Karsten (09.05.2006, 20:05): Gibt es in diesem Forum Fans von GG? Wenn ja, was macht für Euch das Besondere seiner Interpretationen aus?
Jack Bristow (09.05.2006, 21:42): Original von Karsten Gibt es in diesem Forum Fans von GG? Wenn ja, was macht für Euch das Besondere seiner Interpretationen aus?
Der zweite Vorname war mir tatsächlich neu :wink Ob Fan weiß ich nicht; aber ich habe eine Menge CDs von ihm. Die meisten Klavierwerke Bachs habe ich mit Gould kennengelernt (Ausnahme: WTK mit Gulda und Richter, in diesem Werk sagt mir Gould bisher auch nicht so zu wie etwas in den Partiten oder Engl. Suiten). Ich schätze auch einige seiner Beethoveninterpretationen sehr, besonders etwa die ersten beiden Klavierkonzerte (#1 ist ziemlich sicher meine Lieblingseinspielung des Stücks) und die CD mit den Es-Dur, F-Dur und c-moll-Variationen. Das Besondere ist die außerordentliche Klarheit und Transparenz in Linienführung und Rhythmus. Gewiß mag das manchmal zu einem etwas zu einheitlichen Klangbild führen, aber manche Musik gewinnt dadurch sehr oder erscheint jedenfalls in einem sehr interessanten Licht.
Ein Beispiel dafür, dass Gould durchaus "romantisch" spielen konnte, bietet die Auswahl der späten Klavierstücke von Brahms.
viele Grüße
J. Bristow
fohlenfanatiker (09.05.2006, 23:04): Ein schönes Thema, vor einiger Zeit stieß ich eher zufällig auf eine Gould-CD, es war die die auch das italienische Konzert enthält. Ich hatte bis dahin noch nichts von ihm bewusst gehört. Irgendwie war ich vom ersten Moment an, wie soll ich sagen, stutzig? Überrascht? Irritiert? Verblüfft? So hatte ich noch nie jemanden spielen hören. Ich weiß bis heute nicht so recht, was es ist, was mich bei ihm so fasziniert. Jedenfalls verspüre ich die Neigung, mitzuschwingen, mich nach der Musik zu bewegen, er trifft mich irgendwie. Wie schrieb hier mal jemand? Er trifft meine Synapsen. Dies bezieht sich aber hauptsächlich auf Bach. Bei Beethoven erreicht er mich nicht, auch die Moderne mag ich nicht besonders. Aber wie Bristow oben schrieb, sein Brahms überzeugt mich auch. Ich beschaffte mir die Biografie von M. Stegemann, die ich interessiert las. Und was ich interessant finde: Ich glaube er polarisiert irgendwie. Entweder man mag ihn nicht, oder man ist begeistert. Ich gehöre zu den Letztgenannten. Ich glaube er hätte alles spielen können, hat es aber kaum getan. Besonders bemerkenswert finde ich seine Mozartinterpretation auf der „Salzburger Recital“. Obwohl er Mozart eigentlich nicht mochte, spielte er hier wie es heißt „als Verneigung vor Salzburg“ einen sehr feinfühligen, liebevollen Mozart. Mir kommt es immer vor, als spiele er wie von einem anderen Planeten. Irgendwie außer Konkurrenz. Aber das ist wie gesagt meine eigene, ganz persönliche Meinung, die sicher nicht von allen geteilt wird. Besonders mag ich alles von Bach. Die Goldbergvariationen sind für mich auf der Salzburger Recital am besten getroffen, aber auch die beiden anderen Einspielungen von 1955 und 1981 mag ich sehr. Die Partitas find ich phänomenal, auch alle englischen und französischen Suiten, das WTK, die Inventionen und Sinfonien, sowie die Klavierkonzerte. Also, lieber Karsten, hier ist auf jeden Fall ein Fan von G. Gould, wenngleich ich wie oben beschrieben nicht alles von ihm mag. :beer
Rachmaninov (13.05.2006, 13:04): Original von Karsten Gibt es in diesem Forum Fans von GG? Wenn ja, was macht für Euch das Besondere seiner Interpretationen aus?
GG Bach ist für mich einfach etwas besonderes! Das kann ich auch letztendlich nicht gänzlich erklären. Vielelicht trifft er mit seinem Spiel irgendwas inmitten meiner Seele, oder etwas in dieser Art. Das hat etwas Spirituelles. :down
Ein ganz großer Musiker und irgendwie auch eine "Type"!
fohlenfanatiker (13.05.2006, 21:46): Vielelicht trifft er mit seinem Spiel irgendwas inmitten meiner Seele, oder etwas in dieser Art. Das hat etwas Spirituelles. bowdown
Genau so gehts mir auch. :beer Es lässt sich nicht rational erklären. Er mobilisiert mich dahingehend, dass ich mich nach der Musik bewege,mit dem Kopf oder ich dirigiere mit :)
Jeremias (14.05.2006, 13:11): Auch, wenn Ihr es jetzt nicht verstehen werdet: Ich mag Glenn Gould absolut nicht! Wenn ich ihn mit Bach höre, so geht er mir nach ein paar Takten bereits auf die Nerven. Zwar sind seine voneinander unabhängigen Hände wirklich etwas besonderes, aber das war es auch schon. Ich finde, dass er Bach wahnsinnig hart spielt. Er versucht m.E. den Cembaloklang auf das Klavier zu übertragen, was einfach nicht möglich ist. Und ich kann es mir nicht anhören.... da bevorzuge ich dann doch Schiff, perahia oder Hewitt, also die romantischen Deutungen der Werke
Cosima (14.05.2006, 14:57): Ich höre Goulds Bach sehr gerne, allen voran die zwei Einspielungen der Goldberg-Variationen. Das 1. Beethoven-Konzert mit ihm lässt mich zwiegespalten zurück. Anderes kenne ich nicht mit ihm.
Den Film gestern von Monsaingeon auf Arte fand ich übrigens sehr interessant. Erstens hatte Monsaingeon ein wirklich fantastisches Händchen dafür, wie die unterschiedlichen Künstler am besten in Szene zu setzen sind! (Siehe auch die Filme über Richter oder Tortelier!) Zweitens bin ich mir überhaupt nicht klar darüber geworden, ob ich Gould nun sympathisch finden soll oder nicht. Ich tendiere zu letzterem - auf mich wirkte er gekünstelt, so als inszeniere er sich permanent selbst. Dahinter scheinen aber Unsicherheit, Scheu und Hilflosigkeit zu stecken, auch zu erkennen an den selbstironischen Bemerkungen über sich selbst, was ihn wiederum sympathisch macht. Ich schrieb ja schon einmal: Ich mag solche Außenseiter.
Gruß, Cosima
Carola (16.05.2006, 16:09): Ich kann im Grunde nicht beurteilen, ob Glenn Gould ein guter Pianist ist. Hauptsächlich kenne ich seine Interpretation der Goldbergvariationen von 1982 und den Partiten (J.S. Bach). Von beiden Werken habe ich nicht mal eine Vergleichsaufnahme, vielleicht spielen andere das ja viel besser, wer weiß. Allerdings hatte ich auch noch nie das Bedürfnis nach einer weiteren Aufnahme, weil ich beim Hören von Anfang an das Gefühl hatte: So und nicht anders muss man das spielen. Ich finde auch nicht, dass Gould sich beim Spielen inszeniert, er wirkt auf mich eher völlig versunken in sein Spiel. Diese Versunkenheit, Intensität, fast schon Ekstase höre ich und genau das ist es, was mich so fasziniert - das kürzlich auf Arte gesendete Filmportrait hat mir jetzt gezeigt, das auch andere das so oder ähnlich wahrnehmen.
Mit der Person Glenn Gould habe ich mich eine Zeit lang recht intensiv beschäftigt, zum Beispiel die bei 2001 erhältlichen Bände mit Briefen und Aufsätzen gelesen. Gould zeigt sich dort als kluger, witziger, freundlicher Mensch. Allerdings wohl auch mit einem zunehmenden Hang zum Autismus und zur Verschrobenheit, wenn man seinen sehr zurückgezogenen Lebensstil betrachtet. Diese Dinge beschäftigen mich auch für mein eigenes Leben immer wieder. Zum Beispiel die Frage, ob eine künstlerische Existenz zwangläufig mit Einsamkeit einhergehen muss. Und wie man der Gefahr entgeht, sich im Sog der künstlerischen Arbeit völlig zu verlieren, was Gould offenbar nicht sehr gut bekommen ist, wenn ich mir die Bilder seiner letzten Lebensjahre ansehe.
Besondere sympathisch scheint mir Gould übrigens nicht gewesen zu sein. Aber das gilt zum Beispiel auch für Thomas Mann, den ich als Person eher abstoßend finde. Das ändert nichts daran, dass er der größte deutsche Erzähler des 20. Jahrhunderts war und ich die meisten seiner Romane und Erzählungen liebe.
Mit Gruß von Carola
Anna-Marie (08.09.2006, 11:30): Hallo, es besteht Konsens darüber, daß Glenn Gould die Mozartsonaten mit zu schnellen Tempi einspielte. Trotzdem finde ich, daß sie zu extraordinär sind, um ignoriert zu werden. Glenn Gould hat sich mMn dem 'Charakter' Mozarts damit mehr angenähert als einige andere mehr dienstbeflissen als inspiriert wirkende Pianisten. Goulds Bachspiel ist eine Offenbarung!!! LG, Anna-Marie
satie (08.09.2006, 20:51): Original von Anna-Marie Hallo, es besteht Konsens darüber, daß Glenn Gould die Mozartsonaten mit zu schnellen Tempi einspielte. Trotzdem finde ich, daß sie zu extraordinär sind, um ignoriert zu werden. Glenn Gould hat sich mMn dem 'Charakter' Mozarts damit mehr angenähert als einige andere mehr dienstbeflissen als inspiriert wirkende Pianisten. Goulds Bachspiel ist eine Offenbarung!!! LG, Anna-Marie
Liebe Anna-Marie, ich weiß nicht, was für ein Konsens worüber besteht, aber durchweg zu schnelle Tempi würde ich ihm bei Mozart nicht nachsagen. Gerade den Türkischen Marsch spielt er grausam langsam und eben sehr sehr maniriert (mariniert???). Wenn man dagegen einen Andreas Staier hört, so hat der zwar auch eine unkonventionelle Herangehensweise (indem er improvisiert), allerdings zollt er dem Werk damit ganz klar Respekt (indem er zu solchen Schlussfolgerungen kommt durch langes Studieren von Quellen aller Art). Ich denke bei Gould ist das Problem jenes, dass er nach Gutdünken den Stücken eine Interpretation überstülpt. Wenn er etwa behauptet, bei Bach sei alles in Tempo-Relationen gedacht, so mag das eine schöne Idee sein. Wenn das aber zur Folge hat, dass man einzelne Sätze so schnell oder langsam spielen muss, dass der deutlich zu erkennende Affekt durch diese Spielweise verschleiert wird, muss man den interpretatorischen Ansatz als gescheitert ansehen. Ein Marsch, um zum Mozart-Beispiel zurückzukommen, der daherkommt als seien die Türken alle überfressen und besoffen und daher nurmehr in der Lage, schwerfällig ein fettes Bein neben das andere zu wuchten... das ist dann eben einfach kein Marsch mehr. Gut, man kann mir hier vorwerfen, das sei gar kein Marsch, sondern nur ein Rondo, denn sonst hat der Mozart da ja gar nichts hingeschrieben. Aber: es ist der Finalsatz der Sonate und daher mit einer Funktion versehen, die nicht etwa das ohnehin schon gemütliche Menuett noch nachträglich im Haferschleim ersticken soll, sondern garantiert ein flotteres Tempo verlangt. Was Goulds Überlegung dabei war weiß ich nicht. Er sagte immer, ihn interessiere nur polyphone Musik. Aber warum hat er sich dann in Gottes Namen nicht auf diese beschränkt? Denn polyphon spielen konnte er nun wirklich wie kaum ein anderer. Aber eben: oft zu Lasten anderer Dinge...
Herzlichst Satie
sennahresor (15.09.2006, 08:52): Ein Marsch, ..., der daherkommt als seien die Türken alle überfressen und besoffen ... das ist dann eben einfach kein Marsch mehr. ... Aber: es ist der Finalsatz der Sonate und daher mit einer Funktion versehen, die nicht etwa das ohnehin schon gemütliche Menuett noch nachträglich im Haferschleim ersticken soll, sondern garantiert ein flotteres Tempo verlangt. Herzlichst Satie
Lieber Satie, seltsam, wie unterschiedlich man eine Aufnahme wahrnehmen kann. Ich habe Goulds langsames Tempo hier nicht als "überfressen" empfunden. Mir gefällt Goulds Entscheidung deshalb, weil der "Auftritt" der Türken dadurch so etwas dreistes, provokantes, durch die lauten Stellen sogar agressives bekommt. Das sind Türken, die wirklich bis unter die Zähne bewaffnet sind!
Überhaupt halte ich die Mozart-Sonaten, bei aller Schrulligkeit, für besonders faszinierende Aufnahmen. Bei Bach gefallen mir besonders gut die Klavierkonzerte und die Toccaten, die Partiten ebenso. Sehr gelungen finde ich auch seine Einspielungen von Musik des 20 Jhs., etwa Schönberg, besonders aber der bei Gould gar nicht langweilig klingende Hindemith.
Noch ein Wort zur Ästhetik: wie schön sahen die alten Gould-CD-Boxen der CBS aus, wie häßlich und ramschig die Neuauflage der Sony aus den 90er-Jahren!
