1847 erhält Giuseppe Verdi von der Stadt Florenz den Auftrag für eine Oper. Die Florentiner schätzen den jüngsten Stern am italienischen Opernhimmel, die führenden Familien legen sogar eine Subskriptionsliste für das zu erwartende Meisterwerk auf. Doch welches Sujet soll Verdi vertonen? Drei literarische Vorlagen kommen in die engere Wahl: Grillparzers "Ahnfrau", Schillers "Räuber" und Shakespeares "Macbeth". Die "Ahnfrau" wird bald verworfen, für die "Räuber" mangelt es der Florentiner Oper an einem passenden Tenor, also bleibt "Macbeth" über, der mit dem berühmten Bariton Felice Varesi besetzt werden soll. Was wie eine Notlösung klingt, ist es in Wahrheit aber nicht, denn Giuseppe Verdi hegt eine große Bewunderung für die Dramen William Shakespeares: "Questa tragedia è una delle più grande creazioni umane" (Brief an seinen Librettisten Piave vom 4.9.1846), und am 25. März 1847 wird er an Barezzi über seinen Macbeth schreiben: "Ora eccole questa Macbeth che io amo preferenza delle altre mie opere" . Diese Shakespearebegeisterung ist nicht selbstverständlich, denn erst seit rund zehn Jahren existieren die ersten italienischen Übersetzungen. (Rossini greift z.B. für seinen "Otello" auf eine ganz andere Vorlage zurück, ebenso wie Bellini für "I Montecchi ed i Capuleti")
Verdi beschäftigt sich intensiv mit Shakespeares Drama, fertigt sogar eigenhändig einen Prosaentwurf an, an den sich Francesco Maria Piave mit seinem Libretto halten soll. Aber bald ist er mit dessen Arbeit unzufrieden und zieht einen zweiten Librettisten hinzu, Andrea Maffei. Das hätte er besser nicht getan, denn just die von Maffei verfassten Szenen, der Hexenchor im 3. Akt und die Schlafwandlerszene im 4., werden von den Rezensenten verrissen.
Die Kompositionsphase dauert vom November 1846 bis zum Jänner 1847, was zusammen mit der Vorlaufzeit des Sommers eine ungewöhnlich lange Zeitspanne ergibt. Ungewöhnlich deshalb, weil sich Verdi noch in den "Galeerenjahren" befindet, in denen er gezwungen ist, in rascher Abfolge neue Werke auf den unersättlichen Musikmarkt zu werfen. Dass er sich also für seinen "Macbeth" so viel Zeit nimmt, zeigt, wie sehr ihm dieses Projekt am Herzen liegt. Das betrifft nicht nur die Musik, sondern auch die Inszenierung. Verdi beschäftigt sich nicht nur intensiv mit der schottischen Tracht der Macbeth-Zeit, sondern zieht auch Erkundigungen bei Londoner Bühnen ein, wie man dort die Geistererscheinung Banquos realisiert.
Trotzdem ist der Uraufführung am 14. März 1847 am Teatro delle Pergola nur ein mäßiger Erfolg beschieden (Auf die Gründe werde ich später eingehen!), der nach dem Triumphzug von "Nabucco" eine Enttäuschung für den Maestro bedeutet.
1864 regt Léon Escudiers eine Aufführung des "Macbeth" in Paris an. Dazu muss Verdi natürlich erst das obligate Ballett komponieren, und als er deshalb nach langer Zeit die Partitur wieder zur Hand nimmt, erlebt er eine Überraschung: "Bei der Lektüre der Musik bin ich betroffen gewesen über Dinge, die ich darin nicht hatte vorfinden wollen. Um es in einem Wort zu sagen: Es gibt verschiedene Nummern, die entweder schwach sind oder denen es an Charakter fehlt, was noch schlimmer ist." Diese Selbstkritik führt zu einer Umarbeitung der Oper, die am 7. November begonnen und im Februar des Folgejahres abgeschlossen wird. Die französische Übersetzung des Librettos besorgen Charles Louis Etianne Nuitter und Alexandre Beaumont. Aber es muss nicht nur übersetzt, sondern auch adaptiert werden, und diese zweite Librettofassung hält sich nicht mehr so eng an Shakespeare wie die erste. Die gravierendsten musikalischen Unterschiede: Im 1. Akt wird der Hexenchor eingefügt, im 2. eine Cabaletta der Lady durch die Arie "La luce langue" ersetzt. Der 3. Akt erhält nun das in Frankreich unverzichtbare Ballett und endet mit dem Duett "Ora die morte e di vendetta" des mörderischen Paares, während bisher Macbeth mit der Cabaletta "Vada in fiamma" das letzte Wort hatte. Im 4. Akt gibt es einen neuen Eröffnungschor, dafür wird der Monolog des sterbenden Macbeth durch die Siegeshymne "Salve, o Re!" ersetzt. (Heute wird in der Regel die französische Fassung aufgeführt.)
Wie schon erwähnt, hatte es "Macbeth" schwer, sich die Gunst des Opernpublikums zu erobern, die er heute genießt. (Noch 1942 bezeichnete der italienische Musikwissenschaftler Carlo Gatti dieses Meisterwerk als zweitrangig in Verdis Oevre.) Da diese Oper zu meinen drei Verdifavoriten zählt, ist diese anfängliche Ablehnung für mich nur schwer nachvollziehbar. Was hat das Publikum anno 1847 so irritiert/verunsichert, dass es den "Macbeth" zwar nicht durchfallen, aber auch nicht mehr als höfliches Wohlwollen angedeihen ließ? Was ist also das Besondere an dieser Oper, oder sagen wir besser: Das für einen Italiener Mitte des 19.Jhdts. Besondere?
• Verdi verweigert dem Publikum die gewohnte Liebesgeschichte als Dreh- und Angelpunkt der Handlung: Statt der Standardkonstellation „Edler Tenor und böser Bariton rittern um den Sopran“ mutet er den Leuten ein mörderisches Ehepaar zu, das nicht von Gott Amor, sondern von Machtbesessenheit und Habgier zu seinen Untaten angestachelt wird. Der Sopran, üblicherweise die Sympathieträgerin der Handlung, agiert hier als das personifizierte Böse. Ein Publikum, das gewohnt ist, Tränen des Mitleids mit dem armen Liebespaar zu vergießen, kann hier einfach nicht auf seine Rechnung kommen. • Verdi selbst rechnet seinen "Macbeth" dem fantastischen Genre zu und befindet sich damit durchaus im Trend, denn die europäischen Romantiker zeigen ein steigendes Interesse an übernatürlichen Phänomenen. Nur ist die Romantik eine mittel- und nordeuropäische Strömung, während diese Geisteshaltung in Italien keinen Nährboden findet. Was die Deutschen begeistert ("Robert le Diable", "Freischütz"...), stößt in Italien auf Unverständnis. Tatsächlich ist Verdi der erste italienische Komponist, der Hexen und Geister auftreten lässt, damit aber statt Begeisterung nur Befremden auslöst. • Auch musikalisch kann "Macbeth" das belcantotrunkene italienische Publikum nicht im Sturm gewinnen. Statt der gewohnten Nummernoper mit ihrer Abfolge von Arien und Rezitativ, die natürlich auch Ohrwürmer zum Nachpfeifen bietet, nimmt Verdi einen Paradigmenwechsel vor: Nicht mehr die "Schönheit" der Musik steht im Mittelpunkt, sondern die dramatische Wahrhaftigkeit, das Musikdrama. In einem Interview, das er im Juni 1875 der Neuen Freien Presse gibt, betont Verdi, dass er sich ebenso wie Wagner um die Einheit von Musik und Drama bemüht habe, erstmals gelungen sei ihm das in "Macbeth". Noch ist es allerdings ein weiter Weg bis zu Verdis Alterswerken, wo die Trennstriche zwischen Rezitativ und Arien völlig aufgehoben sind, aber erste Ansätze lassen sich schon im "Macbeth" ausmachen. • Schließlich muss Verdi auch die patriotischen Erwartungen der Italiener enttäuscht haben: Bieten "Nabucco", "I Lombardi" etc. ausreichend Ventile für ihren aufgestauten Hass gegen die habsburgische Fremdherrschaft, so eignet sich "Macbeth" nur sehr bedingt dafür. Zwar wird auch hier das "Patria oppressa" beklagt, doch ist es nicht der ausländische Feind, der das Vaterland unterdrückt, sondern einer aus ihren Reihen. Der Machtkampf der schottischen Clans lässt sich kaum für den Einigungswillen der Italiener instrumentalisieren, drückt er doch eher das Gegenteil aus.
Historischer Hintergrund
Das historische Vorbild für Macbeth ist Mac Bethad mac Findlaich aus dem Clan Alpin, eine Seitenlinie des regierenden Königs Duncan I. Macbeth tötet ihn in der Schlacht bei Elgin, lässt sich zum König ausrufen und regiert Schottland von 1040-1075. Dann wird er von Duncans Sohn Malcolm im Kampf gegen die englischen Truppen Edwards the Confessor getötet. Im Unterschied zu Shakespeares und Verdis Macbeth ist der historische beim Volk beliebt und seine Regierungszeit eine Periode der Stabilität und des Friedens für Schottland. Er tötet Duncan nicht aus Machtgier, sondern weil dieser das Land durch eine Reihe verlustreich geführter Kriege an den Rand des Abgrunds gebracht hat. William Shakespeare benützt als Quelle Raphael Holinsheds "Chronicle of England, Scotland und Ireland" (1577), lässt dann aber seine dichterische Freiheit walten und formt das positive historische Vorbild zu seinem negativen Helden um.
lg Severina :hello
PS: Inhaltsangabe und Discografie folgen in den nächsten Tagen!
Severina (22.01.2013, 20:57): Inhaltsangabe
1. Akt
Nach einer Schlacht im Gefolge König Duncans treffen die Clanführer Macbeth und Banquo im schottischen Hochland auf eine Schar Hexen, die Ersteren als Than von Glamis, Cawdor und zuletzt als schottischen König begrüßen. Als auch Banquo einen Blick in seine Zukunft begehrt, lassen ihn die Hexen wissen, dass er zwar "non re, ma di monarchi genitore" sei, also zwar vorerst die Königswürde Macbeth überlassen müsse, dafür aber der Vater künftiger Herrscher sei. Als ein Bote erscheint und verkündet, Duncan habe den Than von Cawdor wegen Rebellion seines Amtes enthoben und Macbeth an seine Stelle gesetzt, beginnt er den Prophezeiungen der Hexen Glauben zu schenken. Gleichzeitig erwacht in ihm der vage Gedanke, seinem Glück etwas auf die Sprünge zu helfen, denn wer weiß, wie lange der König noch zu leben gedenkt…. Banquo deutet den fiebrigen Gesichtsausdruck seines Gefährten richtig und blickt seinerseits eher düster in die Zukunft. Die Hexen wissen, dass sie Macbeth nicht zum letzten Mal gesehen haben, denn das Orakel wird ihn nicht los lassen. Lady Macbeth hat einen Brief ihres Gatten erhalten, in dem er sie von der Begegnung mit den Hexen unterrichtet. Auch sie elektrisiert die Vorstellung, den schottischen Thron zu besteigen, aber anders als ihr Gatte plagen sie keine Skrupel auf dem Weg dorthin. Sie fürchtet nur seinen ambivalenten Charakter: Macbeth giere zwar wie sie nach Macht und Ruhm, würde aber vor der letzten Konsequenz zurückschrecken. Wild entschlossen, ihren zögerlichen Gemahl zum Königsmord anzustacheln, bricht es aus ihr heraus "Vieni, t’affretta! Accendere ti vo‘ quel freddo core". Als ein Bote den Besuch König Duncans und seines Gefolges ankündigt, sieht die Lady darin einen Wink des Schicksals und bereits den blutigen Dolch in des Königs Brust. Macbeth kehrt heim und wird von seiner Gattin mit wenigen Worten auf Königsmord programmiert. Noch zaudert er und fürchtet einen Fehlschlag, aber das spöttische "… se tu non tremi" (Frei übersetzt: Nur wenn Du Dir nicht in die Hosen machst!) klingelt wohl noch in seinen Ohren, als er, hin und hergerissen zwischen dem Willen zur Tat und seinen Gewissensbissen, mit dem Dolch Duncans Schlafgemach ansteuert. Der Königsmord ist vollbracht, doch Macbeth reagiert zunehmend panisch, als er über die diesseitigen und jenseitigen Konsequenzen seines Handelns sinniert. Verächtlich betrachtet die Lady ihre Memme von Mann und nimmt persönlich die Spurenbeseitigung in die Hand: Der blutige Dolch wird im Zimmer der Diener deponiert und somit der Verdacht geschickt auf sie gelenkt. Mit blutigen Händen kehrt sie zu Macbeth zurück, der inzwischen völlig paralysiert ist und vor Angst schlotternd den Mord an Duncan am liebsten ungeschehen machen möchte. Am nächsten Morgen will Macduff den König wecken und und entdeckt den feigen Mord. Mit den wütenden Racheschwüren der Gefolgsleute endet der erste Akt.
2. Akt
Lady Macbeth nervt die Niedergeschlagenheit ihres Mannes, anstatt sinnlosen Wahnvorstellungen nachzuhängen, solle er sich lieber freuen, dass er nun König ist. Kein Verdacht würde auf ihn fallen, denn Duncans Sohn sei nach England geflohen und gelte allgemein als der Mörder seines Vaters. Aber Macbeth hat sein Verbrechen ohnehin bereits abgehakt, ihn beunruhigt der zweite Teil des Orakels, nach dem Banquos Söhne einst den Thron besteigen würden. Überraschend schnell und ohne dass ihn seine Gattin sonderlich aufstacheln muss, beschließt er, dieses Problem auf die nun bereits bewährte Art zu lösen: Banquo und seine Brut müssen sterben! Die Lady bestärkt den König mit ihrer flammenden Arie "La luce langue", in der sie das neue Verbrechen als absolut notwendig für ihrer beider Glück hinstellt. Macbeth will sich aber kein zweites Mal die Hände selber blutig machen, er schickt zwei Scharen gedungener Mörder aus, die im nächtlichen Park Banquo, der von Todesahnungen gequält wird, und seinen Sohn stellen. Während der Alte getötet wird, kann Fleance entkommen. Im Schloss findet ein großes Fest statt, die Königin begrüßt die Gäste und und beschwört in ihrem Trinkspruch "Si colme il calice" die Lebensfreude. Macbeth erhält inzwischen die Vollzugsmeldung von Banquos Ermordung. Heuchlerisch bedauert er das Fehlen eines seiner edelsten Gefolgsleute und will gleichzeitig dessen Platz einnehmen. Zu seinem Entsetzen findet er diesen aber von Banquos Geist, den natürlich nur er sieht, besetzt und reagiert völlig panisch. Vergeblich versucht die Lady ihn und die Gäste zu beruhigen. Aus seinem wirren Gestammel entnehmen die Höflinge immerhin so viel, dass sie sich einen Reim auf Duncans Tod machen können. Das Grauen beherrscht nun nicht nur Macbeth. Macduff will nicht länger einem Mörder dienen und kündigt an, Schottland zu verlassen. Der Königin bleibt nichts anderes übrig, als ihrem feigen Gatten wieder einmal ihre Verachtung ins Gesicht zu schleudern.
