Ich wollte diesen Film schon länger rezensieren, doch nun, wo diese unsägliche Neuauflage herauskommt, drängt es mich umso mehr, das zu tun.
Wie bei vielen anderen Fans auch hängen bei mir schöne Erinnerungen mit dem Film zusammen. Anfang der 90er (aus verschiedenen Gründen vermute ich stark, dass es 1991 gewesen sein muss) hat es ihn auf Pro7 gespielt, und da wurde er mir auch aufgenommen auf VHS. Davor kannte ich jedoch bereits die Ghostbusters-Zeichentrickserie aus den 80ern, und dachte damals fälschlicherweise, dass die Serie zuerst da war, der Film erst danach gedreht wurde, und habe also auch die Schauspieler mit den Cartoon-Versionen verglichen und war enttäuscht, wie unähnlich sie sich sahen. Davon abgesehen aber habe ich diesen Film seit damals sehr gemocht.
Ich werde hier wieder die Handlung kurz schildern, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Auch hier wieder eine Spoilerwarnung: wer den Film noch nicht kennt und ihn sehen möchte, soll bitte ab hier aufhören zu lesen.
Handlung:
Im Lager der Bibliothek in New York wird eine Bibliothekarin offensichtlich von einem Geist erschreckt, worauf die drei Parapsychologen Ray Stantz, Egon Spengler und Peter Venkman sich die Sache näher ansehen wollen. Tatsächlich finden sie das erste Mal einen echten Geist, doch der tut mit den drei Studenten das Gleiche wie mit der Bibliothekarin: er jagt ihnen einen Riesenschreck ein. Kurz darauf werden sie vom Kampus suspendiert, und so beschließen sie, die „Ghostbusters“ zu gründen. Doch leider bleiben die Kunden vorerst aus. Dana Barret, eine Cellistin in der Metropolitan Opera, kommt eines Tages nach Hause, und hat dort in ihrem Kühlschrank ebenfalls eine Geistererscheinung, worauf sie die erste Kundin wird. Doch dann häufen sich die Geistererscheinungen in der Stadt, die Ghostbusters werden bekannt und berühmt und kommen mit dem Geisterjagen gar nicht mehr hinterher, und ein vierter Geisterjäger, Winston, wird engagiert. Inzwischen ergreifen zwei hässliche Monster von Dana und ihrem nervigen Yuppie-Nachbarn Besitz, und bald wird klar, dass Gozer, eine Jahrtausende alte sumerische Gottheit durch das Gebäude, in dem Dana wohnt, und das nur für diesen Zweck gebaut wurde, in unsere Welt kommen möchte. Und so nehmen die Ghostbusters den Kampf gegen Gozer auf; es kommt zum Showdown auf dem Dach … ___________
Das war in aller Kürze die Handlung, aber natürlich gibt es noch Nebenstränge und Erklärungen, die ebenfalls erwähnenswert wären.
Was gefällt mir an diesem Film? Zum einen ist es natürlich der 80er Jahre Charme, die Effekte, die Kleidung, die Frisuren und nicht zuletzt auch die Musik des Films sind typisch 80er Jahre.
Ebenfalls gefällt mir die Mischung aus Comedy und Horror. Es gibt einen Haufen witziger Szenen und Sprüche, aber auch wirklich gruselige Szenen und Schockeffekte. Tatsächlich ist es so, dass alles, was mit den Geistern und Monstern zu tun hat an sich ernst und gruselig ist, der Spaß dabei ist, wie die Ghostbusters und besonders Bill Murray darauf reagieren. In einer Szene reden zwei der Geisterjäger über die Bibel und speziell über den Teil mit dem jüngsten Gericht, von den Toten, die sich erheben, von Dunkelheit, von Erdbeben etc., worauf einer der beiden fragt: „Ist dir je in den Sinn gekommen, dass der Grund, warum wir in letzter Zeit so viel zu tun haben, der sein könnte, dass sich die Toten aus ihren Gräbern erhoben haben?“. Eine herrliche Szene, denn man bekommt hier eine Ahnung davon, dass die vielen Geister der Toten ein Vorbote sind für etwas Großes, das noch bevorstehen wird. Und tatsächlich spitzt sich die Situation im Laufe des Films immer mehr zu, bis der Weltuntergang bevorsteht. (In gewisser Weise erinnert mich die Dramaturgie des Films an die Salome, denn auch dort spitzt sich die Situation immer mehr zu, auch dort geht es um etwas biblisches, und auch dort meint Herodes, dass es schrecklich wäre, wenn die Toten wiederkämen).