Viele Grüße, Hannes
satie (15.09.2006, 10:57): Lieber Hannes, ich neige mitunter zu etwas provokativer Formulierung. Da bitte ich um Verzeihung... Ih habe lediglich auf Anna-Maries Aussage reagiert, die Sonaten "seien von den Tempi her zu schnell" und es gäbe diesbezüglich einen "Konsens". Allein als Reaktion darauf sind meine Äusserungen zu verstehen. Dennoch: ich bin der Überzeugung, dass Gould Mozart eigentlich nicht leiden konnte, weil es ihm nicht polyphon genug war (selbst bei Bach war ihm manches nicht komplex genug). Was Goulds Schönberg betrifft, so gebe ich Dir insofern Recht, als Gould den spätromantischen Hintergrund wie kein anderer herausstellt. Den Notentext interpretiert er allerdings oft so, wie es ihm gerade in den Kram passt. Pollini hingegen macht alles sehr genau, dafür wieder zu steril. Ich würde da, wenn man nur die beiden Interpreten vergleicht, Gould doch vorziehen. Grundsätzlich kann Goulds Manierismus sicher spannend und erfrischend, mitunter auch sehr poetisch sein, mir ist es manchmal zu viel und manchmal einfach definitiv am Stück vorbeigespielt. Aber wie immer kann man sich halt streiten, welche Kompromisse man eingeht und welche nicht.
Satie
daniel5993 (13.08.2007, 16:42): Hallo!
Eigentlich wollte ich gerade einen Thread über Glenn Gould eröffnen und habe zu Glück noch einmal im Forum nachgesehen, ob es nicht schon einen gibt.
Trotzdem möchte ich hier meine Einleitung schreiben neu schreiben, was ich von Ihme gedacht habe, als ich mich im laufe dieses Tages über Ihn informierte! Natürlich wird so manche Frage von mir schon beantwortet sein, aber vielleicht hat ja trotzdem noch jemand zu diesem Pianisten etwas zu sagen!
also:
Glenn Gould?
Ich habe mir den Text bei Wikipedia über Ihn durchgelesen und mir bei you tube ein paar videos von Ihm angesehen! Und ich muss wirklich sagen, ich hab keine Ahnung was ich von Ihm halten soll! Ein Freak des Klaviers? Er summt oder singt bei seinen Aufnahmen mit! Jeder, der etwas auf Musik setzt, zerstört doch keine Aufnahme, in dem er sich singend einbringt! Oder stört euch das nicht? Vielleicht gewöhnt man sich ja auch daran? Ich hab erstmal richtig lachen müssen, als ich seine Videomitschnitte gesehen habe und das bei jedem Aufttritt von Ihm!
Ich kenne keine Aufnahmen von Ihm! Ich weiß, dass er Mozarts Klavierspiel nicht wirklich mochte! Ganz im Gegensatz zu mir! Ein komischer Vogel würd ich sagen, aber nicht ganz unsympatisch! Irgentwie eine Laune der Natur? :wink Ich hab echt keine Ahnung was ich von diesem Mann halten soll? Ein etwas anderer Mensch?
Das ist wohlnicht eine ganz passende einleitung über den Künstler Glenn Gould, aber anders kann ich nicht anfangen! Ich mag in weder noch mag ich Ihn nicht!
Ich kann nicht mal erkennen, ob er bei seinem Spiel schauspielt oder nicht! Und wenn er schauspielt, ist er sehr, sehr überzeugend! Auf mich macht er den Anschein eines Revolutionärs, der von dem allgemeinen "gehabe" abweicht!
Das sind all meine Eindrücke und meine ersten gedanken gewesen, welche mir in den Sinn gekommen sind, als ich mich im Internet über Ihn informiert habe!
Was ist von Glenn Gould zu empfehlen? Sein Beethoven? Bach? Wie steht Ihr, die Ihr bestimmt mehr Ahnung habt von ihm, zu Ihm?
Gruß Daniel :beer
cellodil (14.08.2007, 23:50): Lieber Daniel,
versuch's doch einfach mal mit der Musik, statt mit der Lektüre.
Grüße
Sabine
Walter (15.08.2007, 07:55): Hallo Daniel,
hier ist der passende Einstieg:
Goldberg Variationen
Viel Spass beim Hören!
cellodil (15.08.2007, 08:43): ...und übrigens ist der Gouldsche Mozart - auch und gerade, weil er polarisiert (siehe oben in diesem Thread) - ziemlich spannend.
Herzliche Grüße
Sabine
P.S. @Walter
Schön, mal wieder was von Dir zu lesen, hatte Dich schon vermisst.
:hello
AcomA (15.08.2007, 12:16): lieber Daniel,
ich meine auch, du solltest dir erstmal etwas bach mit GG hereinziehen. dann kannst du ja hier schreiben.
GG ist von schauspiel weit weg. ich empfehle die aufnahme einer bachschen, beethovenschen und schönbergschen violinsonate zusammen mit yehudi menuhin, da wird erkennbar, welch großer musiker er war !
gruß, siamak :)
Walter (15.08.2007, 15:35): Original von cellodil @Walter
Schön, mal wieder was von Dir zu lesen, hatte Dich schon vermisst.
:hello
das tut gut! :D
- ich hab zur Zeit viel um die Ohren, aber es wird sicher bald wieder besser!
herzliche Grüße!
daniel5993 (07.09.2007, 08:18): Hallo!
So schlimm ist das mitgesinge von Gould garnicht! Ich dachte es begleitet mich durch die ganzen variationen! Jedoch bin ich ab und zu hochgeschreckt, weil ich dachte mich ruft jemand! Aber es kommt doch sehr selten vor, das man Glenn hört!
Mir gefällt die Aufnahme sehr! Hab zwar keine Vergleiche, aber das ändere ich schnell! Kann mir an dieser Stelle jemand eine andere "aufregende" Einspielung nennen? Das wäre schön! Danke! :thanks
Was ich noch von gould demnächst kaufe sind wohl die Klavierkonzerte Bachs, hab ich schon ein bisschen bei YouTube gesehen! Oder habt Ihr auch da für mich supergute Einspielungen neben bei! Dank für eure Hilfe!
AcomA schrieb:GG ist von schauspiel weit weg. ich empfehle die aufnahme einer bachschen, beethovenschen und schönbergschen violinsonate zusammen mit yehudi menuhin, da wird erkennbar, welch großer musiker er war !
Wahrlich, Menuhin hört sich Gut an, Gould kaufe ich ja dabei sowieso mit! :wink
Gruß Daniel :thanks
ab (07.09.2007, 13:17): Original von daniel5993 Kann mir an dieser Stelle jemand eine andere "aufregende" Einspielung nennen? Das wäre schön! Danke! :thanks
Jedenfalls die beiden anderen Gouldbergvariationen, wobei ich den Konzertmitschnitt aus Salzburg deutlich mehr schätze als sein CBS-Debüt von 1955. Ich habe aber auch noch nie die aller erste Aufnahme von ihm gehört, die er das Jahr zuvor für das Canadische Radio gemacht hat, inzwischen bei Sony billig zugänglich gemacht...
Das Brummen von Gould ist jedenfalls weniger nervend als das Genöle von Keith Jarrett.
Ich schätze Goulds umstrittenen Beethoven mehr als seinen Bach.
Das 20. Jahrhundert betreffend ist jedenfalls sein Schönberg und Hindemith wohl auch die Berg-Sonate zu nennen.
Am Innigsten, finde ich, spielt er Brahms, den er besonders geliebt, wenn auch kaum aufgenommen hat.
Irgendwo las ich die letzten Tage hier im Forum, dass wieder eine Papp-Edition billig herausgekommen sein soll: Hoffentlich werde seine Aufnahmen nun endlich billig!
Ich möchte endlich einmal seine Interpretation des Buchs der Hängenden Gärten von Schönberg hören, einem der schönstenLiederzyklen überhaupt, die ich kenne. Sehr hörenswert soll auch sein Scriabin und Grieg sein. Es gäbe noch viel zu entdecken...
Zelenka (07.09.2007, 14:40): Original von ab
Irgendwo las ich die letzten Tage hier im Forum, dass wieder eine Papp-Edition billig herausgekommen sein soll: Hoffentlich werde seine Aufnahmen nun endlich billig!
Ich möchte endlich einmal seine Interpretation des Buchs der Hängenden Gärten von Schönberg hören, einem der schönstenLiederzyklen überhaupt, die ich kenne. Sehr hörenswert soll auch sein Scriabin und Grieg sein. Es gäbe noch viel zu entdecken...
EUR 199.95 für die 80 CDs der neuen "Complete Original Jacket Edition" sind leider kein Pappenstiel ...
Gruß, Zelenka
Rachmaninov (04.10.2007, 09:40): Heute vor 25 verstarb G.Gould in seiner Heimatstadt im alter von nur 50 Jahren. Er mag für viele der größte Pianist überhaupt gewesen sein, für viele auch nicht, aber sicherlich war er ein leidenschaftlicher Musiker :I
Little_Swan (18.12.2007, 19:03): Ich habe neulich in meinem Musikgeschäft die Goldbergvariationen entdeckt, eine CD, die ich zuerst für ganz normal hielt. Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken erinnerte ich mich an ein Gespräch mit meinem Vater, der mir erzählt hatte, dass seine Schallplatte mit den Goldbergvariationen den Geist aufgegeben hatte. Natürlich wusste ich von den zwei Einspielungen und war total glücklich über meinen Fund, aber als ich die CD umdrehte war sah ich das Aufnahmejahr: 1954! Ich dachte erst, ich wäre verrückt und sah nocheinmal hin... ich hatte mich nicht geirrt. Gould hat die Goldbergvariationen dreimal eingespielt, auch wenn diese Version kaum bekannt ist. Leider muss ich noch bis Weihnachten mit dem Reinhören warten, ich kann die CD ja noch nicht aufmachen. Falls es aber irgendjemanden interessiert: die CD ist von "Esprit", ich habe sie für 5€ bekommen, weil sich sonst anscheinend niemand dafür intrsessiert.
Rachmaninov (18.12.2007, 19:07): Original von Little_Swan Ich habe neulich in meinem Musikgeschäft die Goldbergvariationen entdeckt, eine CD, die ich zuerst für ganz normal hielt. Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken erinnerte ich mich an ein Gespräch mit meinem Vater, der mir erzählt hatte, dass seine Schallplatte mit den Goldbergvariationen den Geist aufgegeben hatte. Natürlich wusste ich von den zwei Einspielungen und war total glücklich über meinen Fund, aber als ich die CD umdrehte war sah ich das Aufnahmejahr: 1954! Ich dachte erst, ich wäre verrückt und sah nocheinmal hin... ich hatte mich nicht geirrt. Gould hat die Goldbergvariationen dreimal eingespielt, auch wenn diese Version kaum bekannt ist.
@Little_Swan,
ersteinmal herzlich willkommen! Bist Du mit 1954 sicher? Mir fällt nur 1955, 1981 und 1959 in Salzburg bei Gold ein ....
(Wiedergabe der kürzlich entdeckten Studio-Einspielung aus dem Jahr 1954)
HenningKolf (18.12.2007, 19:21): @ Little_Swan
auch von meiner Seite ein herzliches Willkommen in diesem Forum. Ich wünsche Dir viel Spass hier.
Gruß Henning
Amadé (18.12.2007, 20:02): Little_Swan,
auch von mir ein herzlicher Willkommensgruß. Was Du über die bisher unbekannte Aufnahme von 1954 berichtest, scheint korrekt zu sein. Kürzlich berichtete Sony in einer Publikation von dem Tonband-Fund. Ich habe die "neue" Interpretation jedoch auch noch nicht gehört.
Gruß Amadé
Walter (18.12.2007, 20:11): Original von Amadé Little_Swan,
auch von mir ein herzlicher Willkommensgruß. Was Du über die bisher unbekannte Aufnahme von 1954 berichtest, scheint korrekt zu sein. Kürzlich berichtete Sony in einer Publikation von dem Tonband-Fund. Ich habe die "neue" Interpretation jedoch auch noch nicht gehört.
Gruß Amadé
Hört! Hört!
da hat Little Swan uns was zum nachhören gegeben!!
HERZLICH WILLKOMMEN! :D
ab (18.12.2007, 22:58): Inzwischen gibt es neben den genannten noch ein weitere, nämlich folgende s.g. "Zenph Re-Performance" - ein Kuriosum:
Wiedergabe der 1955 eingespielten Goldberg-Variationen durch einen computergesteuerten modernen Konzertflügel. Dank einer komplexen Software ist es dem amerikanischen Zenph Studio gelungen, jede Nuance in Anschlag, Artikulation und Pedalgebrauch zu entschlüsseln und mit Hilfe modernster Technik auf einem heutigen Konzertflügel wiederzugeben. Glenn Gould, Klavie
Am besten soll bei 1955 übrigens die von Naxos klingen.
Little_Swan (07.01.2008, 20:53): Hallo!
Habe mir inzwischen Goulds Aufnahme der Goldbergvariationen von 1954 angehört. Sie hat zwar einen relativ großen historischen Wert und es ist durchaus auch interessant, wenn man die beiden anderen kennt, zu vergleichen, wer aber Musik sucht, um sie zu genießen, dem rate ich von einem Kauf ab. Im Hintergrund scheppert und knistert es dermaßen, dass es mich schon nach fünf Minuten angenervt hat. Ich habe dann tapfer durchgehalten, war aber froh, als es vorbei war.
Alles Liebe, Lea
Rachmaninov (07.01.2008, 21:01): Original von Little_Swan Hallo!