3. Akt:
In einer Höhle brauen die Hexen mit allerlei tierischen und menschlichen Ingredienzien und unter großem Brimborium ihren Zaubertrank. Macbeth naht mit seinem Gefolge, gebietet ihm aber, draußen zu warten. Er will erneut einen Blick in die Zukunft werfen, und die Hexen beschwören die Geister der Finsternis. Der erste Spruch enthält eine Warnung vor Macduff, der zweite scheint die Gefahr jedoch zu relativieren: Egal, wie viel Blutschuld Macbeth auf sich geladen hat und in Zukunft noch laden wird, kein Mensch könne ihn zur Rechenschaft ziehen, der von einer Frau geboren wurde. Die dritte Erscheinung verspricht ihm, unbesiegbar zu sein, bis der Wald von Birnam gegen ihn ziehen werde. Schon fühlt sich Macbeth auf der sicheren Seite, als ihn plötzlich eine neue Vision heimsucht: Acht Könige defilieren an ihm vorüber, der letzte mit dem Gesicht Banquos hält einen Spiegel, der scheinbar immer neue Könige gebiert. Macbeth wird diese verfluchte Sippe nie besiegen können, und diese Erkenntnis lässt ihn ohnmächtig zu Boden stürzen. Macbeth erwacht in seinem Gemach und erzählt seiner Gemahlin von seinem zweiten Besuch bei den Hexen. Aber nun ist er entschlossen, der Gefahr zu trotzen und aus eigenem Willen zu vollenden, was er nicht ganz freiwillig begonnen hat: Macduffs Burg soll zerstört, Frau und Kinder geschändet, Banquos Sohn aufgespürt und getötet werden. Begeistert über so viel Tatendrang - endlich hat sie einen richtigen Mann! – stimmt die Königin in das Racheduett "Ora di morte e di vendetta" ein.
4. Akt:
Schottische Flüchtlinge beklagen ihr "Patria oppressa", Macduff in seiner Arie "O figli, o figli miei…" seine ermordeten Kinder, die er, fern von seiner Heimat, vor Macbeth' blindwütigem Rachefeldzug nicht beschützen konnte. Malcolm, Duncans Sohn, naht mit Verstärkung und übernimmt das Kommando: Jeder solle sich mit Ästen tarnen und so gegen Macbeth' Truppen vorrücken. Lady Macbeth' Geist hat sich inzwischen verwirrt: Entsetzt belauschen ihr Arzt und die Kammerfrau die nachtwandelnde Königin, die im Delirium ihr vom Mord befleckten Hände reinigen möchte. Macbeth ist verbittert über den Verrat seiner zu den Engländern übergelaufenen Gefolgsleute. Er beruhigt sich zwar mit der Prophezeiung der Hexen, dass er von keinem von einer Frau Geborenen getötet werden könne, ist sich aber gleichzeitig dessen bewusst, dass sein weiteres Leben freudlos und ohne Liebe verlaufen werde, weil ihm, dem vielfachen Mörder, nur Hass entgegenschlagen wird. Daher reagiert er auch seltsam teilnahmslos auf die Kunde vom Tod der Königin, nichts kann ihn mehr im Innersten berühren. Aufgeregte Soldaten berichten Unglaubliches: Der Wald von Birnam bewege sich auf die Burg zu! Macbeth ruft seine Truppen zum Kampf, es gilt "la morte o la vittoria"! Macduff stellt den König, der mit seiner Unverwundbarkeit prahlt, doch zu seinem Entsetzen erfährt er, dass sein Gegner nicht auf natürlichem Weg geboren, sondern aus dem Leib der Mutter geschnitten worden ist. Macbeth fällt und verflucht sterbend die Krone, die ihn auf den Weg des Verbrechens geführt hat. Malcolm kommt zu spät, um den Tod seines Vaters zu rächen, wird aber von Macduff zum König proklamiert und vom herbeiströmenden Volk als Retter des Vaterlandes und Friedensbringer gefeiert.
lg Severina :hello
Severina (23.01.2013, 17:55):
Da Rideamus das Verdiprojekt ja forenübergreifend geplant hat und bei Capriccio schon einige sehr ausführliche und fundierte CD-und DVD-Besprechungen erschienen sind, beginne ich mit meiner absoluten Lieblings-DVD, die "drüben" zu meiner Verwunderung noch niemand erwähnt hat. Es handelt sich um die Züricher Produktion von 2001 mit Thomas Hampson in der Titelpartie, Paoletta Marrocu als Lady, Roberto Scandiuzzi als Banco und Luis Lima als Macduff. Meine Begeisterung bezieht sich nicht nur auf die ausgezeichnete Besetzung, sondern auch auf das wunderbar transparente und trotzdem sehr sinnliche Dirigat Franz Welser-Mösts und mit einigen Einschränkungen auf die Regie David Pountneys. Bleiben wir gleich bei ihm: Das Einheitsbühnenbild zeigt eine Art Bunker, man sieht allerdings nur eine Hälfte, eine nach vorne ansteigende schiefergraue Rundung. In der Decke klafft ein riesiges, gezacktes Loch, wie nach der Detonation eines Sprengkörpers. Die Welt ist aus den Angeln, das symbolisiert auch das auf den transparenten Zwischenvorhang projezierte Ziffernblatt, das auf dem Kopf steht. Ein schlichter grauer Kubus, der seinen Standort öfter wechselt, dient als "Schloss" bzw. Innenraum. Zusammen mit einer fabelhaften Lichtregie entstehen ungemein sugestive Bilder. Ansonsten beschert mir David Pountney wie so oft permanente Wechselbäder zwischen Begeisterung und Ärger, denn auf ganz großartige Szenen folgen solche, die mich ziemlich ratlos machen (Die erste Hexenszene z.B., die zweite ist dafür wieder Spitze!). Die berühmten surrealen Elemente halt..... Aber das Positive überwiegt, denn diese von Raum und Zeit völlig abstrahierte Inszenierung ist spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde, egal, ob einem nun alles schlüssig erscheint oder nicht.
Aber was dieser Produktion in meiner ewigen Bestenliste einen Spitzenplatz garantiert, ist die Besetzung des mörderischen Paares mit Thomas Hampson und Paoletta Marrocu, die für mich absolut konkurrenzlos sind. Thomas Hampson befand sich 2001 noch im Vollbesitz seiner stimmlichen Mittel, sein Prachtbariton fließt ebenmäßig dahin, schwingt sich geschmeidig und ohne hörbare Anstrengung in lichte Höhen, verströmt balsamischen Wohlklang, krönt so manchen Ton mit einem wunderbaren Diminuendo und lässt vokal wirklich keinen Wunsch offen. Aber selbst wenn ich dies und das am Sänger Thomas Hampson auszusetzen hätte, würde der Schauspieler das spielend wettmachen, denn das, was er als Macbeth bietet, zählt sicher zum Mitreißendsten, was je auf DVD gebannt worden ist. Hampsons Gesicht ist eine emotionale Landschaft, die alles widerspiegelt, was einem Menschen an seelischen Stürmen widerfahren kann. Das Entsetzen über sich selbst, als der erste Mordgedanke auftaucht, sein Zögern, gepaart mit der Verzweiflung über die Verachtung seiner Frau wegen seiner Feigheit, das von Reue gequälte Häufchen Elend nach dem Königsmord, das nackte Entsetzen beim Bankett, als er und nur er den Geist Bancos sieht (Den Pountney dankenswerterweise NICHT auftreten lässt, wodurch das Grauen in Hampsons Gesicht noch gespenstischer wirkt!), schließlich sein verzweifeltes Aufbäumen am Schluss, das trotzige Alles-oder-Nichts - es gibt einfach keinen einzigen Moment auf dieser DVD, wo ich nicht atemlos und gebannt jede Bewegung, jeden Blick dieses großartigen Singschauspielers förmlich inhaliere.
Paoletta Marrocu schafft das Kunststück, ihrem Partner in jeder Beziehung auf Augenhöhe zu begegnen. Zwar verfügt sie nicht über die von Verdi geforderte fahle und "hässliche" Stimme, kann aber trotzdem alles an negativen Emotionen vermitteln, die von der Rolle verlangt werden. Herrlich die Verachtung, mit der sie das "Se tu non tremi" würzt, großartig ihre expressiven Ausbrüche, wo die Stimme förmlich explodiert und nicht nur der arme Macbeth unter dieser vokalen Wucht den Kopf einzieht. Aber auch schauispielerisch bietet die Marrocu eine ganz große Leistung. Als eine Mischung zwischen Vamp und Domina (Das Kostüm ist ziemlich kühn und gibt mehr von ihren wohlgeformten Brüsten preis, als man auf einer Opernbühne zu sehen gewohnt ist :wink) angelegt, beherrscht sie Macbeth durch ihre erotische Anziehungskraft. Er ist hungrig nach ihrem Körper, den sie ganz gezielt als Belohnung einsetzt: Sie stößt ihn zurück, wenn er sich nicht ihren Erwartungen gemäß verhält, belohnt ihn für Wohlverhalten mit Zärtlichkeiten, aber beides entspringt nur ihrer Egozentrik, denn ihre Liebe gilt nicht Macbeth, sondern der Macht, die sie durch ihn zu erringen hofft. Aber nicht nur als Domina, auch als geistig Zerrüttete überzeugt Paoletta Marrocu - die Wahnsinnsszene gestaltet sie mit einer Intensität und mit einer Fülle gestischer und mimischer Details, wie ich sie noch bei keiner Lady Macbeth erlebt habe. Auch die große Mara Zampieri, bis Zürich meine absolute Nummer 1, kommt da nicht heran. (Sie entspricht allerdings eher dem Verdi'schen Stimmideal, jeder ihrer Spitzentöne ist ein Mordwerkzeug!)
An das fulminante Paar Hampson - Marrocu reichen die anderen zwar nicht ganz heran, können aber gut mithalten. Roberto Scandiuzzi gibt einen ausgezeichneten Banco, von der Regie ist er als intellektuell angehauchter Oppositioneller angelegt, der Pamphlets gegen Macbeth' Tyrannei verfasst und mit Hilfe seines Sohnes verteilt. Dass dieser ganz am Schluss die Schreibmaschine hereinträgt und an der Rampe abstellt, während hinter ihm der neue König gefeiert wird, ist eines der vielen feinen Details dieser Inszenierung. Denn auch unter dem neuen Herrscher wird WAchsamkeit angebracht sein.
Luis Lima war 2001 über seinen Zenit längst hinaus, mit dem Macduff in dieser Serie trat er meines Wissens zum letzten Mal vor sein Publikum, das ihm so viele Sternstunden verdankt. Lima schlägt sich achtbar, noch immer ist etwas von der früheren Faszination spürbar, aber die Höhen nötigen ihm einiges an Anstrengung ab.
Die schwächste Leistung bietet Miroslav Christoff als ziemlich schwachbrüstiger Malcolm, sein quäkiges Timbre ist zumindest meine Sache nicht.
Bei einigen CD-Besprechungen wurde kritisiert, Verdis Musik würde Shakespeares Drama ganz und gar nicht gerecht werden, sei viel zu leicht, vordergründig-fröhlich, eben typischer Verdi-Humtatata. Nun, dieses (Vor?) urteil widerlegt meines Erachtens Franz Welser-Möst mit einem völlig humptata-freien Dirigat. Trotzdem ist er nur meine zweite Wahl, den Spitzenplatz hält bei mir immer noch Giuseppe Sinopolis fiebrig-erregende Interpretation, die ich zu meinem großen Glück einige Male live erleben durfte.
Mein Fazit: Wer mit dieser DVD immer noch keinen Zugang zu "Macbeth" findet, ist für dieser Oper wohl wirklich verloren. Ein Muss für jeden, der wissen möchte, wie aufregend Musiktheater sein kann!
lg Severina :hello
PS: Natürlich gebe ich auch zu anderen Einspielungen meinen Senf dazu, keine Sorge :wink :D!
stiffelio (23.01.2013, 23:08): Liebe Severina,
als Hampson-Fan habe ich mir diese DVD vor einiger Zeit auch zugelegt und bin etwas zwiegespalten. Deine Begeisterung für Hampsons Gestaltung in allen Bereichen kann ich nachvollziehen, aber dies ist für meinen derzeitigen Geschmack ein Paradebeispiel einer Inszenierung, die sich zu stark in den Vordergrund spielt. Hampson hätte diese Leistung doch auch erbracht, wenn er nicht ständig von merkwürdigen Requisiten umgeben gewesen wäre, oder siehst du das anders? Mich haben sie jedenfalls eher abgelenkt. Aber du hast mir Appetit darauf gemacht, meine Erinnerung zu überprüfen und so werde ich schauen, ob ich die Scheiben in den nächsten Tagen nochmal einlegen kann. Wenn du mir bis dahin noch ein paar Schlssel zur Inszenierung liefern möchtest, die mir das Konzept evtl. leichter verdaulich machen könnten, freue ich mich.
