Cosima (31.03.2006, 18:18): Papa Haydn hat heute Geburtstag!
Und weil er so wunderschöne Kammermusikwerke geschrieben, muss schnell noch ein Thread her. Gerade in den Streichquartetten spiegeln sich Haydns ureigener Humor und seine Originalität besonders gut wider. Wenn man sie hört, kann man ihn fast vor sich sehen: An vielen Stellen scheint er sie mit einem Augenzwinkern, mit einem richtigen Schalk im Nacken komponiert zu haben.
Die sechs Quartette op. 33 (komponiert zwischen 1779 und 1781) entstanden nach einer mehrjährigen Schaffenspause des Komponisten, was diese Gattung anbelangt. Mit ihnen hat Haydn die zu jener Zeit moderne Streichquartettform entwickelt. Insgesamt müssen es wohl über 100 Quartette sein, die Haydn komponierte. Reichlich Stoff für Diskussionen.
Eine absolut hinreißende Einspielung in historischer Aufführungspraxis stammt vom Appónyi-Quartett auf Ars Musici:
Einer meiner Favoriten darauf ist die Nr. 5. Aber eigentlich ist die ganze Doppel-CD an Expressivität, Vitalität, Witz und Charme kaum zu überbieten. Das Appónyi-Quartett setzt sich übrigens aus Mitgliedern des Freiburger Barockorchesters zusammen, Gottfried von der Goltz spielt die erste Geige.
Welche Quartette hört Ihr besonders gerne und welches sind Eure favorisierten Aufnahmen?
Ein schönes Thema. Habe zwar nicht viele Quartette von ihm. Und höre sie selten. Nicht mal alle Jahre. Ich will ehrlich sein.
Kenne sehr wenig von seiner Kammermusik. (Divert. London Trios)
Kaiserquartett Serenadenquartett Lerchenquartett
Das ist glaub ich schon alles.
Tschau. Rolf.
Carola (10.04.2006, 17:54): Haydns Streichquartette waren der Anlass für Goethes berühmte Bemerkung vom Streichquartett als einer "Unterhaltung vier vernünftiger Leute" (in einem Brief an Zelter aus dem Jahr 1829). Für mich hat dieser Vergleich immer ein wenig nach gepflegter Altherrenlangeweile geklungen.
Was eindeutig ein Vorurteil war. Widerlegt wurde es für mich durch die 1787 als op. 50 erschienenen sechs Quartette, die ihren Namen der Widmung für den damaligen König Friedrich Wilhelm II verdanken. Diese Werke sind als eine Art "Antwort" auf die sechs Haydn gewidmeten Streichquartette Mozarts von 1785 zu verstehen.
Von Langeweile keine Spur, die Musik klingt sehr dicht und expressiv, an manchen Stellen hätte ich fast eher auf Beethoven getippt als auf Haydn, gleich zu Beginn von op.50 Nr. 1 zum Beispiel.
Kennengelernt habe ich die "Preußischen Quartette" in einer beim Label cpo erschienenen Einspielung mit dem Nomos -Quartett aus dem Jahr 1994.
Die Einspielung ist klasse! Fono-Forum spricht von einem "kernigen Timbre" und einem temperamentvollen und flexiblen Spiel. Vor allem die letzten beiden Begriffe lassen mich eigentlich erst mal zurückschrecken - aber hier waren meine Befürchtungen unbegründet. Es klingt nicht ruppig oder harsch sondern einfach nur lebendig, deutlich akzentuiert, gut eben.
Auch das unfangreiche Booklet ist hervorzuheben, neben einer ausführlichen Werkbetrachtung jedes Quartetts finden sich hinten sogar Notenbeispiele.
Und auch beim Preis von 7,99 Euro für zwei CD´s kann man nun wirklich nicht meckern
findet Carola
Cosima (14.04.2006, 10:18): Sehr lebendige und natürliche Interpretationen bietet das Quatuor Mosaïques. Die Mitglieder (Höbarth, Bischof, Mitterer und Christophe Coin) entstammen Harnoncourts „Concentus Musicus Wien“. Es ist also historische Aufführungspraxis auf Originalinstrumenten angesagt. Aber nicht ruppig, sondern in technisch makelloser Klangschönheit und perfekt abgestimmter Harmonie untereinander. Zwei ganz dicke Empfehlungen für z.B. diese Aufnahmen (op. 64, Nr. 1, 3, 6 und vor allem das insgesamt wunderschöne op. 20 "Sonnenquartett"):
Carola (13.05.2006, 14:49): Im Jahr 1772 komponierte Haydn die später als "Sonnenquartette" bezeichneten sechs Streichquartette op. 20 Nr. 1 bis 6, deren Namen auf das Titelblatt einer Amsterdamer Ausgabe von 1797 zurückgeht.
Besonders "sonnig" kann ich diese Quartette in weiten Teilen allerdings nicht finden, dafür aber um so interessanter. Harenberg weißt im Kammermusikführer darauf hin, dass diese Quartette chronologisch in der Nähe von Haydns Moll-Sinfonien Nr. 39, 44,45,49 und 52 stehen, die Haydns "Sturm- und Drangphase" zugeordnet werden.
Was man hören kann ist in der Tat eine überraschende Herbheit und nervöse Leidenschaft; ein stilistisches Wechselbad zwischen barocker Fuge und Passagen die stark an den "empfindsamen" Stil von C.P.E. Bach erinnern. Die Stimmung wechselt von Werk zu Werk und von Satz zu Satz. Das Streichquartett im Experimentierstadium, wenn man so will.
Besonders auffällig ist das im C-Dur Quartett op. 20 Nr. 2. Während der erste Satz vergleichsweise heiter klingt, kommt man beim zweiten Satz, einem Adagio, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Bocklet meiner Aufnahme mit dem Hagen-Quartett steht, dieser Satz sei ursprünglich als "Capriccio" bezeichnet worden, was so viel hieß wie "bizarr". In der Tat, so könnte man es nennen. Bizarr.
Ich höre die beiden CD´s jetzt schon die ganze Woche mindestens ein mal täglich an und bin sie immer noch nicht leid, so abwechselungsreich ist diese Musik.
Die Aufnahme mit dem Hagen-Quartett scheint mir dabei ganz hervorragend zu sein, ohne dass ich allerdings einen Vergleich mit einer anderen Einspielung habe.
Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (13.05.2006, 19:31): Original von Carola Im Jahr 1772 komponierte Haydn die später als "Sonnenquartette" bezeichneten sechs Streichquartette op. 20 Nr. 1 bis 6, deren Namen auf das Titelblatt einer Amsterdamer Ausgabe von 1797 zurückgeht.
Was man hören kann ist in der Tat eine überraschende Herbheit und nervöse Leidenschaft; ein stilistisches Wechselbad zwischen barocker Fuge und Passagen die stark an den "empfindsamen" Stil von C.P.E. Bach erinnern. Die Stimmung wechselt von Werk zu Werk und von Satz zu Satz. Das Streichquartett im Experimentierstadium, wenn man so will.
Besonders auffällig ist das im C-Dur Quartett op. 20 Nr. 2. Während der erste Satz vergleichsweise heiter klingt, kommt man beim zweiten Satz, einem Adagio, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Bocklet meiner Aufnahme mit dem Hagen-Quartett steht, dieser Satz sei ursprünglich als "Capriccio" bezeichnet worden, was so viel hieß wie "bizarr". In der Tat, so könnte man es nennen. Bizarr.
Wie gesagt, als ich diesen Satz zum ersten Mal im Konzert hörte, wäre ich fast vom Sessel gekippt! op. 20 ist in mehrfacher Hinsicht eigenartig. Haydn hatte (nach den 5-sätzigen Divertimenti op.1 & op.2) das Quartett mit op.9 und 17 "zum zweiten Mal erfunden", d.h. diese beiden Sammlungen zeigen die systematische Mischung von planvoller Abwechslung und verbindlichen Formen, die man auch aus späteren Sammlungen gewohnt ist. Nur wenig später entsteht op.20, man könnte eigentlich einen Kulminationspunkt mit soliden "klassischen" Werken erwarten. Klar, das Opus ist ein Kulminationspunkt, aber nicht in dem Sinne, dass ein Genre festgeschrieben wird, sondern dass auf einmal ganz neue Form- und Ausdruckmöglichkeiten eröffnet werden. Die Fugenfinali, die so vorher nicht auftreten, das expressiv-zerrissene, formal sehr freie g-moll-Quartett, das von Dir genannte Capriccio aus #2. Es scheint jedenfalls als habe Haydn hier zusammenfassen wollen, was ihm zu dieser Zeit musikalisch möglich war. Und dann kommt knapp 10 Jahre später wieder was ganz Neues... Annähernd kann man auch die späteren Quartettopera nach op.33 abwechselnd als von der Tendenz her "eher experimentell" - "eher beispielhaft-systematisch" einordnen. M.E. ist op.50 eher eine solide Festigung der mit op.33 eingeschlagenen "ganz neuen Art", op.54/55 experimentell, op.64 wieder solide, op.71/74 kann ich schlecht einordnen und op.76 ist wieder erstaunlich experimentell, besonders in #5 und #6.
Die Aufnahme mit dem Hagen-Quartett scheint mir dabei ganz hervorragend zu sein, ohne dass ich allerdings einen Vergleich mit einer anderen Einspielung habe.
Sie ist vermutlich die beste einzeln erhältliche auf modernen Instrumenten; jedenfalls sehr viel besser als die Kodalys (die etwa im Kopfsatz von #4 fast einschlafen..) und auch der durchaus ordentlichen Interpretation des Angeles Quartet (nur in großer Box) überlegen. Heute würde das ensemble vermutlich noch etwas ausdrucksvoller spielen, sie wirken auf mcih, verglichen mit ihren späteren Einspielungen hier noch ein klein wenig kühl.
viele Grüße
J. Bristow
ab (15.05.2006, 09:25): Dieses Quartett spielt wahrlich einen schönen Haydn! Überhaupt schätze ich ihre Studioproduktionen sehr. Leider weist es im Konzert etliche Mängel auf, die stark den Musikgenuss trüben. Was allerdings bei Ihrem Hayden dazu gesagt werden muss, ist, dass das Humoristische völlig zugunsten einer Ernsthaftigkeit verloren geht. Nicht jeder wird das mögen...
Ich mag bei Haydn besonders das op. 77 gespielt vom Alban Berg Quartett (das ich sonst wegen des Tons des ersten Geigers wenig mag), nun von der EMI wieder veröffentlicht ohne das Berio-Quartett: das ist Quartettspiel aus einem einzige Guss, ohne dass auch nur die gernigeste Unübereistimmung entstehen würde. Perfekter kann man wohl nicht spielen. (Schön waren auch die alten Aufnahmen bei Teldec.)
heute kam endlich nach großer Vorfreude die Aufnahme des Hagen-Quartetts mit den Streichquartette op.20 >Sonnen-Quartette<
Mein erster Eindruck, auch wenn man damit ja eigentlich eher vorsichtig sein sollte, ist nach dem Hören der ersten drei Quartette äußerst positiv.
Sowohl von der Musik sowie der Darbietung durch das Hagen Quartett bin ich sehr angetan :D
Carola (10.07.2006, 18:14): Nach zehnjähriger Pause hatte Hadyn 1781 eine weitere Sechsergruppe mit Streichquartetten vollendet. Der Beiname "Russische" Quartette geht auf eine angebliche Widmung der Quartette an den späteren russischen Zaren Paul 1. zurück. Haydn selbst sprach von einer ganz neuen, besonderen Art, in der er die Quartette op. 33 komponiert habe.
Ob diese Quartette wirklich gegenüber den vorherigen ganz neu und anders sind, kann ich mangels musikwissenschaftlicher Kenntnisse letztlich nicht beurteilen. Mir fällt aber auf, dass sie im Vergleich zu op. 20 deutlich dichter und prägnanter sind; das bei den "Sonnenquartetten" manchmal Ausufernde, der "Sturm und Drang" ist weg, es wirkt alles sehr viel stringenter und durchgearbeiteter.
Mir gefallen auch diese Quartette gut, auch wenn mir das Humoristisch-Witzige bei Hadyn manchmal etwas auf den Keks geht. Wenn zum Beispiel im ersten Satz von op. 33 Nr. 5 die ersten zwei Takte so klingen wie ein typischer Schluss, nicht Anfang. Nun ja.
Kennengelernt habe ich die sechs Quartette plus ein einzelnes Streichquartett op. 42 in einer Aufnahme mit dem Buchberger Quartett.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7036466.jpg
Es handelt sich um das Vol. 2 einer angestrebten Gesamtaufnahme, die für sehr wenig Geld bei Brillant Classics aufgelegt wird. Ich kenne keine weiteren Aufnahmen dieser Quartette, vermutlich gibt es bessere. Aber wenn ich einmal von dem Vorurteil absehe, dass etwas, was so billig ist, nicht wirklich gut sein kann: Eigentlich spielen die das sehr erfrischend, lebendig und knackig. Ich werde mir daher auf jeden Fall auch weitere Volumes dieser Gesamtaufnahme kaufen.
Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (12.07.2006, 17:38): Original von Carola Nach zehnjähriger Pause hatte Hadyn 1781 eine weitere Sechsergruppe mit Streichquartetten vollendet. Der Beiname "Russische" Quartette geht auf eine angebliche Widmung der Quartette an den späteren russischen Zaren Paul 1. zurück. Haydn selbst sprach von einer ganz neuen, besonderen Art, in der er die Quartette op. 33 komponiert habe.
