Grosse Mezzos und Altistinnen

Rolf Scheiwiller (03.04.2006, 09:20):
Guten Morgen zusammen.

Ich sah heute in der Früh eine Aufzeichnung von den Schwetzinger Festspielen 2005. Die weltbekannte Mezzosopranistin Vesselina Kasarova sang Händel, Mozart, Gluck und Rossini.
Ein Erlebnis dieser wunderbaren Stimme zuzuhören !
Alle Arien schaffte sie ohne eine Partitur vor sich.
Ich glaube, dass dies sicher nicht jede Sängerin riskiert.

Wie ist Eure Meinung zu den Grossen des Mezzo - und Altistinnenfachs ?
Unvergängliche Namen in der Vergangenheit gibt es einige.Horne, Töpper,Valentini-Terrani usw. Und auch heute sind neben der bereits erwähnten Vesselina Kasarova nur kurz folgende genannt : Da wären die Französin Nathalie Stutzmann, und die Polin Ewa Podles. Diese besitzt eine Orgelstimme,da läufts einem kalt den Rücken hinunter !
Eigenartigerweise ist sie nie richtig populär geworden. Wahrscheinlich das Los vieler in diesem Stimmfach.
Auch musste sie bei weniger renommierten Labels aufnehmen.
NAXOS, DELOS und einem polnischen Label.
Eine Einspielung des Orfeo ed Euridice auf ARTS ist hinreissend. Besonders die Bravourarie die später eingeschoben wurde.

Gibt es unter Euch ebenso Liebhaber dieser Stimmen bzw. dieser beiden Stimmfächer ?

Rolf.
lucy (03.04.2006, 14:18):
Original von Rolf Scheiwiller
Guten Morgen zusammen.

Gibt es unter Euch ebenso Liebhaber dieser Stimmen bzw. dieser beiden Stimmfächer ?

Rolf.

Ja. Es sind für mich die schönsten Stimmfächer. Die Stutzmann habe ich live an einem sehr intimen Liederabend gehört und war sehr angetan. Iris Vermillion singt nicht nur schön, sondern sieht auch hinreißend aus. Marjana Lipovšek gehört wie Brigitte Fassbender zu meinen Lieblingssängerinnen. Am meisten hat mich jedoch Maureen Forrester in ihrer Zeit beeindruckt. Natürlich gäbe es noch viele mehr zu erwähnen.

Viele Grüße
Mime (03.04.2006, 15:28):
Diese Stimmen wirken auf mich sehr erotisch.Man spürt die Wärme der Herzen,die aus den Stimmen der Frauen strömt.Jedesmal eine Offenbarung! :engel
Daniel Behrendt (08.04.2006, 19:55):
Brigitte Fassbaender hatte sicher eine der unverwechselbarsten Stimmen der letzten Jahrzehnte. Die Fülle, Wärme und gleichzeitige Herbheit ihres Timbres machen mich ungemein an. Ich denke, dass sie nie eine Hochleistungstechnikerin war. Registerwechsel beispielsweise fallen oft deutlich höhrbar, irgendwie schroff aus. Aber ich denke, dass die Fassbaender auch nie nach Ausgeglichenheit, sondern nach Intensität gestrebt hat - und das ist ihr tatsächlich unnachahmlich gelungen.

Derzeit erlebt die Kontraaltistin Nathalie Stutzmann einen regelrechten Popularitätssprung. Viele Dirigenten besetzen sie für Bach-Kantaten und die Passionen - vorgestern war sie bei Chailly in Leipzig als die Königin einer fabelhaften Johannes-Passion zu erleben. Ich war leider nicht dabei, habe mir aber ausgiebig vorschwärmen lassen - Ein derartig fundierter, tiefer Alt wie der von Frau Stutzmann ist wirklich etwas ganz Besonderes!

Als Oraturiumssängerin macht übrigens auch die von Helmut Rilling protegierte Ingeborg Danz eine ausgezeichnete Figur. Ihre Stimme ist m.E. schon ein vollwertiger Alt, wenngleich auch nicht so profund und dunkel wie der von Stutzmann oder Lipovšek - für Bach reicht's aber dicke.

LG!
Daniel
Carola (08.04.2006, 20:12):
Wenn mir jetzt noch jemand den Unterschied zwischen einer Altistin, einer Kontraaltistin und einer Mezzospranistin erklären könnte, wäre ich (fast) wunschlos glücklich.

sagt Carola :)
Jimi (10.04.2006, 23:15):
Hallo Carola,

die Stimmgattungen Alt und Mezzosopran unterscheiden sich hauptsächlich beim Stimmumfang in der Höhe.
Beim Alt ist der Stimmumfang etwa : f/g – e´´ /f´´ , beim Mezzo g – b´´.
Mit Kontraalt werden Altstimmen mit besonders voller dunkler Stimmfarbe bezeichnet die dann durchaus bis zum d runterkommen (Ein eindruckvolles Beispiel ist der Schluss der Arie "Vorrei veder anch´ io" aus Vivaldis "La verita in cimento", gesungen von Nathalie Stutzmann).
Klar abgrenzen kann man zwischen den Stimmgattungen eh nicht .
Die oben erwähnte Ewa Podles hat z.B. eine sehr tiefe dunkel timbrierte Stimme, aber eine Hohe fast wie ein Sopran und dabei fast unglaubliche Koloraturgeläufigkeit. Sozusagen eine Art “Kontrakoloraturalt“ (warum kennt die keiner ?().

Ich hoffe dass ich dir damit weiterhelfen konnte.

Hallo Rolf,

schön das du neben der zurecht bekannten Vesselina Kassarova auch Nathalie Stutzmann und Ewa Podles erwähnst. Sie haben es auf jeden Fall verdient.
Zwei weitere überragende Kontraaltistinnen sind Sara Mingardo und Marie-Nicol Lemieux.
Ich werde demnächst über die Platten der beiden einen Beitrag schreiben. Sie sind wirklich außergewöhnlich gut (und ich sage das nicht leichtfertig).

Viele Grüße
Jimi
Rolf Scheiwiller (11.04.2006, 08:10):
Original von Jimi
Hallo Carola,

die Stimmgattungen Alt und Mezzosopran unterscheiden sich hauptsächlich beim Stimmumfang in der Höhe.
Beim Alt ist der Stimmumfang etwa : f/g – e´´ /f´´ , beim Mezzo g – b´´.
Mit Kontraalt werden Altstimmen mit besonders voller dunkler Stimmfarbe bezeichnet die dann durchaus bis zum d runterkommen (Ein eindruckvolles Beispiel ist der Schluss der Arie "Vorrei veder anch´ io" aus Vivaldis "La verita in cimento", gesungen von Nathalie Stutzmann).
Klar abgrenzen kann man zwischen den Stimmgattungen eh nicht .
Die oben erwähnte Ewa Podles hat z.B. eine sehr tiefe dunkel timbrierte Stimme, aber eine Hohe fast wie ein Sopran und dabei fast unglaubliche Koloraturgeläufigkeit. Sozusagen eine Art “Kontrakoloraturalt“ (warum kennt die keiner ?().

