Haydn, Die Schöpfung

Sarastro (23.03.2009, 00:49):
Liebe Haydnfreunde (und die, die es vielleicht noch werden),

die starken Eindrücke, die Haydn von den Aufführungen Händelscher Oratorien in London – insbesondere während des Händelfestes im Jahre 1791 – empfangen hatte, lösten in ihm den Wunsch aus, etwas Ähnliches zu schaffen. Den nötigen Kompositionsauftrag samt Textbuch besorgte Baron Gottfried van Swieten, und wahrscheinlich im Herbst 1796 begann Haydn mit der Komposition des Werkes, das die Erschaffung der Welt zum Gegenstand hatte. Das Grundmodell mit der Schöpfung in sechs Tagen entspricht natürlich dem (ersten) Schöpfungsbericht im Alten Testament; als Vorbild hat auch das Epos von John Milton, Paradise Lost (1667/1674), gedient.
Van Swieten gab dem Komponisten übrigens viele gezielte Ratschläge zur Komposition (das wiederholte sich später bei den "Jahreszeiten"). Ob Haydn das nötig hatte, wage ich zu bezweifeln, aber er hat so manchen dieser Vorschläge - und offenbar nicht die schlechtesten! - angenommen.

1798 wurde das Werk in Wien erfolgreich in Anwesenheit des Meisters mit Salieri am Flügel uraufgeführt.

Das Oratorium ist in drei Teilen aufgebaut:
I. Nr. 1 Vorstellung des Chaos; Nr. 2-14 erster bis vierter Tag.
II. Nr. 15-26 fünfter und sechster Tag, d.h. Erschaffung von Tier und Mensch.
III. Nr. 27-32 das glückselige Leben von Adam und Eva im Paradies einschließlich Warnung vor Hybris; Schlußchor.

Außer dem eigentlichen Schöpfungsbericht der Genesis, wie er in den Rezitativen vorgetragen wird, wurde bei der Textgestaltung mehrfach, wie in Oratorien üblich, auf die Psalmen zurückgegriffen (in den großen Chören). Die Texte in den Arien und Soli sowie durchgehend im dritten Teil haben keine unmittelbare biblische Vorlage
(man kann den Text, soweit er den Einspielungen nicht ohnehin beigegeben ist, leicht im Netz finden, z.B. hier).

Eines der Wunder der "Schöpfung" ist die einleitende "Chaos-Musik" in c-Moll mit harmonischen Kühnheiten, wie man sie bis dahin nicht vernommen hatte (als "Krone auf einem königlichen Haupt" bezeichnete sie Goethes musikalischer Freund Zelter).
In den vielen kontrapunktisch gearbeiteten, wuchtigen und manchmal fast beklemmend eindrucksvollen Chören, in denen die Engel Gott preisen, und häufig auch sonst, geht Haydn noch über die in seinem bisherigen Oeuvre einschließlich der Londoner Symphonien erarbeiteten Errungenschaften hinaus (wie dann später in den "Jahreszeiten").
Der Ausdrucksgehalt ist enorm gesteigert, etwa in der unübertrefflichen, bewegenden Stelle in Nr. 2, wo auf die piano / sotto voce rezitierten Worte "Es werde Licht, und es ward" das "Licht" über vier Takte lang in tosenden Fortissimo-Dreiklängen erstrahlt.

In liebevollem Detail wird die Erschaffung der Tierwelt poetisch ausgemalt. Nicht jeder hat(te) dafür Sinn, aber wenn z.B. das letzte Wort in "den Boden drückt der Tiere Last" (Nr. 22) von einem tiefen, forte gespielten B der Bässe und Kontrafagotte untermalt wird, ist das einfach nur köstlich.

Bei allem Optimismus ist dem Werk die Vorstellung, daß sich Gott vom Menschen abwenden könnte, nicht fremd. In Nr. 27, einem Terzett der drei Erzengel (Text in Anlehnung an Psalm 104, 27-30!), heißt es:
"Du wendest ab dein Angesicht: da bebet alles und erstarrt. Du nimmst den Odem weg; in Staub zerfallen sie."
Dazu Piano-Streicherbegleitung in zitternden Triolen, das Ganze in es-Moll / Ges-Dur(!).