Ob diese Quartette wirklich gegenüber den vorherigen ganz neu und anders sind, kann ich mangels musikwissenschaftlicher Kenntnisse letztlich nicht beurteilen. Mir fällt aber auf, dass sie im Vergleich zu op. 20 deutlich dichter und prägnanter sind; das bei den "Sonnenquartetten" manchmal Ausufernde, der "Sturm und Drang" ist weg, es wirkt alles sehr viel stringenter und durchgearbeiteter.
Es scheint immer noch umstritten zu sein, wieviel auf die "ganz besondere neue Art" zu geben ist. Charles Rosen gibt sehr viel darauf, Georg Feder (in einem kleinen empfehlenswerten Büchlein zu den Quartetten) ist wesentlich skeptischer. Sie sind ja auch deutlich knapper gehalten und insgesamt humorvoller, weniger leidenschaftlich als op. 20.
Mir gefallen auch diese Quartette gut, auch wenn mir das Humoristisch-Witzige bei Hadyn manchmal etwas auf den Keks geht. Wenn zum Beispiel im ersten Satz von op. 33 Nr. 5 die ersten zwei Takte so klingen wie ein typischer Schluss, nicht Anfang. Nun ja.
So etwas ist m.E. nicht bloß als Gag zu sehen. Eine tatsächlich wichtige Errungenschaft der Werke ist, dass völlig banale, untergeordnete Begleitmotive oder Floskeln auf einmal thematisch relevant werden können. (die Kunst Haydns, Beethovens, Brahms' aus fast nichts ziemlich viel zu machen)
Kennengelernt habe ich die sechs Quartette plus ein einzelnes Streichquartett op. 42 in einer Aufnahme mit dem Buchberger Quartett.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7036466.jpg
Ich versuche wenigstens für eine Zeit die CD-Sammler-Version von Ockhams Rasiermesser (Disci non sunt multiplicandi praeter necessitatem) zu respektieren, Irgendwann werde ich aber doch wohl eine Folge dieser Reihe antesten. op.42 ist ein Werk dass ich sehr schätze, kurz aber konzentriert (es ist wohl nicht richtig klar, warum Haydn solch ein vereinzeltes Werk schrieb, evtl. sind zwei Partnerwerke verlorengegangen)
viele Grüße
J. Bristow
Carola (12.07.2006, 18:00): Original von Jack Bristow
op.42 ist ein Werk dass ich sehr schätze, kurz aber konzentriert (es ist wohl nicht richtig klar, warum Haydn solch ein vereinzeltes Werk schrieb, evtl. sind zwei Partnerwerke verlorengegangen)
viele Grüße
J. Bristow
Hallo Jack,
ja, mir gefiel das op. 42 auch gleich.
Im Booklett meiner Aufnahme mit dem Buchberger Quartett wird es allerdings eher ein wenig abschätzig beurteilt. Dort steht sinnngemäß, das Quartett sei ursprünglich den frühen Divertimenti zugerechnet worden - wegen der "einfacheren Faktur". Außerdem wird spekuliert, es handele sich um eine Autragsarbeit aus Spanien, weshalb Haydn sich womöglich von Boccherini habe inspirieren lassen. Wörtlich: "Haydn könnte versucht haben, seinen Auftraggebern entgegenzukommen und so übersichtlich zu komponieren, wie sie es gewohnt waren."
Wertschätzung drückt sich anders aus, sowohl dem op. 42, als auch Boccherini gegenüber.
Aber es wird ebenfalls erwähnt, das unter Umständen weitere Quartette aus op. 42 verloren gingen.
Der Text des Booklets stammt von Prof. Hubert Buchberger
Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (20.02.2007, 11:11): Original von Cosima Sehr lebendige und natürliche Interpretationen bietet das Quatuor Mosaïques. Die Mitglieder (Höbarth, Bischof, Mitterer und Christophe Coin) entstammen Harnoncourts „Concentus Musicus Wien“. Es ist also historische Aufführungspraxis auf Originalinstrumenten angesagt. Aber nicht ruppig, sondern in technisch makelloser Klangschönheit und perfekt abgestimmter Harmonie untereinander. Zwei ganz dicke Empfehlungen für z.B. diese Aufnahmen (op. 64, Nr. 1, 3, 6 und vor allem das insgesamt wunderschöne op. 20 "Sonnenquartett"):
Zu Quatuor Mosaiques findet sich auch hier eine sehr positive Besprechung
Rachmaninov (14.04.2006, 13:18): @Cosima,
die Aufnahmen kenne ich (bisher) nicht. Allerdings ist Christophe Coin für mich einer der spitzen Cellisten!
martin (14.04.2006, 23:27): Ich habe so einige CDs mit Haydn Streichquartetten. Eine aus dem Ramschsegment. Von einem gewissen Caspar da Salo Quartett, wenn ich mich richtig erinnere. Gefiel mir großartig, aber da sind auch einige Evergreens drauf, Kaiserquartett, Lerchenquartett usw.
Dann habe ich noch ein paar, vielleicht 4,5 CDs aus der Naxosedition mit dem Kodaly Quartett. Wundert mich, das die noch nicht genannt worden, der Penguins Guide lobt die über den grünen Klee. Davon habe ich einiges gehört, sicher, aber wie schreibt Rolf
Habe zwar nicht viele Quartette von ihm. Und höre sie selten. Nicht mal alle Jahre. Ich will ehrlich sein.
Diese Ehrlichkeit Rolfs finde ich sehr unterstützenswert und ich kann mich ihr anschließen. Es ist nun einmal von Monteverdi oder noch früher bis John Adams, von der Renaissance bis zur Moderne einfach so unheimlich viel Musik geschrieben worden. Und so viel tolle Musik ist dabei ...
Aber vielleicht habe ich ja mal wieder eine Haydnphase. Insgesamt haben mich die Haydnquartette nämlich mehr beeindruckt als die Sinfonien.
Gruß Martin
Carola (13.05.2006, 14:49): Im Jahr 1772 komponierte Haydn die später als "Sonnenquartette" bezeichneten sechs Streichquartette op. 20 Nr. 1 bis 6, deren Namen auf das Titelblatt einer Amsterdamer Ausgabe von 1797 zurückgeht.
Besonders "sonnig" kann ich diese Quartette in weiten Teilen allerdings nicht finden, dafür aber um so interessanter. Harenberg weißt im Kammermusikführer darauf hin, dass diese Quartette chronologisch in der Nähe von Haydns Moll-Sinfonien Nr. 39, 44,45,49 und 52 stehen, die Haydns "Sturm- und Drangphase" zugeordnet werden.
Was man hören kann ist in der Tat eine überraschende Herbheit und nervöse Leidenschaft; ein stilistisches Wechselbad zwischen barocker Fuge und Passagen die stark an den "empfindsamen" Stil von C.P.E. Bach erinnern. Die Stimmung wechselt von Werk zu Werk und von Satz zu Satz. Das Streichquartett im Experimentierstadium, wenn man so will.
Besonders auffällig ist das im C-Dur Quartett op. 20 Nr. 2. Während der erste Satz vergleichsweise heiter klingt, kommt man beim zweiten Satz, einem Adagio, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Bocklet meiner Aufnahme mit dem Hagen-Quartett steht, dieser Satz sei ursprünglich als "Capriccio" bezeichnet worden, was so viel hieß wie "bizarr". In der Tat, so könnte man es nennen. Bizarr.
Ich höre die beiden CD´s jetzt schon die ganze Woche mindestens ein mal täglich an und bin sie immer noch nicht leid, so abwechselungsreich ist diese Musik.
Die Aufnahme mit dem Hagen-Quartett scheint mir dabei ganz hervorragend zu sein, ohne dass ich allerdings einen Vergleich mit einer anderen Einspielung habe.
Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (13.05.2006, 19:31): Original von Carola Im Jahr 1772 komponierte Haydn die später als "Sonnenquartette" bezeichneten sechs Streichquartette op. 20 Nr. 1 bis 6, deren Namen auf das Titelblatt einer Amsterdamer Ausgabe von 1797 zurückgeht.
Was man hören kann ist in der Tat eine überraschende Herbheit und nervöse Leidenschaft; ein stilistisches Wechselbad zwischen barocker Fuge und Passagen die stark an den "empfindsamen" Stil von C.P.E. Bach erinnern. Die Stimmung wechselt von Werk zu Werk und von Satz zu Satz. Das Streichquartett im Experimentierstadium, wenn man so will.
Besonders auffällig ist das im C-Dur Quartett op. 20 Nr. 2. Während der erste Satz vergleichsweise heiter klingt, kommt man beim zweiten Satz, einem Adagio, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Bocklet meiner Aufnahme mit dem Hagen-Quartett steht, dieser Satz sei ursprünglich als "Capriccio" bezeichnet worden, was so viel hieß wie "bizarr". In der Tat, so könnte man es nennen. Bizarr.
Wie gesagt, als ich diesen Satz zum ersten Mal im Konzert hörte, wäre ich fast vom Sessel gekippt! op. 20 ist in mehrfacher Hinsicht eigenartig. Haydn hatte (nach den 5-sätzigen Divertimenti op.1 & op.2) das Quartett mit op.9 und 17 "zum zweiten Mal erfunden", d.h. diese beiden Sammlungen zeigen die systematische Mischung von planvoller Abwechslung und verbindlichen Formen, die man auch aus späteren Sammlungen gewohnt ist. Nur wenig später entsteht op.20, man könnte eigentlich einen Kulminationspunkt mit soliden "klassischen" Werken erwarten. Klar, das Opus ist ein Kulminationspunkt, aber nicht in dem Sinne, dass ein Genre festgeschrieben wird, sondern dass auf einmal ganz neue Form- und Ausdruckmöglichkeiten eröffnet werden. Die Fugenfinali, die so vorher nicht auftreten, das expressiv-zerrissene, formal sehr freie g-moll-Quartett, das von Dir genannte Capriccio aus #2. Es scheint jedenfalls als habe Haydn hier zusammenfassen wollen, was ihm zu dieser Zeit musikalisch möglich war. Und dann kommt knapp 10 Jahre später wieder was ganz Neues... Annähernd kann man auch die späteren Quartettopera nach op.33 abwechselnd als von der Tendenz her "eher experimentell" - "eher beispielhaft-systematisch" einordnen. M.E. ist op.50 eher eine solide Festigung der mit op.33 eingeschlagenen "ganz neuen Art", op.54/55 experimentell, op.64 wieder solide, op.71/74 kann ich schlecht einordnen und op.76 ist wieder erstaunlich experimentell, besonders in #5 und #6.
Die Aufnahme mit dem Hagen-Quartett scheint mir dabei ganz hervorragend zu sein, ohne dass ich allerdings einen Vergleich mit einer anderen Einspielung habe.
Sie ist vermutlich die beste einzeln erhältliche auf modernen Instrumenten; jedenfalls sehr viel besser als die Kodalys (die etwa im Kopfsatz von #4 fast einschlafen..) und auch der durchaus ordentlichen Interpretation des Angeles Quartet (nur in großer Box) überlegen. Heute würde das ensemble vermutlich noch etwas ausdrucksvoller spielen, sie wirken auf mcih, verglichen mit ihren späteren Einspielungen hier noch ein klein wenig kühl.
viele Grüße
J. Bristow
ab (15.05.2006, 09:25): Dieses Quartett spielt wahrlich einen schönen Haydn! Überhaupt schätze ich ihre Studioproduktionen sehr. Leider weist es im Konzert etliche Mängel auf, die stark den Musikgenuss trüben. Was allerdings bei Ihrem Hayden dazu gesagt werden muss, ist, dass das Humoristische völlig zugunsten einer Ernsthaftigkeit verloren geht. Nicht jeder wird das mögen...
Ich mag bei Haydn besonders das op. 77 gespielt vom Alban Berg Quartett (das ich sonst wegen des Tons des ersten Geigers wenig mag), nun von der EMI wieder veröffentlicht ohne das Berio-Quartett: das ist Quartettspiel aus einem einzige Guss, ohne dass auch nur die gernigeste Unübereistimmung entstehen würde. Perfekter kann man wohl nicht spielen. (Schön waren auch die alten Aufnahmen bei Teldec.)
heute kam endlich nach großer Vorfreude die Aufnahme des Hagen-Quartetts mit den Streichquartette op.20 >Sonnen-Quartette<
Mein erster Eindruck, auch wenn man damit ja eigentlich eher vorsichtig sein sollte, ist nach dem Hören der ersten drei Quartette äußerst positiv.
Sowohl von der Musik sowie der Darbietung durch das Hagen Quartett bin ich sehr angetan :D
Carola (10.07.2006, 18:14): Nach zehnjähriger Pause hatte Hadyn 1781 eine weitere Sechsergruppe mit Streichquartetten vollendet. Der Beiname "Russische" Quartette geht auf eine angebliche Widmung der Quartette an den späteren russischen Zaren Paul 1. zurück. Haydn selbst sprach von einer ganz neuen, besonderen Art, in der er die Quartette op. 33 komponiert habe.
Ob diese Quartette wirklich gegenüber den vorherigen ganz neu und anders sind, kann ich mangels musikwissenschaftlicher Kenntnisse letztlich nicht beurteilen. Mir fällt aber auf, dass sie im Vergleich zu op. 20 deutlich dichter und prägnanter sind; das bei den "Sonnenquartetten" manchmal Ausufernde, der "Sturm und Drang" ist weg, es wirkt alles sehr viel stringenter und durchgearbeiteter.
