als in den 1980er Jahren die ersten Audio-CD's auf den Markt kamen, herrschte grenzenlose Euphorie bezüglich der Langzeit-Haltbarkeit dieses Mediums: man sprach von mindestens 50 oder gar 100 Jahren. Natürlich hatte man damals noch keine Erfahrungen und versuchte, den Alterungsprozess mehr oder weniger realistisch in Klimakammern zu simulieren.
Nach gut 25 Jahren Erfahrung mit Audio-CD's ist mittlerweile eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Man geht heute davon aus, dass Audio-CD's unter optimalen Lagerbedingungen 20 bis 30 Jahre halten - länger nicht. "Optimale Lagerbedingungen" bedeutet:
keine mechanische Beanspruchung durch Kratzer, Verbiegen oder extreme Temperaturen Schutz vor Sonnenlicht (UV-Strahlung) optimale Luftfeuchtigkeit (nicht zu hoch)
Wollte man diese Bedingungen zuhause einhalten, müsste man die CD-Sammlung in einer lichtgeschützten Klimakammer mit gleichmässiger Temperatur und Luftfeuchtigkeit lagern und dürfte sie nie abspielen, denn schon das Herausnehmen aus dem Jewel Case ist eine mechanische Beanspruchung. Da diese optimalen Bedingungen bei privaten Sammlern wohl kaum gegeben sind, kann man davon ausgehen, dass die Haltbarkeit noch um einiges untehalb von 20 bis 30 Jahren liegt.
Eine Audio-CD hat also eine schlechtere Langzeit-Haltbarkeit als eine Schallplatte, die man - wenn sie halbwegs sorgfältig behandelt wurde - auch nach 50 und mehr Jahren noch abspielen kann.
Noch schlechter sieht es bei selbstgebrannten Audio-CD's aus - hier wird aufgrund der bisher gesammelten Erfahrungen bei der Haltbarkeit von nur 3 bis 5 Jahren ausgegangen.
Wenn man als Sammler mal grob überschlägt, welche Werte in der eigenen Sammlung stecken, kann einem da schon etwas unwohl werden. Ist das alles nur Panikmache? Offenbar nicht - das Deutsche Musikarchiv in Berlin, wo über 400.000 Tonträger gelagert werden, hat bereits mit Verlusten bei älteren Audio-CD's zu kämpfen. Auch in meiner eigenen Sammlung (ich sammele seit 1986 Audio-CD's) gibt es leider schon ein paar Exemplare, die nicht oder nur mit Schwierigkeiten abspielbar sind. Meistens ist der Innen- oder Aussenbereich der CD (erster oder letzter Track, häufiger der letzte) betroffen. Kleinere Lesefehler bügelt ja meistens die Fehlerkorrektur des CD-Players aus, aber wenn die Fehlerkorrektur nicht mehr ausreicht, kommt es zu unschönen Aussetzern. Teilweise kann der Track dann nicht mehr bis zum Ende abgespielt werden.
Welche Erfahrungen habt Ihr mit der Langzeit-Haltbarkeit von Audio-CD's (gekauft oder selbstgebrannt) gemacht?
Viele Grüsse Andreas
Walter (21.03.2008, 12:05): Hallo Tranquillo,
zum Glück habe ich bisher noch keine gekauften CDs mit alterungsbedingten Fehlern entdeckt (obwohl ich schlechte/fehlerhafte Pressungen habe).
Bei meinen gebrannten CDs sieht das aber ganz anders aus. Hier habe ich einige Serien an Rohlingen mit denen ich ganz schlechte Ergebnisse hatte. Das waren nicht immer nur Sonderangebote sondern auch Markenartikel.
Die besten Erfahrungen habe ich mit denen von meinem Haus und Hof Lieferanten ALDI gemacht. Bisher hatte ich da noch keine Verluste. Ich rechne aber bei den Selbstgebrannten auch nur mit einer Lebenszeit von ca. 5 - 10 Jahren. Das macht aber nichts, weil ich ja die Originale noch habe.
Archivierung ist aber schon immer ein großes Problem - Bücher und Schallplatten sind da ganz sicher im Vorteil. Als Wertanlage sollte man seine Musiksammlung nun ganz sicher nicht ansehen!!! Schon weil die Abspielgeräte schneller verschwinden können als die Datenträger halten.
