Grigory Sokolov: "Auf der Bühne, bei einem Klavierabend"

Rachmaninov (25.05.2006, 11:58):
Hallo Forianer,

Grigory Sokolov gehört für mich ohne jeglichen Zweifel zu den größten lebenden Pianisten.



Eine kurze Biographie:

Sokolov wurde am 18.04.1950 in Leningrad (St. Petersburg) geboren und bekam mit 5 Jahren ersten Klavierunterricht.
1962 gab er seinen ersten Klavierabend und gewann 1965 den ersten Preis beim Nationalen Russischen Musikwettbewerb.

1966 dann den ersten Preis und Goldmedaille beim 3. Tchaikowsky Wettbewerb in Moskau.

Wie meistens folge daraufhin der Beginn einer internationalen Karriere.

Trotz seiner mittlerweile weit mehr als 1000 Konzerte und vieler Konzertreisen ist Sokolov immer noch "relativ" unbekannt.

Leider konnte ich 2005 seinen Klavierabend mit Schuberts D959 und Schumann's op.11 nicht miterleben :I
Auf die Frage:"Wo spielen Sie am liebsten?" antwortete Sokolov selber:"Auf der Bühne, bei einem Klavierabend"

Und so ist es nicht verwunderlich, daß alle seine Veröffentlichungen Mitschnitte von Live-Aufnahmen sind.

Besonders hervorheben möchte ich dabei:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4746021.jpg

und

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8979973.jpg

Was haltet ihr von Grigory?
Cosima (25.05.2006, 12:44):
Lieber Richard,

Bach, Kunst der Fuge, kenne ich auch. Sokolovs markantes und ästhetisches Klavierspiel gefällt mir sehr gut. Bei den Brahms-Balladen fällt im Vergleich zu Julius Katchen auf, dass Sokolov sie ganz anders, nämlich viel tiefgründiger interpretiert.

Als sehr gut und klangsinnlich habe ich auch Sokolovs Interpretation der Chopin-Preludes op. 28 in Erinnerung, müsste sie aber noch einmal anhören:

http://www.wom.de/image/cover/front/0/6345701.jpg

Gruß, Cosima
Rachmaninov (26.05.2006, 10:10):
Cosima,

vor ein paar Wochen hatte ich Gelegenheit ein mp3 mit einer Aufnahme Sokolov's zu hören mit einem Werk von Rameau.

Das war einfach Klaviermusik vom Feinsten.

Glaube, wenn man das live an einem Klavierabend so hört wird es einem für ewig in Erinnerung bleiben.

Deshal steht Sokolov auch auf meiner Liste derer, die ich gerne live erleben möchte.

:hello
ab (26.05.2006, 11:06):
Original von Rachmaninov

Glaube, wenn man das live an einem Klavierabend so hört wird es einem für ewig in Erinnerung bleiben.

Genau: Für mich war das ein Erlebnis der besonderen Art - wie bereits an anderer Stelle berichtet -, als er bereits die Bühne wie in Trance betrat, aus der er sich nicht einmal beim Applaus zurückholen ließ.
Der russische Pianist verbindet scheinbar Gegensätzliches: Sein immens kraftvoller Anschlag ist mit einem samtenen, sehr weichen Ton verbunden. Sein exzessives Gestalten von kleinsten Details steht immer im Dienst des weitläufigen Gesamtkonzepts. Mit größter Fingerfertigkeit arbeitet er musikalische Strukturen durchsichtig heraus, die aber immer dem musikalischen Ausdruck untergeordnet sind.
Fast durchwegs im Mitteltonbereich gestaltet er nicht eigentlich klangfarbenreich: Er nuanciert, indem er mit kleinsten Unterschieden jeden Ton verschieden fein anschlägt. Er zieht ausgewogen atmende und dynamisch abgestufte weite Linien.

Freunde perlenden Spiels, bei dem jender Ton deutlich getrennt ist, mögen wohl an seiner Verschmelzungsart weniger Freude finden.

Billiger sind übrigens die beiden 5-CD-Boxen (1) Bach / Beethoven / Chopin / Brahms; 2) Beethoven, Schubert, Chopin, Prokofiev, Rachmaninov, Scriabine), die man sich auch dann zulegen sollte, wenn der eigene Geschmack abweicht: das ist wahrlich goßes Musizieren.
Gamaheh (06.06.2006, 19:05):
Hallo allerseits,

Sokolov habe ich bisher zweimal live erlebt, zuletzt im Dezember letzten Jahres mit Schubert D.959/Schumann op.11, fünf oder sechs Zugaben!
Es war wirklich sehr eindrucksvoll, das Publikum hat getobt vor Begeisterung (was in Hamburg nichts Ungwöhnliches ist, aber solch einen Jubel habe ich hier noch nicht erlebt), und ich im übrigen auch. Allerdings finde ich ihn live ungliech eindrucksvoller als aus der Konserve, er hat Präsenz; er hat auch, wie ich finde, etwas Autoritatives - um nicht zu sagen "Autoritäres", und ich bin froh, daß er als Pianist erfolgreich ist. Wenn er z.B. Politiker wäre, würde er mir unter gewissen Umständen Angst machen.

Grüße,
Gamaheh
Rachmaninov (06.06.2006, 19:07):
Original von Gamaheh
Hallo allerseits,

Sokolov habe ich bisher zweimal live erlebt, zuletzt im Dezember letzten Jahres mit Schubert D.959/Schumann op.11, fünf oder sechs Zugaben!

:I
Mein NEID ist Dir ganz sicher!
Hier in Frankfurt hätte ich ihn so gerne gesehen aber ich war leider irgendwo unterwegs in der Welt. X(
Jeremias (13.06.2006, 09:25):
Hier im Rheinland ist er regelmässig zu hören, ich sehe ihn von daher etwa 1-2x im Jahr :D Angeblich wohnt er sogar in NRW....
Rachmaninov (10.08.2006, 21:14):
Aufmerksam machen möchte ich auch noch auf die letzte Veröffentlichung von G. Sokolov.