Mir gefallen auch diese Quartette gut, auch wenn mir das Humoristisch-Witzige bei Hadyn manchmal etwas auf den Keks geht. Wenn zum Beispiel im ersten Satz von op. 33 Nr. 5 die ersten zwei Takte so klingen wie ein typischer Schluss, nicht Anfang. Nun ja.
Kennengelernt habe ich die sechs Quartette plus ein einzelnes Streichquartett op. 42 in einer Aufnahme mit dem Buchberger Quartett.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7036466.jpg
Es handelt sich um das Vol. 2 einer angestrebten Gesamtaufnahme, die für sehr wenig Geld bei Brillant Classics aufgelegt wird. Ich kenne keine weiteren Aufnahmen dieser Quartette, vermutlich gibt es bessere. Aber wenn ich einmal von dem Vorurteil absehe, dass etwas, was so billig ist, nicht wirklich gut sein kann: Eigentlich spielen die das sehr erfrischend, lebendig und knackig. Ich werde mir daher auf jeden Fall auch weitere Volumes dieser Gesamtaufnahme kaufen.
Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (12.07.2006, 17:38): Original von Carola Nach zehnjähriger Pause hatte Hadyn 1781 eine weitere Sechsergruppe mit Streichquartetten vollendet. Der Beiname "Russische" Quartette geht auf eine angebliche Widmung der Quartette an den späteren russischen Zaren Paul 1. zurück. Haydn selbst sprach von einer ganz neuen, besonderen Art, in der er die Quartette op. 33 komponiert habe.
Ob diese Quartette wirklich gegenüber den vorherigen ganz neu und anders sind, kann ich mangels musikwissenschaftlicher Kenntnisse letztlich nicht beurteilen. Mir fällt aber auf, dass sie im Vergleich zu op. 20 deutlich dichter und prägnanter sind; das bei den "Sonnenquartetten" manchmal Ausufernde, der "Sturm und Drang" ist weg, es wirkt alles sehr viel stringenter und durchgearbeiteter.
Es scheint immer noch umstritten zu sein, wieviel auf die "ganz besondere neue Art" zu geben ist. Charles Rosen gibt sehr viel darauf, Georg Feder (in einem kleinen empfehlenswerten Büchlein zu den Quartetten) ist wesentlich skeptischer. Sie sind ja auch deutlich knapper gehalten und insgesamt humorvoller, weniger leidenschaftlich als op. 20.
Mir gefallen auch diese Quartette gut, auch wenn mir das Humoristisch-Witzige bei Hadyn manchmal etwas auf den Keks geht. Wenn zum Beispiel im ersten Satz von op. 33 Nr. 5 die ersten zwei Takte so klingen wie ein typischer Schluss, nicht Anfang. Nun ja.
So etwas ist m.E. nicht bloß als Gag zu sehen. Eine tatsächlich wichtige Errungenschaft der Werke ist, dass völlig banale, untergeordnete Begleitmotive oder Floskeln auf einmal thematisch relevant werden können. (die Kunst Haydns, Beethovens, Brahms' aus fast nichts ziemlich viel zu machen)
Kennengelernt habe ich die sechs Quartette plus ein einzelnes Streichquartett op. 42 in einer Aufnahme mit dem Buchberger Quartett.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7036466.jpg
Ich versuche wenigstens für eine Zeit die CD-Sammler-Version von Ockhams Rasiermesser (Disci non sunt multiplicandi praeter necessitatem) zu respektieren, Irgendwann werde ich aber doch wohl eine Folge dieser Reihe antesten. op.42 ist ein Werk dass ich sehr schätze, kurz aber konzentriert (es ist wohl nicht richtig klar, warum Haydn solch ein vereinzeltes Werk schrieb, evtl. sind zwei Partnerwerke verlorengegangen)
viele Grüße
J. Bristow
Carola (12.07.2006, 18:00): Original von Jack Bristow
op.42 ist ein Werk dass ich sehr schätze, kurz aber konzentriert (es ist wohl nicht richtig klar, warum Haydn solch ein vereinzeltes Werk schrieb, evtl. sind zwei Partnerwerke verlorengegangen)
viele Grüße
J. Bristow
Hallo Jack,
ja, mir gefiel das op. 42 auch gleich.
Im Booklett meiner Aufnahme mit dem Buchberger Quartett wird es allerdings eher ein wenig abschätzig beurteilt. Dort steht sinnngemäß, das Quartett sei ursprünglich den frühen Divertimenti zugerechnet worden - wegen der "einfacheren Faktur". Außerdem wird spekuliert, es handele sich um eine Autragsarbeit aus Spanien, weshalb Haydn sich womöglich von Boccherini habe inspirieren lassen. Wörtlich: "Haydn könnte versucht haben, seinen Auftraggebern entgegenzukommen und so übersichtlich zu komponieren, wie sie es gewohnt waren."
Wertschätzung drückt sich anders aus, sowohl dem op. 42, als auch Boccherini gegenüber.
Aber es wird ebenfalls erwähnt, das unter Umständen weitere Quartette aus op. 42 verloren gingen.
Der Text des Booklets stammt von Prof. Hubert Buchberger
Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (20.02.2007, 11:11): Original von Cosima Sehr lebendige und natürliche Interpretationen bietet das Quatuor Mosaïques. Die Mitglieder (Höbarth, Bischof, Mitterer und Christophe Coin) entstammen Harnoncourts „Concentus Musicus Wien“. Es ist also historische Aufführungspraxis auf Originalinstrumenten angesagt. Aber nicht ruppig, sondern in technisch makelloser Klangschönheit und perfekt abgestimmter Harmonie untereinander. Zwei ganz dicke Empfehlungen für z.B. diese Aufnahmen (op. 64, Nr. 1, 3, 6 und vor allem das insgesamt wunderschöne op. 20 "Sonnenquartett"):
findet, die sechs Quartette aus Op. 17 schlössen sich eng, fast zu eng (Seite 40) an die vorangegangenen Quartette aus Op. 9 an - mir gefallen diese Op. 17-Stücke sehr gut. Ich finde sie auch interessanter, expressiver und gehaltvoller als die aus Op. 9 - kann dies aber nicht im Detail begründen...
Wie auch immer, manche Passagen erinnern mich in ihrer Expressivität schon ein wenig an die nachfolgenden Sonnenquartette (Op. 20).
Was die Aufnahmen angeht, so habe ich diese hier mit dem Buchberger Quartett:
Ob andere noch besser sind - keine Ahnung. Mir gefällt jedenfalls, was ich höre. Es klingt gleichzeitig warm und prägnant.
Gruß, Carola
Carola (03.08.2008, 09:29): Bei klassik.com ist heute
eine sehr positive Rezension der oben gezeigten Aufnahme von Op. 17 mit dem Buchberger Quartet erschienen.
Gruß, Carola
Sarastro (05.08.2008, 00:40): Liebe Carola, auch ich schätze op. 17, wie überhaupt alle Streichquartette von Haydn, wenngleich mich die ja nicht so viel früher entstandenen sechs Quartette op. 9 (ca. 1768-1770) als Ganzes gesehen gerade im Hinblick auf Gehalt und Expressivität eigentlich noch mehr ansprechen.
C. Rosen, Der klassische Stil, 4. Aufl. 2003, 154 schreibt:
"Die Quartette op. 17 sind sparsamer und in vieler Hinsicht weniger extravagant als die Quartette op. 9; das war der Preis für ihre fortgeschrittene Technik."
Vermutlich ist es gerade diese konsequent weiterentwickelte, intensivierte Technik - mit einer Ausweitung der Finali -, die op. 17 in gewisser Weise "interessanter" als op. 9 erscheinen läßt. Hervorzuheben sind hier das schöne Adagio (in As-Dur) des Es-Dur-Quartetts (Nr. 3) oder das Finale des c-Moll-Quartetts (Nr. 4). L. Finscher, Joseph Haydn und seine Zeit, 2000, 404 (mit einschlägigem Notenbeispiel) bemerkt dazu:
"So kompromißlose, von finsteren unisoni geprägte Schlüsse wie im Finale des c-Moll-Quartetts op. 17/4 hatte es im Quartett-Divertimento nie gegeben, und mit solchen Sätzen, zumal mit solchen Finali stellte sich der neue Quartett-Typus endgültig auf das Niveau der Symphonie."
Unter diesem Gesichtspunkt verdienen diese Werke allemal mehr Beachtung, als ihnen meist zuteil wird!
Herzliche Grüße, Sarastro
Tranquillo (08.09.2008, 09:44): Hallo zusammen,
gestern hatte ich die Gelegenheit, die Aufnahme der sechs Quartette op. 20 mit dem Buchberger-Quartett kennenzulernen:
Was hier geboten wird, ist alles andere als ein ausgewogener, glattgebügelter, auf Schönklang getrimmter "Papa Haydn mit Zopf". Das Buchberger-Quartett spielt die Ecken und Kanten, die Spannungen und Brüche in diesen Quartetten aus, teilweise klingt das für mich schon fast "HIP". Primarius Rudolf Buchberger, der auch den sehr informativen Booklet-Text verfasst hat, schreibt hierzu:
"'Klassische Ausgewogenheit' - auch in Haydns anderen Werken eine eher fragwürdige Kategorie - scheint hier noch weniger als sonst zu den Zielvorstellungen des Komponisten zu gehören. Vielmehr plaziert Haydn in diesen Quartetten soviel kompositorischen Zündstoff, dass dessen explosive Entfaltung eine Werkgruppe generiert, die in ihrem kreativen Potential, aber auch in der kompositorischen Bändigung der auseinanderstrebenden Kräfte in der Musik um 1770 ihresgleichen sucht."
Das Quartett verwendete bei der Aufnahme nicht die von Haydn revidierte (und offenbar in den Zuspitzungen abgemilderte) Fassung von 1800/1801, sondern die Originalfassung von 1772 und das Autograph. Das erklärt, warum man einige Stellen anders "im Ohr" hat. Das Ergebnis jedenfalls ist im positiven Sinn auf- und anregend. Der Klang ist hervorragend, der Quartettsatz jederzeit durchhörbar.
Auf den Webseiten von Brilliant Classics fand ich den Hinweis: "The series will be finished by 2009, the bi-centenary of Haydn’s death." Das klingt doch sehr vielversprechend - wir dürfen uns also auf eine Gesamtaufnahme freuen, die zu neuer Auseinandersetzung mit Haydns Quartetten anregt.
Viele Grüsse Andreas
ab (08.09.2008, 10:20): Ich möchte gerne darauf hinweisen, dass die frühen Haydn-Aufahmen bei Teldec durch das Alban Berg Quartett, die sich gerade auf ihrer internationalen Abschiedstournee in Asien befinden, wieder in einer Box ihrer gesamten Teldex-Aufnahmen greifbar sind. Vermutlich werden sie auch bei Apex für ca. 5 EUR herauskommen. Haydn (und Brahms) finde ich bei diesem Ensemble, das wohl in Bezug auf technische Übereinstimmung den höchsten Gipfel möglicher Ensemblekultur erreicht haben, besonders empfehlenswert.
Wooster (08.09.2008, 14:41): In dieser Teldec-Box ist aber lt. jpc nur das Kaiserquartett angeführt. Meines Wissens haben sie für Teldec auch nur dieses und das "Reiterquartett" 74,3 eingespielt. Das war angeblich eine ihrer ersten beiden LPs. Die andere war Berg: op.3/Lyr. Suite. Man findet die beiden Haydn-Quartette auch auf einem "Ultima"-Duo gemeinsam mit Trios mit dem Trio Fontenay. Wenn man sie noch findet.
:hello
Wooster
ab (08.09.2008, 20:59): richtig, leider nur diese zwei Quartette. :I
Dem Titel der Box zufolge müssen beide droben sein.
Rachmaninov (19.12.2008, 16:24): Vor ein paar Tagen wurde auf Bayern 4 die erste CD der wohl entstehenden Gesamtausgabe der SQ durch das Auryn Quartett vorgestellt und empfohlen.
Besprechung
Hat jemand in die Aufnahme des Quartetts reingehört?
Amadé (19.12.2008, 17:44): Ich kenne die Aufnahme (noch) nicht, besitze jedoch eine mich bisher überzeugende Einspielung mit dem Petersen Quartett bei Capriccio, die 1997 erschienen und noch lieferbar ist. Damit ist und war mein Bedarf nach diesen Frühwerken gedeckt.
Wooster (19.12.2008, 22:02): Ich bin ebenfalls mit dem Petersen Q. zufrieden (und wünschte, sie hätten noch ein späteres Opus eingespielt). Aber natürlich wäre sehr zu begrüßen, wenn das Auryn tatsächlich eine GA hinbrächte. Ob der Markt das hergibt, wo gerade noch eine sehr billig bei Brilliant erschienen/im Erscheinen ist, weiß ich nicht genau. Noch ein op.1 kaufe ich erstmal nicht, zum Testen will ich eine Sammlung ab op.20. Ich habe eine ältere Aufnahme der Auryns von op.71 einzeln (ohne op.74), die ist jedenfalls auch ziemlich gut.
viele Grüße
Wooster
Gerion (20.01.2009, 12:48): Original von Tranquillo Was hier geboten wird, ist alles andere als ein ausgewogener, glattgebügelter, auf Schönklang getrimmter "Papa Haydn mit Zopf". Das Buchberger-Quartett spielt die Ecken und Kanten, die Spannungen und Brüche in diesen Quartetten aus, teilweise klingt das für mich schon fast "HIP". Primarius Rudolf Buchberger, der auch den sehr informativen Booklet-Text verfasst hat, schreibt hierzu:
Ich möchte dieses alte Posting aufnehmen. Mir geht es ähnlich, wenn ich die Buchberger mit Haydn höre.