Ich hoffe dass ich dir damit weiterhelfen konnte.

Hallo Rolf,

schön das du neben der zurecht bekannten Vesselina Kassarova auch Nathalie Stutzmann und Ewa Podles erwähnst. Sie haben es auf jeden Fall verdient.
Zwei weitere überragende Kontraaltistinnen sind Sara Mingardo und Marie-Nicol Lemieux.
Ich werde demnächst über die Platten der beiden einen Beitrag schreiben. Sie sind wirklich außergewöhnlich gut (und ich sage das nicht leichtfertig).

Viele Grüße



Guten Morgen Jimi.

Ja, bitte schreib ! Ich hab den letzten Namen M. L. Lemieux noch nie gehört.

PS: Mit Podles hab ich eine tolle DVD. Aus Barcelona. Donizetti. La Fille de....
Welche Rolle sie interpretiert, muss ich Dir nicht sagen ! Das weisst Du natürlich.

Gruss.
R.
Daniel Behrendt (11.04.2006, 08:38):
Die Podles hat wirklich eine wahnsinnig "geläufige Gurgel" (wie man zur Händelzeit wohl gesagt hätte) - allerdings komme ich mit ihrem schwurbeligen Timbre nicht wirklich zurecht. Die Mingardo liegt dagegen uneingeschränkt auf meiner Linie. Sie ist mir durch die Vivaldi-Edition bei Opus 111 und Pergolesis Stabat Mater aufgefallen - eine superprofunde, rassig-dunkle Altstimme von höchster Timbreeigenart - toll, toll, toll!

Und: In diesen Thread gehört natürlich auch die Mezzosopranistin Marilyn Horne, die ihre Karriere verblüffenderweise als Sopran begann - wohl ein entscheidender Grund für ihre Höhensicherheit. Ihr riesiger Ambitus (sie klingt auch in der Altlage noch voll und kernig), die Durchschlagskraft ihres mächtigen Organs und ihre unanfechtbare Technik gehören wirklich ins Kabinett der vokalen Sensationen - Ich liebe sie, andere haben allerdings ihre Problemchen mit dem leicht herben, gelegentlich zur Schärfe neigendem Timbre und ihrem mehr auf technische Kontrolle, als auf flammende Selbstentäußerung zielenden Gesangsstil. Für mich ist sie eine der Allergrößten!

Dieser Thread inspiriert mich übrigens gleich dazu, ein paar "dunkle Damen" in meinen Player zu werfen...

LG :rofl
Daniel
Rolf Scheiwiller (11.04.2006, 09:17):
Original von Daniel Behrendt
Die Podles hat wirklich eine wahnsinnig "geläufige Gurgel" (wie man zur Händelzeit wohl gesagt hätte) - allerdings komme ich mit ihrem schwurbeligen Timbre nicht wirklich zurecht. Die Mingardo liegt dagegen uneingeschränkt auf meiner Linie. Sie ist mir durch die Vivaldi-Edition bei Opus 111 und Pergolesis Stabat Mater aufgefallen - eine superprofunde, rassig-dunkle Altstimme von höchster Timbreeigenart - toll, toll, toll!

Und: In diesen Thread gehört natürlich auch die Mezzosopranistin Marilyn Horne, die ihre Karriere verblüffenderweise als Sopran begann - wohl ein entscheidender Grund für ihre Höhensicherheit. Ihr riesiger Ambitus (sie klingt auch in der Altlage noch voll und kernig), die Durchschlagskraft ihres mächtigen Organs und ihre unanfechtbare Technik gehören wirklich ins Kabinett der vokalen Sensationen - Ich liebe sie, andere haben allerdings ihre Problemchen mit dem leicht herben, gelegentlich zur Schärfe neigendem Timbre und ihrem mehr auf technische Kontrolle, als auf flammende Selbstentäußerung zielenden Gesangsstil. Für mich ist sie eine der Allergrößten!

Dieser Thread inspiriert mich übrigens gleich dazu, ein paar "dunkle Damen" in meinen Player zu werfen...


LG :rofl
Daniel

Hallo Daniel . Welche der "dunkel " schattierten Damen spielst Du ?

Betr. Marilyn Horne : Hab ich sie nicht oben kurz erwähnt ? Auf dem Opernsektor, wenn Rossini angesagt ist, war sie , und ist sie (auf CD) noch immer unschlagbar. Ich habe einige DVDs. Semiramide, Orlando Furioso u.a.
Sie beherrscht die Bühne von Anfang bis zum Schluss.

Ich hab sogar eine GA Don Giovanni. Sie singt die Zerlina !

Gruss.
R.
Carola (11.04.2006, 10:25):
Vielen Dank, Jimi, für die ausführliche Erklärung,

sagt Carola :)

Ich höre übrgens die dunkle, warme Altstimme sehr viel lieber als die Sopranlage, bei den Männerstimmen ist es genau umgekehrt, da ziehe ich den Tenor vor - falls das jemanden interessiert. :D
Zelenka (11.04.2006, 11:57):
Betr. Marilyn Horne : Hab ich sie nicht oben kurz erwähnt ? Auf dem Opernsektor, wenn Rossini angesagt ist, war sie , und ist sie (auf CD) noch immer unschlagbar. Ich habe einige DVDs. Semiramide, Orlando Furioso u.a.
Sie beherrscht die Bühne von Anfang bis zum Schluss.

Ich hab sogar eine GA Don Giovanni. Sie singt die Zerlina !

Gruss.
R.

Wenn ich M. Horne z.B. als Italienerin in Algier höre, muß ich sofort den Raum verlassen. Ich kann ihre quäkende Stimme nicht ertragen. Sorry!

Gruß,

Zelenka
Jimi (11.04.2006, 14:56):
Hallo Carola,

freut mich dass ich dir weiterhelfen konnte.
Vorlieben für bestimmte Stimmgattungen oder Fächer habe ich eigentlich nicht.
Es gibt eigentlich in allen Bereichen Sänger/innen die mir gefallen oder auch nicht.
Wichtig sind mir dabei die Gesangstechnik und vor allem der Ausdruck. Das Timbre der Stimme ist für mich nicht ganz so entscheidend (ist natürlich auch Geschmacksache).
Als ich angefangen habe mich mit Gesangsaufnahmen zu beschäftigen war das anders.
Da haben mich natürlich auch zunächst schöne Stimmen am meisten beeindruckt.
Manche davon hör ich inzwischen fast gar nicht mehr. :(

Viele Grüße

Jimi
Daniel Behrendt (11.04.2006, 16:35):
Zitat Rolf: Hallo Daniel . Welche der "dunkel " schattierten Damen spielst Du ?

