Rolf Scheiwiller (25.04.2006, 12:04): Guten Tag zusammen.
Die Musik geistlichen Ursprungs, a -capellla ( also ohne Begleitinstrumente ) hat eine jahrhunderte alte Tradition.
Von Palestrina, dem Grossen der vorreformatorischen Kirchenmusik existieren zahllose Messkompositionen und Motetten.
Seine bis heute berühmteste und bedeutendste Vertonung des Messordinariums ist die sogenannte " Missa Papae Marcelli ".
Schon zu Lebzeiten Palestrinas hat dieses Geniewerk seine Zeitgenossen zu Lobeshymnen hingerissen. Der ausgefeilten Schönheit von Melodie, Harmonie und Rythmus verdankt diese Messe ihren Ruhm.
Bis heute werden auch sein " Stabat Mater " oder die Hymne " Tu es Petrus " nebst andern Schöpfungen ,von speziellen, meist englischen Gruppen gebracht. ( Gimell im besonderen ).
Von Antonio Lotti ( 1666 - 1740 ) ganz besonders schön, ist sein " Crucifixus.
Gregorio Allegri ( 1582 - 1652 ) ist bis heute als der Schöpfer des " Miserere " bekannt. Diese Motette ist im Grunde ein sehr einfaches Werk. Der Text stammt aus einem Busspsalm. Der polyphone Satz wechselt ab mit dem Sprechgesang. Das muss man einmal gehört haben. Ergreifend !
Mozart hat diese Motette in Rom im Vatikan zum erstenmal gehört. Und da die kirchlichen Behörden die Noten nicht herausrückten, ( sie wussten ,was für einen Schatz sie da hatten ! ) sodass er das Werk in Salzburg hätte spielen können, - schrieb er das Gehörte aus dem Gedächtnis nieder. So jedenfalls die Historie.
Auch Goethe und Madame de Stael waren entzückt von der Motette. ( Goethe in seiner " Italienischen Reise ").
In England schuf Thomas Tallis ( 1505 - 1585 ) viel Kirchenmusik für seine Königin. Sein berühmtestes Stück, die 40 stimmige Motette " Spem in Alium ".
Mörderisch schwer perfekt zu singen ! Aber die Engländer können es ! Gimell als herausragendes Beispiel.
Im 19. Jahrhundert waren Anton Bruckner und Felix Mendelssohn die bedeutendsten Schöpfer geistlicher a - capella Werke.
Bruckner mit seinen hymnischen Schöpfungen wie dem " Ave Maria ", Os justi " neben vielen andern.
Viele CD - Einspielungen, vornehmlich mit britischen Ensembles legen Zeugnis ab für den unvergänglichen Zauber der A - Capella Chormusik.
Auf " Archiv " Chandos " ( Tallis ! ), " Gimell " u. a.
Gibt es unter den Mitgliedern hier im Forum solche, die diese Musik ebenso gerne hören ? So hin und wieder ?
Gruss.
Rolf.
Carola (25.04.2006, 18:23): Original von Rolf Scheiwiller
Gibt es unter den Mitgliedern hier im Forum solche, die diese Musik ebenso gerne hören ? So hin und wieder ?
Gruss.
Rolf.
Oh ja, und nicht nur hin und wieder!
Angefangen mit den Gregorianischen Gesängen; aus dieser - einstimmigen - Anfangszeit höre ich immer wieder gerne die "Geistlichen Gesänge" der Hildegard von Bingen (1098 bis 1179). Es handelt sich meist entweder um Psalmvertonungen oder aber um eigene Dichtungen - ihre Texte sind ebenfalls großartig.
Das Vokalensemble Sequentia hat eine Gesamtaufnahme der Musik Hildegard von Bingens eingespielt, 8 CDs, von denen ich aber erst zwei besitze.
Aber auch andere gregorianische Gesänge höre ich gerne, zum Beispiel habe ich eine schöne Aufnahme mit dem Vokalensemble Chanticleer.
Renaissance-Musik:
Von Palestrina mag ich ebenfalls die von Rolf schon erwähnte "Missa Papae Marcelli", ich habe sie in einer sehr empfehlenswerten Aufnahme mit dem ensemble officium/ Wilfried Rombach.
Das Hilliard Ensemble hat ebenfalls viel von Palestrina aufgenommen, ich besitze von denen eine Doppel-CD mit Madrigalen und Motetten, bei Veritas erschienen.