:haha
HenningKolf (21.03.2008, 15:24): Auch wegen der von Andreas geschilderten Problematik archiviere ich auf Festplatte, bisher nur FLAC Dateien. Seit kurzem stelle ich zusätzlich beim Rippen einer CD noch in einem zweiten Arbeitsgang mit clone-cd ein Image her, welches ich in rar-Dateien umwandle und für die ich dann mit Quickpar noch parity-Dateien für den Fall der Fälle herstelle (auch Festplatten können einzelne Dateien "zerschießen" - ob ich diese zusätzliche Prozedur allerdings für den bisherigen Bestand nachhole weiß ich noch nicht, das wäre schon sehr zeitaufwendig). Meine Musikdateien sind auf einer Festplatte aktuell, auf einer zweiten lege ich alle 4 bis 5 Wochen eine Sicherungskopie ab und auf einer dritten, die nicht in der eigenen Wohnung befindlich ist alle 4 bis 5 Monate eine weitere Sicherungskopie.
Gruß Henning
Amadé (05.04.2008, 14:00): Hallo,
ich hatte kürzlich wieder Probleme mit einer Decca CD P 1986, die im letzten Trak viele Störungen aufwies. Es handelte sich um eine im Vereinigten Königreich hergestellte Scheibe. Als der CD-Verkauf gegen Mitte der 80er Jahre richtig boomte, kamen die Firmen mit der Fertigung kaum nach und ließen "auswärts" pressen. Möglicherweise waren die Qualitätsstandards dort nicht so hoch wie in Langenhagen. Auch eine DGG-CD made in UK verweigerte im 2. Abspieldrittel ihre "Mitarbeit". DGG-, Decca- und Philips-CDs aus französischer Herstellung laufen bis jetzt problemlos. Ich bitte alle Forianer/innen ihre Universal-CDs aus den 80er Jahren mit der Herkunftsbezeichnung UK vorsorglich zu überprüfen. Die DGG hat mir eine schadhafte CD, die noch im Handel war, kostenfrei umgetauscht.
Grüße Amadé
Zelenka (05.04.2008, 14:24): Original von Amadé Hallo,
ich hatte kürzlich wieder Probleme mit einer Decca CD P 1986, die im letzten Trak viele Störungen aufwies. Es handelte sich um eine im Vereinigten Königreich hergestellte Scheibe. Als der CD-Verkauf gegen Mitte der 80er Jahre richtig boomte, kamen die Firmen mit der Fertigung kaum nach und ließen "auswärts" pressen. Möglicherweise waren die Qualitätsstandards dort nicht so hoch wie in Langenhagen. Auch eine DGG-CD made in UK verweigerte im 2. Abspieldrittel ihre "Mitarbeit". DGG-, Decca- und Philips-CDs aus französischer Herstellung laufen bis jetzt problemlos. Ich bitte alle Forianer/innen ihre Universal-CDs aus den 80er Jahren mit der Herkunftsbezeichnung UK vorsorglich zu überprüfen. Die DGG hat mir eine schadhafte CD, die noch im Handel war, kostenfrei umgetauscht.
Grüße Amadé
Wohl die späten Auswirkungen des PDO (Philips & Du Pont Optical)-Skandals ... Bei mir verfärben sich seit Jahren kräftig die Oberseiten zweier Decca-CDs "Made in U.K." (4101452, Respighi/Dutoit, 4175532, Holst/Dutoit), die CDs sind aber noch abspielbar.
Gruß, Zelenka
Tranquillo (06.04.2008, 11:00): Original von HenningKolf Auch wegen der von Andreas geschilderten Problematik archiviere ich auf Festplatte, bisher nur FLAC Dateien. Seit kurzem stelle ich zusätzlich beim Rippen einer CD noch in einem zweiten Arbeitsgang mit clone-cd ein Image her, welches ich in rar-Dateien umwandle und für die ich dann mit Quickpar noch parity-Dateien für den Fall der Fälle herstelle (auch Festplatten können einzelne Dateien "zerschießen" - ob ich diese zusätzliche Prozedur allerdings für den bisherigen Bestand nachhole weiß ich noch nicht, das wäre schon sehr zeitaufwendig). Meine Musikdateien sind auf einer Festplatte aktuell, auf einer zweiten lege ich alle 4 bis 5 Wochen eine Sicherungskopie ab und auf einer dritten, die nicht in der eigenen Wohnung befindlich ist alle 4 bis 5 Monate eine weitere Sicherungskopie. Hallo Henning,
den zusätzlichen Aufwand für das Erstellen der Images halte ich für nicht erforderlich. FLAC berechnet beim Codieren eine Prüfsumme aus der unkomprimierten WAV-Datei, die in der FLAC-Datei gespeichert wird. Beim Decodieren wird die gespeicherte Prüfsumme mit der Prüfsumme der WAV-Datei nach dem Decodieren verglichen. Sind die Prüfsummen (und damit die WAV-Dateien) nicht gleich, meldet FLAC einen Fehler. Man kann vorhandene FLAC-Dateien mit "flac -t dateiname" auf Integrität überprüfen (es gibt auch Programme, mit denen man komplette Verzeichnisstrukturen und damit die ganze Sammlung prüfen kann). Wenn eine Datei defekt ist, kann man sie durch die entsprechende Datei von der Backup-Festplatte ersetzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Festplatten (Original und Backup) gleichzeitig defekt sind, ist sehr gering. Festplatten sind (wenn sie entsprechend behandelt werden) sehr viel robuster und langlebiger als optische Datenträger.