Hallo Rolf,
habe mir vorhin 2 X Stutzmann gegriffen: Lieder von Brahms und Fauré - der Brahms passte ganz gut zu dem trüben, herbstlichen Wetter, dass hier in Hannover derzeit herrscht...

Hallo Zelenka,

So wie dir geht's in bezug auf Frau Horne wohl einigen - Offenbar kriegt der eine oder andere angesichts ihres sehr spezifischen Stimmklangs auf Anhieb Pickel... Allerdings: Die Mühelosigkeit mit der sie Läufe und Koluraturen serviert ist schon ein Hammer!

LG!
Daniel
Jimi (11.04.2006, 21:33):

Guten Morgen Jimi.

Ja, bitte schreib ! Ich hab den letzten Namen M. L. Lemieux noch nie gehört.

PS: Mit Podles hab ich eine tolle DVD. Aus Barcelona. Donizetti. La Fille de....
Welche Rolle sie interpretiert, muss ich Dir nicht sagen ! Das weisst Du natürlich.

Gruss.
R.

Hallo Rolf,

Ewa Podles wird wohl die duchesse de Crakentrop singen, obwohl bei ihrer Tiefe würde ich Ihr auch den Tonio zutrauen (dann hätte der Florez endlich mal Konkurrenz).
Spaß beiseite, wie sind denn der Tonio und die Marie in der Aufnahme, die kenne ich nur vom Hörensagen?

Hier sind die Cds die ich von Marie-Nicole Lemieux habe und auch empfehlen kann:

Vivaldi : Orlando furioso

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00061ZKP8.03.LZZZZZZZ.jpg

Und die 2. mit französischen Liedern: “l’heure exquise“

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7146833.jpg

Hier noch ein paar Ausschnitte aus Kritiken zu den Cds :


Volkmar Fischer, Bayern 4 Klassik:


Vivaldi-Fans wissen, mit welcher Selbstverständlichkeit die Kanadierin Marie-Nicole Lemieux in der Titelpartie der Oper "Orlando furioso" Akzente zu setzen weiß: Die von Jean-Christophe Spinosi geleitete Aufnahme vom Juni 2004 ist ein Juwel im Rahmen der verdienstvollen Vivaldi-Edition des französischen Labels naïve. Nun aber stellt der hochbegabte Contralto sein erstes Lied-Recital zur Diskussion, ein im schweizerischen Sion im Mai 2005 produziertes Programm mit "mélodies" von Reynaldo Hahn, Georges Enesco, Ernest Chausson und Claude Debussy.

Dabei muss die junge Sängerin naturgemäß ganz andere Register ihrer Vortragskunst ziehen als auf dem Felde der Barockoper - und siehe da, sie meistert auch diese Herausforderung mit einer Souveränität, die den Hörer staunen und aus dem Staunen nicht herauskommen lässt. Mit einem überaus aparten Timbre verbindet sich bei Marie-Nicole Lemieux die Fähigkeit zu feinster Differenzierung in artikulatorischen und dynamischen Fragen der Interpretation. Der Klavierpart findet einen sensiblen Sachwalter in Daniel Blumenthal.


Zu “l’heure exquise“ :

Silke Meier-Künzel, Magazin.klassik.com :

Mit der Vielfalt dieser Lieder kann Lemieux die gesamten Vorzüge ihrer Stimme präsentieren, wobei sie jedoch nie der Selbstdarstellung erliegt, sondern die diversen Ausdrucksnuancen der einzelnen Vertonungen stimmlich noch präzisiert. Ihre Stimme sitzt perfekt: sie besitzt eine sehr ausdrucksstarke, warme Mittellage mit der Fähigkeit, sich ohne Bruch in der Höhe zu öffnen, wobei sie in der Gestaltung sowohl durch präzise Leichtigkeit, wie auch äußerst dramatische Momente für sich einnimmt. Die Tiefe besitzt eine sehr individuelle und charakteristische Prägung, ohne jedoch ihren Wohlklang zu verlieren. Ob die Lieder nun einen breiten auftrumpfenden Gestus von der Sängerin fordern – wie das Eingangslied der CD und der ‘sept chansons de clément amrot’ von Enescu – oder aber einen leisen, empfindsamen Ausdruck, wie Hahns ‘D’une prison’: Marie-Nicole Lemieux trifft stets den richtigen Ton, die richtige Stimmung. Sie gestaltet Hahns ‘Offrande’, ein sehr ruhiges, durchkomponiertes Lied mit gleichmäßig verlaufender Gesangslinie ohne jeglichen emphatischen Ausbruch ebenso berührend wie die ‘five little songs’ desselben Komponisten, wo der alltäglichere, greifbarere und damit lebensnahere Inhalt in einer recht einfachen, strophischen Form seinen Ausdruck findet.



Zu Orlando :



Uwe Schneider, Magazin.klassik.com :

In seinem Bestreben der venezianischen Oper neue Akzente zu verleihen, sie womöglich zu reformieren, bedient er sich im ‚Orlando furioso’ eines ungewöhnlich breiten Ausdrucksrepertoires, das von der spektakulär-virtuosen Gesangsnummer bis hin zum französischen galanten Stil reicht.

Exemplarische, sinnliche Sangeskunst

Solche hohen theoretischen Anforderungen erfordern Sänger von außergewöhnlichen Fähigkeiten. Und diese Aufnahme hat für alle sieben Partien solche Interpreten zu bieten. Man wird von einer Idealbesetzung sprechen müssen, wie ohnehin die gesamte Aufnahme Referenzcharakter besitzt. Die Titelrolle gestaltet die kanadische Contra-Altistin Marie-Nicole Lemieux, die sich in den letzten Jahren auch in Europa in die erste Reihe der Barockspezialisten gesungen hat, als ein faszinierendes, temperamentvolles Charakterporträt, voller stimmlicher Präsenz, großem Farbreichtum und geradezu akrobatischer Durchschlagskraft in den Koloraturen, Verzierungen und Rouladen. Den Anforderungen an extreme Registerbereiche der Stimme wird Lemieux auf packende Weise gerecht.

Jennifer Larmore steht dem in nichts nach, sie ist wieder auf dem Niveau mit dem sie in den 1990ern auf sich aufmerksam machte und zum internationalen Gesangsstar avancierte. Doch hier ist nichts von Stargehabe zu spüren, sie fügt sich, technisch brillant und mit der vollen Expressivität ihres betörenden Mezzosoprans, in das ästhetische Gesamtkonzept der Produktion ein. Ihre Partie ist, mit der größten Spannweite an Gefühlsregungen, die interpretatorisch anspruchsvollste des Werkes. Larmore gelingt der Spagat zwischen der vokalen Virtuosität äußerster dramatischer Hingabe und geradezu poetischer Verklärtheit nicht nur mit Bravour, sondern auch mit gestalterischer Überzeugungskraft.