Mit der für diese Gattung bis dahin ungewohnten Synthese von "Erhabenem" und "Anmutigem" bzw. "Populärem" hatten bereits damals – bei aller überwiegenden Begeisterung – manche ihre Probleme, z.B. Friedrich Schiller, für den die Schöpfung bloß "ein charakterloses Mischmasch" war.
Heutige Hörer wie auch Musiker belächeln gern den dritten Teil des Werkes mit Adam und Eva im Paradies, insbesondere Nr. 31 (Rezitativ) und die lange Nr. 32 (Duett von Adam und Eva).
Es ist ja leider wahr: Welche Dame hört heutzutage schon gern Sätze wie "Komm folge mir! ich leite dich! O du, für den ich ward! Mein Schirm, mein Schild, mein all! Dein Will ist mir Gesetz. So hat´s der Herr bestimmt, und dir gehorchen bringt mir Freude, Glück und Ruhm" (Nr. 31) oder auch nur "Teurer Gatte! Dir gewidmet ist mein Leben, deine Liebe sei mein Lohn" (Nr. 32)?
(das Werk würde m.E. keinerlei Schaden nehmen, wenn man bei Aufführungen die zitierten Worte aus Nr. 31 um des lieben Friedens willen herausstriche; bei Nr. 32 ginge das freilich nicht, da wär´s aber auch nicht notwendig, da das ganze Terzett ja als Hohelied der beidseitigen(!) paradiesischen Gattenliebe konzipiert ist. Den ganzen dritten Teil zu streichen, ist auch keine Lösung, da dann das Gesamtkonzept gestört wird).

Joseph Haydns Frömmigkeit, wie sie zu uns aus diesem Werk wie auch aus den "Jahreszeiten" spricht, war von durchaus weltlicher und sinnenfroher Art, gepaart mit einem ausgeprägten Naturgefühl und einer – im Grunde sein ganzes Werk durchziehenden – tiefen Menschlichkeit.

**
Ich besitze von diesem von mir außerordentlich hoch geschätzten und geliebten Werk im Moment lediglich zwei Gesamtaufnahmen (mit Antal Dorati / Royal Philharmonic Orchestra sowie mit Wolfgang Gönnenwein /Festival Orchester Ludwigsburg) und bin auf Meinungsäußerungen und Empfehlungen gespannt! Einiges ist im Forum ja schon lobend erwähnt worden, ich fände es sehr gut, das hier in diesem Faden nochmals vorzustellen, damit man schneller darauf zurückgreifen kann.

Eine Partitur findet man hier:
hier.

Grüße,
Sarastro
Rachmaninov (23.03.2009, 20:57):
Hallo Sarastro,


irgendwie ist die Vokalmusik ja bei mir etwas zu sehr unterbesetzt.
Daher ersteinmal ein herzlichen Danke fuer diesen Thread.

Dieses Werk steht bei mir auf dem Zettel fuer kuenftige Einkaufe.

Es gibt ja sehr viele Aufnahmen, hoffe hier gibt es entsprechenden Empfehlungen :hello
Heike (23.03.2009, 21:46):
Ich habe "Die Schöpfung" einmal live gehört, da fand ich das sehr sehr beeindruckend.

Außerdem habe ich noch einen Mitschnitt der Interpretationen-Sendung zum Thema "Die Schöpfung" aus dem letzten Jahr, den ich bisher noch nicht gehört habe. Ich werde das demnächst im Auto mal einlegen und dann berichten, was da so empfohlen wurde.
Heike
Amadé (23.03.2009, 21:55):
Die Schöpfung ist bei Chorsängerinnen und Sängern und Chordirigenten zurecht sehr beliebt und wird jahraus jahrein aufgeführt. Das zeugt von der Qualität von Haydns Musik.