Beethoven

Sonaten 4 & 28 und Rondos

Man muß einfach jede Sokolov-Aufnahme kennen und diesen stillen STAR einfach würdigen! :D
Er verfügt über ein Spektrum an Ausdrucksmitteln, die auf eine fulminante Technik basieren, die so überragend ist, daß sie völlig im Hintergrund steht und der Ausruck als alleiniges Mittel "strahlt"!
Amadé (18.08.2006, 17:11):
Sokolov ist kein Rattenfänger, der seine Zuhörer sofort mit zur Schau gestellter Virtuosität gefangen nimmt, nein er zwingt sie sich ganz auf das gerade gespielte Werk zu konzentrieren. Dabei gelingen ihm Interpretationen von größter Ausdruckstiefe und Geschlossenheit. Bei Sokolov hat man das Gefühl, das Stück sei von ihm komponiert und erlebe gerade sein Uraufführung. In seine Konzertprogramme baut er regelmäßig Werke abseits des Mainstream-Programms ein, z.B. Rameau, Couperin oder selten gespielte Klaviermusik von Schumann. Immer wieder begegnet man bei ihm Bach und Chopin. Seine wenigen CDs sind ausnahmslos Konzertmitschnitte, sie wurde bis auf eine Ausnahme von OPUS 111 veröffentlicht, jetzt neu editiert von naïve. Diese CDs gehören in jede ernsthaft geführte Sammlung. Allerdings habe ich feststellen müssen, das für mich der Konzerteindruck noch überwältigender ist als eine seiner CD-Aufnahmen. Sokolov entlässt sein Publikum nicht ohne zahlreiche Zugaben. In Kissingen waren es im Juli 6 , in Dortmund letztes Jahr 8.
BEST
Rachmaninov (18.08.2006, 17:13):
@Amade,

willkommen im Forum! :hello

Natürlich beneide ich Dich für die Live-Erlebnisse mit Sokolov :engel
Rachmaninov (18.12.2006, 19:56):
Heute kam sie endlich und ich habe sie mir gleich angesehen!



Eins vorne weg, wer interesse an Klaviermusik hat und auch gerne Musik via DVD erlebt sollte sich diese Aufnahme gönnen.

Hier wird demonstriert was Sokolov meint mit seiner Aussage, daß der schönste Platz "auf der Bühne, bei einem Klavierabend" sei.

Einfach fantastisch diese DVD!

Sokolov spielt

Beethoven: Klaviersonaten Nr. 9, 10, 15
+ Komitas:6 Tänze für Klavier
+ Prokofieff:Klaviersonate Nr. 7
+ Chopin:Mazurken Nr. 41 & 49
+ Couperin:Le Tic-toc-choc (Les Maillotins);
Soeur Monique
+ Bach / Siloti:Präludium nach BWV 855a

Dauer ca. 120 min.
Rachmaninov (20.02.2007, 06:19):
Vor einigen Tagen hörte ich, nach einer halben Ewigkeit, nochmals die Sonaten D894 und D960 in der Aufnahme mit G. Sokolov.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8978594.jpg

Mal abgesehen davon das ich bisher noch keine absoulut überzeugende Aufnahme von D894 gefunden habe (falls es eine gibt die mir dieses Werk näher bringen kann) überzeugt mich Sokolov bei seinen Schubert Aufnahmen weniger.

Pianistisch ist dies alles auf aller höchstem Niveau. Anschlagskultur in Reinkultur aber mir fehlt da einfach etwas. Mir geht es nicht unter die Haut.
ab (09.07.2007, 18:12):
Zu Schuberts 960er-Sonate:

Ich selbst hätte von Sokolov bei Schubert keine solche große Gestaltungsvielfalt mit insbesondere fast kontrastierend wirkenden Abschnitten vermutet. Bei Schubert scheint es mir ja eher gefährlich, viel gestalten zu wollen und meist geht dies (zumindest für meinen Geschmack) in die Hose; nicht aber so bei Sokolov.

Unzählige Phrasierungen, Temposchwankungen sowie außergewöhnlich elastische Abwandlungen des Schwerpunkts der aufeinanderfolgenden Phrasen sowie überraschende Impulse, scheinen mir bei ihm für Schubert äußerst ungewöhnlich und dennoch aber nicht "gewollt" oder "manieriert" zu sein.

Kann ich nicht bei allen seinen Aufnahmen den Gesamtzusammenhang durch seine Detailverliebtheit erkennen (was bei Sokolov jedoch nicht heißt, dass die Musik zerfällt, wie dies sonst so gut wie immer ist), so scheint mir gerade dieser beim Schubert gegeben zu sein.

In dieser Hinsicht - so scheint mir - kann ich die Ansicht nicht teilen, dass es sich hier um die schwächste Aufnahmen Sokolovs handelt, sondern eher im Gegenteil, um zumindest eine der besseren von ihm - also jedenfalls eine ausgezeichnete...
(Ich kann aber verstehen, wenn einem von Sokolov Schubert viel weniger gefällt als sein sonstiges Programm.)
Rachmaninov (25.05.2006, 11:58):
Hallo Forianer,

Grigory Sokolov gehört für mich ohne jeglichen Zweifel zu den größten lebenden Pianisten.



Eine kurze Biographie:

Sokolov wurde am 18.04.1950 in Leningrad (St. Petersburg) geboren und bekam mit 5 Jahren ersten Klavierunterricht.
1962 gab er seinen ersten Klavierabend und gewann 1965 den ersten Preis beim Nationalen Russischen Musikwettbewerb.

1966 dann den ersten Preis und Goldmedaille beim 3. Tchaikowsky Wettbewerb in Moskau.

Wie meistens folge daraufhin der Beginn einer internationalen Karriere.

Trotz seiner mittlerweile weit mehr als 1000 Konzerte und vieler Konzertreisen ist Sokolov immer noch "relativ" unbekannt.

Leider konnte ich 2005 seinen Klavierabend mit Schuberts D959 und Schumann's op.11 nicht miterleben :I
Auf die Frage:"Wo spielen Sie am liebsten?" antwortete Sokolov selber:"Auf der Bühne, bei einem Klavierabend"

Und so ist es nicht verwunderlich, daß alle seine Veröffentlichungen Mitschnitte von Live-Aufnahmen sind.

Besonders hervorheben möchte ich dabei:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4746021.jpg

und

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8979973.jpg

Was haltet ihr von Grigory?
Cosima (25.05.2006, 12:44):
Lieber Richard,

Bach, Kunst der Fuge, kenne ich auch. Sokolovs markantes und ästhetisches Klavierspiel gefällt mir sehr gut. Bei den Brahms-Balladen fällt im Vergleich zu Julius Katchen auf, dass Sokolov sie ganz anders, nämlich viel tiefgründiger interpretiert.

