Gerade gesehen / Videos rund um die klassische Musik
Hosenrolle1 (20.04.2015, 00:20): Ich glaube, dass es hier im Forum noch keinen derartigen Thread gibt, deswegen erdreiste ich mich einfach einmal, einen zu eröffnen. Sollte ich falsch liegen, dann bitte ich darum meinen Thread zu löschen!
In diesem Thread soll es um Videos gehen, in denen es sich im weitesten Sinne um klassische Musik handelt, und die man gerade gesehen hat.
Es soll dabei aber - und das ist mir doch wichtig - NICHT darum gehen, dass man etwa eine Sinfonie als Audioaufnahme auf YouTube gehört hat, sondern ideal wäre, wenn es um tatsächliche Videos geht, "bewegte Bilder", wenn man so möchte.
Das können etwa Trailer von Opernhäusern sein, das können interessante Videos zum Bau bestimmter Instrumente sein, das können Dokumentationen sein, oder auch Ausschnitte aus Opern (in diesem Fall sollte es, wie gesagt, ein richtiges Video sein), usw.
Ich habe, nachdem ich gestern eine Besprechung der neuen Wuppertaler "Salome" las, einen Trailer dazu gefunden.
https://www.youtube.com/watch?v=1YLS-svYkHU
Und ich war enttäuscht: nicht nur, dass die Titelfigur auch in dieser Inszenierung wieder einmal blutbesudelt mit dem abgeschlagenen Haupt des Täufers kuschelt, verstehe ich auch von der Sängerin so gut wie kein Wort, was auch daran liegen kann, dass ihre Muttersprache nicht Deutsch ist. Sie sieht durchaus jung aus und hat, wie der Opernfreund schreibt, eine "beinahe tänzerinnenhaft zierliche Figur", aber trotzdem, das reicht einfach nicht.
In der selben Rezension wird davon geredet, dass die Kussszene mit dem Kopf Schauer erzeugt ... was ich mir nicht vorstellen kann, denn nicht nur, dass dieser "Regieeinfall" mit einer besudelten Salome schon zigfach da war, muss der Kuss eigentlich in der Dunkelheit stattfinden. Er ist so gedacht, dass man ihn NICHT sieht, und DAS macht die Sache eigentlich schauerlich, weil das was man nicht sieht wesentlich stärker wirkt.
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.08.2015, 11:07): Habe mir gerade vorher einen kompletten Mitschnitt einer Freischütz-Aufführung von 2014 der Oper Burg Gars angesehen
https://www.youtube.com/watch?v=Z7qt1habGCY
Schon nach der Ouvertüre, die lieblos dahingehetzt wird, wollte ich am liebsten wieder abdrehen. Und auch die restliche Oper wird viel zu schnell gespielt, und teilweise auch sehr plump.
Zur Inszenierung sage ich mal lieber nichts, aber die Idee, dass der Jägerchor von Frauen gesungen wird ist schon eigenartig - zumal der Chor und das Orchester vorher offenbar nicht geprobt haben, denn die Musiker hinken dem viel zu schnell singenden Chor böse hinterher. Dass nach diesem Stück auch noch jemand laut klatscht und "Bravo!" ruft fand ich unfreiwillig komisch :D
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (02.01.2016, 23:44): Normalerweise meide ich das Neujahrskonzert, das für mich nicht viel mehr als eine Schickeria-Bespaßung und Wien-Werbung ist, aber gerade habe ich den Radetzky-Marsch gesehen vom Konzert 2016, und es war toll, wie der Dirigent mitten im Stück einfach ging und das Orchester alleine weiterspielen ließ! Hat mir sehr gefallen!
LG, Hosenrolle1
Fairy Queen (03.01.2016, 20:01): Ich habe auf Arte eher zufällig das Neujahrskonzert aus der Feine in Venedig gesehen. Ganz im Zeichen der Oper und ein ebenso italienischer Charakter wie der Wiener Walzerschmelz in Wien. Gefangenenchor und Zigeunerchor ersetzen den Radetskymarsch..... Opernchor und Orchester unter James Conlon. Allseits beliebtes Repertoire, kein Risiko, einfach zum Schwelgen für italophone Fans. Mir hat die junge amerikanische Sopranistin Nadine Sierra imponiert, ihr steht gewiss eine Riesenkarriere bevor. Tolle Höhe und Agilität bei runder lyrischer Stimme. "Je veux vivre" aus Romeo und Juliette von Gounod war ebenso überzeugend wie "O mio babbino caro" oder das Brindisi aus der Traviata. Dazu eine sehr attraktive Erscheinung. Ich habe sie zum 1. Mal gehört, aber da sie bereits den Metropolitan Wettbewerb gewonnen hat, nehme ich an, dass sie bekannt ist. Kann man noch auf Arte + 7 nachhören. Ich nutze gleich die Gelegenheit, allen Klassikfreunden ein gesegnetes Jahr 2016 zu wünschen und vor allen Dingen die Kraft und Lebensfreude, all das zu leben,was 2016 uns bringt. Liebe Grüsse, bonne année et bonne santé :hello Fairy Queen
Hosenrolle1 (03.01.2016, 20:07): Wie war das Orchester?
LG, Hosenrolle1
Fairy Queen (08.01.2016, 10:15): Soweit ich das beurteilen kann, dem Anlass und Ort angemessen gut. Leider hab ich mich oben vertippt und kann nicht mehr korrigieren, pardon. es muss heissen "Fenice"...... Liebe Grüsse ringsum
Jürgen (03.03.2016, 11:35): http://devour.com/video/marble-machine/
Gerade angesehen. Nicht notwendigerweise Klassik.
