Fairy Queen (28.01.2010, 11:31):
"Brutaler Widerspruch zwischen einer überreichen Musik und einem vernichtenden Leben, zwischen einem schmalen Werk und einem unendlich langen Leben" heisst es in einem frz. Liedführer. Dort wird das tragische Schicksal Duparcs als noch ungerechter als das von Hugo Wolf oder Robert Schumann bezeichnet.
Ob man ein Schicksal gegen ein anderes aufwiegen kann, bezweifle ich, aber dass Duparc der Inbegriff des tragischen Genies ist, kann man zweifellos behaupten.
1848 in Paris geboren und Schüler von César Franck, wurde er bereits als 20jähriger mit seinen ersten Liedern berühmt und gehörte zu den Gründern der Société nationale de musique, unter deren Fittichen er viele seiner Lieder in der Klavier- wie Orchesterfassung schuf und aufführte
Als leidenschaftlicher Wagnerianer besuchte er Aufführungen von Wagners Werken in München und Bayreuth und integrierte Elemente Wagnerscher Kompostitionskunst in seine Werke.
Seine grosse Begabung stand leider unter dem Stern eines geheimnisvollen lähmenden und vernichtenden Nerven-Leidens . Um welche Krankheit es sich dabei konkret handelte, liess sich damals nciht diagnostizieren; auch eine schwere Depression spielte eine nciht geringe Rolle dabei.
Duparc starb blind und fast ganz gelähmt und die Krankheit zieht sich wie ein Leitmotiv durch sein Leben und Schaffen. Sie hinderte ihn jedoch nicht daran, fast 90 Jahre alt zu werden.
Ich zitiere exemplarisch aus einem seiner Briefe:
Es ist eine schreckliche Qual für einen Menschen , nicht ein schönes Kunst-Werk schaffen zu können, das man glaubte schaffen zu können und das man fähig ist zu erträumen und in dem man sich selbst ganz und gar hingeben will"
Duparc pilgerte sogar nach Lourdes um dort Heilung zu erbeten. An seinen Freund Ernest Chausson schrieb er:
"Ich bin entmutigter und erniedrigter nach Paris zurückgekehrt als ich je vorher war und will mich nur noch vor den
Augen aller Menschen verstecken"
In physischer Hinsicht manifestierte sich seine Krankheit (wahrscheinlcih würde man heute von Somatisation sprechen) in diffusen Symptomen wie Verlust des Gehör- und Sehsinnes, Gliederlähmungen, undefinierbare Schmerzen, Schlaflosigkeit und Sonnambulismus.
Jahrzehntelange schöpferische Agonie war die tragische Folge.
Hinzu kam ein hyperkritischer Perfektionismus und pathologischer Minderwertigkeitskomplex ,der dazu führte, dass Duparc den grössten Teil seiner Werke definitiv vernichtete und der Nachwelt nur ein schmales Ouevre von 17 Liedern (davon 13 editierte), eine Cellosonate, einige Klavierstücke und symphonische Dichtungen, überwiegend als Fragmente geblieben ist.
Ein Beispiel für eine serh gelungene symphonische Kompostiton und für das, was uns vermutlich durch die Autodafé verloren ging,, ist "Lenore" nach dem grossen Sturm-und Drang-Gedicht von G.A. Bürger.
Ich habe dieses Stück heute morgen im Radio unter der Leitung von Jerome Kattenbach aus Nancy gehört- im belgischen Radiosender musique 3.
Der Wagnerismus Duparc wird ganz deutlch, allerdings nimmt er nur die besten Elemente und ist und bleibt immer in erster Linie Melodiker, der sich gekonnt der Klangfarben des Orchesters bedient. Das Grusel-Szenario ist durch die tiefen Bläser allerbestens bedient, während die Streciher Lenores romantische Sehnsuchts-Träume spiegeln.
Wenn man bedenkt, dass diese wenigen Werke ausgereicht haben, um ihm einen Platz im Lied-Komponisten Olymp zu sichern, kann man die Grösse seiner Begabung und die Tragödie dieses Autofafé ermessen.
Duparc war sehr gut mit Ernest Ansermet befreundet, und Ansermet hat seine Werke dirigiert.
Die dreizehn editierten Lieder sind:
L'Invitation au voyage(Baudelaire)
Sérénade florentine (Lahor)
La vague et la cloche ((Coppée)
Extase (Lahor)
Phidylé (Leconte de Lisle)
Le manoir de Rosemonde (de Bonnières)
Lamento (T. Gautier)
Testament (Silvestre)
Chanson triste (Lahor)
Elégie (T. Moore)
Soupir (Sully Proudhomme)
La vie antérieure (Baudelaire)
Au pays ou se fait la guerre (Gautier)
Wer zu dem ein oder anderen Lied eine Information möchte möge sich melden. L'Invitation au voyage nach Baudelaire ist ein reines Wunderwerk. Meien weiteren Lieblingsleider sind Chanson Triste und Soupir.
Cd Cover stelle ich noch ein.
Kennt hier zufällig jemand Duparc?
Soweit ich weiss, ist er in Deutschland sehr unbekannt.
Euphonia