Als sehr gut und klangsinnlich habe ich auch Sokolovs Interpretation der Chopin-Preludes op. 28 in Erinnerung, müsste sie aber noch einmal anhören:

http://www.wom.de/image/cover/front/0/6345701.jpg

Gruß, Cosima
Rachmaninov (26.05.2006, 10:10):
Cosima,

vor ein paar Wochen hatte ich Gelegenheit ein mp3 mit einer Aufnahme Sokolov's zu hören mit einem Werk von Rameau.

Das war einfach Klaviermusik vom Feinsten.

Glaube, wenn man das live an einem Klavierabend so hört wird es einem für ewig in Erinnerung bleiben.

Deshal steht Sokolov auch auf meiner Liste derer, die ich gerne live erleben möchte.

:hello
ab (26.05.2006, 11:06):
Original von Rachmaninov

Glaube, wenn man das live an einem Klavierabend so hört wird es einem für ewig in Erinnerung bleiben.

Genau: Für mich war das ein Erlebnis der besonderen Art - wie bereits an anderer Stelle berichtet -, als er bereits die Bühne wie in Trance betrat, aus der er sich nicht einmal beim Applaus zurückholen ließ.
Der russische Pianist verbindet scheinbar Gegensätzliches: Sein immens kraftvoller Anschlag ist mit einem samtenen, sehr weichen Ton verbunden. Sein exzessives Gestalten von kleinsten Details steht immer im Dienst des weitläufigen Gesamtkonzepts. Mit größter Fingerfertigkeit arbeitet er musikalische Strukturen durchsichtig heraus, die aber immer dem musikalischen Ausdruck untergeordnet sind.
Fast durchwegs im Mitteltonbereich gestaltet er nicht eigentlich klangfarbenreich: Er nuanciert, indem er mit kleinsten Unterschieden jeden Ton verschieden fein anschlägt. Er zieht ausgewogen atmende und dynamisch abgestufte weite Linien.

Freunde perlenden Spiels, bei dem jender Ton deutlich getrennt ist, mögen wohl an seiner Verschmelzungsart weniger Freude finden.

Billiger sind übrigens die beiden 5-CD-Boxen (1) Bach / Beethoven / Chopin / Brahms; 2) Beethoven, Schubert, Chopin, Prokofiev, Rachmaninov, Scriabine), die man sich auch dann zulegen sollte, wenn der eigene Geschmack abweicht: das ist wahrlich goßes Musizieren.
Gamaheh (06.06.2006, 19:05):
Hallo allerseits,

Sokolov habe ich bisher zweimal live erlebt, zuletzt im Dezember letzten Jahres mit Schubert D.959/Schumann op.11, fünf oder sechs Zugaben!
Es war wirklich sehr eindrucksvoll, das Publikum hat getobt vor Begeisterung (was in Hamburg nichts Ungwöhnliches ist, aber solch einen Jubel habe ich hier noch nicht erlebt), und ich im übrigen auch. Allerdings finde ich ihn live ungliech eindrucksvoller als aus der Konserve, er hat Präsenz; er hat auch, wie ich finde, etwas Autoritatives - um nicht zu sagen "Autoritäres", und ich bin froh, daß er als Pianist erfolgreich ist. Wenn er z.B. Politiker wäre, würde er mir unter gewissen Umständen Angst machen.

Grüße,
Gamaheh
Rachmaninov (06.06.2006, 19:07):
Original von Gamaheh
Hallo allerseits,

Sokolov habe ich bisher zweimal live erlebt, zuletzt im Dezember letzten Jahres mit Schubert D.959/Schumann op.11, fünf oder sechs Zugaben!

:I
Mein NEID ist Dir ganz sicher!
Hier in Frankfurt hätte ich ihn so gerne gesehen aber ich war leider irgendwo unterwegs in der Welt. X(
Jeremias (13.06.2006, 09:25):
Hier im Rheinland ist er regelmässig zu hören, ich sehe ihn von daher etwa 1-2x im Jahr :D Angeblich wohnt er sogar in NRW....
Rachmaninov (10.08.2006, 21:14):
Aufmerksam machen möchte ich auch noch auf die letzte Veröffentlichung von G. Sokolov.



Beethoven

Sonaten 4 & 28 und Rondos

Man muß einfach jede Sokolov-Aufnahme kennen und diesen stillen STAR einfach würdigen! :D
Er verfügt über ein Spektrum an Ausdrucksmitteln, die auf eine fulminante Technik basieren, die so überragend ist, daß sie völlig im Hintergrund steht und der Ausruck als alleiniges Mittel "strahlt"!
Amadé (18.08.2006, 17:11):
Sokolov ist kein Rattenfänger, der seine Zuhörer sofort mit zur Schau gestellter Virtuosität gefangen nimmt, nein er zwingt sie sich ganz auf das gerade gespielte Werk zu konzentrieren. Dabei gelingen ihm Interpretationen von größter Ausdruckstiefe und Geschlossenheit. Bei Sokolov hat man das Gefühl, das Stück sei von ihm komponiert und erlebe gerade sein Uraufführung. In seine Konzertprogramme baut er regelmäßig Werke abseits des Mainstream-Programms ein, z.B. Rameau, Couperin oder selten gespielte Klaviermusik von Schumann. Immer wieder begegnet man bei ihm Bach und Chopin. Seine wenigen CDs sind ausnahmslos Konzertmitschnitte, sie wurde bis auf eine Ausnahme von OPUS 111 veröffentlicht, jetzt neu editiert von naïve. Diese CDs gehören in jede ernsthaft geführte Sammlung. Allerdings habe ich feststellen müssen, das für mich der Konzerteindruck noch überwältigender ist als eine seiner CD-Aufnahmen. Sokolov entlässt sein Publikum nicht ohne zahlreiche Zugaben. In Kissingen waren es im Juli 6 , in Dortmund letztes Jahr 8.
BEST
Rachmaninov (18.08.2006, 17:13):
@Amade,

willkommen im Forum! :hello

Natürlich beneide ich Dich für die Live-Erlebnisse mit Sokolov :engel
Rachmaninov (18.12.2006, 19:56):
Heute kam sie endlich und ich habe sie mir gleich angesehen!



