Heute geHÖRBUCHt

Falstaff (14.02.2017, 22:34):
Einen Thread zu den Bücher, die aktuell gelesen werden, gibt es ja bereits. Aber als Hörbuch Begeisterter fehlt mir etwas Entsprechendes. Vielleicht teilen ja noch andere meine Freude an diesem Medium.

In den letzten Zügen liegt bei mir im Player gerade:



Grillparzers zweiteiliges Drama um Medea und Jason. Hier in einer Radiofassung aus dem Jahr 1956 mit Maria Becker, Will Quadflieg, Hermann Schomberg, Klaus-Jürgen Wussow u.a.
Das ist ganz im Stil der Zeit in den großen Ausbrüchen schon sehr pathetisch. Aber eben nicht nur. Alle, aber vor allem Becker und Quadflieg, die ja einiges für das Radio zusammen aufgenommen haben, offenbaren noch einmal große Sprechkultur. Für einen Stimmfetischisten wie mich ein Genuss.
Hosenrolle1 (16.02.2017, 19:21):
Ein gutes Thema!

Ich habe zwar nicht heute gehörbucht, aber habe mir vor wenigen Jahren diese drei Hörspiele komplett und konzentriert angehört, und zwar in der jeweiligen hier gezeigten CD-Version (also nichts da mit YouTube).

Zuerst das Hörbuch zu "Interview mit einem Vampir" von Anne Rice. Leider habe ich erst hinterher erfahren, dass es sich um eine gekürzte Lesung handelt. Die Geschichte fand ich nicht so gut, jedoch der Erzähler David Nathan, bekannt als dt. Stimme von Johnny Depp, ist absolut hörenswert!





Nach "Interview mit einem Vampir" wollte ich mir auch, der Vollständigkeit halber (und weil ich Vampirgeschichten mag, solange selbige nicht glitzern) "Der Fürst der Finsternis", ebenfalls von Anne Rice, anhören, in der es um den Vampir Lestat und seine Lebensgeschichte geht. Die Geschichte ist leider extrem verworren und unnötig in die Länge gezogen, aber auch hier spricht David Nathan großartig. Ebenfalls gekürzte Lesung.


Damals habe ich mir auch dieses Hörspiel von Bram Stokers Dracula besorgt. Es heißt zwar Hörspiel, d.h. es gibt Umgebungsgeräusche etc., jedoch ist es für mich trotzdem mehr ein Hörbuch, weil das, was gesagt wird, sich an die deutsche Erstübersetzung des Romans hält, also keine neu geschriebenen Dialoge. (Allerdings würde ich mir so etwas heute nicht mehr ausborgen; einerseits ist auch diese Version stark gekürzt, andererseits ist gerade Dracula in einem sehr einfachen Englisch geschrieben, man sollte ihn unbedingt im Original lesen oder hören)




Erst letztes Jahr habe ich mir (diesmal auf YouTube) dieses englischsprachige Hörbuch von Charles Dickens Weihnachtsgeschichte angehört, ungekürzt gelesen von Tim Curry, dessen Stimme und britischer Akzent hier sehr gut passt. Ich habe das Buch davor schon einmal auf Deutsch gelesen, kannte die Geschichte also im wesentlichen.




LG,
Hosenrolle1
Cavaradossi (16.02.2017, 20:00):
Da wir gerade nochmal bei Weihnachten sind, empfehle ich folgende CD:




Carl Zuckmayer liest seine Weihnachtsgeschichte. Sie spielt am Heiligen Abend 1931 in Berlin, während der großen Weltwirtschaftskrise, und ist für mich die berührendste Weihnachtsgeschichte, die ich in meinem Leben kennengelernt habe. Sie hat sogar noch einen ganz speziellen Vorzug: Man kann sie durchaus auch außerhalb der Weihnachtszeit genießen.
Der Dichter trägt sein Werk ganz unprätentiös vor, ohne jedes falsche Pathos, aber sehr bewegend. Die Aufnahme entstand 1957. Leider ist die Erzählung leicht gekürzt, was wohl mit der begrenzten Speicherkapazität der damaligen LPs zu tun hat.