Habe mir inzwischen Goulds Aufnahme der Goldbergvariationen von 1954 angehört. Sie hat zwar einen relativ großen historischen Wert und es ist durchaus auch interessant, wenn man die beiden anderen kennt, zu vergleichen, wer aber Musik sucht, um sie zu genießen, dem rate ich von einem Kauf ab. Im Hintergrund scheppert und knistert es dermaßen, dass es mich schon nach fünf Minuten angenervt hat. Ich habe dann tapfer durchgehalten, war aber froh, als es vorbei war.
Alles Liebe, Lea
Derartige Nebengeräusche sind natürlich sher unangenehm und da rate ich dann doch auch eher zu einer der anderen GBV Aufnahmen, vor allen die aus Salzburg :hello
ab (07.01.2008, 21:47): Heute hörte ich kurz in die 6-CD-Box früher Radiomitschnitte aus Canada hinein, auf der auch die 54er Gouldbergvariationen droben sind. Äußerst interessant! Hier spielt Gould nämlich noch deutlich weniger manieriert als in späteren Aufnahmen. Insbsondere - und das hätte ich nicht erwartet - sind die Aufnahmen, und nicht nur die der Goldbergvariationen, von einem Atmen getragen und sind noch nicht in dieses rhythmischen Unerbitterlichkeit.
Die Goldbergvariationen im Besonderen sind deutlich meditativer und erinnern auch bei mancher Linie mehr an das Salzburger Konzert als an das CBS-Debut von 55. Gelegentlich mutete es mir sogar so romantisch an wie er es sich erst wieder in seiner letzten Einspielung von 81 getraut hat: da schließt sich der Kreis.
Die Beethoven-Bagatellen nimmt er im großen und ganzen in vernünftigeren Tempi als in der späteren gedehnten Studio-Aufnahme; manch schnelle Variation ist aber unglaublich gerast, dass einem nur der Mund offen bliebt.
Der Vergleich lohnt!
Little_Swan (12.01.2008, 20:17): Lieber ab!
Jetzt mal abgesehen von der Qualität der Aufnahme - welche von den dreien gefällt dir am besten? 1954 , 1955 oder 1981? Ist es nicht auch die rhythmische Unerbitterlichkeit, die seine Musik so bedeutend gemacht hat? Über seine extremen (sowohl die schnellen als auch die langsamen) Tempi kann man sich ja sowoiso streiten!
Viele Grüße, Lea
satie (12.01.2008, 21:32): Ist es nicht auch die rhythmische Unerbitterlichkeit, die seine Musik so bedeutend gemacht hat? Hm...ob das eine Qualität per se ist, halte ich zumindest für diskutierenswert. Die absolute Qualität in Goulds Spiel liegt meiner Meinung darin, dass er wie kein anderer polyphon spielen konnte, sprich jede Stimme in einem mehrstimmigen Satz hörbar machen konnte UND eben auch alle gleichzeitig zu hören schien. Entsprechend interessierte Gould ja auch nur wirklich polyphone Musik. Angeblich war ihm oft genug die Musik allein an Komplexität nicht ausreichend und er schaltete beim Üben auch noch das Radio und den Fernseher ein, welche er zusätzlich noch zu hören versuchte. Ob er das konnte, weiß ich nicht, auch scheint es mir sehr unwahrscheinlich.
Herzlich, S A T I E
ab (12.01.2008, 22:24): Original von Little_Swan Lieber ab!
Jetzt mal abgesehen von der Qualität der Aufnahme - welche von den dreien gefällt dir am besten? 1954 , 1955 oder 1981? Ist es nicht auch die rhythmische Unerbitterlichkeit, die seine Musik so bedeutend gemacht hat? Über seine extremen (sowohl die schnellen als auch die langsamen) Tempi kann man sich ja sowoiso streiten!
Viele Grüße, Lea
Hallo Lea,
die 54er kenne ich nur vom kurzen Reinhören, das CBS-Debut von 1955 mag ich eigentlich recht wenig, weil es mir zu unzusammenhängiend ist - ähnlich wie auch sein WTK. Am Liebsten höre ich den Salzburger Konzertmitschnitt von 1959, genauso wie die Dreistimmigen Inventionen aus Moskau, die auf derselben Sony-CD droben sind. Seine letzte Aufnahme von 1981 ist mir eigentlich schon fast zu"romantisch".
Ich mag ja Gould mehr als Beethoven und Brahms-Interpret und für die Werke des 20. Jahrhunderts, denn für seinen Bach. Ich bewundere ihn insbesondere für seine intuitive Musikalität sowie, wie Satie es schon trefflich genannt hat, der Fähigkeit der totalen polyphonen Unabhängigkeit der Linien, etwas, was meinem persönlichem Geschmack besonders entgegen kommt.
An nicht-kontrapunktischer Musik schätzte Gould angeblich nur noch die Grieg-Sonate; Grieg war für ihn quasi sakrosankt, wegen seiner Verwandtschaft zu diesem Komponisten. :J
Karsten (09.05.2006, 20:05): Gibt es in diesem Forum Fans von GG? Wenn ja, was macht für Euch das Besondere seiner Interpretationen aus?
Jack Bristow (09.05.2006, 21:42): Original von Karsten Gibt es in diesem Forum Fans von GG? Wenn ja, was macht für Euch das Besondere seiner Interpretationen aus?
Der zweite Vorname war mir tatsächlich neu :wink Ob Fan weiß ich nicht; aber ich habe eine Menge CDs von ihm. Die meisten Klavierwerke Bachs habe ich mit Gould kennengelernt (Ausnahme: WTK mit Gulda und Richter, in diesem Werk sagt mir Gould bisher auch nicht so zu wie etwas in den Partiten oder Engl. Suiten). Ich schätze auch einige seiner Beethoveninterpretationen sehr, besonders etwa die ersten beiden Klavierkonzerte (#1 ist ziemlich sicher meine Lieblingseinspielung des Stücks) und die CD mit den Es-Dur, F-Dur und c-moll-Variationen. Das Besondere ist die außerordentliche Klarheit und Transparenz in Linienführung und Rhythmus. Gewiß mag das manchmal zu einem etwas zu einheitlichen Klangbild führen, aber manche Musik gewinnt dadurch sehr oder erscheint jedenfalls in einem sehr interessanten Licht.
Ein Beispiel dafür, dass Gould durchaus "romantisch" spielen konnte, bietet die Auswahl der späten Klavierstücke von Brahms.
viele Grüße
J. Bristow
fohlenfanatiker (09.05.2006, 23:04): Ein schönes Thema, vor einiger Zeit stieß ich eher zufällig auf eine Gould-CD, es war die die auch das italienische Konzert enthält. Ich hatte bis dahin noch nichts von ihm bewusst gehört. Irgendwie war ich vom ersten Moment an, wie soll ich sagen, stutzig? Überrascht? Irritiert? Verblüfft? So hatte ich noch nie jemanden spielen hören. Ich weiß bis heute nicht so recht, was es ist, was mich bei ihm so fasziniert. Jedenfalls verspüre ich die Neigung, mitzuschwingen, mich nach der Musik zu bewegen, er trifft mich irgendwie. Wie schrieb hier mal jemand? Er trifft meine Synapsen. Dies bezieht sich aber hauptsächlich auf Bach. Bei Beethoven erreicht er mich nicht, auch die Moderne mag ich nicht besonders. Aber wie Bristow oben schrieb, sein Brahms überzeugt mich auch. Ich beschaffte mir die Biografie von M. Stegemann, die ich interessiert las. Und was ich interessant finde: Ich glaube er polarisiert irgendwie. Entweder man mag ihn nicht, oder man ist begeistert. Ich gehöre zu den Letztgenannten. Ich glaube er hätte alles spielen können, hat es aber kaum getan. Besonders bemerkenswert finde ich seine Mozartinterpretation auf der „Salzburger Recital“. Obwohl er Mozart eigentlich nicht mochte, spielte er hier wie es heißt „als Verneigung vor Salzburg“ einen sehr feinfühligen, liebevollen Mozart. Mir kommt es immer vor, als spiele er wie von einem anderen Planeten. Irgendwie außer Konkurrenz. Aber das ist wie gesagt meine eigene, ganz persönliche Meinung, die sicher nicht von allen geteilt wird. Besonders mag ich alles von Bach. Die Goldbergvariationen sind für mich auf der Salzburger Recital am besten getroffen, aber auch die beiden anderen Einspielungen von 1955 und 1981 mag ich sehr. Die Partitas find ich phänomenal, auch alle englischen und französischen Suiten, das WTK, die Inventionen und Sinfonien, sowie die Klavierkonzerte. Also, lieber Karsten, hier ist auf jeden Fall ein Fan von G. Gould, wenngleich ich wie oben beschrieben nicht alles von ihm mag. :beer
Rachmaninov (13.05.2006, 13:04): Original von Karsten Gibt es in diesem Forum Fans von GG? Wenn ja, was macht für Euch das Besondere seiner Interpretationen aus?
GG Bach ist für mich einfach etwas besonderes! Das kann ich auch letztendlich nicht gänzlich erklären. Vielelicht trifft er mit seinem Spiel irgendwas inmitten meiner Seele, oder etwas in dieser Art. Das hat etwas Spirituelles. :down
Ein ganz großer Musiker und irgendwie auch eine "Type"!
fohlenfanatiker (13.05.2006, 21:46): Vielelicht trifft er mit seinem Spiel irgendwas inmitten meiner Seele, oder etwas in dieser Art. Das hat etwas Spirituelles. bowdown
Genau so gehts mir auch. :beer Es lässt sich nicht rational erklären. Er mobilisiert mich dahingehend, dass ich mich nach der Musik bewege,mit dem Kopf oder ich dirigiere mit :)
Jeremias (14.05.2006, 13:11): Auch, wenn Ihr es jetzt nicht verstehen werdet: Ich mag Glenn Gould absolut nicht! Wenn ich ihn mit Bach höre, so geht er mir nach ein paar Takten bereits auf die Nerven. Zwar sind seine voneinander unabhängigen Hände wirklich etwas besonderes, aber das war es auch schon. Ich finde, dass er Bach wahnsinnig hart spielt. Er versucht m.E. den Cembaloklang auf das Klavier zu übertragen, was einfach nicht möglich ist. Und ich kann es mir nicht anhören.... da bevorzuge ich dann doch Schiff, perahia oder Hewitt, also die romantischen Deutungen der Werke
Cosima (14.05.2006, 14:57): Ich höre Goulds Bach sehr gerne, allen voran die zwei Einspielungen der Goldberg-Variationen. Das 1. Beethoven-Konzert mit ihm lässt mich zwiegespalten zurück. Anderes kenne ich nicht mit ihm.
Den Film gestern von Monsaingeon auf Arte fand ich übrigens sehr interessant. Erstens hatte Monsaingeon ein wirklich fantastisches Händchen dafür, wie die unterschiedlichen Künstler am besten in Szene zu setzen sind! (Siehe auch die Filme über Richter oder Tortelier!) Zweitens bin ich mir überhaupt nicht klar darüber geworden, ob ich Gould nun sympathisch finden soll oder nicht. Ich tendiere zu letzterem - auf mich wirkte er gekünstelt, so als inszeniere er sich permanent selbst. Dahinter scheinen aber Unsicherheit, Scheu und Hilflosigkeit zu stecken, auch zu erkennen an den selbstironischen Bemerkungen über sich selbst, was ihn wiederum sympathisch macht. Ich schrieb ja schon einmal: Ich mag solche Außenseiter.
Gruß, Cosima
Carola (16.05.2006, 16:09): Ich kann im Grunde nicht beurteilen, ob Glenn Gould ein guter Pianist ist. Hauptsächlich kenne ich seine Interpretation der Goldbergvariationen von 1982 und den Partiten (J.S. Bach). Von beiden Werken habe ich nicht mal eine Vergleichsaufnahme, vielleicht spielen andere das ja viel besser, wer weiß. Allerdings hatte ich auch noch nie das Bedürfnis nach einer weiteren Aufnahme, weil ich beim Hören von Anfang an das Gefühl hatte: So und nicht anders muss man das spielen. Ich finde auch nicht, dass Gould sich beim Spielen inszeniert, er wirkt auf mich eher völlig versunken in sein Spiel. Diese Versunkenheit, Intensität, fast schon Ekstase höre ich und genau das ist es, was mich so fasziniert - das kürzlich auf Arte gesendete Filmportrait hat mir jetzt gezeigt, das auch andere das so oder ähnlich wahrnehmen.
Mit der Person Glenn Gould habe ich mich eine Zeit lang recht intensiv beschäftigt, zum Beispiel die bei 2001 erhältlichen Bände mit Briefen und Aufsätzen gelesen. Gould zeigt sich dort als kluger, witziger, freundlicher Mensch. Allerdings wohl auch mit einem zunehmenden Hang zum Autismus und zur Verschrobenheit, wenn man seinen sehr zurückgezogenen Lebensstil betrachtet. Diese Dinge beschäftigen mich auch für mein eigenes Leben immer wieder. Zum Beispiel die Frage, ob eine künstlerische Existenz zwangläufig mit Einsamkeit einhergehen muss. Und wie man der Gefahr entgeht, sich im Sog der künstlerischen Arbeit völlig zu verlieren, was Gould offenbar nicht sehr gut bekommen ist, wenn ich mir die Bilder seiner letzten Lebensjahre ansehe.
Besondere sympathisch scheint mir Gould übrigens nicht gewesen zu sein. Aber das gilt zum Beispiel auch für Thomas Mann, den ich als Person eher abstoßend finde. Das ändert nichts daran, dass er der größte deutsche Erzähler des 20. Jahrhunderts war und ich die meisten seiner Romane und Erzählungen liebe.