Veronica Cangemi als Angelica kann mit ihrem klar geführten, agilen und zugleich festen Sopran für sich einnehmen; risikofreudig bewältigt sie schwierigste Passagen und bleibt dabei voller sinnlicher Ausstrahlung und Grazie. Bereits ihre Eröffnungsarie (‚Un raggion di speme’) setzt Maßstäbe. Philippe Jaroussky, einer der interessantesten newcomer in der Countertenor- Szene der letzten Jahre, überzeugt als Ruggiero durch seine ungewöhnliche Stimmschönheit, die in der Largo-Arie ‚Sol da te mio dolce amor’ des ersten Aktes, einem der faszinierendsten Nummern der Partitur, zur vollen Entfaltung kommt. Das Timbre von Jarousskys Counter ist in allen Registern von großer Natürlichkeit geprägt, androgyn im Klang und von großer Beweglichkeit.



Die Orlando Einspielung ist ja von der Kritik sehr gelobt worden, es hat aber auch andere Meinungen gegeben: zu knallig, rockig, Popmusik usw.
Mir gefällt sie sehr gut, vor allem Lemieux und natürlich Jaroussky sind toll.
Und wer glaubt, dass Rezitative langweilig sind, dem kann ich nur empfehlen:CD2 Scena 13 “Ah seale, ah spergiura…“. Was M.-N. Lemieux da an Ausdruck reinsteckt, von tiefer Verzweiflung bis extremer Wut, ist schon beeindruckend.
Interessant ist sicher ein Vergleich mit der Orlandoaufnahme mit M. Horne die du erwähnt hast. Ich hatte sie mal ausgeliehen kann mich aber im Detail nicht mehr erinnern.

Nicht weniger überzeugend als den Orlando interpretiert M.N. Lemieux die Lieder von Enesco, Hahn, Chausson und Debussy auf der anderen Cd.
Einige davon haben sich mir erst nach mehrfachem Hören erschlossen.
Anspieltipp: Nr.9 L’heure exquise und Nr. 16 A Chloris.

Viele Grüße

Jimi
Rolf Scheiwiller (13.04.2006, 07:31):
Guten Morgen Jimi.

Also, die Aufführung damals in Barcelona war genau meinem altmodischen Geschmack entsprechend. Das heisst. wunderbare Kostüme, prachtvolles Bühnenbild, herrliche Farben.

Die ital. Sopranistin Mariella Devia sang die Hauptrolle. Und der Amerikaner Paul Austin Kelly ( den Namen hab ich noch nie gehört, bis anhin ) den Tonio.
Kein schönes Timbre. Aber er schaffte die vielen Spitzentöne. Beifall sehr schwach.

Aber die Podles erhielt den grössten Applaus. Sie ist wirklich ein" Bühnentier".


Ich hab leider eine bedeutende Mezzosopranistin vergessen zu erwähnen.

Bernadette Manca di Nissa ! Diese grandiose Künstlerin darf man nicht vergessen ! Auf DVD hab ich beeindruckende Aufnahmen des " Tancredi " und des " Orfeo ed Euridice ". Auch sie ist hierzulande weniger bekannt. Du solltest sie im " Tancredi " hören. Die berühmteste Arie im 1. Akt " Di tanti palpiti... "Sensationell ihre Atemtechnik. Ungeheurer Beifall.

Gruss.

Rolf.
Rolf Scheiwiller (15.04.2006, 09:49):
Original von Jimi
Hallo zusammen, hallo Rolf,

Vielen Dank für die Info über La Fille…
Die interessiert mich allein schon wegen Ewa Podles.

Was Manca de Nissa betrifft: Die hab ich vor lauter Kasarowa, Podles, Mingardo, Horne … auch total vergessen. Ich muss noch dazusagen meine Frau ist absoluter Rossinifan und sammelt alle möglichen und unmöglichen Aufnahmen. Ich bin noch nicht dazugekommen alle komplett durchzuhören.
So hab ich die von dir empfohlene Tancredi auch “übersehen“. Wahnsinnsbesetzung : Nissa , Bayo, Gimenez, D’Arcangelo. Ich höre sie gerade und bin echt begeistert.
Vorhin hab ich zum Vergleich in meine ältere Tancredi (mit M.Horne 1985) reingehört und zu meiner Überraschung festgestellt:

ISAURA ……………………BERNADETTE MANCA DI NISSA

Sie singt ihre Arie im 2.Akt wirklich toll, mit einer Schlusskoloratur a la Marilyn Horne. Da deutet schon alles auf den späteren Tancredi hin. Wenn man Hornes Timbre nicht mag ist di Nissa eine prima Alternative.
Außerdem hab ich noch die Semiramide(Cd) mit Nissa , Gruberova und dem noch ganz jungen Florez, und eine tolle Falstaff –DVD mit Nissa als Mrs. Quickly, echt köstlich.
Die Aufzeichnung entstand 2001 in Verdis Geburtsort Busseto. Kostüme und Dekoration sind einer Aufführung von 1913 nachempfunden, die Toacanini am gleichen Ort, zu Verdis 100. Geburtstag, aufgeführt hat. Richtig schön altmodisch .Den Fenton singt Juan Diego Florez: einfach KLASSE .
Meine Frau(wie gesagt Rossinifan) hat gerade eine Aufnahme von “Il Viaggio a Reims“ von 1983 rausgekramt, di Nissa singt die Minirolle der Modestina.
Ach ja, “La gazza ladra“ fehlt uns noch in der Rossinisammlung. Wer kennt eine gute Einspielung, darf auch eine DVD sein?
Wir hatten mal eine ausgeliehen mit Katja Ricciarelli und William Matteuzzi, den kann meine Frau aber nicht hören! :S
Für einen guten Tipp währen wir dankbar! :thanks

Viele Grüße

Jimi

Guten Tag Jimi.

Ich werde am besten einen eigenen Thread der Rossini Opern starten.
Dort können wir zwei ( und hoffentlich noch viele weitere Liebhaber des " Schwans von Pesaro "uns austoben !

Gruss.
Rolf.
Rolf Scheiwiller (03.04.2006, 09:20):
Guten Morgen zusammen.

Ich sah heute in der Früh eine Aufzeichnung von den Schwetzinger Festspielen 2005. Die weltbekannte Mezzosopranistin Vesselina Kasarova sang Händel, Mozart, Gluck und Rossini.
Ein Erlebnis dieser wunderbaren Stimme zuzuhören !
Alle Arien schaffte sie ohne eine Partitur vor sich.
Ich glaube, dass dies sicher nicht jede Sängerin riskiert.