VG, stiffelio
Severina (24.01.2013, 00:08): Liebe Stiffelio,
welche Reqisiten meinst du denn? Bis auf die erste Hexenszene, die ich auch nicht so gelungen finde, gibt es doch kaum welche, meist ist die Bühne völlig leer. Nicht einmal in der Bankettszene gibt es mehr als eine lange, weiß verhüllte Tafel, die sich dann als Grab entpuppt. Gerade diese Szene gefällt mir von der Regie ausgezeichnet, denn die übliche Erscheinung von Banquos Geist wirkt doch meist nur albern und lächerlich. Hier ist der "Geist" wirklich nur eine Ausgeburt von Macbeth' schlechtem Gewissen bzw. Angst vor Höllenstrafen, er sieht plötzlich anstatt der weißen Festtafel ins schwarze Grab (symbolisiert durch die Erde, in der er wühlt), ins Grab, das er Duncan und Banco bereitet hat, das aber bald auch seines werden wird, wie er ganz deutlich ahnt. Wie gesagt, ich finde gerade diese Szene unglaublich stark. Bei Pountney ist meist alles ein bisschen surreal, aber suggestive Bilder sind seine Stärke. (Fantastisch finde ich z.B. auch die Wahnsinnsszene, auch hier eine radikale Reduktion von Bühnenbild und Requisiten, aber mit welcher Wirkung!) Ich wüsste wirklich keine Stelle, wo mich Requisiten vom Psychodrama ablenken würden. Kannst Du mir ein paar Beispiele geben?
lg Severina :hello
Rideamus (24.01.2013, 04:47): Liebe Sevi,
vielen Dank für diese wunderbare Einführung, die mir richtig Lust gemacht hat, mich wieder einmal mit dieser Oper zu beschäftigen, mit der ich notorisch meine Probleme hatte, weil angemessen Schreckliches zu schroff dem leicht KOnsumierbaren gegebüber steht (daher meine wahrscheinlich überraschendes Plädoyer für die Aufnahme mit Fischer-Dieskau und Suliotis, die wahrlich nicht schön klingt). Dabei sei eilends angemerkt, dass dieses zwiespältige Urteil vor allem darauf zurück geht, dass Verdi sich an dem Stoff zu dem Zeitüunkt, als er ihn anpackte, noch etwas übernommen hatte, wie er später ja selbst fand.
Ich muss mich also vorläufig nöch mit Kommentaren zurückhalten, möchte aber schon mal eine Interpretation erinnern, die ich zwar nicht live, seinerzeit aber immerhin beim Cannes Festival im Kino unter besten Bedingungen gesehen habe. gesehen habe, und von der ich sehr beeindruckt war. Sie entstand auf der Basis einer alten Inszenierung von Giorgio Strehler und wurde für diese DVD rekonstruiert:
Leider kenne ich diese Version nicht, so dass ich nicht sagen kann, ob und wie weit sie von der Vorlage abweicht, aber warum man nicht einfach das Original nahm, ist mir schleierhaft, denn es war visuell so überwältigend und auch musikalisch so beeindruckend, dass man die verharmlosenden Elemente mancher Musikteile total überhörte.
Das ist dank des sehr edel singenden Renato Bruson leider bei der Berliner Aufführung nicht ganz so einfach, obwohl sie immerhin Sinopolis von Dir mit Recht so gelobtes Dirigat Giuseppe Sinopolis festhält.
Zu der Zürcher DVD möchte ich mich erst äußern, wenn ich meine Erinnerung aufgefrischt habe. Zur Zeit bin ich noch beim Auffrischen der Audioaufnahmen.
:hello Rideamus
stiffelio (24.01.2013, 09:16): Liebe Severina,
ich meinte tatsächlich einerseits die 1. Hexenszene, andererseits aber auch - und da muss ich ein Brett vor dem Kopf gehabt haben - die Erde in der Tafelszene als Symbol des Grabes. So blöd das jetzt klingt, aber ich bin nicht auf die Assoziation zum Grab gekommen, obwohl das in deiner Erklärung völlig logisch ist. Zur Schreibmaschine, auf die ich mir auch keinen Reim machen konnte, hast du ja auch schon etwas Erhellendes geschrieben. Mal sehen, wie mir unter diesen neuen Vorzeichen die DVD jetzt gefällt.
VG, stiffelio
P.S. lieber Rideamus, dein erstes Cover wird leider nicht angezeigt, bei würde es mich sehr interessieren...
Severina (28.01.2013, 00:01): Lieber Rideamus,
die von Dir gepostete DVD der Verfilmung mit Nucci und Verrett besitze ich auch und finde sie sehr beeindruckend, wenn auch der Schauer fallweise etwas übertrieben wird. Denn auch im Schottland des 11.Jhdts. waren Schlösser sicher nicht ganz so unwirtlich wie dieses, das in erster Linie aus düsteren Gängen zu bestehen scheint, in denen das Wasser von den Wänden tropft. Wie gesagt sehr effektvoll, aber doch etwas too much.
Shirley Verrett beeindruckt mich auf der DVD wesentlich mehr als auf der CD (mit Cappuccilli und Ghiaurov), wo sie weit weniger furios rüberkommt. Natürlich liegt das auch am eindrucksvollen Spiel der Verrett, die hier wirklich eine Lady zum Fürchten ist.
Mit Renato Bruson ist das so eine Sache: Er ist ein ungemein kultiviert singender Macbeth, und Du hast völlig Recht, dass er eigentlich viel zu schön und "brav" klingt. Aber ich habe ihn viele Male in dieser Partie an der WSO erlebt, immer mit Mara Zampieri als Lady, die wie eine eruptive Naturgewalt über die Bühne fegte und sicher die expressivste Interpretation dieser Rolle bot, die ich kenne. Und da passte es dann, dass Macbeth ziemlich passiv bleibt und von seiner ehelichen Furie zu den Verbrechen getrieben wird. Bruson war wirklich der schwache Mann unter der Fuchtel einer starken Frau, die ihn zum Werkzeug ihrer ehrgeizigen Pläne macht und durch ihn das erreichen will, was ihr als Frau in ihrer Zeit verwehrt bleibt. Denn es war ganz klar, dass sie die Herrscherin und er nur ihr Sprachrohr, ihre Marionette gewesen wäre, hätte ihr Plan geklappt. Und das ist sicher eine legitime Lesart. Spannend wäre die Konstellation Nucci-Zampieri gewesen, die ich aber nie erlebt habe, denn da wären zwei gleich starke Persönlichkeiten aufeinander geprallt, hätte der Machtkampf Macbeth-Lady die Mordtaten überlagert. Denn es ist ja interessant, wie völlig anders Nucci die Möglichkeit eines Fehlschlags des Attentats betont: Nicht Zaudern, Panik klingt da mit wie bei Hampson oder Bruson, sondern nur die rationale Erwägung, dass es eben schief gehen könnte und man daher einen Plan B im Talon habe müsste. Dementsprechend trieft die Antwort von Verrett "Se tu non tremi" auch nicht voll Verachtung wie bei Marrocu und Zampieri, sondern soll ihm, der zum Mord längst entschlossen ist, nur den Rücken stärken. Er soll einfach kräftig genug zustechen, dann passt's schon.
lg Sevi :hello
stiffelio (28.01.2013, 21:28): Liebe Severina,
ich habe mir den Pountney-Macbeth gestern und heute nochmal angesehen und komme tatsächlich durch deine Erklärungen jetzt etwas besser klar. Du hast auch recht, dass es weniger die spärlichen Requisiten waren, sondern eigentlich mehr die oft merkwürdigen Kostüme, die mich an vielen Stellen ratlos machen. Hast du eine Erklärung dafür, warum der König eine goldene Maske trägt und eine Art Brautschleier-Kostüm, das mich an Frischhaltefolie erinnert? Und warum sein Blut an Macbeths Händen ein grüner Glibber ist? Gut, Grün ist die Komplementärfarbe zu Rot und in dieser Welt ist alles verkehrt wie das auf dem Kopf stehende Ziffernblatt - aber sollte das wirklich so simpel gemeint sein? Und steckt ein Sinn dahinter, dass Macbeth bis zum 3. Akt kurzhaarig ist, die Lady langhaarig und danach umgekehrt? Was ist mit den gelben und orangen Jacken von Macbeths Mordtruppen und den merkwürdign schwarzweißen Mustern auf den Jacken von Macduffs Gesellen? Das alles wirkt auf mich ähnlich wie eine komplizierte Mathematik-Aufgabe, hinter der ich einen Sinn zwar erahnen aber nicht voll erfassen kann. Und das Grübeln darüber lenkt mich sowohl von der Musik als auch von dem (von Hampson und Maroccu, aber auch Banquo) mimisch wirklich grandios gestaltetem Psychodrama ab. Mit einer Ausnahme: die Szene, in der Macduff Macbeth durch in den Kubus gerammte Schwerter quasi ersticht, obwohl sie ihn gar nicht physisch erreichen, die wirkt auf mich emotional stark und unmittelbar! Da schweigen dann auch sofort alle rationalen Fragen in mir, obwohl diese Szene im Grunde ja keinen Deut logischer ist als die oben genannten. Noch eine Interessensfrage: woran hast du gemerkt, dass die Zettel, die Banquos Sohn an die Wand heftet, Pamphlete gegen Macbeths Herrschaft seien sollen? Das war für mich zusammen mit der Schreibmaschine eine ganz wichtige Erklärung, da ich mir auf diese Steckbriefe mit dem roten Kreuz über der Schrift früher auch überhaupt keinen Reim machen konnte.
Vielleicht kann ich mir in den nächsten Tagen auch die Verfilmung nochmal ansehen (die ich auch seit langem besitzt, aber erst einmal angeschaut habe). Obwohl ich langsam ahne, dass die Macbeth-Grundstory mir emotional doch so fern liegt, dass sie wirklich einen meiner Lieblingssänger wie Hampson braucht um mich zu fesseln. Schade, dass Ramey nur als Banquos Stimme, nicht als Schauspieler dabei ist.
VG, stiffelio
Severina (29.01.2013, 12:38): Liebe Stiffelio,
das sind eine Menge Fragen, eine weitere wäre, ob ich sie für Dich schlüssig beantworten kann :wink. Ob das, was ich mir dazu denke, tatsächlich von Pountney so gemeint ist, weiß ich nicht, interessiert mich aber auch nicht wirklich, denn für mich ist immer entscheidend, ob ich eine Lesart finde. Deshalb kaufe ich mir auch nie Programmhefte, denn eine Inszenierung, die nur dank "Gebrauchsanweisung" zu mir spricht, ist in meinen Augen verfehlt. Ich liebe Rätsel, aber ich will sie ohne Lösungsteil entschlüsseln können.
ad 1) Der verschleierte und vergoldete König: Meine erste Assoziation war die mit einer der vergoldeten Kultstatuen, wie sie speziell in mittelalterlichen Kirchen üblich waren. Dazu passt auch die Sitzhaltung und die Art, wie er hereingetragen wird, die geringe Körpergröße und die zarten Glieder, denn dieser König wirkt in keiner Phase wie ein lebendiger Mensch, sondern wie eine Puppe, eine Statue, die kultisch verehrt wird. Was bedeutet das aber? Für mich geht es eben nicht um einen realen Menschen, sondern um das Symbol von Macht und Herrschaft. Macbeth will diese Macht an sich reißen, blendet dabei völlig aus, dass er dazu einen Menschen töten muss, einen Menschen, gegen den er keinerlei Hass empfindet. Nichts deutet darauf hin, dass Macbeth in Opposition zum König steht (Er kämpft ja für ihn, bevor ihm die Hexen den Floh vom Königsthron ins Ohr setzen), nichts deutet darauf hin, dass er bis zur Hexenszene auch nur mit dem Gedanken spielt, ihn zu stürzen (was zu der Zeit gleichbedeutend war mit Mord). Diese Königspuppe symbolisiert für mich also die Macht an sich, losgelöst vom Individuum Duncan. Sehr ausdrucksstark finde ich daher die Szene, als der "Leichnam" von Mann zu Mann weiter gereicht wird, bis er schließlich als letzte Station bei Macbeth landet, der unter der Last zusammenbricht. Er hält zwar nun die Macht in Händen, aber sie wird auch seinen Untergang bedeuten. (Banaler könnte man es natürlich auch so deuten, dass ihn die Last des schlechten Gewissens zu Boden drückt!)
ad2) Der "Haarwechsel": Auch da suche ich meine Erklärung in der Geschichte, obwohl das vielleicht sehr weit hergeholt sein mag. Aber im MA glaubten die Menschen, dass das "Königsheil" u.a. in den langen Haaren des Herrschers sitzt - schneidet man sie ihm ab, verliert er diese magische Kraft und ist daher kein rechtmäßiger König mehr. (Das passierte z.B. mit dem letzten Merowingerkönig) Macbeth ist anfangs nur Than, hat also kein "Recht" auf lange Haare, erst später als König darf/muss er sie tragen. Bei der Lady deute ich den Haarwechsel als Machtverlust: Anfangs hat sie eine wilde Mähne, weil ja eigentlich sie der "Mann" in ihrer Beziehung ist, Macht über Macbeth besitzt. Als sie diese sukzessive verliert, während er erstarkt, drückt sich das eben auch in der veränderten Hauptzier aus. Ich gebe zu, dass das eine sehr kühne Deutung ist, aber für mich funktioniert sie.
ad 3) Die Kostüme: Dazu fällt mir wenig ein, weil mich Kostüme generell am wenigsten interessieren. (Das mag damit zusammenhängen, dass ich auch im realen Leben ein ausgesprochener Modemuffel bin und nur sehr wenig Gedanken an meine Bekleidung verschwende :S.) Wie ich schon oben erwähnt habe, erinnert mich der Aufzug der Lady an eine Domina, und das passt ja auch, zu Macbeth' auffallend gelbem Plüschmantel fällt mir nur ein, dass Goldgelb (Und das ist doch ein Goldgelb, oder?) eben auch ein Symbol für Königsmacht ist. Die unterschiedlichen Farben der Mörder Bancos erkläre ich mir schlicht mit der im Libretto verankerten Tatsache, dass zwei verschiedene Trupps ausgesandt werden, und die Zeichen auf den Kostümen von Macduffs Leuten müsste ich mir noch einmal anschauen, die sind mir bisher gar nicht aufgefallen :S. Aber wie gesagt: In Kostümfragen bin ich ein schlechter Diskussionspartner, denn wenn mich jemand, mit dem ich einige Stunden verbringe, am nächsten Tag fragen würde, was er/sie angehabt hat, hätte ich wahrscheinlich keine Ahnung...... (Das macht meine beste Freundin immer ganz fuchsig :D)
ad 4) Schreibmaschine und Pamphlete: Auch das ist eine rein instinktive Deutung von mir, keine Ahnung, was Pountney wirklich sagen will. Aber Banquo ahnt vom Zeitpunkt der Prophezeiung an, dass Macbeth die Macht an sich reißen wird, er verdächtigt ihn daher sofort des Königsmordes und ist daher der logische Anführer einer Widerstandsgruppe gegen den unrechtmäßigen König. Wandzeitungen waren und sind eine Methode der Oppositionellen in diktatorischen Regimen, daher also meine Interpretation in diese Richtung.