Die Anzahl der Einspielungen steht jedoch nicht in Relation zu ihrer Beliebtheit. Von Clemens Krauss ist eine Aufnahme erhalten, Karajan hat sie im Studio aufgenommen (1966 -1969) u.a. mit Fritz Wunderlich, der aber darüber starb, die restlichen Tenor-Partien wurden 2 Jahre später von Werner Krenn übernommen. Insgesamt liegt hier keine einheitliche Aufnahme vor. Die DG hat aber später eine Aufnahme mit Karajan von den Salzburger Festspielen 1965, also ein Jahr zuvor, in der F.Wunderlich vollständig erhalten ist.
Meine liebsten Aufnahmen stammen jedoch nicht von HvK sondern von Igor Markevitch und Karl Forster. Bei Markevitch DG-Einspielung wirken mit Irgard Seefried, Richard Holm und Kim Borg, bei Forster-EMI Elisabeth Grümmer, Josef Traxel und Gottlob Frick. Bei beiden singt der Chor der St.Hedwigs-Kathedrale Berlin. Markevitch dirigiert die Berliner Philharmoniker, Forster die Berliner Symphoniker.

Grüße Amadé
Wooster (23.03.2009, 22:51):
Original von Amadé
Die Schöpfung ist bei Chorsängerinnen und Sängern und Chordirigenten zurecht sehr beliebt und wird jahraus jahrein aufgeführt. Das zeugt von der Qualität von Haydns Musik.

Die Anzahl der Einspielungen steht jedoch nicht in Relation zu ihrer Beliebtheit.


?(
Wieviel sollte es denn Deiner Ansicht nach geben? 100 statt bloß 30 oder so?
Allein in den letzten paar Jahren sind Harnoncourts 2. Einspielung, eine bei Naxos unter Spering, Christie, McCreesh (auf englisch) erschienen.
Weiters gibt's eine ältere Harnoncourts, Dorati, 2x Marriner, 2x Bernstein, noch eine (digitale) Karajans, Levine, Frühbeck de Burgos, Gardiner, Weil, Rattle (englisch), Kuijken, Kubelik, Koch, Solti, Norrington, Hogwood, Kuhn, Gönnenwein, Rilling, Hengelbrock, Menuhin, Jochum, Shaw
und das sind nichtmal alle lieferbaren... Es ist eher schwierig, einen Dirigenten oder Chorleiter zu finden, der keine Einspielung hinterlassen hat... ;)

Wenn man bei den Messen Haydns oder auch bei den meisten Sinfonien nur ein Fünftel dieser Auswahl hätte, wäre man froh...


Meine liebsten Aufnahmen stammen jedoch nicht von HvK sondern von Igor Markevitch und Karl Forster. Bei Markevitch DG-Einspielung wirken mit Irgard Seefried, Richard Holm und Kim Borg, bei Forster-EMI Elisabeth Grümmer, Josef Traxel und Gottlob Frick. Bei beiden singt der Chor der St.Hedwigs-Kathedrale Berlin. Markevitch dirigiert die Berliner Philharmoniker, Forster die Berliner Symphoniker.


Von Markevitchs Einspielung halte ich auch sehr viel; allerdings leider mono. Unter den neueren scheint mir die bei Naxos unter Spering sehr empfehlenswert. Die Solisten vielleicht ein klein wenig zu schlank/blaß (wie öfters bei HIP), aber der Rest herausragend gut!

:hello

Wooster
Gamaheh (23.03.2009, 23:27):
Lieber Sarastro,

herzlichen Dank für diesen schon längst überfälligen Faden (gab es wirklich noch keinen?)!

Dieses Werk kannte ich mal sehr gut, da ich einst in einem Chor die Altstimme sang (als ich noch eine Stimme hatte, das ist über zwanzig Jahre her) und wir es damals mehrmals mit großer Begeisterung gesungen haben, sogar mit einem Orchester (da mußten wir über zwei Stunden (gefühlt, in Wirklichkeit sind es wohl nur 1 ½) auf der Bühne stehen, sehr erinnerungswert). Allerdings war das ein englischsprachiger Chor, und da meine favorisierte Aufnahme auch englisch ist (s.u.), ist mir der deutsche Text völlig fremd (aber die Sprache der King James Bible ist sehr schön – hier fehlt Zelenka als Zeuge). Damals machte ich auch zum erstenmal Bekanntschaft mit einem Kontrafagott, das schon enorm aussah (keiner im Chor kannte es bis dahin) – und als wir es dann erst hörten!

