Gluck: Iphigénie en Aulide - eine Oper mit einem falschen Schluss?
Peter Brixius (10.11.2009, 07:32): Zufälligerweise war der letzte Beitrag im Thread zu Glucks Opern der "Iphigénie en Aulide" gewidmet. Es ist ein Schmerzenskind in der Diskographie. Über lange Zeit war nur Eichhorns Einspielung der Wagner-Fassung zu hören, dank der Protagonisten eine durchaus empfehlenswerte Aufnahme - doch für den Klassikfreund nur mit gemischten Gefühlen zu hören: Die Eingriffe in die Partitur, die Wagner (im Gegensatz zu Berlioz mit seiner genialen Bearbeitung des Orphée) vorgenommen hat, sind zum Teil gravierend, vor allem die Kürzungen mehr als fraglich (eine zentrale Iphigenien-Arie ist seinem Federstrich zum Opfer gefallen). Vor allem wird der Schluss verfälscht (nach Wagners Meinung wohl ins Richtigere korrigiert): Iphigenie wird von Diane entrückt, wo sie im Original Hochzeit mit Achill feiert, bevor man die Boote aussetzt, um Troja zu erobern.
Auch Gardiners Einspielung, die einem wenigstens die Originalfassung vermittelt, ist eine gekürzte, er hat vor allem im Bereich der Ballette gekürzt. Wer einmal die Scala-Einspielung unter Muti gesehen hat (sie kam vor einiger Zeit im Fernsehen), wird von der Disposition der Ballettmusiken beeindruckt sein - davon gibt uns Gardiner zu wenig. Die (z.B. bei House of Opera) erreichbaren Mitschnitte zeigen denselben Makel. Auch die Glyndebourne-Aufführung 2002 unter Ivor Bolton ist deutlich gekürzt.
Die beiden "Schwachpunkte" der Oper - ihr Ende, das nicht der Darstellung bei Schwab entspricht, und ihre Ballette" werde ich in den folgenden Beiträgen im Auge haben.
Liebe Grüße Peter (mit einem herzlichen Gruß als Neuling in die Runde)
Peter Brixius (10.11.2009, 12:01): Hier zunächst einmal eine Inhaltsangabe
Christoph Willibald GLUCK IPHIGÉNIE EN AULIDE_____________________________________________________
Oper in 3 Akten
Libretti von Marie François Louis Gand Bailli Du Roullet dit Le Blanc (nach Racine)
Uraufführungen am 19.4.1774 Paris (1. Fassung ohne Diane) 10.1.1775 Paris (2. Fassung mit Diane) 22.2.1847 Dresden (deutsch) Bearbeitung von Richard Wagner
Personen: Agamemnon (Bariton) Klytämnestra, Agamemnons Gemahlin (Sopran) Iphigenie, Agamemnons Tochter (Sopran) Achill (Tenor) Patroklus (Bass) Kalchas, Oberpriester (Bass) Arkas, Haupt der Leibwache des Agamemnon (Bass) Diana (Sopran) Drei Griechinnen (Sopran) Eine Sklavin aus Lesbos (Sopran) Griechische Krieger und Bürger, thessalische Krieger, Wachen, Gefolge der Prinzessinnen, Frauen aus Aulis, Sklavinnen aus Lesbos, Priesterinnen der Diana (Chor)
Orchester: 2 Flauti, 2 Oboi, 2 Clarinetti, 2 Fagotti; 2 Corni, 2 Trome, 1 Trombone bassi (ad lib.); Timpani; Violini I e II, Viole, Violoncelli, Contrabbassi
Ort der Handlung: Aulis Zeit der Handlung: unmittelbar vor dem Trojanischen Krieg
Die Ouvertüre beherrschen vier Themen. Wagner kennzeichnet sie folgenderweise: 1. ein Motiv des Anrufes aus schmerzlichen, nagenden Herzensleiden, 2. ein Motiv der Gewalt, der gebieterischen, übermächtigen Forderung, 3. ein Motiv der Anmut, der jungfräulichen Zartheit, 4. ein Motiv des schmerzlichen qualvollen Mitleidens. Die Ouvertüre geht ohne Abschluss in die 1. Szene der Oper über.
1. Akt: Vor dem Lager der Griechen
1. Szene (Agamemnon) Agamemnon hat im heiligen Hain der Diana eine Hirschkuh gejagt. Die erzürnte Göttin hat nun die griechische Flotte mit einer Windstille in Aulis festgehalten. Sie verlangt zur Sühne ein Opfer - Agamemnons Tochter Iphigenie. Agamemnon klagt die Göttin an ("Diane impitoyable"). Er hat Arkas nach Mykene geschickt, um Iphigenie davon abzuhalten, nach Aulis zu kommen. Arkas soll ihr berichten, Achill, mit dem sie sich in Aulis vermählen soll, sei ihr untreu geworden.