So, das waren also ein paar Gedankensplitter von mir und ich bin gespannt, wie sie bei Dir ankommen!
lg Severina :hello
stiffelio (29.01.2013, 20:09): Liebe Severina,
vielen Dank, dass du dich so geduldig bemühst, mir auf die Sprünge zu helfen. Wie schon angedeutet: unmittelbar überzeugend und sehr hilfreich fand ich deine Deutung von Schrebmaschine und Wandzeitungen. Auch gegen deine anderen Interpretationen habe ich nichts einzuwenden, schon allein deshalb, weil mir nichts Besseres einfällt :wink. Trotzdem beschleicht mich ein Gefühl, dass du noch in einem anderen Punkt recht hast: eine "Gebrauchsanweisung" für Inszenierungen kann nur begrenzt hilfreich sein, solange sie einen nicht emotional unmittelbar anspricht. Ich finde deine Erklärungen logisch und stimmig, aber sie enthüllen mir noch keine (weiteren) wichtigen Botschaften der Inszenierung. Dazu werde ich mir die DVD wohl noch einmal bei Gelegenheit ansehen müssen. Jedenfalls habe ich es definitiv dir zu verdanken, wenn ich meinen Zugang zu ihr weiter verbessern kann.
Nochmal kurz zu den Kostümen: auch ich bin ein absoluter Modemuffel (und kann mir schwer vorstellen, dass du mich in diesem Punkt toppen könntest :ignore). Dennoch ertrage ich "unpassende" Kostüme in Opern relativ schwer, jedenfalls schwerer als personenunabhängige Requisiten und fast so schwer wie "unpassende" Gesichtsmaskierungen und Frisuren. Vermutlich liegt das daran, dass ich viel stärker auf die handelnden Personen als auf ihre Umgebung fixiert bin. Dabei geht es mir gar nicht um historisch korrekte Kostüme und auch nicht um prunkvolle Kleidung. Gegen einen Macbeth oder auch eine Aida in mehr oder weniger normaler Straßenkleidung hätte ich vermutlich wenig einzuwenden, wenn es zum Inszenierungskonzept einigermaßen passt. Aber einen König in Badehose oder in einer Rüstung aus alten Ananaskonservendosen auf dem Thron könnte ich wohl nur schwer ertragen. Sowas lenkt mich einfach massiv von der restlichen Darstellung ab. Man könnte sagen, am besten gefallen mir Kostüme, wenn sie so stimmig und unauffällig sind, dass ich sie gar nicht bewusst wahrnehme :wink. Von daher haben mir z.B. die Kostüme von Macbeth und seiner Lady im ersten Akt recht gut gefallen. Die auffälligen, erdverschmuddelten Plüschmäntel am Ende des zweiten Aktes dagegen schon weniger, obwohl ich mir ausnahmsweise mal selbst vorstellen konnte, was die Erde bedeuten soll. Aber ich fand sie schon wieder zu sehr optisch ablenkend.
Jedenfalls sind wir uns weiterhin einig, dass hier neben stimmlicher Kompetenz darstellerisch allererste Sahne geliefert wird.
VG, stiffelio
Allegra (07.03.2013, 20:18): Es gibt derzeit eine Neuinszenierung von Macbetto in Lübeck, die offenbar auf viel Begeisterung gestoßen ist. War schon jemand dort? Ich werde sie mir im Mai ansehen und dann gern berichten.
Mir ist noch der Film mit Shirley Varrett im Gedächtnis und auf Kassetten hatte ich damals die entsprechende Aufnahme. Mittlerweile besitze ich eine Aufnahme von 1976 mit Mildes, Cossotto, Raimondi, Carreras. Nicht absolut überzeugt hat mich Fiorenza Cossotto, sie scheint mir zu weich für die Rolle, zu wenig ausdrucksstark im Vergleich mit Varrett.
Jetzt hat die Inszenierung in Lübeck der Lady Macbeth noch das Thema Kinderlosigkeit zugrunde gelegt, was der Rolle noch wieder eine andere Dimension geben soll. Ich bin gespannt, wie sich das musikalisch zeigt.
Allegra (24.03.2013, 21:46): In München 2014 ist Macbeth angekündigt, mit Anna Netrebko, Simon Keenlyside und Calleja.
Wird jemand vor Ort sein? :wink
Bin mir noch nicht so ganz sicher, wie ich Anna Netrebko als Lady Macbeth finden werde. Eigentlich ist das nicht so ganz 'meine' Stimme dafür, aber abwarten.
wer mal reinschnuppern will: es gibt den oben besprochenen Züricher MACBETH aktuell auf Youtube: "http://www.youtube.com/watch?v=Ta5ziv_Ax18"
Allegra, das Lübecker Konzept, die Kinderlosigkeit von Macbeth und seiner Lady in der Inszenierung zu thematisieren, hört sich für mich sehr spannend an. Hinfahren werde ich trotzdem vermutlich nicht, würde mich aber freuen, wenn jemand darüber berichten kann. Die Besetzung für München klingt auch interessant. Wer macht die Inszenierung?
VG, stiffelio
Allegra (01.04.2013, 22:26): Nach Lübeck fahre ich im Mai - dann werde ich gern berichten. :wink
Die Münchner Inszenierung ist von Martin Kusej. Ich glaube, das war keine Neuinszenierung, sondern eine Wiederaufnahme.
Danke für den YT-Link, da werde ich doch gleich mal reinsehen.
palestrina (04.01.2016, 00:30): Heute war so ein Tag , an dem ich mich gänzlich mit Verdis "Macbeth" beschädigt habe ....
zuerst habe ich meine absolute LIEBLINGSAUFNAHME gehört , da stimmt einfach alles vom Dirigat, Sinopoli, bis zu den Sängern , allen voran Mara Zampieri eine großartige Lady und Renato Bruson ein ebenso großartiger Macbeth , auch das restliche Ensemble ist allererste Sahne , bis in die kleinste Rolle, z.B. als Dama Lucia Aliberti ! Es mag auch etwas daran liegen, das ich 1982 an der DOB die beiden zwei mal Live gehört habe mit etwas anderer restlicher Besetzung , Dvorsky, Ghiaurov .
Dann habe ich noch zwei GA der Urfassung gehört , mach ich morgen !?
LG palestrina
Cantus Arcticus (05.01.2016, 09:48): Original von palestrina Heute war so ein Tag , an dem ich mich gänzlich mit Verdis "Macbeth" beschädigt habe ....
zuerst habe ich meine absolute LIEBLINGSAUFNAHME gehört , da stimmt einfach alles vom Dirigat, Sinopoli, bis zu den Sängern , allen voran Mara Zampieri eine großartige Lady und Renato Bruson ein ebenso großartiger Macbeth , auch das restliche Ensemble ist allererste Sahne , bis in die kleinste Rolle, z.B. als Dama Lucia Aliberti ! Es mag auch etwas daran liegen, das ich 1982 an der DOB die beiden zwei mal Live gehört habe mit etwas anderer restlicher Besetzung , Dvorsky, Ghiaurov .
Dann habe ich noch zwei GA der Urfassung gehört , mach ich morgen !?
LG palestrina
Lieber Palestrina Diese Aufnahme war zufällig meine allererste Oper, die ich gekauft habe vor x-Jahren. Für einen "opener" in die Welt der Oper wahrlich ein gewichtiger Brocken, aber das war unwichtig. Das Ensemble ist in der Tat hochkarätig, die Aufnahme erstklassig. Mir persönlich gefällt Mara Zampieri nicht so ausgesprochen, was aber Geschmackssache ist und ihre gesanglichen Qualitäten keinesfalls in Frage stellt.
Neben dieser Aufnahme habe ich noch die Abbado Einspielung: http://ecx.images-amazon.com/images/I/415Z5D9PHKL.jpg
Ungeachtet dessen, ob Sinopoli oder Abbado: Macbeth ist unbestritten eine meiner Lieblingsopern von Verdi, zusammen mit Falstaff und der Traviata.
LG, Stefan :hello
palestrina (05.01.2016, 10:20): Lieber Cantus Arcticus, ja an Frau Zampieri scheiden sich die Geister, allerdings für mich nicht , ich mag ihren manchmal etwas ruppigen Gesang sehr , da ist imo , viel Ausdruckskraft zu vernehmen . Ich habe sie sage und schreibe 21x im Maskenball gehört u.gesehen , na wenn das keine Liebe ist !
Kennst du auch die Urfassung vom Macbeth ?
Bin nun seit 2 Tagen dabei mich durch die zwei GA durchzuhören , ich werde berichten !
LG palestrina
Cantus Arcticus (05.01.2016, 16:07): Lieber Palestrina Vielen Dank für Deine Antwort. Mara Zampieri hat ja auch seit 1983 immer wieder in Zürich gastiert - eine bemerkenswerte Frau.
Wow, 21 mal im Maskenball... das ist Liebe.
Zur Urfassung: Nein, die kenne ich noch nicht. Darum interessiert mich dann Dein weiterer Bericht doch sehr :thanks.
Ich habe zur Zeit eine richtige Opernzeit: Verdi hat mich gefangen genommen, ebenso wie Bellini, Donizetti oder Pucchini. Gerade habe ich bei mir Verdi's Attila, I Due Foscari und Giovanna d'Arco auf den CD-"Spielplan" gesetzt. ich bin gespannt... :)
LG, Stefan
palestrina (07.01.2016, 16:56): Lieber Cantus Arcticus, das finde ich ja richtig gut alles was bei mir das Herz erfreut !! :down
So und jetzt mal zu den beiden Macbeth Uraufführungen GA ....
Die erste ist die älteste (15.4.1979 ),allerdings kam sie nach der zweiten heraus (2003) , deshalb steht auf der Box Première recording drauf ! (Martina Franca July 1997 ).
Der Macbeth wie wir ihn kennen , trotz der weiteren achtzehn Jahre Erfahrung, die Verdi mitlerweile hatte mit einem Fuß in der Vergangenheit. Hier ist das bessere der Feind des Guten und des nicht so guten . In der Fassung von 1847 treten die innovativen Aspekte der Oper weitaus deutlicher in den Vordergrund, und ist die Musik insgesamt der der Revision auch unterlegen, ist sie stilistisch doch mehr aus einem Guss. In der ursprünglichen Version werden weitaus größere Ansprüche an die beiden Hauptfiguren gestellt,
Was den ersten Akt betrifft sind die Unterschiede nur gering , im zweiten Akt gibtb es eine Cabaletta "Trionfai ! Sicuri al fine ", anstatt der Arie "La luce langue" die Cabaletta ist allerdings der Arie unterlegen, stilistisch jedoch dem Trinklied angepasst . Dann gibt es in der Erscheinungs Szene ( 3 Akt) eine Arie für Macbeth anstatt des kleinen Duettes M/ Lady. Die meisten Änderungen sind jedoch im letzten Akt , viele Tonarten und Takt Veränderungen , und der Schluss, da stirbt Macbeth auf der Bühne , mit einer Schlussrede "Mal per me che m'affidai" Text..... Den Wahrsagungen der Hölle zu vertrauen bereitete mir unendlich Leid!.... All das Blut, das ich vergossen, schreit empor zum allmächtigen Herrn!... Seine Rache kambherab auf meine verfluchte Stirn!... Ich sterbe....getroffen vom Zorn des Himmels und der Erde. Gemeine Krone ...all dies nur wegen dir !
Ja, mittlerweile habe ich diese Fassung sehr lieb gewonnen ! Was mir pers.gut gefällt an der ersten Fassung , das sie etwas robuster ist , wie jene Opern von Verdi aus der Zeit, die spätere ist ganz schön geglättet, was eben auch dem Zeitgeschmack in Paris geschuldet war !
Die Protagonisten der ersten GAsind gut bis sehr gut , R.Hunter ist schon eine bösartige Lady was auch gut zu ihrer Interpretation passt , etwas ungezügelt , aber Verdi wollte ja so eine Lady ! :wink P.Glossop ist ein ganz hervorragender Macbeth , und der hat sehr viel zu singen, ungemein ausdrucksstark !!! :down :down J.Tomlinson ist ein sehr guter Banquo, ebenso wie K.Collins als Macduff! Die andere GA reicht nicht ganz an die erste heran , wogegen ich sagen will sie ist keineswegs schlecht , I.Tamar ist eine gute Lady zum Teil etwas schrill, was aber auch gut zu der Rolle passt, E.Demerdijev als Macbeth ist allerdings sehr gut , gute Diktion und ebenfalls sehr ausdrucksstark mit schönem Timbre , wie dunkler Samt ! Auch die anderen Partien sind adäquat besetzt . Was das Orchester angeht gefällt mir die BBC GA besser , ist etwas differenzierter , aber was soll man sagen das sind wirklich nur Kleinigkeiten , ich mag beide Aufnahmen .
Die BBC GA ist wohl im Moment etwas teuer, wer Interesse hat ist mit der anderen Aufnahme sehr gut bedient! Allerding wartet die BBC GA mit einem deutschen Text auf , was schon toll ist ! :)
LG palestrina
Quellen, das Textheft von J.Budden
Falstaff (02.03.2017, 00:29):
Ich muss leider gestehen, dass ich mit dieser Aufnahme auch nicht so viel anfangen kann. Was sich übrigens ändert, wenn ich die Aufführungsausschnitte auf YouTube sehe. Die Zampieri war für mein Empfinden jemand für die Bühne. Da entwickelte sie ihre wirklichen Stärken. Leider habe ich sie da nur einmal (konzertant) erlebt - als Salome. Aber ich kann mir vorstellen, dass sie live einen wirklich packte. Als reine Audio-Aufnahme finde ich es zu brav. Sorry. Zudem bin ich kein Freund von Sinopoli (Nabucco ausgenommen).
Da ist mir
schon viel lieber. Vom Gesamterlebnis und auch von der Aufnahmequalität her die für mich beste Aufnahme. Das ist packendes Drama mit allen vokalen Einwänden, die man vielleicht haben kann.
Aber als Callas-Witwer muss ich hier natürlich dringend ;) auf diese Aufnahme verweisen:
Für mich ist die Callas die ultimative Lady. Niemand hat die stimmlichen sowie die interpretatorischen Anforderungen so gemeistert wie sie. Zudem demonstriert sie hier, dass die Lady immer noch im Belcanto fußt. Mascherini ist wohl nicht der ideale Macbeth, aber wer hätte damals schon neben ihr bestehen können? Und mit de Sabata liege ich aufgrund der Tempi immer wieder im Clinch. Aber ihre Leistung überstrahlt für mich halt alles.