Weiß hier zufällig jemand, auf was für Instrumenten sie spielen? Historische Originalinstrumente sind es nicht, oder?
Grüße Gerion
Sarastro (08.05.2009, 21:59): Original von Gerion Original von Tranquillo Was hier geboten wird, ist alles andere als ein ausgewogener, glattgebügelter, auf Schönklang getrimmter "Papa Haydn mit Zopf". Das Buchberger-Quartett spielt die Ecken und Kanten, die Spannungen und Brüche in diesen Quartetten aus, teilweise klingt das für mich schon fast "HIP". Primarius Rudolf Buchberger, der auch den sehr informativen Booklet-Text verfasst hat, schreibt hierzu:
Ich möchte dieses alte Posting aufnehmen. Mir geht es ähnlich, wenn ich die Buchberger mit Haydn höre.
Weiß hier zufällig jemand, auf was für Instrumenten sie spielen? Historische Originalinstrumente sind es nicht, oder?
Grüße Gerion
Hallo Gerion, es sind tatsächlich überwiegend alte Originalinstrumente. Nach dem Booklet zu op. 20 spielt das Buchberger-Quartett auf folgenden Instrumenten: Violine I (Lorenzo Storioni, Cremona, um 1775) Violine II (Carlo Antonio Testore, Milano 1747) Viola (Michael Ledfuß, St. Gallen, 1990) Violoncello (Paolo Antonio Testore, Milano, um 1750)
Ich hatte mich gefragt, ob bei der Bratsche die Angabe "1990" ein Druckfehler für "1790" ist; nach einem Blick ins Netz scheint aber "1990" zu stimmen.
Mir gefällt diese Einspielung der großartigen "Sonnenquartette" durch das Burchberger-Quartett auch sehr gut!
Schöne Grüße, Sarastro
ab (08.05.2009, 22:30): Original von Sarastro Hallo Gerion, es sind tatsächlich überwiegend alte Originalinstrumente. Nach dem Booklet zu op. 20 spielt das Buchberger-Quartett auf folgenden Instrumenten: Violine I (Lorenzo Storioni, Cremona, um 1775) Violine II (Carlo Antonio Testore, Milano 1747) Viola (Michael Ledfuß, St. Gallen, 1990) Violoncello (Paolo Antonio Testore, Milano, um 1750)
Mit "Originalistrumenten" meint man doch heute nicht Instrumente von Alten Meistern, sondern mit Darmsaiten bestückte sowie zurückgebaute: kürzeres Griffbrett sowie kürzeren und weniger schräg angesetzten Hals. Der Kammerton a geht bis auf 415 Hz oder im französischen Barock sogar auf 392 Hz hinuter (heute statt der definierten 440 Hz gar schon bis 446 Hz). Auch spielt man mit anderen Bögen.
Die Buchbergeres sind kein Original-Klang Ensemble, soviel ich weiß. :hello
Sarastro (09.05.2009, 09:15): Hallo ab, dieser Unterschied war mir nicht bewußt - danke für die Aufklärung!
Schöne Grüße, Sarastro
jünter (02.06.2009, 10:08): Die Ausrufer des „Haydn-Jahrs“ haben es geschafft und nun auch mein gesteigertes Interesse für die Werke dieses hochoriginellen Komponisten geweckt. Ich habe allerdings ebenso wenig vor mir alle 104 Symphonien anzuschaffen wie alle 83 Streichquartette. Deshalb meine Frage: Gibt es unter den Streichquartetten bestimmte herausragende Werke, die man „haben muss“?
Für Eure Empfehlungen wäre ich dankbar!
Grüße, jünter
Wooster (02.06.2009, 15:35): Original von jünter Die Ausrufer des „Haydn-Jahrs“ haben es geschafft und nun auch mein gesteigertes Interesse für die Werke dieses hochoriginellen Komponisten geweckt. Ich habe allerdings ebenso wenig vor mir alle 104 Symphonien anzuschaffen wie alle 83 Streichquartette. Deshalb meine Frage: Gibt es unter den Streichquartetten bestimmte herausragende Werke, die man „haben muss“?
Man muß nicht unbedingt haben: op.1 und 2, das nicht von Haydn stammende op.3 (inkl. der berühmten Serenade op.3,5) noch weniger und wohl auch nicht notwendig opp.9,17,42, 103 (Fragment). (Auf die wollte ich allerdings nicht verzichten, nicht mal auf op.1, dann lieber auf alle Konzerte von Rachmaninoff und Tschaikowsky...:D) op.9,17,20 sind keineswegs "frühe Werke", Haydn war um die 40, als er sie schrieb, in derselben Phase wie etwa die "Trauer" oder "Abschiedssinfonie" 44 u. 45.
Unter den übrigen (opp. 20,33,50,54,55,64,71,74,76,77), einschließlich der originellen "7 letzten Worten", die in der Quartettfassung (op.51) besonders populär zu sein scheinen, fällt die Auswahl schwer. Es gibt aber Schlimmeres als sich zum Einstieg an einige Werken mit Beinamen zu halten (so unfair das gegenüber vielen gleichwertigen sein mag), um zu sehen, ob einem die Musik überhaupt zusagt: op.33,2 "The Joke", op.33,3 "Vogel", op. 50,6 "Frosch", op.55,2 "Rasiermesser", op.64,5 "Lerche", op.74,3 "Reiter", op.76: #2 "Quinten", #3 "Kaiser", #4 "Sonnenaufgang" Lerche, Reiter und op.76 (bzw. die 3 benamsten) findet man in recht vielen Aufnahmen.
Zwei brillant gespielte CDs des jungen Jerusalem-Quartetts mit 6 berühmten Quartetten (64/5, 76/2, 77/1, 20/5, 33/3, 76/5) sind jetzt recht günstig (je ca. 10 EUR) bei Harmonia Mundi zu haben:
Eine andere Option wäre das "Haydn Project" des Emerson Q./DGG (das ich selbst aber nicht kenne und das wohl nicht ganz so enthusiastisch aufgenommen wurde wie einige andere ihrer Aufnahmen)
Problem bei den preiswerten DGG-Amadeus-Boxen ist erstens der teils gewöhnungsbedürftige "Sound" des Ensembles, mehr aber, daß die für die Entwicklung zentralen Sammlungen op.20 und 33 ganz fehlen.
:hello
Wooster
jünter (02.06.2009, 19:37): @ Wooster:
Das sind doch schon mal hochinteressant klingende Tips. Vielen Dank!
Amadé (02.06.2009, 21:50): Hallo jünter,
Dir und anderen Haydn-"Frischlingen" empfehle ich nicht unbedingt Masse, also gleich am Anfang möglichst viele, sondern nur eines. Es kann eines der Namenquartette sein, muss es aber nicht. Mein Tipp ist das Streichquartett B-dur op.76 Nr.4, auch als "Sonnenaufgangsquartett" bekannt. Die Auswahl der Interpreten sollte am Anfang nicht unbedingt eine Rolle spielen, wichtiger ist das Stück selbst, Du musst es mehrmals hören, damit sich das Stück setzt. Bei Gefallen ein weiteres Werk ansteuern. Vielleicht kannst Du dann mal Rückmeldung geben.
Grüße Amadé
ab (02.06.2009, 22:56): Ich persönlich finde ja das op. 77 als die beiden für den Zuhörer eingängigsten Quartette Haydns.
Das op. 76 ist zwar in kompositorischer Hinsicht deutlich interessanter, aber solchen "Haydnschen Witz" (also des Komponisten sein Spielen mit Konventionen), zu erfassen ist etwas anderes als sich vom Klang frei von solchen Kenntnissen tragen zu lassen.
Besonders empfehlen beim op. 77 kann ich - wie vermutlich bereits wiederholt erwähnt - das Alban Berg Quartett, das es allerdings nur teuer gibt.
Amadés Vorschlag, sich zunächst mit einem Werk wiederholt auseinaderzusetzen, halte ich für einen besonders guten! Zu leicht kann sonst Haydn vorschnell beiseitegelegt werden, quasi ins Ecke "Papa-Haydn" abgeschoben werden.
(Auch den Tipp von Wooster mit dem günstigen Jerusalem Quartet kann ich nach Eindrücken über das klassik.com-Radio nachvollziehen. Seine Vorbehalte gegenüber dem Emerson Quartet möchte ich nur noch unterstreichen.)
Aller wärmestens kann ich folgende CD empfehlen, die aber nur mehr schwer erhältlich ist: Auch klanglich ist dies wohl die am natürlichsten klingende Aufnahme aller Produktionen des Hagen Quartetts und hier auch interpretatorisch noch frei von ihrem eher künstlich-modernen Ansatz, der ihrer späteren Haydn-Aufnahmen prägt. http://imagesa.ciao.com/ide/images/products/normal/026/product-1543026.jpg
:hello
Sarastro (04.06.2009, 22:46): Sich Haydns Quartetten über die beiden Lobkowitzquartette op. 77 zu nähern, ist eine Sache, über die man geteilter Meinung sein kann. Sie wegen besonderer Eingängigkeit zu empfehlen und zu bemerken, daß die vorangehenden Quartette op. 76 kompositorisch aber doch deutlich interessanter seien, wird von dem, der einen Zugang zu Haydns Kammermusik sucht, wohl so verstanden, daß es sich um vergleichsweise leichtgewichtige Werke handelt, die aber eben deshalb zum ersten Einstieg ganz gut taugen.
Hier sehe ich die Gefahr eines Mißverständnisses. Sicher ist es richtig, daß diese beiden vorletzten Quartette in bestimmter Weise einfacher gearbeitet sind als op. 76. Das ist natürlich Absicht und nicht womöglich schon Vorbote langsam (nach 1800 dann ja tatsächlich) zunehmender Altersschwäche. Haydn hat sein Leben lang gerade am Streichquartett kontinuierlich experimentiert und gearbeitet, und die zwei Mittelsätze des unvollendet gebliebenden letzten Streichquartett op. 103 (1802/1803) sind ja auch wieder stärker der kontrapunktischen Durcharbeitung, dem "Gespräch der vier Instrumente", verpflichtet. Haydns op. 77 stellt vielmehr die Verwirklichung einer "neuen Einfachheit, aber einer Einfachheit höheren Grades" (L. Finscher, Haydn, 423) dar. Kontrapunktische und thematische Arbeit werden insgesamt zurückgedrängt, dafür finden sich verstärkt "harmonische Entwicklungen, streckenweise von abenteuerlicher Kühnheit und die immer neue harmonische Beleuchtung größerer Melodieteile oder Melodien" (Finscher, a.a.O.).
Persönlich berührt mich übrigens op. 77 Nr. 2 F-Dur mit seiner nachdenklich wirkenden, lyrischen Eröffnung, aber auch den anderen drei Sätzen, stärker als Nr. 1, und es scheint mir auch - sowohl vom Hören als auch vom Lesen in der Partitur her - Nr. 1 hinsichtlich Satzdichte zu übertreffen. Sehr schöne Worte dazu hat G. Feder in seinem im Forum schon zitierten Büchlein über Haydns Streichquartette gefunden. Feder, an sich im Ton eher nüchtern und sachlich, schreibt im Hinblick auf die ersten drei Sätze überwältigt (S. 110):
"Man kann vor einem solchen Monument höchster musikalischer Kunst (...) nur staunen und sich vor seinem Schöpfer in Ehrfurcht verneigen." Und zum vierten Satz: "Haydn schaut hier von einer Höhe, in der die Dinge alle gleich wichtig oder unwichtig werden, auf das irdische Treiben herab."
Das sind keine hohlen Phrasen, sondern diese Eindrücke und Urteile werden durchaus begründet.
Vielleicht fällt es ja in fortgeschrittenerem Alter leichter, die Qualitäten dieser Spätwerke angemessen zu würdigen: Sowohl Finscher (geb. 1930) als auch Feder (geb. 1927) waren um die siebzig, als sie ihre Bücher schrieben bzw. zum ersten Mal veröffentlichten (was natürlich auf keinen Fall heißen soll, daß nicht auch ein viele Jahrzehnte jüngerer Mensch diese Werke schätzen kann).
Einstieg in Haydns Quartette mit op. 77 also auf "eigene Gefahr"!
Was könnte ich ansonsten empfehlen? Op. 76 natürlich unbedingt, jedes dieser sechs Stücke ist gleich gut. Besonders eindrucksvoll aus dieser Serie (neben dem schon genannten "Sonnenaufgang"-Quartett Nr. 4): Das sechste Quartett in Es-Dur; es beginnt mit einem Variationssatz im Allegro; die vierte Variation ist ein ungemein ausdrucksstarkes, zum Allegro gesteigertes Fugato. Wunderbar auch der langsame zweite, sehr dicht gearbeitete und von Haydn "Fantasia" überschriebene Satz in H-Dur.
Von den früheren Quartetten empfehle ich die expressiven, experimentierfreudigen "Sonnenquartette" op. 20 (sehr originell und mehrerer Hinsicht - Harmonik, Rhythmik "alla Zingarese" – höchst interessant ist Nr. 4 D-Dur); die berühmteren Quartette op. 33 dürfte heute mehr aus Gründen der Gattungsentwicklung Interesse finden.
Eines meiner Lieblingsquartette, das ich bedenkenlos auch dem Neuling empfehlen kann, ist das oben schon erwähnte op. 55 Nr. 2 f-Moll (aus Gründen, die nichts mit dem Werk selbst zu tun haben, auch als "Rasiermesserquartett" bekannt). Der erste Satz ist ein "Andante piu tosto Allegretto" mit Doppelvariationen (d.h. abwechselnd Moll / Dur), sehr stimmungsvoll. Der forsche schnelle zweite Satz hat eine dramatische kontrapunktische Durchführung.