2. Szene (Kalchas, Agamemnon, Griechen) Kalchas kommt mit den Griechen. Die Griechen ("C'est trop faire de résistance") fordern Kalchas auf, den Namen des bestimmten Opfers zu nennen, damit das Opfer vollbracht werden und der Aufbruch nach Troja geschehen kann. Kalchas wird vor Ende des Tages das Opfer bringen.
3. Szene (Agamemnon, Kalchas) Kalchas fordert Agamemnon auf, dem Willen der Göttin zu folgen ("Vous voyez leur fureur extrême"). Agamemnon erwidert, wenn die Tochter einträfe und freiwillig sich opfere, sei er auch bereit.
4. Szene (Agamemnon, Kalchas, Griechen) Da ertönt ein Freudenchor der Griechen ("Clytemnestre et sa fille") - Klytemnestra und ihre Tochter Iphigenie sind eingetroffen, Agamemnon ist erschüttert, Kalchas triumpiert in einer hymnischen Arie ("Au faîte des grandeurs"): "Die ihr die Welt beherrscht auf Thronen voller Pracht, auch ihr seid nur ohnmächt'ge Menschen." In die Klagerufe des Vaters, Agamemnon, mischt sich der Jubelchor der Griechen, der Iphigenie feiert ("Que d'attraits, que majesté! Que de grâces, que de beauté!")
5. Szene (Klytämnestra, Iphigenie, Gefolge, Volksmenge) Den Chören des Volkes und des Gefolges, die Iphigenie preisen, antwortet erst Klytemnestra ("Que j'aime à voir ces hommages flatteurs"), dann Iphigenie (("Les voeux dont ce peuple m'honore")
6. Szene (Iphigenie, Klytämnestra, Volk) Klytemnestra hat nun von Arkas erfahren, dass Achill Iphigenie betrogen haben soll. Sie drängt sofort zum Aufbruch zurück nach Mykene. Iphigenie ist tief verletzt. Klytämnestra ermutigt sie ("Armez-vous d'un noble courage")
7. Szene (Iphigenie) Alleingelassen beklagt Iphigenie die Treulosigkeit Achills, Trauer und verletzter Stolz bestimmen ihre Gefühle, die sie in einer Arie ("Hélas mon coeur") äußert.
8. Szene (Achill, Iphigenie) Betroffen erfährt Achill von den Vorwürfen ("Cruelle, non"). Es gelingt ihm, Iphigenie von seiner Liebe zu überzeugen ("Ne doutez jamais de ma flamme"). Am Ende des 1. Aktes steht ein bewegendes Liebesduett von Achill und Iphigenie ("Que votre amour por mon coeur a de charmes!")
2. Akt: Vor dem Lager der Griechen
1. Szene (Iphigenie, Frauen ihres Gefolges) Während der Chor die bevorstehende Hochzeit feiert, ist Iphigenie zwischen Furcht und Hoffnung zerrissen. Sie fürchetet die Auseinandersetzung Achills, ihres Gelieben, mit Agamemnon, ihrem Vater. Sie fleht Amor an, ihr zu helfen ("Par la crainte et par l'espérance").
2. Szene (Iphigenie, Klytämnestra, Frauen ihres Gefolges) Klytämnestra kündigt die bevorstehende Hochzeit im Tempel an, die ihr Agamemnon zugesichert hat. Sie weiß nicht, dass im Tempel der Opferaltar auf Iphigenie wartet.
3. Szene (Iphigenie, Klytämnestra, Achill, Patrokles, Frauen aus Iphigenies Gefolge, Thessalier und Thessalierinnen) In einer ausgedehnten Szene ruft Achill Iphigenie als die neue Königin aus, die vom thessalischen Volk gefeiert wird. Er überreicht Iphigenie als Geschenk die Freundschaft Patrokles, seines erprobten Gefährten. Tänze und Chöre feiern das Glück des Brautpaares.
4. Szene (Arkas, Iphigenie, Klytämnestra, Achill, Patrokles, Frauen aus Iphigenies Gefolge, Thessalier und Thessalierinnen) Nun tritt Arkas dazu. Er warnt Achill: Im Tempel wartet nicht der Braut- sondern der Opferaltar auf Iphigenie. Die Thessalier scharen sich um ihre künftige Königin ("Nous ne souffrirons point ce sacrifice impie"). Klytämnestra fordert Achill auf, Iphigenie zu schützen ("Par un père cruel à sa mort condamnée"). Der zornentbrannte Achill lässt sich von Iphigenie mäßigen, um ihretwillen will er seinen Zorn besänftigen.
5. Szene (Agamemnon, Achill, Arkas) Den Vorwürfen Achills entgegnet Agamemnon mit seinem Stolz als Führer der Griechen ("De votre audace témaire j'arrêterai le cours"). Achill setzt ihm entgegen, dass Agamemnon erst ihn töten muss, bevor er Iphigenie töten kann.