:hello Cavaradossi
Falstaff (16.02.2017, 22:54):
Und ich habe noch einen Medea-Stoff nachgeschoben.



Jean Anouilhs Bearbeitung als Hörspiel aus dem Jahr 1949. Großartig dabei Inge Conradi.

Danach hatte ich dann erst einmal genug davon und schob, auf der Suche nach ein paar normalen Morden, erstmal dies in den Player:



Köstliche Unterhaltung. Witzig und intelligent. U.a. mit Peter Pasetti und Hans Korte.
Falstaff (22.04.2017, 22:58):
Im Moment einmal wieder ein Griff in die 'Kultkiste':



René Deltgen und Annemarie Cordes als das Ehepaar Temple. Alles sehr fünfziger Jahre, aber einfach großartig.

:hello Falstaff
Falstaff (08.05.2017, 00:23):
Von Durbridge nun mal zu den schlichtweg besseren Krimis. Dorothy L. Sayer ist einfach intelligent, witzig oder 'sophisticated', wie die Engländer sagen würden. Und Ian Carmichael ist wirklich der ideale Lord Peter.



:hello Falstaff
Falstaff (13.06.2017, 22:47):
Mal wieder in englisches Landleben hineingehört:



E.F.Benson, neben P.G.Wodehouse einer der großen englischen Humoristen, hat eine ganze Reihe von Queen Lucia- und Miss Mapp-Büchern herausgegeben, in denen er 'Living in the Country' wunderbar und überaus witzig karikiert. Immer wieder ein Genuss. Englischer Humor 'at its best'.

:hello Falstaff
Falstaff (06.10.2017, 23:48):
Noch nicht der eigentlichen Jahreszeit entsprechend:



Christie ist sicherlich die größte aller Krimi-Autoren. Aber es bringt immer wieder Spaß, sie zu hören. Vor allem, wenn die BBC sie bringt. Die können das irgendwie.

:hello Falstaff
Falstaff (10.10.2017, 22:56):
Eine Sammlung von Hörspielen nach Patricia Highsmith.

Obwohl durchweg tolle Besetzungen fand ich sie fast alle nicht so sehr überzeugend. Aber vielleicht bietet sich der doch sehr ruhige, nur langsam auf die jeweiligen Höhepunkte Stil der Highsmith nicht so sehr für eine Dramatisierung als Hörspiel an.

:hello Falstaff
Falstaff (15.10.2017, 21:17):
Hörbücher mit Texten von Jean Cocteau gibt es ja nun kaum welche. Deshalb heute wieder einmal die Knef:



:hello Falstaff
Falstaff (08.11.2017, 00:03):
Nun ist mal wieder Shakespeare dran:



Antony Quayle, Gwen Ffrangcon-Davies und Stanley Holloway.

:hello Falstaff
tapeesa (04.07.2021, 18:23):
Rudyard Kipling - Die Dschungelbücher
gelesen von Martin Baltscheit
tapeesa (12.09.2021, 12:37):
Seit langem wieder: Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry
(Radiohoerspiel, Anfang bis Trostszene Rose /Schaf)
tapeesa (19.02.2022, 17:42):
Ruhig Blut! 18 Finstere Geschichten /
von Ambrose Bierce, Conan Doyle, Mark Twain, R. L. Stevenson, Edgar A. Poe, Bram Stoker, Wilkie Collins, u. a.