Hören und nochmals hören (und, wenn möglich, etwas über das Werk lesen und im Idealfall in einer Partitur mitlesen*)! Und, was das erste Kennenlernen der Stücke betrifft, gilt meiner Meinung nach unbedingt, was Amadé hier oben schrieb: "Wichtiger ist das Stück selbst"!
Grüße, Sarastro
*Zusatz: Noch viel "idealer" ist es natürlich, selber mitzuspielen (was ich für meinen Teil leider nicht kann), dabei aber trotzdem nicht nur auf die eigene Stimme zu achten, sondern auf das Ganze!
ab (04.06.2009, 23:08): Original von Sarastro Sich Haydns Quartetten über die beiden Lobkowitzquartette op. 77 zu nähern, ist eine Sache, über die man geteilter Meinung sein kann. Sie wegen besonderer Eingängigkeit zu empfehlen und zu bemerken, daß die vorangehenden Quartette op. 76 kompositorisch aber doch deutlich interessanter seien, wird von dem, der einen Zugang zu Haydns Kammermusik sucht, wohl so verstanden, daß es sich um vergleichsweise leichtgewichtige Werke handelt, die aber eben deshalb zum ersten Einstieg ganz gut taugen.
Hier sehe ich die Gefahr eines Mißverständnisses. Sicher ist es richtig, daß diese beiden vorletzten Quartette in bestimmter Weise einfacher gearbeitet sind als op. 76. Das ist natürlich Absicht und nicht womöglich schon Vorbote langsam (nach 1800 dann ja tatsächlich) zunehmender Altersschwäche.
Danke, dass Du vor einem solchen groben Missverständis warnst! Nichts liegt mir ferner, als "leichtgewichtig" als "schwächer" verstanden zu wissen.
Wohl aber möchte ich betonen, dass ich persönlich (gerade wegen seiner "ausgedünnten" Form und seiner harmonischen Wendungen) das op. 77 eingängiger als Zuhörer empfinde als jedes einzelne des op. 76, welche in der Tat alle von einem gleich hoch phantastischem Niveau sind (und ich die Nr. 1 besonders mag). :hello
Wooster (04.06.2009, 23:21): Ich wollte durch das Aufzählen weiter oben nicht nahelegen, sich gleich dutzende von Werken anzuhören, aber die Frage war eben, was sich lohnt...
Ich empfinde op.77 keineswegs generell "einfacher" als op.76, nur eben nicht so offenkundig experimentell. op.76,6 empfinde ich als recht sperrig, das ähnlich ungewöhnlich aufgebaute #5 hat mir dagegen sofort gefallen, es war eines der ersten drei oder vier Quartette, die ich kennenlernte. op.77 liegt zumindest stellenweise (etwa in den Menuetten/Scherzi) näher an Schubert und Beethoven, das mag für manchen Einsteiger auch ein Vorteil sein. (Ich selbst habe op.77 erst spät kennengelernt und bin bis heute nicht so vertraut wie mit etlichen anderen der Quartette, daher kann ich Eingängigkeit ganz schlecht beurteilen)
Wie schon gesagt, die beiden CDs des Jerusalem Quartetts sind klangtechnisch und interpretatorisch herausragend; die erste enthält drei späte, sehr berühmte Werke, die zweite bietet einen besseren Querschnitt, wobei 33/3 und 76/5 besondere persönliche Favoriten meinerseits sind; 20/5 finde ich nicht so interessant, ist ist vielleicht das konservativste aus op.20, aber daher auch für den Stil der beiden früheren Sammlung ein wenig repräsentativer als es meine Favoriten 20/2 und 20/4 wären. (Bei "Lerche" und "Quinten" ist bei mir, ungeachtet aller Bewunderung, eine gewisse Übersättigung eingetreten... dennoch halte ich sie für sehr gut zum Einstieg)
:hello
Wooster
Sarastro (04.06.2009, 23:28): Lieber ab, ich glaube zu verstehen, was Du meinst. Wobei ich, wie gesagt, Nr. 1 immer noch vergleichsweise "eingängiger" finde als Nr. 2 (beim ersten Satz von Nr. 1 mußte ich früher immer krampfhaft die unfreiwillige Erinnerung an "Ja so warn´s, die alten Ritterleut" verdrängen, inzwischen bin ich da aber viel souveräner :)).
Was op. 76 Nr. 1 betrifft, gehört es übrigens ebenfalls zu meinen besonderen Favoriten unter Haydns Streichquartettet, nicht zuletzt wegen des Eröffnungsthemas und dem, was Haydn daraus gemacht hat.
Schöne Grüße, Sarastro
ab (05.06.2009, 09:06): Original von Sarastro Lieber ab, ich glaube zu verstehen, was Du meinst. Wobei ich, wie gesagt, Nr. 1 immer noch vergleichsweise "eingängiger" finde als Nr. 2 (beim ersten Satz von Nr. 1 mußte ich früher immer krampfhaft die unfreiwillige Erinnerung an "Ja so warn´s, die alten Ritterleut" verdrängen, inzwischen bin ich da aber viel souveräner :)).
Eine interessante theoretische Frage wäre es hier, ob womöglich mein Urteile daher rührt, dass mich persönlische harmonische Wendungen primär unmitelbarer ansprechen als kontrapunktische Spitzfindigkeiten; aber womöglich es Hörertypen gibt, für die das umgekehrt ist... Aber das ist hier off topic...
Was op. 76 Nr. 1 betrifft, gehört es übrigens ebenfalls zu meinen besonderen Favoriten unter Haydns Streichquartettet, nicht zuletzt wegen des Eröffnungsthemas und dem, was Haydn daraus gemacht hat. :down
Sarastro (30.10.2009, 22:53): op. 77 und 103
Sehr empfehlenswert ist die Einspielung der letzten drei Streichquartette, also op. 77 und 103, durch das auf alten Instrumenten spielende Archibudelli-Quartett:
Beim Anhören und Mitlesen in der Partitur stelle ich (wieder einmal) fest, daß sich Haydns „schönstes Quartett“, wie es nach dem Reclam-Kammermusikführer manchmal bezeichnet wird, op. 77 Nr. 2, sehr wohl auch satztechnisch durchaus mit op. 76 messen kann – von größerer Einfachheit kann so besehen, wie oben bereits von Wooster bemerkt wurde, eigentlich keine Rede sein.
Sehr eindrucksvoll etwa das Zusammenspiel von erster Violine und Violoncello im Andante von op. 77 Nr. 2.
Originell ist, daß in dieser 1996 entstandenen Einspielung bei dem unvollendeten letzten Streichquartett op. 103 ein kurzer (ca. drei Minuten langer), auf dem Kanon "Der Greis" basierender Quartettsatz mitgespielt wird. Haydn hatte die Anfangsworte eines Gedichts von W.J. Gleim ("Hin ist alle meine Kraft, alt und schwach bin ich") vertont und als Visitenkarte drucken lassen; dies diente als Ersatz für ein Finale, zu dessen Komposition der jäh gealterte Meister nicht mehr in der Lage war – die Arbeit an den kurz davor entstandenen Jahreszeiten hatte seine Kräfte aufgezehrt.
Grüße, Sarastro
Peter Brixius (26.03.2011, 09:19): Ich habe vor, einen Gang durch Haydns Streichquartette zu machen, unter besonderer Berücksichtigung der Gesamteinspielungen durch das Kodály Quartet, das The Angeles String Quartet, das Aeolian String Quartet und das Buchberger Quartett
Dazu werde ich auch hin und wieder Einzelaufnahmen zu Rate ziehen. Als ich in den 60ern das erste Mal durch eine Rundfunkserie im damaligen SWF den ganzen Kosmos der Haydnschen Streichquartette kennen lernte und durch die sachkundigen Beiträge Walter Lessings in Werk und Umwelt des Werkes eingeführt worden bin, gab es noch keine Gesamtaufnahme. Die heutige Situation kann als luxeriös bezeichnet werden, nicht zuletzt, weil man von keiner der Einspielungen ernsthaft abraten kann. Das einzige: Bei den Boxen wird man nur ein kursorisches Booklet von wenigen Seiten finden; die Einzelaufnahmen etwa des Kodaly Quartets boten da schon mehr Einführung. Bei dem Buchberger Quartett habe ich auf ihrer Website ausführlichere Einführungen gefunden, auf die ich gerne zurückgreife. Ansonsten benutze ich die schöne Einführung von Georg Feder
Am Anfang stehen op. 1 und op. 2 von Haydn, zwei Zyklen mit je 6 Streichquartetten; eine zahlenmäßige Bündelung, wie sie damals üblich war. Warum man trotzdem nur von zehn Streichquartetten, den sogenannten Divertimentoquartetten (divertimento a quattro betitelte sie Haydn selbst), in meinem nächsten Beitrag
Liebe Grüße Peter
Cantus Arcticus (26.03.2011, 19:41): Original von Peter Brixius Ich habe vor, einen Gang durch Haydns Streichquartette zu machen, unter besonderer Berücksichtigung der Gesamteinspielungen durch das Kodály Quartet, das The Angeles String Quartet, das Aeolian String Quartet und das Buchberger Quartett.....
Lieber Peter Da hast Du ja eine höchst interessante "Reise" vor Dir :hello
Ich selbst habe keine GAs in meiner Sammlung, aber eine Zusammenstellung, die mir sehr viel Freude bereitet:
Peter Brixius (27.03.2011, 12:38): Original von Cantus Arcticus
Ich selbst habe keine GAs in meiner Sammlung, aber eine Zusammenstellung, die mir sehr viel Freude bereitet:
Lieber Stefan,
oft genug sind auch Einzelaufnahmen interessanter als Aufnahmen im Rahmen eines Zyklus. Immerhin ist es so, dass sich inzwischen die verschiedenen Zyklen ergänzen in ihren Stärken und Schwächen. Und wenn dann noch der Auryn-Zyklus dazu kommt ...
Ich finde Deine Auswahl sehr gut und freue mich, wenn Du bei passender Gelegenheit Deine Alternativen einbringst. Gerade für Einsteiger ist ein ganzer Zyklus wahrscheinlich ein wenig zu mächtig. Immerhin ist die - nicht schlechte - Buchberger-Einspielung sehr preiswert zu bekommen. Dass sie ihr Booklet auf ihrer Website stehen haben, hat auch seine Vorteile. Da kann man sich die Artikel in augenfreudiger Größe ausdrucken ...
Der - glücklich gewählte - Ausdruck "Quartettdivertimenti" wurde von Finscher eingeführt. Die gewählte Form kam von den Divertimenti, nicht von den Streichtrios. Über Vorbilder wurde gestritten. Wenn man sich auf Haydn verlässt, entstanden sie aus einem "ganz zufälligen Umstand". Karl Joseph Weber von Fürnberg suchte Stücke, die sein Pfarrer, sein Verwalter, Haydn und der Cellist Anton Albrechtsberger (übrigens ein Bruder des bekannten Komponisten) spielen konnten. In Haydns "Entwurf-Katalog" (EK) finden sich die Kompositionen verstreut unter den übrigen vier- und mehrstimmigen Divertimenti. Das gemeinsame Merkmal ist die Fünfsätzigkeit: im Mittelpunkt steht ein langsames Stück (eine Serenade), um sie herum stehen zwei Menuette, die Außensätze sind beide presto.
Das Durcheinander bei der Zugehörigkeit zu einem der beiden Zyklen kommt von den Verlegern, die Stücke waren sehr beliebt und fanden viele Abnehmer. Die Quartette erschienen erst bei M. de la Chevardière, dabei bestand die erste Auflage aus vier Quartetten (op. 1/1-4), später wurden sie auf die Zahl Sechs ergänzt, allerdings war op. 1,5 die (nicht von Haydn angefertigte) Streichquartettfassung einer Sinfonie, das Quartett trug auch diesen Titel. Opus 0 wurde erst einmal in Frankreich als Einzelwerk veröffentlicht. Als Hummel das Werk auflegte, ließ er die Sinfonie A weg; er wählte die Reihenfolge 0, 6, 1-4. In der Gesamtausgabe der Streichquartette durch Haydns Schüler Pleyel folgte dieser M. de la Chevardière und so steht es auch bei mir in den alten Eulenberg-Partitur.
Die vorliegenden Einspielungen ersetzen op. 1,5 durch op. 0; auf der Einspielung des op.1 durch das Petersen Quartett hat das Werk sogar die Bezeichnung op. 1,5 bekommen (und den Vermerk, dass sie auch als op. 0 geführt wird).
Liebe Grüße Peter
Cantus Arcticus (28.03.2011, 09:20): Original von Peter Brixius
Lieber Stefan,
oft genug sind auch Einzelaufnahmen interessanter als Aufnahmen im Rahmen eines Zyklus. Immerhin ist es so, dass sich inzwischen die verschiedenen Zyklen ergänzen in ihren Stärken und Schwächen. Und wenn dann noch der Auryn-Zyklus dazu kommt ...
Ich finde Deine Auswahl sehr gut und freue mich, wenn Du bei passender Gelegenheit Deine Alternativen einbringst. Gerade für Einsteiger ist ein ganzer Zyklus wahrscheinlich ein wenig zu mächtig. Immerhin ist die - nicht schlechte - Buchberger-Einspielung sehr preiswert zu bekommen. Dass sie ihr Booklet auf ihrer Website stehen haben, hat auch seine Vorteile. Da kann man sich die Artikel in augenfreudiger Größe ausdrucken ...