6. Szene (Agamemnon, Arkas) Noch voller Wut über Achill ruft Agamemnon die Wachen, um Iphigenie zum Altar zu bringen - und hält bestürzt ein, zerrissen zwischen Liebe zur Tochter und Pflicht als Führer des griechischen Heeres. Nun will er von den Wachen Klytämnestra und Iphigenie heimlich vom Lager wegbringen lassen damit sie nach Mykene zurückkehren. Er fleht die Göttin an, sein Blut für das der Tochter zu nehmen.
3. Akt: Vor dem Lager der Griechen
1. Szene (Iphigenie, Frauen des Gefolges, Arkas, Wachen, Griechen) Wütend fordert der Chor der Griechen das Opfer ("Non, non, nous ne souffrirons pas"). Arkas will Iphigenie retten.
2. Szene (Iphigenie und ihre Frauen) Iphigenie ist entschlossen, sich opfern zu lassen. Sie bittet ihr Gefolge, ihre Mutter vom Ort des Geschehens fernzuhalten.
3. Szene (Iphigenie, Achill) Achill will Iphigenie den Weg freikämpfen. Iphigenie beteuert ihre Liebe, ist aber zum Tod entschlossen ("Il faut de mon destin"). Sie nimmt von Achill Abschied ("Adieu, conservez dans votre âme le souvenir de notre ardeur"). Achill ist entschlossen, das Opfer zu verhindern ("Calchas, d'un trait mortel percé sera ma première victime").
4. Szene (Iphigenie, Frauen ihres Gefolges, Griechen hinter der Szene) Während Iphigenie ihre Opferbereitschaft bekräftigt, hört man den wilden Chor des wütenden Volkes.
5. Szene (Iphigenie, Klytämnestra, Frauen, Griechen hinter der Szene) Auch Klytämnestra will sich schützend vor ihre Tochter werfen. Iphigenie nimmt Abschied von ihrer Mutter ("Adieu, vivez pour Oreste, mon frère.") und bestätigt, dass sie sterben will. Hinter der Szene hört man den Chor des opferheischenden griechischen Volkes.
6. Szene (Klytämnestra, Frauen) Klytämnestra, alleingelassen, stellt sich die Opferszene vor ("Dieux puissants que j'atteste"). Hinter der Szene ist der hymnische Opfergesang der Griechen zu vernehmen, die für das Blut um eine günstige Fahrt nach Troja bitten.
Szenenwechsel: Meeresstrand mit Altar
7. Szene (Menge der Griechen) Iphigenie kniet auf den Stufen des Altar, der Opferpriester steht mit dem Messer bereit. Der Chor der letzten Szene wird fortgesetzt.
8. Szene (Achill und die Vorigen) Achill stürmt zornentbrannt auf die Bühne. Achill droht jedem, der es wagt, sich Iphigenie zu nähern. Die Griechen bekräftigen, dass Diane Iphigenies Tod wolle, Iphigenie beteuert ihre Bereitschaft, sich zu opfern.
9. Szene (Klytämnestra, Agamemnon und die Vorigen) Die Szene entwickelt sich zur Konfrontation, in der die Parteien kampfbereit gegenüber stehen, die Griechen den Thessaliern ("Ecrasons ces audacieux"). Da greift Kalchas ein, er kündigt (2. Fassung) das Kommen Dianas an. Diana erscheint und verkündet, dass sie durch den Mut Iphigeniens, die Tränen der Mutter und die Tugend Achills bezwungen und versöhnt ist. Sie stiftet die Hochzeit Iphigeniens mit Achill. Das Volk jubelt und feiert die Vermählung von Achill und Iphigenie und den künftigen Triumph über Troja ("Leur hymen est le présage de nos triomphes glorieux.") Es folgt ein Ballett.
In der Fassung von 1774 hatte Kalchas die Entsühnung verkündet, ohne dass eine Dea ex machina auftrat. Wagner, der offenbar einen "Ring der Iphigenie" schmieden wollte, hatte das Ende nach Euripides verändert, so dass nun hier ein Opfertier geschlachtet, während Iphigenie (nach Tauris) entrückt wurde. Eben dieses Ende des Stückes hatte aber Racine mit Nachdruck in seinem Vorwort zur Iphigenie abgelehnt, aus Gründen der "vraisemblance" (Wahrscheinlichkeit) und "bienséance" (Schicklichkeit).
Peter Brixius (11.11.2009, 20:08): Die Ouvertüre ist wohl das bekannteste Stück der Oper. Bei einer Einzelaufführung hat sie einen Konzertschluss, in der Oper selbst geht sie in die Nr. 1. Bei ihrer Erstaufführung unterbrach das begeisterte Publikum mit Ovationen die Vorstellung und zwang Gluck zu einer Wiederholung - ein außergewöhnlicher Fall in der Operngeschichte, mir fällt keine andere Ouvertüre ein, die eine solche Wirkung macht. In ihr entwickelt sich ein ungeheures Drama.