Den letzten Teil haben wir – wenn ich mich recht erinnere – eher humoristisch gegeben (die Solisten waren Italiener, die eher aus dem Opernfach kamen), dann geht das (aber für den Chor eher etwas langweilig).

Ich habe seinerzeit diverse Aufnahmen gehört, und an keine erinnere ich mich besonders. Was nun meine Lieblingsaufnahme betrifft, so habe ich sie erst ein paar Jahre später kennengelernt. Es war Sylvester (oder Weihnachten), und ich war in einer wieder fremden Stadt an das Haus gefesselt, weil zwei kleine Kinder, die nicht alleine gelassen werden wollten, in ihren Bettchen schliefen. Ich war mithin schlechter Stimmung, noch mehr so, als ich in meiner Verzweiflung das Fernsehprogramm heranzog. Es gab zwar die „Creation“, aber von Engländern (!), die sich zu allem Überfluß noch „akademisch“ nannten (eine wirklich abschreckende Verbindung!). Der Rest war noch schlimmer, so stellte ich das mit einer Erwartungshaltung, die Ihr Euch denken könnt, ein.

Oh, wie sollte ich meine Meinung praktisch innerhalb von Sekunden revidieren, war ich elektrisiert! Diese Aufnahme hat ungeheure Verve, „allure“, ist geradezu spritzig! Die Stelle, an der es Licht ward: und es ward LICHT, ist triumphal, die ganze Schöpfung ist ein triumphales Ereignis! Und dazu ist diese Interpretation noch humorvoll (alleine das blökende Schaf!) und in Teilen sehr sinnlich – um nicht zu sagen: erotisch.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41QX14S266L._SL500_AA240_.jpg

Hinzu kommen die wunderbaren Stimmen von Emma Kirkby (phänomenal), Anthony Rolfe-Johnson und Michael George. Diese Aufnahme der Academy of Ancient Music unter Christopher Hogwood möchte ich jedem ans Herz legen. Ich habe sie gerade nach Jahren wieder eingelegt und bin genauso begeistert wie beim ersten Hören – alleine dafür, Sarastro, herzlichen Dank!

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (23.03.2009, 23:42):
Liebe Gamaheh!

Alleine Deine Begeisterung zu lesen, macht riesig viel Spaß!
Hätte ich das vorher gelesen, hätte ich bei S..... danach geschaut (s. "Heute neu gekauft")

Dann eben das nächste Mal!

Dankbare Grüße, Nikolaus.
Sarastro (23.03.2009, 23:58):
Liebe Gamaheh,
Deine Erinnerung wird Dich kaum trügen - ihr werdet seinerzeit tatsächlich zwei Stunden gestanden haben! Ich habe gestern nämlich die "Schöpfung" mit der Camerata Würzburg "life" gehört, und das hat auch ziemlich genau zwei Stunden ohne Pause gedauert - und das bei relativ flotten Tempi - (die Aufführung hat mich übrigens dazu inspiriert, endlich mal den überfälligen Faden zu eröffnen; ich wollte es schon seit längerem tun, hatte mich aber aus Zeitgründen nicht dazu aufraffen können).
Nach dem, was Du berichtest, scheint es nicht unüblich zu sein, das lange Duett von Adam und Eva gegen Ende des Werkes eher humoristisch anzugehen, z.B. durch die Mimik oder den Tonfall. Das war jedenfalls gestern so (bei den beiden früheren Aufführungen, die ich erlebt habe, war es mir nicht aufgefallen, weil ich zu weit weg war, außerdem wäre es in einer Kirche wohl doch eher deplaziert).