Es handelt sich hier im wesentlichen um ein Glockenspiel, das von herabfallenden Murmeln gespielt wird. Tonhöhe und Zeitpunkt, sowie der Rücktransport der Murmeln wird von einer Mechanik bewerkstelligt, die nicht ganz leise ist. Ein paar andere Instrumente sind auch verbaut (z.B. E-Bass).
Nikolaus Harnoncourt in Salzburg 1995- Nozze di Figaro Rehearsals
Ein sehr interessantes Video, in dem Harnoncourt wieder einmal über die Musik redet, und auch über Mozarts Intentionen, seine Tempi, etc. - sehr hörenswert!
Interessant fand ich seine Gedanken etwa zu den Figuren an einer Stelle, die ich einmal transkribiert habe:
Der gesamte Zeitgeist hat hingesteuert auf den Konflikt zwischen den Ständen. Und dass dann ein Theaterstück wie das von Beaumarchais ,in dem gegen den Adel Frechheiten gesagt werden (…), dass so ein Stück dann zugleich eine Art von zündender Wirkung hat, das ist ja klar, das kennen wir ja: Wenn eine Stimmung da ist und irgendwelche Worte in einem Theaterstück passen in diese Stimmung hinein, dann wird die Stimmung sofort aufgeheizt. Aber dass das weder der Inhalt des Stückes von Beaumarchais ist noch viel mehr der Inhalt des Stückes von da Ponte und Mozart, das ist ganz klar. Es ist eher noch bei Beaumarchais. Aber wenn man sich das genau ansieht, was da Ponte und Mozart gestrichen haben und was sie dann hervorgehoben haben, wie besonders die Figur des Figaro von einem springlebendigen und politisch denkenden zu einem eher traurigen Helden heruntergeändert wird, da muss man sagen, da kann überhaupt nicht geplant gewesen sein. Überhaupt nicht. Der Fokus geht dann viel mehr auf die Frauen, die Rolle der Gräfin wird viel stärker, die Rolle der Susanna wird viel stärker und es kommt auch viel stärker heraus die Vermischung der stände, dass die Gräfin im Grunde keine Gräfin ist, sie ist ja die Rosina, sie hat einen sehr gleichartigen Gesprächston mit der Susanna, weil sie ja aus dem selben Stand stammt. Dass der Graf mit dem Figaro so einen kumpelhaften ton hat kommt auch aus dem ersten stück. Also die Standesunterschiede sind überhaupt nicht hervorgehoben. Das Schwirren des Cherubin durch alle Stände, vom Kämmerchen des Gärtners bis zum feinen Boudoir der Gräfin, das kommt dann noch dazu. Also der Konflikt zwischen den Ständen wird hier überhaupt nicht geschildert.
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (12.07.2016, 03:55): Gerade habe ich die ORF-Sendung "ErLesen" gesehen, in der Christa Ludwig, Karl Löbl sowie Gottfried Wagner, einer der Wagner-Urenkel (keine Ahnung was genau) diskutieren, ob man die Person Richard Wagner von seinem Werk trennen kann oder nicht.
https://i.ytimg.com/vi/CpleLjyaFjY/mqdefault.jpg
https://www.youtube.com/watch?v=CpleLjyaFjY
Christa Ludwig kennt eh jeder, zu ihr muss ich nichts sagen. Karl Löbl ist ein leider bereits verstorbener berühmter österreichischer Kritiker, der viele Jahrzehnte als Journalist tätig war, Leute wie Bernstein persönlich kannte, man könnte sagen, eine Art Joachim Kaiser auf österrichisch.
Der Wagner-Enkel ist der, der aus Bayreuth verstoßen wurde, weil er sehr kritisch über Wagner sowie seine Familie speziell in der Nazizeit redet und darüber auch ein Buch geschrieben hat.
Ich dachte mir, die Sendung muss interessant werden - aber leider war sie das nicht.
Ludwig und Löbl vertreten hier eher die These, dass man Person und Werk trennen muss, dass die Musik ja wunderbar sei, während Wagner meint, dass man das nicht trennen könne, dass der Komponist auch seine Musik instrumentalisiert hat um bestimmte Zwecke zu verfolgen.
Aber leider sagt er nicht mehr, obwohl er ständig hektisch herumschreibt, andere nicht zu Wort kommen lässt oder ins Wort fällt.
Auf konkrete Fragen geht er gar nicht ein, sondern redet einfach über irgendetwas, ohne konkret zu werden, meint aber "Ich bin für eine differenzierte Diskussion". Er liefert beispielsweise überhaupt keinen "Beweis" oder eine konkrete These, konkrete Beispiele, sondern redet sich auf irgendwelche Wagner-Forscher aus, die das ja alles mal irgendwann geschrieben und herausgefunden haben.
Er tritt extrem aggressiv auf, fordert aber immer wieder eine Rückkehr zu einer Gesprächskultur ein - nicht merkend, dass er der Einzige ist, der eine solche vermissen lässt.
Es hätte eine interessante Diskussion sein können, aber leider war das schwer erträglich.
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (11.09.2016, 21:43): Gerade habe ich mir einen weiteren Trailer zu einer Figaro-Produktion angesehen, es hätte aber auch zu irgendeiner Oper sein können, denn auch hier wurden manche der Sänger vor die Kamera gesetzt, und sie sagen ein paar Sachen über das Werk.
Was ich mich da immer frage: sind das vorgeschriebene Texte? Oder spontane Äußerungen? Ich glaube eher ersteres.