Eins vorne weg, wer interesse an Klaviermusik hat und auch gerne Musik via DVD erlebt sollte sich diese Aufnahme gönnen.

Hier wird demonstriert was Sokolov meint mit seiner Aussage, daß der schönste Platz "auf der Bühne, bei einem Klavierabend" sei.

Einfach fantastisch diese DVD!

Sokolov spielt

Beethoven: Klaviersonaten Nr. 9, 10, 15
+ Komitas:6 Tänze für Klavier
+ Prokofieff:Klaviersonate Nr. 7
+ Chopin:Mazurken Nr. 41 & 49
+ Couperin:Le Tic-toc-choc (Les Maillotins);
Soeur Monique
+ Bach / Siloti:Präludium nach BWV 855a

Dauer ca. 120 min.
Rachmaninov (20.02.2007, 06:19):
Vor einigen Tagen hörte ich, nach einer halben Ewigkeit, nochmals die Sonaten D894 und D960 in der Aufnahme mit G. Sokolov.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8978594.jpg

Mal abgesehen davon das ich bisher noch keine absoulut überzeugende Aufnahme von D894 gefunden habe (falls es eine gibt die mir dieses Werk näher bringen kann) überzeugt mich Sokolov bei seinen Schubert Aufnahmen weniger.

Pianistisch ist dies alles auf aller höchstem Niveau. Anschlagskultur in Reinkultur aber mir fehlt da einfach etwas. Mir geht es nicht unter die Haut.
ab (09.07.2007, 18:12):
Zu Schuberts 960er-Sonate:

Ich selbst hätte von Sokolov bei Schubert keine solche große Gestaltungsvielfalt mit insbesondere fast kontrastierend wirkenden Abschnitten vermutet. Bei Schubert scheint es mir ja eher gefährlich, viel gestalten zu wollen und meist geht dies (zumindest für meinen Geschmack) in die Hose; nicht aber so bei Sokolov.

Unzählige Phrasierungen, Temposchwankungen sowie außergewöhnlich elastische Abwandlungen des Schwerpunkts der aufeinanderfolgenden Phrasen sowie überraschende Impulse, scheinen mir bei ihm für Schubert äußerst ungewöhnlich und dennoch aber nicht "gewollt" oder "manieriert" zu sein.

Kann ich nicht bei allen seinen Aufnahmen den Gesamtzusammenhang durch seine Detailverliebtheit erkennen (was bei Sokolov jedoch nicht heißt, dass die Musik zerfällt, wie dies sonst so gut wie immer ist), so scheint mir gerade dieser beim Schubert gegeben zu sein.

In dieser Hinsicht - so scheint mir - kann ich die Ansicht nicht teilen, dass es sich hier um die schwächste Aufnahmen Sokolovs handelt, sondern eher im Gegenteil, um zumindest eine der besseren von ihm - also jedenfalls eine ausgezeichnete...
(Ich kann aber verstehen, wenn einem von Sokolov Schubert viel weniger gefällt als sein sonstiges Programm.)
Jeremias (30.05.2008, 18:21):
Sagt mal, wusstet Ihr, dass es bei Youtube eine Aufnahme mit Rach3 mit ihm gibt? :leb
Rachmaninov (09.09.2008, 21:56):
Auf youtube gibt es mit ihm auch:

Rameau's L'Egyptienne live

Und ich kenne keine Aufnahme, die nur annähernd so brilliant ist im Ausdruck!
Amadé (10.10.2008, 15:58):
Hallo Forianer,

bei meiner Beschäftigung mit Chopin-Nocturnes und der oft zwingenden, überzeugenden Darstellung durch Grygory Sokolov kam mir plötzlich in den Sinn: wie Furtwängler. Gewiss, beides sind/waren unterschiedliche Persönlichkeiten, doch es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen dem Dirigenten und dem Pianisten, der gerade mal 4 Jahre alt war, als Furtwängler starb.

Folgendes trifft wohl auf beide zu:
- haben eine genaue Vorstellung vom Werk
- immer das Ganze im Blick
- Melodien überblicken und aussingen, Bögen spannen
- langer Atem, d.h. abwarten können
- Akzente genau planen, Höhepunkte genau dossieren
- Spannung auch nach der Entladung halten
- verfügen über die Gabe elementarer Kraftentfaltung (Furtwängler: Brahms-Sinfonien, Walküre: Ende des 1.Aktes)
- können Wesentliches von weniger Wesentlichem unterscheiden und darstellen
- flexible Tempi, der jeweiligen musikalischen Situation angepasst
- plastisches Musizieren
- Intensität
- Atmosphäre

Die Arbeit mit einem Orchester lässt sich nicht auf das Klavier übertragen. Sokolov ist sicher kein Klavier-Furtwängler. Aber er musiziert sehr oft, fast immer vergleichbar einem Furtwängler am Klavier.
Wie denkt Ihr darüber?

Herzliche Grüße Amadé
ab (11.10.2008, 11:02):
Sind die genannten Attribute nicht jene, die jeden großen Künstler auszeichnen?!

Als besondere Gemeinsamkeit dieser beiden wären vielleicht wohl eher die agogischen Freiheiten zu nennen. Oder?

Fundamental unterschiedlich, so meine ich gerade, sind sie in der Tonauffassung, oft auch im musikalischen Fluss. Oder?

:hello
Amadé (11.10.2008, 21:38):

Original von ab
Sind die genannten Attribute nicht jene, die jeden großen Künstler auszeichnen?!

Lieber ab, das sollte so sein, ich bin mir aber nicht sicher, ob es auch immer so ist. Manchmal habe ich den Eindruck, dass da schon mal so eine "wir fangen mal an-Stimmung" herrscht. Bei Sokolov, ich habe ihn schon sehr oft im Konzertsaal erlebt, wäre ich nie auf diesen Gedanken gekommen.

Als besondere Gemeinsamkeit dieser beiden wären vielleicht wohl eher die agogischen Freiheiten zu nennen. Oder?

Ja, da stimme ich Dir zu. Obwohl ich das eigentlich nicht so mag, überzeugen mich beide (meistens). Ich habe heute mehrere Aufnahmen mit Chopins Nocturne op.32 Nr.2 verglichen, u.a. eine mit Sokolov, frappierend wie er im A-Teil mit dem Tempo umgeht und trotzdem oder gerade deswegen den Nerv der Musik so genau trifft. Er kann ganz besonders gut zwischen den Notenzeilen lesen, das war auch Furtwänglers Stärke.