Wie ist Eure Meinung zu den Grossen des Mezzo - und Altistinnenfachs ?
Unvergängliche Namen in der Vergangenheit gibt es einige.Horne, Töpper,Valentini-Terrani usw. Und auch heute sind neben der bereits erwähnten Vesselina Kasarova nur kurz folgende genannt : Da wären die Französin Nathalie Stutzmann, und die Polin Ewa Podles. Diese besitzt eine Orgelstimme,da läufts einem kalt den Rücken hinunter !
Eigenartigerweise ist sie nie richtig populär geworden. Wahrscheinlich das Los vieler in diesem Stimmfach.
Auch musste sie bei weniger renommierten Labels aufnehmen.
NAXOS, DELOS und einem polnischen Label.
Eine Einspielung des Orfeo ed Euridice auf ARTS ist hinreissend. Besonders die Bravourarie die später eingeschoben wurde.

Gibt es unter Euch ebenso Liebhaber dieser Stimmen bzw. dieser beiden Stimmfächer ?

Rolf.
lucy (03.04.2006, 14:18):
Original von Rolf Scheiwiller
Guten Morgen zusammen.

Gibt es unter Euch ebenso Liebhaber dieser Stimmen bzw. dieser beiden Stimmfächer ?

Rolf.

Ja. Es sind für mich die schönsten Stimmfächer. Die Stutzmann habe ich live an einem sehr intimen Liederabend gehört und war sehr angetan. Iris Vermillion singt nicht nur schön, sondern sieht auch hinreißend aus. Marjana Lipovšek gehört wie Brigitte Fassbender zu meinen Lieblingssängerinnen. Am meisten hat mich jedoch Maureen Forrester in ihrer Zeit beeindruckt. Natürlich gäbe es noch viele mehr zu erwähnen.

Viele Grüße
Mime (03.04.2006, 15:28):
Diese Stimmen wirken auf mich sehr erotisch.Man spürt die Wärme der Herzen,die aus den Stimmen der Frauen strömt.Jedesmal eine Offenbarung! :engel
Daniel Behrendt (08.04.2006, 19:55):
Brigitte Fassbaender hatte sicher eine der unverwechselbarsten Stimmen der letzten Jahrzehnte. Die Fülle, Wärme und gleichzeitige Herbheit ihres Timbres machen mich ungemein an. Ich denke, dass sie nie eine Hochleistungstechnikerin war. Registerwechsel beispielsweise fallen oft deutlich höhrbar, irgendwie schroff aus. Aber ich denke, dass die Fassbaender auch nie nach Ausgeglichenheit, sondern nach Intensität gestrebt hat - und das ist ihr tatsächlich unnachahmlich gelungen.

Derzeit erlebt die Kontraaltistin Nathalie Stutzmann einen regelrechten Popularitätssprung. Viele Dirigenten besetzen sie für Bach-Kantaten und die Passionen - vorgestern war sie bei Chailly in Leipzig als die Königin einer fabelhaften Johannes-Passion zu erleben. Ich war leider nicht dabei, habe mir aber ausgiebig vorschwärmen lassen - Ein derartig fundierter, tiefer Alt wie der von Frau Stutzmann ist wirklich etwas ganz Besonderes!

Als Oraturiumssängerin macht übrigens auch die von Helmut Rilling protegierte Ingeborg Danz eine ausgezeichnete Figur. Ihre Stimme ist m.E. schon ein vollwertiger Alt, wenngleich auch nicht so profund und dunkel wie der von Stutzmann oder Lipovšek - für Bach reicht's aber dicke.

LG!
Daniel
Carola (08.04.2006, 20:12):
Wenn mir jetzt noch jemand den Unterschied zwischen einer Altistin, einer Kontraaltistin und einer Mezzospranistin erklären könnte, wäre ich (fast) wunschlos glücklich.

sagt Carola :)
Jimi (10.04.2006, 23:15):
Hallo Carola,

die Stimmgattungen Alt und Mezzosopran unterscheiden sich hauptsächlich beim Stimmumfang in der Höhe.
Beim Alt ist der Stimmumfang etwa : f/g – e´´ /f´´ , beim Mezzo g – b´´.
Mit Kontraalt werden Altstimmen mit besonders voller dunkler Stimmfarbe bezeichnet die dann durchaus bis zum d runterkommen (Ein eindruckvolles Beispiel ist der Schluss der Arie "Vorrei veder anch´ io" aus Vivaldis "La verita in cimento", gesungen von Nathalie Stutzmann).
Klar abgrenzen kann man zwischen den Stimmgattungen eh nicht .
Die oben erwähnte Ewa Podles hat z.B. eine sehr tiefe dunkel timbrierte Stimme, aber eine Hohe fast wie ein Sopran und dabei fast unglaubliche Koloraturgeläufigkeit. Sozusagen eine Art “Kontrakoloraturalt“ (warum kennt die keiner ?().

Ich hoffe dass ich dir damit weiterhelfen konnte.

Hallo Rolf,

schön das du neben der zurecht bekannten Vesselina Kassarova auch Nathalie Stutzmann und Ewa Podles erwähnst. Sie haben es auf jeden Fall verdient.
Zwei weitere überragende Kontraaltistinnen sind Sara Mingardo und Marie-Nicol Lemieux.
Ich werde demnächst über die Platten der beiden einen Beitrag schreiben. Sie sind wirklich außergewöhnlich gut (und ich sage das nicht leichtfertig).

Viele Grüße
Jimi
Rolf Scheiwiller (11.04.2006, 08:10):
Original von Jimi
Hallo Carola,

die Stimmgattungen Alt und Mezzosopran unterscheiden sich hauptsächlich beim Stimmumfang in der Höhe.
Beim Alt ist der Stimmumfang etwa : f/g – e´´ /f´´ , beim Mezzo g – b´´.
Mit Kontraalt werden Altstimmen mit besonders voller dunkler Stimmfarbe bezeichnet die dann durchaus bis zum d runterkommen (Ein eindruckvolles Beispiel ist der Schluss der Arie "Vorrei veder anch´ io" aus Vivaldis "La verita in cimento", gesungen von Nathalie Stutzmann).
Klar abgrenzen kann man zwischen den Stimmgattungen eh nicht .
Die oben erwähnte Ewa Podles hat z.B. eine sehr tiefe dunkel timbrierte Stimme, aber eine Hohe fast wie ein Sopran und dabei fast unglaubliche Koloraturgeläufigkeit. Sozusagen eine Art “Kontrakoloraturalt“ (warum kennt die keiner ?().

Ich hoffe dass ich dir damit weiterhelfen konnte.