Mit Gruß von Carola
Anna-Marie (08.09.2006, 11:30): Hallo, es besteht Konsens darüber, daß Glenn Gould die Mozartsonaten mit zu schnellen Tempi einspielte. Trotzdem finde ich, daß sie zu extraordinär sind, um ignoriert zu werden. Glenn Gould hat sich mMn dem 'Charakter' Mozarts damit mehr angenähert als einige andere mehr dienstbeflissen als inspiriert wirkende Pianisten. Goulds Bachspiel ist eine Offenbarung!!! LG, Anna-Marie
satie (08.09.2006, 20:51): Original von Anna-Marie Hallo, es besteht Konsens darüber, daß Glenn Gould die Mozartsonaten mit zu schnellen Tempi einspielte. Trotzdem finde ich, daß sie zu extraordinär sind, um ignoriert zu werden. Glenn Gould hat sich mMn dem 'Charakter' Mozarts damit mehr angenähert als einige andere mehr dienstbeflissen als inspiriert wirkende Pianisten. Goulds Bachspiel ist eine Offenbarung!!! LG, Anna-Marie
Liebe Anna-Marie, ich weiß nicht, was für ein Konsens worüber besteht, aber durchweg zu schnelle Tempi würde ich ihm bei Mozart nicht nachsagen. Gerade den Türkischen Marsch spielt er grausam langsam und eben sehr sehr maniriert (mariniert???). Wenn man dagegen einen Andreas Staier hört, so hat der zwar auch eine unkonventionelle Herangehensweise (indem er improvisiert), allerdings zollt er dem Werk damit ganz klar Respekt (indem er zu solchen Schlussfolgerungen kommt durch langes Studieren von Quellen aller Art). Ich denke bei Gould ist das Problem jenes, dass er nach Gutdünken den Stücken eine Interpretation überstülpt. Wenn er etwa behauptet, bei Bach sei alles in Tempo-Relationen gedacht, so mag das eine schöne Idee sein. Wenn das aber zur Folge hat, dass man einzelne Sätze so schnell oder langsam spielen muss, dass der deutlich zu erkennende Affekt durch diese Spielweise verschleiert wird, muss man den interpretatorischen Ansatz als gescheitert ansehen. Ein Marsch, um zum Mozart-Beispiel zurückzukommen, der daherkommt als seien die Türken alle überfressen und besoffen und daher nurmehr in der Lage, schwerfällig ein fettes Bein neben das andere zu wuchten... das ist dann eben einfach kein Marsch mehr. Gut, man kann mir hier vorwerfen, das sei gar kein Marsch, sondern nur ein Rondo, denn sonst hat der Mozart da ja gar nichts hingeschrieben. Aber: es ist der Finalsatz der Sonate und daher mit einer Funktion versehen, die nicht etwa das ohnehin schon gemütliche Menuett noch nachträglich im Haferschleim ersticken soll, sondern garantiert ein flotteres Tempo verlangt. Was Goulds Überlegung dabei war weiß ich nicht. Er sagte immer, ihn interessiere nur polyphone Musik. Aber warum hat er sich dann in Gottes Namen nicht auf diese beschränkt? Denn polyphon spielen konnte er nun wirklich wie kaum ein anderer. Aber eben: oft zu Lasten anderer Dinge...
Herzlichst Satie
sennahresor (15.09.2006, 08:52): Ein Marsch, ..., der daherkommt als seien die Türken alle überfressen und besoffen ... das ist dann eben einfach kein Marsch mehr. ... Aber: es ist der Finalsatz der Sonate und daher mit einer Funktion versehen, die nicht etwa das ohnehin schon gemütliche Menuett noch nachträglich im Haferschleim ersticken soll, sondern garantiert ein flotteres Tempo verlangt. Herzlichst Satie
Lieber Satie, seltsam, wie unterschiedlich man eine Aufnahme wahrnehmen kann. Ich habe Goulds langsames Tempo hier nicht als "überfressen" empfunden. Mir gefällt Goulds Entscheidung deshalb, weil der "Auftritt" der Türken dadurch so etwas dreistes, provokantes, durch die lauten Stellen sogar agressives bekommt. Das sind Türken, die wirklich bis unter die Zähne bewaffnet sind!
Überhaupt halte ich die Mozart-Sonaten, bei aller Schrulligkeit, für besonders faszinierende Aufnahmen. Bei Bach gefallen mir besonders gut die Klavierkonzerte und die Toccaten, die Partiten ebenso. Sehr gelungen finde ich auch seine Einspielungen von Musik des 20 Jhs., etwa Schönberg, besonders aber der bei Gould gar nicht langweilig klingende Hindemith.
Noch ein Wort zur Ästhetik: wie schön sahen die alten Gould-CD-Boxen der CBS aus, wie häßlich und ramschig die Neuauflage der Sony aus den 90er-Jahren!
Viele Grüße, Hannes
satie (15.09.2006, 10:57): Lieber Hannes, ich neige mitunter zu etwas provokativer Formulierung. Da bitte ich um Verzeihung... Ih habe lediglich auf Anna-Maries Aussage reagiert, die Sonaten "seien von den Tempi her zu schnell" und es gäbe diesbezüglich einen "Konsens". Allein als Reaktion darauf sind meine Äusserungen zu verstehen. Dennoch: ich bin der Überzeugung, dass Gould Mozart eigentlich nicht leiden konnte, weil es ihm nicht polyphon genug war (selbst bei Bach war ihm manches nicht komplex genug). Was Goulds Schönberg betrifft, so gebe ich Dir insofern Recht, als Gould den spätromantischen Hintergrund wie kein anderer herausstellt. Den Notentext interpretiert er allerdings oft so, wie es ihm gerade in den Kram passt. Pollini hingegen macht alles sehr genau, dafür wieder zu steril. Ich würde da, wenn man nur die beiden Interpreten vergleicht, Gould doch vorziehen. Grundsätzlich kann Goulds Manierismus sicher spannend und erfrischend, mitunter auch sehr poetisch sein, mir ist es manchmal zu viel und manchmal einfach definitiv am Stück vorbeigespielt. Aber wie immer kann man sich halt streiten, welche Kompromisse man eingeht und welche nicht.
Satie
daniel5993 (13.08.2007, 16:42): Hallo!
Eigentlich wollte ich gerade einen Thread über Glenn Gould eröffnen und habe zu Glück noch einmal im Forum nachgesehen, ob es nicht schon einen gibt.
Trotzdem möchte ich hier meine Einleitung schreiben neu schreiben, was ich von Ihme gedacht habe, als ich mich im laufe dieses Tages über Ihn informierte! Natürlich wird so manche Frage von mir schon beantwortet sein, aber vielleicht hat ja trotzdem noch jemand zu diesem Pianisten etwas zu sagen!
also:
Glenn Gould?
Ich habe mir den Text bei Wikipedia über Ihn durchgelesen und mir bei you tube ein paar videos von Ihm angesehen! Und ich muss wirklich sagen, ich hab keine Ahnung was ich von Ihm halten soll! Ein Freak des Klaviers? Er summt oder singt bei seinen Aufnahmen mit! Jeder, der etwas auf Musik setzt, zerstört doch keine Aufnahme, in dem er sich singend einbringt! Oder stört euch das nicht? Vielleicht gewöhnt man sich ja auch daran? Ich hab erstmal richtig lachen müssen, als ich seine Videomitschnitte gesehen habe und das bei jedem Aufttritt von Ihm!
Ich kenne keine Aufnahmen von Ihm! Ich weiß, dass er Mozarts Klavierspiel nicht wirklich mochte! Ganz im Gegensatz zu mir! Ein komischer Vogel würd ich sagen, aber nicht ganz unsympatisch! Irgentwie eine Laune der Natur? :wink Ich hab echt keine Ahnung was ich von diesem Mann halten soll? Ein etwas anderer Mensch?
Das ist wohlnicht eine ganz passende einleitung über den Künstler Glenn Gould, aber anders kann ich nicht anfangen! Ich mag in weder noch mag ich Ihn nicht!
Ich kann nicht mal erkennen, ob er bei seinem Spiel schauspielt oder nicht! Und wenn er schauspielt, ist er sehr, sehr überzeugend! Auf mich macht er den Anschein eines Revolutionärs, der von dem allgemeinen "gehabe" abweicht!
Das sind all meine Eindrücke und meine ersten gedanken gewesen, welche mir in den Sinn gekommen sind, als ich mich im Internet über Ihn informiert habe!
Was ist von Glenn Gould zu empfehlen? Sein Beethoven? Bach? Wie steht Ihr, die Ihr bestimmt mehr Ahnung habt von ihm, zu Ihm?
Gruß Daniel :beer
cellodil (14.08.2007, 23:50): Lieber Daniel,
versuch's doch einfach mal mit der Musik, statt mit der Lektüre.
Grüße
Sabine
Walter (15.08.2007, 07:55): Hallo Daniel,
hier ist der passende Einstieg:
Goldberg Variationen
Viel Spass beim Hören!
cellodil (15.08.2007, 08:43): ...und übrigens ist der Gouldsche Mozart - auch und gerade, weil er polarisiert (siehe oben in diesem Thread) - ziemlich spannend.
Herzliche Grüße
Sabine
P.S. @Walter
Schön, mal wieder was von Dir zu lesen, hatte Dich schon vermisst.
:hello
AcomA (15.08.2007, 12:16): lieber Daniel,
ich meine auch, du solltest dir erstmal etwas bach mit GG hereinziehen. dann kannst du ja hier schreiben.
GG ist von schauspiel weit weg. ich empfehle die aufnahme einer bachschen, beethovenschen und schönbergschen violinsonate zusammen mit yehudi menuhin, da wird erkennbar, welch großer musiker er war !
gruß, siamak :)
Walter (15.08.2007, 15:35): Original von cellodil @Walter
Schön, mal wieder was von Dir zu lesen, hatte Dich schon vermisst.
:hello
das tut gut! :D
- ich hab zur Zeit viel um die Ohren, aber es wird sicher bald wieder besser!
herzliche Grüße!
daniel5993 (07.09.2007, 08:18): Hallo!
So schlimm ist das mitgesinge von Gould garnicht! Ich dachte es begleitet mich durch die ganzen variationen! Jedoch bin ich ab und zu hochgeschreckt, weil ich dachte mich ruft jemand! Aber es kommt doch sehr selten vor, das man Glenn hört!
Mir gefällt die Aufnahme sehr! Hab zwar keine Vergleiche, aber das ändere ich schnell! Kann mir an dieser Stelle jemand eine andere "aufregende" Einspielung nennen? Das wäre schön! Danke! :thanks
Was ich noch von gould demnächst kaufe sind wohl die Klavierkonzerte Bachs, hab ich schon ein bisschen bei YouTube gesehen! Oder habt Ihr auch da für mich supergute Einspielungen neben bei! Dank für eure Hilfe!
AcomA schrieb:GG ist von schauspiel weit weg. ich empfehle die aufnahme einer bachschen, beethovenschen und schönbergschen violinsonate zusammen mit yehudi menuhin, da wird erkennbar, welch großer musiker er war !
Wahrlich, Menuhin hört sich Gut an, Gould kaufe ich ja dabei sowieso mit! :wink
Gruß Daniel :thanks
ab (07.09.2007, 13:17): Original von daniel5993 Kann mir an dieser Stelle jemand eine andere "aufregende" Einspielung nennen? Das wäre schön! Danke! :thanks
Jedenfalls die beiden anderen Gouldbergvariationen, wobei ich den Konzertmitschnitt aus Salzburg deutlich mehr schätze als sein CBS-Debüt von 1955. Ich habe aber auch noch nie die aller erste Aufnahme von ihm gehört, die er das Jahr zuvor für das Canadische Radio gemacht hat, inzwischen bei Sony billig zugänglich gemacht...
Das Brummen von Gould ist jedenfalls weniger nervend als das Genöle von Keith Jarrett.
Ich schätze Goulds umstrittenen Beethoven mehr als seinen Bach.
Das 20. Jahrhundert betreffend ist jedenfalls sein Schönberg und Hindemith wohl auch die Berg-Sonate zu nennen.
Am Innigsten, finde ich, spielt er Brahms, den er besonders geliebt, wenn auch kaum aufgenommen hat.
Irgendwo las ich die letzten Tage hier im Forum, dass wieder eine Papp-Edition billig herausgekommen sein soll: Hoffentlich werde seine Aufnahmen nun endlich billig!
Ich möchte endlich einmal seine Interpretation des Buchs der Hängenden Gärten von Schönberg hören, einem der schönstenLiederzyklen überhaupt, die ich kenne. Sehr hörenswert soll auch sein Scriabin und Grieg sein. Es gäbe noch viel zu entdecken...
Zelenka (07.09.2007, 14:40): Original von ab
Irgendwo las ich die letzten Tage hier im Forum, dass wieder eine Papp-Edition billig herausgekommen sein soll: Hoffentlich werde seine Aufnahmen nun endlich billig!
Ich möchte endlich einmal seine Interpretation des Buchs der Hängenden Gärten von Schönberg hören, einem der schönstenLiederzyklen überhaupt, die ich kenne. Sehr hörenswert soll auch sein Scriabin und Grieg sein. Es gäbe noch viel zu entdecken...
EUR 199.95 für die 80 CDs der neuen "Complete Original Jacket Edition" sind leider kein Pappenstiel ...