Fundamental unterschiedlich, so meine ich gerade, sind sie in der Tonauffassung, oft auch im musikalischen Fluss. Oder?

Das kann ich nicht so sehen, sicher, ein Orchester ist was anderes als ein Flügel, Furtwängler ging schon mal aus sich heraus, also folgte spontanen Einfällen, eher bei romantischer Musik. Sokolov führt eher das vor, was er sich zurechtgelegt hat, aber im kleinen gibt es schon Momente des Spontanen.
Bei beiden habe ich sehr oft das Gefühl: so muss es klingen! Auch wenn ich dabei noch andere Interpretationen gut finde und gelten lasse (z.B. bei Furtwängler Schuberts 9., auch die mit Erich Kleiber finde ich toll und vielleicht noch mehr im Sinne des Komponisten).

Grüße Amadé
Rachmaninov (12.10.2008, 15:02):
@Amade, @ab,

natürlich sollt ejeder große Künstler der artige "Charaktereigenschaften" aufweisen. Bei Sokolov habe ich jedeoch den Eindruck, dass er zu den wenigen Pianisten gehört, die je nach Komponist wirklich anders klingen, ohne dabei nicht charakteristisch im Spiel zu sein.

Das ist wohl seine ganz große Kunst :D
Heike (25.12.2008, 22:36):
@Rachmaninov

Das Sokolov-Programm (Berlin Febr. 09) steht jetzt komplett fest:

Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 2 A-Dur op. 2/2
Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 13 Es-Dur op. 27/1 ''Sonata quasi una fantasia''
Franz Schubert: Klaviersonate D-Dur op. 53 D 850

Hebre
Rachmaninov (26.12.2008, 10:21):
Original von Hebre
@Rachmaninov

Das Sokolov-Programm (Berlin Febr. 09) steht jetzt komplett fest:

Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 2 A-Dur op. 2/2
Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 13 Es-Dur op. 27/1 ''Sonata quasi una fantasia''
Franz Schubert: Klaviersonate D-Dur op. 53 D 850

Hebre

Oh, da bin ich mal gespannt auf die Berichte und welche Zugaben er so spielt.

Danke

R
Jeremias (30.12.2008, 14:25):
Ich werde ihn mir auch am 6.2.09 in Köln anhören :leb :leb :leb
Heike (30.12.2008, 20:13):
Ahhh dann kannst du also zuerst berichten:-)
Rachmaninov (03.03.2009, 18:55):
für die, die es interessiert

http://www.internazionale.it/pagine/blognote/sokolov.htm
Heike (26.04.2009, 20:16):
Sokolov wird auch nächstes Frühjahr wieder in Berlin sein :-) (25.3.2010)
Heike
Heike (24.02.2011, 08:37):
Mittwoch, 23.02.2011 20:00 Uhr Philharmonie Berlin
GRIGORIJ SOKOLOV Klavier

Bach: Concerto nach Italienischen Gusto BWV 971
Bach: Ouvertüre nach Französischer Art BWV 831
Schumann: Humoreske B-Dur op. 20
Schumann: 4 Stücke op. 32 - 1. Scherzo, 2. Gigue, 3. Romanze, 4. Fughette

Dieser einzigartige Klang, unglaublich, wie gleich nach den ersten Takten der ganze Raum erfüllt ist. Sowas geht nur live und das habe ich in dieser Intensität nur bei Sokolov gehört.

Unnnachahmlich fulminant begann er mit Bach. Was für eine Rasanz und dabei gleichzeitig volle Präsenz, Farbenfülle, ich kann meine Begeisterung kaum zurückhalten. Er spielte die ganz großen Linien aus, gestaltete den langsamen Satz des italienischen Konzertes unglaublich zärtlich, um sich dann wieder in einen Rausch zu spielen. Auch der "französische" Bach sehr exzentrisch, fast grimmig, trotzig gespielt: Schaut her, ich, Bach, bin der Meister!. Großartig das Echo am Schluss.

In zweiten Teil Schumann knüpfte daran gut an, wieder waren es Extreme, hier gelangte man in einen Strudel von ständig wechselnden Emotionen. Wenn in einem Moment noch wütende Akkorde ins Klavier gehämmert wurden, dann umfingen einen im nächsten Moment vielleicht schon ganz liebevolle, rührende Gefühle. Meisterlich, zweifellos sehr individuell interpretiert. Er ließ in dem frühen Schumann irgendwie schon den späteren Wahnsinn anklingen.

Der volle Saal tobte am Schluss, es gab 6 Zugaben: 3x Rameau (den "Tambourin" habe ich darunter erkannt), dann die nächsten beiden weiß ich nicht (eins könnte eine Brahms-Fantasie gewesen sein) und zum Schluss das bezaubernde Prelude Nr. 6 von Chopin.
:times10

Heike
Fairy Queen (24.02.2011, 10:46):
Ich beneide dich!!!! :engel
F.Q.

Apropos Rameau: welchen "Tambourin" meinst du da?
Heike (24.02.2011, 13:56):
Hallo Fairy,
ich meine den "Tambourin" aus Rameaus "Pièces de Clavecin", Suite E-Dur (mit u.a. der ich nämlich eine sehr schone Tz. Barto- CD habe, daher kannte ich das). Die CD hab ich heute früh nochmal angehabt und dabei ein weiteres der drei Rameau-Stücke von gestern identifiziert: "Le Rappel des oiseaux" hat Sokolov daraus auch gespielt.
Heike

P.s. mein Lieblingskritiker vom Kulturradio war von Sokolov genauso begeistert wie ich, hier nachzulesen.
Fleur d`orange (13.03.2011, 11:38):
Hallo an alle!

bin hier neu, aber es macht schon viel spass die diskussionen zu lesen.

war gestern in einem Sokolov-Konzert, in der Frankfurter Alten Oper.kann nur eins sagen- faszinierend. 6 zugaben!!!unglaublich!
ab (14.03.2011, 11:46):
Original von Fleur d`orange
Hallo an alle!

bin hier neu, aber es macht schon viel spass die diskussionen zu lesen.

war gestern in einem Sokolov-Konzert, in der Frankfurter Alten Oper.kann nur eins sagen- faszinierend. 6 zugaben!!!unglaublich!

