Rachmaninov (14.06.2009, 13:17): Gestern an einem angenehmen warmen Abend war ich im Münchner Olympiastadion. Geboten wurde
Depeche Mode - Tour of the Universe - open air.
DM begleitet mich nahezu mein gesamtes musikalisches Leben. Das sind nun fast 25 Jahre i.d. ich mich intensiv mit Musik beschäftige und ich darf durchaus behaupten, dass ich mich mit bein den ersten meine Generation befand, die sich DM zuwandten.
1986 / 1987 war ich bereits erstmalig in Deutschland auf einem Konzert. Aachen Eurogress - Black Celebration Tour. Im Jahr drauf Köln - Musik for the Masses und in den 90ern auf dem dritten Konzert ebenfalls in Köln.
Nun, 2009 also das erste mal open Air.
Einige Konzerte wurden zuvor abgesagt wegen einem Blasetumor bei Dave Gahan. Tja, das Leben macht da keine Unterschiede.
Wie auch immer, Gahan wurde vor knapp einem Monat operiert.
Und man muss sagen RESPEKT. Er ist zwar nicht rumgetobt wie vor mehr als 20 Jahren, aber das der man quasi frisch vom OP Tisch auf die Bühne geht und so eine Performace liefert war gigantisch. :down
Wie immer bei DM Konzerten war dies wiedereinmal ein unvergessliches Ereignis, auch wenn die Faszination der Jugend leider etwas ist das vergeht. Aber das ändert nur den Genuss.
Ein Konstante im Leben
:times10
Sfantu (14.09.2010, 13:57): Okay, nicht gerade gestern...
da ich aber eh kein eifriger Konzertgänger bin, kommt's mir wie gestern vor. Ausserdem bedarf dieser Faden mal einer Verstärkung, also:
1.) Februar d. J. in der "Esse" in Winterthur:
Lisette Spinnler-Quintett. Lisette Spinnler aus Basel mit ihren Sidemen an Klavier, Sax/Flöte, Bass & Perkussion war dort auf ihrer Release-Tour zum Album "Siawaloma" auf Station. Ein geschmackvoller Stilmix aus einer Prise entspanntem Mainstream-Jazz, spürbar mehr aber Anlehnung an den melancholisch-meditativen Sound aus Skandinavien und a la ECM, dazu eine ordentliche Portion Ethno. Lisette singt wenig Text - mal ein englischer, mal ein türkischer Song dazwischen - hauptsächlich aber Vokalisen und Scat, ist hierbei erfindungsreich und experimentierfreudig, d. h. geht gern in Richtung Stimmakrobatik mit oft staunenmachenden, oft einen zum Schmunzeln bringenden Ergebnissen - musste dabei ein ums andere Mal an Maria Joao denken. Selbst schweizerdeutsche Einschübe wurden dabei nicht ausgelassen, was natürlich die Butze zum Beben brachte... Überhaupt schienen Spiel und Gesang klar von der Live-Atmosphäre zu profitieren - es knisterte und machte echt Laune. Im Unterschied dazu enttäuschte die CD etwas meine vom Konzert mitgenommene Euphorie. Zunächst kaum wiederzuerkennen, entfalteten die Stücke erst mit der Zeit wieder ihren Reiz für meine Sinne. Inzwischen läuft sie vorzugsweise im Auto bei mir rauf und runter, es geht sehr viel ruhiger zu (beinahe zurückhaltend) als im Konzert.
In jedem Falle war das nicht mein letzter Besuch bei Lisette!
Auch nicht mein letzter Besuch in der "Esse". Ein intimer Spielort, liebevoll von einem engagiertem Häuflein Nicht-Profis betrieben. Der Eintritt ist frei, es geht in der Pause ein Hut rum oder man wirft, so viel man für angemessen hält, in einen "Briefkasten". Kleine Snacks und Getränke gibt's zu für Schweizer Verhältnisse annehmbaren Preisen - unbedingt probieren: "Stadtguet", das Produkt einer kleinen Winterthurer Braustube - lecker!