Viele Grüsse Andreas
Tranquillo (06.04.2008, 11:18): Original von Amadé Als der CD-Verkauf gegen Mitte der 80er Jahre richtig boomte, kamen die Firmen mit der Fertigung kaum nach und ließen "auswärts" pressen. Möglicherweise waren die Qualitätsstandards dort nicht so hoch wie in Langenhagen. Das hat mehr mit dem Aufbau des Mediums und weniger mit Qualitätsstandards zu tun, allerdings wurden gerade in der Anfangszeit mangels Erfahrung Fehler bei der Produktion gemacht, die sich erst nach vielen Jahren auswirken.
Vom Aufbau her ist die CD eine Kunststoffscheibe, auf die von einer Seite die Daten als Erhöhungen bzw. Vertiefungen aufgepresst werden. Damit das Laserlicht des CD-Players reflektiert werden kann, wird auf diese Struktur eine dünne Metallschicht aufgedampft, die anschliessend mit Schutzlack überzogen wird. Die Beschriftung wird auf den Schutzlack aufgedruckt.
Der eigentliche Schwachpunkt ist die dünne Metallschicht. Wird der Schutzlack nicht sorgfältig aufgetragen, kommt Luft (und damit Sauerstoff) an die Metallschicht, und sie beginnt zu oxidieren (sie "rostet") - die CD färbt sich bräunlich. Beim Aufdrucken der Beschriftung wurde teilweise Farbe verwendet, die erst den Schutzlack und dann die darunterliegende Metallschicht zerstört. Ohne intakte Metallschicht keine Reflexion, daher kann die CD an dieser Stelle nicht mehr gelesen werden.
Übrigens: Wenn die CD in einem normalen CD-Player abspielbar ist, bedeutet das noch lange nicht, dass sie noch unbeschädigt ist. Die Fehlerkorrektur der heutigen CD-Player ist meist so gut, dass sie auch grössere Fehler weitgehend unhörbar ausbügelt (beispielsweise durch Interpolation). Die Stunde der Wahrheit schlägt erst dann, wenn man die CD am PC auslesen will und das Laufwerk Lesefehler meldet.
Viele Grüsse Andreas
Carola (18.08.2008, 09:54): Ich besitze seit kurzem diese an sich sehr schöne Doppel-CD:
Diese Aufnahme ist von 1997. Nun höre ich hier an mehreren (immer den gleichen Stellen) leichte Verzerrungen bei den hohen Tönen, allerdings immer nur im Chor, nie, wenn es rein instrumental ist. Falls jemand ebenfalls diese CDs besitzt, kann ich gerne mal ein oder zwei Beispiele nennen zum Vergleich. Dass es an meiner kleinen Kompaktanlage liegt (eine von JVC, EX-P1, falls das jemandem etwas sagt), dass es also nur an der Anlage liegt, glaube ich deshalb nicht, weil ich die gleichen Verzerrungen auch höre, wenn ich die Aufnahme über meinen neuen Laptop mit Kopfhörer anhöre. Außerdem sind ansonsten fast alle CDs in Ordnung, es gibt allerdings noch zwei oder drei andere (ebenfalls Vokalmusik), wo ich manchen Stellen ebenfalls diese Verzerrungen höre. Es klingt so ähnlich wie früher bei Tonbandaufnahmen, wenn eine Stelle übersteuert war, es sind also immer laute Stellen betroffen.
Hat jemand eine Idee?