Hallo Rolf,

schön das du neben der zurecht bekannten Vesselina Kassarova auch Nathalie Stutzmann und Ewa Podles erwähnst. Sie haben es auf jeden Fall verdient.
Zwei weitere überragende Kontraaltistinnen sind Sara Mingardo und Marie-Nicol Lemieux.
Ich werde demnächst über die Platten der beiden einen Beitrag schreiben. Sie sind wirklich außergewöhnlich gut (und ich sage das nicht leichtfertig).

Viele Grüße



Guten Morgen Jimi.

Ja, bitte schreib ! Ich hab den letzten Namen M. L. Lemieux noch nie gehört.

PS: Mit Podles hab ich eine tolle DVD. Aus Barcelona. Donizetti. La Fille de....
Welche Rolle sie interpretiert, muss ich Dir nicht sagen ! Das weisst Du natürlich.

Gruss.
R.
Daniel Behrendt (11.04.2006, 08:38):
Die Podles hat wirklich eine wahnsinnig "geläufige Gurgel" (wie man zur Händelzeit wohl gesagt hätte) - allerdings komme ich mit ihrem schwurbeligen Timbre nicht wirklich zurecht. Die Mingardo liegt dagegen uneingeschränkt auf meiner Linie. Sie ist mir durch die Vivaldi-Edition bei Opus 111 und Pergolesis Stabat Mater aufgefallen - eine superprofunde, rassig-dunkle Altstimme von höchster Timbreeigenart - toll, toll, toll!

Und: In diesen Thread gehört natürlich auch die Mezzosopranistin Marilyn Horne, die ihre Karriere verblüffenderweise als Sopran begann - wohl ein entscheidender Grund für ihre Höhensicherheit. Ihr riesiger Ambitus (sie klingt auch in der Altlage noch voll und kernig), die Durchschlagskraft ihres mächtigen Organs und ihre unanfechtbare Technik gehören wirklich ins Kabinett der vokalen Sensationen - Ich liebe sie, andere haben allerdings ihre Problemchen mit dem leicht herben, gelegentlich zur Schärfe neigendem Timbre und ihrem mehr auf technische Kontrolle, als auf flammende Selbstentäußerung zielenden Gesangsstil. Für mich ist sie eine der Allergrößten!

Dieser Thread inspiriert mich übrigens gleich dazu, ein paar "dunkle Damen" in meinen Player zu werfen...

LG :rofl
Daniel
Rolf Scheiwiller (11.04.2006, 09:17):
Original von Daniel Behrendt
Die Podles hat wirklich eine wahnsinnig "geläufige Gurgel" (wie man zur Händelzeit wohl gesagt hätte) - allerdings komme ich mit ihrem schwurbeligen Timbre nicht wirklich zurecht. Die Mingardo liegt dagegen uneingeschränkt auf meiner Linie. Sie ist mir durch die Vivaldi-Edition bei Opus 111 und Pergolesis Stabat Mater aufgefallen - eine superprofunde, rassig-dunkle Altstimme von höchster Timbreeigenart - toll, toll, toll!

Und: In diesen Thread gehört natürlich auch die Mezzosopranistin Marilyn Horne, die ihre Karriere verblüffenderweise als Sopran begann - wohl ein entscheidender Grund für ihre Höhensicherheit. Ihr riesiger Ambitus (sie klingt auch in der Altlage noch voll und kernig), die Durchschlagskraft ihres mächtigen Organs und ihre unanfechtbare Technik gehören wirklich ins Kabinett der vokalen Sensationen - Ich liebe sie, andere haben allerdings ihre Problemchen mit dem leicht herben, gelegentlich zur Schärfe neigendem Timbre und ihrem mehr auf technische Kontrolle, als auf flammende Selbstentäußerung zielenden Gesangsstil. Für mich ist sie eine der Allergrößten!

Dieser Thread inspiriert mich übrigens gleich dazu, ein paar "dunkle Damen" in meinen Player zu werfen...


LG :rofl
Daniel

Hallo Daniel . Welche der "dunkel " schattierten Damen spielst Du ?

Betr. Marilyn Horne : Hab ich sie nicht oben kurz erwähnt ? Auf dem Opernsektor, wenn Rossini angesagt ist, war sie , und ist sie (auf CD) noch immer unschlagbar. Ich habe einige DVDs. Semiramide, Orlando Furioso u.a.
Sie beherrscht die Bühne von Anfang bis zum Schluss.

Ich hab sogar eine GA Don Giovanni. Sie singt die Zerlina !

Gruss.
R.
Carola (11.04.2006, 10:25):
Vielen Dank, Jimi, für die ausführliche Erklärung,

sagt Carola :)

Ich höre übrgens die dunkle, warme Altstimme sehr viel lieber als die Sopranlage, bei den Männerstimmen ist es genau umgekehrt, da ziehe ich den Tenor vor - falls das jemanden interessiert. :D
Zelenka (11.04.2006, 11:57):
Betr. Marilyn Horne : Hab ich sie nicht oben kurz erwähnt ? Auf dem Opernsektor, wenn Rossini angesagt ist, war sie , und ist sie (auf CD) noch immer unschlagbar. Ich habe einige DVDs. Semiramide, Orlando Furioso u.a.
Sie beherrscht die Bühne von Anfang bis zum Schluss.

Ich hab sogar eine GA Don Giovanni. Sie singt die Zerlina !

Gruss.
R.

Wenn ich M. Horne z.B. als Italienerin in Algier höre, muß ich sofort den Raum verlassen. Ich kann ihre quäkende Stimme nicht ertragen. Sorry!

Gruß,

Zelenka
Jimi (11.04.2006, 14:56):
Hallo Carola,

freut mich dass ich dir weiterhelfen konnte.
Vorlieben für bestimmte Stimmgattungen oder Fächer habe ich eigentlich nicht.
Es gibt eigentlich in allen Bereichen Sänger/innen die mir gefallen oder auch nicht.
Wichtig sind mir dabei die Gesangstechnik und vor allem der Ausdruck. Das Timbre der Stimme ist für mich nicht ganz so entscheidend (ist natürlich auch Geschmacksache).
Als ich angefangen habe mich mit Gesangsaufnahmen zu beschäftigen war das anders.
Da haben mich natürlich auch zunächst schöne Stimmen am meisten beeindruckt.
Manche davon hör ich inzwischen fast gar nicht mehr. :(

Viele Grüße

Jimi
Daniel Behrendt (11.04.2006, 16:35):
Zitat Rolf: Hallo Daniel . Welche der "dunkel " schattierten Damen spielst Du ?

Hallo Rolf,
habe mir vorhin 2 X Stutzmann gegriffen: Lieder von Brahms und Fauré - der Brahms passte ganz gut zu dem trüben, herbstlichen Wetter, dass hier in Hannover derzeit herrscht...