:hello Falstaff
Hosenrolle1 (02.03.2017, 00:40): Die Zampieri war für mein Empfinden jemand für die Bühne. Da entwickelte sie ihre wirklichen Stärken. Leider habe ich sie da nur einmal (konzertant) erlebt - als Salome. Aber ich kann mir vorstellen, dass sie live einen wirklich packte. Die Zampieri als Salome? Na arg!
Ich hab sie 2006 als Hexe in "Hänsel und Gretel" erlebt, allerdings war sie in dieser Rolle für mich überhaupt nicht packend, obwohl ich mich auf sie besonders gefreut habe.
Das find schon damit an, dass sie eine Regieanweisung (nämlich, dass die Hexe während dem Duett der Kinder, plötzlich aus dem Fenster schaut, ein netter Überraschungseffekt für die, die die Inszenierung noch nicht kannten) gar nicht eingehalten hat. Auch mit der deutschen Aussprache hatte sie ihre Mühe, generell wirkte sie da irgendwie lustloser als etwa Irmgard Vilsmaier, die ich kurz davor und danach zweimal in dieser Rolle und Inszenierung erlebt habe. Was ich schade fand, weil sie in ihrer Maske als Hexe schon sehr gut aussah.
LG, Hosenrolle1
Falstaff (02.03.2017, 01:04): Die Zampieri als Salome? Na arg! Na, so arg war es nicht. Allerdings auch lange vor 2006. Es war interessant. Allerdings würde ich sie aufgrund dessen nicht zu den besonderen Vertretern dieser Partie zählen. Aber es war auch nur konzertant. Szenisch hätte ich sie gerne einmal erlebt. Das mag ganz anders gewirkt haben.
:hello Falstaff
Hosenrolle1 (02.03.2017, 01:14): Achso, das "konzertant" ist jetzt an mir vorübergegangen. Ich musste mir nur gerade die hässliche Hexe vorstellen, wie sie Schleiertanzt ^^
Früher ist sie oft hier in Zürich in meinem Liebligsmusikgeschäft gewesen, wenn Sie hier gastiert hat. Ihre Stimme gefällt mir gar nicht, im Mcbeth unter Sinopoli war Sie der Grund, dass ich die Aufnahme ziemlich rasch wieder "rausgeworfen" habe. Damals war ich noch ziemlich unbedarft in der Auswahl meiner Erwerbungen ;( !!
LG Stefan
Cavaradossi (02.03.2017, 09:48): Hallo, Falstaff,
meine liebste Macbeth-Aufnahme ist noch immer diese hier:
Leonard Warren (Macbeth), Leonie Rysanek (Lady), Jerome Hines (Banquo), Carlo Bergonzi (Macduff) u.a. Metropolitan Orchestra and Chorus, Dirigent: Erich Leinsdorf (Aufnahme: 1959, Stereo). Es war 1959, als Maria Callas in der MET die Lady singen sollte, sich aber mit dem Generalintendanten Rudolf Bing überwarf, so daß dieser als Ersatz Leonie Rysanek engagierte. Der Erfolg war, wenn man den Berichten glaubt, überwältigend, und so entschloß sich die RCA, eine Gesamtaufnahme mit der MET-Besetzung zu produzieren. Um diese handelt es sich hier. Ich habe die Oper seinerzeit mit dieser Aufnahme kennengelernt, und obwohl ich außerdem Schippers (Decca), Abbado (DGG) und den Callas-Mitschnitt im Regal habe, ist mir diese bis heute immer noch die teuerste. Vor allem gefällt mir der tragisch früh verstorbene Leonard Warren in der Titelpartie am besten. Sein wunderbarer, reicher Bariton bringt die Zwiespältigkeit des Macbeth packend zur Geltung. Das habe ich in dieser Eindringlichkeit von keinem anderen Rollenvertreter gespürt. Warren war ein Singschauspieler ersten Ranges, der leider auf der Höhe seines Ruhms und seines Könnens, am 4. März 1960, während einer Vorstellung von Verdis "Macht des Schicksals" auf offener Bühne der Met einen Herzinfarkt erlitt. Ein unersetzlicher Verlust, trotz Robert Merrill. Aber auch Leonie Rysanek ist alles andere als ein "Ersatz" für Maria Callas. Sicher hätte diese die entmenschte, von Ehrgeiz zerfressene Teufelin noch tigerhafter darstellen können als Frau Rysanek. Sie ersetzt das aber durch eine herrliche singdarstellerische Leistung, in der auch letzte Reste menschlichen Empfindens spürbar bleiben. Sie bleibt, trotz aller Dämonie, in jeder Sekunde das, was ihr Libretto und Rolle zusprechen: Eine Lady. Nach meiner Meinung eine ihrer besten Tonaufnahmen. Über Carlo Bergonzi gibt es kein Wort zu verlieren; auch hier erweist er sich in seinem kurzen Auftritt als geschmackvoller Musiker und glänzender Sänger. Auch Jerome Hines macht seine Sache gut. Und Erich Leinsdorf war ein erfahrener Operndirigent, der das nicht sonderlich brillante Met-Orchester zu einer guten Leistung bringt.
meine liebste Macbeth-Aufnahme ist noch immer diese hier:
LG, Cavaradossi
Hallo Cavaradossi, ich gebe dir zu dieser Aufnahme meine uneingeschränkte Zustimmung, obwohl ich pers. andere bevorzuge, z.B. obige mit Zampieri (natürlich weil ich sie in der Deutschen Oper in Berlin gesehen habe....
David Griffith (Malcolm) Renato Bruson (Macbeth) Mara Zampieri (Lady Macbeth) James Morris (Banquo) Dennis O'Neill (Macduff) das prägt natürlich! ) die andere die ich ebenfalls sehr liebe ist diese ...
mit Gwyneth Jones und Bruson *mein pers . Lieblings Macbeth*!
Cavaradossi zu Rysanek Nach meiner Meinung eine ihrer besten Tonaufnahmen.
Dem möchte ich ganz entschieden widersprechen, die beste Tonaufnahme der Rysanek ist ihre *Kaiserin* in der FroSch! ;)
LG palestrina
Cavaradossi (02.03.2017, 12:58): Dem möchte ich ganz entschieden widersprechen, die beste Tonaufnahme der Rysanek ist ihre *Kaiserin* in der FroSch! Hallo, palestrina,
ich habe ganz bewußt geschrieben: "eine ihrer besten Tonaufnahmen" und keineswegs "ihre beste". Wenn ich auch ihre Interpretation der Kaiserin nicht kenne, so glaube ich Dir unbesehen, daß sie diese schwierige Rolle mit Bravour meistern konnte.
LG, Cavaradossi
palestrina (02.03.2017, 14:16): Dem möchte ich ganz entschieden widersprechen, die beste Tonaufnahme der Rysanek ist ihre *Kaiserin* in der FroSch! Hallo, palestrina, ich habe ganz bewußt geschrieben: "eine ihrer besten Tonaufnahmen" und keineswegs "ihre beste". Wenn ich auch ihre Interpretation der Kaiserin nicht kenne, so glaube ich Dir unbesehen, daß sie diese schwierige Rolle mit Bravour meistern konnte.
LG, Cavaradossi Hallo Cavaradossi, :thumbsup: , das "eine" habe ich glatt überlesen!
Magst du keinen Strauss ?, denn die FroSch ist ne fantastische Oper!!
LG palestrina
Cavaradossi (02.03.2017, 17:44): Magst du keinen Strauss ?, denn die FroSch ist ne fantastische Oper!! Hallo, palestrina,
die Frage ist nicht mit ja oder nein zu beantworten. Von Strauss mag ich sehr die sinfonischen Dichtungen und natürlich die Lieder, aber auch die Opern "Rosenkavalier", "Salome", "Arabella" und "Ariadne". Die FroSch kenne ich kaum, das gebe ich gerne zu. Ich habe mich in den letzten Jahren weniger mit Opern als mit Konzertmusik beschäftigt, und in einem für mich halbwegs erreichbaren Opernhaus wurde sie nie gespielt. Was Opern betrifft, so bin ich mehr auf Verdi, Puccini und Mozart fixiert.
LG Cavaradossi
Falstaff (02.03.2017, 22:42): meine liebste Macbeth-Aufnahme ist noch immer diese hier:
Lieber Cavaradossi, ich gebe dir recht, dass das eine der ganz großen Aufnahmen ist. Warren ist in der Tat superb, ebenso Bergonzi und Leinsdorf. Bei der Rysanek gehe ich nicht so ganz mit. Ich liebe sie wirklich, aber ihre Stärke war einfach nicht das Aufnahmestudio (FroScH ist eine Ausnahme und, lieber Palestrina, vergiss nicht ihre Sieglinde.). Sie hat den Ausdruck (obwohl man eigentlich auch immer ihre schauspielerische Qualität und ihre Bühnenpräsenz dabei haben müsste), aber rein vokal gibt es schon immer wieder Momente, in denen ich zusammenzucke.
danke für Deine Rückmeldung. Ich habe Leonie Rysanek erstmals kennengelernt mit dem Nil-Akt aus "Aida", Partner: Rudolf Schock und Josef Metternich. Ich war auf Anhieb begeistert von ihrem engagierten Singen, aber Du hast recht, es gibt hin und wieder schmerzhafte Töne. Doch alles in allem sie eine exzellente Künstlerin, und Josef Metternich ist ein Amonasro der Extraklasse, der keinen Vergleich mit Warren, Merrill oder Cappuccilli zu scheuen braucht. Einziger Minuspunkt ist für mich Schock, der mit schmerzhaften Höhen aufwartet. Der Dirigent ist Wilhelm Schüchter. Insgesamt ein respektabler Auszug in deutscher Sprache, mit z.B. Peter Anders als Radames wäre es eine Traumaufnahme. Gut gefällt mir die Rysanek auch als Leonora in der Fidelio-Aufnahme unter Ferenc Fricsay (DGG).
LG :hello Cavaradossi
Falstaff (04.03.2017, 01:41): Lieber Cavaradossi, ich hatte das große Glück, die Rysanek in ihrer Spätzeit noch in einigen Partien zu erleben. Kaiserin, Kundry, Ortrud, Herodias, Klytemnästra. Das war, objektiv gehört, schon ganz schön grenzwertig. Und trotzdem sind es einige von meinen grandiosesten Opernerlebnissen. Wenn ich alleine an den 1. Lohengrin-Akt denke, in dem sie ja als Ortrud ja die meiste Zeit nichts zu singen hat. Trotzdem starrte man gebannt auf sie. Und nach dem 'Entweihte Götter' gab es Szenenapplaus. Etwas, was ich bei Wagner nie wieder erlebt habe. Wenn man die in etwas zeitgleich entstandene Lohengrin-Aufnahme aus New York mit ihr hört, ist das schon ziemlich schrill. Aber trotzdem haute es einen damals um, weil sie sich auf der Bühne immer völlig hingab. Ein richtiges 'Knallweib', wie eine Freundin von mir sie mal bezeichnete. Und genau das war es. Es 'knallte', wenn sie auf der Bühne war.
Aber das war eben die Bühne. Im Studio war es immer eine andere Sache. In den frühen Jahren mit intakterer Stimme wohl noch weniger. Deshalb ist der Aida-Querschnitt mit Sicherheit auch wirklich gut.
Als Leonora habe ich sie, glaube ich, nie gehört. Muss ich mal nachholen. Wobei ich mir gar nicht vorstellen mag, wie sie in der Partie auf der Bühne gewirkt hat. ;) Mit Sicherheit war das Publikum danach im Delirium.
LG Falstaff
Cavaradossi (04.03.2017, 17:57): Als Leonora habe ich sie, glaube ich, nie gehört. Muss ich mal nachholen. Lieber Falstaff,
das solltest Du wirklich. Die Fricsay-Aufnahme ist überhaupt hörenswert:
mit Irmgard Seefried (Marzelline), Ernst Haefliger (Florestan), Gottlob Frick (Rocco), Dietrich Fischer-Dieskau (Pizarro), Kieth Engen (Fernando). Der Dialog ist stark, aber sehr geschickt gekürzt, und die Klangqualität (Stereo) ist in Ordnung. Sie wurde 1958 in München mit dem Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper produziert. Fricsay dirigiert zügig, dramatisch und sehr spannend. Als "Zugabe" gibt es noch eine großartige 3. Leonoren-Ouvertüre (mit den Berliner Philharmonikern). Das Glück, Frau Rysanek auf der Bühne zu erleben, hatte ich leider nicht. Hier ist tiefe Provinz, da muss man schon sehr weit fahren, um ein ordentliches Opernhaus zu finden. Und ich denke, dass sie wohl hauptsächlich in Wien ihre großen Auftritte hatte. Den "Aida"-Querschnitt gibt es übrigens auch:
Beide CDs hat der "große Urwaldfluß" für wenig Geld auf Lager.
Schönen Tag noch :hello Cavaradossi
Falstaff (07.03.2017, 20:55): Lieber Cavaradossi, da muss ich wohl mal wieder ein wenig im Urwaldfluss baden. :D
:hello Falstaff
Cavaradossi (08.03.2017, 09:59): Lieber Falstaff,
zum Glück kosten die CDs ja kein Vermögen, sonst hätte ich schon ein schlechtes Gewissen. Auch ich habe schon tausendmal gedacht, jetzt hast du alles was du brauchst, und immer wieder stößt man auf Sachen, die man dann doch unbedingt haben möchte.
Schönen Tag und liebe Grüße Cavaradossi
Falstaff (08.03.2017, 23:55): Lieber Cavaradossi, leider ergeht es mir genau so. Immer nehme ich mir vor, nun nicht mehr... Und dann kommt wieder irgendetwas. Gerade heute kam der Macbeth mit der Rysanek an. Den hatte ich schon mal und dann wieder verkauft. Aber nach den Postings hier dachte ich, das man ihn eigentlich haben muss. Man wird halt nicht schlau im Leben. :D
LG Falstaff
Falstaff (10.03.2017, 00:50):
Lieber Cavaradossi, die erste Hälfte der Aufnahme habe ich nun durch. Die rhythmische Brillanz Leinsdorfs ist schon toll. Vielleicht ein wenig zu brillant und damit auch zu distanziert, aber das nur um einen Hauch. Warren ist klasse, ebenso Bergonzi, obwohl ich nie ein Fan von ihm war. Schwachpunkt ist hier für mich wirklich die Rysanek. Aber auch nur, weil die Stimme für mein Empfinden zu hell für die Partie ist. Ich bevorzuge dunklere, vielleicht auch dreckigere Stimmen. Aus der Brust muss dieser Ehrgeiz, diese Leidenschaft und diese Hemmungslosigkeit kommen. Aber das ist sicherlich 'a matter of taste'. Grundsätzlich ist die Rysanek stupend und ich möchte nicht wissen (Quatsch, natürlich wäre es ein Traum ^^ ), wie sie auf der Bühne gewirkt hat.