2.) Am 7. Juni d. J. im "Moods" im Schiffbau, Zürich: Young Gods & Koch-Schütz-Studer mit ihrem ersten gemeinsamen Projekt, dem "For additional confusion"-Konzert.
Die Young Gods sind eine Schweizer Indie-Rock- und Industrial-Formation der ersten Stunde, Koch-Schütz-Studer ein zwischen Jazz und Neuer Musik hin und her experimentierendes resp. amalgamierendes Trio aus Klarinette, Cello und Perkussion, das mit reichlich elektrischer Verstärkung, Verfremdung, mit Progrmmierung und Sampling arbeitet. Sie selbst nennen das Hardcore Chamber Music. Das Ergebnis: Eine chemische Reaktion, die mal die Hände schutzbietend vor die Ohren schnellen lässt, mal in einen dunklen, unwiderstehlichen Sog hineinreisst. In den Momenten, die mir am besten gefielen, ein wenig an den traumverlorenen Stil von "Tortoise" oder neuerdings "Arcade Fire" erinnernd. Insgesamt eine Begegnung der besonderen Art. In der passenden Stimmung ein wahrer Rausch...
Das hier ausgeschenkte Zürcher "Turbinen-Bier" kann mit dem erwähnten Winterthurer "Stadtguet" nicht mithalten - ganz zu schweigen von der Zürcher Institution "Hürlimann" - eine der furchtbarsten Pfützen, die ich je probiert habe (bibber!!!) Auch das Essen erledigt man besser vorher und woanders, die Preise sind gesalzen, die Speisen nicht immer.
:hello Sfantu
Cetay (inaktiv) (05.11.2010, 14:14): Portico Quartet; 2.11.2010; Ampere im Muffatwerk, München
Auf das Portico Quartet bin ich vor kurzem auf meinen Entdeckungsstreifzügen durchs Netz gestossen und habe sie mal auf die erweiterte Merkliste gesetzt (es ist leider unmöglich geworden, alles zu verfolgen, was sich in der sogenannten "U"-Musik -abseits des Chart-Mainstream- an unglaublich spannenden Entwicklungen abspielt). Nun waren sie zufällig mit mir zur gleichen Zeit in der gleichen Stadt.
Die vier blutjungen Musiker, unüberhörbar Briten, kaum Mitte 20, gehören zu den Vertretern einer relativ neuen, stilübergreifenden Musikrichtung, die mit gewöhnlichen Genrebegriffen kaum zu fassen ist. Ab und an fällt das Tag Post-Jazz und ich wette, dass sich das in ein bis zwei Jahren durchsetzt. In Analogie zur Definition des Post-Rock (using rock instrumentation for non-rock purposes) erscheint es besten geeigent für diese Bewegung, die trotz oder gerade wegen der Stilüberscheitungen viele Gemeinsamkeiten aufweist: Besetzungen, die eher auf Jazzgruppen schließen lassen, ergänzt durch außergewöhnliche Instrumente; Einsatz von Live-Elektronik sowie Einflüsse aus dem Alternative Rock - eine Referenz, die immer wieder genannt wird, ist Radiohead. Daneben wird noch alles verwurstet, was die Protagonisten für spielenswert halten.