Bis auf wenige Ausnahmen finde ich auch die Effekte gelungen. Die Geister und Monster sehen allesamt „echt“ und detailreich aus, in den meisten Fällen handelt es sich um Darsteller in Kostümen, manchmal sind es auch elektronische Puppen. Lediglich die Stop Motion Szenen (insgesamt sind es aber nur 2 oder 3 Szenen die nur ein paar Sekunden dauern) sehen ziemlich mies und unecht aus, was sogar der Regisseur selbst im Audiokommentar zugibt. Ansonsten wirken die Geister noch heute überzeugend, weil sie mit viel Liebe und Aufwand hergestellt wurden und sie übernatürlich und trotzdem echt und plastisch wirken.
Außerdem sind die verschiedenen Geister alle völlig unterschiedlich und sehen nicht mehr oder weniger gleich aus. Ein Geist gehört einer alten ermordeten Bibliothekarin (Fachbegriff: „Komplette Torsomäßige Erscheinung“), die auch aussieht wie eine alte Frau – wenn er böse wird, verwandelt er sich in ein hässliches Monster. Ein anderer Geist, der wohl bekannteste aus dem Film, ist ein kleiner grüner Schleimer (Fachbegriff: „Ein gefokuster, nicht terminaler Wiederholungsfantasmus oder ein vollbeweglicher Klasse 5-Dunst“), der ständig nur frisst.
Ein anderer Geist sitzt als verrottender Leichnam am Steuer eines Taxis, und die beiden Kreaturen von Gozer sehen aus wie Höllenhunde.
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Liest man das Originalscript und sieht die vielen Skizzen für den Film, stellt man fest, dass die ursprüngliche Fassung noch wesentlich härter war, jedoch musste man das doch zurückschrauben, um eine niedrigere Altersfreigabe zu bekommen.
Auch die Chemie zwischen den Darstellern stimmt, und alle vier Ghostbusters haben unterschiedliche Eigenschaften, die sich ergänzen. Der eine ist das Herz der Geisterjäger, das sich mit den vielen Fachbegriffen auskennt, der andere ist der Kopf, der kühl und analytisch und rational ist, der dritte ist der Mund, der für die Ghostbusters redet. Jedoch würde ich empfehlen, sich den Film nur im Original anzusehen, denn die deutsche Fassung verschluckt doch mehrere Witze, und auch der Tonfall passt nicht mehr zum Original-Tonfall, und das ist ein Punkt, der durchaus wichtig ist.
Und mir gefällt auch, wie gotisch viele Gebäude oder Dächer von Gebäuden aussehen. Das Ghostbusters-Hauptquartier ist etwa ein echtes Feuerwehrhaus, das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde.
Ich werde in den nachfolgenden Beiträten auf Teil 2 sowie auf die Zeichentrickserie eingehen.
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (25.05.2016, 14:32): Nach dem großen Erfolg von „Ghostbusters“ kam zwei Jahre später, 1986, eine Zeichentrickserie heraus, die sich „The Real Ghostbusters“ nannte. Die Serie war im Vergleich zu anderen Kinderserien jedoch erwachsener, aber dennoch wurde hier mehr auf Komik statt auf echten Grusel gesetzt. Die Figuren aus dem Film tauchen darin wieder auf, haben aber nicht die echten Schauspieler als Sprecher. Über die Serie selbst könnte man viel sagen, aber ich bin kein Fan davon.
