pyrrhon (21.07.2009, 13:36): Immer wieder kommt in Besprechungen von Gesamtaufnahmen das Thema auf, dass Gesamtaufnahmen nicht so empfehlenswert seien, weil es darin immer Aufnahmen minderer Qualität (sei es in interpretatorischer oder klangtechnischer Hinsicht) gäbe, die man mitkaufen müsse. Auf der anderen Seite sind Gesamtaufnahmen i.d.R. günstiger als Einzelaufnahmen aller Werke.
Einzelaufnahmen sind wiederum vorteilhaft, weil man von jedem Werk die einem am besten erscheinende Interpretation kaufen kann und damit insgesamt in dieser Hinsicht besser bedient ist als bei Gesamtaufnahmen. Unter Umständen hat das allerdings seinen Preis, weil speziell die unbekannteren Werke oft relativ teuer sind, sofern nicht Naxos eine billige Alternative anbietet.
Ich tendiere trotz aller Gegenargumente zu Gesamtaufnahmen, weil ich irgendwie als Sammler einfach alle Werke einer Gattung des Komponisten haben möchte, obwohl ich dann regelmäßig nicht alle Werke anhöre oder einige halt nur einmal, weil mir dann andere Interpretationen doch besser gefallen. Einzelaufnahmen, die irgendwie besonders sind, kommen dann noch hinzu.
Wie hält ihr es in dieser Frage? Gibt es Gesamtaufnahmen, die ihr nicht bereut habt und empfehlen könnt? Wenn ja: Welche sind das? Welche Gesamtaufnahmen würdet ihr nie wieder kaufen?
daniel5993 (21.07.2009, 14:49): Guten Tag pyrrhon,
Original von pyrrhon Wie hält ihr es in dieser Frage? Gibt es Gesamtaufnahmen, die ihr nicht bereut habt und empfehlen könnt? Wenn ja: Welche sind das? Welche Gesamtaufnahmen würdet ihr nie wieder kaufen?
Ich bevorzuge eine gesunde Mischung aus Gesamtaufnahmen und Einzelaufnahmen. Natürlich möchte ich immer eine GA als Grundstock haben und darauf baue ich dann meine Einzelaufnahmen auf, vergleiche usw.
Gesamtaufnahmen wo durchweg auf hohem Niveau musiziert wird (meiner bescheidenen Meinung nach :D) sind: Ohhh, es gibt so viele! Ich werd erst einmal nur 2 nennen und dann nach und nach weitere Favoriten nachlegen :J
Puccini Great Opera Collection, Enthält allerdings nicht alle Opern.
http://www.zweitausendeins.de/www_articles_images/large/690312.jpg http://records.joanrecords.com/ProductImages/92540.jpgIn Frankreich günstig
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51NewJ7K1pL._SL500_AA240_.jpg Callas: Alle Studioaufnahmen. Hätte ich mir nie zum Vollpreis gekauft. Aber in F günstig erworben, höre ich sie gelegentlich gerne (Aktweise).
Bei all diesen Boxen spielte das günstige Preis/Leistungsverhältnis eine entscheidende Rolle. Lediglich den Solti-Ring hätte ich auch teuer einzeln gekauft, wenn es ihn nicht komplett und günstig(er) gegeben hätte.
Grüße Jürgen
jünter (21.07.2009, 20:02): Spontan und nur Beethoven:
sowie (selbstverständlich!!!) die Wiener GA der Beethoven-Symphonien mit Lenny (Bild meiner 5er Box habe ich auf die Schnelle nicht gefunden).
daniel5993 (21.07.2009, 22:06): Original von jünter sowie (selbstverständlich!!!) die Wiener GA der Beethoven-Symphonien mit Lenny (Bild meiner 5er Box habe ich auf die Schnelle nicht gefunden).
Guten Abend jünter,
ich schließe mich dieser Aussage an und präsentiere auch gleich das Cover.