Im Falle Porticio höre ich noch Minimal Music, Weltmusik, Neue Improvisationsmusik und nordisch-melancholische Jazz-Ästhetik. Wer bei einer solchen stilistischen Spannweite ein Verzetteln in Beliebigkeit befürchtet, liegt grottenfalsch. Die Jungs haben einen solch unverwechselbaren Sound, dass man sie sofort unter Hunderten heraushört. Das offenhörbare Geheimnis ist die Verwendung des Hang, ein neu entwickeltes Percussionsinstrument, das gleichzeitig Assoziationen an Afrika, Asien und die Karibik weckt. Weniger offenhörbar, aber wahrscheinlich noch wichtiger ist, dass die vielfältigen Einflüsse kaum mehr als Einzelelemente auszumachen, sondern untrennbar miteinander verwoben sind - einzigartig eben und deshalb auch nicht adäquat zu beschreiben. Neben dem Hang kamen Saxofon, Kontrabass und Schlagzeug zum Einsatz. Besonders interessant war es, dem Schlagzeuger zuzusehen, der neben seiner Hauptarbeit noch für die Live-Elektronik zuständig war: Die Musik wird aufgenommen, in Echtzeit manipuliert und -oft als Schleife oder Drone- wieder in das Ensemblespiel zurückgeworfen. Das war ein wahrhaft magisches Konzerterlebnis, das von einer echten Hingabe der Musiker getragen wurde. Obwohl sie kaum länger als eine Stunde gespielt haben, erschien mir das vollkommene Abtauchen in den Portico Klangskosmos wie eine Ewigkeit.
Das etwa 60-köpfige Publikum spiegelte die Zeitlosigkeit dieser Musik wieder: Altersspanne von 16 - 60, die Geschlechter 50:50. Die nach dem Konzert feilgebotenen CDs wurden den Vieren regelrecht aus den Händen gerissen, einer nahm gleich vier mit. Ich habe mich (noch) zurückgehalten, befürchtend, dass die "Konserve danach" nur wie eine unzureichende Rekonstruktion wirken kann.
Sfantu (02.02.2011, 16:42): Letzten Samstag im Moods im Schiffbau, Zürich:
Fanfare Ciorcalia,
eine Zigeuner-Blaskapelle, die, wie andere Trouvaillen, namentlich meine Liebste, erlesener Wein oder Sergiu Celibidache, aus dem schönen Moldawien stammt. Rumänische Roma-Folklore mit Ska-Elementen. Halsbrecherische Virtuosität, wahnwitzige Tempi, ein mitreissender Drive, der selbst bei sparsam-begleitender rhythmischer Sportgymnastik den Schweiss auf die Stirn treibt und vor allem: jede Menge gute Laune - wir sahen Schweizer in Extase! Nach einigen Zugaben zog die Band dann noch spielend durch das Schiffbau-Foyer, in welchem die erlesenen Gäste eines pikfeinen Empfangs der oberen Gesellschaft nicht schlecht staunten.
Nicht entgehen lassen werd' ich mir die zwischen Mai und Dezember auszutragende Brass-Battle-Tour - ein Schlagabtausch von Fanfare Ciorcalia mit dem Boban-und-Marko-Markovic-Orchester aus Serbien. Die Tourdaten gibt es auf http://asphalt-tango.de
:hello Sfantu
Jürgen (02.02.2011, 22:12): Original von Sfantu Letzten Samstag im Moods im Schiffbau, Zürich:
Fanfare Ciorcalia,
eine Zigeuner-Blaskapelle, die, wie andere Trouvaillen, namentlich meine Liebste, erlesener Wein oder Sergiu Celibidache, aus dem schönen Moldawien stammt.
Von denen kenne ich auch 2 CDs. Das ist wirklich Blasmusik der anderen Art. Wahnwitzig schnell. Ich kann mir vorstellen, dass der Abend sehr beeindruckend war.