Wie so oft bei Gluck tut man seiner Musik Unrecht, wenn man sie klassizistisch nach dem Motte "edle Einfalt, stille Größe" aufführt. Die züngelnden Flammen der Musik sollten jede Einförmigkeit verbrennen. Vier Themen, ein einleitendes und drei weitere, entfalten psychologische Bilder, deren Intensität ständig steigt. Am Anfang steht der Ausruf Agamemnons "Diane impitoyable" (Diana, Unerbittliche, umsonst befiehlst du dies abscheuliche Opfer). Das Thema stimmt uns auf eine antike Tragödie vor, die Gegenstimmen geben ihm einen kultischen Charakter. Doch dann folgt im Fortissimo ein strenges Unisono-Thema mit Pauken, Hörnern (die ihren Ton halten) und Trompeten: Hier manifestiert sich der Wille des geschlossenen Heeres. Ein Opfer wird gefordert, die Forderung steigert sich zum wilden Getümmel. Daraus wächst die Gestalt Iphigenies. Doch gleich folgt ein wildes "Nein" des Heeres. Arendt (Gluck, 1921) weist auf folgendes hin:
Wer Genieblitze der Instrumentation beobachten will, übersehe hier nicht die zweiten Geigen, wie sie, sich aus den Viertelhalten in das Sechzehntelgewoge stürzend, immer tummultarischere Engergien in den Aufruhr werfen.
Nun taucht das Bild Agamemnons auf, qualvoll, tief verletzt: In den 1. Violinen hört man sein Flehen, doch die 2. Violinen und die Bratschen halten mit einem starren Rhythmus dagegen. Die Hörner geben mit den Fagotten den Eindruck eines langen Stöhnens, die Oboen, bei Gluck so oft die Instrumente, die die Menschlichkeit ausdrücken, spielen zerreißende Dissonanzen. Agamemnon möchte die Last mit einer raschen Bewegung abschütteln, da wird er im wilden Forte festgehalten: nun wieder hört man die Qual, einen Ton höher. Die Qual ist unentrinnbar. Mit gewaltigen Baßschritten erscheint das eiserne Thema, diesmal nicht allein, nun verdichtet sich das Stück mit den Sechzehntel der ersten Violinen, schneidenden Tönen der Holzbläser; es mündet in dem Drohen, das von Pauken, Trompeten und Hörnern mit einem scharfen Rhythmus dargestellt wird. Wieder wechseln die Bilder, das qualvolle Stöhnen Agamemnons wendet sich nach c-moll. Im harten C-dur fegt das Thema des Heeres alles hinweg. Harte Schläge folgen - der Vorhang hat sich gehoben.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (12.11.2009, 20:21): Wenn man sich mit Racines Iphigénie (1674) beschäftigt, reibt man sich zunächst verwundert die Augen. Die Überformung des Iphigenie-Stoffes durch Euripides hat dessen Version als die maßstäbliche überliefert. Dabei gibt es eine Vielzahl von Geschichten um Iphigenie in der antiken Überlieferung. Racine bezieht in seine Tragödie eine Handlung um Eriphile mit ein, eine geheime Tochter Helenas, die Achill unglücklich liebt. Sie ist bereit für Iphigenie zu sterben und wird von Kalchas als das eigentlich gemeinte Opfer bezeichnet.
Marie François Louis Gand Bailli Du Roullet dit Le Blanc hat zwar die Eriphile-Handlung aus dem Libretto entfernt, nicht aber den guten Ausgang des Stückes. Die für ein Libretto notwendigen Kürzungen führten zu einer Straffung der Stückes. Was auffällig ist: für eine dreiaktige Oper normaler Länge sind die 55 Nummern der Partitur überraschend viele. Das deutet auf eine Vielzahl von relativ kurzen Musikstücken, die Gluck kontrastierend angeordnet hat. Die Wagnerschen Überleitungen zerstören eben die vom Komponisten gewollte Struktur. Lässt man sich auf Glucks Lesart ein, so hat man ein Folge von sich steigernden musikalischen Stimmungen, die einen stets gefangen halten. Schlag auf Schlag entfaltet sich das Geschehen mit einer furchteinflößenden Konsequenz.
Es grüßt Peter
satie (12.11.2009, 20:59): Da es sonst noch keiner getan hat, will ich es hier tun, nämlich:
ihn herzlich willkommen heißen, unseren neuen Forianer, der uns hier gleich zwei Opern ans Herz legt und auch noch auf so wohl strukturierte Weise. Die Oper ist nicht mein Bereich, wenngleich Gluck durchaus noch interessant sein müsste für mich. Mich reizt es, einmal näheren Kontakt herzustellen. Natürlich wäre für mich wichtig, eine Aufnahme zu erwischen, die historisch informiert ist und gleichzeitig nicht nur korrekt, sondern mit einem schönen harmonischn Ensemble und Musikern, die auch Geschmack besitzen. Gäbe es da einen Tipp?
Übrigens: Lieber Peter, vielleicht möchtest Du Dich an dieser Stelle einmal näher vorstellen?
