier: http://www.tagesspiegel.de/kultur/Eugen-Onegin-Berliner-Staatsoper;art772,2624850 Hebre
Basstibariton (05.10.2008, 11:47): René Pape dagegen lässt sich lieber dreimal doubeln, bevor er als Fürst Gremin seinen großen, großartigen Auftritt hat.
Tatsache...
Ingrid (07.01.2010, 20:17): Beim Münchner Lohengrin war es sogar vorgesehen, dass Elsa zu Beginn und Lohengrin im 2. Aufzug gedoubelt wurden. War auch ganz erstaunt, als ich es im BSO-Forum las, dass es nicht die Originalsänger waren. Die ausgewählten Statisten waren wirklich sehr gut ausgesucht worden und ich hatte auch Verständnis dafür, denn die Protagonisten können diese Zeit sicher besser für sich und zum Einsingen nutzen.
:hello Ingrid
Honoria Lucasta (25.01.2010, 16:54): Ich erinnere mich an einen Opernbesuch in Bonn, als bei einem Barbiere die Berta (!) indisponiert war. Nun sollte man meinen, eine Berta sei auch irgendwie aus dem Bestand zu ersetzen, und die Arie streicht man ja sowieso meistens - aber bei dieser Inszenierung hatte man sich eine opulent-vollschlanke Sängerin für diese kleine Partie ausgesucht, die als oberstrenge Lehrerin und Möchtegern-Domina verkleidet Rosina terrorisieren sollte (oh ja, das war wieder mal ein genialer Einfall eines Regisseurs...) - optisch ein festgelegter und geplanter Eindruck, den man glaubte, durch niemanden anders herstellen lassen zu können. Also spielte die indisponierte Sängerin auf der Bühne, und einen Sangesersatz hatte man aus Kobbelenz oder so engagiert.
Und einmal habe ich das sogar in Bayreuth erlebt (typisch, kaum komme ich mal dahin...) bei einem Lohengrin - wer da als Elsa ausfiel, weiß ich gar nicht mehr, aber die Zweitbesetzung im Graben war Emily Magee: da kann man wahrlich schlechter fahren.
Grüße!
Honoria
nikolaus (25.01.2010, 18:56): Original von Honoria Lucasta Ich erinnere mich an einen Opernbesuch in Bonn, als bei einem Barbiere die Berta (!) indisponiert war. ...
Honoria
Wann war das denn? Ich erinnere mich an eine für mich damals sehr schöne Inszenierung in schwarz/weiss auf schrägem Bühnenboden, auf dem Berta leicht angesäuselt - um nicht zu sagen sternhagevoll - herumtorkelte, was Anna-Katharina Behnke sehr witzig darstellte (BTW sie hat danach eine beachtliche Karriere hingelegt und es bis nach Paris gebracht). Das war - o Gott, ist das lange her - um 1990 herum...
Herzliche Grüße, Nikolaus.
Honoria Lucasta (26.01.2010, 07:48): O Nikolaus, ich denke, wir meinen die selbe Inszenierung von vor bald 20 Jahren; der schwarz-weiße Bühnenboden kommt mir bekannt vor, aber zeitlich kann ich das nicht genauer verorten...
Grüße!
Honoria
cellodil (26.01.2010, 10:49): Dass man solche Sachen macht, wenn ein Sänger (wie es so schön heißt) "indisponiert" ist, das finde ich absolut einleuchtend und akzeptabel. In anderen Fällen frage ich mich schon, was da denn für eine Berufsauffassung dahintersteckt. Und wie sich die Nicht-Gedoubelten, die schon ihre Zeit auf der Bühne hatten, mit so einem Kollegen oder so einer Kollegin fühlen. Ich finde das ziemlich fragwürdig.
Mit Filmen, in denen bestimmte Szenen gedoubelt werden (aus verschiedenen Gründen) lässt sich das ja nicht vergleichen, weil die ja in Einzelszenen und ohnehin nicht chronolgisch gedreht werden.
Liebe Grüße
Sabine
Severina (26.01.2010, 12:03): Liebe Sabine, im Falle des Herrn Pape bin ich ganz Deiner Meinung, denn wenn ein Sänger laut Libretto auf der Bühne stehen soll, dann hat er das auch in persona zu tun, noch dazu bei einer Rolle wie dem Fürsten Gremin, der ohnehin nur im letzten Akt vorkommt. Anders sehe ich es, wenn ein Regisseur einen Sänger durchgehend auf der Bühne haben will, weil sein Inszenierungskonzept das so vorsieht. Das würde aber bedeuten, dass nötige Pausen zum Regenerieren fehlen, und in diesem Fall finde ich Doubles OK. Wir hatten einmal eine Faust-Inszenierung (Ken Russell), in der Faust während der gesamten Domszene in einem geschlossenen Sarg liegen muss und sich erst am Ende sehr dramatisch daraus erhebt. Araiza machte das anfangs wirklich selbst (einmal wäre er beinahe eingeschlafen, erzählte er hinterher), aber die heiße und trockene Luft in diesem Gefängnis war natürlich kein Labsal für die Stimmbänder, weshalb er sich bald doubeln ließ.