Gruß, Zelenka
Rachmaninov (04.10.2007, 09:40): Heute vor 25 verstarb G.Gould in seiner Heimatstadt im alter von nur 50 Jahren. Er mag für viele der größte Pianist überhaupt gewesen sein, für viele auch nicht, aber sicherlich war er ein leidenschaftlicher Musiker :I
Little_Swan (18.12.2007, 19:03): Ich habe neulich in meinem Musikgeschäft die Goldbergvariationen entdeckt, eine CD, die ich zuerst für ganz normal hielt. Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken erinnerte ich mich an ein Gespräch mit meinem Vater, der mir erzählt hatte, dass seine Schallplatte mit den Goldbergvariationen den Geist aufgegeben hatte. Natürlich wusste ich von den zwei Einspielungen und war total glücklich über meinen Fund, aber als ich die CD umdrehte war sah ich das Aufnahmejahr: 1954! Ich dachte erst, ich wäre verrückt und sah nocheinmal hin... ich hatte mich nicht geirrt. Gould hat die Goldbergvariationen dreimal eingespielt, auch wenn diese Version kaum bekannt ist. Leider muss ich noch bis Weihnachten mit dem Reinhören warten, ich kann die CD ja noch nicht aufmachen. Falls es aber irgendjemanden interessiert: die CD ist von "Esprit", ich habe sie für 5€ bekommen, weil sich sonst anscheinend niemand dafür intrsessiert.
Rachmaninov (18.12.2007, 19:07): Original von Little_Swan Ich habe neulich in meinem Musikgeschäft die Goldbergvariationen entdeckt, eine CD, die ich zuerst für ganz normal hielt. Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken erinnerte ich mich an ein Gespräch mit meinem Vater, der mir erzählt hatte, dass seine Schallplatte mit den Goldbergvariationen den Geist aufgegeben hatte. Natürlich wusste ich von den zwei Einspielungen und war total glücklich über meinen Fund, aber als ich die CD umdrehte war sah ich das Aufnahmejahr: 1954! Ich dachte erst, ich wäre verrückt und sah nocheinmal hin... ich hatte mich nicht geirrt. Gould hat die Goldbergvariationen dreimal eingespielt, auch wenn diese Version kaum bekannt ist.
@Little_Swan,
ersteinmal herzlich willkommen! Bist Du mit 1954 sicher? Mir fällt nur 1955, 1981 und 1959 in Salzburg bei Gold ein ....
(Wiedergabe der kürzlich entdeckten Studio-Einspielung aus dem Jahr 1954)
HenningKolf (18.12.2007, 19:21): @ Little_Swan
auch von meiner Seite ein herzliches Willkommen in diesem Forum. Ich wünsche Dir viel Spass hier.
Gruß Henning
Amadé (18.12.2007, 20:02): Little_Swan,
auch von mir ein herzlicher Willkommensgruß. Was Du über die bisher unbekannte Aufnahme von 1954 berichtest, scheint korrekt zu sein. Kürzlich berichtete Sony in einer Publikation von dem Tonband-Fund. Ich habe die "neue" Interpretation jedoch auch noch nicht gehört.
Gruß Amadé
Walter (18.12.2007, 20:11): Original von Amadé Little_Swan,
auch von mir ein herzlicher Willkommensgruß. Was Du über die bisher unbekannte Aufnahme von 1954 berichtest, scheint korrekt zu sein. Kürzlich berichtete Sony in einer Publikation von dem Tonband-Fund. Ich habe die "neue" Interpretation jedoch auch noch nicht gehört.
Gruß Amadé
Hört! Hört!
da hat Little Swan uns was zum nachhören gegeben!!
HERZLICH WILLKOMMEN! :D
ab (18.12.2007, 22:58): Inzwischen gibt es neben den genannten noch ein weitere, nämlich folgende s.g. "Zenph Re-Performance" - ein Kuriosum:
Wiedergabe der 1955 eingespielten Goldberg-Variationen durch einen computergesteuerten modernen Konzertflügel. Dank einer komplexen Software ist es dem amerikanischen Zenph Studio gelungen, jede Nuance in Anschlag, Artikulation und Pedalgebrauch zu entschlüsseln und mit Hilfe modernster Technik auf einem heutigen Konzertflügel wiederzugeben. Glenn Gould, Klavie
Am besten soll bei 1955 übrigens die von Naxos klingen.
Little_Swan (07.01.2008, 20:53): Hallo!
Habe mir inzwischen Goulds Aufnahme der Goldbergvariationen von 1954 angehört. Sie hat zwar einen relativ großen historischen Wert und es ist durchaus auch interessant, wenn man die beiden anderen kennt, zu vergleichen, wer aber Musik sucht, um sie zu genießen, dem rate ich von einem Kauf ab. Im Hintergrund scheppert und knistert es dermaßen, dass es mich schon nach fünf Minuten angenervt hat. Ich habe dann tapfer durchgehalten, war aber froh, als es vorbei war.
Alles Liebe, Lea
Rachmaninov (07.01.2008, 21:01): Original von Little_Swan Hallo!
Habe mir inzwischen Goulds Aufnahme der Goldbergvariationen von 1954 angehört. Sie hat zwar einen relativ großen historischen Wert und es ist durchaus auch interessant, wenn man die beiden anderen kennt, zu vergleichen, wer aber Musik sucht, um sie zu genießen, dem rate ich von einem Kauf ab. Im Hintergrund scheppert und knistert es dermaßen, dass es mich schon nach fünf Minuten angenervt hat. Ich habe dann tapfer durchgehalten, war aber froh, als es vorbei war.
Alles Liebe, Lea
Derartige Nebengeräusche sind natürlich sher unangenehm und da rate ich dann doch auch eher zu einer der anderen GBV Aufnahmen, vor allen die aus Salzburg :hello
ab (07.01.2008, 21:47): Heute hörte ich kurz in die 6-CD-Box früher Radiomitschnitte aus Canada hinein, auf der auch die 54er Gouldbergvariationen droben sind. Äußerst interessant! Hier spielt Gould nämlich noch deutlich weniger manieriert als in späteren Aufnahmen. Insbsondere - und das hätte ich nicht erwartet - sind die Aufnahmen, und nicht nur die der Goldbergvariationen, von einem Atmen getragen und sind noch nicht in dieses rhythmischen Unerbitterlichkeit.
Die Goldbergvariationen im Besonderen sind deutlich meditativer und erinnern auch bei mancher Linie mehr an das Salzburger Konzert als an das CBS-Debut von 55. Gelegentlich mutete es mir sogar so romantisch an wie er es sich erst wieder in seiner letzten Einspielung von 81 getraut hat: da schließt sich der Kreis.
Die Beethoven-Bagatellen nimmt er im großen und ganzen in vernünftigeren Tempi als in der späteren gedehnten Studio-Aufnahme; manch schnelle Variation ist aber unglaublich gerast, dass einem nur der Mund offen bliebt.
Der Vergleich lohnt!
Little_Swan (12.01.2008, 20:17): Lieber ab!
Jetzt mal abgesehen von der Qualität der Aufnahme - welche von den dreien gefällt dir am besten? 1954 , 1955 oder 1981? Ist es nicht auch die rhythmische Unerbitterlichkeit, die seine Musik so bedeutend gemacht hat? Über seine extremen (sowohl die schnellen als auch die langsamen) Tempi kann man sich ja sowoiso streiten!
Viele Grüße, Lea
satie (12.01.2008, 21:32): Ist es nicht auch die rhythmische Unerbitterlichkeit, die seine Musik so bedeutend gemacht hat? Hm...ob das eine Qualität per se ist, halte ich zumindest für diskutierenswert. Die absolute Qualität in Goulds Spiel liegt meiner Meinung darin, dass er wie kein anderer polyphon spielen konnte, sprich jede Stimme in einem mehrstimmigen Satz hörbar machen konnte UND eben auch alle gleichzeitig zu hören schien. Entsprechend interessierte Gould ja auch nur wirklich polyphone Musik. Angeblich war ihm oft genug die Musik allein an Komplexität nicht ausreichend und er schaltete beim Üben auch noch das Radio und den Fernseher ein, welche er zusätzlich noch zu hören versuchte. Ob er das konnte, weiß ich nicht, auch scheint es mir sehr unwahrscheinlich.
Herzlich, S A T I E
ab (12.01.2008, 22:24): Original von Little_Swan Lieber ab!
Jetzt mal abgesehen von der Qualität der Aufnahme - welche von den dreien gefällt dir am besten? 1954 , 1955 oder 1981? Ist es nicht auch die rhythmische Unerbitterlichkeit, die seine Musik so bedeutend gemacht hat? Über seine extremen (sowohl die schnellen als auch die langsamen) Tempi kann man sich ja sowoiso streiten!
Viele Grüße, Lea
Hallo Lea,
die 54er kenne ich nur vom kurzen Reinhören, das CBS-Debut von 1955 mag ich eigentlich recht wenig, weil es mir zu unzusammenhängiend ist - ähnlich wie auch sein WTK. Am Liebsten höre ich den Salzburger Konzertmitschnitt von 1959, genauso wie die Dreistimmigen Inventionen aus Moskau, die auf derselben Sony-CD droben sind. Seine letzte Aufnahme von 1981 ist mir eigentlich schon fast zu"romantisch".
Ich mag ja Gould mehr als Beethoven und Brahms-Interpret und für die Werke des 20. Jahrhunderts, denn für seinen Bach. Ich bewundere ihn insbesondere für seine intuitive Musikalität sowie, wie Satie es schon trefflich genannt hat, der Fähigkeit der totalen polyphonen Unabhängigkeit der Linien, etwas, was meinem persönlichem Geschmack besonders entgegen kommt.
An nicht-kontrapunktischer Musik schätzte Gould angeblich nur noch die Grieg-Sonate; Grieg war für ihn quasi sakrosankt, wegen seiner Verwandtschaft zu diesem Komponisten. :J
ClockworkOrange (25.07.2008, 16:58): Auch wenn der Thread schon alt ist...
Mir gefällt Gould (nach dem, was ich von ihm kenne) überhaupt nicht. Was eventuell daran liegen könnte dass ich bisher kaum Bach gehört habe.
Als Beispiel mal eine Hörprobe von Beethoven, Mondscheinsonate 3. Satz :
Von Gould Von Perahia
Gould hetzt geradezu durch das Stück, er braucht weniger als fünf Minuten dafür... man bekommt den Eindruck, er spielt es nur so schnell weil er es kann. Dabei fühlt man überhaupt nichts. Perahias Version finde ich dagegen herausstechend.
satie (25.07.2008, 17:42): Uiuiui, ja, wenn das rasende Tempo wenigstens nicht noch durch diese grausigen Rubati unterbrochen würde...nein, das ist wirklich nichts, vor allem geht einfach zu viel flöten, besonders in der Artikulation. Ein Beispiel für jenen Gould, der Musik vergewaltigt. Zum Glück gibt es nicht nur solche Beispiele von ihm.
ClockworkOrange (25.07.2008, 18:01): Original von Satie Uiuiui, ja, wenn das rasende Tempo wenigstens nicht noch durch diese grausigen Rubati unterbrochen würde..
Du sprichst mit einem interessierten Laien :) Wenn ich das richtig verstanden habe, bedeutet Rubato das "Verschleppen" von Noten, um dem Stück mehr Ausdruck zu verleihen. Man klebt also nicht gnadenlos am Takt. Das finde ich zunächst mal angenehm, und auch Perahia wendet dieses Mittel an, oder ? Daher verstehe ich nicht genau, warum du gerade das an Goulds Interpretation bemängelst - aber wie gesagt, mir fehlt der fachliche Hintergrund. Lass mich ein wenig lernen !
Grüsse, Clockwork
satie (25.07.2008, 19:47): Na ja, wenn man ein extrem schnelles Tempo wählt, das einfach nur pures Vorwärtsdrängen ist, finde ich es nahezu unmöglich, einfach in einer Passage langsamer zu spielen und dann wieder zurück zur Raserei zu gehen. Perahia nimmt eher Zeit, um einzelne Töne gewichtiger zu spielen und zieht gleich wieder an, zumindest ist der Unterschied bei ihm nicht so stark wie bei Gould. Generell gibt es eine stark vereinheitlichende Tendenz beim Sonatenspiel, die aus einer pauschalen Behauptung irgendwelcher Theoretiker hervorging: das männliche und das weibliche Thema, bzw. die Zwangsvorstellung des kontrastierenden Seitenthemas. Auch bei diesem Finalpresto spielen die meisten den Seitensatz lyrisch, und man kann sich hier über vieles streiten, denn "lyrisch" muss sich nicht zwangsläufig auf den Parameter des Tempos auswirken. Man könnte den ganzen Satz durchaus ohne jedes Rubato spielen, und ich bin der Meinung, dass es vor allem eine Art tradierter Interpretation ist, die dem im Wege steht. Auch muss ein Seitenthema überhaupt nicht unbedingt kontrastierend sein, dafür gäbe es genügend Beispiele (gerade auch bei Beethoven). Wie auch immer: ich finde Perahias Spiel erlaubt das Rubato eher, weil es sich in kleineren Bereichen aufhält. Gould hingegen scheint eher der Meinung zu sein, man könne den ganzen Seitensatz in einem zurückgeschraubten Tempo spielen, was meiner Ansicht nach nicht geht, wenn man mit Raserei beginnt, weil dann der Seitensatz wie eine Durststrecke wirkt. Aber selbstverständlich: eine subjektive Meinung, die man durchaus nicht vertreten muss!
Herzlich, S A T I E
ClockworkOrange (25.07.2008, 20:27): Hallo Satie,
das kann ich nachvolllziehen, danke für die kleine Lehrstunde. Ich schätze, man kann heute kaum noch (anhand von Aufzeichnungen) nachvollziehen, wie der Komponist die Musik ursprünglich gespielt haben wollte ?