Herzlich, S A T I E
Peter Brixius (12.11.2009, 22:22): Original von Satie Da es sonst noch keiner getan hat, will ich es hier tun, nämlich:
ihn herzlich willkommen heißen, unseren neuen Forianer,
Lieber Satie,
vielen Dank zu der lieben Begrüßung
Natürlich wäre für mich wichtig, eine Aufnahme zu erwischen, die historisch informiert ist und gleichzeitig nicht nur korrekt, sondern mit einem schönen harmonischn Ensemble und Musikern, die auch Geschmack besitzen. Gäbe es da einen Tipp?
Die wirklich überzeugende HIP-Einspielung der aulidischen Iphigenie fehlt leider noch, das beste ist bislang bei Gardiner zu finden, eine Aufnahme die inzwischen ihr Alter - und leider auch ihre Schwächen hat. Meine Hoffnung ist, dass McGegan oder Minkowski oder Creesh ihre Version vorlegen - wenn es alle drei tun, umso besser! Das furiose Dirigat von Bolton 2002 in Glyndebourne zeigt, was da möglich wäre (als Mitschnitt beim House of Opera zu bekommen). Es ist ein Exempel einer historisch orientierten Aufnahme mit einem traditionellen Orchester.
Übrigens: Lieber Peter, vielleicht möchtest Du Dich an dieser Stelle einmal näher vorstellen?
Das habe ich umgehend getan.
Liebe Grüße Peter
Heike (13.11.2009, 13:32): Herzlich willkommen lieber Peter! Von Gluck kenne ich bisher nicht allzuviel. Genauer gesagt habe ich bewusst nur seine "Armida" in der Berliner Staatsoper gehört und gesehen - und war von der Musik ausgesprochen positiv überrascht, ja stellenweise richtig fasziniert. Es gibt fast hypnotische Passagen, die es mir besonders angetan haben.
Eigentlich ist es an der Zeit, mal irgendwann ein weiteres Werk dieses Komponisten kennenzulernen. Und da ist dein Beitrag bei mir wirklich auf offene Ohren getroffen und zu gegebenem Zeitpunkt werde ich da sicher nochmal darauf zurückkommen.
Ich bevorzuge bei Opern DVDs, kannst du etwas empfehlen? Gern darf es ggf. auch nicht allzu übertrieben konservativ inszeniert sein. Heike
Peter Brixius (24.11.2009, 11:05): Lieber Hebre,
was mich bislang an Visuellem am meisten überzeugte, war die Scala-Aufführung unter Muti, die ich im Fernsehen mitgeschnitten habe. Das ist natürlich kein HIP, aber gut bis grandios. Bei Interesse maile mich bitte mal an.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (24.11.2009, 12:14): Agamemnon wird von Diana mit dem griechischen Heer aufgehalten, weil er eine heilige Hirschkuh gejagt hat. Für diesen Wildfrevel verlangt Diana die Opferung von Iphigenie. Euripides ließ Iphigenie sich selbst aus Vaterlandsliebe zu dem Opfer bereit finden. Daraufhin nimmt Artemis/Diana die Bereitschaft für die Tat und entführt Iphigenie nach Tauris.
Bei Racine kommt es auf den Wortlaut der Aufforderung an Agamemnon an, hier wird eine mit Helena blutsverwandte Jungfrau als Opfer gefordert. Diese wird von Agamemnon mit seiner Tochter Iphigenie identifiziert. Es befindet sich aber unter den Gefangenen Achilles die schöne Eriphile, die er in Lesbos gefangen nahm. Sie selbst weiß ihren richtigen Namen (Iphigenie) nicht und wer ihre Eltern sind. Sie ist in leidenschaftlicher Liebe zu Achill entbrannt und hasst in ihrer Eifersucht die Verlobte Achills, Iphigenie, tödlich. Sie triumphiert, als sie von dem geplanten Opfer erfährt. Als sie von der geplanten Flucht von Achill und Iphigenie aus dem Heereslager weiß, verrät sie die Liebenden an Calchas. Nun wird Iphigenie zum Altar geführt, die Myrmidonen rüsten sich, um ihre zukünftige Königin zu verteidigen. Schon fließt Blut, das greift Calchas ein: nicht die Tochter Agamemnons und Klytemnästras ist gemeint, sondern eine andere Iphigenie, die Theseus illigitim mit Helena gezeugt hat. Diese ist ... Eriphile. Sie nimmt nun ihr Schicksal an und wird geopfert.
Bei Racine ist Eriphile zweifellos die tragische Figur. Ihre Eifersucht ist "unbedingt, rücksichtslos, brutal, ohne moralische Skrupel" (Köhler, Klassik I, 1983, 73) Ulrich Schreiber charakterisiert Racines Lösung so: "Durch diese komplizierte Lösung verknüpft Racine den Aspekt einer antik-schuldhaften Unentrinnbarkeit mit dem eines christlichen Heilplans" (Kunst der Oper I, 316)
Mit der Eriphile-Handlung ist eine für Gluck geradezu prädestinierte Figur aus dem Libretto verschwunden. Dafür rücken nun Iphigenie und Klytemnästra in den Mittelpunkt. Der Heißsporn Achill und vor allem der zwischen Pflicht und Kindesliebe zerrissene Agamemnon machen das Gegengewicht auf der männlichen Seite aus. Nun zu dem Auftritt Agamemnons ...