Persönlich bevorzuge ich bei der Schöpfung übrigens traditionell die deutsche Version (anders natürlich bei Händel), aber ich werde mal bei Gelegenheit schauen, wie die englische auf mich wirkt.

Frage: Hast Du eigentlich Miltons "Paradise Lost" gelesen? Ich nicht, habe es auch bisher nie gesehen. Wie lang ist dieses Epos eigentlich? (Nun, ich sollte mal im Netz schauen wegen einer neuen Ausgabe davon. Mich würde interessieren, wie eng die Berührungen zwischen Van Swietens Text und Miltons Epos sind).

Im übrigen freue mich sehr über die Begeisterung, die aus Deinen Zeilen spricht!

Herzliche Grüße,
Sarastro
Cetay (inaktiv) (24.03.2009, 08:51):
Original von Sarastro
Einiges ist im Forum ja schon lobend erwähnt worden, ich fände es sehr gut, das hier in diesem Faden nochmals vorzustellen, damit man schneller darauf zurückgreifen kann.

Grüße,
Sarastro

Dann lasse ich mal wieder das Prinzip der maximalen Faulheit walten und kopiere meinen früheren Kommentar über die Aufnahme mit McCreesh hier her.

Hier sind die Informiertesten der Historisch Informierten am Werk und die stützen sich auf das bei den ersten öffentlichen Aufführungen verwendete Notenmaterial, das Angaben über Phrasierung, Artikulation und Dynamik enthält, die in der gedruckten Erstausgabe fehlen. Besonders gravierend ist die Abweichung bei der Besetzungsstärke. Chor und Orchester bewegen sich beide im Hunderterbereich.
Fazit: Ich verstehe jetzt, warum dieses Werk oft als erhebend, überwältigend, bezaubernd und tröstlich bezeichnet wird. Das ist in meinen Ohren große Musik.
Noch ein paar Details für die Vokalfraktion. Gesungen wird in Englisch, allerdings wird dafür nicht die Rückübertragung der deutschen Fassung verwendet, sondern es wurde das gesamte Libretto unter Berücksichtigung der -nach aktuellem Forschungsstand- vermuteten Quellen überarbeitet. HIP in progress sozusagen.

Viele Worte und viel graue Theorie, um ein Erlebnis zu beschreiben, das weit über Musik hören hinausgeht. Allein der Anfang ...
Rachmaninov (24.03.2009, 11:28):
Wie ich eben gesehen habe gib es bei uns in der Bibliothek die Aufnahme von Sir E. Gardiner.

Kennt einer diese Aufnahme? Lohnt die Ausleihe?
Jürgen (24.03.2009, 16:48):
Original von Rachmaninov
Wie ich eben gesehen habe gib es bei uns in der Bibliothek die Aufnahme von Sir E. Gardiner.

Kennt einer diese Aufnahme? Lohnt die Ausleihe?

Leider kenne ich sie nicht.

Aber ausleihen würde ich sie mir auf jeden Fall.

Wenn sie Dir gefällt, so gibt es sie bei 2**1 für unter 9€.
Zur Zeit jedenfalls, also hurtig!


Grüße
Jürgen
Cetay (inaktiv) (25.03.2009, 16:17):
Original von Dox Orkh
Allein der Anfang ...

Nachdem ich die CD heute morgen nochmal gehört habe, will es doch versuchen. Die Einleitung ist von einer unglaublichen monumentalen Wucht und dramatischen Intensität. Die Spannung ist atemberaubend und die ausgehörte emotionale Klaviatur reicht vom schwärzesten Nichts bis in gleissendste Licht. Hier wird nicht die Schöpfung in Noten gefasst, sondern sie findet in kleinem Maßstab statt.
Für mich ist das einer der absoluten Gipfelpunkte in der Geschichte der Tonaufzeichnung. OK, dazu kenne ich dann doch nicht genug, also ersetzen wir "in der Geschichte der Tonaufzeichnung" durch "in meiner CD-Sammlung".