Ich würde übrigens gern häufiger derartige Fragen stellen, allerdings gleite ich damit wohl zwangsläufig in jedem Thread ins off-topic ab. Werd mich mal im Forum umschauen ob es dafür eine passendere Ecke gibt.
Grüsse, C-O
Gamaheh (25.07.2008, 23:43): Original von ClockworkOrange Ich würde übrigens gern häufiger derartige Fragen stellen, allerdings gleite ich damit wohl zwangsläufig in jedem Thread ins off-topic ab. Werd mich mal im Forum umschauen ob es dafür eine passendere Ecke gibt.
Hallo C-O,
es gibt da in "Allgemeine Klassikthemen" diesen Faden "Musikalische Grundlagen - allgemeine Fragen" oder so ähnlich, der sich für so etwas anzubieten scheint.
Lieber Satie,
es ist doch rubato an und für sich nichts Schlechtes, denn was irgendwo geraubt wird, muß in der Musik zumindest - wie auch in der klassischen Metrik - zurückgegeben werden. In der klassischen Metrik allerdings - und in der Musik auch - darf man das nicht übertreiben, es gibt schon gewisse - möglicherweise unausgesprochene - Regeln. Wenn Hexameter über Seiten immer nur lang-kurz-kurz gehen, dann wird man dessen schnell überdrüssig, und so ist es in der Musik wohl auch. Die Kunst ist es wohl, diesen Gleichschritt "unmerklich" (wie Bruno Walter es sagt) aufzulockern.
Gould hat vielfach provoziert, und sicher nicht nur, um zu provozieren, sondern auch, um den ewig gleichen Wohlklang aufzubrechen. Sein Bach ist für mich unerreicht, und wenn man auch Beethoven oder Mozart eher anders schätzt, so gibt es für mich weitaus Schlimmeres - weil Unreflektierteres, Gleichgültigeres - als die Aufnahmen von Gould.
Grüße, Gamaheh
Derernst (16.12.2008, 17:12): Hallo Forum!
Ich oute mich hier auch als "Fan" von Glenn Gould, obwohl ich - ehrlich gesagt - die meisten anderen Pianistinnen und Pianisten kaum oder nicht kenne. Auch mir gefällt besonders Goulds bereits oben beschriebenes transparentes, teilweise beinahe "maschinenhaftes" Spiel.
Da mir Beethoven näher liegt als Bach, gefällt mir Gould besonders auch als Beethoven-Interpret, wobei ich durchaus die Kritik an seiner Appassionata verstehe. Grosse Highlights sind dabei für mich Goulds Interpretationen der Sonaten Nr. 15, 16, 17 sowie Nr. 1. Besonders im Trio der Pastorale (das er ja, wie ich mich andernorts belehren liess, nicht ganz korrekt spielte) und im 3. Satz der Sturm-Sonate kommt Goulds einzigartige Spielweise meines Erachtens in ganz eigener Weise zum Tragen.
Ein häufig geäusserter Kritikpunkt an Goulds Beethoven-Interpretationen betrifft sein häufiges Auslassen von Wiederholungen. Hierzu ist mir der Gedanke gekommen, dass Gould ja hauptsächlich für Schallplatten spielte, und nur zu Beginn seiner Karriere live auftrat. Beethoven komponierte in einer Zeit, da das Konzert noch die einzige Möglichkeit war, Musik zu hören. Und im Konzert ist immer vorüber, was gespielt ist. Dem gegenüber kann man sich eine Platte wieder und wieder anhören. So gesehen kann der Verzicht auf gewisse Wiederholungen auf der Schallplatte dem Werk durchaus zuträglich sein, wo die gleiche Wiederholung im Konzert sinnvoll ist (besonders in einer Zeit, da das Publikum das Werk vor dem Konzert noch nicht kennt). Es ist denkbar, dass Beethoven heute auch einige seiner Wiederholungen auslassen würde.
Rachmaninov (17.12.2008, 08:06): Original von Derernst Hallo Forum!
Ich oute mich hier auch als "Fan" von Glenn Gould, obwohl ich - ehrlich gesagt - die meisten anderen Pianistinnen und Pianisten kaum oder nicht kenne. Auch mir gefällt besonders Goulds bereits oben beschriebenes transparentes, teilweise beinahe "maschinenhaftes" Spiel.
Es scheint eine der Gaben GG zu sein, Menschen zu fesseln, zu packen und zu begeistern.
Eine sehr schöne Eigenschaft!
Rachmaninov (11.01.2009, 09:42): Original von Leif Erikson http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0886970335027.jpg
Dies ist eine von der originalen Mono-Einspielung von Glen Gould durch Computeranalyse und ein Yamaha-Digitalklavier erstellte Neueinspielung der Gouldschen Interpretation. Die Hörbeispiele klingen super, ganz ohne Gesang. Vielleicht wird dies meine erste Glen Gould CD.
Gruß, Leif.
Hier wäre ich eher skeptisch. Gould spielte Seteinway und ich finde, die klingen deutlich andres als die Yamaha Produkte.
cellodil (11.01.2009, 13:36): Original von Rachmaninov Original von Leif Erikson http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0886970335027.jpg
Dies ist eine von der originalen Mono-Einspielung von Glen Gould durch Computeranalyse und ein Yamaha-Digitalklavier erstellte Neueinspielung der Gouldschen Interpretation. Die Hörbeispiele klingen super, ganz ohne Gesang. Vielleicht wird dies meine erste Glen Gould CD.
Gruß, Leif.
Hier wäre ich eher skeptisch. Gould spielte Seteinway und ich finde, die klingen deutlich andres als die Yamaha Produkte.
... und dann auch noch ein "Digitalklavier"... Das braucht doch kein Mensch. Und ich würde mal vermuten, dass Glenn sich da nicht nur im Grab umdrehen, sondern rotieren würde...
... und das "Singen", das gehört doch dazu... für mich jedenfalls
Gamaheh (11.01.2009, 23:43): Original von Rachmaninov Hier wäre ich eher skeptisch. Gould spielte Seteinway und ich finde, die klingen deutlich andres als die Yamaha Produkte. Soviel ich weiß, hat Gould die letzten Jahre nur noch Yamahas gespielt, nachdem er sich mit Steinway überworfen hatte (aber ich kann mich irren).
Frage an den Fachmann: Wie ist denn diese neue "Einspielung" eigentlich hergestellt worden?
Grüße, Gamaheh
Nachtrag: Gerade hier gefunden: "Die Unterschiede zwischen der ersten Aufnahme der Goldberg-Variationen, mit der er 1952 seine Schallplattenkarriere begann, und der zweiten, mit der er sein Leben beschloss, haben Heerscharen von Kommentatoren bis ins Detail herausgearbeitet. Weshalb die erste kühner und die zweite reifer ist, dass die erste auf einem brillanten Steinway und die zweite auf einem weniger brillanten Yamaha-Flügel entstand, gehört inzwischen zum Grundwissen des Klassikhörers."
Gamaheh (11.01.2009, 23:48): Dies ist die Fortsetzung des Zitats aus dem Faden Wie wichtig ist eine Interpretation ... aus der Sendung "Prisma Musik" (NDR Kultur, 2007, zum 75. Geburtstag bzw. 25. Todestag von Glenn Gould):
"Bei Gould dürfte schon das Sprechende, Beredte seines Spiels, die ständige Abweichung davon, wie gemeinhin Musik gesprochen wird, das Manieristische somit – das mit dem bloß Manierierten, das es bei ihm auch gibt, nicht zu verwechseln ist – ein Ausdruck seiner besessenen Liebe zur Musik gewesen sein.“
Etwas verwegener fährt der Autor (ich weiß leider nicht zu sagen, wer das ist bzw. möchte hier nichts Falsches sagen) fort: „Gould liebte die Musik, wie der Einsame sein Haustier liebt, das er sich zugelegt hat, um zu lieben und so wenigstens die eigene Liebe zu spüren, um überhaupt sich selbst zu spüren.“
Was soll man dazu sagen?
In derselben Sendung sagt die Pianistin Maria Joao Pires, sie bewundere Gould nicht so sehr wegen seines Intellekts, seines großen Wissens, sondern wegen seiner Intensität, seiner starken Bindung an die Musik, die er spielt; er stehe immer unter Strom, schöpfe Energie wie aus einer direkten Quelle, die zu Bach führt; es sei eine Wahrheit, die aus dieser Energie komme, nicht aus der Moral.
Grüße, Gamaheh
Cetay (inaktiv) (12.01.2009, 12:23): Original von Gamaheh
In derselben Sendung sagt die Pianistin Maria Joao Pires, sie bewundere Gould nicht so sehr wegen seines Intellekts, seines großen Wissens, sondern wegen seiner Intensität, seiner starken Bindung an die Musik, die er spielt; er stehe immer unter Strom, schöpfe Energie wie aus einer direkten Quelle, die zu Bach führt; es sei eine Wahrheit, die aus dieser Energie komme, nicht aus der Moral.
"Unter Strom stehen" ist wohl der genaueste Ausdruck dessen, was ich beim Hören der 3 letzten Sonaten (opp. 109-111) von Beethoven mit Gould empfinde - die Intensität und Energie überträgt sich unmittelbar auf mich, und das bei jedem Hören immer wieder aufs Neue. Auf eine herkömmlichere, sprich objektive Weise kann ich kaum beschreiben, warum ich diese Aufnahme allen anderen mir bekannten deutlich vorziehe.
Cetay (inaktiv) (26.01.2009, 16:21): Original von Gamaheh
Hallo Dox,
ich habe das zum Anlaß genommen, meine alten Platten mal wieder rauszukramen. Deine Faszination kann ich durchaus (zum Teil) nachvollziehen (das kommt aber heutzutage ein bißchen auf meine Stimmung an): Die Mondschein finde ich großartig! Bei der Pathétique bin ich jedoch der Meinung, daß Gould ihr nicht gerecht wird, und seine Version der Appassionata kann ich - eigentlich - in weiten Teilen nur als Karikatur empfinden.
Generell habe ich den Eindruck, daß Gould die Sachen am besten gespielt hat, die er am meisten geschätzt hat. So nennt er die Mondschein "ein Meisterwer intuitiver Gestaltung"; von der Appassionata allerdings meint er, es gebe dort "eine egoistische Aufgeblasenheit, eine trotzige "Wolln doch mal sehen, ob ich nicht davonkomme, wenn ich das nochmal verwende"-Haltung, die dieser Beethoven-Sonate bei meiner eigenen privaten Umfrage einen Platz irgendwo zwischen der König-Stephan-Ouvertüre und der Sinfonie Wellingtons Sieg zuweist."
Was die drei letzten Sonaten betrifft, so schätze ich sie weit mehr, wenn mir auch seine Tempi nicht immer liegen. Über diese drei Sonaten schreibt Gould, der zumindest immer wieder erstaunt, mit der Abgeklärtheit der Jugend 1956: "Musik ist eine geschmeidige Kunst, ergeben und philosophisch dehnbar, und es ist keine große Leistung, sie zu formen nach dem eigenen Wunsch - doch wenn, wie in den Werken, die wir nun vor uns haben, sie uns trägt in ein Reich solch seligen Glücks, ist es ein besserer Zeitvertreib, dies nicht zu versuchen."
Grüße, Gamaheh
Liebe Gamaheh,
ich finde es immer wieder spannend wie man bezüglich des gleichen Gegenstands zu völlig konträren Aussagen kommen kann. Mir kam in den Sinn, dass Gould -bei Beethoven- immer dann am besten war, wenn er das Gespielte nicht besonders geschätzt hat. Laut Klappentext sagte er, dass er den ersten Satz von op. 111 deswegen so rasend schnell gespielt hat, weil der kompositorisch so lausig sei. Er wollte es einfach schnell hinter sich haben. Nun war gerade op. 111 bislang für mich ein Buch mit sieben Siegeln - Gould hat sie alle aufgebrochen. Ähnliches gilt für die Appassionata, die ich immer nur gehört habe, weil ich endlich verstehen wollte, was daran so toll sein soll - bei Gould hat es gezündet. Vielleicht liegst du mit der Karikatur gar nicht so falsch. Wikipedia schreibt: Die Karikatur übertreibt bewusst, spitzt zu und verzerrt charakteristische Züge eines Ereignisses oder einer Person, um durch den aufgezeigten Kontrast zur Realität und die dargestellten Widersprüche den Betrachter der Karikatur zum Nachdenken zu bewegen. Nur dass Gould in jeder Beziehung untertreibt und damit der Sonate alles heroisch-monumentale nimmt. Diese Verabsolutierung als "Kontrast zur Realität" zeigt, dass das Werk auch ohne diese Zutaten äußerst lebensfähig ist - und für mich dadurch erst richtig genießbar.
:hello Jochen
Dr. Schön (27.01.2009, 12:53): @Dox
Etwas ähnlich wie du es schilderst ging es mir einst mit Beethovens Klavierkonzerten. Ich kann jeden verstehen, der sich an diesen Aufnahmen stört, aber es waren die ersten, bei denen ich bei diesen Werken wirklich hellhörig wurde, weshalb sie noch heute den größten Stein im Brett haben. (Es ist heute eher Bernsteins Begleitung, bei Nos 2-4, die schuld daran ist, dass ich diese Aufnahmen nicht mehr ganz so abgöttisch liebe wie einst)
Heike (28.01.2009, 09:50): Hallo Ähnliches gilt für die Appassionata, die ich immer nur gehört habe, weil ich endlich verstehen wollte, was daran so toll sein soll - bei Gould hat es gezündet. So unterschiedlich kann es sein - ich kann mit Goulds Apassionata gar nichts anfangen. Ich liebe z.B. die alte Aufnahme von Schnabel (1933), der meiner Meinung nach auch das bedrohliche und ein wenig unheimliche in der Musik ausdrückt und auch das miteinander verflochtene der Motive konsequent, spannungsvoll und wunderschön zusammenbringt.