Liebe Grüße Peter
Heike (24.11.2009, 19:00): Hallo Peter, Lieber Hebre, ich bin eine Frau :-) alles weitere per PN Heike
Peter Brixius (24.11.2009, 19:13): Liebe Hebre,
entschuldige bitte, da habe ich einfach nicht richtig hingeschaut.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (02.12.2009, 15:16): Die Ouvertüre geht in die Nr. 1 (Récitatif et Air "Diane impitoyable") über. Das Motiv ist uns vom Beginn der Ouvertüre bekannt (es ist übrigens aus Glucks "Telemacco" übernommen worden). Agamemnons Gesangslinie bildet gleichzeitig das Fundament des Satzes, der gleich die Seelenlage des Königs erkennen lässt: kleine, scharfe Nonen begleiten den Gesang mit den ersten Takten. Das Gebet wandelt sich zu einem Accompagnato (typisch für den Gluck dieser Zeit, es gibt keine Seccorezitative mehr, also nur vom Cembalo begleitete Stücke), die Eindringlichkeit des Gesanges lässt nach, man nimmt den schwankenden Charakter Agamemnons wahr. Nicht will er den Rachefeldzug nachTroja antreten - der Preis ist ihm zu hoch. In der folgenden Arie wendet er sich an Apoll ("Brillant auteur de la lumière"). Hier werden die Streicher im Bass vom Fagott unterstützt. Der Mittelsatz (Andante) deckt nun die Intrige Agamemnons auf: Entgegen seinem Versprechen an Kalchas, Iphigenie nach Aulis zu rufen, hat er ihr eine geheime Botschaft gesandt: Achill sei untreu. Er hofft damit, Iphigenie von Aulis fernzuhalten. Doch am Ende der Arie stehen Tremolos in den Streichern. Sie verraten die Angst Agamemnons, seine List könnte misslingen. Da drängt das Volk mit Macht auf die Szene.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (05.12.2009, 20:00): Eine Bemerkung möchte ich zu der Entwicklung des Parodieverfahrens bei Gluck machen. Es geht um die (Wieder-)Verwendung von Musikstücken aus früheren eigenen und Werken anderer Meister. Im Barock ist das ein durchaus häufig anzutreffendes Verfahren, dass man ein Werk eines Kollegen verwendet, wird nicht als Diebstahl, sondern als Ehrenbezeugung verstanden.
Dass man eigene Werke ausbeutet, erklärt sich leicht, wenn man berücksichtigt, dass der Komponist nicht damit rechnen konnte, das ursprüngliche Werk noch einmal zur Aufführung bringen zu können. Warum sollte er dann eine gute Erfindung "liegen lassen"?
An zwei Werken sei das einmal bei Gluck demonstriert: Am 29. Juni 1747 brachte er seine Serenate Le Nozze di Ercole e Ebe in Dresden zur Aufführung. Die Gelegenheit dafür war die Doppelhochzeit zwischen den Fürstenhäusern von Bayern und Sachsen. In Dresden wurde die eine Hälfte gefeiert, die Hochzeit des Kurfürsten Maximilian Joseph von Bayern mit Anna Maria, der Tochter Friedrich August II. von Sachsen. Johann Sebastian Bach hat damals Glucks Aufführung besucht. Das Libretto war bekannt, u.a. hatte es schon Nicola Porpora 1744 vertont. Zahlreiche Arien stammen aus früheren Opern Glucks, der erste Teil der Ouvertüre aus einer Sinfonie Giovanni Battista Sammartinis, Glucks Kontrapunktlehrers.
Auch der Orfeo hat eine Entlehnung. Die erste Szene ist einer Komposition aus dem "Ezio" verpflichtet. Doch nun geschieht etwas Neues: als der Ezio in Wien wieder aufgeführt wird, bearbeitet Gluck die Oper. Dabei komponiert er die Arie neu, aus der er Musik entlehnte.
Man findet in den großen Opern der Wiener und Pariser Zeit eine ganze Reihe von Stücken, die Gluck früheren Werken entnommen hat. Doch diese hat er überarbeitet, neu gefasst, perfekt der neuen Oper angepasst. Ein Beispiel dafür ist die "Iphigénie en Tauride", die z.B. ihre Nichtouvertüre der komischen Oper L'île de Merlin verdankt, aber dazu in dem anderen Thread.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (06.01.2010, 15:55): Könnte der Kontrast größer sein. Eben waren wir noch Zeuge eines ruhig flehendes, an die Gottheit gerichteten Gebets, einer privaten Selbstbesinnung, da zerschneidet die instrumentale Einleitung des Chores gewaltsam die Szene, in Art eines Turba-Chores verlangt die aufgebrachte Menge das Opfer, sie weiß nicht, wer das Opfer ist, sie fordert den sofortigen Vollzug. Durch die unerhört rhythmische Schlagfertigkeit äußert sich die Macht des Volkes, dem auch König und "Kirche" nicht widerstehen kann. Alle sind bereit, ihr Leben im Kampf zu opfern, nun wird von den Herrschenden das Pfand eingefordert, so wenig sie sich selbst bemitleiden, so wenig bemitleiden sie das Opfer.