Nicht zu vergessen Christóbal de Morales (ca. 1500 bis 1553) und William Byrd (1543 - 1623), hervorgehoben sei besonders diese Aufnahme
Wenn ich weiter chronologisch meinem CD-Regal folge, kommt als nächstes bei mir Heinrich Schütz (1585 - 1672) mit einigen Motetten, sehr schön von Herreweghe aufgenommen (auf einer CD in Kombination mit den "Musikalischen Exequien"), bei Harmonia Mundi France erschienen.
Weiter geht´s mit J.S. Bach, seinen Motetten, die fast schöner sind, als ich ertragen kann. Ich habe sie mit dem RIAS-Kammerchor unter Leitung von René Jacobs, 1997 bei Harmonia Mundi erschienen.
Es folgen noch die Motetten von Felix Mendelssohn und Max Reger mit seinen "Geistlichen Gesängen", mit denen ich mich bisher nicht so recht anfreunden konnte.
Ich kann diese a-capella-Gesänge nicht immer hören, dazu brauche ich eine gewisse Ruhe und Ausgeglichenheit. Aber wenn ich einigermaßen offen und empfänglich bin für diese Musik, tut sie mir sehr gut, das Hören ist dann für mich eine Mischung aus Musikgenuss, Meditation und Gebet.
Mit Gruß von Carola
Rolf Scheiwiller (26.04.2006, 13:29): Guten Tag Carola.
Du hast ja ein viel grösseres Wissen diese Musik betreffend als ich. Ich kenne zum Beispiel gar nichts von Brahms und Reger.
Und von Mendelssohn am besten " Wie der Hirsch... " Aber die ist nicht a - capella.
Mein Liebling ist der Anton aus St. Florian. ( nicht aus Tirol ! )
Die Bach CD mit Jacobs ist Musik, die auch ich jede Woche hören kann. Immer eine Motette. Mit Hereweghe gibts ebenfalls eine herausragende. Bei der gleichen Fiirma.
Gruss.
R.
Carola (26.04.2006, 18:02): Rolf !!! Wie kann man die Motetten von Bach lieben, die von Brahms aber nicht kennen???
Brahms steht mit seinen Motetten op. 29, op. 74 und op. 110 denen von J.S. Bach wirklich in nichts nach. Man hört sehr deutlich, dass er von Palestrina über Schütz bis Bach die alten Werke ausgiebig studiert hat. Kanon, Fuge, Kontrapunkt - taucht alles bei ihm auch in den Motetten wieder auf.
Deshalb galt seine Musik den "Neudeutschen" um Liszt, Wagner und Hugo Wolf als spröde, kalt und altmodisch - alles Vorwürfe, die ja auch gegen Bach von seinen Zeitgenossen erhoben wurden. Und gleichzeitig atmen die Brahmschen Motetten auch deutlich den Geist der Romantik, das merkt man zum Beispiel gleich schon zu Beginn von "Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen", op. 74,1, während man bei op. 74, 2, "O Heiland reiß den Himmel auf" bewundern kann, wie Brahms diesen wohlvertrauten Choral aufnimmt und ins 19. Jahrhundert transformiert.
Brahms war eben kein Epigone sondern hat die alten Formen neu belebt und weiterentwickelt. Oder, wie im Chormusikführer von Harenberg zu den Motetten nachzulesen ist: "Hier ist die Erfüllung alter Form mit neuem Geist in bewunderungswürdiger Weise vollzogen".
Mit Gruß von Carola
Walter (02.01.2008, 19:13): hoffentlich habe ich den richtigen Faden erwischt - Vokalmusik ist ja sonst überhaupt nicht in meinem Focus.
Vor Weihnachten habe ich mir diese erstaunliche Box gegönnt:
wie ihr wisst habe ich doch meist große Probleme mit Gesang in der Klassik - daher bin ich um so mehr erstaunt, dass mir jetzt diese mittelalterlichen Gesänge so gefallen:
Auf der fünften CD höre ich gerade:
CHANT BYZANTIN Gebet der Maria-Magdalena
Messe zum Fest des Heiligen Marcellus Gesang der römischen Kirche (7. und 12. Jahrhundert)
La Comtessa de Dia
Lauden & Vespern für das Fest der Heiligen Ursula
Allesamt wunderschöne Gesänge in hervorragender Aufnahmequalität. Ganz erstaunlich dann auch noch diese türkisch klingende Musik mit christlichem Text - dabei ganz meditativ und wohltönend.