Gould hingegen seziert das Stück förmlich. Er nimmt das auseinander, was zusammengehört. Schon in den ersten Takten, wo Schnabel sehr leise und lyrisch beginnt und dann das Schicksals- Motiv sehr subtil vorstellt und dann bedrohlich ausweitet (da kommt Gänsehaut auf), greift Gould gleich in die Extreme-Kiste und macht in meinem Empfinden damit alles Spannende kaputt, langweilt mich auch. Es kommt mir fast vor, als wenn er sich darüber lustig macht.
Heike
Cetay (inaktiv) (28.01.2009, 12:44): Original von Hebre Hallo Ähnliches gilt für die Appassionata, die ich immer nur gehört habe, weil ich endlich verstehen wollte, was daran so toll sein soll - bei Gould hat es gezündet. So unterschiedlich kann es sein - ich kann mit Goulds Apassionata gar nichts anfangen. Ich liebe z.B. die alte Aufnahme von Schnabel (1933), der meiner Meinung nach auch das bedrohliche und ein wenig unheimliche in der Musik ausdrückt und auch das miteinander verflochtene der Motive konsequent, spannungsvoll und wunderschön zusammenbringt.
Gould hingegen seziert das Stück förmlich. Er nimmt das auseinander, was zusammengehört. Schon in den ersten Takten, wo Schnabel sehr leise und lyrisch beginnt und dann das Schicksals- Motiv sehr subtil vorstellt und dann bedrohlich ausweitet (da kommt Gänsehaut auf), greift Gould gleich in die Extreme-Kiste und macht in meinem Empfinden damit alles Spannende kaputt, langweilt mich auch. Es kommt mir fast vor, als wenn er sich darüber lustig macht.
Heike
In der Tat war irgendwo mal zu lesen, dass sich Gould darüber lustig gemacht hat, allerdings nicht über das Werk, sondern über die Interpreten, die alles mögliche hineindeuten. Vielleicht wollte er durch die Reduktion auf Klang, Struktur und Dynamik zeigen, was letzlich tatsächlich drinsteckt, wenn man die oben zitierte "egoistische Aufgeblasenheit" wegläßt. Mancher ist das zu wenig, manchem erscheint es als Offenbarung.
Die Vergleichsmöglichkeit mit Schnabel werde ich hoffentlich bald haben. :engel
Heike (28.01.2009, 13:03): Meine (gewagte) These ist ja, dass der autistisch veranlagte Gould mit einigen der Gefühle, die Musik ausdrücken könnte, einfach nicht viel anfangen kann, dass es ihn verunsichert und dass er es auch deshalb lächerlich macht.
Ich liebe hingegen Goulds Bach. Wenn er raffinierte Strukturen und Klänge auslloten kann, ist er in seinem Element. Heike
Gerion (28.01.2009, 14:10): Ich sehe es ähnlich. Gould wirkt für mich immer dann stark, wenn die Musik innerlich, nachdenklich wirkt, wenn das Stück ein in sich abgeschlossenes Universum entstehen lässt - wei bei Bachs Goldbergvariationen etwa. Ist die Musik eher diesseitsgewandt, ist sie von einer ansteckenden Bewegtheit, so wirkt Goulds Spiel auf mich nie ganz optimal. Paradox: Im (oft) meditativen Bach ist es gerade Gould, der der Musik ein bewegendes Momentum, eine anrührende Intensität verleiht.
Rachmaninov (15.03.2009, 12:22): Vor einigen Tagen hörte ich die 3. Chopin SOnate in der Gould Aufnahme.
Was bei Gould einfach unglaublich stark ist, ist die linke Hand. Fällst einfach immer wieder bei ihm auf.
Wohl auf einer der Gründe der Faszination seines Bach-Spiels.
Heike (15.03.2009, 21:55): Interessant, Gould + Chopin habe ich bisher noch nicht gekauft, weil ich weiß, dass er Chopin nicht besonders schätzte. Vielleicht sollte ich in diese Aufnahme doch mal reinhören, ich mag die Sonate sehr. Heike
Gamaheh (15.03.2009, 22:03): Glenn Gould hat Chopin eingespielt? Es ist doch nicht schon wieder der 1. April und ich habe es nicht gemerkt?
Grüße, Gamaheh
P.S.: Ich sehe gerade im Programmheft von "Glenn Gould gesamt", seinerzeit (1992-93) auf diversen 3. Radioprogrammen (von Michael Stegemann), daß er das tatsächlich gespielt hat - habe ich wohl damals verpaßt ...
kreisler (15.03.2009, 22:04): Ich habe eine Doppelcd aus der "Gould-Edition" wo er lauter Werke spielt, die er eigentlich gar nicht mag :P Unter anderem auch diese Chopin-Sonate. Aber ehrlich gesagt kann ich mich dafür nicht besonders begeistern, irgendwie mag ich es nicht, wenn ich das Gefühl habe, dass sich Interpret für die Musik die er spielt nicht begeistert. So geht es mir bsp. auch bei seiner Einspielung der Mozart-Sonaten und auch bei der ein oder anderen Beethoven-Sonate von ihm...
Grüße, Kreisler
Heike (15.03.2009, 22:09): Mozart mit ihm kenne ich nicht (weil ich Mozart selten höre) und seinen Beethoven mag ich nicht besonders. Daher war ich auch skeptisch bei dem Chopin. Allerdings gefallen mir seine Liszt-Transkriptionen zu Beethoven recht gut, und Liszt schätzte er wohl auch nicht besonders - also mal sehn was er aus dem Chopin macht. Heike
Rachmaninov (16.03.2009, 11:29): Original von kreisler
Unter anderem auch diese Chopin-Sonate. Aber ehrlich gesagt kann ich mich dafür nicht besonders begeistern, irgendwie mag ich es nicht, wenn ich das Gefühl habe, dass sich Interpret für die Musik die er spielt nicht begeistert.
Hörst Du das, hast Du eine entsprechene Äußerung Gould gelesen oder direkt von ihm gehört oder beziehst Du das auf Äußerungen dritte.
Kenne mich mit seinen Interviews nicht aus und habe VON IHM nichts dementsprechendes gelesen.
Vielleicht ist die Verdichtung "er mochte das Werk nicht" etwas zu pauschal bezogen auf seine eigentliche Aussage! ?(
kreisler (16.03.2009, 15:21): Ehrlich gesagt, habe mir auch gleich danach überlegt, ob das denn immer richtig war. Also zum einen gibt es Zahlreiche Äußerungen, er fände Mozart tota überschätzt Beispiel: Es gibt eine Aufnahme des C-moll Konzertes zu dem er den Text auf der Ruckseite der Platte selber verfasst hat. er biginnt so ungefähr mit: Dieses Konzert ist eines der schwächeren von Mozart, die Theman wirken viel zu steif etc. Freilich kann man sagen, er beziehe sich hier nur auf dieses spezielle Werk und die Kritik sei durchaus fundiert, aber ich meine, in seinen beiden Büchern auch weiter abfälliges über Mozart, die Appassionata und weitere Werke gelesen haben...
Und was Chopin angeht, das habe ich nur (von dritten) gehört; jedoch kann ich es mir anders kaum vorstellen...
Man kann sagen, Gould sei einfach sehr kritisch gewesen, gegenüber dem was er gespielt hat: Und da hat er eben eine grundlegend andere Auffassung von Interpretation als ich. Meiner Meinung nach können sich nur ein Komponist, und der sollte es eigentlich auch nicht machen (ich weiß nicht ob Gould sich als solch einer sah) oder die Kritiker, oder aber völlig aussenstehende Personen, ich sag mal "Laien", weil ich keinen besseren Begriff finde, solch gravierende Kritik leisten. Aber niemals der Interpret! Vielleicht klingt dass etwas idealistisch, aber ich setze bei einem Interpreten eine gewisse "Liebe" zum Werk voraus. Bei Gould spüre ich eher etwas rebelisch, Extravagantes.
Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele (GBW) aber ich glaube, die mochte er auch wirklich...
lg kreisler
Pollux (16.03.2009, 17:28): Wenn Gould Mozart nicht mochte oder für überschätzt hielt, dann stellt sich für mich die Frage, warum er die Klaviersonaten denn komplett eingespielt hat. So weit ich weiß, gab es diesbezüglich keinen Druck seitens der Plattenfirma, es war also seine freie Entscheidung. Um nachzuweisen, dass Mozart überschätzt wird, hätten ja ein paar ausgewählte Sonaten eigentlich genügt. Vielleicht war's ja Hassliebe? Oder eine Art Exorzismus, den er an sich selber vornahm? Wie auch immer, mir macht sein Mozartspiel höllischen Spaß! Seine Lesart kann man gewiß als eigenwillig und verschroben bezeichnen, so wie er durch die meisten Sonaten galoppiert. Aber direkt falsch klingt das in meinen Ohren nicht, jedenfalls bei den meisten Sonaten. Dass er nun ausgerechnet beim türkischen Marsch voll auf die Bremse steigt, offenbart für mich einen herrlich hintersinnigen Humor, der mir sehr sympathisch ist.
Sarastro (16.03.2009, 19:51): Gould und Mozart
Was das Unverständnis Goulds für Mozart betrifft, läßt sich das sehr wohl belegen, nicht bloß aus seiner Art, wie er manche dieser Werke spielte (ich habe seine Einspielung der "Sonata facile" von einer Radiosendung in schrecklicher Erinnerung). Bei Dietrich Klose (Hrsg.), Über Mozart. Von Musikern, Dichtern und Liebhabern. Eine Anthologie, Stuttgart 1991, ist auf S. 267-271 ein 1976 aufgezeichnetes Interview zwischen dem Geiger, Filmregisseur und Schriftsteller Bruno Monsaingeon und dem kanadischen Exzentriker abgedruckt. Da heißt es unter anderem über Mozarts Klavierwerke: "Ich konnte einfach nicht verstehen, wie meine Lehrer und andere mutmaßlich geistig gesunde Erwachsene aus meiner Bekanntschaft diese Stücke zu den großen musikalischen Schätzen der westlichen Menschheit rechnen konnten. Der eigentliche Vorgang, sie zu spielen, war andererseits immer sehr vergnüglich".
"Also, 'inspiriert' ist kein Wort, mit dem ich in bezug auf Mozart etwas anfangen kann" (S. 268). Er räumt dann aber zumindest ein, daß ihn bestimmte Aufnahmen mit Casadesus "beeindruckt" hätten.
Bei einigen der früheren Klavierwerke Mozarts aus den 70er Jahren gesteht er ein, daß sie wegen ihrer "barocken Vorzüge" die "besten von dem Haufen" wären, vor allem KV 284, "meine Lieblingssonate" (S. 271; also wenigstens etwas ...).
Über die g-Moll-Symphonie KV 550 sagte er: "Aber für mich besteht die g-Moll-Sinfonie aus acht bemerkenswerten Takten (...) und drumherum einer halben Stunde von Banalität. Ich meine es völlig ernst, wenn ich sage, daß ich mehr Gefallen finden kann an KV 16" (S. 270; er spricht von Mozarts erster(!), Ende 1764 / Anfang 1765 komponierter Symphonie, "dem einzigen Mozart-Stück, das ich je dirigiert habe, ob Sie´s glauben oder nicht" (S. 271).
Es steht natürlich jedem frei, Mozart nicht zu mögen, aber wer solche unqualifizierten Urteile und Vergleiche losläßt, den kann ich - auch wenn er als Bach- und Brahmsspieler noch so gut ist - intellektuell nicht ernstnehmen, tut mir leid :S.
Grüße, Sarastro
kreisler (16.03.2009, 21:17): Sarastro,
mir ging es bei solchen Aussagen ähnlich und schrieb Gould bei mir erstmal ab... jedenfalls bei allem außer Bach und ein paar vereinzelten Sachen. Aber besonders sein Mozart.
Übrigens, warum er die Mozart-Sonaten eingespielt hat, kann ich auch nicht sagen. Vielleicht mochte er sie ja, wenn er ganz ehrlich war und es sich nur nicht eingestehen mochte, doch sehr gerne. Sonst könnte mir aber nicht vorstellen, dass die Entscheidung nur auf der musikalischen Auseinandersetzung mit den Sonaten beruhte; für mich hat das auch etwas spöttisches, oder "ha, jetzt zeig ich euch mal wie man euren Mozart auch spielen kann." Sicher braucht es auch solche Leute, und ich kann verstehen was Pollux meint. Trotzdem: Verachtet mir die Meister nicht!
Ich hab dann angefangen mich trotzdem (oder deswegen?) wieder verstärkt für Gould zu interessieren. Und obwohl mich einige Aufnahmen zum zweiten mal enttäuschten, achte ich ihn jetzt noch höher, und habe vielleicht etwas mehr verstanden, worum es ihm ging... Außerdem ist er immer noch ein verteufelt guter Pianist, Musiktheoretiker hin oder her.
lg kreisler
Sarastro (31.10.2009, 16:50): Die Tempi bei Goulds Mozart sind in der Tat häufig viel zu schnell, nur bei der A-Dur-Sonate (KV 331) ist es genau andersherum: Das Alla Turca wird so gemütlich gespielt, daß es fast schon wieder witzig und unfreiwillig(?) komisch wirkt, aber bitte – man könnte immerhin noch argumentieren, daß Mozart hier keine ausdrückliche Tempoangabe gemacht hat, und der Schlußsatz einer klassischen Sonate muß an sich nicht unbedingt schnell sein. Viel schlimmer wird m.E. der einleitende Variationssatz behandelt; bei Gould ist das beim besten Willen kein Andante mehr, sondern ein Adagio molto – die Musik zerfällt hier gewissermaßen in ihre Einzelbestandteile, das Ganze wird zur Persiflage. Bei so zweifellos bedeutenden Werken wie KV 331 a-Moll und KV 533 F-Dur werden die Kopfsätze so schnell gespielt, daß alles in sich zusammenstürzt: Für KV 331 ist mit gutem Grund „Allegro maestoso“ vorgeschrieben und nicht Allegro assai oder etwas derartiges.