Herzliche Willkommen! :hello
Rachmaninov (05.01.2012, 06:18):
Im diesjährigen Programm ist Sokolov aktuell mit den Händel Variationen von Brahms unterwegs.
wäre zu schön wenn er mal wieder etwas auf CD veroeffentlich wuerde.

R
Heike (09.01.2012, 23:53):
Das Berliner Programm 2012 wurde bekanntgegeben:

Rameau: Suite in D (Auszug)
Mozart: Klaviersonate a-Moll KV 310
Brahms: Variationen und Fuge B-Dur über ein Thema von Händel op. 24
Brahms: 3 Intermezzi op. 117

Ich freu mich drauf, Rameau finde ich genial, Brahms liebe ich sowieso heiß und innig und mit Mozart freunde ich mich mehr und mehr an. Insoweit, ich bin zufrieden!
Heike
Wooster (10.01.2012, 00:24):
Wann und wo sind denn die Konzerte in Berlin (und ggf. anderswo in D)?
Armin70 (10.01.2012, 07:15):
Auf dieser Seite sind alle Konzerttermine aufgelistet, siehe hier. Wenn man "Access all concerts" anklickt öffnet sich ein Extrafenster mit allen Tourdaten.
Heike (28.01.2012, 11:48):
"Seine Darbietungen mögen federleicht und zwingend logisch klingen, aber die Überraschung ergreift dann doch und lässt oft genug den Atem stocken."
SPIEGEL online kündigt die Tournee 2012 mit einem Lobgesng an:

Meisterpianist Sokolov
Aus dem Augenblick für die Ewigkeit

Heike
Fairy Queen (28.01.2012, 16:04):
Das, was ich bisher von Sokolov gehört habe, fand ich umwerfend und wie ein Orpheus des Pianos. Ich kann aber leider die Konzertdaten bei mir nicht aufrufen, mein Sciherheitssystem streikt. Gibt es irgendetwas in Frankreich oder in Belgien? Oder im Kölner Raum?
F.Q.
Jeremias (29.01.2012, 13:34):
Ja, am 29.2. spielt Sokolov in der Kölner Philharmonie!
Amadé (29.01.2012, 14:38):
Im Web präzisiert sich sein diesjähriges Programm:

Rameau, Mozart (genauere Angaben fehlen), dazu der schon bekannt gewordene Brahms mit op.24 und op.117. Ich werde ihn in Kissingen hören.
Jeremias (29.01.2012, 16:05):
Rameau ist die Suite in d-Dur und Mozart die Sonate in a-moll!
Frank1970 (30.01.2012, 11:18):
Hallo zusammen,

am 29.02.12 werde ich natürlich auch in der Kölner Philharmonie bei Sokolov sein! Sokolov Konzerte in Köln sind bei mir absolute Pflichttermine!

Das Programm ist das gleiche, wie in Berlin - mit hoffentlich noch vielen Zugaben! :D
Ist ja bei Sokolov üblich, dass er mit dem gleichen Programm länger auf Tour geht.

Wer von Euch wird denn auch da sein? Ist ja vielleicht die Gelegenheit sich dort zu treffen! Wobei Sokolov-Konzerte jenseits der Musik bei mir eh schon fast Happening-Charakter haben! ;) Als Geheimtipp kann man ihn nicht mehr bezeichnen. Ich treffe bei seinen Konzerten so ziemlich alle Freunde und Bekannte, die sich irgendwie für Musik interessieren - und das sind doch so einige...

Viele Grüße
Frank
Fairy Queen (30.01.2012, 11:32):
Danke für die Hinweise. Ich kan ndie Seite wirklch nciht aufrufen, sie steht bei mir unter Virenalarm. Lieber Frank , ich bin totaler Sokolov-Fan und würde liebend gerne kommen. Leider bin ich mit meiner Mutter in Paris, das ist bereits reserviert. Schade schade, denn in dieser Woche hab ich ein bisschen Zeit weil hier Schulferien sind. Bekommt man denn relativ leicht Karten oder ist das kompliziert?
Um Konzertbericht wird natürlich gebeten!

F.Q.
Heike (30.01.2012, 17:15):
Laut website spielt er in Berlin folgendes von Rameau:

J.-Ph. Rameau Suite D Dur (1724 aus Pieces de clavecin)
Les Tendres Plaintes. Rondeau (Die zärtlichen Klagen)
Les Niais de Sologne (Die Einfaltspinsel von Sologne)
- 1er Double des Niais (1.Variation)
- 2d Double des Niais (2.Variation)
Les Soupirs (Die Seufzer)
La Joyeuse. Rondeau (Die Fröhliche)
La Follette. Rondeau (Die Neckische)
L'Entretien des Muses (Die Unterhaltung der Musen)
Les Tourbillons. Rondeau (Die Wirbelwinde)
Les Cyclopes. Rondeau (Die Zyklopen)
Le Lardon. Menuet (“Le Lardon“)
La Boiteuse (Die Humpelnde)

Heike
Heike (29.03.2012, 08:13):
29.3.2012 Berliner Philharmonie:
Grigory Sokolov

Jean-Philippe Rameau Suite in re
Wolfgang Amadeus Mozart Sonate in a-Moll, KV 310
Johannes Brahms Variationen über ein Thema von Händel, op. 24
Johannes Brahms Drei Intermezzi, op. 117

Es war das beste Konzert, das ich je von ihm gehört habe! Rameau funkelte und glitzerte vom ersten Ton an, eine unglaublich saubere Triller-Technik, dynamisch, lebendig... mit Worten nicht zu beschreiben! Die spröde Sonate von Mozart spielte er so anders und letztlich genauso wie man sich Mozart wünscht. Nach der Pause in interessanter Reihenfolge zuerst die Händel-Variationen: Nicht als romantisch großes Meisterwerk sondern im barocken Stil angelegt, herrlich frisch und "entschlackt", einfach großartig! Es war das beste was ich je von ihm hörte! Als Bonbon noch die Intermezzi, ein wahrer Genuss an Klängen und Klangfarben... seine sechs Zugaben bestanden diesmal aus 3x Schumann, einem Prelude von Chopin (Nr.4), nochmals Rameau und dem wunderbaren Prelude h-moll Bach/Siloti. Ein dreistündiger, denkwürdiger Abend! So etwas erlebt man nur alle paar Jahre, nicht nur aufgrund des 29. Februars...