LG Falstaff
Cavaradossi (10.03.2017, 10:50): Lieber Falstaff,
vielen Dank für Deinen "Zwischenbericht". Auch ich bevorzuge eigentlich eine dunklere Stimmfarbe für die Lady Macbeth als Leonie Rysanek sie besitzt. Da ist z.B. Shirley Verrett (bei Abbado, DGG) wohl eine optimalere Lösung, obgleich keine an Maria Callas heranreicht, wie im leider so lausig klingenden Macbeth unter de Sabata aus Mailand festzustellen ist oder, noch besser, in den drei Studio-Arien mit Nicola Rescigno (EMI), die für mich den absoluten Gipfel darstellen, was diese Rolle betrifft. In einer uralten Besprechung der Leinsdorf-Aufnahme heißt es zu Leonie Rysanek u.a.: "Ich könnte mir denken, daß Frau Rysanek hier und da, z.B. in den Duetten mit Macbeth, ihrer Stimme einen herrischeren und zugleich ätzenderen Klang hätte verleihen können. Denn hier braucht der Gesang nicht unter allen Umständen nur auf reine Schönheit bedacht zu sein, wenn dies bewußt geschieht und die Situation es verlangt. Nur eine Maria Callas .... hätte vor Jahren vermutlich jene gesangliche 'Quadratur des Kreises' gelöst, nämlich beißend und dabei doch schön zu singen. Von den Duetten abgesehen, faßt Rysanek ihre Rolle jedoch richtig auf, denn sie bleibt dem Operntext treu. Mehr Gift, mehr Teufelin wäre vielleicht interessanter und faszinierender, aber es wäre zugleich auch eine Verfälschung der Verdischen Opernfigur gewesen. Aber .... sie singt mit einer Schönheit des Klanges, die sie selbst im weißglühendsten Forte nicht aufgibt". Für mich persönlich ist übrigens der Sänger der Titelrolle, Leonard Warren, die zentrale Figur dieser Aufnahme. Kurz vor seinem unzeitigen Tod entstanden, hat er sich mit dieser Interpretation ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Etwas überrascht war ich, daß Du Carlo Bergonzi nicht sonderlich schätzt. Für mich ist er der stilreinste, geschmackvollste Tenor der ital. Oper in der 2. Jahrhunderthälfte. Selbst als Radames ziehe ich ihn dem "Brüller" Mario del Monaco bei weitem vor, der ja immer glaubte, Männlichkeit durch Lautstärke demonstrieren zu müssen. Welch ein fataler Irrtum! An del Monaco habe ich immer das reine Stimmaterial bewundert, aber es war grausam, wie er damit umgegangen ist.
LG :hello Cavaradossi
Falstaff (14.03.2017, 01:18): Etwas überrascht war ist, daß Du Carlo Bergonzi nicht sonderlich schätzt. Für mich ist er der stilreinste, geschmackvollste Tenor der ital. Oper in der 2. Jahrhunderthälfte. Lieber Cavaradossi, das ist absolut richtig. Er war mit Sicherheit ein großartiger Tenor und ein fabelhafter Stilist. Ich bin halt nur durch di Stefano 'verdorben', der ihm zweifelsohne in vielen Bereichen nicht das Wasser eichen kann, für mich aber der vitalere und virilere Sänger war und ist. Das ist das, was mir bei Bergonzi immer ein wenig fehlt.
LG Falstaff
Cavaradossi (14.03.2017, 10:10): Ich bin halt nur durch di Stefano 'verdorben', der ihm zweifelsohne in vielen Bereichen nicht das Wasser eichen kann, für mich aber der vitalere und virilere Sänger war und ist. Das ist das, was mir bei Bergonzi immer ein wenig fehlt. Lieber Falstaff,
das kann ich recht gut nachvollziehen. Bergonzi hatte zweifellos mehr Geschmack und Stilgefühl als Giuseppe di Stefano, aber sein Singen war, für einen Italiener etwas ungewöhnlich, immer ein wenig "untertemperiert", um es mal so auszudrücken. Di Stefano war in seinen besten Jahren (vor allem mit Callas im Bunde) ein Tenor, der einen vom Stuhl reißen konnte, während Bergonzi immer auf lupenreinen und stilvollen Gesang bedacht war. Deshalb schätze ich ihn ja so. Aber ich habe auch einige Recitals mit di Stefano im Regal, während Du nach Corelli, del Monaco oder Bonisolli vergeblich suchen wirst. Die habe ich nur in GA wegen anderer Sänger/innen bzw. dem Dirigenten in Kauf genommen.
LG, Cavaradossi
Falstaff (14.03.2017, 22:49): Aber ich habe auch einige Recitals mit di Stefano im Regal, während Du nach Corelli, del Monaco oder Bonisolli vergeblich suchen wirst. Lieber Cavaradossi, del Monaco war wirklich ein vokales 'Tier' und ist auch wirklich nicht mein Fall. Andererseits würde ich manches darum geben, noch einmal einen Sänger mit solch einer Stimmkraft im italienischen Fach live erleben zu können. Nur dürfte es ein wenig differenzierter sein. :D
Corelli dagegen mag ich sehr. Auch er hatte seine vokalen Macken, ist aber im Gegensatz zu del Monaco schon differenzierter. Zudem mag ich einfach sein Timbre. Hätte ich nur die Möglichkeit zwischen diesen beiden zu wählen - immer Corelli.
Bonisolli habe ich damals rauf und runter in Hamburg erlebt. Meine Güte, er war toll - wenn er wollte. Leider wollte er das selten. :D In der Regel lief es auf Show, auf Zirkus hinaus. Ein Sänger, begnadet mit fulminantem Material, der sich aber immer selber im Wege stand.
Es gab übrigens auf YouTube einmal eine frühere Version von 'Je Crois Entendre' mit Bonisolli. Das war schon sehr erstaunlich. Die noch jetzt vorhandene von 1983 zeigt aber immer noch ein unglaubliches Potential auch im lyrischen Bereich.
LG Falstaff
Cavaradossi (15.03.2017, 23:33): del Monaco war wirklich ein vokales 'Tier' und ist auch wirklich nicht mein Fall. Andererseits würde ich manches darum geben, noch einmal einen Sänger mit solch einer Stimmkraft im italienischen Fach live erleben zu können. Nur dürfte es ein wenig differenzierter sein.
Corelli dagegen mag ich sehr. Lieber Falstaff,
Mario del Monaco kenne ich nur von der Schallplatte, aber ich kann mir denken, daß er auf der Bühne schon mächtigen Eindruck machen konnte. Sein Stimmaterial war imposant, aber leider konnte er (fast) nur Forte singen, nur manchmal hatte er ein paar lichte Momente, vielleicht auch, weil der zuständige Dirigent ihn zumindest versucht hat zu disziplinieren. Ich habe mit ihm keine einzige GA mehr, hatte aber etliche auf LP. Es ist aber unstrittig, daß heutzutage nirgends ein solches Kraftpaket in Sicht ist, und das jedes Opernhaus glücklich wäre, eine solche Persönlichkeit auf seiner Bühne zu haben. Bei Corelli haben wir wohl einen gegensätzlichen Geschmack. Ich mag ihn im Grunde so wenig wie del Monaco, auch er kam mir immer vor, als ob er eine Zirkusnummer in der Manege vorführen wollte, um seine zugegeben großartige Stimme vorzuführen. Aber mir lag sein Timbre so ganz und gar nicht, auch er ist in meiner Sammlung nur ganz am Rande vertreten, so z.B. in der 2. Callas-Norma von 1960 (Stereo) mit Christa Ludwig. Und da muß ich sagen, daß er mir auf alle Fälle besser gefällt als Filippeschi in der älteren Mono-Version von 1953. Franco Bonisolli ist wohl ein ähnlicher Stimmtypus gewesen wie de Monaco. Auch er konnte sicher ein Opernpublikum zum Kochen bringen, aber was ich von Tonträger mit ihm kenne, das hat mich nie überzeugt. Gutes Material, aber wenig Differenzierungsvermögen. Meine Tenorlieblinge sind und bleiben Björling, Gedda, di Stefano, Bergonzi, und natürlich Wunderlich (leider blieb ihm wenig Zeit). Oder aber die Tenöre von der Art Dermota, Haefliger, Simoneau, Traxel, die aber weniger in den großen Verdi- und Puccini-Opern glänzten, sondern mehr bei Mozart, Lortzing, Massenet oder Offenbach anzutreffen waren.
LG, Cavaradossi
Falstaff (18.03.2017, 00:27): Franco Bonisolli ist wohl ein ähnlicher Stimmtypus gewesen wie de Monaco. Lieber Cavaradossi, leider gebärdete er sich oftmals so. Aber er hatte schon noch andere Möglichkeiten als del Monaco. Von daher ist er rein stimmlich gar nicht einmal so sehr mit ihm zu vergleichen.
Meine Tenorlieblinge sind und bleiben Björling, Gedda, di Stefano, Bergonzi, und natürlich Wunderlich Bei di Stefano und Wunderlich gehe ich absolut mit. Gedda entdecke ich in der letzten Zeit immer mehr. Bergonzi, wie gesagt, schätze ich als großen Stilisten. Mit Björling dagegen wurde ich nie richtig warm. Ich erkenne seine Künstlerschaft absolut an, doch hat er mich nie angesprochen. Es ist wohl sein Timbre, das mich kaltlässt und mir einen emotionalen Zugang zu ihm verbaut. Aber, wie gesagt, das ändert nichts an meiner Hochachtung für ihn als Künstler. Oder aber die Tenöre von der Art Dermota, Haefliger, Simoneau, Traxel, Simoneau :down :down :down , Dermota :down :down , Haefliger und Traxel :down . :)
LG Falstaff
Cavaradossi (18.03.2017, 15:02): Mit Björling dagegen wurde ich nie richtig warm. Lieber Falstaff,
das ist ein Paradebeispiel dafür, wie Geschmäcker und Eindrücke differieren können. Obwohl wir offenbar bei den meisten großen Tenören (Alfredo Kraus hatte ich gestern übrigens vergessen positiv zu erwähnen) ziemlich auf einer Wellenlänge liegen, scheiden sich, was Björling betrifft, die Geister. Ich weiß, daß Björling auf der Bühne keine sonderlich gute Figur gemacht hat, habe von seinen Alkoholproblemen gehört und es ist mir auch nicht verborgen geblieben, daß sein Repertoire nicht sonderlich groß war. Gemessen am Grad seiner Möglichkeiten war es sogar mickrig klein. Aber das hat ja nichts mit seinem Timbre zu tun, was Dich nach Deinen eigenen Worten kalt läßt. Bei mir war es ganz anders: Als ich im Alter von 15 Jahren begann, mich für Klassik und Oper zu interessieren, kannte ich (wie damals wohl kaum anders möglich) eigentlich nur zwei Tenöre näher: Tauber und Schock. Richard Tauber kannte ich von den alten 78ern meines Vaters, Schock stand damals, Ende der 1950er, auf dem kurzen Höhepunkt seiner Opernkarriere. Was nach 1960 kam, darüber sollte man besser den Mantel der Barmherzigkeit breiten. Eines Abends, ca. 1959, geriet ich im Rundfunk in einen "Troubadour", italienisch gesungen. Da sang ein Tenor so wunderbar, daß ich ganz gefesselt, fast wie gebannt war. Am Schluß der Sendung wurden die Mitwirkenden genannt. Manrico: Jussi Björling. Zugegeben, ich hatte den Namen noch nie gehört, so wenig wie die der anderen. Es war die berühmte RCA-Aufnahme unter Renato Cellini von 1952, mit Milanov, Barbieri und Warren. Von dem Moment an hat mich Björling in seinen Bann gezogen und nie mehr losgelassen. Meine allererste Opern-GA war der besagte "Trovatore", den ich mir echt zusammensparen mußte, denn Platten waren damals sündhaft teuer. Nach und nach legte ich mir dann sämtliche GAs mit Björling zu, und natürlich auch diverse Recitals. Das alles habe ich mir später dann auf CD neu gekauft, und bis heute ist Björling für mich der Tenor der Tenöre geblieben. Die berühmten 5 Duette mit Merrill von 1951, seine "Adelaide" von 1939, die Gralserzählung (schwedisch gesungen) vom August 1960, drei Wochen vor seinem Tod in einem Konzert geboten, das "Cujus animam" aus Rossinis Staber mater, die 1944er Version von "Nessun dorma" (dagegen können die Domingos und Pavarottis alle einpacken), das "Amor ti vieta" aus "Fedora", und schließlich das geradezu überwältigende "Ich hab' kein Geld" (auf schwedisch) aus Millöckers "Bettelstudent", mit dem hohen Des, das alles, und noch viele mehr, sind für mich Aufnahmen, die mich regelrecht zu den Sternen tragen. Sein Landsmann Gedda hat sicher stilreiner und geschmackvoller gesungen, hatte auch - im Vergleich mit Björling - ein fast unüberschaubares Repertoire, aber so sehr ich ihn mag und schätze, die strahlende Stimme und die schiere Mühelosigkeit Björlings laufen ihm hier den Rang ab. Aber, wie gesagt, letztendlich ist es eine Geschmacksache, und doch bin ich etwas überrascht und erstaunt, daß wir bei den anderen genannten Tenören so sehr harmonieren, aber ausgerechnet nicht bei meinem absoluten "Supertenor". :I
LG und schönen Sonntag :hello Cavaradossi
Keith M. C. (18.03.2017, 17:31): Am Rande:
Lieber Cavaradossi,
Du schreibst:
"Ich weiß, daß Björling auf der Bühne keine sonderlich gute Figur gemacht hat, habe von seinen Alkoholproblemen gehört und es ist mir auch nicht verborgen geblieben, daß sein Repertoire nicht sonderlich groß war. Gemessen am Grad seiner Möglichkeiten war es sogar mickrig klein."