Die Kombination aus HIP-Instrumentierung und -Artikulation einerseits und Riesenbesetzung anderseits ist ein Geniestreich absoluter Güte. Das typische profilierte Klangbild und die Durchsichtigkeit werden mit philharmonischer Wucht gepaart. Sagenhaft! So kommt die inhärente Größe des Werks erst richtig zur Geltung.
Vokalisten und Chor benehmen sich in bester britischer Tradition (auch wenn eine Hauptrolle von einer Französin gesungen wird). Da quäkt, schmettert und trällert niemand; sehr angenehm, aber nie steril.

Jetzt habe ich mich aber weit genug in Nähe jener Kritiker-Fraktion, die "moussierend-champagnersken Klang" im Wortschatz führt, bugsiert. Und merke, wie ich mich mit jedem Wort mehr immer weiter vom Wesentlichen entferne...

Also: :ignore

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0028947773610.jpg
Sarastro (27.03.2009, 22:41):
Original von Jürgen
Original von Rachmaninov
Wie ich eben gesehen habe gib es bei uns in der Bibliothek die Aufnahme von Sir E. Gardiner.

Kennt einer diese Aufnahme? Lohnt die Ausleihe?

Leider kenne ich sie nicht.

Aber ausleihen würde ich sie mir auf jeden Fall.

Wenn sie Dir gefällt, so gibt es sie bei 2**1 für unter 9€.
Zur Zeit jedenfalls, also hurtig!


Grüße
Jürgen

Ich habe die genannte Aufnahme heute zufällig in unserer 2001-Filiale entdeckt und gleich mitgenommen und angehört. Mir hat´s rundum gefallen, sowohl Solisten, Chor und Orchester; es handelt sich m.E. wirklich um eine sehr gute Einspielung (mit dem deutschen Text, der im Booklet praktischerweise samt der englischen mit abgedruckt ist)! Und das zu diesem unschlagbar niedrigen Preis!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51A5X6FS5GL._SS500_.jpg

Nachdem ich jetzt innerhalb von sechs Tagen die ganze "Schöpfung" dreimal mit verschiedenen Interpreten gehört habe, werde ich jetzt aber wieder einmal eine längere Pause damit einlegen, vielleicht gerade deswegen, weil mir dieses Werk so nahegeht. Ich möchte seine Wirkung auf mich nicht durch allzu häufiges Hören abschwächen.
Darum werde ich mich jetzt in ein mir bis dahin nur dem Namen nach bekanntes früheres Oratorium von Haydn einhören, und zwar Il Ritorno di Tobia ...

Grüße,
Sarastro
Poztupimi (31.03.2009, 18:43):
Original von Dox Orkh
Original von Dox Orkh
Allein der Anfang ...

Nachdem ich die CD heute morgen nochmal gehört habe, will es doch versuchen. Die Einleitung ist von einer unglaublichen monumentalen Wucht und dramatischen Intensität. Die Spannung ist atemberaubend und die ausgehörte emotionale Klaviatur reicht vom schwärzesten Nichts bis in gleissendste Licht. Hier wird nicht die Schöpfung in Noten gefasst, sondern sie findet in kleinem Maßstab statt.
Für mich ist das einer der absoluten Gipfelpunkte in der Geschichte der Tonaufzeichnung. OK, dazu kenne ich dann doch nicht genug, also ersetzen wir "in der Geschichte der Tonaufzeichnung" durch "in meiner CD-Sammlung".

Die Kombination aus HIP-Instrumentierung und -Artikulation einerseits und Riesenbesetzung anderseits ist ein Geniestreich absoluter Güte. Das typische profilierte Klangbild und die Durchsichtigkeit werden mit philharmonischer Wucht gepaart. Sagenhaft! So kommt die inhärente Größe des Werks erst richtig zur Geltung.
Vokalisten und Chor benehmen sich in bester britischer Tradition (auch wenn eine Hauptrolle von einer Französin gesungen wird). Da quäkt, schmettert und trällert niemand; sehr angenehm, aber nie steril.