Der - glücklich gewählte - Ausdruck "Quartettdivertimenti" wurde von Finscher eingeführt. Die gewählte Form kam von den Divertimenti, nicht von den Streichtrios. Über Vorbilder wurde gestritten. Wenn man sich auf Haydn verlässt, entstanden sie aus einem "ganz zufälligen Umstand". Karl Joseph Weber von Fürnberg suchte Stücke, die sein Pfarrer, sein Verwalter, Haydn und der Cellist Anton Albrechtsberger (übrigens ein Bruder des bekannten Komponisten) spielen konnten. In Haydns "Entwurf-Katalog" (EK) finden sich die Kompositionen verstreut unter den übrigen vier- und mehrstimmigen Divertimenti. Das gemeinsame Merkmal ist die Fünfsätzigkeit: im Mittelpunkt steht ein langsames Stück (eine Serenade), um sie herum stehen zwei Menuette, die Außensätze sind beide presto.
Das Durcheinander bei der Zugehörigkeit zu einem der beiden Zyklen kommt von den Verlegern, die Stücke waren sehr beliebt und fanden viele Abnehmer. Die Quartette erschienen erst bei M. de la Chevardière, dabei bestand die erste Auflage aus vier Quartetten (op. 1/1-4), später wurden sie auf die Zahl Sechs ergänzt, allerdings war op. 1,5 die (nicht von Haydn angefertigte) Streichquartettfassung einer Sinfonie, das Quartett trug auch diesen Titel. Opus 0 wurde erst einmal in Frankreich als Einzelwerk veröffentlicht. Als Hummel das Werk auflegte, ließ er die Sinfonie A weg; er wählte die Reihenfolge 0, 6, 1-4. In der Gesamtausgabe der Streichquartette durch Haydns Schüler Pleyel folgte dieser M. de la Chevardière und so steht es auch bei mir in den alten Eulenberg-Partitur.
Die vorliegenden Einspielungen ersetzen op. 1,5 durch op. 0; auf der Einspielung des op.1 durch das Petersen Quartett hat das Werk sogar die Bezeichnung op. 1,5 bekommen (und den Vermerk, dass sie auch als op. 0 geführt wird).
Liebe Grüße Peter
Lieber Peter Herzlichen Dank für Deine Ausführungen :thanks
Hier hast Du bei mir eine wirkliche Wissenslücke geschlossen :)
Die Buchberger-Einspielung rückt somit in den Fokus meiner Kammermusikalischen Entwicklung. Bin gespannt....
Liebe Grüsse Stefan
ab (28.03.2011, 09:27): Original von Cantus Arcticus Original von Peter Brixius Ich habe vor, einen Gang durch Haydns Streichquartette zu machen, unter besonderer Berücksichtigung der Gesamteinspielungen durch das Kodály Quartet, das The Angeles String Quartet, das Aeolian String Quartet und das Buchberger Quartett.....
Lieber Peter Da hast Du ja eine höchst interessante "Reise" vor Dir :hello
Ich selbst habe keine GAs in meiner Sammlung, aber eine Zusammenstellung, die mir sehr viel Freude bereitet:
Das Amadeus Quartett vor allem bei Mozart in Ehren schätze ich persönlich viel mehr in ihren älteren drei CDs an Mono-Aufnahmen zwischen 1951 und 1957, die nicht nur billig bei Brilliant (7-CD-Box) wieder veröffentlicht worden sind, sondern auch noch die m.E. schönere ihrer beiden Aufnahmen der Brahms-Quartette mit droben hat.
Ihre Stereoaufnahmen von Haydn empfinde ich persönlich stets als zu sehr rastlos.
Peter Brixius (28.03.2011, 11:24): http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0749677305529.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/618A9QQ7DQL._SL500_AA300_.gif http://ecx.images-amazon.com/images/I/51i9B4CeeGL._SS400_.jpg
Ein "erstes" Streichquartett von Haydn wird man also nicht benennen können, für Haydn selbst fingen die Streichquartette ohnedies erst mit dem op. 9 an. Über das Quartett Nr. 0 wurde schon verhandelt (und wird bei op.1,5 wieder aufgegriffen), nun also zu dem B-dur Quartett op. 1 Nr. 1. Es hat den Beinamen "La Chasse" bzw. "Jagdquartett" bekommen. Es entstand mit seinen Geschwistern in den Jahren 1753 bis 1758. Georg August Griesinger hat es in den "Biographischen Notizen über Joseph Haydn" als erstes Haydnschen Streichquartett bezeichnet (lobenswerterweise mit Angabe der Anfangstakte, so dass kein Zweifel möglich ist).
Griesinger berichtet, er habe Haydn nach den Vorbilder seiner Quartette gefragt, denn Mysliveczek hatte verbreitet, er habe in Mailand Quartette aufführen gehört, bei denen ihm Giovanni Battista Sammartini als Komponist genannt worden sei. Darauf reagierte Haydn mit großer Heiterkeit. Er habe Sammartinische Kompositionen damals gekannt, aber nie geschätzt, "denn Sammartini ist ein Schmierer". Dieses (doch etwas ungerechte Urteil) ist leider bei Sammartini (übrigens der Lehrer Glucks in Sachen Kontrapunkt) hängen geblieben.
Nun Griesinger OT
folgender ganz zufälliger Umstand habe ihn veranlasst, sein Glück mit der Komposition von Quartetten zu versuchen: Ein Baron Fürnberg hatte eine Besitzung in Weinzierl, einige Posten von Wien, und er lud von Zeit zu Zeit seinen Pfarrer, seinen Verwalter, Haydn und Albrechtsberger zu sich, um kleine Musiken zu hören. Fürnberger forderte Haydn auf, etwas zu komponieren, das von diesen vier Kunstfreunden aufgeführt werden könnte. Haydn, damals 18 Jahre alt, nahm den Auftrag an, und so entstand sein erstes Quartett, welches gleich nach seiner Erscheinung ungemeinen Beifall erhielt, wodurch der Mut bekam, in diesem Fach weiter zu arbeiten.
Walter Lessing (Die Streichquartette von Joseph Haydn) gibt auch den Bericht eines preußischen Majors Weirachs wieder, der während des 7jährigen Krieges auf Schloss Weinzierl eines der ersten Quartette Haydns kennen lernte:
Der bis zur Ängstlichkeit bescheidene Mann war, obwohl alle Anwesenden von seiner Komposition entzückt waren, nicht davon zu überzeugen, dass seine Arbeit überhaupt wert sei, in der Musikwelt bekannt zu werdeen.
Immerhin erschienen die frühen Quartette, jeweils in ein Sechserpäckchen gebündelt, im Druck und machten europaweit Furore.
(wird fortgesetzt)
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (29.03.2011, 08:11): Für die ersten Streichquartette Haydns typisch ist die fünfsätzige Divertimento-Form: Die Ecksätze sind lebhaft, der erste etwas anspruchsvoller, der letzte witzig und spielfreudig, an zweiter und vierter Stelle stehen Menuette unterschiedlichen Charakters, lyrisch-ernster Höhepunkt der langsame Mittelsatz (Finscher).
Seinen Beinamen"La Chasse" verdankt op. 1,1 dem Jagdhornmotiv des Hauptsatzes, das den ganzen ersten Satz bestimmt. Die Sonatenform ist noch in statu nascendi, es fehlt der charakteristisch-gegensätzliche Nebensatz. Ein herunterschiessendes Motiv vermittelt die Geschwindigkeit eines dahinjagenden Pferdes. Eine Generalpause vor dem Doppelstrich - kein Ruhe-, ein Unruhepunkt. Ein kleiner Satz mit vielen Feinheiten - zupackend gespielt vom Petersen Quartett, etwas gemessener klangschoen vom Hagen Quartett (und vom Kodaly in einem unverstaendlichem Allegro verschleppt, wie mir ohnedies das Kodaly-Quartett hier ein wenig verschnarcht wirkt) . Das erste Menuett bietet ein reizvolles Trio, ein Dialog zwischen dem Paar der Violinen (pizzicato) und dem Paar aus Viola und Violoncello. Auffallend ist die Parallelführung von Viola und Violoncello, bzw. ihr Zusammengehen im Oktavabstand. Noch hat die Bratsche nicht ihren eigenen Platz im Gefüge der vier Instrumente gefunden, es mag auch die Generalbasspraxis nachwirken.
Hoehepunkt ist ein Es-dur Adagio im Geist einer Kirchenarie italienischen Stils, eingeleitet durch eine feierliche Kadenz im Kirchenstil, herrlich musiziert vom Hagen Quartett. Es entwickelt sich eine große, konzerthafte Geigenkantilene, voll von herrlichen Aufschwüngen, durchwirkt von einer Seufzerrhetorik, ein wunderbarer Satz (interessant die zügig gespielte Version des Pro Arte String Quartets, eher ein Andante. die Einspielung des Pro Arte Quartets ist die einzige, die auf die Wiederhlungen verzichtet, deshalb sind die Zeitangaben deutlich kürzer als bei der Konkurrenz.) . Nach dem zweiten Menuett mit kontrapunktischen Einsprengseln (einer freien Imitation) folgt ein froehlicher Ausklang, der bei dem Hagen Quartett ausgelassene Spielfreude entfesselt.
Insgesamt waren alle gehörten Einspielungen gut und besser .... den schwarzen Peter hat bei mir die Einspielung des Kodaly Quartets, die bestenfalls mittelmäßig war. Walter Lessing hatte damals seiner Funkreihe die Einspielung des Aeolian Quartets zu Grunde gelegt, vielleicht war diese Einspielung auch überhaupt der Anlass für die Reihe. The Angeles String Quartet und das Buchberger Quartett bieten beide klangschöne und angemessene Interpretationen.
Meine Empfehlung: bei op. 1,1 ist das Hagen Quartett (DG 432 622-2)
Liebe Grüße Peter
Cetay (inaktiv) (07.11.2014, 10:34): Eine interessante Einspielung von op. 76 hat das polnische Wilanów Quartet vor 2 Jahren vorgelegt. In der einzigen Kritik, die ich finden konnte (-> hier), kommt sie nicht sonderlich gut weg. Allerdings halte ich es für verfehlt, eine Aufnahme dafür zu kritisieren, dass ihr vieles fehlt, das es bei der Konkurrenz zu hören gibt. Wäre sie so wie die anderen, wäre sie ja überflüssig. Ich möchte daher positiv umformulieren. Die Aufnahme zeichnet sich durch gemäßigte Tempi und eine gewisse Nüchternheit aus, was der Musik eine profunde Tiefe und Ernsthaftigkeit verleiht, die der Größe dieser Werke sehr gut zu Gesicht steht. Der Verzicht auf allzu viel Verspieltheit und das eher kompakte, denn auf letzte Transparenz angelegte Ensemblespiel lenken die Aufmerksamkeit auf die bisweilen stampfende Motorik, was dem Ganzen einen fast futuristischen Anstrich verleiht. Besonders Auffällig ist das in der Durchführung des 1. Satzes von Nr. 1 (oder auch im Scherzo von Nr. 2); so habe ich das vorher noch nicht gehört. Mit gefällt diese GA von op. 76 als Alternative sehr gut und wenn ich meinen persönlichen Maßstab für die Qualität einer Interpretation anlege, nämlich den Wunsch, sie immer und immer wieder hören zu wollen, ist sie mir sogar die liebste.
Wahrlich rosige Zeiten sind das für Haydn-Maniacs. Neben den von Peter schon gezeigten 4 Gesamteinspielungen (Kodály, Buchberger, Angeles, Aeolian) gibt es noch die bislang nur auf Einzel-CDs verteilt erhältlichen von Tatrai, Auryn und Festetics, sowie die Pinoniertat, die sich Dekany und Fine Arts geteilt haben, letztere momentan nur in einer begrenzten Auswahl auf CD erhältich. Jetzt hat Arcana die Aufnahmen des Quatuor Festetics (mit István Kertész als Primarius) ebenfalls als Box aufgelegt. Auf 19 CDs gibt es alle Quartette ab op. 9 im Originalklang zu hören.
ab (09.11.2014, 11:35): Original von Cetay http://ecx.images-amazon.com/images/I/A1QPvzgIEpL._SL500_AA270_.jpg
Wahrlich rosige Zeiten sind das für Haydn-Maniacs. Neben den von Peter schon gezeigten 4 Gesamteinspielungen (Kodály, Buchberger, Angeles, Aeolian) gibt es noch die bislang nur auf Einzel-CDs verteilt erhältlichen von Tatrai, Auryn und Festetics, sowie die Pinoniertat, die sich Dekany und Fine Arts geteilt haben, letztere momentan nur in einer begrenzten Auswahl auf CD erhältich. Jetzt hat Arcana die Aufnahmen des Quatuor Festetics (mit István Kertész als Primarius) ebenfalls als Box aufgelegt. Auf 19 CDs gibt es alle Quartette ab op. 9 im Originalklang zu hören.
aber erst nach 18. Nov.2014 :hello
Amadé (09.11.2014, 18:15): Original von Cetay . . . sowie die Pinoniertat, die sich Dekany und Fine Arts geteilt haben, letztere momentan nur in einer begrenzten Auswahl auf CD erhältich.
Lieber Cetay, ich besitze seit Jahrzehnten eine Vox-LP-Box mit den Quartettzyklen op.50, op.64, op.74 und op.76, bereits in Stereo aufgenommen, sind diese in die oben erwähnte Gesamtaufnahme von Arcana eingeflossen?