Es gibt jedoch zwei Folgen, die kaum komisch, dafür aber sehr gruselig sind, und deutlich aus den anderen Episoden hervortreten. Es sind die Folgen „Angst vor dem bösen Mann“ (orig.: „The Boogeyman Cometh“) sowie „Die Rückkehr des bösen Mannes“ (orig.: „The Boogeyman Returns“). Diese Folge hat, wenn man sich die vielen Kommentare und Forendiskussionen dazu ansieht, den meisten Kindern schlaflose Nächte beschert und ihnen eine Heidenangst eingejagt.
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Zwei Kinder bitten die Ghostbusters ihnen zu helfen, weil immer wieder der böse Mann aus ihrem Schrank herauskommt. Anfangs nehmen sie es nicht ernst, doch als sie es selbst erleben, machen sie sich auf die Jagd nach ihm, und am Ende gelingt es ihn in seiner Welt einzusperren.
In „Die Rückkehr des bösen Mannes“ gelingt es dem bösen Mann wieder in unsere Welt zu kommen, wo er einen verlassenen Vergnügungspark in einen Alptraumpark verwandelt und die Ghostbusters darin einsperrt. Obwohl der Boogeyman im Original schon gruselig klingt, mit seiner heiseren Stimme und seinem Röcheln, finde ich die deutsche Stimme, die ein bisschen an Gollum erinnert, noch wesentlich passender für die groteske Erscheinung des Monsters. Das sind für mich die einzigen zwei sehenswerten Folgen, ansonsten interessiert mich die Serie nicht.
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (25.05.2016, 14:33): 1989 kam die Fortsetzung der Ghostbusters heraus, und entstanden ist ein Film, den ich nur teilweise mag.
Auch hier die Handlung in Kurzform:
Handlung:
5 Jahre, nachdem die Ghostbusters die Welt gerettet haben. Die Ghostbusters gibt es nicht mehr. Peter Venkman leitet eine Talkshow, Egon Spengler arbeitet in einer Art Labor, und Ray Stantz arbeitet in einem Shop für allerlei übernatürliche Dinge, und fährt ab und zu mit Winston, den vierten Geisterjäger, zu Kindergeburtstagen. Dana und Venkman sind mittlerweile wieder getrennt, sie hat ein Baby und arbeitet als Restauratorin in einem Museum. In diesem Museum wird ein altes Gemälde des bösen Karpathenfürsten Vigo aus dem Archiv geholt, und es wird offensichtlich, dass es ein Eigenleben hat. Vigo hypnotisiert einen Mitarbeiter des Museums, damit ihm dieser ein Kind bringt, in dessen Körper er wiedergeboren werden möchte. Dieses Kind soll das von Dana sein. Inzwischen finden die Ghostbusters unter der Stadt einen Fluss aus Schleim und zerstören dabei die Stromleitungen. Bei der anschließenden Gerichtsverhandlung tauchen zwei Geister auf, die von den Ghostbusters aber eingefangen werden können – sie sind wieder im Geschäft! Gegen Ende jedoch wird Danas Kind entführt und ins Museum gebracht, wo Vigo aus seinem Gemälde steigt, doch auch die Geisterjäger sind bald zur Stelle und es kommt erneut zum Showdown … _____________
In der Inhaltsangabe findet sich schon ein Punkt, den ich an diesem Film nervig finde; die meiste Zeit geht es um das Baby von Dana, und die Szenen mit ihr und Venkman erinnern (auch von der Musik her) eher an eine harmlose 80er Jahre Romanze. Auch hat man leider versucht, die Optik des Films ein bisschen an die Figuren der zu dieser Zeit bereits bekannten und beliebten Zeichentrickserie anzupassen. Das ist mein Hauptkritikpunkt. Ansonsten aber gibt es viele positive Dinge.
Da sind zum einen einmal die Geister. Es sind hier viel, viel mehr Kreaturen und Erscheinungen zu bewundern, und diese Szenen sind dann auch noch viel gruseliger gestaltet.