Gruß, Carola
Tranquillo (18.08.2008, 10:53): Original von Carola Es klingt so ähnlich wie früher bei Tonbandaufnahmen, wenn eine Stelle übersteuert war, es sind also immer laute Stellen betroffen. Liebe Carola,
aufgrund Deiner Beschreibung vermute ich, dass es sich um eine Übersteuerung bei der Aufnahme handelt. Das gibt es nicht nur bei Analog- sondern auch bei Digitalaufnahmen. Hier machen sich bereits geringe Übersteuerungen sehr störend bemerkbar, weil sie zu deutlich hörbaren nichtlinearen Verzerrungen führen, die sich bei der Nachbearbeitung nicht mehr beseitigen lassen. Das passiert immer dann, wenn der Toningenieur nicht genug Aussteuerungsreserve einkalkuliert hat.
Viele Grüsse Andreas
Carola (18.08.2008, 11:11): Lieber Andreas,
vielen Dank für die Rückmeldung! Unterm Strich ist es mir natürlich lieber, dass es an der Aufnahme liegt, als wenn meine Anlage nicht in Ordnung wäre. Aber das hatte ich eigentlich schon ausgeschlossen, als ich den Fehler auch beim Abspielen über den Laptop hörte.
Da andererseits beide CD-Spieler nicht besonders gut sind (ist natürlich alles relativ) hätte es ja sein können, dass ein sehr gutes Gerät solche Aufnahmefehler irgendwie selbsttätig korrigieren kann - was weiß ich. Von der digitalen Technik verstehe ich noch weniger als von der analogen. Ich hatte auch die - offenbar naive - Vorstellung, dass es so etwas wie "Übersteuerung" hier gar nicht mehr gibt bzw. man das jedenfalls nachträglich am PC bearbeiten und korrigieren kann.
Gruß, Carola
Leif Erikson (12.02.2009, 00:09): Die Freiheit von Kratzern bei guter Behandlung ist ja ein Systemvorteil der Silberscheiben. Jetzt hatte ich aber zum ersten Mal einen Kratzer auf einer CD mit den Bachschen Motetten, der einen track unspielbar gemacht und mich sehr geärgert hat, zumal ich nicht weiß, wie er entstanden ist. Aber ich höre ja auch CD's zum Einschlafen mit Walkman . . .
Im Internet gibt es ein Reparaturset mit dem man solche Kratzer auspolieren kann, link zu shop.
Rechtzeitig vor der Bestellung habe ich dann noch den Tip gelesen es mit Zahnpaste ohne Farbstreifen zu versuchen (mit Wattebausch polieren, mit Wasser abspülen), was bei mir geklappt hat.
Gruß, Leif.
Holger (22.11.2010, 19:11): Original von Amadé Hallo,
ich hatte kürzlich wieder Probleme mit einer Decca CD P 1986, die im letzten Trak viele Störungen aufwies. Es handelte sich um eine im Vereinigten Königreich hergestellte Scheibe. Als der CD-Verkauf gegen Mitte der 80er Jahre richtig boomte, kamen die Firmen mit der Fertigung kaum nach und ließen "auswärts" pressen. Möglicherweise waren die Qualitätsstandards dort nicht so hoch wie in Langenhagen. Auch eine DGG-CD made in UK verweigerte im 2. Abspieldrittel ihre "Mitarbeit". DGG-, Decca- und Philips-CDs aus französischer Herstellung laufen bis jetzt problemlos. Ich bitte alle Forianer/innen ihre Universal-CDs aus den 80er Jahren mit der Herkunftsbezeichnung UK vorsorglich zu überprüfen. Die DGG hat mir eine schadhafte CD, die noch im Handel war, kostenfrei umgetauscht.
Grüße Amadé
Hallo,
beim Stöbern habe ich eben diesen uralten Thread entdeckt.
Nach meiner Erfahrung ist manche defekte Aufnahme erstaunlicherweise zu retten, indem man die CD mit der langsamsten !!! Geschwindigkeit, die möglich ist, brennt. Die Kopie ist dann tatsächlich fehlerlos, wenngleich ein Rohling natürlich niemals die Anmutung eines Originals besitzt. Aber irgendwas ist immer... :D
Daß das (hin und wieder) tatsächlich funktioniert, ist für mich ein kleines Wunder. Verstehen werde ich es nie (und bin auch nur durch Experimentierlust darauf gestoßen). Ein Allheilmittel indes darf man in dieser Methode nicht sehen. Klarerweise wird sie z. B. dann fehlschlagen, wenn das PC-Laufwerk die Original-CD nicht erkennt.
Ansonsten gibt es auch Geräte (z. B. bei Conrad-Elektronik) bzw. Firmen, die auf CD-Rettung spezialisiert sind. Ferner kursieren im Internet Tips wie z. B. Lagerung im Gefrierfach (!!!), die Abhilfe schaffen sollen. In dieser Richtung besitze ich aber keine Erfahrung.