Ich kann nur ganz dick unterschreiben, was Jeremias geschrieben hat! Auch in der knackevollen Berliner Philharmonie war es ein grandioser Abend. Was der aus diesen kleinen Stücken von Rameau macht, das ist der Wahnsinn. Bitte bitte, eine CD davon! Das war Poesie pur, spannendste Geschichten voller Abwechslung und Überraschungen, Unmengen von Verzierungen so glasklar, filigran und leicht dargeboten, Wahnsinn.

Die Mozart- Sonate leuchtete er in so feinen Facetten aus, dass ich komplett entrückt wurde, obwohl diese Sonate ja nun wirklich häufig gespielt wird. Aber bei Sokolov ist irgendetwas anders, er spielt es einerseits sehr effektvoll, wechselt zwischen Stimmungen hin und her, macht auch Begleitfiguren zu Ereignissen, andererseits behält es eine gewisse Strenge und Sprödigkeit und hat eine so zwingend zu verfolgende Gesamtidee, dass man meint, man hätte das so noch nie gehört. Z.B. dann spielte er im langsamen Satz mit einer gespenstischen Präzision und steigerte das mit so faszinierender Spannung, die Leute waren still und stiller, das geht nicht intensiver. Und danach ein rasendes Finale, umwerfend.

Die Händelvariationen begann er mit einer sehr klangschönen Aria, der dann ein Wunderwerk an Variationen folgte. Besonders die lyrischen Variationen waren zum Dahinschmelzen. Aber auch z.B. Var. 13 und die letzten Variationen haben mich ungkaublich fasziniert, er macht Phrasierungen, die so anders sind, er lässt die Stimmen dialektisch miteinander sprechen, kann Akkorde quasi aufblättern und doch genau richtig klingen lassen, er zaubert klanglich. Jede Variation kriegte da sienen eigenen Charakter und eine transparente und bewegte Fuge bildete den Abschluss eines Gesamtkunstwerkes. Dann die Intermezzi, da fehlen mir eigentlich die Worte. Das war so subtil, es hat mich förmlich umgehauen.

Auch in Berlin 6 Zugaben, nach 3 Stunden Konzert gingen viele begeisterte Menschen beglückt nach Hause. Eine Sternstunde.
Heike
Jeremias (29.03.2012, 11:50):
Original von Heike


Bitte bitte, eine CD davon!


Sein Recital aus München wurde bei Youtube hochgeladen...
Fairy Queen (30.03.2012, 17:24):
Liebe Heike , ich beneide dich!!!!! Ich finde allein schon das Programm sternstundenmâssig. Schade, dass ich es dieses Jahr wieder nciht schaffe, Sokolov irgendwo live zu erleben. :I

F.Q.
Heike (30.03.2012, 19:42):
Rameau in München auf youtube. Denkt euch jetzt noch den live-Klang dazu....
Heike
Karolus Minus (07.07.2012, 15:25):
Am 10.7. auf SWR2 um 13:05
Sokolov aus Schwetzingen
Jean-Philippe Rameau Suite in re
Wolfgang Amadeus Mozart Sonate in a-Moll, KV 310
Johannes Brahms Variationen über ein Thema von Händel, op. 24
Johannes Brahms Drei Intermezzi, op. 117

Gruß
Karolus Minus
Fairy Queen (07.07.2012, 19:24):
Grand merci liebe Heike, das ist genau das was ich gerade brauche.! Celestement :engel :engel :engel
Ich wünschte so sehr, ich könnte ihn mal live erleben......
F.Q.
Peter Brixius (08.07.2012, 16:48):
Nach Internetseite sieht die Abfolge so aus ...

SWR2 Mittagskonzert

François Couperin:
13e (Treizième) ordre
(Stück für Cembalo, 3. Buch), Troisème livre de pièces de clavecin für Klavier
Grigorij Sokolow (Klavier)
Ludwig van Beethoven:
Sonate für Klavier Nr. 11 B-Dur, op. 22
Grigory Sokolov (Klavier)
Johannes Brahms:
Vier Balladen für Klavier, op. 10
Grigory Sokolov (Klavier)

Was stimmt nun?

Liebe Grüße Peter
Amadé (08.07.2012, 17:18):
Ich habe Grigory Sokolov am 03.07., also eine Woche vorher, mit dem früher von Heike und oben von Karolus Minus genannten Programm in Bad Kissingen gehört. Da Sokolov eine Saison lang dasselbe Programm spielt, gehe ich davon aus, dass diese auch in Schwetzingen erklungen ist. VIelleicht sagt die Internetseite der Schwetzinger Festspiele Näheres aus.
GRuß Amadé
Peter Brixius (08.07.2012, 17:36):
Möglicherweise ist das nicht das Konzert vom 31.5., das der SWR sendet - es fehlt bei mir der Hinweis auf die Schwetzinger Festspiele -

Am Mittwoch sind wir schlauer ..

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (10.07.2012, 14:35):
... und so war es auch - Sokolov hatte die Aufnahme des Konzertes nicht freigegeben und so hat man ein eignes Programm (eben das von mir genannte) gesendet - auch mit Sokolov

Liebe Grüße Peter
Amadé (11.07.2012, 09:57):
Leider hat man vergessen die Aufnahmejahre zu nennen, das wäre doch für einen Sender, der alles penibel dokumentiert, ein Leichtes gewesen.

GRuß Amadé
Peter Brixius (11.07.2012, 10:13):
Lieber Amadé,

das ärgert mich häufig bei Rundfunksendungen, Angaben des Aufnahmejahres (damit ist man ja schon zufrieden) sind eine absolute Seltenheit - warum?

Liebe Grüße Peter
Amadé (11.07.2012, 20:28):
Original von Peter Brixius
das ärgert mich häufig bei Rundfunksendungen, Angaben des Aufnahmejahres (damit ist man ja schon zufrieden) sind eine absolute Seltenheit - warum?

Hallo Peter Brixius,

warum?, darauf weiß ich auch keine Antwort. Es ist von Sender zu Sender, und dann auch noch von Sendung zu Sendung verschieden, je nachdem, wer die Sendung moderiert.
Da ich etliche Aufnahmen mitschneide zwecks späterer Verwertung auf einer Web-Seite, ist mir die Angabe des Aufnahmedatums schon wichtig. Manchmal maile ich auch die Sender an, die dann bereitwillig Auskunft erteilen.