Dass indosponierte Sänger auf der Bühne agieren, während ein Cover von der Seite oder vom Graben aus die Stimme beisteuert, habe ich schon oft erlebt. Bei kurzfristigen Absagen reicht oft die Zeit einfach nicht, um den Ersatz mit der Inszenierung vertraut zu machen. lg Severina :hello
Brangäne (26.01.2010, 22:01): Original von Severina
Anders sehe ich es, wenn ein Regisseur einen Sänger durchgehend auf der Bühne haben will, weil sein Inszenierungskonzept das so vorsieht. :hello
Liebe Severina!
Nun genau das ist in der Berliner Inszenierung der Fall. Auch Fürst Gremin ist von Anfang an auf der Bühne. Einfach weil es das Inszenierungskonzept so haben will. Singen tut er - wie wir alle wissen - erst im letzten Akt. Da, wo es das Libretto vorsieht, ist er dann auch leibhaftig selber da.
Hab das in diesem speziellen Fall ganz OK gefunden.
Liebe Grüsse von Eva :)
Fairy Queen (27.01.2010, 07:06): Liebe Sevi, wie du weisst, bin ich ja sehr dafür dass Opern-Sänger auch gute Schauspieler sein müssen, , denn Oper ist nun mal kein Steh-Konzert sondern Musik-Theater. Wenn solche stimmfeindlichen Exzesse wie die von Dir beschriebene Sache mit dem Sarg allerdings der Regie gestattet sind, muss dem Sänger unbedingt gestattet sein, sich doublen zu lassen. Man ist schliesslich nicht auf der Bühne, um sich die Stimme ruinieren zu lassen sondern um so gut wie möglich zu singen. Auch wenn es manchen Regisseuren anscheinend vollkommen egal ist, was die Sänger machen...... X(
Euphonia
P.S. Wilkommen Brangäne- die Opernfreunde-Fraktion verstärkt sich erfreulich! :hello
P.P.S. Was macht der Fürst Gremin denn von Anfang an auf der bühne? Ich habe gerade einen phantastischen Onegin an der Opéra de Lille gesehen, in der Woitek Smilek als Gremin der Beste unter sehr guten Sängern war, liebe diese Oper heiss und bin serh neugieirg! Vielleicht sollten wir mal einen eigenen Eugen Onegin Thread machen?
Severina (27.01.2010, 16:29): Original von Brangäne Original von Severina
Anders sehe ich es, wenn ein Regisseur einen Sänger durchgehend auf der Bühne haben will, weil sein Inszenierungskonzept das so vorsieht. :hello
Liebe Severina!
Nun genau das ist in der Berliner Inszenierung der Fall. Auch Fürst Gremin ist von Anfang an auf der Bühne. Einfach weil es das Inszenierungskonzept so haben will. Singen tut er - wie wir alle wissen - erst im letzten Akt. Da, wo es das Libretto vorsieht, ist er dann auch leibhaftig selber da.
Hab das in diesem speziellen Fall ganz OK gefunden. Liebe Grüsse von Eva :)
Liebe Eva, nun, wenn das so ist, finde ich das Double auch verständlich! Schön, dass Du auch hier bist und die schwächelnde Opernfraktion verstärkst! :D lg Severina :hello
Heike (27.01.2010, 17:14): Hallo, Vielleicht sollten wir mal einen eigenen Eugen Onegin Thread machen? Den gibt es schon hier
:hello Heike
Brangäne (27.01.2010, 19:18): Original von Severina
Schön, dass Du auch hier bist und die schwächelnde Opernfraktion verstärkst! :D lg Severina :hello
Hab mich auch gefreut, hier ein paar "alte Bekannte" und vor allem deren immer gern gelesene Kommentare, Berichte etc zu finden. :hello
Ups - das ist eine Themenverfehlung im Thread - wird aber wohl die Gnade des Moderators finden. :D
Severina (27.01.2010, 19:28): Original von Brangäne Original von Severina
Schön, dass Du auch hier bist und die schwächelnde Opernfraktion verstärkst! :D lg Severina :hello
Hab mich auch gefreut, hier ein paar "alte Bekannte" und vor allem deren immer gern gelesene Kommentare, Berichte etc zu finden. :hello
Ups - das ist eine Themenverfehlung im Thread - wird aber wohl die Gnade des Moderators finden. :D
Liebe Brangäne, hier gibt's keine Moderatoren :down :down :down :down lg Severina :engel