Eine GA der Dvorak-Symphonien würde ich mir dagegen wahrscheinlich nicht noch einmal kaufen. Ich mag Dvoraks Musik ansonsten sehr, aber die ersten 4 Symphonien sprechen mich nicht an und deshalb sind diese für mich keine Must Have-Werke.
pyrrhon (22.07.2009, 15:21): Interessant und erfreulich, dass Leonard Bernstein immer noch so beliebt ist! Ich halte ihn für einen exzellenten Dirigenten und kann auch von mir sagen, dass ich viele Gesamtaufnahmen mit ihm als Dirigenten habe. Begonnen hat es bei mir mit der Bernstein-Edition der DGG, die ziemlich zeitnah mit Bernsteins Tod veröffentlicht wurde. Nur habe ich fast alle Gesamtaufnahmen mit ihm nicht als Gesamtaufnahmen gekauft (das war damals preislich für einen Schüler kaum erschwinglich), sondern mit der Zeit ergab sich das durch den Kauf der Einzelaufnahmen einfach so.
Cetay (inaktiv) (28.07.2009, 10:54): Original von pyrrhon Einzelaufnahmen sind wiederum vorteilhaft, weil man von jedem Werk die einem am besten erscheinende Interpretation kaufen kann und damit insgesamt in dieser Hinsicht besser bedient ist als bei Gesamtaufnahmen. ´
Heutzutage scheint man sich eher darauf zu konzentrieren, Interpretationen einzelner Werke miteinander zu vergleichen. Es ist aber mindestens genau so erhellend, verschiedene Werke miteinander vergleichen oder sogar einzelne Sätze, um Entwicklungen des Komponisten hinsichtlich Form, Harmonik, Instrumentierung (oder -wie bei Bruckner- werkübergreifende Strukturen), etc. nachzuvollziehen Dabei sollte man vorerst bei einem Interpreten bleiben, weil sonst vielleicht verwischt wird, was von der Kompostion und was von der Ausführung herrührt. Es ist kaum sinnvoll, dass jemand, der das Wachstum von Beethoven an Hand der langsamen Sätze aus den Sinfonien nachvollziehen will, mit der 1. in der späten Studioaufnahme von Furtwängler anfängt und dann mit der 9. von Norrington aufhört. Ungeeignet sind für diesen Zweck natürlich auch GAs, bei denen der Interpret allem seinen persönlichen Stempel aufdrückt oder er einen extrem uneinheitlichen Ansatz wählt. In diesem Sinne sind die "besten" GAs diejenigen, bei denen sich die Interpreten weitgehend zurücknehmen (im Beethoven-Beispiel wäre Blomstedt zu nennen); ein Erkennungsmerkmal dafür ist, dass sie von der Öffentlichkeit und Presse als "mittelmäßig", "überflüssig", "unprofiliert" oder "nichtssagend" bezeichnet werden.
uhlmann (28.07.2009, 11:35): meine grundsätzliche einstellung zu gesamtaufnahmen schrieb ich schon im mahler-ga-thread:
natürlich gelingen in einer gesamtaufnahme niemals alle werke gleich gut. das ist aber nicht nur bei mahler so. auch bei bruckner, beethoven, schostakowitsch etc. wird man keine ga finden, wo alle aufnahmen gleich gut gefallen.
ich persönlich finde es aber sehr interessant, den zugang bzw. den interpretationsansatz eines dirigenten zu einem komplexen werkzyklus eines komponisten zu erfahren. ich versuche auch oft, wenn die zeit es erlaubt, eine ganze ga "hintereinander" zu hören, um sowohl die entwicklung des komponisten als auch diesen ansatz des dirigenten unmittelbar zu erhören. das ist für mich immer wieder lohnenswert, selbst wenn manche interpretationen des einen oder anderen werks weniger überzeugend geraten.
gute gesamtaufnahmen sind für mich solche, wo diese durchgängige linie, der allgemeine zugang eines dirigenten zu einem gesamtwerk deutlich ersichtlich wird. wo, wenn man so will, ein bogen über den gesamten zyklus gespannt wird.
so gesehen bin ich mit dox' meinung durchaus einverstanden. lediglich den letzten satz würde ich so nicht unbedingt stehen lassen. es mag sein, dass zum kennenlernen ein "mittelmäßiger" interpretationsansatz besser geeignet ist als ein "extremer". wenn man ein gesamtwerk jedoch bereits gut kennt, kann gerade ein außergewöhnlicher ansatz besondere aspekte zum vorschein bringen, die man vorher eventuell überhört oder gar nicht wahrgenommen hat. überhaupt meine ich, dass man die "qualität" einer gesamtaufnahme erst bei entsprechender kenntnis der werke richtig beurteilen kann.
gute gesamtaufnahmen von mir geschätzter werkzyklen, die ich ohne einschränkung empfehlen kann, wären u.a. folgende: