daniel5993 (08.11.2007, 11:12): Hallo Ihr Freunde des "Stimmeninstrumentes" :hello
Guiseppe Verdi (1913 - 1901)
http://www.eventbuero.com/bilder/104/to/.jpg __________________________________________________________ Geboren: * 9. Oktober 1813 in Le Roncole, in der Nähe von Parma Gestorben: † 27. Januar 1901 in Mailand __________________________________________________________
Ein Paar Sätze zu Guiseppe Verdi Anfängen: Verdi wuchs in einfachen Verhältnissen in Parma auf. Früh wurde seine musikalische Begabung erkannt. Schon kurz nach dem Besuch des Gymnasiums, trat er seine erste Stelle als Dorforganist an. Im Alter von 19 Jahren, wurde er am Konservatorium Mailand abgelehnt, er wurde daraufhin durch Barezzi, einem musikverständigem Kaufmann, Privatschüler von Vincenzo Lavigna. Nachdem es Ihn mit 25 J. nach Mailand zog, begann es dort mit einem Misserfolg seiner Ersten Oper. Jedoch feierte er mit seiner zweiten Oper "Oberto, conte di San Bonifacio" einen ersten Erfolg an der Scala. Über ein Jahr später, wurde er von dem Direktor der Mailänder Scala zu einer Oper "Nabucodonosor" überredet (später nannte man die Oper Nabucco)! Es wurde der Sensationserfolg schlechthin. Verdi wurde der Held des Italienischen Opernlebens. Besonders der Chor, Gefangenenchor der Juden wurde zu einem Politischen Hit in der Österreichisch besetzten Lombardei! Der Freiheits- und Unabhängigkeitswille aller Italiener fand darin einen musikalischen Ausdruck. Von da an begann eine Neue Zeit für Verdi, ein Meisterwerk nach dem anderen wurde geschaffen.
Guiseppe Verdi - Rigoletto
Rigoletto ist eine tragische Oper in drei Akten. Das Libretto stammt von Francesco Maria Piave. Die Uraufführung erfolgte am 11. März 1851 in Venedig, in Italienischer Sprache. Der Ort der Handlung ist Mantua (Italien) im 16. Jahrhundert.
Mit dieser genialen Oper von Opernkomponist Guiseppe Verdi mache ich den Anfang. Dem Rigoletto - Thread werden weitere folgen! Guiseppe Verdi gehört bis heute zu den Größten Opernkomponisten neben W. A.Mozart und Richard Wagner. Bei mir genießt er Hohe Anerkennung!
Rigoletto, auf auf Italienisch "Spassmacherlein" war Verdis zweiter wirklich großer Erfolg, nach Nabucco, welche Oper wir besonders wegen des Gefangenenchors kennen (oder besser gesagt ich). Sein Marktwert stieg über Rigoletto, Aida, Otello auf die unglaubliche Zahl von 150.000 Goldfrancs pro Oper auf, welches Heute mit den höchsten Schauspielergagen in Hollywood gleichzusetzten ist! Dieser Verdi konnte also sein Leben genießen, aufgrund seiner sofortigen Erfolge. Erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang, dass es mehrere Komponisten gab, denen es nicht vergönnt war, aufgrund von Erfolgslosigkeit ihrer Werke zu Lebzeiten, ein "Genussvolle" Leben zu führen und den rechtmäßigen Erfolg und die Bewunderung einzufahren. Uns ist wohl klar von welchen Komponisten ich spreche. "Rigoletto" wird der mittlerer Schaffensperiode Verdis zugerechnet, neben der auch Il Trovatore und La Traviata große Beachtung finden. Diese drei Opern werden auch "Trilogia populare" genannt, ein Höhepunkt in Verdis mittlerer Schaffensperiode! Rigoletto gehört noch Heute weltweit zu beliebtesten Opern des Komponisten. Die Spieldauer beträgt ca. 2: Stunden ist damit wohl eine der kürzeren Opern des Komponisten.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8659351.jpg Guiseppe Taddei, Lina Pagliughi, Giulio Neri, Ferruccio Tagliavini, Irma Colasanti Orchestra Sinfonica e Coro di Torino della radio Italiana - Dirigent: Angelo Questa, 1954
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5230378.jpg
Maria Callas, Tito Gobbi, Guiseppe Di Stefano, Nicola Zaccaria, Adriana Lazzarini Orchestra e Coro del Teatro alla Scala, Milano - Dirigent: Tullio Serafin, 1955
Beide Aufnahmen sind erste Klasse, erste Liga! Doch auf die Feinheiten möchte ich eingehen! Die "Taddei" Aufnahme wirkt flotter (schneller), rythmischer. Taddei ist temperamentvoller mit einem Hauch "Wildheit" (mein Eindruck). Die Aufnahme unter Serafin ist dagegen ruhiger und fließender. Ich weiß nicht, welche Situation in dieser " Arie "Povero Rigoletto" gerade ist (Wahrscheinlich ists die stelle, wo Rigoletto denkt, dass gerade Frau Cepranos entführt wird, was jedoch nicht wahr ist, er hilft unwissendlich mit, seine eigene Tochter zu entführen), aber ein so niederschmetternd - verzweifelter Rigoletto gibt sich hier, gefühlvoll , voller enttäuschung, voller Trauer, so habe ich noch nie jemanden singen hören :engel ! Tito Gobbi singt das "Povero Rigoletto" so so verzweifelt echt! Eine Leistung der Extraklasse :down :down! Den Höhepunkt des genialen findet Gobbi im gleich darauf folgenden Track "Cortigiani, vil razza dannata" wo er einem einfach nur das Herz bricht :I! Nicht zu übersehen bei dieser Aufnahme ist auch, dass das gesamte Starensemple der Scala seinen Auftritt hat, Serafin, Callas, di Stefano, Gobbi.
Übrigens finde ich diese Oper "Rigoletto" einfach nur genial! Eine Stararie, ein Hit folgt in dieser (eher Ruhigen) Oper dem anderen! Auch die Callas hat in "tutte le feste al tempio" einen atemberaubenden Auftritt! So voller Leidenschaft und Trauer! Mir selbst liegen wohl die Traurig Tragischen (dramatischen) Opern besonders am Herzen, die hab ich bis jetzt am Liebsten!
- Welche Aufnahmen besitzt Ihr ? - Kennt Ihr "meine" genannten Aufnahmen ? - Welche empfehlt Ihr und vor welchen sollte man eher die Finger lassen und warum ? - Wie steht Ihr zu diesem Werk? Mögt Ihr es oder eher nicht ? - Habt Ihr was hinzuzufügen, etwas zu verbessern ?
Gruß Daniel
:times10
Jimi (08.11.2007, 21:55): Hallo Daniel,
mein Kompliment zu dieser sehr schönen Einführung in das Thema Rigoletto.
Original von daniel5993 - Welche Aufnahmen besitzt Ihr ? - Kennt Ihr "meine" genannten Aufnahmen ? - Welche empfehlt Ihr und vor welchen sollte man eher die Finger lassen und warum ? - Wie steht Ihr zu diesem Werk? Mögt Ihr es oder eher nicht ? - Habt Ihr was hinzuzufügen, etwas zu verbessern ?
Ich habe ua die von dir genannten Aufnahmen und sie gehören aus unterschiedlichen Gründen zu meinen Lieblingsaufnahmen, bei derEinspielung unter Questa finde ich Taddei und Tagliavini sehr gut, bei Serafin finde ich das Dirigat stark und die Kombination Callas-Gobbi in den Duetten eigentlich fast konkurenzlos.
Über zwei weitere meiner Rigolettoeinspielungen hat Manrico in dem Thread Meine 10 Top Opern geschrieben :
Original von manrico
Eine weitere höchst beeindruckende Aufnahme ist der Mitschnitt aus der Metropolitan Opera (29.12.1945) unter Cesare Sordero. Leonard Warren ist ein wilder, verzweifelter Rigoletto, viel düsterer und rauher als Taddei, aber sehr unmittelbar. Sein Herzog ist der großartige Jussi Björling. eine Traumbesetzung also. Bidu Sayao ist als Gilda ok.
Gleichwertig, aber vermutlich leichter zu beschaffen ist die Studioeinspielung unter Georg Solti (1963) für RCA. Hier dominiert Alfredo Kraus als absolut brillianter Herzog. Aber auch sein Rigoletto, Robert Merrill, ist phantastisch. Sein "Cortigiani, vil razza dannata" ist erfülltes, wahrhaftiges Singen ohne Theaterdonner. Eine 100%ig ehrliche Identifikation mit der geschundenen Seele. Anna Moffo ist erstaunlich präsent und singt recht sauber.
Die Solti Einspielung ist für mich dritte Aufnahme die ich neben deinen beiden empfehlen würde. Vielleicht die ausgeglichenste Besetzung aus der der sehr elegant gesungene Herzog(an manchen Stellen fast schon zu elegant) von Alfredo Kraus herausragt. Wenn ich mich für eine entscheiden müsste, würde ich wohl diese nehmen.
Die Aufnahme ist in 2 Ausführungen erhältlich
Die erste hier ist die ältere Überspielung von 1987 mit Libretto aber nur mit englischer Übersetzung :
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5230401.jpg
Das hier ist die neue Überspielung von 2005 Libretto mit deutscher Übersetzung ist auf der Cd :
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/7377947.jpg
Auf die Aufnahme mit Björling komme ich später noch zurück.
Die Frage ob ich diese Oper mag hat sich wohl geklärt, sonst hätte ich nicht mehrere Einspielungen gekauft. Ich zähle Rigoletto neben Don Carlos und La Traviata(und noch ein paar anderen :W) zu meinen LieblingsVerdiOpern.
Mir ist gerade Aufgefallen das der Link zur Handlung oben nicht mehr funktioniert hier: Handlung von Rigoletto der neue Link.
Was mir dazu noch einfällt: Der ursprünglich Titel der Oper war "La Maledizione" also Der Fluch. Das macht es für mich etwas besser verständlich warum sich Gilda(vollkommen bescheuert) abstechen lässt, um den Herzog zu retten.
:hello Jimi,
daniel5993 (08.11.2007, 22:43): Guten Abend Jimi!
Danke für deinen Beitrag! :thanks
Mir ist gerade Aufgefallen das der Link zur Handlung oben nicht mehr funktioniert hier: Handlung von Rigoletto der neue Link. Den Link konnte ich wieder herstellen und habs verändert. Er ist also wieder intakt!
Gruß Daniel :hello
Poztupimi (08.11.2007, 23:18): Hallo Daniel,
schön, daß Du diesen Thread gestartet hast!
Original von daniel5993
Ich weiß nicht, welche Situation in dieser " Arie "Povero Rigoletto" gerade ist (Wahrscheinlich ists die stelle, wo Rigoletto denkt, dass gerade Frau Cepranos entführt wird, was jedoch nicht wahr ist,
- Welche Aufnahmen besitzt Ihr ? - Kennt Ihr "meine" genannten Aufnahmen ? - Welche empfehlt Ihr und vor welchen sollte man eher die Finger lassen und warum ? - Wie steht Ihr zu diesem Werk? Mögt Ihr es oder eher nicht ? - Habt Ihr was hinzuzufügen, etwas zu verbessern ?
Gruß Daniel
:times10
Bei der von Dir genannten Stelle handelt es sich um die Szene, in der Rigolette im herzoglichen Palast erscheint, nachdem die Höflinge dem Herzog mitgeteilt haben, daß sich Gilda "Dank ihrer Heldentat" im Palast befindet. Während er herumschleicht - was man wie ich finde, der Musik geradezu anhören muß - und überall nach Hinweisen sucht, spotten die Höflinge "Povero Rigoletto - Armer Rigoletto".
Aber zu den Aufnahmen:
Ich besitze vier, als LP-Box die gezeigte Aufnahme mit Callas, di Stefano, Gobbi unter Serafin sowie Peters, Björling, Merrill unter Perlea. Auf CD dann noch diese beiden Aufnahmen:
(letztere in einer Ausgabe von Preiser Records)
Bei der Björling-Aufnahme handelt es sich um eine Muster-Pressung aus dem Jahr 1970 in ziemlich unbefriedigender Qualität, ich hatte immer schon mal vor, mir eine CD-Version zuzulegen. Die Callas-Aufnahme ist in sehr gutem Zustand, und daher habe ich hier auch keine CDs erworben. Diese und die Warren-Aufnahme gefallen mir von den vieren am besten, Muti ist so lala. Björling ist sicher nicht schlecht, aber, s.o.
Außerdem habe ich Rigoletto einmal in Schwerin bei den dortigen Schloßfestspielen gesehen sowie in Verona. Dort sang Leo Nucci den Rigoletto. Bei seinem ersten Auftritten fand ich ihn katastrophal, sodaß ich wenig von ihm für den Rest der Oper erwartet hatte, glücklicherweise hat er sich wieder gefangen. Aber insgesamt sagt mir Nucci nicht sonderlich zu.
Danke für deinen Beitrag! Ich hätte nie gedacht, dass du dich für Opern interessierst, jedenfalls hab ichs nie mitbekommen! Eine Überraschung auf meine alten Tage :wink
Bei der von Dir genannten Stelle handelt es sich um die Szene, in der Rigolette im herzoglichen Palast erscheint, nachdem die Höflinge dem Herzog mitgeteilt haben, daß sich Gilda "Dank ihrer Heldentat" im Palast befindet. Während er herumschleicht - was man wie ich finde, der Musik geradezu anhören muß - und überall nach Hinweisen sucht, spotten die Höflinge "Povero Rigoletto - Armer Rigoletto". Ich kenne nur die grobe Handlung, hab mich nicht mit einzelnen Stellen auseinandergesetzt! Ich finde es äußerst Mühsam, mich mit dem Booklet daneben zu setzten und der Aufnahme zu lauschen, daher meine geringen Kenntnisse! Die Musik steht bei mir an allererster Stelle. Gesehen habe ich diese Oper ebenfalls noch nicht.
Danke für deine Aufklärung, Ergänzung :thanks
Gruß Daniel
manrico (09.11.2007, 16:03): Verdis Vorbild zum Rigoletto war der Hof König Franz I von Frankreich. Der Narr des Königs hieß Triboulet, Verdis Oper sollte auch ursprünglich "La maledizione" (Der Fluch) nach Victor Hugos "Le roi s'amuse" heissen. Die Zensur stiess sich aber daran, dass ein Mordanschlag auf ein gekröntes Haupt Thema einer Oper sein sollte, dass ein Buckliger, ein Aussenseiter der Gesellschaft auf einmal zum Zentrum des Geschehens wurde und nicht nur dem Amusement und dem Spott dienen sollte, kurzum, dass Verdi einen Schwenk in der Perspektive der Menschen vornahm.
So wurde aus Franz I irgendein namenloser Herzog von Mantua, aus dem historisch belegbaren Triboulet wurde Rigoletto, ebenso wurde der Titel geändert. Verdi war jedoch zu keinen Änderungen hinsichtlich der Charakterzeichnung der Hauptpersonen bereit.
Marcel Prawy hat über Triboulet die Geschichte erzählt, dass der König und Triboulet im Garten spazieren gingen und der König meinte:"Ich kann es nicht leiden, dass ein Narr zu meiner Rechten geht". Darauf hin soll Triboulet um Franz I herumgegangen sein und geantwortet haben: "Ach, mir macht das gar nichts aus!"
Meine Lieblingsrigolettos sind zum Teil schon genannt worden: an erster Stelle steht Giuseppe Taddei, gefolgt von Leonard Warren und Robert Merill.
Beim nächsten Mal schreib ich noch was über die Aufnahmen.
Liebe Grüße
Werner
daniel5993 (09.11.2007, 19:53): Hallo,
Möchte hier eine kleine Korrektur vornehmen:
Verdis erste Oper "Oberto" ist 1839 durch die Fürsprache Verdis späterer Geliebte Giuseppina Strepponi an der Scala Uraufgeführt worden. Spekulationen zufolge ist "Oberto" eine Überarbeiteung des Werkes "Rochester"! Ein Misserfolg war seine zweite Oper "Un giomo di regno" Diese Oper gehört zu den "Komischen Opern". Leider viel diese Komposition in eine Zeit, in der Verdi mehrere schwere Schicksalsschläge zu verarbeiten hatte, denn seine Frau Margharita Barezzi, sowie seine beiden Kinder starben in dieser Zeit. So musste Giuseppe Verdi in einer Zeit des höchsten persöhnlichen Schmerzes, eine komische Oper schreiben!
manrico (11.11.2007, 20:23): Bei Serafins Rigoletto bin ich ein wenig im Zwiespalt. Da ist einmal die großartige Callas. Sie ist nicht das zerbrechliche Mädchen einer Barbara Hendricks, nicht die schrille alte Jungfer der Renata Scotto und auch nicht die maniriert gurgelnde Edita Gruberova, sondern eine junge Frau, die sich nach Liebe sehnt. Das ist per se großartig, aber eine superbe Gilda macht noch keinen guten Rigoletto. Bei Tito Gobbi tu ich mir wie immer schwer, stimmliche Defizite werden von seiner darstellerischen Größe überflügelt, trotzdem sind sie vorhanden. Seine Stimme ist interessant aber nicht klangschön. Ich würde sie als narbig bezeichnen. Im piano ist die Stimme schlecht gestützt, wird rasch hauchig und der Kern der Stimme geht verloren. Wenn er versucht, in der Höhe forte zu singen, klingt es scharf und herb. Wenn er allerdings die drei Duette mit der Callas singt, beflügeln sich die beiden Ausnahmekünstler gegenseitig. Sein "Povero Rigoletto" ist sehr differenziert, sein "Cortigiani" ist nicht so überzeugend. Der dritte Protagonist dieser Aufnahme ist Giuseppe di Stefano. Wirklich schön ist nur das Diminuendo seines letzten "pensier". Die Ballszene überfordert ihn vollständig, er stolpert eher durch die Partitur, sein Singen wirkt zäh wie roher Teig. Keine Spur von Leicht(leb)igkeit und Eleganz. Alfredo Kraus ist ihm um Äonen überlegen, aber auch unterschätzte Sänger wie Giacomo Aragall deklassieren den Sizilianer. Sehr gut hingegen der Sparafucile des Nicola Zaccaria. Die Geigen des Scalaorchesters klingen erbärmlich dünn, das Dirigat hat Daniel euphemistisch als ruhig und fließend bezeichnet. Ich wäre hier nicht so freundlich in meiner Wortwahl gewesen. Also insgesamt eine interessante Aufnahme, so wirklich zufrieden stellt sie mich aber nicht.
liebe Grüße
Werner
Mime (24.11.2007, 18:14): Hallo,
mir gefällt die deutsch gesungene Aufnahme von 1950 unter der Leitung von Ferenc Fricsay recht gut mit den Darstellern: Rudolf Schock (Herzog), Josef Metternich (Rigoletto), Rita Streich (Gilda), Margarete Klose (Maddalena) u.a.
daniel5993 (08.11.2007, 11:12): Hallo Ihr Freunde des "Stimmeninstrumentes" :hello
Guiseppe Verdi (1913 - 1901)
http://www.eventbuero.com/bilder/104/to/.jpg __________________________________________________________ Geboren: * 9. Oktober 1813 in Le Roncole, in der Nähe von Parma Gestorben: † 27. Januar 1901 in Mailand __________________________________________________________
Ein Paar Sätze zu Guiseppe Verdi Anfängen: Verdi wuchs in einfachen Verhältnissen in Parma auf. Früh wurde seine musikalische Begabung erkannt. Schon kurz nach dem Besuch des Gymnasiums, trat er seine erste Stelle als Dorforganist an. Im Alter von 19 Jahren, wurde er am Konservatorium Mailand abgelehnt, er wurde daraufhin durch Barezzi, einem musikverständigem Kaufmann, Privatschüler von Vincenzo Lavigna. Nachdem es Ihn mit 25 J. nach Mailand zog, begann es dort mit einem Misserfolg seiner Ersten Oper. Jedoch feierte er mit seiner zweiten Oper "Oberto, conte di San Bonifacio" einen ersten Erfolg an der Scala. Über ein Jahr später, wurde er von dem Direktor der Mailänder Scala zu einer Oper "Nabucodonosor" überredet (später nannte man die Oper Nabucco)! Es wurde der Sensationserfolg schlechthin. Verdi wurde der Held des Italienischen Opernlebens. Besonders der Chor, Gefangenenchor der Juden wurde zu einem Politischen Hit in der Österreichisch besetzten Lombardei! Der Freiheits- und Unabhängigkeitswille aller Italiener fand darin einen musikalischen Ausdruck. Von da an begann eine Neue Zeit für Verdi, ein Meisterwerk nach dem anderen wurde geschaffen.
Guiseppe Verdi - Rigoletto
Rigoletto ist eine tragische Oper in drei Akten. Das Libretto stammt von Francesco Maria Piave. Die Uraufführung erfolgte am 11. März 1851 in Venedig, in Italienischer Sprache. Der Ort der Handlung ist Mantua (Italien) im 16. Jahrhundert.
Mit dieser genialen Oper von Opernkomponist Guiseppe Verdi mache ich den Anfang. Dem Rigoletto - Thread werden weitere folgen! Guiseppe Verdi gehört bis heute zu den Größten Opernkomponisten neben W. A.Mozart und Richard Wagner. Bei mir genießt er Hohe Anerkennung!
Rigoletto, auf auf Italienisch "Spassmacherlein" war Verdis zweiter wirklich großer Erfolg, nach Nabucco, welche Oper wir besonders wegen des Gefangenenchors kennen (oder besser gesagt ich). Sein Marktwert stieg über Rigoletto, Aida, Otello auf die unglaubliche Zahl von 150.000 Goldfrancs pro Oper auf, welches Heute mit den höchsten Schauspielergagen in Hollywood gleichzusetzten ist! Dieser Verdi konnte also sein Leben genießen, aufgrund seiner sofortigen Erfolge. Erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang, dass es mehrere Komponisten gab, denen es nicht vergönnt war, aufgrund von Erfolgslosigkeit ihrer Werke zu Lebzeiten, ein "Genussvolle" Leben zu führen und den rechtmäßigen Erfolg und die Bewunderung einzufahren. Uns ist wohl klar von welchen Komponisten ich spreche. "Rigoletto" wird der mittlerer Schaffensperiode Verdis zugerechnet, neben der auch Il Trovatore und La Traviata große Beachtung finden. Diese drei Opern werden auch "Trilogia populare" genannt, ein Höhepunkt in Verdis mittlerer Schaffensperiode! Rigoletto gehört noch Heute weltweit zu beliebtesten Opern des Komponisten. Die Spieldauer beträgt ca. 2: Stunden ist damit wohl eine der kürzeren Opern des Komponisten.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8659351.jpg Guiseppe Taddei, Lina Pagliughi, Giulio Neri, Ferruccio Tagliavini, Irma Colasanti Orchestra Sinfonica e Coro di Torino della radio Italiana - Dirigent: Angelo Questa, 1954
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5230378.jpg
Maria Callas, Tito Gobbi, Guiseppe Di Stefano, Nicola Zaccaria, Adriana Lazzarini Orchestra e Coro del Teatro alla Scala, Milano - Dirigent: Tullio Serafin, 1955
Beide Aufnahmen sind erste Klasse, erste Liga! Doch auf die Feinheiten möchte ich eingehen! Die "Taddei" Aufnahme wirkt flotter (schneller), rythmischer. Taddei ist temperamentvoller mit einem Hauch "Wildheit" (mein Eindruck). Die Aufnahme unter Serafin ist dagegen ruhiger und fließender. Ich weiß nicht, welche Situation in dieser " Arie "Povero Rigoletto" gerade ist (Wahrscheinlich ists die stelle, wo Rigoletto denkt, dass gerade Frau Cepranos entführt wird, was jedoch nicht wahr ist, er hilft unwissendlich mit, seine eigene Tochter zu entführen), aber ein so niederschmetternd - verzweifelter Rigoletto gibt sich hier, gefühlvoll , voller enttäuschung, voller Trauer, so habe ich noch nie jemanden singen hören :engel ! Tito Gobbi singt das "Povero Rigoletto" so so verzweifelt echt! Eine Leistung der Extraklasse :down :down! Den Höhepunkt des genialen findet Gobbi im gleich darauf folgenden Track "Cortigiani, vil razza dannata" wo er einem einfach nur das Herz bricht :I! Nicht zu übersehen bei dieser Aufnahme ist auch, dass das gesamte Starensemple der Scala seinen Auftritt hat, Serafin, Callas, di Stefano, Gobbi.
Übrigens finde ich diese Oper "Rigoletto" einfach nur genial! Eine Stararie, ein Hit folgt in dieser (eher Ruhigen) Oper dem anderen! Auch die Callas hat in "tutte le feste al tempio" einen atemberaubenden Auftritt! So voller Leidenschaft und Trauer! Mir selbst liegen wohl die Traurig Tragischen (dramatischen) Opern besonders am Herzen, die hab ich bis jetzt am Liebsten!
- Welche Aufnahmen besitzt Ihr ? - Kennt Ihr "meine" genannten Aufnahmen ? - Welche empfehlt Ihr und vor welchen sollte man eher die Finger lassen und warum ? - Wie steht Ihr zu diesem Werk? Mögt Ihr es oder eher nicht ? - Habt Ihr was hinzuzufügen, etwas zu verbessern ?
Gruß Daniel
:times10
Jimi (08.11.2007, 21:55): Hallo Daniel,
mein Kompliment zu dieser sehr schönen Einführung in das Thema Rigoletto.
Original von daniel5993 - Welche Aufnahmen besitzt Ihr ? - Kennt Ihr "meine" genannten Aufnahmen ? - Welche empfehlt Ihr und vor welchen sollte man eher die Finger lassen und warum ? - Wie steht Ihr zu diesem Werk? Mögt Ihr es oder eher nicht ? - Habt Ihr was hinzuzufügen, etwas zu verbessern ?
Ich habe ua die von dir genannten Aufnahmen und sie gehören aus unterschiedlichen Gründen zu meinen Lieblingsaufnahmen, bei derEinspielung unter Questa finde ich Taddei und Tagliavini sehr gut, bei Serafin finde ich das Dirigat stark und die Kombination Callas-Gobbi in den Duetten eigentlich fast konkurenzlos.
Über zwei weitere meiner Rigolettoeinspielungen hat Manrico in dem Thread Meine 10 Top Opern geschrieben :
Original von manrico
Eine weitere höchst beeindruckende Aufnahme ist der Mitschnitt aus der Metropolitan Opera (29.12.1945) unter Cesare Sordero. Leonard Warren ist ein wilder, verzweifelter Rigoletto, viel düsterer und rauher als Taddei, aber sehr unmittelbar. Sein Herzog ist der großartige Jussi Björling. eine Traumbesetzung also. Bidu Sayao ist als Gilda ok.
Gleichwertig, aber vermutlich leichter zu beschaffen ist die Studioeinspielung unter Georg Solti (1963) für RCA. Hier dominiert Alfredo Kraus als absolut brillianter Herzog. Aber auch sein Rigoletto, Robert Merrill, ist phantastisch. Sein "Cortigiani, vil razza dannata" ist erfülltes, wahrhaftiges Singen ohne Theaterdonner. Eine 100%ig ehrliche Identifikation mit der geschundenen Seele. Anna Moffo ist erstaunlich präsent und singt recht sauber.
Die Solti Einspielung ist für mich dritte Aufnahme die ich neben deinen beiden empfehlen würde. Vielleicht die ausgeglichenste Besetzung aus der der sehr elegant gesungene Herzog(an manchen Stellen fast schon zu elegant) von Alfredo Kraus herausragt. Wenn ich mich für eine entscheiden müsste, würde ich wohl diese nehmen.
Die Aufnahme ist in 2 Ausführungen erhältlich
Die erste hier ist die ältere Überspielung von 1987 mit Libretto aber nur mit englischer Übersetzung :
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5230401.jpg
Das hier ist die neue Überspielung von 2005 Libretto mit deutscher Übersetzung ist auf der Cd :
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/7377947.jpg
Auf die Aufnahme mit Björling komme ich später noch zurück.
Die Frage ob ich diese Oper mag hat sich wohl geklärt, sonst hätte ich nicht mehrere Einspielungen gekauft. Ich zähle Rigoletto neben Don Carlos und La Traviata(und noch ein paar anderen :W) zu meinen LieblingsVerdiOpern.
Mir ist gerade Aufgefallen das der Link zur Handlung oben nicht mehr funktioniert hier: Handlung von Rigoletto der neue Link.
Was mir dazu noch einfällt: Der ursprünglich Titel der Oper war "La Maledizione" also Der Fluch. Das macht es für mich etwas besser verständlich warum sich Gilda(vollkommen bescheuert) abstechen lässt, um den Herzog zu retten.
:hello Jimi,
daniel5993 (08.11.2007, 22:43): Guten Abend Jimi!
Danke für deinen Beitrag! :thanks
Mir ist gerade Aufgefallen das der Link zur Handlung oben nicht mehr funktioniert hier: Handlung von Rigoletto der neue Link. Den Link konnte ich wieder herstellen und habs verändert. Er ist also wieder intakt!
Gruß Daniel :hello
Poztupimi (08.11.2007, 23:18): Hallo Daniel,
schön, daß Du diesen Thread gestartet hast!
Original von daniel5993
Ich weiß nicht, welche Situation in dieser " Arie "Povero Rigoletto" gerade ist (Wahrscheinlich ists die stelle, wo Rigoletto denkt, dass gerade Frau Cepranos entführt wird, was jedoch nicht wahr ist,
- Welche Aufnahmen besitzt Ihr ? - Kennt Ihr "meine" genannten Aufnahmen ? - Welche empfehlt Ihr und vor welchen sollte man eher die Finger lassen und warum ? - Wie steht Ihr zu diesem Werk? Mögt Ihr es oder eher nicht ? - Habt Ihr was hinzuzufügen, etwas zu verbessern ?
Gruß Daniel
:times10
Bei der von Dir genannten Stelle handelt es sich um die Szene, in der Rigolette im herzoglichen Palast erscheint, nachdem die Höflinge dem Herzog mitgeteilt haben, daß sich Gilda "Dank ihrer Heldentat" im Palast befindet. Während er herumschleicht - was man wie ich finde, der Musik geradezu anhören muß - und überall nach Hinweisen sucht, spotten die Höflinge "Povero Rigoletto - Armer Rigoletto".
Aber zu den Aufnahmen:
Ich besitze vier, als LP-Box die gezeigte Aufnahme mit Callas, di Stefano, Gobbi unter Serafin sowie Peters, Björling, Merrill unter Perlea. Auf CD dann noch diese beiden Aufnahmen:
(letztere in einer Ausgabe von Preiser Records)
Bei der Björling-Aufnahme handelt es sich um eine Muster-Pressung aus dem Jahr 1970 in ziemlich unbefriedigender Qualität, ich hatte immer schon mal vor, mir eine CD-Version zuzulegen. Die Callas-Aufnahme ist in sehr gutem Zustand, und daher habe ich hier auch keine CDs erworben. Diese und die Warren-Aufnahme gefallen mir von den vieren am besten, Muti ist so lala. Björling ist sicher nicht schlecht, aber, s.o.
Außerdem habe ich Rigoletto einmal in Schwerin bei den dortigen Schloßfestspielen gesehen sowie in Verona. Dort sang Leo Nucci den Rigoletto. Bei seinem ersten Auftritten fand ich ihn katastrophal, sodaß ich wenig von ihm für den Rest der Oper erwartet hatte, glücklicherweise hat er sich wieder gefangen. Aber insgesamt sagt mir Nucci nicht sonderlich zu.
Danke für deinen Beitrag! Ich hätte nie gedacht, dass du dich für Opern interessierst, jedenfalls hab ichs nie mitbekommen! Eine Überraschung auf meine alten Tage :wink
Bei der von Dir genannten Stelle handelt es sich um die Szene, in der Rigolette im herzoglichen Palast erscheint, nachdem die Höflinge dem Herzog mitgeteilt haben, daß sich Gilda "Dank ihrer Heldentat" im Palast befindet. Während er herumschleicht - was man wie ich finde, der Musik geradezu anhören muß - und überall nach Hinweisen sucht, spotten die Höflinge "Povero Rigoletto - Armer Rigoletto". Ich kenne nur die grobe Handlung, hab mich nicht mit einzelnen Stellen auseinandergesetzt! Ich finde es äußerst Mühsam, mich mit dem Booklet daneben zu setzten und der Aufnahme zu lauschen, daher meine geringen Kenntnisse! Die Musik steht bei mir an allererster Stelle. Gesehen habe ich diese Oper ebenfalls noch nicht.
Danke für deine Aufklärung, Ergänzung :thanks
Gruß Daniel
manrico (09.11.2007, 16:03): Verdis Vorbild zum Rigoletto war der Hof König Franz I von Frankreich. Der Narr des Königs hieß Triboulet, Verdis Oper sollte auch ursprünglich "La maledizione" (Der Fluch) nach Victor Hugos "Le roi s'amuse" heissen. Die Zensur stiess sich aber daran, dass ein Mordanschlag auf ein gekröntes Haupt Thema einer Oper sein sollte, dass ein Buckliger, ein Aussenseiter der Gesellschaft auf einmal zum Zentrum des Geschehens wurde und nicht nur dem Amusement und dem Spott dienen sollte, kurzum, dass Verdi einen Schwenk in der Perspektive der Menschen vornahm.
So wurde aus Franz I irgendein namenloser Herzog von Mantua, aus dem historisch belegbaren Triboulet wurde Rigoletto, ebenso wurde der Titel geändert. Verdi war jedoch zu keinen Änderungen hinsichtlich der Charakterzeichnung der Hauptpersonen bereit.
Marcel Prawy hat über Triboulet die Geschichte erzählt, dass der König und Triboulet im Garten spazieren gingen und der König meinte:"Ich kann es nicht leiden, dass ein Narr zu meiner Rechten geht". Darauf hin soll Triboulet um Franz I herumgegangen sein und geantwortet haben: "Ach, mir macht das gar nichts aus!"
Meine Lieblingsrigolettos sind zum Teil schon genannt worden: an erster Stelle steht Giuseppe Taddei, gefolgt von Leonard Warren und Robert Merill.
Beim nächsten Mal schreib ich noch was über die Aufnahmen.
Liebe Grüße
Werner
daniel5993 (09.11.2007, 19:53): Hallo,
Möchte hier eine kleine Korrektur vornehmen:
Verdis erste Oper "Oberto" ist 1839 durch die Fürsprache Verdis späterer Geliebte Giuseppina Strepponi an der Scala Uraufgeführt worden. Spekulationen zufolge ist "Oberto" eine Überarbeiteung des Werkes "Rochester"! Ein Misserfolg war seine zweite Oper "Un giomo di regno" Diese Oper gehört zu den "Komischen Opern". Leider viel diese Komposition in eine Zeit, in der Verdi mehrere schwere Schicksalsschläge zu verarbeiten hatte, denn seine Frau Margharita Barezzi, sowie seine beiden Kinder starben in dieser Zeit. So musste Giuseppe Verdi in einer Zeit des höchsten persöhnlichen Schmerzes, eine komische Oper schreiben!
manrico (11.11.2007, 20:23): Bei Serafins Rigoletto bin ich ein wenig im Zwiespalt. Da ist einmal die großartige Callas. Sie ist nicht das zerbrechliche Mädchen einer Barbara Hendricks, nicht die schrille alte Jungfer der Renata Scotto und auch nicht die maniriert gurgelnde Edita Gruberova, sondern eine junge Frau, die sich nach Liebe sehnt. Das ist per se großartig, aber eine superbe Gilda macht noch keinen guten Rigoletto. Bei Tito Gobbi tu ich mir wie immer schwer, stimmliche Defizite werden von seiner darstellerischen Größe überflügelt, trotzdem sind sie vorhanden. Seine Stimme ist interessant aber nicht klangschön. Ich würde sie als narbig bezeichnen. Im piano ist die Stimme schlecht gestützt, wird rasch hauchig und der Kern der Stimme geht verloren. Wenn er versucht, in der Höhe forte zu singen, klingt es scharf und herb. Wenn er allerdings die drei Duette mit der Callas singt, beflügeln sich die beiden Ausnahmekünstler gegenseitig. Sein "Povero Rigoletto" ist sehr differenziert, sein "Cortigiani" ist nicht so überzeugend. Der dritte Protagonist dieser Aufnahme ist Giuseppe di Stefano. Wirklich schön ist nur das Diminuendo seines letzten "pensier". Die Ballszene überfordert ihn vollständig, er stolpert eher durch die Partitur, sein Singen wirkt zäh wie roher Teig. Keine Spur von Leicht(leb)igkeit und Eleganz. Alfredo Kraus ist ihm um Äonen überlegen, aber auch unterschätzte Sänger wie Giacomo Aragall deklassieren den Sizilianer. Sehr gut hingegen der Sparafucile des Nicola Zaccaria. Die Geigen des Scalaorchesters klingen erbärmlich dünn, das Dirigat hat Daniel euphemistisch als ruhig und fließend bezeichnet. Ich wäre hier nicht so freundlich in meiner Wortwahl gewesen. Also insgesamt eine interessante Aufnahme, so wirklich zufrieden stellt sie mich aber nicht.
liebe Grüße
Werner
Mime (24.11.2007, 18:14): Hallo,
mir gefällt die deutsch gesungene Aufnahme von 1950 unter der Leitung von Ferenc Fricsay recht gut mit den Darstellern: Rudolf Schock (Herzog), Josef Metternich (Rigoletto), Rita Streich (Gilda), Margarete Klose (Maddalena) u.a.
Solitaire (22.06.2008, 08:20): Ich ergreife die Gelegenheit, dieses Thema mal wieder en bißchen aszugraben. Ich habe gestern Abend auf ARTE die "Rigoletto"-Übertragung aus der Semperoper in Dresden gesehen und bin immer noch sehr begeistert. Mich würde interesseiren, ob noch jemand die Aufführung gesehen, und wie sie euch gefallen hat. Obwohl kein allzu großer Freudn vom modernen Inszenierungen, fand ich diese hier sehr gelungen, mein ganzer Reapekt gilt den Chorsiten, die in den seltsamen Tier- und Teufelsmasken im 1. und 2. Akt singen mußten. Optisch war der eindruck enorm. Musiklasich wurden bei mir kaum Wünsche offen gelassen: auch wenn ich mir von dem Bariton mit dem unausprechlichen Namen an der einen oder anderen Stelle im 1. Akt ein etwas zurückgenommeneres piano gewüsncht hätte (Veglia donna, questo fiore..." sowie einige Stellen im duet mit Gilda zum Beispiel). Seien Stimme jedenfalls hat mir ser gut gefanden und auch darstellerisch fand ich ihn wirklioch gut. Diana Damrau zu hören ist natürlich immer wieder ein Fest. Ihre Gilda war eien seltsae und faszinierende Mischung aus Rebellion gegen die väterliche Tyrannei, Liebe zu ihm, Naivität und Neugier auf die Liebe und Erotik, romantischer Schwärmerei und Todessehnsucht und hat mich sehr überzeugt. Auch wenn mir persönlich für den Herzog, diesen alten Womanizer eine etwas dunkler timbrierte Stimme gefällt als sie Juan Diego Florez hat (Domingo, und auch Villazón, dessen Herzog ich allerdings nur in Auszügen aus dem Studio kenne), so war ich doch absolut begeistert von ihm. Er singt mit einer beneidenswerten Leichtigkeit und ist wahrlich phänomenal. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, daß er im 2. Akt mit rotem Morgenmantel, schwarzer Seele und Unheil im Sinn sexy like hell ist. Das ist nicht das wichtigste für einen Tenor, in diesem Fall aber durchaus nützlich :cool Gefragt habe ich mich allerdings, was denn nun in des Herzogs schlafgemach zwischen ihm und Gilda vor sich gegangen ist: sie spricht von "Schande", was gekonnte Verführung mit anschließendem sofortigem Verlassenwerden vermuten läßt, Blut- und Kratzspuren auf Kleidi und Dekollte lassen jedoch wiederrum vermuten, daß seine Hoheit nicht eben sanft mit ihr umgegangen sind und es sich vielleicht doch eher um eine Vergewaltigung handelt. Außerdem erwähnt sie, daß sie zu "noch größere Leiden" in den Palast geschleppt wurde. allzu erfreulich kann das Ereignis also in keinem Fall gewesen sein. Warum aber liebt sie ihn dann so sehr, daß sie am Ende für ihn in den Tod geht? Fragen, die ich mir bei jeder "Rigoletto" -Vorstelung stelle... Jedenfalls werde ich morgen bei ARTE anrufen un nach einem Mitschnitt fragen. Man entschuldige die Tippfehler: dies wurde vor dem 1. Kaffee geschrieben. :D TANETE EDIT SAGT: Schade übrigens, daß Monterone mal wieder mit einem Sänger besetzt war, der nicht wirklich überzeugen konnte. Warum haben sie das nicht den Sänger des Sparafucile machen lassen? Der war klasse und hätte, mit entsprechender Verkleidung und für ein paar Euro mehr sicher auch einen tollen Monterone abgegeben. Sparafuciles Aussehen war übrigens eindeutig von "Matrix" inspiriert. Vor allem die Sonnenbrille :cool
Mime (22.06.2008, 17:13): Für mich die schönste Baritonpartie, die Verdi geschrieben hat: Rigoletto. Und Željko Lucic in der Titelrolle war für mich der Star des Abends, hervorragend auch Diana Damrau als seine Tochter Gilda. Sie war ihm durchaus ebenbürtig. Enttäuscht hat mich allerdings der Duca von Florez. Zu helles Timbre, kein Gramm Metall in der Stimme, was diese Rolle unbedingt braucht. Da war der Sänger meiner Meinung nach nicht gut beraten, diese Rolle anzunehmen. Er ist bei Nemorino und Conte Almaviva besser aufgehoben. Die Chorszenen verdienen auch noch lobend erwähnt zu werden wie das Orchester, das wieder einmal seinen eigenen hohen Ansprüchen dank Fabio Luisis umsichtigem Dirigat mehr als gerecht wurde.
Solitaire (22.06.2008, 18:02): Original von Mime Enttäuscht hat mich allerdings der Duca von Florez. Zu helles Timbre, kein Gramm Metall in der Stimme, was diese Rolle unbedingt braucht. Da war der Sänger meiner Meinung nach nicht gut beraten, diese Rolle anzunehmen. Er ist bei Nemorino und Conte Almaviva besser aufgehoben.
Also enttäuscht hat er mich persönlich nicht, aber ich sehe es dennoch ähnlich: das, was du "Metall" in der Stimme nennst (und mein Gatte "mit Eiern singen" :rofl) hat mir in der Tat auch gefehlt. Er ist eben ein typischer Belcantotenor. Allerdings zur Zeit der beste, den es gibt.
Poztupimi (22.06.2008, 18:42): Original von Solitaire Ich ergreife die Gelegenheit, dieses Thema mal wieder en bißchen aszugraben. Ich habe gestern Abend auf ARTE die "Rigoletto"-Übertragung aus der Semperoper in Dresden gesehen und bin immer noch sehr begeistert. Mich würde interesseiren, ob noch jemand die Aufführung gesehen, und wie sie euch gefallen hat.
Original von Mime Für mich die schönste Baritonpartie, die Verdi geschrieben hat: Rigoletto. Und Željko Lucic in der Titelrolle war für mich der Star des Abends, hervorragend auch Diana Damrau als seine Tochter Gilda. Sie war ihm durchaus ebenbürtig. Enttäuscht hat mich allerdings der Duca von Florez. Zu helles Timbre, kein Gramm Metall in der Stimme, was diese Rolle unbedingt braucht. Da war der Sänger meiner Meinung nach nicht gut beraten, diese Rolle anzunehmen. Er ist bei Nemorino und Conte Almaviva besser aufgehoben. Die Chorszenen verdienen auch noch lobend erwähnt zu werden wie das Orchester, das wieder einmal seinen eigenen hohen Ansprüchen dank Fabio Luisis umsichtigem Dirigat mehr als gerecht wurde.
Liebe Solitaire, lieber Mime,
ich bin etwas neidisch, daß ich gestern keine Gelegenheit hatte, die Aufnahme zu sehen – mein Besuch ging dann doch vor. Ich hoffe einfach mal auf eine Wiederholung auf 3Sat oder anderswo. Oder darauf, daß meine Bruder ...
Viele Grüße, Wolfgang
Solitaire (22.06.2008, 19:31): Hallo Poztupimi! Wie gesagt, ich rufe in den nächsten Tagen bei ARTE an und frage mal nach einer Kopei. Ich weiß, daß sie sowas manchmal machen, aber der Preis spielt natürlich auch eine Rolle. Leider streikt mein Videorekorder, sodaß ich es leider nicht aufnehmen konnte. Ansonten kann ich mir aber vorstellen, daß das irgendwann als DVD rauskommt.
Solitaire (24.06.2008, 11:10): So, ein Anruf bei ARTE und säter beim MDR hat ergeben, daß es leider "aus urheberrechtlichen Gründen" keinen Mitschnitt zu kaufen gibt. Ich interpretiere das jetzt mal als "Das kommt irgendwann als DVD raus die wir möglichst gewinnbringend verscherbeln wollen". Jedenfalls hoffe ich darauf. Die wären ja auch doof, wenn sie Florez' ersten Duca nicht irgendwann zu Geld machen würden :D
Jimi (29.06.2008, 11:03): Original von Mime Zu helles Timbre, kein Gramm Metall in der Stimme, was diese Rolle unbedingt braucht.
Hallo Mime,
kannst du das etwas näher erklären, die Tenöre denen man das "Metall in der Stimme" immer nachsagt, zb del Monaco, sind für mich als Herzog eine glatte Fehlbesetzung. Vielleicht meinst du auch etwas ganz anderes als ich mir darunter vorstelle? Welche Interpreten würdest du als ideal für die Rolle bezeichnen?
Für alle die den Rigoletto nicht auf Arte sehen konnten:
Auf youtube sind inzwischen die wichtigsten Szenen "aufgetaucht":
Rigoletto aus Dresden
:hello Jimi
manrico (30.06.2008, 00:24): Ich muss Jimi beipflichten, nachdem ich die Ausschnitte auf youtube gesehen habe. Stimmlich halte ich Florez geradezu für eine Idealbesetzung des Herzogs.
Der Herzog verlangt nach einer sehr flexiblen Stimme, allein schon um die Eröffnungsszene ("Della mia bella incognita borghese") zu bewältigen. An dieser Stelle scheitern die meisten Tenöre (leider auch Domingo, von mittelmässigen Tenören gar nicht erst zu reden), Florez bewältigt sie nicht nur souverän, sondern auch klangschön und mit grosser Leichtigkeit (wie man aus dem Ausschnitt aus Peru hören kann). Technisch können ihm der junge Pavarotti, Nicolai Gedda, Jussi Björling und natürlich Alfredo Kraus das Wasser reichen - aber: wenn ich eine Stimme als unmännlich und eunuchenhaft empfinde, dann ist es die von Pavarotti. Damit glaube ich ihm dem unersättlichen Verführer (wie übrigens auch die meisten anderen Rollen) keine Sekunde. Allein, wenn ich an den Film denke, in dem der feiste Pavarotti mit der - na, sagen wir optisch unvorteilhaften - Gruberova in Szene gesetzt wird, überlege ich mir ernsthaft, ob close-ups nicht eigentlich verboten werden sollten. Gedda hat das Gefühl und Temprament für die Rolle nicht, und die Stimme von Alfredo Kraus hat für meinen Begriff nie jung geklungen (aber es steht natürlich nirgends, dass der Herzog 25 Jahre alt ist). Bleibt also Björling - nicht in der Platteneinspielung, aber in dem Live-Mitschnitt aus der Met (mit den Urkräften, die Warren als Rigoletto freisetzt).
Und dann kommt Florez - vielleicht etwas weich (ich kann das nur aus den Ausschnitten sagen), aber mit flexibler Stimme und unverschämter Leichtigkeit - das Duett mit der Damrau sowie das Quartett sind für ihn jeux d'amour - näher an dem französischen König Franz I (wie Verdi das ursprünglich konzipiert hatte) als an einem kleinen italienischen Herzog. Er klingt tatsächlich jung, strahlend, verspielt und unbekümmert, eine der klangschönsten Stimmen, die ich kenne und zudem beinahe unendlich höhensicher. Schöner klingt nur Aragall (aber er bewältigt die Rolle nicht so spielend). Ich kann nur hoffen, dass Florez mit dem Herzog bald auch in Wien auftaucht.
lg
Werner
Jimi (05.07.2008, 09:10): Hallo Manrico,
der Herzog ist ein eleganter Verführer, entsprechend sollten die stimmlichen und technischen Möglichkeiten des Interpreten sein. Die Eröffnungszene ist rhythmisch wirklich hundsgemein, da bekomme Tenöre die technisch nicht 100% sattelfest sind schon mal Probleme und logischerweise tun sich leichtere flexible Stimmen die schnell ansprechen damit leichter als dramatische. Laute, hohe Töne möglichst lange in die Ränge zu plärren hilft einen da nicht weiter. Eine weitere Schwierigkeit ist die, im Vergleich zu den meisten anderen Tenorrollen die Verdi für Tenor geschrieben hat, hohe Tessitura( bedeutet etwa die "durchschnittliche Tonhöhe" hat also nicht speziell mit dem d'' in 'Possente amor' zu tun). Eine problematische Stelle bei der mancher Tenor etwas unentspannt klingt ist beispielsweise "D'invidia agli uomini saro per te" aus dem Duett mit Gilda, wenn der Tenor hier mit seine Stimme kämpfen muss klingt es natürlich weder elegant noch verführerisch. Der Interpret benötigt also eine flexible, höhensichere Stimme mit einer gewissen Eleganz und Leichtigkeit. Bei Florez klingt die Stelle wirklich unverschämt leicht, ist aber verständlich wenn man sich die Stücke anhört die er zb auf der Cd "Arias for Rubini" singt. Sie sind noch höher gelegen und technisch anspruchsvoller.
Auch Alfredo Kraus finde ich in dieser Hinsicht fast ideal, allerdings der jugendliche Verführer ist er eher nicht, "Bella Figlia dell'amore" könnte schon noch etwas sinnlicher klingen, da finde ich Florez schon jetzt eher besser. Pavarotti's Stimme empfinde ich nicht als so unpassend für den Herzog, Geschmacksache. Für mich gehört die Aufnahme von 1971 unter Bonynge zu seinen Besten, allerdings finde ich Joan Sutherland und Sherill Milnes nicht ganz so ideal als Gilda und Rigoletto, darum ist die Gesamtaufnahme nur mit bedingt zu empfehlen.
Was Florez angeht, muss ich Mime insofern Recht geben dass er momentan (noch) bei den typischen Rollen für einen "Tenore di grazia" wie Elvino, Lindoro, Ernesto,Nemorino... am besten ist, ok ich bin mal ganz ehrlich, ich finde ihn da momentan ziemlich konkurrenzlos. Seine Stimme ist aber mit der Zeit ein etwas kräftiger geworden und er hat zb mit dem Corradino in "Mathilde di Shabran" bewiesen das er auch dramatischer agieren kann als bei den oben genannten Rollen. Ich kann mir nicht vorstellen dass ihn irgendein Tenor der auf Tonträger überliefert ist als Corradino toppen könnte. Der Herzog ist momentan wohl stimmlich an seiner absoluten Obergrenze, dramatischere Sachen solltet er auf keinen Fall singen. Wenn man bedenkt, dass Alfredo Kraus den Herzog noch mit 60 gesungen hat, glaube ich, dass man von Florez in der Rolle noch viel Positives erwarten kann. Um Missverständnissen vorzubeugen, ich fand ihn in Dresden sehr gut vor allem in den lyrischen Teilen der Partie, aber ich denke er bekommt das noch besser hin, wenn er die Rolle noch ein paar mal gesungen hat .
:hello Jimi
Basstibariton (24.07.2008, 10:28): Ich besitze noch folgende Aufnahme:
Carlo Maria Giulini: Der Mann hat echt Ahnung von Verdi. Fünf Sterne. Piero Cappuccilli (Rigoletto): Sein großer Vorteil ist, dass er Italiener ist und dementsprechend die Rolle stärker ausgestalten könnte, als er das tut. Mich nervt bei ihm- wie bei jedem Rigoletto, den ich bisher gehört habe- der mangelnde Einsatz in den "Furioso"-Stellen ("Sí, vendetta" oder "Gilda! Mia Gilda!"). Da darf man auch mal schreien. 4 Sterne. Ileana Cotrubas (Gilda): Auch 4 Sterne. Nach sehr gutem Beginn flacht sie etwas ab. Placido Domingo (Herzog): Ich halte zwar nicht viel von ihm, aber man muss es ihm schon lassen, dass er ohne einmal Luft zu holen "Possente amor mi chiama" singen kann (das ist jetzt zwar etwas übertrieben, trifft es aber glaube ich ganz gut). Vielleicht aber sollte er nicht immer 100% geben. 4 Sterne. Nicolai Ghiaurov (Sparafucile): Ganz groß. Ihm nimmt man den Mafioso komplett ab, er zeichnet jedoch auch ein einfühlsames Rollenporträt von einem Menschen, für den Töten etwas völlig Normales ist. Nahezu unvergleichlich seine Oktavabfälle ("Sparafucil'" und "Buona notte"). 5 Sterne. Kurt Moll (Monterone): Der ist bei Verdi nicht gut aufgehoben. Er zeichnet die Rolle zwar toll, aber...allein für das Geknödel bei seinem letzten "...oh Duca, vivrei" gibt es dann nur noch 3,5 Sterne. Rest: 3,5 Sterne. Man könnte auch mehr aus den Rollen machen. Dafür ist Elena Obratzsova als Maddalena hervorragend.
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0724355632722.jpg Künstler: Maria Callas, Giuseppe di Stefano, Titto Gobbi, Nicola Zaccaria, La Scala, Tullio Serafin, 1955
Ich ziehe hier noch einmal einen Vegleich zwischen meinen beiden Rigoletto-Aufnahmen, da ich erst jetzt eine so wirklich richtige Meinung abgeben kann.
Die Klanglich eindeutig schlechtere von (meinen) beiden Aufnahmen ist die Aufnahme des Taddei-Rigolettos. Sängerisch ist Giuseppe Taddei der etwas verrücktere Rigoletto im Vergleich mit T. Gobbi, letzterer geht mir aber in seinen Gefühlsausbrüchen näher zu Herzen, "der letzte Schrei" ist hörbar, die Verzweiflung, kann Gobbi meines Erachtens einfach besser ausdrücken, das einem schon mal die Tränen kommen können! Auf der anderen Seite ist der Taddei-Rigoletto etwas Actionreicher, taktischer, rhythmischer gestaltet. Giuseppe T. legt die Verrücktheit dieses Narren sehr gut zu Tage, während wie schon angedeutet, Tito Gobbi einfach Gefühlsbetonter singt, die traurige Seite des Geschehens mehr aufnimmt, was mir letztendlich wohl doch etwas mehr zusagt, besonders, weil diese Art mich bei dieser tragischen Oper doch mehr einnimmt. Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings das weithin bekannte "Liedchen über Wankelmut und die Unverzichtbarkeit der Frauen", welches allzu "anspruchslos" dargeboten wird (im Vergleich zu Angelo Ouesta kommt das "Liedchen" bei Tullio Serafin allzu langweilig und ohne nötigen Rhythmus, Beschwingtheit rüber. Die Maria Callas als Rigolettos Tochter Gilda, macht den Sack entgültig zu. Einfach Traumhaft :engel! Für mich ist Tito Gobbi zu DEM Erlebnis der Oper geworden......eine toll eingesetzte emotionale stimmliche Leistung :down :down :down !
Diese grandiose Oper war mir eine weitere Aufnahme wert, diesmal mit Sherrill Milnes als närrischer Rigoletto
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028941426925.jpg Künstler: Luciano Pavarotti, Sutherland, Milnes, London SO, Bonynge, 1971
ich werde eingehend berichten!
Grüße Daniel
Solitaire (08.08.2008, 09:57): Original von daniel5993
Für mich ist Titto Gobbi zu DEM Erlebnis der Oper geworden......eine toll eingesetzte emotionale stimmliche Leistung :down :down :down !
È vero,è vero! :down
Rachmaninov (10.08.2008, 19:37): Original von daniel5993 Diese grandiose Oper war mir eine weitere Aufnahme wert, diesmal mit Sherrill Milnes als närrischer Rigoletto
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028941426925.jpg Künstler: Luciano Pavarotti, Sutherland, Milnes, London SO, Bonynge, 1971
ich werde eingehend berichten!
Grüße Daniel
Ich bitte darum. Die Aufnahme wartet bei mir im Regal auf die Entdeckung. Das ist oft so, CD's kaufe ich und erst viel später entdecke ich sie für mich.
Vielelich ja durch Deine Besprechung ...... :hello
daniel5993 (13.08.2008, 23:05): Original von Rachmaninov
Ich bitte darum. Die Aufnahme wartet bei mir im Regal auf die Entdeckung. Das ist oft so, CD's kaufe ich und erst viel später entdecke ich sie für mich.
Vielelich ja durch Deine Besprechung ...... :hello
Künstler: Luciano Pavarotti, Joan Sutherland, Sherrill Milnes, London Symphonie Orchetsra, Richard Bonynge, 1971
Ich hab mir diese Aufnahme gestern mal in Ruhe angehört und meine Eindrücke über diese Rigolettoaufnahme waren folgende: Bis zur Mitte des ersten Aktes der Oper lässt Bonynge die Musik weit hinter den Sängern zurückfallen, was nicht zu überhören ist. Die wunderbar komponierte Musik Verdis kommt neben den Stimmen nicht ganz ans Licht. Vielleicht solls ja auch nicht so sein, ich fand es bei meiner Serafin Aufnahme aber doch ansprechender, zumal es sich um überragende Musik handelt. Weiter hat mich Luciano Pavarotti begeistert! Sein „La Donna e mobile“ ist in meinen Ohren unübertroffen. Seine klare und reine Stimme ist was ich an ihm mag und hier beim Herzog meine ich ists ganz passend, wie ich’s mir vorstelle. Anders als bei Giuseppe di Stefano (welcher eine herrlich strahlende Stimme besitzt) ist Pavarotti klarer und „Vollvolumiger“ überzeugender als „Herzog“. Mein Ohrenmerk ist allerdings auf Rigoletto in Person von Sherrill Miles gelegt und dieser Herr hat bei mir ein schweres los gezogen. Erwartet mich eine himmlische Leistung wie Tito Gobbi sie 1955 unter Serafin zeigt? - Eine schöne Stimme hat Sherrill Milnes, jedoch weniger attraktiv als Gobbi. Stimmt die Emotion, die Leidenschaft bei Milnes? Bringt er mich zum erschaudern? Es hält sich in Grenzen, in meinen Ohren singt er sehr solide.
Letztendlich eine (nochmal) grandiose Oper und ein grandioser Luciano Pavarotti, ein schönstimmiger Milnes, welcher manchmal aber die letzte Zerrissenheit, Emotionen vermissen lässt (in den tragischen Szenen), welche einen erfgreifen. Großes Plus hinter Joan Sutherland (diesmal) als eine „zerbrechliche“ Gilda, im Gegensatz zu Maria Callas, aber nicht im geringsten weniger wert!!! Ein Mitreißendes Rhythmisch gespanntes Dirigat von Seiten Bonynge!
Unterm Strich eine super Rigoletto, welcher noch öfter den Weg in den CD-Player findet und ich bin glücklich, dass ich diese Aufnahme in meinem Regal stehen habe! Ebenfalls positiv Überrascht war ich, als ich sah, dass ein dickes Booklet der CD-Box beilag. Im Gegensatz zu „vor ein Paar Jahren“ ist solch eine Beilage für mich unersätzlich geworden, wofür ich auch gern ein Paar Mark mehr ausgebe.
Grüße Daniel
Jimi (17.08.2008, 15:05): Original von manrico aber: wenn ich eine Stimme als unmännlich und eunuchenhaft empfinde, dann ist es die von Pavarotti. Damit glaube ich ihm dem unersättlichen Verführer (wie übrigens auch die meisten anderen Rollen) keine Sekunde.
Original von daniel5993Seine klare und reine Stimme ist was ich an ihm mag und hier beim Herzog meine ich ists ganz passend, wie ich’s mir vorstelle. Anders als bei Giuseppe di Stefano (welcher eine herrlich strahlende Stimme besitzt) ist Pavarotti klarer und „Vollvolumiger“ überzeugender als „Herzog“.
Hallo Daniel,
sehr interessant wie unterschiedlich Stimmen doch wahrgenommen werden, ich empfinde Pavarottis Stimme nicht als eunuchenhaft, aber auch nicht als "Vollvolumiger" als di Stefano. Was ich aber überhaupt nicht nachvollziehen kann ist die "herrlich strahlende Stimme " von di Stefano. Im Gegenteil ich bin hier ganz der Ansicht von Manrico:
Original von manrico Der dritte Protagonist dieser Aufnahme ist Giuseppe di Stefano. Wirklich schön ist nur das Diminuendo seines letzten "pensier". Die Ballszene überfordert ihn vollständig, er stolpert eher durch die Partitur, sein Singen wirkt zäh wie roher Teig. Keine Spur von Leicht(leb)igkeit und Eleganz.
Gerade in der hohen Lage finde ich di Stefano's Stimme forciert und "hochgepresst" aber sicher nicht strahlend(nicht allgemein sondern in der Rigolettoaufnahme mit M.Callas). Das Musterbsp. für eine strahlende Tenorstimme ist, für mich die von Jussi Björling, hier zu hören das Duett Gilda-Duca aus dem ersten Akt.
Anderes Thema, da du dich inzwischen intensiver mit der Handlung auseinander gesetzt hast, würde mich interessieren wie du(und natürlich auch alle anderen) die Beziehung zwischen Gilda und dem Duca siehst. Wenn man den Text von "Ella mi fu rapida" anschaut, scheint sich der Herzog ja doch das erste Mal ernsthaft verliebt zu haben... oder etwa nicht?
Bin auf Eure Meinungen dazu gespannt.
:hello Jimi
Solitaire (17.08.2008, 15:28): Ich habe mich auch oft gefragt, wie das nun mit Gilda und dem Herzog ist...und was da wohl genau in des Herzogs Schlafzimmer passiert ist. Glaubt man an die Dresdner Inszenierung vor einigen Wochen, kam das was da passiert ist einer Vergewaltigung offenbar erschrekend nahe (und ausgerechnet der so symphatische wirkende und überaus engelhaft singende Juan Diego Florez gab hier den Herzog ... :rofl). Warum aber hält Gilda ihrem Herzog dann so standhaft die Treue und geht für ihn am Ende in den Tod?
Wie auch immer, ich denke, daß mit Gilda tatsächlich zum erstenmal eine Frau nicht nur des Herzogs Sinne, sondern auch sein Herz anspricht. Ein wenig verliebt und wohl auch von Gilda Unschuld gerührt ist er schon, das hält allerdings nicht lange an, und als er ein Ziel erreicht hat und Gild darüberhinaus aus seinem Leben verschwindet, tröstet er sich recht schnell mit Maddalena. Außerdem wollen wir nicht vergessen, daß der Gute ja verheiratet ist, ein Detail das m.E. oft übersehen wird! Es kann also von Anfang an, selbst wenn man unterstellt, daß er sich verliebt hat, nichts ernsthaftes gewesen sein, daß er mit Gilda im Sinn hatte. Also: ja, er ist verliebt, und das macht das erotische Erlebnis mit Gilda, das zweifellos stattgefunden hat, für ihn wohl noch reizvoller, aber wirkliche Liebe empfindet er nicht für sie. Gilda hingegen liebt ihn natürlich wirklich bis zum Ende, weshalb ich auch nicht an die Dresdner Idee einer Quasi-Vergewaltigung glaube. Gilda wird sich nicht groß gewehrt haben...( und wer aussieht wie Juan Diego Florez hat es ohnehin nicht nötig, brutal zu werden :cool ) Vermutlich hat sie erst später begriffen, wes Geistes Kind ihr Gualtier ist, und daß er allenfalls eine unterhaltsame Affaire, aber weiter nichts im Sinn gehabt hat.
Jimi (17.08.2008, 20:53): Hallo Solitaire,
das mit der Vergewaltigung halte ich auch für Ausgeschlossen, wenn man sich Ihren Text in "Bella figlia" ansieht.
GILDA: Ach, so habe ich den Betrüger auch zu mir von Liebe reden hören! Unglückliches, betrogenes Herz, brich nicht vor Schmerz. Warum, o leichtgläubiges Herz, musstest Du solch einen Mann lieben?
Das passt zu einer Verliebten die bemerkt dass sie betrogen wird, aber nicht zum Opfer einer Vergewaltigung.
Es gäbe allerdings noch die Möglichkeit einer Vergewaltigung durch die Entführer... ???
:hello Jimi
Solitaire (18.08.2008, 07:20): Nein, die Entführer werden hübsch die Finger von ihr gelassen haben. Sei haben sie ja offenbar direkt ihrem Brotgeber ins Schlafgemach gebracht. Vor dem haben sie ja alle gehörige Manschetten, ich denke nicht, daß sie das gewagt hätten. EDIT Übrigens, da wir schon beim Quartett sind, irgednwie komme ich nie so richtig mit, was da genau passiert: zu Beginn des letzen Aktes glaubt Gilda ja offenbar zunächst immer noch, das der Herzog sie liebt. Auf Rigolettos Frage ob sie an des Herzogs Liebe glaube antwortet sie "Ja". Es ist nötig, daß sie den Herzog und Maddalena beobachtet um zu begreifen, daß sie letztlich nur eine von vielen war. Im dritten Akt jedoch scheint sie schon ziemlich desilliusioniert. Sie spricht von "Schande" und willigt sofort ein, mit ihrem Vater die Stadt zu verlassen. Meint sie mit Schande lediglich die nicht grundsätzlich unangenehm verlaufene (das wollen wir jedenfalls für sie hoffen :engel) Defloration durch den Herzog ? Glaubt sie im 3. Akt noch an seine Liebe und ist zu diesem Zeitpunkt nur über sich erschrocken, weil sie etwas getan hat, daß sie nach ihrer Ansicht eigentlich erst mit dem Ring am Finger hätte tun sollen?
daniel5993 (18.08.2008, 13:57): Hallo Jimi, Solitaire und alle anderen!
Aus di Stefanos Kehle klingt mehr, als ein nur „reiner“ Tenor wie ich dass z.B bei Luciano Pavarotti höre, wessen Stimme ich als einfach, hell und klar beschreiben würde, ohne dass etwas "attraktives ", "Eigenes"mitschwingt und mit Vollvolumiger meine ich, dass Pavarotti auch in den schwierigsten Höhen, den Eindruck macht, er könnte noch länger locker so weiter machen, ohne dass ich spüre wie z.B bei di Stefano, der bei mir oft rüberkommt, als könne er nicht weiter, oder „als kriege er es (nur) gerade so noch hin“ Ihm fehlt es in der Stimme (verglichen mit Don Pavarotti) manchmal an letzter Kraft (wohlgemerkt in Rigoletto)!
Mit di Stefano („welcher eine herrlich strahlede Stimme besitzt“) habe ich mich nicht auf seinen Part in Rigoletto bezogen geäußert (deswegen hatte ich’s auch in Klammern besetzt), sondern auf seine Stimme, wie ich sie in den (10 letzten) Tagen kennengelernt und für mich entdeckt habe. Mein jetziges Urteil bezieht sich auf die neapolitanischen Lieder welche er unter anderem 1958 unter Olivieri und dem New Symphonie Orchestra London „eingesungen“ hat und weitere, welche mit dem Label Testament aufgenommen wurden. (Ich Überlege ernsthaft einen Thread über diese Neapolitanischen Lieder zu starten, an denen mein Herz so hängt! Es könnten interessante Disskussionen entstehen, da di Stefano nicht der einzige war, der diese Lieder so wunderbar singen konnte! Da wären z.B noch seine anderen italienischen Kollegen........., welche mich z.T. allerdings nicht zu etwas besserem belehren konnten). Was seine Leistungen hier in Rigoletto angeht muss ich sagen, dass er sich nicht gerade in mein Herz gesungen hat, das wäre mir aufgefallen! Vielleicht bin ich aber auch zu sehr mit Tito Gobbi und Maria Callas beschäftigt gewesen, welche sich in dieser Aufnahme einen Orden verdient haben. Der Herzog nimmt in dieser Oper einen (für mich) relativ wenig interessanten Part ein.
Das Musterbsp. für eine strahlende Tenorstimme ist, für mich die von Jussi Björling, hier zu hören das Duett Gilda-Duca aus dem ersten Akt. Schöne Stimme! Diesen Herrn kenn ich nur vom Namen, Werner hat schon mal auf ihn hingewiesen. Ich bin dem aber noch nicht nachgegangen.
Im Gegenzug möchte ich ein Stück mit di Stefano wählen, wo ich seine Stimme als strahlend empfinde. Zwei dieser neapolitanischen Lieder, hier zu hören Giuseppe Di Stefano "Tu ca nun chiagne"-"Dicitencello vuje "
Anderes Thema, da du dich inzwischen intensiver mit der Handlung auseinander gesetzt hast, würde mich interessieren wie du(und natürlich auch alle anderen) die Beziehung zwischen Gilda und dem Duca siehst. Wenn man den Text von "Ella mi fu rapida" anschaut, scheint sich der Herzog ja doch das erste Mal ernsthaft verliebt zu haben... oder etwa nicht? Ich finde, dass der Herzog bei Gilda (vielleicht) zum ersten mal, wirklich mehr als ein Abenteuer im Sinn hatte. Seine „Erschrockenheit“ und sein „Sie wurde mir entrissen!“zeigt doch, dass ihm dieses mal etwas weggenommen wurde, was bei ihm Kummer auslöste. Wer zeigt auf einmal so viel Einfühlungsvermögen, indem er sich die Tränen und die Angst des „angeblich“ nicht geliebten Mädchens vorstellen kann, welche diese wohl erleidet haben muss . Und wer geht „hastigen Schrittes“ und nur aus Vorahnung auf etwas Schreckliches zum Hause seiner „Geliebten“ zurück, um zu sehen ob sie noch da ist? Einfach so, aus heiterem Himmel, nur durch eine „wage“ Vorahnung getrieben? Nur jemand, der sich ernsthafte Sorgen macht, jemand der sein Herz voll und ganz an etwas gehängt hat, was er in Gefahr sieht und wo er sofort bereit ist, wegen einer Vorahnung, nachzuschauen, obs denn noch da ist. Wenn es Ihm nicht ernst wäre, würde er diese Vorahnung vielleicht gar nicht haben (Um wichtige Dinge macht man sich doch oft Sorgen) und wenn doch, würde er drauf pfeifen, gibt es doch genug andere „Trophäen“ welche es noch zu erobern gibt. Was jedoch macht er im Gasthof mit Maddalena? Keine Ahnung! Hat er Gilda schon abgeschrieben? Schläft der teil des Gehirns in dem Gilda gespeichert ist? Weiß er selbst nicht was er wirklich will? Oder ist in des Herzogs Gemächern doch etwas passiert? An eine Vergewaltigung glaube ich auch nicht! Eher, dass Gilda sich in seine Arme hat fallen lassen. Und danach hat er das Interesse an ihr verloren, aber geht das so schnell, nach aufgeflammter Liebe? Warum lässt er sich von Maddalena zum Gasthaus locken, wenn Ihn Gilda doch so interessiert hat? Da sitzt für mich der Punkt, aus dem ich nicht schlau werde! Da muss es ein Bruch gegeben haben, von des Herzogs Seite!
Grüße Daniel
Solitaire (18.08.2008, 17:07): Original von daniel5993
Was jedoch macht er im Gasthof mit Maddalena? Was wohl? "Das hatte nichts zu bedeuten Schatz, wirklich!" Kommt der Satz irgendwie bekannt vor? :D Ich denke, der Herzog ist einfach ein übersättigter, zynischer, rücksichtloser, aber dummerweise auch ungeheuer charmanter Windhund, der die Frauen um den Finger wickeln kann. Wenn man die Spielregeln kennt (was bei Gilda nicht der Fall ist), und nichts ernstes von ihm erwartet, kann man vermutlich eine ausgesprochen nette Zeit mit ihm haben. Da er meistens an Frauen gerät die die Spielregeln kennen, ist bisher nichts dramatisches passiert. Das Drama nimmt aber nicht erst mit Gilda seinen Lauf, sondern nimmt schon durch die Geschichte mit Monetrones Tochter (was immer da jetzt genau gelaufen ist) einen ersten Anfang. Ich denke, der Herzog brennt immer wieder lichterloh und kann dann ungeheuer verführerisch und wenn er will auch einfühlsam sein, aber immer wieder sind es Strohfeuer. Wirklich geliebt hat er wohl nie. Gilda ist vielleicht die erste, die sich ihm nicht sofort ergibt, ihn reizt die Eroberung und wie gesagt: für verliebt halte ich ihn schon. Abner Verliebtheit ist nicht liebe. Verliebt sein kann man auch in Johnny Depp, wenn mein Vergleich erlaubt ist :D Der von mir so verehrte Tenor aus Mexiko hat ja inzwischen wieder Abstand von dieser Rolle genommen, aber er hat im Studio eine Version von "E il sol dell'anima" gesungen, die wirklich grandios ist: sanft, zärtlich, leidenschaftlich, so daß man glaubt er meint es ernst. Dann tauchen seine Höflinge auf und stören ihn als er gerade "nach vorne stürmt wo Engel furchtsam weichen" und plötzllich liegt in seiner Stimme eine Rücksichtslosigkeit, die erschreckend ist. Ich glaube, so ist der Herzog: schnell entflammt und sehr beredt, wenn es gilt eine Zitadelle zu erobern, eiskalt und ungerührt, wenn er das Interesse verloren hat, und das verliert er sehr schnell. Eigentlich ein bedauernswerter Mensch. Mir gefällt Pavarotti als Herzog übrigens sehr, sehr gut. Er hat m. E. genau den sonnigen Windhundcharme in der Stimme, dem die Mädels reihenweise verfallen. Florez singt wunderbar, klingt aber zu nett.
Jimi (26.08.2008, 21:29): Original von daniel5993 Mein jetziges Urteil bezieht sich auf die neapolitanischen Lieder welche er unter anderem 1958 unter Olivieri und dem New Symphonie Orchestra London „eingesungen“ hat und weitere, welche mit dem Label Testament aufgenommen wurden. (Ich Überlege ernsthaft einen Thread über diese Neapolitanischen Lieder zu starten, an denen mein Herz so hängt! Es könnten interessante Disskussionen entstehen, da di Stefano nicht der einzige war, der diese Lieder so wunderbar singen konnte! Da wären z.B noch seine anderen italienischen Kollegen........., welche mich z.T. allerdings nicht zu etwas besserem belehren konnten)...
...Im Gegenzug möchte ich ein Stück mit di Stefano wählen, wo ich seine Stimme als strahlend empfinde. Zwei dieser neapolitanischen Lieder, hier zu hören Giuseppe Di Stefano "Tu ca nun chiagne"-"Dicitencello vuje "
Hallo Daniel,
ich kenne einige frühe Liedaufnahmen von di Stefano von 1944 die mir erheblich besser gefallen, auch wenn er mit 23 noch kein "fertiger" Sänger war. Wie auch immer, auf den frühen Aufnahmen wirkt er auf mich wesentlich natürlicher als auf dem Beispiel von dir. Besonders strahlend finde ich seine Stimme auf dem Youtube-clip auch nicht, im Gegenteil das a' bei 2:50 klingt für mich recht "hingequetscht".
Wenn du dich weiter mit neapolitanischen Liedern beschäftigen willst, kommst du IMO um 3 Interpreten nicht herum die mir noch mehr gefallen als di Stefano auf seinen frühen Aufnahmen:
Enrico Caruso Tito Schipa
und wenn es etwas nach der Schellackära sein soll Richard Tucker.
Wenn du einen Thread eröffnest kann ich über die Aufnahmen dieser Interpreten(und noch ein paar andere) etwas beitragen.
:hello Jimi
daniel5993 (26.08.2008, 23:42): Guten Abend Jimi!
Wenn du dich weiter mit neapolitanischen Liedern beschäftigen willst, kommst du IMO um 3 Interpreten nicht herum die mir noch mehr gefallen als di Stefano auf seinen frühen Aufnahmen: Enrico Caruso Tito Schipa und wenn es etwas nach der Schellackära sein soll Richard Tucker. Wenn du einen Thread eröffnest kann ich über die Aufnahmen dieser Interpreten(und noch ein paar andere) etwas beitragen.
Ich merk schon, wir empfinden so manche Stimme Unterschiedlich. Ich habe mich bei Amazon auch schon "ernsthaft", soweit man von ernsthaft sprechen kann, mit den 1minuten Schnippseln auseinandergesetzt und habe unter anderem auch Caruso und Schipa gehört! Näher werd ich mich dennoch mit Ihnen beschäftigen.
Besonders strahlend finde ich seine Stimme auf dem Youtube-clip auch nicht, im Gegenteil das a' bei 2:50 klingt für mich recht "hingequetscht".
Hingequetscht? Das sehe ich nicht so! Diese Stelle zeigt seine stimmliche Grenze, aber gut gemeistert hat ers hier! Bei hohen Tönen klingt di Stefano fast immer so (etwas Kraftlos in der Höhe), meines Erachtens. (Wozu ich wieder sagen muss, dass ich nur ein Teil seiner Aufnahmen kenne) Ich hatte das oben auch schon angesprochen mit der Bemerkung auf den "Vollvolumigeren" Pavarotti, der jede höhe meisterhaft bewältigt. Aber, selbst wenn es hingequescht ist, ich lege Wert aufs große Ganze, lege Wert auf das was mich bezaubert an seiner Stimme, seine überaus leidenschaftliche Art zu singen. Ich bin bestimmt niemand, dem man es perfekt vormachen muss. Leidenschaft, Bekenntniss zu dieser Musik ist mir weit wichtiger, eine überzeugende Wiedergabe. Ich will bewegt werden und ehrlich gesagt, möchte ich mein Leben nicht damit verschwenden, auf perfektion zu schauen, wenn diese für mich nur zweitrangig ist. Warum gefällt mir denn z.B. die Tosca von 1964 mit der Callas noch soooo sehr? Warum "belächle" ich diejenigen, die sich diesen Aufnahmen nicht widmen, weil die Stimme der Callas nicht mehr in der blühte ist? Weil für mich die Einstellung und die Leidenschaft stimmt, weil sie mein Herz immer noch zu bewegen weiß, auch wenn die Perfektion dahingegangen ist. Aber auch in dieser Sache denken wir wohl alle anders.
Irgendwie offenbart di Stefanos (ebenfalls) leidenschaftliche Art zu singen seine Italienische Seite (neapolitanische Lieder), in seiner Stimme offenbart sich für mich das "ältere" italien, verbunden mit der guten alten Zeit,welche es vielleicht mal gab, oder auch nicht, auf jedenfall verbinde ich mit seiner Stimme den Italienischen Traum, das italienische Leben oder das was man aus älteren Filmen über dieses romantische Süditalien zu hören, zu sehen bekommt. Auch wenn dies alles nie so real da war, verzaubert seine Stimme mich dennoch, lässt mich träumen und durch sein Singen kann mir niemand diese "Fantasie" nehmen, welche ich brauche. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum ich mich auf Sänger, Aufnahmen fern von Stereo und der "alten" Generation etwas fernhalte! Ich höre die Musik anders, nehme neben der Musik auch die Geschehnisse dieser Jahre in mich auf, die Lebenssituationen der Sänger, der Zeit, oder z.B die Jahreszeit der Aufnahme, die Geschichte der Oper und wiederum die Zeit in der sie spielt. Ich glaube, ich arte schon zu sehr aus, aber vielleicht konnte mir man ja doch folgen, bei meinem gedanklichen durcheinander?! In mir lebt eine Sehnsucht, nach der guten alten Zeit, welche es wahrscheinlich nie gegeben hat, aber diese "Illusion" diesen lass ich mir nicht nehmen, denn ohne diesen "Traum" wäre für mich alles nur halb so interessant. Ich will damit sagen, dass das große Ganze, auch vor und hinter der Musik, mich erfüllt!
Ich hör ja schon auf! Merke ja selbst, dass dies weniger mit Rigoletto zu tun hat........
Was den angekündigten Thread angeht, wirds damit wohl erst Ende des Jahres etwas werden, denn es liegen Arbeitsreiche Monate vor mir.
Wenn du einen Thread eröffnest kann ich über die Aufnahmen dieser Interpreten(und noch ein paar andere) etwas beitragen. :beer
Nostalgische Grüße! Daniel
Amonasro (09.01.2013, 12:33): Die Oper Rigoletto mag ich besonders gerne (wie eigentlich alles von Verdi).
auch ich besitze die Bonynge-Aufnahme mit Milnes, Sutherland und Pavarotti und kann dem von daniel5993 gesagten nur zustimmen. Martti Talvela als Sparafucile sollte allerdings noch erwähnt werden - eine Idealbesetzung.
Ich werde mir wahrscheinlich bald die Serafin-Einspielung mit meinem Lieblingssänger Tito Gobbi zulegen.
Gruß Amonasro
Rideamus (10.01.2013, 01:07): Auch hier kann ich aus Zeitgründen erst einmal nur einen kurzen Hinweis aus dem anderen Forum übernehmen, aber der RIGOLETTO und (fast) alles andere von Verdi kommt sicher im Laufe des Jahres noch öfter dran:
Rigoletto am ROH, 2012
Falls jemand eine Erinnerung braucht, wieviel eine gute Regie und ein sorgfältiger Dirigent für eine Wiederbelebung selbst der abgenutztesten Oper ausmachen können, dann empfehle ich, sich einmal David McVicars londoner Inszenierung am Royal Opera House, Covent Garden, anzusehen. Am 17. April des Jahrfes lief sie in Kinosälen in aller Welt, und eben habe ich entdeckt, dass man sie (wer weiß, wie lange noch? auf YouTube ansehen kann, und zwar hier: http://www.youtube.com/watch?v=9n2f7gMFRxE und hier: http://www.youtube.com/watch?v=WJw56c17uOE.
McVicars Inszenierung gehört zu den drastischsten, die ich je gesehen habe, ist aber auch eine der besten. Hier die Besetzung:
Rigoletto: Dimitri Platanias; Gilda: Ekaterina Siurina; Herzog von Mantua: Vittorio Grigolo; Matteo Borsa: Pablo Bemsch; Graf Ceprano: Jihoon Kim; Gräfin Ceprano: Susana Gaspar; Marullo: ZhengZhong Zhou; Graf Monterone: Gianfranco Montresor; Giovanna: Elizabeth Sikora; Page: Andrea Hazell; Höfling: Nigel Cliffe; Maddalena: Christine Rice. Royal Opera Chorus. Orchestra of the Royal Opera House. Dirigent: John Eliot Gardiner. Regie: David McVicar
Der guten Ordnung halber sei ergänzt: dieselbe Inszenierung gibt es auf dieser DVD:
Sie hat den Vorteil des noch besseren Rigoletto in Paolo Gavanelli, einer vorzüglichen Gilda in Christine Schäfer und natürlich der Untertitel.
Mindestens der Dirigent John Eliot Gardiner, der angenehm frei von jeder Verdi-Routine ist und klingt, und der exzellente Herzog Vittorio Grigolos sprechen aber eindeutig für die neue Version.
Wie so oft gilt: am besten kennt man beide, zumal die Inszenierung bestens aufgefrischt wurde, in manchen Szenen vielleicht sogar noch etwas subtiler geworden ist..
:hello Rideamus
Peter Brixius (27.09.2015, 08:03): Nachdem der letzte Opernstammtisch im SWR (Thema: Le Nozze die Figaro) mir sehr gut gefallen haben (nicht zuletzt die Beiträge von Jürgen Kesting und Silke Leopold) freute ich mich auf die Neuauflage zu Verdis Rigoletto.
Auch hier die Ankündigung:
im Gespräch über die Oper "Rigoletto" von Giuseppe Verdi Gäste im Studio: Prof. Dr. Silke Leopold, Prof. Cosima Sophia Osthoff und Jürgen Kesting Gesprächsleitung: Reinhard Ermen
Dass diese Sendung (20.9.2015) für mich eher enttäuschend verlief, mache ich weitgehend an Reinhard Ermen fest. Auch wenn er sich mehrfach als der Fragende ankündigte, der die Experten die Stichworte liefern wollte: In der Sendung redete er und redete und redete. Dabei hätte ich viel lieber mehr von Silke Leopold gehört wie von Jürgen Kesting. So geriet die Sendung über weite Teile zu Geschwätz, in dem immer noch Interessantes an Informationen herumschwamm, aber all die "vielleicht" und "da könnte"" machten die Suppe doch leider dünn.
Über die Künstler wurde meist nur kurz skizzierend gesprochen, der von Ermen eingebrachte Fischer-Dieskau wurde zwar von den Experten als Imitator der Rolle beisiete geschoben, doch das bewegte Erben zu einer ausführlichen (allgemeinen) Lobrede auf Fischer-Dieskau und was er für seine Biografie bedeutet hatte.
Dafür ging das wirklich wichtige Rätsel in der Suada unter: Keine der vorgestellten Aufnahmen dokumentierte die Callas. Dabei war es gerade Jürgen Kesting, der vor langer Zeit mich auf die Sängerin als Gilda und ihre exzeptionelle Leistung aufmerksam gemacht hatte. Die kindliche Gilda in Form etwa von Erna Berger war mehrfach vertreten, als Referenzaufnahme wurde die Giulini-ufnahme mit der Cotrubas genannt, die übrigens heute abend auf SWR gesendet wird.
Die Sprengsätze von Jürgen Kesting hatte Ermen entschärft, weil er sich vor der Sendung mit ihm zusammen gesetzt hatte, um die verwandten Tonbeispiele abzusprechen. Das hatte immerhin den Vorteil, dass einige Juwelen aus der Schatzkammer der Rigoletto-Diskographie vorgeführt und besprochen wurden, drängte aber die beiden Damen im Kreis noch weiter an den Rand der Diskussion. Dabei hatten sie nun wirklich etwas mitzuteilen.
Immerhin, die Experten waren sich weitgehend einig, konnten begründete Überlegungen der Diskussion beifügen. Aber dann akm wieder die Suada Ermens.
Ich werde den Giulini heute Abend mitschneiden und bei Gelegenheit kommentieren. Mein Maßstab ist die fulminante Einspielung des dritten Akts unter Toscanini (übrigens damals noch umstritten mit der Besetzung der Gilda, die vom allgemeinen Kindchen-Schema abwicht).
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (30.09.2015, 07:51): Ich höre mich in Verdis "Rigoletto" wieder ein. Es war damals die erste Verdi-Oper, die ich mit meinem Schülerabonnement in Trier kennenlernte (auf Deutsch, versteht sich), ich habe sie seitdem immer mal wieder gerne aufgelegt.
Gestern beschäftigte ich mit meinem "Mauerblümchen", einer Einspielung unter Mehta. Es handelt sich um die Tonspur einer im Fernshen gesendeten Aufnahme. 2010 gab es eine kurzzeitige Mode, Opern an "Originalschauplätzen" zu inszenieren, also die "Tosca" in der Engelsburg, "Turandot" in China und eben "Rigoletto" in Mantua. Die Produktionen unter Mehta waren für mich gediegenes Handwerk. Der "Rigoletto" war wohl die umstrittenste, war doch Placido Domingo ins Baritonfach gewechselt und sang den Rigoletto. An Interpreten wie Tito Gobbi darf man da nicht denken.
Es war ein gemischtes Vergnügen, das ich da auf dem Bearbeitungstisch liegen hatte, am Ende fehlten bei dem Mitschnitt auch noch die letzten Takte - also insgesamt unbefriedigend.
Aber etwas anderes weckte mein ausgesprochenes Befremden. In der Moderation der Giulini-Einspielung hatte die Sprecherin zum Auftritt Monterones im zweiten Akt gemeint, man führe ihn zum Richtplatz. Nichts da, im Libretto steht nur etwas von einem Kerker. Während bei dieser Fehlinformation bei mir allenfalls eine Augenbraue hochrutschte, brachten mich die Informationen über Monterone an andere Stelle ins Grübeln.
Das übermütige Fest wird von Graf Monterone jäh unterbrochen. Der Herzog schenkte dem zum Tode verurteilten Rebellen das Leben - und verführte seine Tochter. Nun wird Monterone nicht müde, die Orgien des Herzogs mit seiner Wut über die Beleidigung seiner Familie zu stören. Rigolettos Spott macht auch vor ihm nicht halt. Im höchsten Zorn verflucht Monterone den Herzog, aber auch den zynischen Funktionär, der sic dazu hergegeben hat, im Dienste seines Herren einen weinenden Vater zu verlachen. (Csampai/Holland, S. 575)
Abgesehen von den mE z.T. recht zweifelhaften Wertungen (ist Rigoletto ein Funktionär?), ist mir die Geschichte mit dem zum Tode verurteilten Monterone neu, in der Partitur finde ich da keine Belegstelle. Habe ich da etwas übersehen?
Liebe Grüße Peter
Amonasro (30.09.2015, 17:36): Hallo Peter,
bei Monterones erstem Auftritt sagt Rigoletto zu ihm: "Voi congiuraste contro noi, signore, e noi, clementi invero, perdonammo." Das passt zu dem von dir zitierten Text.
Später (im 2. Akt) ist, wie du richtig bemerkt hast, nur von Kerker die Rede. Die Interpretation, dass Monterone zum Tode verurteilt wird, kann ich aber gut nachvollziehen: Die übliche Strafe für eine Verschwörung gegen einen Monarchen war lange Zeit die Todesstrafe. Es deutet nichts daraufhin, dass der Herzog ihn diesmal wieder begnadigt. In einigen Filmen/Inszenierungen wird deutlich dargestellt, wie Monterone zum Schafott geführt wird; besonders eindrücklich im Ponnelle-Film mit Wixell/Pavarotti/Gruberova: Hier sieht man durch das Fenster, wie Monterone in Ketten vor dem Henker den Hof überquert.
Gruß Amonasro :hello
Peter Brixius (30.09.2015, 17:58): Lieber Amonasro,
vielen Dank für den Hinweis. Ich habe die Zeilen anders interpretiert, aber - Du hast Recht - sie legen auch Deine Deutung nahe. Es ist die Frage der zeitlichen Folge. Da steht ja: "Ihr habt Euch gegen uns verschworen, mein Herr, und wir, wahrhaftig gnädig, haben verziehen ..." Ich habe das auf die Verführung der Tochter und die Reaktion Monterones bezogen, denn dem widerspricht auch nicht die Fortsetzung "Welcher Wahn erfasst Euch also, dass ihr zu jeder Stunde die Ehre Eurer Tochter reklamiert." Wenn man also das "verschworen" auf eine politische Verschwörung vor der Verführung der Tochter bezieht, dann hast Du Recht. Aber das steht ja nicht da. Anders: Monterone kann sich auch nach der Verführung seiner Tochter verschworen haben. Denn von einem poltischen Willen lese ich nichts, es geht auf der einen Seite um die Orgien des Herzogs (etwas, woran die ganze Hofgesellschaft ja teilhat) und auf der anderen Seite um die Beleidigung der Familie Monterones.
Aber Deine Interpretation widerspricht dem Wortlaut ja keineswegs, bei der moritatenhaften Zurichtung des Stoffes kann man durchaus so sehen. Mir war der (politische) Rebell Monterone bislang noch nicht begegnet, deshalb meine Verwunderung. Aber beim zweiten Hinschauen ...
Vielen Dank für Deine Erklärung, liebe Grüße Peter
Amonasro (30.09.2015, 18:42): Lieber Peter,
der von dir zitierte Abschnitt von Csampai/Holland scheint davon auszugehen, dass die Verschwörung vor der Verführung der Tochter liegt. Ich gebe dir Recht, dass man das so nicht eindeutig dem Libretto entnehmen kann. Leider erfährt man über Monterone ja fast nichts.
Gruß Amonasro :hello
Peter Brixius (30.09.2015, 19:13): Lieber Amonasro,
von der Geschichtlichkeit des Renaissance-Italien ist nur ein Abzugbild übrig geblieben, kein Wunder, da hier Frankreich gegen Mantua ausgetauscht wurde - und die politische Situation in einem sich zum Zentralstaat entwickelnden Frankreich eine andere ist als die in den Städtestaaten Italiens. Sich gegen den französischen König zu wenden, hatte schon eher was an Rebellion, als die Auseinandersetzungen zwischen den Adelshäusern in den italienischen Städten.
Wer die Macht hatte, brauchte wohl wenig Gründe, einen Störefried aufs Schafott zu bringen. Die großen politischen Verlauflinien der Zeit (etwa Papst gegen Kaiser, Ghibellinen gegen Guelfen) findet man in "Rigoletto" keine Sput. Das hätte wohl nur neue Probleme mit der österreichischen Zensur bedeutet.
Wo Betroffenheit angedeutet wird, findet man sie bei der Familie, der Widerstand der Höflinge gegen Rigoletto kennzeichnet ihn als (bürgerlichen, dazu verwachsenen) Außenseiter. Mit Monterone spricht ein Repräsentant der alten Zeit (er ist ja auch für Rigoletto vor allem "il vecchio"), der für die Ehre seiner Familie eintritt. Auch hier geht es nicht um das Schicksel der Tochter (auch deren Altar ist zerstört, damit fällt sie für die Familienplanung aus. Auch Gilda wäre meiner Vermutung nach am Ende im Kloster gelandet.)
Aber Monterone bringt alles mit, was für den Ablauf der Oper "Rigoletto" ausreichend ist: ein vergleichbares Schicksal, ein Aufbäumen, das in dem - später zruück genommenen - Fluch gipfelt. Der Fluch stiftet oder verstärkt die Unheilserwartung Rigolettos und setzt musikalisch ein beeindruckendes melodisches Signal.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (02.10.2015, 18:33): Ein wenig habe ich heute in meiner (begrenzten) Videothek gestöbert. Als Gesamteinspielung fiel mir dabei die Lehnhoff-Inszenierung an der Dresdner Semper-Oper 2008 in die Hände. Viel Einvernehmliches, wenig Kontroverses wie die eher lähmende Gespenster-Orgie gleich am Beginn. Aber Musik und Sänger retten über kleine Aussetzer hinweg.
Luisi am Pult konnte nur mittelmäßiges Feuer entfachen. Aber dafür die Sänger, allen voran die Damrau als Gilda, Lucic als Rigoletto, dem vielleicht noch ein letztes Quäntchen fehlte, ebenso wie Florez als Duca. Allein das Duett Gilda-Duca lohnt die ganze Aufführung, die ich damals bei ARTE mitschnitt.
Die Opernkritik von Brug findet man hier
Eine mitunter eher seltsame Zeit verbrachte ich mit der Sendung in der Reihe "Verstehen Sie Oper". Als Experten hatte man den weltweit bekannten Rigoletto-Darsteller Joan Póns gewonnen. Der Beitrag stellte den Aspekt des Vaterseins in den Mittelpunkt, nicht ohne Verdis Familienkatastrophe zu erwähnen. Dabei wurde viel Richtiges geäußert, aber die dunkle Seite Rigolettos kann man nicht auf seinen Aberglauben beschränken, der ihn zum Opfer des Fluches macht.
Hat nicht Rigoletto eine Zeitlang die Vaterrolle beim Herzog vertreten. Das verklemmte triebhaft gesteuerte Verhalten des Herzogs kommt mir so vor, wie die Wunscherfüllung des von solchen Erfolgen ausgeschlossenen Rigoletto. Der "Liebling des Herzogs" hat aber mit dem Älterwerden des Herzogs seinen Einfluss verloren, deshalb erfährt er von dem Abenteuer mit dem Bürgermädchen nichts, es ist Murullo, der inzwischen zum Vertrauten und Handlanger aufgestiegen ist.
Rigoletto repräsentiert noch den dunklen Einfluss auf den Herzog, bei dem ein Rest besserer Gesinnung noch vorhanden zu sein scheint, der hin und wieder in seinem Charme aufblitzt, vor allem aber in seinen Gefühlen Gilda gegenüber.
In Rigoletto hat Verdi eine düstere Gestalt geschaffen, die gerade deshalb so überzeugend wirkt. Seine "Vaterliebe" ist ein rigider Besitzanspruch, von seiner Tochter weiß er wenig, dafür schließt er sie erbarmungslos ein, das einzige Schlupfloch ist vielleicht auch seinem Aberglauben geschuldet, dass er ihr den Kirchgang gestattet. Brug hat in seiner Kritik der Dresdner Aufführung an Amstetten erinnert, kein schlechter Hnweis, auch wenn das Begehren Rigolettos eher in seinem absoluten Kontrollwahn, seiner bedingungslosen Unterwerfungssucht sublimiert wird. Aber seine Äußerung, dass er für seine Tochter "alles" sein möchte, ist keine Übertreibung.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (08.10.2015, 09:46): Inzwischen bin ich einige "Rigoletto"-Einspielungen weiter, darunter auch noch eine von RAI 8 gesendete:
Il Duca di Mantova – Tenore Piero Pretti Rigoletto – Baritono Giovanni Meoni Gilda – Soprano Desirèe Rancatore Sparafucile – Basso Alessandro Guerzoni Maddalena – Mezzosoprano Irini Karaianni Giovanna – Mezzosoprano Maria Di Mauro Il conte di Monterone – Baritono Ziyan Atfeh Marullo – Baritono Armando Gabba Matteo Borsa – Tenore Matthew Pena Il Conte di Ceprano – Basso Davide Motta Frè La Contessa – Mezzosoprano Ivana Cravero
Orchestra e Coro del Teatro Regio di Torino della RAI diretti da Daniele Rustioni - See more at: http://www.wr8.rai.it/dl/webradio/site/news/ContentItem-a9348768-a83c-4956-bb19-dea379421b0f.html#sthash.xHIxXgH9.dpuf
Kennt die jemand. Für mich eine mainstream-Aufführung, die mich wenig aufregte.
Ein heimlicher Liebling hat sich inzwischen gefunden - die Baden-Badener Aufführung unter Hengelbrock. Gesanglich gut, vom Orchester und Dirigat für mich absolut überzeugend. Musiziert wurde auf historischen Instrumentarium. Die Aufführung habe ich damals im Fernsehen mitgeschnitten. Pohl schreibt in der WELT anlässlich der "Falstaff-Inszenierung" am gleichen ort
Wenn man sich erinnert, mit welcher Wucht und Klarheit Hengelbrock vor drei Jahren "Rigoletto" am selben Platz interpretierte, kann man als Verdi-Fan nur jubeln.
Herzog, Ion Buzca Rigoletto, Nicolae Herlea Gilda, Magda Ianculescu Chor u.Orchester der Rumänischen Oper Bukarest Cond. Iean Bobescu Hatte mir damals die CDs gekauft wegen Herlea von dem ich dann alles haben wollte ! :wink
alles was dazu zu sagen ist hat Waldi wunderschön zusammengefasst bei Capriccio im Rigoletto Thread , gleich der erste Beitrag !
LG palestrina
Peter Brixius (10.10.2015, 10:04): Verdi ist von Anfang an überzeugt von dem Stoff, nicht zuletzt von seiner Aufbereitung durch Victor Hugo. Der französische Romantiker hatte als Ideal ein volksnahes Theater. Leo Karl Gerhartz in seinem Essay "Von Zeichen und Bildern" (in Giuseppe Verdi: Rigoletto. Hrsg. von Atilla Csampai und Dietmar Holland. Reinbek bei Hamburg 1982)unterscheidet zwei unterschiedliche Haltungen dem Theater gegenüber, auf der einen Seite steht ein Gedankendrama wie bei Schiller, auf der anderen ein Theater, bei dem das theatralische Zeichen das Primäre ist.
Beurteilt man die eine Erscheinungsform aus der Sicht der anderen, ergeben sich Missverständnisse und Fehlurteile. Man kann eine Reihe von Unwahrscheinlichkeiten des "Rigoletto" auflisten, doch keine nimmt dem Drama seine innere Wahrheit. Ich nenne nur einmal den dilettantischen berufsmörder, der einen Körper abliefert, der sich doch noch als kurzfristig lebendig entpuppt. Wir sind im Meldoram, und für das gilt
Logisch ist nicht, was vernünftig, sondern das, was innerhalb eines vorgeführten Theaterbildes überzeugend und wirksam ist. (Gerhartz, S. 10)
Theater (und Oper) ist immer auch ein Spiel, das nach Regeln abläuft, auf de man sich einlassen muss. Tut man dies nicht, kann man das Phänomen beobachten, dass ein Werk wie "Rigoletto" ein unmittelbarer Welterfolg ist, aber von einer Reihe von Musikkritiker ebenso leidenschaftlich verurteilt wird. Romantisch-sinnliches Volkstheater lebt dank der trivialität von Jahrmarkts-Moriaten. Wir befinden uns im Bereich der Schauerromae.
Victor Hugos Stück war ein beabsichtigter Skandal. Am 22. November 1832 wurde das Stück uraufgeführt. Die kämpferischen Anhänger Hugos hatten schon Stunden vorher ihre Plätze eingenommen, man sang Spottlieder gegen den König und seine Familie, gegen den Erzbischof von Paris, gegen Politiker und gegen die Académie. Als dann die Prominenten kamen, wurden sie entsprechend begrüßt, die Repräsentaten der neuen Literatur mit "Vive Lafayette! Vive Odilon Barrot! Vive la liberté" (Gerhartz, 11), die Anhänger der Tradition mit "À bas l'Académie" oder gar mit der Carmagnole.
Aber auch die Gegenseite hatte mobil gemacht und so pegelte sich die kämpferische Stimmung immer weiter hoch, bis es am Ende eine zünftige Rauferei - und den Verbot des Stückes gab.. Eien zweite Aufführung gab es erst fünfzig Jahre später.
Für Victor Hugo war die "Tragédie", die Tragödie der Priviligierten tot, er schuf eine neue Kunst für alle, "le drame".
Der Ruf des Skandals von "Le roi s'amuse" ging nun dem Stoff voraus und erklärt die Mühen, denen sich Piave und Verdi unterziehen mussten, um ihr Stück durch die (eigentlich sehr liberale österreichische) Zensur zu bingen.
Liebe grüße Peter
Peter Brixius (14.10.2015, 09:50): Während der Verhandlungen mit der Zensurbehörde mussten einige Änderungen am von Piave vorgelegten Libretto vorgenommen werden, die aber in der gesamtheit dem Stück eher förderlich waren als dass sie ihm schadeten. Der französische König wurde durch einen Herzog aus dem ausgestorbenen Geschlecht derer von Mantua ersetzt, das ganze wanderte damit nach Italien und nahm italienische Färbung an. Die Namen wurden ausgetauscht, aus Triboulet wurde Rigoletto.
Einer der Vorbehalte gegen das Stück Hugos war, dass es sittenlos sei. So gab es im zweiten Akt eine "Schlüsselszene", wo Bianca sich im Schlafzimmer des Königs eingeschlossen hat, dieser sich aber einen Zweitschlüssel bringen ließ. Diese Szene wurde gestrichen, ebenso wie der Auftritt eines Arztes am Ende der Oper.
Wenn man von Zeitgenossen lesen will, was sie besonders emprörend am Stoff fanden, so kann man einen Eindruck bei Abramo Basevi (Studio sulle opere di Giuseppe Verdi, 1859) gewinnen, der schreibt
Dieses Drama ist unmoralisch, weil es die Tugend in den Schmutz zieht und das Laster verherrlicht . Das Laster wird besonders dort verherrlicht, wo Bianca, verführt und entehrt von Franz I. statt diesen zu hassen in gewisser Weise zur Selbsmörderin wird.
Für Verdi war der Fluch das Entscheidende, der Rigoletto auf scheckliche Weise verfolgt und ihn mit dem Schicksal bestraft, für das er Monterone verspottet hatte. Bei der Komposition wird er unterscheiden zwischen der Melodielinie, mit der Monterone den Herzog und Rigoletto verflucht und der das Grauen manifestierende Tonfolge, wie Rigoletto den Fluch sich ins Gedächtnis ruft.
Die Linie, die Piave am Ende der Zensur gegenüber durchsetzen konnte, wurde von Verdi festgelegt. Man vereinbarte am 30.12.1850 in Busseto:
1) Die Handlung wird vom französischen Hof an den eines unabhängigen Herzogs Burgunds, der Normandie oder eines kleinen italienischen Fürsten verlegt. 2) Die originalen Gestalten des Dramas Le roi s'amuse von Victor Hugo werden beibehalten, die Namen werden jedoch gemäß der vorgegebenen Epoche und des Ortes verändert. 3)Die Szene, in der Fanz erklärt, er wolle den Schlüssel in seinem Besitz nutzen, um in Biancas Zimmer einzudringen, wird durch eine andere, züchtigere ersetzt, die aber dem Drama das Interesse nicht rauben darf. 4) Zu den Rendez-Vous in der taverne der Magellona wird der König oder Herzog durch eine List desjenigen eingeladen, der Triboletto ersetzen soll. 5) Maestro Verdi behält sich vor, in der Szene mit dem Sack die nötigen Änderungen bei deren Realisierung vorzunehmen. 6) Die hier aufgeführten Veränderungen erfordern nach Aussage des Maestro Verdi mehr Zeit als bisher veranschlagt wurde, weshalb die neue Oper nicht vor dem 28. Februar oder 1. März des Jahres auf die Bühne gebracht werden kann. (zit nach Daniel Brandenburg: Verdi Rigoletto, Kassel 2012)
Liebe Grüße Peter
palestrina (26.09.2022, 17:16):
Hallo Philidor, beim palestrina tummelten sich noch bis Anfang 2014 31 Aufnahmen des Rigoletto, danach habe ich alle deutsch gesungenen aussortiert* übrig geblieben sind immer noch 26.*Habe ich auch mit sehr vielen anderen Opern so gehandhabt, Oxfam hat sich gefreut :) !
Bei der Aufnahme mit der Gruberova muss ich halt anmerken, ich war/bin ein sehr großer Fan von ihr, war im Fanclub und habe Menschen aus allen Erdteilen kennengelernt, wir waren 91 Personen beim Abschiedskonzert, du kannst dir nicht vorstellen was da an Tränen geflossen sind!
Ich stelle mal meine liebsten hier vor, ausser Callas und Gruberova, was selbstverständlich ist ;) .
Sutherland und Pavarotti sah ich im ROCG, (allerdingsngs mit Cappuccilli), die beiden zählten auch zu meinen Lieblingen. Die Questa Aufnahme ist besonders, wegen Feruccio Tagliavini und Taddei, Pagliughi ist die typische Sopranistin dieser Zeit, die man für Gilda, Lucia usw. einsetzte, ich würde sie empfehlen fur Fans dieser Sänger!
Das ist für mich die perfekte Gesamtaufnahme, in allen Rollen, und .......fur mich ist Alfredo Kraus deeeer Duca! :thumbsup:
Noch zwei Aufnahmen mit Alfredo Kraus, (ich habe ihn in dieser Rolle viel gesehen), Beverly Sills war für meine Begriffe leider schon etwas aus der Rolle gewachsen, was aber nicht ihre Ausführung schmälert. Die mit der jungen Scotto und Bastianini ist sehr interessant, denn Bastianini ist ein hervorragender Rigoletto!
Aha, daher weht der Wind ... die slowakische Nachtigall ... also, die genannten Aufnahmen stehen alle auf dem Zettel! Hier sind nur 11 im Regal, und die deutschsprachige mit Metternich/Schock/Fricsay bleibt selbstverständlich an Ort und Stelle! Die eine oder andere werde ich einströmen lassen müssen (Bonynge).
Schaun mer mal. Viele Grüße Philidor
:hello
Waldi (26.09.2022, 22:03): Empfehlen kann ich noch z.B.:
Amonasro (26.09.2022, 22:35): Eine noch nicht genannte Aufnahme, die ich gerne höre, ist die von Nino Sanzogno dirigierte:
Joan Sutherland klingt hier noch besser als in der späteren Bonynge-Aufnahme und Cornell MacNeil ist ein hervorragender Rigoletto.
Gruß Amonasro :hello
Amonasro (03.10.2022, 18:18): Gruberovas Gilda kenne ich nur von dieser DVD:
Eine Verfilmung von Jean-Pierre Ponnelle, die mir anders als seine Rossini-Verfilmungen nicht gefallen hat. Das ganze wirkt eher wie eine Rigoletto-Parodie. Zudem finde ich Ingvar Wixell als Rigoletto (und Monterone) nicht sehr interessant. Pavarotti singt allerdings ähnlich gut wie in der Bonynge-Aufnahme.
In der Verdi at the Met-Box ist noch diese Aufnahme von 1945 enthalten:
Die Besetzung mit Leonard Warren, Bidú Sayao und Jussi Björling stellt mich rundum zufrieden - ein Genuss, wäre da nur nicht die schlechte Tonqualität.