Der Chor der Griechen ist in seiner Art einzigartig und neu - sein Vorbild wird die spätere Opernliteratur beeinflussen. Die Erfindungskraft Glucks ist auf unerreichbarer Höhe, als Naturgewalt bricht dieser Chor in das Denken und die Ränke der Herrschenden.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (23.11.2010, 21:56): http://ecx.images-amazon.com/images/I/411iLkTNeTL._SL500_AA300_.jpg
Erstaunlicherweise hat sich Leipzig dafür entschieden, die Wagner-Fassung der Gluckoper zu benutzen. Musikalisch spricht viel dagegen. Wagner hat da Noten dazu getan, wo Gluck gerade auf den abrupten Wechsel setzt. Wagner hat eine der schönsten Arien der Iphigenie weggelassen. Es hat seinen guten Grund, dass die Wagnerfassung der einen wie die Straussfassung der anderen Iphigenie von der Bühne verschwunden ist.
Was Leipzig angeht, so hat es einen Grund, den ich vor Jahren einmal scherzender weise geäußert habe. Damals habe ich gegen die Änderung des Opernendes argumentiert, Gluck habe keinen "Ring" schreiben kollen - Gluck nicht, aber Konwitschny plant einen Gluck-Ring mit Alceste - Iphigenie in Aulis - Iphigenie in Tauris - Armide, die er inhaltlich miteinander verknüpfen will. Da passt die Hochzeit von Iphigenie und Achill am Ende der aulidischen Iphigenie nicht - wohl aber die Entrückung der Heldin durch Diane.
Nun j, da kann man eine musikalische Kuriosität erleben ...
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (08.12.2010, 10:57): Eine gute Gelegenheit, hier eine Überblick zur Diskographie der "Iphigénie en Aulide" zu bieten, ist eine Anfrage in einem anderen Forum, die ich auch hier beantworte.
Die Schwierigkeit liegt darin, dass lange Zeit die Wagner-Fassung bevorzugt wurde. Offensichtlich hat Wagner nicht bemerkt, dass Glucks Libretto auf dem Drama Racines fußt. Also beseitigte er den "falschen" Schluss. Dass Gluck auf den kontrastreichen Wechsel zwischen den häufig kurzen Nummern setzte, ist dem Bayreuther Meister auch entgangen, weshalb er Überleitungen der eigenen Hand dazu setzte. Dazu kommen Kürzungen, die u.a. eine wichtige Arie Iphigenies betreffen. Empfehlen kann man als Gluckfreund diese Bearbeitung nur Hardcore-Wagner-Liebhabern, ansonsten ist sie eine Kuriosität wie die der Iphigenie en Tauride durch Richard Strauss.
Aufnahme: 1.12.1951, live, konz., Berlin Spieldauer: 90'16 (42'50, 25'14, 22'12) Dirigent: Arthur Rother Orchester des Berliner Rundfunks Chor des Berliner Rundfunks
Rollen und Sänger
Achille: Helmut Krebs Agamemnon: Dietrich Fischer-Dieskau Arcas: Leopold Clam Artemis: Maria Reith Calchas: Josef Greindl Iphigénie: Martha Musial Klytämnestra: Johanna Blatter
Aufnahme: 3.8.1962, live, Salzburg Spieldauer: 117'39 (52'00, 36'37, 29'02) Dirigent: Karl Böhm Wiener Philharmoniker Chor der Wiener Staatsoper Chorleitung: Richard Rossmayer Inszenierung: Günther Rennert Kommentar: deutsche Fassung von Paul Friedrich und G. Rennert nach der Fassung 1775
Rollen und Sänger
Achille: James King Agamemnon: Walter Berry Arcas: Alois Pernerstorfer Artemis: Elisabeth Steiner Calchas: Otto Edelmann Clitemnestre: Inge Borkh Iphigénie: Christa Ludwig
Aufnahme: Jun., Jul. 1972, Studio Spieldauer: 102'44 (41'15, 35'50, 25'39) Dirigent: Kurt Eichhorn Münchner Rundfunkorchester Chor des Bayerischen Rundfunks Chorleitung: Heinz Mende Kommentar: Bearbeitung von Richard Wagner
Rollen und Sänger
Achille: Ludovico Spiess Agamemnon: Dietrich Fischer-Dieskau Arcas: Bernd Weikl Artemis: Arleen Auger Calchas: Thomas Stewart Clitemnestre: Trudeliese Schmidt Iphigénie: Anna Moffo Patrocle: Nikolaus Hillebrand
Aufnahme: Jul. 1987, Studio Spieldauer: 131'15 (6'23, 39'48, 51'15, 21'59, 11'50) Dirigent: John Eliot Gardiner Orchester der Opéra de Lyon Monteverdi Choir Kommentar: Fassung 1775, Ballettmusik z. T. Fassung 1774 ohne in Don Juan enthaltene Stücke
Rollen und Sänger
Achille: John Aler Agamemnon: José van Dam Arcas: René Schirrer Artemis: Guillemette Laurens Calchas: Gilles Cachemaille Clitemnestre: Anne Sofie von Otter Esclave: Ann Monoyios Iphigénie: Lynne Dawson Patrocle: Bernard Deletré Une grecque: Isabelle Eschenbrenner Une grecque: Ann Monoyios
Von den hier genannten Einspielungen ist sicher die von Gardiner (trotz der mir vollkommen unverständlichen Kürzungen) bislang die beste Wahl. Wenn man aber den parallelen Vergleich mit der tauridischen Iphigenie macht, so kann man dort hören, welche Fortschritte die Gluck-Rezeption seit der verdienstvollen Bemühungen Gardiners gemacht hat. Während bei der Iphigénie en Tauride inzwischen die beneidenswerte Situation entstanden ist, dass man zwischen mehreren hervorragenden Einspielungen wählen kann, fehlt eine solche Wahl bei dem Schwesterwerk.