Das Repertoire J. Björlings reicht zwar nicht an das von N. Gedda heran - M. Brug gibt für Gedda "weit mehr als 70 Studiopartien" an (Brug, M., Brugs Klassiker in: 'Die Welt') und ggf. hat er weitere Partien (lediglich live) gesungen - aber bzgl. Björling würde ich nicht von einem mickrig kleinen Repertoire sprechen, z. B. gibt Wikipedia 55 Partien an.
Und gegenüber Andreas Dippel für den gem. Wikipedia 162 Tenorrollen angegeben werden, sieht sogar N. Geddas Repertoire blass aus.
Bis dann.
Cavaradossi (18.03.2017, 19:06): z. B. gibt Wikipedia 55 Partien an Hallo Keith M.C.,
es mag ja sein, daß Björling insgesamt 55 Partien auf der Bühne gesungen hat, aber in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg, als er auf dem Gipfel seiner Karriere stand, beschränkte sich sein Wirken auf nicht viel mehr als ein Dutzend Rollen. Es waren vor allem die Opern von Puccini und Verdi (bei letzterem auch nur die poulärsten; Otello z.B. zählt nicht dazu, obwohl er für die Rolle prädestiniert war), und ich weiß nicht, ob er jemals in "Die Macht des Schicksals" oder "Die sizilianische Vesper" aufgetreten ist. Dann zählten noch der Turiddu (Cavalleria) und der Canio (Pagliacci) sowie der Faust in Gounods Oper dazu; das war's dann schon im wesentlichen. Er wäre auch hervorragend geeignet gewesen für etliche Wagner-Partien, z.B. Lohengrin, Tannhäuser, Walther von der Vogelweide, sogar Tristan. Aber er war ja nicht unbedingt ein disziplinierter Arbeiter wie z.B. Gedda, und die deutsche Sprache lag ihm auch nicht sonderlich. Sein Ruhm begründet sich jedenfalls nur auf wenige Partien, und natürlich auf sein recht breites Arien-Repertoire. Besonders hervorzuheben ist noch die Tenor-Partie im Verdi-Requiem, die er unter Fritz Reiner mustergültig gesungen hat.
LG, Cavaradossi
Keith M. C. (18.03.2017, 19:14): Am Rande:
Lieber Cavaradossi,
ist richtig, aber Du sprachst vom Repertoire und hast keine Einschränkung bzgl. Prioritäten zu gewissen Karriereabschnitten gemacht, also z. B. die Fokussierung auf rund ein Dutzend Rollen nach ca. 1945.
Bis dann.
Nachtrag: Bzgl. Repertoire und Auftritte habe ich dieses gefunden: https://translate.googleusercontent.com/translate_c?depth=1&hl=de&prev=search&rurl=translate.google.de&sl=sv&sp=nmt4&u=http://www.jussibjorlingsallskapet.com/uploads/file/Inspelningar_och_framtradanden/Jussi_Bj_orlings_scenrepertoar.pdf&usg=ALkJrhgoFmuAyQkMJmLi75WJ9SzHcC_Y5w
Als Jussi-Björling-Fan - so wie ich - interessiert es Dich sicher.
Cavaradossi (18.03.2017, 22:57): Danke, Keith M.C., für diese interessante Liste. Sie nennt ihn in einigen Rollen, für die er eigentlich wie geschaffen war, so z.B. den Don Ottavio in Mozarts "Don Giovanni" oder den Belmonte in der "Entführung". Aber als Mozart-Tenor ist er für die meisten Musikfreunde, selbst seine Fans, ein unbeschriebenes Blatt. Er hatte wohl an dieser Musik auch nicht ein besonderes Interesse. Seine Version von "Il mio tesoro" (mit Klavierbegleitung, aus der Carnegie Hall) ist ordentlich gesungen, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Und die meisten anderen Rollen, die er im Lauf seines Lebens mal gesungen hat, viele nur zu Hause in Stockholm, waren auch überwiegend "Randerscheinungen". Es mag auch mit dem 2. Weltkrieg zu tun gehabt haben, da gab es für ihn ja nicht allzu viele Auftrittsmöglichkeiten. Wenn ich recht informiert bin, hat er die Kriegsjahre in Schweden verbracht. Da war er mehr oder weniger isoliert. Erst nach Kriegsende kehrte er zu seinem Stammhaus, der New Yorker Met, zurück.
Falstaff (20.03.2017, 00:16): Aber, wie gesagt, letztendlich ist es eine Geschmacksache, und doch bin ich etwas überrascht und erstaunt, daß wir bei den anderen genannten Tenören so sehr harmonieren, aber ausgerechnet nicht bei meinem absoluten "Supertenor". Lieber Cavaradossi, wäre Björling sozusagen meine Erstbegegnung gewesen, würde das vielleicht sogar anders aussehen. Aber ich bin ja nun einmal durch Callas 'sozialisiert' worden und da gab es halt di Stefano quasi im Doppelpackung gleich mit. Und ihm, seinem Timbre und seiner Leidenschaftlichkeit bin ich eben verfallen. Vielleicht ist es v.a. auch die Emotionalität seines Singens, die mich immer wieder packt. (Mit Sicherheit nicht seine stilvolle Technik. :D ). Das ist mit Sicherheit auch ein Grund, warum ich immer Wunderlich gegenüber Gedda vorziehen würde, obwohl ich diesen sehr faszinierend finde.
Aber es ist halt ganz stark eine Frage, womit bzw. mit wem man aufgewachsen ist.
LG Falstaff
Cavaradossi (20.03.2017, 12:03): Das ist mit Sicherheit auch ein Grund, warum ich immer Wunderlich gegenüber Gedda vorziehen würde, obwohl ich diesen sehr faszinierend finde. Lieber Falstaff,
bei all meiner Verehrung für Nicolai Gedda: Ich bin sogar so verwegen zu glauben, daß Fritz Wunderlich seinem Kollegen Gedda den Rang abgelaufen hätte, wenn ihm nur ein längeres Leben und damit eine längere Karriere vergönnt gewesen wäre. Denn Wunderlich hatte auf jeden Fall eine strahlendere Stimme. Doch das alles muß leider Spekulation bleiben .... Und Du hast völlig recht, es kommt sehr darauf an, mit wem man aufgewachsen ist. Das geht mir z.B. bei vielen sinfonischen Aufnahmen so. Ich bin z.B. mit Fricsays Neunter von Beethoven mit diesem Werk erstmals in Berührung gekommen, und bis heute steht seine Aufnahme von 1958 für mich auf Platz 1.
Gruß :hello Cavaradossi
Keith M. C. (20.03.2017, 13:21): Am Rande:
Lieber Falstaff, Lieber Cavaradossi,
sicherlich macht es viel aus, mit wem oder was man "aufgewachsen" ist und es ist dementsprechend auch nachvollziehbar, welch' Gefallen man beibehält. Aber das Eine ist das Gefallen, das Andere eine versuchte, eine annähernde Objektivität (oder Intersubjektivität, falls man sich am Begriff stört).
Und trotz M. Callas unter de Sabata hat für mich der genannte "Macbeth" mit Rysanek u. a. unter E. Leinsdorf Referenzcharakter. Die Tonqualität, das Ensemble sind hervorragend.
Bis dann.
Cavaradossi (20.03.2017, 16:34): Und trotz M. Callas unter de Sabata hat für mich der genannte "Macbeth" mit Rysanek u. a. unter E. Leinsdorf Referenzcharakter. Hallo, Keith M. C.
Auch für mich ist der Leinsdorf-Macbeth noch immer erste Wahl. Das liegt vor allem an der unterirdischen Tonqualität der Callas-Aufnahme. Ich bin weiß Gott kein Klangfetischist, aber was da aus den Lautsprechern kommt, das ist schon mehr als gewöhnungsbedürftig. Zum zweiten liegt es aber auch an der glanzvollen Darstellung der Titelfigur durch Leonard Warren, der sich kurz vor seinem tragischen Tod damit ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat. Wenn (so denke ich zumindest) Maria Callas in dieser Aufnahme seine Partnerin hätte sein dürfen, so wäre das eine Jahrhundert-Aufnahme geworden. Damit will ich die Leistung von Leonie Rysanek nicht herabsetzen, aber Callas als Lady Macbeth wäre 1959 noch die Traumbesetzung gewesen. Es hat nicht sollen sein .... Schon 1-2 Jahre später hätte auch Maria Callas nur noch schauspielerisch an ihre großen Aufnahmen der 1950er Jahre anknüpfen können, während stimmlich schon ganz erhebliche Abstriche hätten gemacht werden müssen. Das kann man sehr gut an den Aufnahmen von "Carmen" und "Tosca" (beide EMI, unter Prêtre) festmachen. Bei letzterer ist sie nur noch ein Schatten gegenüber ihrer GA von 1953 unter Victor de Sabata.
Keith M. C. (20.03.2017, 19:20): Lieber Cavaradossi,
nach sehr langer Zeit habe ich kürzlich mal wieder "Macbeth" unter de Sabata gehört und mich auf herausragend schlechten Klang eingestellt. Ich hatte Schlimmeres erwartet; größtenteils waren die Stimmen besser zu hören als von mir befürchtet. Die größten Beeinträchtigungen waren beim Orchesterklang und den Chören.
Bis dann.
Cavaradossi (20.03.2017, 20:18): Hallo Keith M. C.
Wie gesagt, der MACBETH mit Maria Callas von 1952 steht auch bei mir im Regal, in dieser Ausgabe:
Es mag sein, daß bessere Editionen auf dem Markt sind, die Live-Aufnahme wurde ja von diversen Labels veröffentlicht. Aber auch bei mir kommen die Stimmen recht gut raus, aber Chor und Orchester klingen, schlicht gesagt, schrecklich. Ein einziger Klangbrei. Alte Aufnahmen schrecken mich eigentlich nicht, so höre ich z.B. das Klavierkonzert von Schumann meist mit Dinu Lipatti und dem Philharmonia Orchestra, Dir.: Herbert von Karajan. Das ist eine Produktion von 1948, und der Klang ist alles andere als berauschend, aber immerhin kann man die Geigen von den Flöten unterscheiden, und Lipattis überirdisches Spiel entschädigt sowieso für alles. Was mich bei dem Callas-Macbeth auch stört, das ist Enzo Mascherini in der Titelrolle. Er hält keinen Vergleich mit Warren aus, und auch Cappuccilli (in der Abbado-Aufnahme, DGG) ist um Klassen besser. Maria Callas hingegen singt und spielt herausragend, aber, ehrlich gesagt, mir fällt es schwer, die gut 2 Stunden bei dieser miserablen Klangqualität durchzuhalten. Da nützt es auch wenig, wenn ich mir vergegenwärtige, daß es sich um einen Mitschnitt aus dem Jahr 1952 handelt.
Gruß, Cavaradossi
Keith M. C. (20.03.2017, 20:37): Lieber Cavaradossi,
ich habe die dunkelblaue EMI-Maria-Callas-Edition und vermute, dass der Klang nicht wesentlich anders ist. Ein Muss für Callas-Fans bzgl. ihrer Rollengestaltung, ansonsten ist die Aufnahme entbehrlich.
Wer gerne "schöne bzw. große Stimmen" hört und/oder bewerten/vergleichen möchte, kommt an historischen Aufnahmen nicht vorbei.
Und bzgl. Schumann und Lipatti/Karajan: Auch hier 'treffen' wir uns. Bevorzugt höre ich diese Aufnahme oder Richter/Rowicki.
Bis dann.
Falstaff (20.03.2017, 22:46): Lieber Keith M.C., lieber Cavaradosi, ich habe nun die Leinsdorf-Aufnahme nach langer Zeit einmal wieder ganz gehört und ich muss sagen, sie bestätigt meinen Eindruck von damals. Insgesamt eine gute Aufnahme, aber.... Die Rysanek, ich hatte es ja schon geschrieben, ist mir zu hell und sie war v.a. ein Bühnentier. Warren ist exzellent und der eingelegte Spitzenton am Ende grandios. Aber mich stören schon a bisserl seine ständigen Vokalverfärbungen. Am meisten ist es aber Leinsdorf, der mir wirklich nicht gefällt. Das ist mir zu exakt, zu hart, viel zu wenig Italianita. Da würde ich doch immer lieber zu Abbado greifen.
Was die Callas-Aufnahme angeht, hat mich die Tonqualität nie gestört. Aber auch sehe, dass ihre Partner weder an ihren hohen Standard noch an den anderer Sänger in anderen GA's herankommen. Aber ich liebe das Dirigat von de Sabata, auch wenn ich es (Nachtwandelszene) nicht immer verstehe.
Lieber Keith M.C., natürlich hast du recht, was das 'Gefallen' und die 'Objektivität' angeht. Aber Erstbegegnungen schicken uns manchmal auf eine emotionale Spur, von der man sich später schwerlich loslösen kann. Auch wenn man dann z.B. die technischen Probleme einer Stimme erkennt. So ergeht es mir mit di Stefano. Schon in den Callas-Aufnahmen finde ich ihn (meistens) problematisch. Sein offenes Singen, der Unterschied zu ihrem Singen in der Maske, seine gepresste Höhe usw. Wir kennen alle seine Schwächen. Objektiv betrachtet ist er schlichtweg ein Sänger, der mit großartigem Material gestartet ist, dass er sich sehr, sehr schnell ruiniert hat. Aber ich liebe einfach sein unendlich schönes Timbre, seine Piano-Kultur, seine Eloquenz, seinen Charme und auch seine Diktion.
Ich denke aber auch, dass man einem Künstler verfallen sein und trotzdem seine/ihre Unzulänglichkeiten hören und akzeptieren kann. Man muss halt nur dazu bereit sein. :)
LG Falstaff
Keith M. C. (21.03.2017, 00:35): ...
Ich denke aber auch, dass man einem Künstler verfallen sein und trotzdem seine/ihre Unzulänglichkeiten hören sowie akzeptieren kann. Man muss halt nur dazu bereit sein. :)
LG Falstaff Lieber Falstaff,
selbstverständlich. Solange man sich dessen bewusst ist und man Fehler, Unzulänglichkeiten sowie qualitative Unterschiede seiner jeweiligen Favoriten nicht tabuisiert oder gar zum Maßstab erhebt, geht das m. E. vollkommen in Ordnung.
Bis dann.