@Satie - wenn Du was dazu sagen kannst, singt man in dieser östlichen Musik Vierteltöne oder warum klingt das so speziell?
satie (03.01.2008, 00:06): Lieber Walter, falls Deine Frage die byzantinische Musik betrifft: ich bin mir ziemlich sicher, dass sie Mikrotöne benutzte, allerdings scheint es so, dass die alten Notationen (es wurde eine Frühform von Neumen zur Intervallnotation benutzt) sehr schwer interpretierbar sind. Da ein starker Einfluss des alten griechischen Tonsystems vorhanden ist, liegt es nahe, dass es auch so etwas wie die Enharmonik gab (bei den Griechen eine Skala mit Mikrotönen, die manchmal als Vierteltöne, manchmal als irreguläre Schritte verstanden werden). Aber auch die chromatische Tonleiter, die symmetrisch gebaut sein kann, ergibt einige für uns sehr exotisch klingende Tonschritte (relativ unabhängig von der Stimmung). Mehr kann ich allerdings auch nicht beitragen, da bin ich wirklich kein Experte. Es scheint so, dass in der byzantinischen Kirchenmusik tatsächlich der A Capella-Gesang vorherrscht. Im späteren Mittelalter wird das anders (dort ist es in der Regel so, dass Instrumente mitspielen, eine Ausnahme bildet die sixtinische Kapelle, wo tatsächlich reine Vokalmusik gepflegt wurde).
Herzlich, S A T I E
Walter (03.01.2008, 07:25): danke Satie - die Musik klingt stark entsprechend Deiner Erläuterung - ich kann mir kaum eine chromatische Tonleiter vorstellen, die diese Musik wiedergeben könnte. Es hört sich wirklich nach Mikrotönen oder Vierteltönen an. Irgendwie ähnelt es einem Vibrato - allerdings mit größeren Tonhöhenschwankungen.
Gruß,
Rolf Scheiwiller (25.04.2006, 12:04): Guten Tag zusammen.
Die Musik geistlichen Ursprungs, a -capellla ( also ohne Begleitinstrumente ) hat eine jahrhunderte alte Tradition.
Von Palestrina, dem Grossen der vorreformatorischen Kirchenmusik existieren zahllose Messkompositionen und Motetten.
Seine bis heute berühmteste und bedeutendste Vertonung des Messordinariums ist die sogenannte " Missa Papae Marcelli ".
Schon zu Lebzeiten Palestrinas hat dieses Geniewerk seine Zeitgenossen zu Lobeshymnen hingerissen. Der ausgefeilten Schönheit von Melodie, Harmonie und Rythmus verdankt diese Messe ihren Ruhm.
Bis heute werden auch sein " Stabat Mater " oder die Hymne " Tu es Petrus " nebst andern Schöpfungen ,von speziellen, meist englischen Gruppen gebracht. ( Gimell im besonderen ).
Von Antonio Lotti ( 1666 - 1740 ) ganz besonders schön, ist sein " Crucifixus.
Gregorio Allegri ( 1582 - 1652 ) ist bis heute als der Schöpfer des " Miserere " bekannt. Diese Motette ist im Grunde ein sehr einfaches Werk. Der Text stammt aus einem Busspsalm. Der polyphone Satz wechselt ab mit dem Sprechgesang. Das muss man einmal gehört haben. Ergreifend !
Mozart hat diese Motette in Rom im Vatikan zum erstenmal gehört. Und da die kirchlichen Behörden die Noten nicht herausrückten, ( sie wussten ,was für einen Schatz sie da hatten ! ) sodass er das Werk in Salzburg hätte spielen können, - schrieb er das Gehörte aus dem Gedächtnis nieder. So jedenfalls die Historie.
Auch Goethe und Madame de Stael waren entzückt von der Motette. ( Goethe in seiner " Italienischen Reise ").
In England schuf Thomas Tallis ( 1505 - 1585 ) viel Kirchenmusik für seine Königin. Sein berühmtestes Stück, die 40 stimmige Motette " Spem in Alium ".
Mörderisch schwer perfekt zu singen ! Aber die Engländer können es ! Gimell als herausragendes Beispiel.
Im 19. Jahrhundert waren Anton Bruckner und Felix Mendelssohn die bedeutendsten Schöpfer geistlicher a - capella Werke.
Bruckner mit seinen hymnischen Schöpfungen wie dem " Ave Maria ", Os justi " neben vielen andern.
Viele CD - Einspielungen, vornehmlich mit britischen Ensembles legen Zeugnis ab für den unvergänglichen Zauber der A - Capella Chormusik.
Auf " Archiv " Chandos " ( Tallis ! ), " Gimell " u. a.
Gibt es unter den Mitgliedern hier im Forum solche, die diese Musik ebenso gerne hören ? So hin und wieder ?