So wird man gerne au Radiomitschnitte zurückgreifen (von Muti gibt es gar eine TV-Aufzeichnung aus der Scala)
Aufnahme: 15.9.1987/ORF Dirigent: Charles Mackerras Wiener Philharmoniker Chor der Wiener Staatsoper Fassung von 1774; Ballettmusik gekürzt
Rollen und Sänger
Achille: Thomas Moser Agamemnon: Bernd Weikl Arcas: Peter Köves Calchas: Pierre Thau Clytemnèstre: Gundula Janowitz Iphigénie: Joanna Borowska Patrocle: Walter Zeh
(Die Fassung 1774 hat ein anderes Ende: Als Achill mit Waffengewalt Iphigenie zu befreien droht, greift Kalchas ein und verkündet, dass die Göttin zufrieden gestellt ist. In der Fassung 1775 tritt Artemis selbst auf)
Aufnahme: Glyndebourne 2002 Dirigent: Ivor Bolton Orchestra of the Age of Enlightenment Kommentar: Fassung 1775
Rollen und Sänger
Achille: Jonas Degerfeldt Agamemnon: Gerald Finley Artemis: Marie Arnet Calchas: Clive Bayley Clytemnestre: Katarina Karneus Iphigénie:Veronica Cangemi
Aufnahme: 7.12.2002 Teatro degli Arcimboldi Milano Dirigent: Riccardo Muti Orchestra e Coro del Teatro alla Scala Kommentar: Fassung 1775
Rollen und Sänger
Achille: Stephen Mark Brown Agamemnon: Christopher Robertson Arcas: Maurizio Muraro Artemis: Genia Kuhmeier Calchas: Ildar Andrazakov Clytemnestre: Daniela Barcellona Iphigénie: Violeta Urmana Patrocle: Giovanni Battista Parodi
Aufnahme: 6.12.2009 Muntschouwburg Brüssel Dirigent: Christophe Rousset Symfonieorkest en koor van de Munt Kommentar: Fassung 1775, Ballettmusik gekürzt
Rollen und Sänger
Achille: Avi Klemberg Agamemnon: Andrew Schroeder Arcas: Werner van Mechelen Artemis: Violet Serena Noorduyn Calchas: Gilles Cachemaille Clytemnestre: Charlotte Hellkant Iphigénie: Véronique Gens Patrocle: Henk Neven
Ich werde im Fortgang dieses Threads detaillierter auf die einzelnen Einspielungen eingehen.
Meine (eingeschränkte) Empfehlung auf CD ist der Gardiner. Ansonsten ziehe ich die Glyndbourne-Aufführung unter Bolton vor.
Schön ist die deutsche Einspielung unter Böhm, sie hat mich in ihrer Dramatik positiv überrascht. Ansonsten sehe ich gerne die TV-Aufführung mit Muti.
Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (12.12.2014, 05:01): Original von Peter Brixius Die Ouvertüre ist wohl das bekannteste Stück der Oper. (...) Bei ihrer Erstaufführung unterbrach das begeisterte Publikum mit Ovationen die Vorstellung und zwang Gluck zu einer Wiederholung - ein außergewöhnlicher Fall in der Operngeschichte, mir fällt keine andere Ouvertüre ein, die eine solche Wirkung macht.
Webers Freischütz wurde bei seiner Uraufführung 1821 da capo verlangt. Er schreibt in sein Tagebuch:
"Abends als erste Oper im neuen Schauspielhause 'Der Freischütz'. Wurde mit dem unglaublichsten Enthusiasmus aufgenommen. Ouvertüre und Volkslied da capo verlangt"