Hallo Zelenka,

So wie dir geht's in bezug auf Frau Horne wohl einigen - Offenbar kriegt der eine oder andere angesichts ihres sehr spezifischen Stimmklangs auf Anhieb Pickel... Allerdings: Die Mühelosigkeit mit der sie Läufe und Koluraturen serviert ist schon ein Hammer!

LG!
Daniel
Jimi (11.04.2006, 21:33):

Guten Morgen Jimi.

Ja, bitte schreib ! Ich hab den letzten Namen M. L. Lemieux noch nie gehört.

PS: Mit Podles hab ich eine tolle DVD. Aus Barcelona. Donizetti. La Fille de....
Welche Rolle sie interpretiert, muss ich Dir nicht sagen ! Das weisst Du natürlich.

Gruss.
R.

Hallo Rolf,

Ewa Podles wird wohl die duchesse de Crakentrop singen, obwohl bei ihrer Tiefe würde ich Ihr auch den Tonio zutrauen (dann hätte der Florez endlich mal Konkurrenz).
Spaß beiseite, wie sind denn der Tonio und die Marie in der Aufnahme, die kenne ich nur vom Hörensagen?

Hier sind die Cds die ich von Marie-Nicole Lemieux habe und auch empfehlen kann:

Vivaldi : Orlando furioso

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00061ZKP8.03.LZZZZZZZ.jpg

Und die 2. mit französischen Liedern: “l’heure exquise“

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7146833.jpg

Hier noch ein paar Ausschnitte aus Kritiken zu den Cds :


Volkmar Fischer, Bayern 4 Klassik:


Vivaldi-Fans wissen, mit welcher Selbstverständlichkeit die Kanadierin Marie-Nicole Lemieux in der Titelpartie der Oper "Orlando furioso" Akzente zu setzen weiß: Die von Jean-Christophe Spinosi geleitete Aufnahme vom Juni 2004 ist ein Juwel im Rahmen der verdienstvollen Vivaldi-Edition des französischen Labels naïve. Nun aber stellt der hochbegabte Contralto sein erstes Lied-Recital zur Diskussion, ein im schweizerischen Sion im Mai 2005 produziertes Programm mit "mélodies" von Reynaldo Hahn, Georges Enesco, Ernest Chausson und Claude Debussy.

Dabei muss die junge Sängerin naturgemäß ganz andere Register ihrer Vortragskunst ziehen als auf dem Felde der Barockoper - und siehe da, sie meistert auch diese Herausforderung mit einer Souveränität, die den Hörer staunen und aus dem Staunen nicht herauskommen lässt. Mit einem überaus aparten Timbre verbindet sich bei Marie-Nicole Lemieux die Fähigkeit zu feinster Differenzierung in artikulatorischen und dynamischen Fragen der Interpretation. Der Klavierpart findet einen sensiblen Sachwalter in Daniel Blumenthal.


Zu “l’heure exquise“ :

Silke Meier-Künzel, Magazin.klassik.com :

Mit der Vielfalt dieser Lieder kann Lemieux die gesamten Vorzüge ihrer Stimme präsentieren, wobei sie jedoch nie der Selbstdarstellung erliegt, sondern die diversen Ausdrucksnuancen der einzelnen Vertonungen stimmlich noch präzisiert. Ihre Stimme sitzt perfekt: sie besitzt eine sehr ausdrucksstarke, warme Mittellage mit der Fähigkeit, sich ohne Bruch in der Höhe zu öffnen, wobei sie in der Gestaltung sowohl durch präzise Leichtigkeit, wie auch äußerst dramatische Momente für sich einnimmt. Die Tiefe besitzt eine sehr individuelle und charakteristische Prägung, ohne jedoch ihren Wohlklang zu verlieren. Ob die Lieder nun einen breiten auftrumpfenden Gestus von der Sängerin fordern – wie das Eingangslied der CD und der ‘sept chansons de clément amrot’ von Enescu – oder aber einen leisen, empfindsamen Ausdruck, wie Hahns ‘D’une prison’: Marie-Nicole Lemieux trifft stets den richtigen Ton, die richtige Stimmung. Sie gestaltet Hahns ‘Offrande’, ein sehr ruhiges, durchkomponiertes Lied mit gleichmäßig verlaufender Gesangslinie ohne jeglichen emphatischen Ausbruch ebenso berührend wie die ‘five little songs’ desselben Komponisten, wo der alltäglichere, greifbarere und damit lebensnahere Inhalt in einer recht einfachen, strophischen Form seinen Ausdruck findet.



Zu Orlando :



Uwe Schneider, Magazin.klassik.com :

In seinem Bestreben der venezianischen Oper neue Akzente zu verleihen, sie womöglich zu reformieren, bedient er sich im ‚Orlando furioso’ eines ungewöhnlich breiten Ausdrucksrepertoires, das von der spektakulär-virtuosen Gesangsnummer bis hin zum französischen galanten Stil reicht.

Exemplarische, sinnliche Sangeskunst

Solche hohen theoretischen Anforderungen erfordern Sänger von außergewöhnlichen Fähigkeiten. Und diese Aufnahme hat für alle sieben Partien solche Interpreten zu bieten. Man wird von einer Idealbesetzung sprechen müssen, wie ohnehin die gesamte Aufnahme Referenzcharakter besitzt. Die Titelrolle gestaltet die kanadische Contra-Altistin Marie-Nicole Lemieux, die sich in den letzten Jahren auch in Europa in die erste Reihe der Barockspezialisten gesungen hat, als ein faszinierendes, temperamentvolles Charakterporträt, voller stimmlicher Präsenz, großem Farbreichtum und geradezu akrobatischer Durchschlagskraft in den Koloraturen, Verzierungen und Rouladen. Den Anforderungen an extreme Registerbereiche der Stimme wird Lemieux auf packende Weise gerecht.

Jennifer Larmore steht dem in nichts nach, sie ist wieder auf dem Niveau mit dem sie in den 1990ern auf sich aufmerksam machte und zum internationalen Gesangsstar avancierte. Doch hier ist nichts von Stargehabe zu spüren, sie fügt sich, technisch brillant und mit der vollen Expressivität ihres betörenden Mezzosoprans, in das ästhetische Gesamtkonzept der Produktion ein. Ihre Partie ist, mit der größten Spannweite an Gefühlsregungen, die interpretatorisch anspruchsvollste des Werkes. Larmore gelingt der Spagat zwischen der vokalen Virtuosität äußerster dramatischer Hingabe und geradezu poetischer Verklärtheit nicht nur mit Bravour, sondern auch mit gestalterischer Überzeugungskraft.