Jetzt habe ich mich aber weit genug in Nähe jener Kritiker-Fraktion, die "moussierend-champagnersken Klang" im Wortschatz führt, bugsiert. Und merke, wie ich mich mit jedem Wort mehr immer weiter vom Wesentlichen entferne...

Also: :ignore

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0028947773610.jpg

Eine ähnlich begeisterte Rezension, die mit den Worten "... Empfehlenswert, empfehlenswert, empfehlenswert." endet, könnt Ihr hier nachlesen.

Grüße,
Wolfgang
pyrrhon (31.03.2009, 21:27):
Von Haydns Schöpfung habe ich nur einen Querschnitt mit Leonard Bernstein, der bei der Bernstein-Edition von der DGG dabei war, und die Aufnahme von Nikolaus Harnoncourt mit den Wiener Symphonikern und dem Arnold Schönberg Chor. Bernstein gefällt mir natürlich auch, aber von der zweiten Aufnahme bin ich begeistert. Mir fehlen die Vergleichsmöglichkeiten auf CD, aber ich hatte nie das Verlangen, mir eine weitere Aufnahme zu kaufen, und das spricht eigentlich für diese Aufnahme. Ich mag diese Art zu musizieren sehr.
Heike (18.02.2011, 19:25):
Ich grabe mal - angeregt durch Riddleamus - diesen Thread wieder aus:

Original von Armin70
Hallo,

neben den Aufnahmen von Hogwood und Marriner ist diese meine Lieblingsaufnahme:



Vor allem Kathleen Battle und Kurt Moll singen grandios und was James Levine da im einleitenden Chaos vollbringt ist schon toll. Da tun sich im wahrsten Sinn Abgründe auf: Das habe ich selten so düster und zukunftsweisend gehört. Natürlich sind die schwedischen Chöre auch vom feinsten.

Armin

Kathleen Battle hat mich ja bei Poulencs Gloria total fasziniert, also diese Sakralmusik scheint wohl was zu sein, wo sie richtig gut passt. Danke für den Hinweis Armin, diese Aufnahme kenne ich noch gar nicht.
Heike
palestrina (12.04.2013, 18:19):
Noch einige Nachtraege zur Schöpfung !

Der Beliebtheit nach für mich:
1. Kubelik wegen Popp
2. Karajan live Salzburg Wunderlich u. Janowitz
3. Rattle vor allem wegen Augeer
4.Christie
5.Metha wegen van Dam
6.Hengelbrock Kermes , Mields , Davislim
7.Karajan wurde nachträglich mit den restlichen Arien des Uriel von Krenn gesungen,
nachdem Wunderlich gestorben war. Ansonsten identisch wie live Salzburg.
Aber die Kubelik GA mit M.Marschall als Gabriel, Vinson Cole als Uriel, Gwynne Howell
als Raphael und vorallem Lucia Popp und Bernd Weikl als Adam u. Eva sind für mein
Empfinden das beste auf CD.
Die beiden machen den 3 Teil zum Höhepunkt , einfach zum Niederknien !!!!!!!!!

Bilder folgen!
palestrina (12.04.2013, 18:38):
Also meine Favoriten:
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4011790150222.jpg
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947495529.jpg
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0077775415926.jpg
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/7293627965729.jpg
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0886979595224.jpg
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028944976120.jpg


LG palestrina
palestrina (12.04.2013, 18:42):
Die William Christie ist unterwegs verlorengegangen, hier.
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0094639523528.jpg

Sorry , LG palestrina
palestrina (12.04.2013, 19:03):
Nachdem ich nun nochmals die Kubelik GA gehört habe ist die Begeisterung ungebrochen !
Kubelik dirigiert einfach wundervoll.
Und Vision Cole habe ich noch in keiner anderen Aufnahme so schön singen gehört.
Die Arien sind voller Emphase und Ausdruck und das Rezitativ "Aus Rosenwolken bricht"
sing er so verhalten und fast zärtlich , das es der reinste Genuss ist !
Unbedingt empfehlenswert !!!!!

LG palestrina