Ganz anders war Goulds Verhältnis zu Haydn, den er nach eigenem Bekunden sehr geschätzt hat und von dessen Klaviersonaten, zu denen er eine gewisse Affinität entwickelte, er eine Gesamteinspielung plante. Leider ist es dazu nie gekommen, und die sechs von ihm in seinen letzten Lebensjahren eingespielten späten Klaviersonaten lassen es bedauern, daß das Projekt nicht weiter gedieh. Die Edition des Labels Columbia enthält die fünf letzten Sonaten Hob. XVI:48-52; mir gefällt diese Interpretation ausgesprochen gut, und über das im Hintergrund immer wieder mal vernehmliche Mitbrummen kann ich hinwegsehen. Gould versteht es, auch Nebenstimmen klar herauszuarbeiten und zum Klingen zu bringen und dadurch die Meisterschaft dieser Werke klar herauszustellen.
Schade, daß die wunderbare zweisätzige D-Dur-Sonate Hob. XVI:42, die Gould seinerzeit ebenfalls gespielt hatte, hier nicht mit drauf ist. Ich hätte sie notfalls gern gegen die ebenfalls in D-Dur stehende zweisätzige Sonate Hob. XVI:51 eingetauscht.
Man merkt jedenfalls, daß Gould Haydn – verdientermaßen - den Respekt entgegenbrachte, den er Mozart alles in allem – unverdientermaßen - versagte ...
Grüße, Sarastro
Gamaheh (23.04.2010, 23:28): Für alle, die das Mitbrummen stört, ist endlich Abhilfe da bzw. dort; die Beispiele sprechen für sich ...
Grüße, Gamaheh
E. Morricone (11.05.2010, 00:06): Moin, der Brummlöscher ist natürlich genial.
ich hab hier noch was interessantes zu Glenn Gould und Mozart gefunden, was Harald Schmidt sehr schön und anschaulich rüberbringt, indem er u.a. selbst spielt:
Link Fortsetzung
Weiss jetzt nicht, ob man die Videos hier direkt einbinden kann.
Gamaheh (13.05.2010, 22:05): Original von E. Morricone Moin, der Brummlöscher ist natürlich genial.
ich hab hier noch was interessantes zu Glenn Gould und Mozart gefunden, was Harald Schmidt sehr schön und anschaulich rüberbringt, indem er u.a. selbst spielt:
Link Fortsetzung
Weiss jetzt nicht, ob man die Videos hier direkt einbinden kann. Lieber Ennio,
herzlich willkommen im Forum! Die Geschichte mit Gould und dem Staubsauger ist ganz bekannt, ich glaube, es gibt sogar ein Vdeo davon (ein von Gould selbst produziertes). Das paßt fast in den Faden "Musiker und das Publikum", nur daß er offenbar das Publikum als erheblich störender empfand als einen laufenden Staubsauger ...
Grüße, Gamaheh
Gamaheh (15.05.2010, 11:42): Original von E. Morricone Weiss jetzt nicht, ob man die Videos hier direkt einbinden kann. Eigenlich gibt es keinen Grund, warum das nicht gehen sollte, aber es scheint verboten zu sein (s. links: "HTML ist nicht erlaubt). Allerdings sind ja auch schon Steuerzeichen wie "" HTML ...
Ich hatte auch schon mal diese Frage gestellt, aber keine Antwort bekommen - vielleicht sollte ich es einfach mal ausprobieren und abwarten, was passiert.
Original von ab p h a n t a s t i s c h ! Selten so sinngefällig den Orchesterpart gehört! Gould spielt für seine Verhältnisse äußerst beseelt. Ganz zusammen sind sie zwar nicht, aber dennoch: sehr hörenswert!
Mir liegt noch ein Konzertmitschnitt aus dem Jahr 1970 vor mit dem Toronto Symphony Orchestra unter seinem damaligen Leiter Karel Ancerl, Glenn Gould sprang da für seinen italienischen Kollegen Arturo Benedetti Michelangeli ein. Sie brauchten damals 36'31'' für das Konzert, seine Studio-Einspielung unter Stokowsky endet nach 42'35''. Wie sind die Tempi bei Krips?
Gruß Amadé
Wooster (08.12.2010, 13:47): Wie ist denn der Klang dieser neuen Scheibe so? Ich hatte vorübergehend die mit Ancerl? (gekoppelt mit Strauss Burleske) im Besitz, fand die aber angesichts des unbefriedigenden Klangs nicht so außerordentlich, dass ich sie behalten hätte...
Wooster
artemis (08.12.2010, 21:50): Wie viele Aufnahmen der Bach Goldberg-Variationen gibt es eigentlich von Glenn Gould? Glenn Gould spielte sie ja auch unterschiedlich schnell.
Aber dennoch: ich bin der Meinung keiner spielt die Goldberg-Variationen mit so viel Gefühl wie er. Wenn ich abtauchen möchte, lege ich die Aufnahme (meine Lieblings-CD) mit dem Columbia Symphony Orchester und Leonard Bernstein sowie Vladimir Golschmann ein. Hier habe ich die ADD Qualität und sehe nun, es gibt die CD auch in DDD Qualität, ist diese klanglich besser?
Ich würde mir auch gern noch eine Glenn Gould CD Beethoven Sinfonie Nr. 5 kaufen. Welche CD könntet Ihr mir hier empfehlen, die Aufnahme von 1968?
Viele Grüße artemis
ab (09.12.2010, 00:07): Original von Amadé http://ecx.images-amazon.com/images/I/51qT13deEBL._SL500_AA300_.jpg
Original von ab p h a n t a s t i s c h ! Selten so sinngefällig den Orchesterpart gehört! Gould spielt für seine Verhältnisse äußerst beseelt. Ganz zusammen sind sie zwar nicht, aber dennoch: sehr hörenswert!
Mir liegt noch ein Konzertmitschnitt aus dem Jahr 1970 vor mit dem Toronto Symphony Orchestra unter seinem damaligen Leiter Karel Ancerl, Glenn Gould sprang da für seinen italienischen Kollegen Arturo Benedetti Michelangeli ein. Sie brauchten damals 36'31'' für das Konzert, seine Studio-Einspielung unter Stokowsky endet nach 42'35''. Wie sind die Tempi bei Krips?
Gruß Amadé
Ich hab zwei der Sätze nur im Radio gehört, aber folgendes im Netz gefunden: Glenn Gould - Piano Concerto No. 5 in E flat major, Op. 73 - 38:42 19:57 - 08:22 - 10:23 :hello
ab (12.12.2010, 19:52): Original von artemis Wie viele Aufnahmen der Bach Goldberg-Variationen gibt es eigentlich von Glenn Gould? Glenn Gould spielte sie ja auch unterschiedlich schnell.
Ich würde mir auch gern noch eine Glenn Gould CD Beethoven Sinfonie Nr. 5 kaufen. Welche CD könntet Ihr mir hier empfehlen, die Aufnahme von 1968?
Viele Grüße artemis
Sofern nicht eine neue Version aufgetaucht sein sollte: vier. Die erste noch aus Canada, ein Jahr vor seinem legendären CBS-Debut, nach diesem Debut den Salzburger Konzertmitschnitt und dann seine aller letzte Aufnahme.
Mir ist allerdings neu, dass er zwei Aufnahmen der Klaviertranskription der Schicksalssinfonie vorgelegt hätte. Das interessierte mich sehr, denn in einem Interview mit Bruno Monsaingeon sprache er das aus, was ich immer schon dachte: der langsame Satz sei so banal, dass er eigentlich nur als Parodie zu verstehen sein könne. In der mir bekannten Aufnahme aber ist leider nichts davon zu hören, dass er sich da selbst beim Wort genommen hätte. :S Womöglich aber in der andern Aufnahme ?!
Oder meintest Du gar nicht Beethovens 5. Sinfonie, sondern das 5. Klavierkonzert?! :hello
Heike (13.12.2010, 15:49): Wie viele Aufnahmen der Bach Goldberg-Variationen gibt es eigentlich von Glenn Gould? Glenn Gould spielte sie ja auch unterschiedlich schnell. Es gibt zwei Studioaufnahmen von 1955 und 1981/82 (letztere ist die bekannteste). Die Spieldauer ist 38:27 Minuten (1955) gegenüber 51:15 Minuten (1981). Laut Wiki soll es auch noch eine live-Aufnahme von 1954 geben, die kenne ich aber nicht.
Einen Artikel zum Thema Glenn Gould und die Goldbergvariationen kann man hier nachlesen: Die Gould’schen Goldberg-Variationen Heike
Rachmaninov (13.12.2010, 16:06): Original von Heike Wie viele Aufnahmen der Bach Goldberg-Variationen gibt es eigentlich von Glenn Gould? Glenn Gould spielte sie ja auch unterschiedlich schnell. Es gibt zwei Studioaufnahmen von 1955 und 1981/82 (letztere ist die bekannteste). Die Spieldauer ist 38:27 Minuten (1955) gegenüber 51:15 Minuten (1981). Laut Wiki soll es auch noch eine live-Aufnahme von 1954 geben, die kenne ich aber nicht.
Einen Artikel zum Thema Glenn Gould und die Goldbergvariationen kann man hier nachlesen: Die Gould’schen Goldberg-Variationen Heike
Es gibt noch die Live Aufnahme aus Salzburg!
ab (13.12.2010, 18:12): Nochmals:
1. Aufnahme 1954 für den Canadischen Rundfunk von Sony: http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0828768835227.jpg oder bei Urania: http://www.jpc.de/image/w183/front/0/8025726223443.jpg
2. Aufnahme 1955 CBS-Debut http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0828767465128.jpg oder http://www.jpc.de/image/w183/front/0/5099751747925.jpg oder http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0886978060624.jpg oder http://www.jpc.de/image/w183/front/0/5099705259429.jpg oder bei Naxos: http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0747313324729.jpg oder bei Regis http://www.jpc.de/image/w183/front/0/5055031312641.jpg oder als LP oder CD bei Documents http://www.jpc.de/image/w150/front/0/4011222328038.jpg
Etwas eigenwillig die technische Spielerei, die 1955 eingespielten Goldberg-Variationen durch einen computergesteuerten modernen Konzertflügel mit komplexer Software: http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0886970335027.jpg
3. Aufnahme 1959 Salzburger Konzertmitschnitt http://ecx.images-amazon.com/images/I/51a-jQ04G-L._SL500_AA300_.jpg oder http://ecx.images-amazon.com/images/I/51fahLWkNqL._SL500_AA300_.jpg ich glaube, bei BIS gabs die auch einmal vor Jahren.
4. Aufnahme 1981 CBS-Digital http://ecx.images-amazon.com/images/I/41c8lf%2BcaiL._SL500_AA300_.jpg oder http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Yx8f9t79L._SL500_AA300_.jpg oder http://www.jpc.de/image/w183/front/0/5099705261927.jpg
-- Die beiden Studio-Aufnahmen von CBS gibts auch vereint, angeblich in wenig geglücktem Remaster: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Vw7IrL8dL._SL500_AA300_.jpg
artemis (13.12.2010, 20:33): wow, danke für Deine Mühe, ab :hello @heike werde mir Deinen Link mal anschauen
LG artemis
Cetay (inaktiv) (19.07.2012, 08:12): Original von Heike
Beethoven Klaviersonaten op2 verrückt, aber irgendwie auch faszinierend
Wenn man eigenen Hör-Standpunkt mit verrückt, wird das normal und es wird es schwierig andere Interpreten noch zu hören. Gould hat mich für Beethoven regelrecht verdorben ... kein Wunder dass er gerne verteufelt wird. Ich höre mir Alternativen fast nur zu opp. 28, 57 und zu den letzten Vieren an (vielleicht ändert sich das mal, wenn sich der zeitgenössische Verrückte Oli Mustonen darüber her macht).
Heike (19.07.2012, 12:08): Hallo Cetay, ich habe ja gerade einen Thread zu Beethovens op.2 aufgemacht: hier, vielleicht sollten wir dort weiter diskutieren, wenn es ins Detail geht.
Nur soviel: wenn man sich (wie ich aus o.g. Anlass) die op. 2 Sonaten öfter hintereinander mit anderen Interpreten angehört hat und dann Glenn Goulds diesbezügliche Aufnahme auflegt, dann kriegt man ja gleich in den allerersten Takten bei Nr. 1 den absoluten Schock. Er arpeggiert schon den vierten Bassakkord dermaßen krass, dass da ganz andere Musik rauskommt. Und natürlich setzt sich diese ganz andere Vorstellung fort.... Bei diesen ersten Sonaten kann ich Gould noch was abgewinnen, besonders gewisse Passagen der langsamen Sätze haben was. Andere Passagen kann ich schon bei op.2 kaum aushalten. Bei späteren Beethovensonaten wird das dann noch schlimmer.
Gould fehlt Beethovens Affekt, dafür bringt er mehr Struktur rein. Das ist zumindest eine Diskussion wert, aber es ist eben auch nicht alles. Heike