Händel: Xerxes (Serse) ... Ombra mai fù und so weiter

Heike (13.05.2012, 00:59):
Serse, deutsch Xerxes (HWV 40) ist eine Oper von Georg Friedrich Händel in italienischer Sprache.

Entstehung und Aufführungsgeschichte
Das Libretto geht auf eine Vorlage von Nicolò Minato zurück, die 1654 von Francesco Cavalli für Venedig vertont worden war. Silvio Stampiglia arbeitete diese Vorlage für eine Oper Giovanni Bononcinis um, die erstmals 1694 in Rom gespielt wurde. Es ist nicht bekannt, wer das Libretto für Händel umschrieb. Die Uraufführung fand in London am 15. April 1738 im Londoner Kings' Theatre statt, der Kastrat „Caffarelli“ sang die Rolle des Xerxes (heute werden die Rollen von Xerxes und Arsamene von Frauenstimmen gesungen).

Die Oper hatte keinen Erfolg, wurde nach nur fünf Vorstellungen eingestellt und fast 200 Jahre lang vergessen. Erst 1924 bei den Göttinger Festspielen wurde die Oper wieder aufgeführt, damals in deutsch.

Musik
Im Gegensatz zu Händels früheren Opern gibt es in Xerxes kaum noch Da-capo-Arien. Das Werk ist hingegen fast liedhaft aufgebaut, die Arien transportieren jede Menge Emotionen und treiben auch die Handlung voran. Teilweise erinnert das Werk schon an den Stil von Händels Oratorien. Xerxes ähnelt aber auch in vieler Hinsicht Mozarts Opern. Leidenschaft wird mit Burleske und Satire gemischt. Die Verrücktheit des menschlichen Wesens wird bloßgestellt, aber niemals lächerlich gemacht.

Die Arie "Ombra mai fù", ein Liebeslied Xerxes' an einen Baum, zählt zu Händels bekanntesten Melodien* und wird oft schlicht als „Händels Largo“ bezeichnet; tatsächlich ist es ein Larghetto. Weiterhin ist auch Xerxes' sogenannte Furienarie "Crude furie degl orridi abissi" relativ bekannt. Darüber hinaus gibt es aber 3 Stunden lang eine schöne Arie an der nächsten ;-)

Handlung
Die dreiaktige Oper spielt in Persien um das Jahr 480 v. Chr., was aber weder im Libretto noch in der Musik deutlich wird. Die Handlung ist verworren und kaum kurz zusammenfassbar. Es geht Um den König Xerxes, der statt seiner Braut Amastre lieber Romilda (die Tochter seines Hauptmannes Ariodate) heiraten will. Romilda will ihn aber nicht, denn sie liebt schon einen anderen, nämlich den Bruder des Königs, Arsamene. Diesen wiederum will Romildas Schwester Atalanta haben. Deshalb will sie Romilda von ihm weg zu Xerxes verkuppeln ... Also, es geht turbulent zu, aber am Ende bleibt es bei den Paaren: Xerxes behält seine Braut Amastre und sein Bruder Arsamene kriegt Romilda.

*Mmh, also bei Bononcini klingt das doch schon seeeehr ähnlich.

Heike

Quelle: Wiki
Heike (13.05.2012, 01:02):
Ich habe schon mit großem Vergnügen am Donnerstag die GP in der KOB gesehen und werde nach der Premiere berichten :-)

Wer Lust hat, der kann ja hier mal seine Favoriten unter den Aufnahmen des Werkes oder - davon gibt es sicherlich viel viel mehr - seine Lieblingsaufnahmen der bekanntesten Arie "Ombra mai fù" vorstellen.

Heike
Heike (13.05.2012, 01:15):
Ich habe nur eine Gesamtaufnahme, die ich so gut finde, dass ich keine weitere angeschafft habe:



Anne Sofie von Otter, Sandrine Piau, Giovanni Furlanetto, Antonio Abete,
Les Arts Florissants, William Christie
Heike (14.05.2012, 00:00):
KOB Premiere 13.05.2012
in deutscher Sprache: Übersetzung von Eberhard Schmidt In einer Einrichtung von Stefan Herheim

Ich hatte schon die GP gesehen und war richtig froh drüber, gleich ein paar Tage später nochmal in die Premiere zu gehen:

Musikalische Leitung ... Konrad Junghänel
Inszenierung ... Stefan Herheim

Xerxes ... Stella Doufexis
Arsamenes ... Karolina Gumos
Amastris ... Katarina Bradic
Romilda ... Brigitte Geller
Atalanta ... Julia Giebel
Ariodates ... Dimitry Ivashchenko
Elviro ... Hagen Matzeit

Endlich mal wieder eine gut gemachte Barockoper an der KOB - bis auf kleine, zu verschmerzende Überziehungen in einigen Gags war das eine rundum gelungene Inszenierung! Und, danke danke danke Herr Herheim, dass wenigstens die schönsten Arien in italienisch gesungen wurden! Händel auf deutsch, das funktioniert nur bedingt, da geht mir doch einiges an Schwung und Leichtigkeit verloren. Aber die Musik ist so schön und die Inszenierung war so unterhaltsam, da vergisst man fast sogar dieses blöde deutsche Gesinge.