Veronica Cangemi als Angelica kann mit ihrem klar geführten, agilen und zugleich festen Sopran für sich einnehmen; risikofreudig bewältigt sie schwierigste Passagen und bleibt dabei voller sinnlicher Ausstrahlung und Grazie. Bereits ihre Eröffnungsarie (‚Un raggion di speme’) setzt Maßstäbe. Philippe Jaroussky, einer der interessantesten newcomer in der Countertenor- Szene der letzten Jahre, überzeugt als Ruggiero durch seine ungewöhnliche Stimmschönheit, die in der Largo-Arie ‚Sol da te mio dolce amor’ des ersten Aktes, einem der faszinierendsten Nummern der Partitur, zur vollen Entfaltung kommt. Das Timbre von Jarousskys Counter ist in allen Registern von großer Natürlichkeit geprägt, androgyn im Klang und von großer Beweglichkeit.



Die Orlando Einspielung ist ja von der Kritik sehr gelobt worden, es hat aber auch andere Meinungen gegeben: zu knallig, rockig, Popmusik usw.
Mir gefällt sie sehr gut, vor allem Lemieux und natürlich Jaroussky sind toll.
Und wer glaubt, dass Rezitative langweilig sind, dem kann ich nur empfehlen:CD2 Scena 13 “Ah seale, ah spergiura…“. Was M.-N. Lemieux da an Ausdruck reinsteckt, von tiefer Verzweiflung bis extremer Wut, ist schon beeindruckend.
Interessant ist sicher ein Vergleich mit der Orlandoaufnahme mit M. Horne die du erwähnt hast. Ich hatte sie mal ausgeliehen kann mich aber im Detail nicht mehr erinnern.

Nicht weniger überzeugend als den Orlando interpretiert M.N. Lemieux die Lieder von Enesco, Hahn, Chausson und Debussy auf der anderen Cd.
Einige davon haben sich mir erst nach mehrfachem Hören erschlossen.
Anspieltipp: Nr.9 L’heure exquise und Nr. 16 A Chloris.

Viele Grüße

Jimi
Rolf Scheiwiller (13.04.2006, 07:31):
Guten Morgen Jimi.

Also, die Aufführung damals in Barcelona war genau meinem altmodischen Geschmack entsprechend. Das heisst. wunderbare Kostüme, prachtvolles Bühnenbild, herrliche Farben.

Die ital. Sopranistin Mariella Devia sang die Hauptrolle. Und der Amerikaner Paul Austin Kelly ( den Namen hab ich noch nie gehört, bis anhin ) den Tonio.
Kein schönes Timbre. Aber er schaffte die vielen Spitzentöne. Beifall sehr schwach.

Aber die Podles erhielt den grössten Applaus. Sie ist wirklich ein" Bühnentier".


Ich hab leider eine bedeutende Mezzosopranistin vergessen zu erwähnen.

Bernadette Manca di Nissa ! Diese grandiose Künstlerin darf man nicht vergessen ! Auf DVD hab ich beeindruckende Aufnahmen des " Tancredi " und des " Orfeo ed Euridice ". Auch sie ist hierzulande weniger bekannt. Du solltest sie im " Tancredi " hören. Die berühmteste Arie im 1. Akt " Di tanti palpiti... "Sensationell ihre Atemtechnik. Ungeheurer Beifall.

Gruss.

Rolf.
Jimi (14.04.2006, 21:29):
Hallo zusammen, hallo Rolf,

Vielen Dank für die Info über La Fille…
Die interessiert mich allein schon wegen Ewa Podles.

Was Manca de Nissa betrifft: Die hab ich vor lauter Kasarowa, Podles, Mingardo, Horne … auch total vergessen. Ich muss noch dazusagen meine Frau ist absoluter Rossinifan und sammelt alle möglichen und unmöglichen Aufnahmen. Ich bin noch nicht dazugekommen alle komplett durchzuhören.
So hab ich die von dir empfohlene Tancredi auch “übersehen“. Wahnsinnsbesetzung : Nissa , Bayo, Gimenez, D’Arcangelo. Ich höre sie gerade und bin echt begeistert.
Vorhin hab ich zum Vergleich in meine ältere Tancredi (mit M.Horne 1985) reingehört und zu meiner Überraschung festgestellt:

ISAURA ……………………BERNADETTE MANCA DI NISSA

Sie singt ihre Arie im 2.Akt wirklich toll, mit einer Schlusskoloratur a la Marilyn Horne. Da deutet schon alles auf den späteren Tancredi hin. Wenn man Hornes Timbre nicht mag ist di Nissa eine prima Alternative.
Außerdem hab ich noch die Semiramide(Cd) mit Nissa , Gruberova und dem noch ganz jungen Florez, und eine tolle Falstaff –DVD mit Nissa als Mrs. Quickly, echt köstlich.
Die Aufzeichnung entstand 2001 in Verdis Geburtsort Busseto. Kostüme und Dekoration sind einer Aufführung von 1913 nachempfunden, die Toacanini am gleichen Ort, zu Verdis 100. Geburtstag, aufgeführt hat. Richtig schön altmodisch .Den Fenton singt Juan Diego Florez: einfach KLASSE .
Meine Frau(wie gesagt Rossinifan) hat gerade eine Aufnahme von “Il Viaggio a Reims“ von 1983 rausgekramt, di Nissa singt die Minirolle der Modestina.
Ach ja, “La gazza ladra“ fehlt uns noch in der Rossinisammlung. Wer kennt eine gute Einspielung, darf auch eine DVD sein?
Wir hatten mal eine ausgeliehen mit Katja Ricciarelli und William Matteuzzi, den kann meine Frau aber nicht hören! :S
Für einen guten Tipp währen wir dankbar! :thanks

Viele Grüße

Jimi
Ulrica (08.04.2010, 18:43):
Irgendwie amüsiert es mich, dass es einen solchen Tread in ähnichem Kontext in fast jedem Klassikforum gibt.

Ach ja, die gibt es ja ab und zu auch, die klingen eigentlich meistens gut, aber die großen Stars sind sie eher nicht und meistens erschöpft such die Aufzählung mangels Masse recht bald.

Das Repertoire von Interesse ist knapp bemessen und die Stimmentwicklung dauert meist länger als bei hohen Stimmen.

Weil ihr zuletzt bei Rossini angelangt seid: Dieser Komponist hat in den Tat tiefe Koloratur - Frauenstimmen bedacht, den Contralto in der Belcanto - Tradition.

Das ist ziemlich heftig, denn hier wird es auch unverschämt hoch. neulich wurde ich mit einer Ausgrabung konfrontiert und habe das Ding auch schon gesungen: Die Arie des Calbo aus Maometto II.

Zu empfehlen von Ewa Podles (bassige Tiefen und sopranige Höhen), Marilyn Horne (schwindelerregend flott und suoer ausgeglichen) und Margarita Zimmermann (erste Sahne in den Koloraturen, Teife nicht ganz so ausgeprägt, aber organisch im Einregister)

LG
:hello
Ulrica