Cavaradossi (21.03.2017, 11:15): Am meisten ist es aber Leinsdorf, der mir wirklich nicht gefällt. Das ist mir zu exakt, zu hart, viel zu wenig Italianita. Lieber Falstaff,
ich muß ehrlich sagen, daß mir Leinsdorf als Operndirigent immer eine gute Figur gemacht hat. Er verstand es, auf die Sänger einzugehen und mit ihnen zu atmen. Aber in einem alten Schallplattenführer wird Dein Eindruck bestätigt. Es heißt da zu der Macbeth-Aufnahme u.a.: "Der Dirigent Erich Leinsdorf verrät viel Gefühl für dramatische Spannungen und für Orchesterkolorit. Aber der Dirigent der Callas-Anthologie, Nicola Rescigno, beweist in den wenigen Takten, die er für diese Sängerin zu dirigieren hat, daß hier noch beträchtliche Steigerungen möglich wären." Nun ist Rescigno ja als Plattendirigent wenig in Erscheinung getreten, während Leinsdorf eine ganze Serie von Aufnahmen, vornehmlich für RCA, gemacht hat. Doch im Falle der Callas-Aufnahme von "wenigen Takten" zu sprechen, scheint mir nun auch leicht untertrieben. Immerhin dirigiert er drei der wichtigsten Szenen der Lady, und vor allem läßt er die lange Introduktion zu der Nachwandelszene nicht weg. Nun ist der Markt ja, was den Macbeth betrifft, nicht gerade von Aufnahmen überschwemmt. Ich persönlich besitze vier: den de Sabata-Mitschnitt von 1952 (der eigentlich nur wegen Callas interessant ist, während man de Sabatas Leistung wegen der miesen Klangtechnik nur bedingt beurteilen kann), dann Leinsdorf (1959), Schippers (1964) und Abbado (1976). Und da bleibt für mich nach wie vor Leinsdorf erste Wahl, vor allem wegen Warren. Die von Dir monierten Vokalverfärbungen sind mir eigentlich gar nicht so sehr aufgefallen, wohl wegen der ansonsten überragenden Interpretation. Bei Abbado hingegen gefällt mir Shirley Verrett am besten, während Birgit Nilsson (bei Schippers) für mich eine totale Fehlbesetzung ist. Sie wäre besser bei ihren Brünnhilden und Isolden geblieben. Interessant wären wohl ansonsten noch Gardelli (Decca, 1970) wegen Fi-Di in der Titelrolle. Aber dazu schreibt Karl Löbl: "Fi-Di betreibt so viel Psychoanalyse, daß er Verdi zu vergessen scheint", und schließlich Muti (EMI, 1976), dessen Aufnahme wohl durch Fiorenza Cossotto Aufmerksamkeit verdient. Da ich beide Aufnahmen nicht kenne, kann ich persönlich dazu nichts sagen. Es hat mich auch nie gereizt, neben meinen vorhandenen noch weitere zu kaufen. Man kann einfach nicht alles haben .....
LG :hello Cavaradossi
Cavaradossi (21.03.2017, 17:48): Und bzgl. Schumann und Lipatti/Karajan: Auch hier 'treffen' wir uns. Bevorzugt höre ich diese Aufnahme oder Richter/Rowicki. Hallo Keith M. C.
Die Richter/Rowicki-Aufnahme habe ich auch. Sie ist pianistisch fantastisch gespielt, aber hier vermisse ich ein wenig "die blaue Blume der Romantik", die ich wiederum in den Aufnahmen von Anda/Kubelik (DGG) und Solomon/Menges (EMI) vorfinde. Auch die berühmte Version Fleisher/Szell (CBS) ist glänzend und von umwerfender Virtuosität, doch so richtig warm bin ich nicht mit ihr geworden. Wiederum sehr sagt mir Serkin/Ormandy zu. Doch das gehört ja eigentlich nicht in den MACBETH-Thread .....
Gruß, Cavaradossi
Falstaff (21.03.2017, 23:21): Nun ist der Markt ja, was den Macbeth betrifft, nicht gerade von Aufnahmen überschwemmt. Ich persönlich besitze vier: Lieber Cavaradossi, bis vor kurzer Zeit kam ich auch nur auf vier. Nun ist ja Leinsdorf dazugekommen. De Sabata natürlich, Abbado natürlich und dann zwei, vielleicht eher als Kuriositäten zu betrachtende: Silja, Tipton, Engen, Nikolov unter Dohnanyi und Mödl, Metternich, Herrmann, Hülgert unter Keilberth. Beide habe ich aber lange nicht mehr gehört. Werde sie mir wohl die Tage wieder einmal vornehmen.
LG Falstaff
palestrina (22.03.2017, 12:39): Also, an Macbeth Aufnahmen herrscht bei mir kein Mangel .....
Das ist so eine von den Live Aufnahmen die alles hat was das Ohr begehrt, Dramatik gepaart mit einer Protagonisten Riege die singt als wenn es kein Morgen gibt. Was Muti hier aus dem Orchester zaubert ist grandios, wie auch auf seiner Studio Aufnahme, die mir pers. auch etwas besser gefällt als Abbado, vom Orchester und auch wegen Milnes als Macbeth, der ist etwas zupackender als Cappuccillis mehr oder weniger Einheitsbrei! :ignore Hier singt wieder mMn, der beste Macbeth in Person von Renato Bruson, und wer hätte es gedacht, die Scotto ist eine prachtvolle bösartige Lady.
LG palestrina
palestrina (22.03.2017, 13:16): Nach dem gestrigen Macbeth Tag, habe ich in meiner Literatur gewühlt und diesen sehr interessanten Artikel von Ulrich Bräker gefunden „ Etwas über Shakespeares Schauspiele " .....
Macbeth, ein Trauerspiel
Jawohl, ein Trauerspiel, ein greuliches, daß einem alle Haare gen Berg stehen. Macbeth, du Mördergrube, du Schandfleck des menschlichen Geschlechts, eingefleischtes Ehepaar vom Teufel und seiner Großmutter, du Ausdünstung aus der Hölle! Ist es eine wahre Geschichte? Wie konntest du, großer William, das all ohne Schauder hersetzen, all das gräßliche Zeug, was die Hölle nur Ungeheures hat, auf dem Erdboden zusammenbringen, und die Muttererde so scheußlich beflecken und ihre Söhne schänden! Sollte man nicht diese ungeheuren Schandflecken aus den Chroniken und Jahrbüchern auskratzen? Doch nein, es kann der Welt zur Warnung dienen, den Menschen Entsetzen und Abscheu einjagen vor dem Laster.
Hier noch ein Live Mitschnitt aus der Scala, einen Monat vor der Studioaufnahme ...
S.Verret, P.Cappuccilli,N.Ghiaurov, F.Tagliavini Orch.e Coro del Teatro alla Scala di Milano Cond. Claudio Abbado
Kann jetzt nichts zu der Tonquallität des geposteten Covers sagen , Opera d'oro ? Meine Ausgabe ist von Myto und da ist die Tonquallität hervorragend !
Hier liest man den Brief der Lady vor, mit sonorer Stimme , wie die eines Geistes , oder sollte man besser sagen es ist die Stimme von Macbeth , wie sie es sich vorstellt in ihren wirren Gedanken ! Shirley Verrett war ja schon eine exzellente Lady und das Mailänder Publikum dankte ihr mit stürmischem Applaus! Mein liebster MacDuff Franco Tagliavini, das ist der Unterschied zur Studio GA, den Tagliavini hatte keinen Plattenvertrag, und so musste wohl, auch aus Marktstrategischen Gründen Domingo her! Am Anfang dieser Aufnahme ist Cappuccilli sehr lau, steigert sich dann doch im verlaufe der Vorstellung und der Schluss ist ihm dann doch ganz gut gelungen ;) . Ghiaurov wie immer eine Bank als Banquo! :!: Auch in dieser Live GA, sowie in der Studio fügt Abbado den Tod von Macbeth ein, aus der Uraufführungsversion!
LG palestrina
Amonasro (22.03.2017, 16:32): Was Muti hier aus dem Orchester zaubert ist grandios, wie auch auf seiner Studio Aufnahme, die mir pers. auch etwas besser gefällt als Abbado, vom Orchester und auch wegen Milnes als Macbeth, der ist etwas zupackender als Cappuccillis mehr oder weniger Einheitsbrei! Ich kenne bisher nur die beiden Studioaufnahmen von Muti und Abbado und kann dir hier zustimmen: Auch mir gefällt die Muti-Aufnahme besser. Wie ich finde eine von Milnes besten Aufnahmen und auch Carreras gefällt mir als Macduff besser als Domingo. Die Abbado-Aufnahme höre ich trotzdem gerne, vor allem wegen Shirley Verrett. Die Oper selbst interessiert mich allerdings nicht so sehr wie viele andere Verdi-Opern.
Gruß Amonasro :hello
palestrina (22.03.2017, 18:01):
Schade um den schnöden Mammon, diese Live Aufnahme kann man sich sparen, ich habe sie auch nicht in dieser Orfeo Ausgabe, sondern noch in der älteren von Foyer, aber das ist mMn.eine Zumutung in Sachen Dirigat, behäbig und aneinander greihte Stücke, kein fließen der Musik und schon gar keine Spannung entsteht hier, die armen Sänger! Die Ludwig als Lady ist auch nicht der große Brüller, kann aber auch an Böhms Interpretation liegen, obwohl Milnes damit ganz gut zurecht kommt, erstaunt hat mich damals Ridderbusch als Banquo, macht er sehr gut!
LG palestrina
Falstaff (24.03.2017, 00:02):
Ich habe mir heute nach vielen Jahren diese Aufnahme wieder einmal angetan. Dohnanyi ist gar nicht schlecht. Er bringt Drama und Leidenschaft hinein. Manchmal etwas grob, aber immerhin. Tipton hat eine glanzlose Stimme, aber viel Ausdruck. Über Nikolov schweigt man lieber. Engen ist eindrucksvoll. Bleibt die Silja. Ich liebe sie ja sehr und sie war, ähnlich der Rysanek, immer eher eine Sängerin für die Bühne als für's Studio. Immerhin kann man feststellen, dass sie (fast) alle Töne hat. Und dass sie durchaus ausdrucksvoll ist. Geschenkt, dass sie in 'La luce langue' einen heftigen Aussetzer hat. Das kann in der Live-Situation halt passieren. Aber die verzierten Passagen bereiten ihr solche Schwierigkeiten, dass sie alle Verzierungen entweder weglässt oder dermaßen ausdünnt, dass sie keinen Sinn mehr machen. Und die Töne, die sie zwar hat, werden in einer Weise dargeboten, mit solch einem Vibrato, dass es leider oftmals einen Feuermeldercharakter erhält. Das ist dann nicht mehr schön, um es einmal freundlich zusagen. Sie hätte die Partie eindeutig nicht singen sollen. Andererseits ist das Publikum durchaus begeistert. Aber 1967 lag ja wohl nur die Leinsdorf-Aufnahme vor, so dass das Stück (noch) relativ) unbekannt war. Man meinte wohl, dass es so klingen müsse.
:hello Falstaff
Johann Sebastian Bach (28.07.2022, 16:44): Welche der vielen Callas-Ausgaben ist nun tontechnisch die beste? Vielleicht auch von den vielen Boxen, die es inzwischen gibt.
Joe Dvorak (29.07.2022, 03:10): Die 2017 von Warner herausgebrachte 42-CD-Box heimst diesbezueglich ordentliche Kritiken ein, scheint aber nach wie vor nichts fuer High End Gourmets zu sein:
Mit diesen neuen Remasterings hat sich die Qualität verbessert. Zu den Highlights zählen "Aida", "Macbeth", "Tosca" und vor allem "Lucia di Lammermoor". Wo bei in einigen der älteren Versionen Störgerausche zu hören sind, wurde hier viel davon wegpoliert. Wenn die Stimmen in den Aufnahmen einst gedämpft waren, haben Callas und der Rest der Künstler jetzt einen saubereren Klang (...) (OPERAWIRE)
Das Remastered Ausgabe von Warner bringt einige spürbare Verbesserungen gegenüber dem ursprünglichen EMI-Set: es gibt weniger Vorecho und Verzerrungen und weniger Aussetzer, aber es ist immer noch distanziert und deprimierend aus klanglicher Sicht. (MusicWeb International)
Johann Sebastian Bach (29.07.2022, 08:03): Vielen Dank. Ich hatte nämlich neulich "Nabucco" erstanden und das war so schlimm, dass ich mich kaum noch traue ...
Also die ... https://www.amazon.de/Macbeth-Mailand-Live-07-1952/dp/B071K9FS29/ref=sr_1_3?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=G59YMP9VD815&keywords=callas+macbeth+warner&qid=1659074687&sprefix=callas+macbeth+warner%2Caps%2C84&sr=8-3
statt die ... https://www.amazon.de/Verdi-Macbeth-complete-Mascherini-Orchestra/dp/B00G2HSJKS/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=G59YMP9VD815&keywords=callas+macbeth+warner&qid=1659074761&sprefix=callas+macbeth+warner%2Caps%2C84&sr=8-2
Joe Dvorak (29.07.2022, 09:08): Hallo JSB,
ich habe ein paar Proben der beiden gerade bei meinem Stroemer verglichen. Die Neuauflage ist schon besser, etwas sauberer und voller, aber so riesig ist der Unterschied nicht. Ich finde schon das Original gut hoerbar. Der Nabucco liegt da klanglich deutlich drunter - das ist wirklich nur etwas fuer hartgesottene Fans.
palestrina (29.07.2022, 10:21): Hallo JSB, diese Ausgabe von Warner ist doch anhörenswert und ganz OK, wie auch schon der erwähnte Macbeth, wenn man bedenkt, dass diese Live Aufnahme vom 20. 12. 1949 ist .....
....sollte man doch froh sein was Warner hier geleistet hat, für mich als Callas Fan, der sie noch Live gehört hat mit di Stefano am 6.11. 1973 in München und am 12. 11. In Mannheim, bin dafür dankbar!
LG palestrina
Philidor (29.07.2022, 16:17): Vielen Dank. Ich hatte nämlich neulich "Nabucco" erstanden und das war so schlimm, dass ich mich kaum noch traue ...
Hallo JSB, diese Ausgabe von Warner ist doch anhörenswert und ganz OK, wie auch schon der erwähnte Macbeth, wenn man bedenkt, dass diese Live Aufnahme vom 20. 12. 1949 ist ..... Vielen Dank, lieber Palestrina! Ich habe zwei verschiedene Ausgaben dieser Aufführung im Regal, beide derart unterirdisch im Klang, dass ich sie bisher noch nicht durchgehört habe ... und ich meine, ich wäre da nicht sehr empfindlich ... Wagner von der Met mit Melchior ist für mich völlig ok ...
... dann werde ich der vor Dir empfohlenen Version mal näher treten, vielen Dank!