German Germanowitsch Galynin und "seine Freunde" - das Schicksal kennt keine Gnade
Shruti (09.09.2013, 17:16): German Germanowitsch Galynin (geboren 1922, gestorben 1066) wuchs als Waisenkind auf, nachdem seine Eltern früh verstarben.
Er war Autodidakt, brachte sich selbst das Klavierspielen (und andere Instrumente) bei, sein Talent wurde im Waisenhaus entdeckt und gefördert.
Er schaffte es aufs Musik-Konservatorium. 1938 begann er in Moskau sein Studium, bis er 1941 als Freiwilliger für die Sowjetarmee in den Zweiten Weltkrieg zog.
1944 kehrte er an das Konservatorium zurück, studierte (UND BEENDETE !)%=9 Komposition bei Mjaskowski und Schostakowitsch, die beide 1948 als "Formalisten" gebrandmarkt wurden.
In den 1950er Jahren entwickelte Galynin wahnhafte Ideen bzw. Symptome einer Schizophrenie, so dass er überwiegend als Patient in psychiatrischen Kliniken lebte.
Galynin hatte im Grunde keine echte Chance, sein Leben als Komponist zu entfalten, das Schicksal (wer oder was auch immer das sein mag) hat es nicht gut mt ihm gemeint.
Auch heute noch sind die wenigen Werke, die er uns hinterlassen hat (z.B. zwei Klavierkonzerte, 2 Streichquartette), dem breiten Publikum unbekannt.
Kennt ihr noch andere Komponisten, denen es durch schicksalhafte Ereignisse nicht vergönnt war, ein "erfülltes" Komponistenleben zu führen?
Cetay (inaktiv) (09.09.2013, 22:23): Da wäre Rudi Stephan zu nennen. Er galt Anfang des 20. Jahrhunderts als größte deutsche Komponistenhoffnung, ehe sein Leben im Alter von 28 Jahren an der Kriegsfront per Kopfschuss ausgehaucht wurde. Es wird viel spekuliert, wie es mit ihm weitergegangen wäre. Stephan hat wie Mahler und Strauss die Tonalität ausgereizt und kam ohne programmatische Überfrachtung oder emotionale Überwältigung aus. Seine Suche nach neuen Audrucksmitteln orientierte sich auch bei Schönberg und Debussy, aber die wenigen Werke, die er schaffen konnte, lassen vermuten, dass er zu anderen, individuellen Lösungen gekommen wäre.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/08/Rudi_Stephan.jpg4 Rudi Stephan; * 29. Juli 1887 in Worms; † 29. September 1915 im Ersten Weltkrieg bei Tarnopol, Galizien
Florestan (10.09.2013, 07:58): Ein weiteres früh verstorbenes Talent ist Julius Reubke.
Er lebte von 1834 - 1858, war Sohn eines Orgelbauers und ein Schüler von Theodor Kullak in Berlin und später Franz Liszt in Weimar, der sein grosses Vorbild war. Seine musikalische Sprache orientiert sich stark an diesem, und seine einzige erhaltene Klaviersonate in b-Moll hat die von Liszt als Vorbild. Daneben schrieb er noch eine groß angelegte Orgelsonate mit sinfonischen Ausmaßen. Er trat auch als Pianist und Organist in Erscheinung, und Hans von Bülow hielt große Stücke auf ihn.
Auf dieser CD finden sich seine gesamten (sehr überschaubaren) Werke
Shruti (10.09.2013, 08:25): Original von Cetay Da wäre Rudi Stephan zu nennen. Er galt Anfang des 20. Jahrhunderts als größte deutsche Komponistenhoffnung, ehe sein Leben im Alter von 28 Jahren an der Kriegsfront per Kopfschuss ausgehaucht wurde.
Hallo Cetay! Kannst Du eine diskographische Empfehlung aussprechen?
ab (10.09.2013, 18:23): Juan Chrisostomo de Arriaga (1806-1826)
Arriaga - so laut Wiki - entstammte einer wohlhabenden musikalischen Familie und erwies sich sowohl als Geiger als auch als Komponist als frühreifes Talent, weshalb er auch als spanischer Mozart bezeichnet wurde. Bereits vor seinem 15. Lebensjahr komponierte er die Oper Los Esclavos felices, die auch in seiner Heimatstadt Bilbao aufgeführt wurde. 1821 ging er an das Pariser Konservatorium, wo er von Pierre Baillot weiteren Geigenunterricht erhielt sowie in Harmonielehre und Kontrapunkt von François-Joseph Fétis ausgebildet wurde. Aufgrund seines erstaunlichen Talentes wurde Arriaga bereits 1824 Assistent von Fétis in dessen Kompositionsklasse. Arriaga starb kurz vor seinem 20. Geburtstag an Tuberkulose. :I
Cetay (inaktiv) (10.09.2013, 19:20): Original von Shruti Original von Cetay Da wäre Rudi Stephan zu nennen. Er galt Anfang des 20. Jahrhunderts als größte deutsche Komponistenhoffnung, ehe sein Leben im Alter von 28 Jahren an der Kriegsfront per Kopfschuss ausgehaucht wurde.
Hallo Cetay! Kannst Du eine diskographische Empfehlung aussprechen?
--> hier.
Die enthält m.E. als Einzige auch die erste Musik für Orchester aus dem Jahr 1910. Die bekanntere Komposition mit dem gleichen Namen stammt aus dem Jahr 1912.
Florestan (10.09.2013, 20:42): Rudi Stephan hat neben einigen anderen Werken auch eine Oper geschrieben: "Die ersten Menschen" Davon gibt es sogar gleich 2 Aufnahmen
Mit dem zuverlässigen Karl-Anton Rickenbacher. Eine sehr solide Aufnahme, und ein Mitschnitt einer konzertanten Aufführung aus dem Berliner Konzerthaus von 1998.
Auf dieser Aufnahme sind unter der Stabführung von Hans Zender diverse Orchesterstücke (die Musik für Geige und die Musik für Orchester wie in der Chandos-Aufnahme, die Cetay empfohlen hat), und eine Gesangsszene, in der kein geringerer als Dietrich Fischer-Dieskau mitwirkt. Ferner noch eine Musik für sieben Saiteninstrumente. Insgesamt anhörenswerte Stücke, die auf ein vielversprechendes Talent hinweisen.
Insgesamt ist ja das Schaffen von Stephan überschaubar, aber verhältnismässig gut dokumentiert. Er soll übrigens kurz vor seinem Tod seiner Mutter geschrieben haben "ich habe noch so viel Musik im Kopf", bevor ihm dieser zerschossen wurde. Es gibt noch weitere Musiker, die im 1. Weltkrieg ums Leben kamen. Davon werde ich demnächst berichten.