Besonders aufregend ist die Szene im Gerichtssaal, als plötzlich aus dem rosa Schleim die Geister zweiter auf dem elektrischen Stuhl hingerichteten Mörder auftauchen. Man sieht anfangs noch die letzten Sekunden ihrer Hinrichtung, bevor sie auf den Richter, der sie verurteilt hat, losgehen. Die Geisterjagd in dieser Szene ist sehr aufregend und witzig gestaltet.
Für mich persönlich ist es am gruseligsten, wenn Dinge aus der Vergangenheit wieder „lebendig“ werden, wenn man die Vorgeschichte der Geister kennt.
Und davon gibt es in diesem Film massenhaft.
So fährt das Geisterschiff der Titanic in den Hafen von New York ein, und die vielen Passagiere kommen heraus. (Ursprünglich sollte es, wie man auch in dieser Skizze sieht, die Hindenburg sein)
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In einer anderen Szene trägt eine ältere Frau einen Pelzmantel, und plötzlich manifestieren sich aus dem Pelz mehrere Tiere, denen er ursprünglich gehört hat, und attackieren die Trägerin. Auch ein vor langer Zeit entgleister Zug, der hunderte Todesopfer forderte, fährt wieder durch die dunklen, längst stillgelegten unterirdischen Tunnels. Diese Szene ist für mich die gruseligste, speziell wenn man sie sich im Dunkeln mit Kopfhörern ansieht – wie man leise aus der Entfernung die Eisenbahn hört, und vorne aus dem dunklen Loch des Tunnels plötzlich in der Entfernung der Scheinwerfer des Zuges auftaucht … oder aufgespießte freundliche Gesichter wie hier:
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Aber selbst Geister, die man gar nicht sieht, sind noch gruselig, wenn der Bürgermeister etwa meint: „Jack, letzte Nacht hatte ich eine Unterhaltung mit Bürgermeister LaGuardia. Der Mann ist seit über 40 Jahren tot.“
Und natürlich der Hauptbösewicht, Vigo. Wie das Gemälde sich ab und zu ein bisschen bewegt, wie es das Gesicht verzieht etc. ist wirklich hervorragend gemacht.
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Sogar Dana sagt einmal zu Venkman: „You know, Peter, every now and then I get the feeling that painting is watching me. Even smiling at me.“ Auch schön die Szene, in der zwei Geisterjäger von Vigo gemachte Fotos mit technischen Spielereien so ändern, dass man eine Ahnung davon bekommt, wie Vigo wirklich aussehen könnte. Auch hier baut sich immer mehr Spannung auf, bis zum finalen Showdown.
Insgesamt ist der Film noch dunkler geworden, jedoch wird das durch die romantischen Szenen (leider) wieder austariert. Diese Szenen überspule ich meistens. Im zweiten Teil gefallen mir fast nur die Geisterszenen, während ich den ersten Film ganz ansehen kann, ohne dass ich etwas überspulen möchte.
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (25.05.2016, 14:34): Es gibt natürlich viele verschiedene Versionen des Films, wirklich empfehlenswert ist allerdings momentan nur diese:
Die Box beinhaltet beide Filme auf Blu-ray, jedoch gibt es die beiden Filme auch einzeln.
Die Streifen wurden in 4K neu abgetastet, und das Bild sieht im Vergleich zu den vorigen Veröffentlichungen sensationell aus. Man sieht das Filmkorn sehr schön, und auch die Helligkeit und der Kontrast passen diesmal, wie etwa dieser Vergleich zeigt:
Die erste DVD war einfach nur grauer Matsch. Die zweite DVD war immer noch zu dunkel und hatte einen hässlichen Gelbstich. Auch die 1. Blu-ray hatte diesen Gelbstich, das Feuer an der Wand war viel zu orange. Erst die 4K-Version hat normale Farben.
Aber auch dieser Bildvergleich zwischen der alten und der neuen BD zeigt große Unterschiede:
Auf der alten BD überstrahlen die Laserstrahlen, die Lampen auf der Decke und an der Wand sowie der Geist so extrem, dass man nur mehr einen undefinierbaren Lichtfleck sieht, während man auf der neuen BD deutlich den Geist erkennt.