Gruß Amadé
Cetay (inaktiv) (09.11.2014, 21:07): Original von Amadé Original von Cetay . . . sowie die Pinoniertat, die sich Dekany und Fine Arts geteilt haben, letztere momentan nur in einer begrenzten Auswahl auf CD erhältich.
Lieber Cetay, ich besitze seit Jahrzehnten eine Vox-LP-Box mit den Quartettzyklen op.50, op.64, op.74 und op.76, bereits in Stereo aufgenommen, sind diese in die oben erwähnte Gesamtaufnahme von Arcana eingeflossen?
Gruß Amadé
Nein, da habe ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt? Die Arcana-GA wird ausschließlich vom Quatuor Festetics bestritten.
Cetay (inaktiv) (17.04.2016, 06:57): Original von Amadé Original von Cetay . . . sowie die Pinoniertat, die sich Dekany und Fine Arts geteilt haben, letztere momentan nur in einer begrenzten Auswahl auf CD erhältich.
Lieber Cetay, ich besitze seit Jahrzehnten eine Vox-LP-Box mit den Quartettzyklen op.50, op.64, op.74 und op.76, bereits in Stereo aufgenommen, sind diese in die oben erwähnte Gesamtaufnahme von Arcana eingeflossen?
Mittlerweile gibt es den Zyklus wieder komplett, zumindest als MP3-"Album". Die Reihenfolge ist chronologisch, Quartett-Arrangements anderer Werke und Quartette von zweifelhafter Autorenschaft wurden angehängt. Die ursprünglichen 3LP-Veröffentlichungen verraten, wer was spielt: Vol I: Op. 1, Nos. 1-2; Op. 20, Nos. 1-6 -- Dekany Quartet. Vox SVBX 555 Vol II: Op. 33, Nos. 1-6; Op. 1, No. 3, 4, 6 -- Dekany Quartet. Vox SVBX 556 Vol III: Op. 54, Nos. 1-3; Op. 55, Nos. 1-3; Op. 42 -- Dekany Quartet. Vox SVBX 559 Vol IV: Op. 17, Nos. 1-6; Op. 77, Nos. 1-2 -- Dekany Quartet. Vox SVBX 561 Vol V: Op. 2, Nos. 1-4; Op. 71, Nos. 1-3 -- Dekany Quartet, Vox SVBX 562 Vol VI: Op. 9, Nos. 1-6; Op. 51 "7 letzte Worte" -- Dekany Quartet. Vox LP SVBX 563 Vol VII: Op. 50, Nos. 1-6; Op. 103 -- Fine Arts Quartet. Vox SVBX 595 Vol VIII: Op. 76, Nos. 1-6 -- Fine Arts Quartet. Vox SVBX 596 Vol IX: Op. 64, Nos. 1-6; Op. 2, Nos. 5, 6; Divertimento Op. "0" -- Fine Arts Quartet Vol X: Op. 74, Nos. 1-3; Op. 3, Nos. 1-6 -- Fine Arts Quartet. Vox SVBX 598
Falstaff (28.03.2018, 00:56): Ich muss gestehen, shame on me, dass Haydn bei mir immer viel zu kurz gekommen ist. Allerdings hätte ich schon gerne mal eine seiner vielen Opern auf der Bühne erleben mögen. Aber die Intendanten scheinen meine Vorbehalte/Vorurteile zu teilen. Shame on them. :D
Obwohl immer wieder mal Haydn gehört, platzte der Knoten erst vor kurzem. Die Klaviersonaten v.a., aber nun auch die Kammermusik. (Die stellte ein Freund vor kurzem noch einmal nachdrücklich vor.) Da mein CD-Regal aufgrund der Vorbehalte recht spärlich mit ihm ausgestattet ist, konnte ich zunächst nur diese CD hören:
Aus den 50iger Jahren stammt diese Aufnahme von op.74, Nr.1. OK, das ist nicht HIP oder ähnliches. Aber ich bin trotzdem schlichtweg begeistert. Zunächst ist da schlichtweg die Schönheit der Musik. Aber das allein würde mich noch nicht zu Haydn bekehren. Gibt's von anderen schließlich auch. ;)
Nein, es ist wohl eher die Rasanz mit der die Empfindungen wechseln und ihre Gleichzeitigkeit (hier für mich wunderbar vom Amadeus-Quartett wiedergegeben) und auch die leichte Ironie und Distanz, die über allem liegt. Als würde sich der Komponist beim Schreiben intensivster Gefühle gleichzeitig über die Schulter schauen und verständnisvoll zuzwinkern.
Keine Ahnung, aber ich könnte mir vorstellen, dass das Amadeus-Quartett für heutige Ohren sogar relativ betulich klingt und der Witz und die Ironie, aber auch die Schattenseiten heutzutage noch greller, intensiver, 'härter' dargestellt werden (können). Mal sehen. Noch'n Komponist, mit dem ich mich mehr befassen muss und werde.
:hello Falstaff
Cetay (inaktiv) (15.04.2018, 17:27): These quartets, Haydn's last great quartet collection, represent a peak of musical achievement that may have been equaled, but has never been surpassed. Haydn invented the string quartet way back in the 1750s, and by the time he came to write these works some 40 years later, his mastery was so natural and effortless that it's hardly noticeable. All you hear are the great tunes, dramatic surprises, fresh rhythms, and ever-new string textures. Man muss mit H nicht immer einer Meinung sein, aber sein Testimonial zu Opus 76 (Hob. III:75-80) kann und soll genau so stehen bleiben. Für mich ist die Sammlung der Erdödy-Quartette Perfektion in Vollendung. Wie hier mit ökonomischen Mitteln eine unendlich erscheinende Vielfalt in allen musikalischen Parametern geboten wird, ist einmalig.
Anhänger des teutonischen Titanen mögen hier widersprechen, aber ich frage mich schon immer, woher Beethovens Quartette den musikhistorischen Rang als Gipfel eigentlich haben. Man sagt, die Genialität von Beethoven hätte darin bestanden, dass er Begrenzungen der Form zugunsten einer vorher nie dagewesenen Ausdrucksvielfalt und Tiefe überwunden hätte. Das stimmt in doppelter Hinsicht nicht. Zum einen gab es eine verbindliche Form zu Beethovens Zeiten noch gar nicht -die Sonatenform wurde erstmalig im Todesjahr von Beethoven als theoretisches Modell dargelegt und zwar durch den analytischen Rückblick auf seine frühen Klaviersonaten, die wiederum an Haydn anknüpften-, zum anderen hat Haydn Beethovens Tiefgang nicht "vorweggenommen" -er war kein Hellseher- sondern Beethoven hat Haydn nachgeahmt und dass er für seine langsamen Sätze dreimal solange gebraucht hat wie sein Vorbild, spricht nicht für sondern gegen ihn. Mehr Tiefgründigkeit als Haydn in das Adagio von Opus 76 Nr. 4 gepackt geht einfach nicht. Punkt!
Opus 76 ist für mich so etwas wie ein Lebenselixier geworden. Keine Werkgruppe habe ich öfters gehört und auf keine könnte ich weniger verzichten. Dementsprechend haben sich viele unterschiedliche Interpretationen in meinem Hörfundus angesammelt und ich kann konstatieren: Diese Werke kann man nicht schlecht interpretieren. Opus 76 scheint eine Art Katalysator zu sein, der die individuellen Charakteristika der interpretierenden Ensembles deutlich zum Vorschein bringt, aber von diesen selbst völlig unberührt bleibt. Das macht einen Großteil der Faszination aus. Am wenigsten gefallen mir die alten Aufnahmen mit dem Fine Arts Quartet und dem Schneider Quartet. Diese gemächlichen und aufgedickten Lesearten sind heute einfach antiquiert. Auch das recht hölzern zu Werk gehende Kodály Quartet will mir nicht recht zusagen. Aber wie gesagt, selbst mit den Schlusslichtern macht man nicht wirklich etwas falsch. Wenn sich das Nase rümpfen gelegt hat und die Augenbrauen wieder in Normalposition sind, ist man drin im Haydn-Kosmos und vergisst die "Mängel". Den Einspielungen des Alban Berg Quartett, Angeles String Quartet, Budapest String Quartet und des Tackás Quartet mangelt es an nichts, aber das ist in diesem Konkurrenzumfeld zu wenig. Einen individuelleren Zugriff bieten das Aeolian Quartet (klangschöne Wärme), das Buchberger Quartett (HIP auf modernen Instrumenten) und das Quatour Festetics an. Die letztgenannten sollten mit ihrem konsequenten HIP-Zugriff eigentlich erste Wahl sein, lassen mich aber streckenweise seltsam kalt. In die Oberliga, wo jeder mit individuellen Stärken aufwartet, stoßen wir mit den Ensembles Quatuor Mosaïques (transparent und mit klarer Linienführung), Tátrai Quartet (homogen und idiomatisch), The Lindsays (akzentuiert und rhythmisch prägnant) und dem weiter oben besprochenen Wilanow Quartet vor. Wenn es nun eine Gruppe gäbe, die alle diese Stärken vereint, müsste die ideale Interpretation gefunden sein.
Es gibt sie und sie nennt sich Tokyo String Quartet. Man lasse sich nicht davon in die Irre führen, dass diese Combo umstrittene Beethoven- und Mozart-Interpretationen abgeliefert hat. Bei ihrem Haydn stimmt alles, unabhängig von Fragen wie historische oder konventionelle Aufführungspraxis und traditionelle oder moderne Interpretation. Dieser Geniestreich ist weder das eine noch das andere, sondern sitzt ganz genau in der Mitte und ist abgesehen von dem etwas schmalzigen Spiel des Primarius in den langsamen Sätzen ohne Fehl und Tadel. Vor allem die berüchtigten Menuette, die anderswo entweder indifferent -weil die Interpreten nichts damit anfangen können- oder gewollt -als ob sie es nötig hätten- interpretiert werden, kommen hier ganz selbstverständlich mit inwendiger Tiefe und Gewicht daher - allein dafür hat der Zyklus den Thron verdient. Eine solch unanfechtbare Allround-Aufnahme kann nur von einem absoluten Spezialisten-Team geschlagen werden.
Und das gibt es. Ich kann nur jedem Freund (und jeder Freundin) der Streichquartett-Gattung nahelegen, sich unbedingt wenigstens einmal die Einspielung mit dem Quatuor Elysée zu Gemüt zu führen. Das ist Quartett-Spiel von einem anderen Planten. Leider hat diese Truppe, die aus Mitgliedern der französischen und der russischen Schule rekrutiert wurde, nie den Durchbruch geschafft und ihre Haydn-Platte wurde von der Kritik schlichtweg übersehen. Es gibt nichts dazu finden, außer bei Richard Wigmore, der sie in seinem Haydn Pocket-Guide ohne weiteren Kommentar als Referenzaufnahme zu Opus 76 ausweist. Leicht zu verdauen ist das nicht. Hier wird wirklich jede Phrase zu einem Ereignis, es wird gedehnt, gestaucht, gezerrt und verziert, klanglich ist vom schönsten Goldton der Violine bis zu betont hässlicher Schwärze des Cellos alles vorhanden - auch mal gleichzeitig. Kontraste werden regelrecht brutal ausgespielt, Rubati und extreme Dynamiksprünge gibt es reichlich, Homogenität wird nicht angestrebt - hier sind vier Individuen am Werk, die kein vernünftiges Gespräch führen, sondern irgendwie versuchen, sich zusammenzuraufen. Stellenweise kämpfen sie sich regelrecht durch diese Werke - das ist Stuhlkante so weit nach vorne gebeugt, dass die Köpfe aneinanderstoßen. Aber: bei allem, was diese Truppe anstellt, habe ich immer das Gefühl, dass das im Dienst des Werks steht. Die Elysées stülpen dem Werk keine abstrusen Interpretations-Ideen über, sondern sie verstärken das Inwendige der Komposition maximal ohne deren Integrität anzutasten. Das ist atemberaubend.
Ich könnte locker auf alle anderen Einspielungen verzichten, aber wenn ich mich zwischen Tokyo und Elysée entscheiden müsste, dann wäre das wie Folter. Die beiden markieren anhand derselben größten Werke der Gattung unterschiedlichste Grenzfälle dessen, was Streichquartett alles sein kann und gehören deshalb beide auf den Olymp. Weil die Elysées für konservative Gemüter vielleicht etwas anstrengend sein könnten (aber dies reichlich belohnen) gewinnen die Tokyoter im Photofinish.
Edit: Beim erwähnten Adagio muss es allerdings das Quatuor Elysée sein. Wie die Klänge mit dem Abstieg immer fahler werden, ist beklemmend und von niemandem sonst so umgesetzt worden. Ich wiederhole: Diese mit vielen einzigartigen Detaillösungen beeindruckende GA ist ein Must Hear.
Amadé (22.05.2018, 18:30): Habe mir die Doppel-CD mit dem Quatuor Elysée vor einiger Zeit auf Cetays Rat angeschafft und Spaß an ihr gefunden, danke für den Tipp. Ein wenig entsetzt bin ich aber über die Unart des Cellisten, der nach vielen Satzschlüssen, mindestens aber bei jedem Werkende die Saiten seines Cellos nicht abdämpft. So klingt der letzte Ton sekundenlang, dabei leiser werdend, nach. Das hätte der Aufnahmeleiter sofort und die Quartettmitglieder beim Durchhören später merken müssen, um entsprechend zu reagieren. Hatte da keine kritische Ohren? Übrigens hört man das hier und da auch bei anderen Cellisten.