Liebe Euphonia - was Gremin von Anfang an auf der Bühne macht? Nun er ist wie immer alle dauernd da. Für Details mußt du Herrn Armin Freyer fragen, der sich das ausgedacht hat. Also ich hab den Onegin in Berlin im Herbst 2008 gleich nach der Premiere gesehen. Musikalisch toll. Die Inszenierung: Sehr schräg. Sehr. Obwohl irgendwie was dran war, wenn man das völlig abstrahiert, was man so kennt. Es sind eigentlich alle Protagonisten, meist inkl. Chor, immer auf der Bühne anwesend. So in etwa um zu zeigen, dass irgendwie alle alles beeinflussen. Es werden eigentlich die Seelenzustände der Personen gezeigt. Ein bißl schwierig - nicht wirklich schlecht - hat aber irgendwie was. Ich selber hab das nicht ganz verworfen. Es ist eh viel drüber geschrieben worden, man finden im Internet zu Hauf Kritiken. Schlimm war die Briefszene. Da steht die Arme vorn und hinter ihr sind - nun ich weiß nicht mehr - leicht einmal fünfzig Leute. Da war die Stimmung irgendwie dahin. Andere Szenen waren aber wieder sehr ergreifend. Würde jedenfalls sofort wieder nach Berlin fahren, allein um Onegin noch einmal unter Barenboim zu hören. :down
Brangäne (27.01.2010, 20:14): Aha ja - da bin ich natürlich hintennach. Muss mich erst einlesen. Natürlich gibt es den Onegin-Thread, wo eh alles schon gesagt ist.
Fairy Queen (28.01.2010, 06:18): Liebe Brangäne, bei uns gibts kein Radio Arabella(Wien bleibt eben Wien) aber evtl sowas wie Radio Tino Rossi, muss mal suchen...... :D
Was den Onegin Thread angeht: gottseidank ist nie Alles gesagt, vor allen Dingen nie Alles von Allen. Wenn dem nciht so wäre, müssten ja alle Foren dicht machen- ob mit oder ohne Moderatoren. Euphonia
Hosenrolle1 (16.08.2015, 13:50): Mir fällt da spontan diese Salome von 1989 ein, wo Caballé die Titelpartie sang.
https://www.youtube.com/watch?v=fAUTX158uyg
Hier wurde mehr oder weniger auch gedoubelt: Pantomimen spielen die Handlung nach, während die SängerInnen, die aber auch auf der Bühne zu sehen sind, singen.
Ich finde sowas irritierend, gleichzeitig aber finde ich es MEHR als gut, dass der Schleiertanz auf diese Weise von einer professionellen Tänzerin vollführt wurde :D
LG, Hosenrolle1
Amonasro (16.08.2015, 15:29): Mir fällt zu dem Thema nur die Münchner forza von 2013 mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann ein. Harteros sollte im Finale des 2. Aktes in ein Wasserbecken getaucht werden. Da sie das nicht wollte, wurde sie gedoubelt. Ich hatte diese Aufzeichnung schon zweimal gesehen, bevor ich das las, und bis dahin war es mir gar nicht aufgefallen; dabei war es ganz offensichtlich: kurz nach dem Eintauchen war sie wieder ganz trocken. :D
Ich finde das Doubeln auch vertretbar, insbesondere in dem weiter oben im Thread beschriebenen Beispiel mit dem Sarg im Faust.
Gruß Amonasro
Hosenrolle1 (16.08.2015, 15:43): Original von Amonasro Mir fällt zu dem Thema nur die Münchner forza von 2013 mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann ein. Harteros sollte im Finale des 2. Aktes in ein Wasserbecken getaucht werden. Da sie das nicht wollte, wurde sie gedoubelt. Ich hatte diese Aufzeichnung schon zweimal gesehen, bevor ich das las, und bis dahin war es mir gar nicht aufgefallen; dabei war es ganz offensichtlich: kurz nach dem Eintauchen war sie wieder ganz trocken. :D
Ein klassischer Continuity Error :D Hier wäre es vielleicht besser gewesen, wenn der Regisseur, um diesen Anschlussfehler zu vermeiden, auf das (höchstwahrscheinlich nicht in der Partitur stehende) Wasserbecken verzichtet hätte.
Wie wurde denn der Personenwechsel Sängerin --> Double, Double --> Sängerin bewerkstelligt?
LG, Hosenrolle1
Amonasro (16.08.2015, 19:23): Wenn ich mich richtig erinnere, war der Hintergrund der Bühne abgedunkelt. Der Padre Guardiano lief mit dem Doubel nach hinten, wie um das Becken herum und kam mit der echten Leonora wieder nach vorne. Ich hatte das wie gesagt selbst gar nicht gemerkt: es war also relativ gut gemacht.