Grüße Jürgen
Cetay (inaktiv) (18.05.2013, 10:47): District 97 mit John Wetton; 15.05.2013; Bergkeller, Reichenbach im Vogtland
Meiner schier grenzenlosen Begeisterung über District 97 habe ich im Geradehörfaden schon Ausdruck verschafft. Es gibt in meinen Ohren im Bereich der zeitgenössischen Pop/Rock/Mainstream Musik nichts, das dieser Combo auch nur annähernd das Wasser reichen könnte. Da war es keine Frage, vier Stunden mit dem Auto in die Mitte von Nirgendwo zu fahren, um sie lebendig spielen zu sehen. Zumal sie mit John Wetton einen absoluten Superstar dabei hatten (für Altersgenossen: Heeeeeaaaaaat of the Moment). Ich schätze mal, der Rest des Publikums war hauptsächlich wegen diesem Verteranen da, denn ich lag wohl noch knapp unter dem Altersdurchschnitt der rund 50 Besucher (daunter 3 Besucherinnen). Der Verdacht, in einem Kammerkonzert gelandet zu sein, kam trotz der Altersstruktur des Publikums nicht auf. Dazu waren die Typen zu abgerissen und verspult; ich bin da garantiert nicht aufgefallen. Ich wäre aufgefallen, wenn ich etwas gesagt hätte, aber da ich mit dem Tiefst-Sächsischen so meine Verständnisprobleme hatte, beschränkte sich meine Konversation auf hmhmm und aah. Statt Sekt und Häppchen im Foyer gabs Bier und Steaks - direkt aus der Plastikfolie auf den Grill- vor der Tür. Der Bergkeller, in dem immer wieder mal große Namen auftauchen, ist recht klein; eine Bühne gibt es nicht, das Instrumentarium war in einer Ecke aufgebaut und die einzige Abgrenzung waren die Kontrollmonitore auf dem Boden.
Wo es so nonchalant zugeht, braucht man sich nicht zu wundern, dass das Konzert 40 Minuten früher als geplant begonnen hat. Mit einem Platz in der 2ten Reihe (mehr gab es nicht) war ich schön nahe am Geschehen. Schon nach der ersten Nummer war das Publikum völlig aus dem Häuschen und die Stimmung in der Höhe. Die Band bleib bei ihren abstrakten und gleichzeitig melodischen Stücken ziemlich nahe an der Studiovorlage. Umwerfend ist die Bühenpräsenz von Sängerin Leslie Hunt, die über einen echten Star-Appeal verfügt und mit dem Singen klappte es auch tadellos (einige Videos von älteren Liveauftritten ließen da eher Schlimmes befürchten) - naja, fast; Severinas oder Billys Meinung wollte ich lieber nicht hören. Höhepunkt des ersten Teils war ein spannend aufgebautes, die Intensität schier unendlich steigerndes improvisiertes Keyboardsolo, das den Saal schier zum Kochen brachte. Im zweiten Teil trat dann Wetton als Sänger auf und die Musiker spielten einige King Crimson Nummern aus der Wetton-Ära. Er zog seinen kurzen Part recht routiniert durch und war dann schnell wieder verschwunden, während sich die Band nach dem Konzert noch mehr als eine Stunde unter das Publikum mischte - zu Gesprächen (da konnte ich dann auch mitmachen, weil ich Englisch sehr viel besser verstehe als Sächsisch), Fotos, Signierungen und natürlich auch, um die eine oder andere CD an den Mann oder die Frau zu bringen.
Die Kosten für Sprit, Eintritt, Hotel und reichlich konsumierte Getränke (Stehplatz in der Nähe der Bar und Hotel in Fußnähe - das ist eine gefährliche Kombination) waren gut angelegt; ich weiß nicht, wann ich das das letzte Mal nach einem Klassikkonzert sagen konnte... :ignore
Maurice inaktiv (18.05.2013, 10:55): Dann hättest Du Dir auch noch die Vogtland-Philharmonie anhören können,die in Reichenbach ihren Sitz hat.iSt doch ganz idyllisch dort...
VG,Maurice
Gilad Pellaeon (24.06.2013, 14:28): Ich habe am Samstag im Hamburger Docks die Band Paramore zum ersten Mal Live erleben können und kann nur sagen, dass es ein absolut geniales Erlebnis war. Die Stimmung war großartig, es wurde mitgesungen, gehüpft und wirklich jeder hatte im ausverkauften Docks seinen Spaß. Da freue ich mich jetzt schon auf das nächste Konzert der Band im September in Düsseldorf
:times10
Jürgen (09.04.2014, 15:25): http://www.nighthawks.eu/wp-content/gallery/in-concert/winterschladen-83b0263.jpg
Gestern Abend in Aschaffenburg: Nighthawks
Sehr schönes Konzert, nicht so laut, obwohl für die Band recht rockig.