Gruss.
Rolf.
Carola (25.04.2006, 18:23): Original von Rolf Scheiwiller
Gibt es unter den Mitgliedern hier im Forum solche, die diese Musik ebenso gerne hören ? So hin und wieder ?
Gruss.
Rolf.
Oh ja, und nicht nur hin und wieder!
Angefangen mit den Gregorianischen Gesängen; aus dieser - einstimmigen - Anfangszeit höre ich immer wieder gerne die "Geistlichen Gesänge" der Hildegard von Bingen (1098 bis 1179). Es handelt sich meist entweder um Psalmvertonungen oder aber um eigene Dichtungen - ihre Texte sind ebenfalls großartig.
Das Vokalensemble Sequentia hat eine Gesamtaufnahme der Musik Hildegard von Bingens eingespielt, 8 CDs, von denen ich aber erst zwei besitze.
Aber auch andere gregorianische Gesänge höre ich gerne, zum Beispiel habe ich eine schöne Aufnahme mit dem Vokalensemble Chanticleer.
Renaissance-Musik:
Von Palestrina mag ich ebenfalls die von Rolf schon erwähnte "Missa Papae Marcelli", ich habe sie in einer sehr empfehlenswerten Aufnahme mit dem ensemble officium/ Wilfried Rombach.
Das Hilliard Ensemble hat ebenfalls viel von Palestrina aufgenommen, ich besitze von denen eine Doppel-CD mit Madrigalen und Motetten, bei Veritas erschienen.
Nicht zu vergessen Christóbal de Morales (ca. 1500 bis 1553) und William Byrd (1543 - 1623), hervorgehoben sei besonders diese Aufnahme
Wenn ich weiter chronologisch meinem CD-Regal folge, kommt als nächstes bei mir Heinrich Schütz (1585 - 1672) mit einigen Motetten, sehr schön von Herreweghe aufgenommen (auf einer CD in Kombination mit den "Musikalischen Exequien"), bei Harmonia Mundi France erschienen.
Weiter geht´s mit J.S. Bach, seinen Motetten, die fast schöner sind, als ich ertragen kann. Ich habe sie mit dem RIAS-Kammerchor unter Leitung von René Jacobs, 1997 bei Harmonia Mundi erschienen.
Es folgen noch die Motetten von Felix Mendelssohn und Max Reger mit seinen "Geistlichen Gesängen", mit denen ich mich bisher nicht so recht anfreunden konnte.
Ich kann diese a-capella-Gesänge nicht immer hören, dazu brauche ich eine gewisse Ruhe und Ausgeglichenheit. Aber wenn ich einigermaßen offen und empfänglich bin für diese Musik, tut sie mir sehr gut, das Hören ist dann für mich eine Mischung aus Musikgenuss, Meditation und Gebet.
Mit Gruß von Carola
Rolf Scheiwiller (26.04.2006, 13:29): Guten Tag Carola.
Du hast ja ein viel grösseres Wissen diese Musik betreffend als ich. Ich kenne zum Beispiel gar nichts von Brahms und Reger.
Und von Mendelssohn am besten " Wie der Hirsch... " Aber die ist nicht a - capella.
Mein Liebling ist der Anton aus St. Florian. ( nicht aus Tirol ! )
Die Bach CD mit Jacobs ist Musik, die auch ich jede Woche hören kann. Immer eine Motette. Mit Hereweghe gibts ebenfalls eine herausragende. Bei der gleichen Fiirma.
Gruss.
R.
Carola (26.04.2006, 18:02): Rolf !!! Wie kann man die Motetten von Bach lieben, die von Brahms aber nicht kennen???
Brahms steht mit seinen Motetten op. 29, op. 74 und op. 110 denen von J.S. Bach wirklich in nichts nach. Man hört sehr deutlich, dass er von Palestrina über Schütz bis Bach die alten Werke ausgiebig studiert hat. Kanon, Fuge, Kontrapunkt - taucht alles bei ihm auch in den Motetten wieder auf.
Deshalb galt seine Musik den "Neudeutschen" um Liszt, Wagner und Hugo Wolf als spröde, kalt und altmodisch - alles Vorwürfe, die ja auch gegen Bach von seinen Zeitgenossen erhoben wurden. Und gleichzeitig atmen die Brahmschen Motetten auch deutlich den Geist der Romantik, das merkt man zum Beispiel gleich schon zu Beginn von "Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen", op. 74,1, während man bei op. 74, 2, "O Heiland reiß den Himmel auf" bewundern kann, wie Brahms diesen wohlvertrauten Choral aufnimmt und ins 19. Jahrhundert transformiert.
Brahms war eben kein Epigone sondern hat die alten Formen neu belebt und weiterentwickelt. Oder, wie im Chormusikführer von Harenberg zu den Motetten nachzulesen ist: "Hier ist die Erfüllung alter Form mit neuem Geist in bewunderungswürdiger Weise vollzogen".
Mit Gruß von Carola
Walter (02.01.2008, 19:13): hoffentlich habe ich den richtigen Faden erwischt - Vokalmusik ist ja sonst überhaupt nicht in meinem Focus.
Vor Weihnachten habe ich mir diese erstaunliche Box gegönnt:
wie ihr wisst habe ich doch meist große Probleme mit Gesang in der Klassik - daher bin ich um so mehr erstaunt, dass mir jetzt diese mittelalterlichen Gesänge so gefallen:
Auf der fünften CD höre ich gerade:
CHANT BYZANTIN Gebet der Maria-Magdalena
Messe zum Fest des Heiligen Marcellus Gesang der römischen Kirche (7. und 12. Jahrhundert)
La Comtessa de Dia
Lauden & Vespern für das Fest der Heiligen Ursula
Allesamt wunderschöne Gesänge in hervorragender Aufnahmequalität. Ganz erstaunlich dann auch noch diese türkisch klingende Musik mit christlichem Text - dabei ganz meditativ und wohltönend.
@Satie - wenn Du was dazu sagen kannst, singt man in dieser östlichen Musik Vierteltöne oder warum klingt das so speziell?
satie (03.01.2008, 00:06): Lieber Walter, falls Deine Frage die byzantinische Musik betrifft: ich bin mir ziemlich sicher, dass sie Mikrotöne benutzte, allerdings scheint es so, dass die alten Notationen (es wurde eine Frühform von Neumen zur Intervallnotation benutzt) sehr schwer interpretierbar sind. Da ein starker Einfluss des alten griechischen Tonsystems vorhanden ist, liegt es nahe, dass es auch so etwas wie die Enharmonik gab (bei den Griechen eine Skala mit Mikrotönen, die manchmal als Vierteltöne, manchmal als irreguläre Schritte verstanden werden). Aber auch die chromatische Tonleiter, die symmetrisch gebaut sein kann, ergibt einige für uns sehr exotisch klingende Tonschritte (relativ unabhängig von der Stimmung). Mehr kann ich allerdings auch nicht beitragen, da bin ich wirklich kein Experte. Es scheint so, dass in der byzantinischen Kirchenmusik tatsächlich der A Capella-Gesang vorherrscht. Im späteren Mittelalter wird das anders (dort ist es in der Regel so, dass Instrumente mitspielen, eine Ausnahme bildet die sixtinische Kapelle, wo tatsächlich reine Vokalmusik gepflegt wurde).
Herzlich, S A T I E
Walter (03.01.2008, 07:25): danke Satie - die Musik klingt stark entsprechend Deiner Erläuterung - ich kann mir kaum eine chromatische Tonleiter vorstellen, die diese Musik wiedergeben könnte. Es hört sich wirklich nach Mikrotönen oder Vierteltönen an. Irgendwie ähnelt es einem Vibrato - allerdings mit größeren Tonhöhenschwankungen.
Gruß,
Kantate (10.07.2008, 19:07): Habe vergangenes Wochenende einen der schönsten Gesänge von Mendelssohn im Rahmen eines Konzertes mit Sängern aus einem Gesangsforum gesungen: "Hebe deine Augen auf zu den Bergen".... aus "Elias".
Alleine die Idee, interessierte SängerInnen aus einem Fachforum zusammen zu trommeln, um gemeinsam ein Konzert auf die Beine zu stellen, das ist schon grandios! - Bin zwar gesanglich nicht ausgebildet, durfte aber dennoch mit zwei weiteren nicht ausgebildeten Frauenstimmen mitwirken. Es war ein Erlebnis! So etwas sollte Schule machen!
Sangesfreudige Grüße,
Kantate :wink
Jürgen (26.09.2013, 10:59): In den letzten Jahren habe ich mir einiges an a-capella Musik des 16. & 17. Jahrhunderts, also aus der Renaissance erschlossen.
Ganz wichtig erscheint mir, weil er noch nicht genannt wurde: Cristóbal de Morales
Diese beiden Werke unter Savall sind überwältigend: Missa Pro Defunctis & Officium Defunctorum, Savall 1991 http://ecx.images-amazon.com/images/I/51%2B1uCT60SL._SL500_AA240_.jpg