Das Ganze ist von Stefan Herheim als großes prunkvolles Spektakel inszeniert, eine barocke Bühne, die so wie damals Szene für Szene bespielt wird und wo -zig bäuerliche Komparsen quasi sichtbar, aber unauffällig dran rumbauen. Lust am sinnlichem Vergnügen, aber auch große Gefühle von Begehren, Eifersucht, Verrat, Rache und Verzweiflung werden gut rübergebracht; Herheim spielt besonders mit den Verwechslungen und Übergängen zwischen den Geschlechtern, wofür ihm ja Händel etliche Vorlagen liefert. Wunderschöne Kostüme und Verkleidungen, prächtige Bühnenbilder, eine großartig detailreiche und schön umgesetzte Personenführung (dass es sowas an der KOB noch gibt !!!!) - und einige wirklich hübsche Einfälle: so werden z.B. 6 einzelne riesige Buchstabenkulissen neu umgeordnet, und es ergibt sich dann aus XERXES: * * (bitte raten) :-)

Auch gesanglich hatte ich große Freude an diesem Abend. Stella Doufexis und Karolina Gumos sangen das royale Brüderpaar mit tollen Stimmen und wunderschön gestaltetem Ausdruck, beide mit klasse Leistung. Frau Gumos hatte ich schon aus Janaceks Füchslein in sehr guter Erinnerung, das hat sich hier bestätigt. Doufexis war der zu recht am meisten bejubelte Star des Abends - souverän, elegant und glamourös, großes Kino. Sie gefiel mir noch besser als in Carmen, ihre Leichtigkeit und Grazie passt imho viel besser zu Händel als zu spanischem Flair. Höhepunkt: Die Furienarie am Ende war grandios gestaltet und bravourös gesungen, einfach großartig, oscarreif. Die beiden Schwestern Brigitte Geller und Julia Giebel ergänzten sich blendend, sangen mit den richtigen Maß an Hysterie und weitgehend stilsicher und hatten auch am gemeinsamen Spiel sichtlich Spaß. Zwar hatte Romilda in den Höhen etwas Mühe, aber das störte rein gar nicht, das machte sie durch Bühnenpräsenz wett. Gut gefiel mir auch Katarina Bradic mit schönem, sehr dunklem Mezzo und melancholischer Anmut als Xerxes' Braut. Selten habe ich erlebt, dass man in einer Oper an der KOB fünf Frauenrollen so gut besetzt kriegt; die jeweiligen Duette waren wahrlich ein Genuss.

Die beiden Männer komplettierten das Team gut, sehr spielfreudig war Hagen Matzeit als Blumenmädchen Elviro - schade, dass er auch noch heftig berlinern musste, das war mir dann doch zu viel des Guten. Das wäre doch allein schon witzig genug, wie gut er zwischen starkem Bariton und Countertenor wechselte. Dimitry Ivashchenko überzeugte als sicherer Bass.

Völlig zu Unrecht kommt das Orchester zum Schluss dran: Mit Konrad Junghänel hatte ich in der KOB schon einige schöne Dirigate gehört, und so war es auch diesmal. Lebendigkeit und die pure Lust am Musizieren! Blechbläser mit alten Instrumenten, Blockflöten, 2 Continuo-Gruppen mit Cembalo, Theobe/Barockharfe und Celli sorgten für wahrlich barocke Eindrücke. Etliche Passagen in den Streichern wurden solistisch oder in kleiner Besetzung gespielt. Ein sehr bewegtes und bewegendes Orchester, fesselnd und z.T. auch in das Geschehen auf der Bühne eingebunden. Dazu ein Chor mit geradezu hynmischen Gesängen, klasse. Man sollte an der KOB viel mehr Barockoper bringen!

Ja, was soll ich sagen: hingehen, solange diese Besetzung noch singt und Junghänel dirigiert! Über drei Stunden barocke Lust sind garantiert.
Heike