Gruß Amadé
Nicolas_Aine (22.05.2018, 22:36): das kann durchaus auch Absicht sein. Ich erinnere mich an einen Quartettunterricht, in dem wir eine ganze Weile darüber diskutiert haben. Es gibt Argumente für beide Seiten. Bspw. enden Stücke ja nicht immer mit dem letzten Ton, manchmal ist auch noch eine Pause notiert. Oder beim Abdämpfen können auch ungewollte Geräusche entstehen.
Amadé (23.05.2018, 10:46): das kann durchaus auch Absicht sein Gut, aber die Quartette, bei denen das so ist, sind doch weit in der Minderheit. Die Quartette op. 76, um die es hier geht, enden alle f oder ff, da finde ich es nicht angebracht. Auch schreibt Haydn keine zusätzliche Pause hinter den letzten Takt. Bei Schubert könnte es anders aussehen, die drei letzten Quartette enden alle ff bzw fff. Beim Streichquintett in C-Dur D.956, das eigentlich fff endet, schreibt der Komponist über das unisono-c ein Diminuendo plus einer Fermate. Da würde mich das kaum stören.
Cetay (inaktiv) (27.12.2019, 08:30): Seltsamer Titel (auch wenn es Haydns Grabinschrift ist), seltsames Cover. Das wirkt auf mich, als ob man Haydn -nachdem er das Zopfperückenimage endlich losgeworden ist- jetzt als Godfather des Gothic präsentieren wollte. Das ginge dann doch etwas zu weit und wäre unpassend zum Inhalt, der alles andere als morbid-düster daher kommt. Was diese Neuerscheinung mit dem Quatuor Hanson so empfehlenswert macht, ist die kluge Auswahl der 6 Quartette -je eins aus den Opera 20, 33, 50, 54, 76 und 77, die kontrastreich des Maestros grosse stilistische Bandbreite abdecken. Man kann mit gutem Gewissen sagen: Wer hier nichts findet, braucht sich nicht weiter mit den Haydn'schen Quartetten zu beschäftigen. Interpreatorisch ist das, wie es die modernen Ensembles halt spielen. Präzise und sehr durchsichtig, akzentstark, mit eigenwilliger Phrasierung, extremer Dynamik und mit Freiheiten bei der Tempogestaltung. Wie immer bei Hadyn, hört man den spezifischen Eigenheiten des Ensembles gerne zu, während das Werk davon unberührt bleibt.
BM-LvB (12.07.2024, 22:10): Die Teufelskreise scheinen mir in der Anonymität des Netzes besonders gefördert zu werden.
In der Chronik des Forums? Heißt das, ich muss alle Beiträge lesen, um dahinter zu kommen, was Du meinst?
Aber wie auch immer, es ist sicher ergiebiger, sich zum Beispiel über Gustav Mahler und seine Musik auszutauschen.
Wie sagte er so schön: "Keine Musik ist etwas wert, von der man dem Hörer zuerst berichten muss, was darin erlebt ist, was er zu erleben hat. Man muss Ohren und ein Herz mitbringen und - nicht zuletzt - sich willig dem Rhapsoden hingeben. Ein Rest Mysterium bleibt immer - selbst für den Schöpfer."
Oder: "Wenn ich Musik höre - auch während des Dirigierens -, höre ich oft ganz bestimmte Antworten auf all meine Fragen und bin vollständig klar und sicher. Oder eigentlich, ich empfinde ganz deutlich, dass es gar keine Fragen sind."
Zu Deiner angenehmen Begrüßung "Es wäre schön, wenn Du Dich öfter mal meldest!": Danke und ja, gerne, wenn es nicht so einsam :sleeping: hier bleibt wie seit der Zeit meiner Anmeldung am Nachmittag. Schönen Abend noch!
Markus S (01.12.2024, 18:32): Hallo zusammen,
nachdem ich kürzlich meine Sammlung mit der Gesamteinspielung der Haydn-Sinfonien abschließen konnte, möchte ich mich nun einer aktuellen Gesamteinspielung der Streichquartette von Haydn zuwenden.
Hierzu habe ich die 2009 begonnene Gesamteinspielung des Leipziger Streichquartetts ins Auge gefasst, die im Oktober 2024 bei Vol. 18 angekommen ist.
Bevor ich aber ggf. mit dem Kauf dieser Edition beginne, hätte ich gerne eure Einschätzung zum Leipziger Streichquartett, bzw. idealerweise zu deren Einspielungen der Haydn-Streichquartette.
Andréjo (01.12.2024, 19:03): Hallo, Markus!
Sinnvoller wäre es vermutlich, diesen Faden weiterzuführen:
Haydns Streichquartette
Ansonsten kann ich das Leipziger Streichquartett guten Gewissens aufgrund meiner Kenntnis von deren komplettem Schubert und mancherlei anderem (auch der fast komplette Ives auf einer CD ist dabei) sehr wohl empfehlen. Leider hatte die Formation so ihre Probleme mit einzelnen Mitgliedern ...
Aber danke für Deinen Beitrag, denn ich wusste nicht, dass die Leipziger auch mit Haydn zugange sind. Selber würde ich als Alternative zu meinen kompletten Buchbergern - allenthalben gut, aber nicht völlig unumstritten, siehe indes den alten Faden mehrfach - freilich eine komplette HIP-Aufnahme wünschen. Wenn überhaupt. Ein paar CDs - etwa das Opus 33 - besitze ich auf alten Instrumenten.
Es grüßt ebenfalls Wolfgang
Einfach Deinen Beitrag dorthin kopieren. Ich würde das dann auch tun und dann könnten die Verantwortlichen vor Ort diesen Faden löschen.
Markus S (01.12.2024, 19:13): Sinnvoller wäre es vermutlich, diesen Faden weiterzuführen: Den bereits bestehenden Faden habe ich übersehen, gerne kann mein Thema dorthin verschoben werden...
Danke Wolfgang für deine Einschätzung.
Andréjo (01.12.2024, 19:26): Die Verschiebung Deiner Beiträge, Markus, kannst Du sogar selber machen, denke ich. Aber den ganzen Faden löschen, das können wir wohl nicht.
Ansonsten hier noch eine Frage: Da ich soeben einen Blick auf Haydn mit den Leipzigern geworfen habe: Da scheint nicht mehr viel zu fehlen. Frage: Fehlt noch viel? ;) Das Problem ist halt immer, dass man auch abwarten könnte, bis alles komplett und preisgünstiger als Box angeboten wird. Freilich kann das dauern und freilich sammle ich seit Jahren bereits die Haydn-Sinfonien-Integrale mit Antonini quasi zum Vollpreis. Die ersten 10 CDs gibt es mittlerweile bereits günstiger.
Leider - ja: leider - will ich aber noch zu Lebzeiten etwas haben von dat Janze und ich bin 68. So isset halt. (Wie Du vielleicht merkst, sind diese jammervollen Versatzstücke eines Pseudo-Dialekts kein Hinweis auf meinen eigenen, der damit überhaupt nichts zu tun hat. Ich bin Mittelfranke und spreche aber in etwa die Mundart aus dem oberfränkischen Bamberg ...)
Markus S (01.12.2024, 19:37): Frage: Fehlt noch viel? Es fehlt noch alles.
Ein Verschieben meiner Beiträge/Themen ist mir nicht möglich, was mich auch als Betreiber eines Forums mit gleicher (aktuellerer) Software gewundert hätte. So etwas ist in der regel den Moderatoren/Administratoren vorbehalten.
Andréjo (01.12.2024, 22:01): Du könntest Deinen Beitrag auf jeden Fall kopieren, was ich auch schon gemacht habe.
:) Ansonsten verstehe ich die Antwort auf meine Frage nicht - vermutlich ein Missverständnis. Mich hat interessiert, wie vollständig die Integrale der Leipziger bereits ist.
Besten Gruß,
Wolfgang
Maurice inaktiv (02.12.2024, 11:01): Selber würde ich als Alternative zu meinen kompletten Buchbergern - allenthalben gut, aber nicht völlig unumstritten, siehe indes den alten Faden mehrfach - freilich eine komplette HIP-Aufnahme wünschen. Mein lieber Wolfgang, es gibt bereits eine Box mit 19 CDs auf HIP-Instrumenten mit den Haydn Streichquartetten. ;)
Ich habe noch nie etwas von dem Festetics Streichquartett gehört, aber die Bewertungen sind auf Amazon zu 90 % mit 5 Sternen versehen worden. Das Netz gibt auch nur her, dass es ungarische Musiker sind. Ob der Primgeiger Istvan Kertesz etwas mit den uns bekannten Dirigenten gleichen Namens zu tun hat weiß ich auch nicht. Die Festetics-Familie ist bis ins 15. Jahrhundert nachzuverfolgen.
Markus S (02.12.2024, 17:19): Ansonsten verstehe ich die Antwort auf meine Frage nicht - vermutlich ein Missverständnis. Mich hat interessiert, wie vollständig die Integrale der Leipziger bereits ist. Das war in der Tat ein Missverständnis, denn ich habe deine Frage darauf bezogen, welche Streichquartette mir noch fehlen.
Andréjo (02.12.2024, 18:07): Selber würde ich als Alternative zu meinen kompletten Buchbergern - allenthalben gut, aber nicht völlig unumstritten, siehe indes den alten Faden mehrfach - freilich eine komplette HIP-Aufnahme wünschen. Mein lieber Wolfgang, es gibt bereits eine Box mit 19 CDs auf HIP-Instrumenten mit den Haydn Streichquartetten. ;) https://www.amazon.de/Haydn-Streichquartette-gespielt-historischen-Instrumenten/dp/B09WQBJK3T/ref=sr_1_9?crid=3R5L9YZYL78EA&dib=eyJ2IjoiMSJ9.OfZ8N65eDTKMESFJyy-ZxSiGe50WT4ZslGCH4YT4M8bPPHdgJXmrGL4tV7b94lD2BEJmEQbNnOicH-5gY_CJOaREpJH7dG-uCNm3xVWUv-t3Rz00lpWU1zoEuDNWQVG8hDYPn10ggPHOIX53gvh5wiH2vGxQG3vQ5qsbVf_iyKDOpwuVhKxPjXpQ_Lic6cVFIESjeJfEpD4etjhb7_YjhJPlWTn2iN8egjyCph9-KSY.djtWXfXDYbbSVFPdv2cNyL59eTrlKQ-RnH-gmNNdVMc&dib_tag=se&keywords=haydn+streichquartette+cd&nsdOptOutParam=true&qid=1733132928&sprefix=haydn+streichquartette%2Caps%2C93&sr=8-9
Ich habe noch nie etwas von dem Festetics Streichquartett gehört, aber die Bewertungen sind auf Amazon zu 90 % mit 5 Sternen versehen worden. Das Netz gibt auch nur her, dass es ungarische Musiker sind. Ob der Primgeiger Istvan Kertesz etwas mit den uns bekannten Dirigenten gleichen Namens zu tun hat weiß ich auch nicht. Die Festetics-Familie ist bis ins 15. Jahrhundert nachzuverfolgen. Lieber Kolleech, die ist mir sogar schon mal über den Weg gelaufen und war mir dann zu teuer. Krampf natürlich, weil man 19 CDs im Normalfall nicht für 20 und auch nicht für 40 neue Märker bekommt - man darf da nicht hochrechnen mit Buchberger als Basis. ;)
19 einzelne CDs können es eigentlich auch nicht sein, das würde nicht reichen. ... Doch, wohl schon, denn das ganz frühe Divertimento-Repertoire (op. 1, op. 2) wurde weggelassen.
Mal schauen. Kommt Zeit, kommt Rat. Kommen Zeiten, kommen Ratten.
Dass die Einspielungen gut sind, würde mich nun nicht überraschen. Ein paar einzelne Nummern von Haydn in HIP finde ich sogar, Festetics ist, glaube ich, nicht dabei.
:beer Wolfgang
Nicolas_Aine (02.12.2024, 23:14): Guten Abend,
herzlich willkommen, @Markus S :) Ich hab den neuen Faden hierhin integriert und gelöscht. Alle Beiträge sind nun hier aufzufinden.
Viele Grüße
Maurice inaktiv (03.12.2024, 10:49): Lieber Kolleech, die ist mir sogar schon mal über den Weg gelaufen und war mir dann zu teuer. Krampf natürlich, weil man 19 CDs im Normalfall nicht für 20 und auch nicht für 40 neue Märker bekommt - man darf da nicht hochrechnen mit Buchberger als Basis. Nun, der Schwabe ist bekanntlich sehr sparsam, aber Du bist doch keiner. :D Leider gibts nur diese eine Ausgabe, und da wird gleich zugeschlagen, was den Preis angeht.
Andréjo (03.12.2024, 13:23): Nun, der Schwabe ist bekanntlich sehr sparsam, aber Du bist doch keiner. :D Nein, wobei Hohenlohe auch nur fünzig Kilometer entfernt anfängt. :)
Markus S (03.12.2024, 17:11): Ich hab den neuen Faden hierhin integriert und gelöscht. Alle Beiträge sind nun hier aufzufinden. Danke.
Maurice inaktiv (04.12.2024, 04:45): Nein, wobei Hohenlohe auch nur fünzig Kilometer entfernt anfängt. Verkappter Schwabe, noch schlimmer. :rofl :beer
Andréjo (04.12.2024, 12:16): Nein, wobei Hohenlohe auch nur fünzig Kilometer entfernt anfängt. Verkappter Schwabe, noch schlimmer. :rofl :beer Bamberg ist trotzdem deutlich näher. Doch mehr schreibe ich jetzt nicht mehr zum Nicht-Haydn. :P :D