Gruß Amadé
Amadé (04.12.2012, 20:07):
Heute erhielt ich die Vorschau für den Kissinger Sommer 2013, Sokolov kommt wieder, angekündigt ist bisher lediglich die Hammerklaviersonate, das ist bei ihm jedes Jahr so. Das vollständige Programm gibt's dann einen Monat vorher.

Gruß Amadé
Heike (28.12.2012, 15:48):
"Der ganze Plattenmarkt ist eine grosse Fabrik"
Eines der seltenen Interviews mit Sokolov. Uralt (1998), aber ich verlinke es mal, weil ich es immer noch aktuell und interessant finde, was er über den Plattenmarkt, über Nachbearbeitungen von Mitschnitten, über HIP etc sagt.
http://www.grigory-sokolov.com/reviews/Musik%20Grigory%20Sokolov.htm
Fairy Queen (17.01.2013, 21:55):
Ich habe heute bei Harmonia mundi das hier erstanden und bin auf Wolke 7 1/2



sokolovselige Grûsse an alle Fan und solche diees noch werden von Fairy Queen :engel
Amadé (30.01.2013, 15:29):
Jetzt bei jpc als Neuheit angekündigt:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4600317120499.jpg

Goldbergvariationen, 2. Partita, 2. Englische Suite

Aufnahme aus Russland aus den Jahren 1982, 75, und 89.

Gruß Amadé
Fairy Queen (31.01.2013, 21:00):
Wenn das so gut ist wie die Kunst der Fuge, die ich in Dazuerschleife höre, kann man nur zugreifen.
FQ
Heike (07.02.2013, 23:51):
Das Berlin-Programm steht fest:

Beethoven: Hammerklavier-Sonate
Schubert: Vier Impromptus für Klavier D 899
Schubert: Drei Klavierstücke D 946
Rachmaninov (08.02.2013, 05:12):
Original von Heike
Das Berlin-Programm steht fest:

Beethoven: Hammerklavier-Sonate
Schubert: Vier Impromptus für Klavier D 899
Schubert: Drei Klavierstücke D 946

Wow, was ein g**les Programm!
Heike (08.02.2013, 09:01):
Wow, was ein g**les Programm!
*unterschreib!*

Ich habe inzwischen die Goldberg-Variationen. Was für ein Hammer! Es ist eine live-Aufnahme vom 27.2.82 aus dem Konservatorium Leningrad, ich habe sie jetzt 2x gehört.

Das größte Ärgernis besteht darin, dass die Goldberg-Variationen auf 2 CDs verteilt wurden, welche Sünde - aber nach Var. 25 ist mit 61.59 min die erste CD zu Ende. Was schon einiges über das Tempo aussagt - aber man täusche sich nicht! Sokolov hat in jedem einzelnen Moment ein phantastisches Gefühl für das situativ genau richtige Timing und es kommt einem nicht so langsam vor wie es ist. Es nimmt mich soooo mit, ein regelrechter Bach-Sog!

Trotz des aufnahmetechnischen Herumpfuschens an der Aufnahme lohnt sich der Kauf allemal, die Interpretation ist Herzklopfen pur. CD 2 enthält außerdem die Partita Nr. 2 c moll und die 2. Englische Suite a moll.
Fairy Queen (08.02.2013, 09:10):
Wann und wo ist denn das Konzert in Berlin?
ich finde ihn mit Bach ebenfalls umwerfend, habe aber bisher "nur" die Kunst der Fuge.
FQ.
Heike (08.02.2013, 13:13):
Liebe Fairy,
das Konzert ist am 5.6.13 in der Philharmonie.
Tickets: http://www.musikadler.de
Heike
jünter (08.02.2013, 15:22):
Auch von mir danke für die Info! :thanks
Hätte gut passieren können dass ich das mal wieder verpenne.

Karten sind schon geordert.
Wooster (08.02.2013, 23:25):
Es ist jetzt noch eine weitere Melodiya-Box herausgekommen; die Diabellis und Chopins op.25 sind vermutlich dieselben Mitschnitte wie bei op.111/Naive, der Rest größtenteils neu auf CD. (Das Tschaikowsky-b-moll spielte er mit 16 nach dem Sieg beim Wettbewerb ein.)

http://www.jpc.de/image/w220/front/0/4600317120789.jpg
Heike (06.06.2013, 08:07):
:engel :engel :engel :engel :engel :engel

Berlin, Philharmonie 5.6.13
Schubert: Vier Impromptus für Klavier D 899
Schubert: Drei Klavierstücke D 946
Beethoven: Hammerklavier-Sonate

Ein ganz nackter Beginn, spröde und karg - aber dann die ganze Welt. Schubert lebte in jedem Takt, sang und jammerte, wütete und tanzte. Alles. Melodisch und klangschön, nicht übersinnlich, sondern fragend. Ich will Schubert genau so hören. Kleine Geschichten eines Suchenden.

Die Hammerklaviersonate, eine Sternstunde. Nicht übertrieben, das war genial, dieses Mammutwerk, endlich mal am Stück in Spannung und zwingend gestaltet. Nicht sehr schnell am Beginn, aber was für eine Transparenz in den fettesten Akkorden! Wie er die in reinen Klang aufblättert, irre. Der langsame Satz, der eigentlich sonst immer verhustet wird - erschütternd, traumwandlerisch, ganz klar - keine Minute zu lang, hätte ewig so weitergehen dürfen. Im Schlussatz pures Glück, völlig logisch entwickelt sich wieder Leben in Form der Fuge, lebendige Triller verzaubern, monumentale Bilder entstehen in meinem Kopf. Irre.

2,5 Stunden reguläres Programm (inkl. Pause), nach dieser Sonate KANN man eigentlich nichts mehr spielen. Oder nur was komplett anderes. Wie auch immer, es gab dann noch eine halbe Stunde Jubel mit 6 Zugaben: 5x Rameau (ich bin nicht ganz sicher, ob da nch was andres drunter war, evt. Couperin) und zum Schluss 1x Brahms. Glücklich. Ach, wenn er doch eine CD rausbringen würde! Mitgeschnitten wurde es, jedenfalls waren Mikros gehängt, die sonst nicht da sind.