Heute morgen begonnen.
Die Kombination von leichtem Gruseln und gleichzeitig wie in den Schlaf oder einen hypnotischen Zustand gewiegt zu werden hin zu humorvoll / makaber, gefällt mir hier gut. Die Erzählerstimme auch sehr.
Cosima (19.02.2022, 18:10):
So ganz generell: Hörbücher sind IMO der letzte Mist. :)

Haben wir inzwischen verlernt zu lesen? Wann und warum genau ist es eigentlich passiert, dass die Leute (es soll Ausnahmen geben, die noch richtige Bücher lesen) daran geglaubt haben, dass Hörbücher irgendeinen Vorteil bringen? Selbstverständlich nimmt der jeweilige Sprecher einen großen Teil der Interpretation vorweg bzw. lenkt ihn in seine Richtung (oder wessen Richtung auch immer, aber mit der eigenen Fantasie hat das dann nur noch wenig zu tun), so dass man noch weniger über das Gelesene nachdenken muss. Möglichst mühelos soll es ja sein. Und das ist wohl die Quintessenz: Hauptsache der ganze Kram ist möglichst einfach zu konsumieren. Sollen sich doch andere um eine passende Deutung kümmern...
michael74 (19.02.2022, 19:17):
So ganz generell: Hörbücher sind IMO der letzte Mist. :)

Haben wir inzwischen verlernt zu lesen? Wann und warum genau ist es eigentlich passiert, dass die Leute (es soll Ausnahmen geben, die noch richtige Bücher lesen) daran geglaubt haben, dass Hörbücher irgendeinen Vorteil bringen? Selbstverständlich nimmt der jeweilige Sprecher einen großen Teil der Interpretation vorweg bzw. lenkt ihn in seine Richtung (oder wessen Richtung auch immer, aber mit der eigenen Fantasie hat das dann nur noch wenig zu tun), so dass man noch weniger über das Gelesene nachdenken muss. Möglichst mühelos soll es ja sein. Und das ist wohl die Quintessenz: Hauptsache der ganze Kram ist möglichst einfach zu konsumieren. Sollen sich doch andere um eine passende Deutung kümmern...
Hallo Cosima,

da ich in der beruflichen Bildung tätig bin, kann ich deine Hauptfrage ob wir inzwischen verlernt haben zu lesen mit Ja beantworten. Der Begriff Buch ( ohne EBook), Zeitung oder ähnliche Dinge sind vielen Nachkömmlingen fremd.

ich selber lese sowohl Print, wie auch EBooks und ja ich habe Hörbücher bzw. etliche Podcasts abonniert. Ich kann lesen und weiß aber auch das sowohl Hörbüchern wie auch Podcasts schlicht zeitsparend sind. Ich höre sie beim Fitness und beim joggen und beim Autofahren.
Also sehe ich das Hauptproblem im Faktor Zeit. Ich verzichte auf Beispiele wo man überall stressige Menschen beobachten kann.

Da ich BWL studierte kann ich natürlich die Anbieter dieser Hörbücher verstehen, man geht zum Kunden egal was man selber davon hält.

ich wünsche den Foris weiterhin bildende Literatur in Print

Gruß Michael
Cosima (19.02.2022, 19:39):
...da ich in der beruflichen Bildung tätig bin, kann ich deine Hauptfrage ob wir inzwischen verlernt haben zu lesen mit Ja beantworten. ...
Danke :)

Nie zuvor hatten die Menschen in dieser ach so zivilisierten und technologisch durchorganisierten Welt so viel Zeit wie jetzt für eigene Interessen und Bildung (inwiefern sie das Lesen noch als Interessengebiet oder Bildung ansehen, wäre eine andere Frage). Und nie zuvor haben sie so über Zeitmangel geklagt. Meiner Meinung nach ist das eine Frage der Priorisierung und der Besinnung auf das Wesentliche. Die Lösung ist so einfach und elegant, dass man nicht einmal eine App zur Realisierung bräuchte. Aber dazu müsste man das eigene Hirn einschalten… was uns zur Ausgangsfrage bringt.
Sfantu (19.02.2022, 23:01):
Wir können uns vermutlich schnell und leicht darauf einigen, daß das Selbst-Lesen den höheren Grad an neuronaler Vernetzung, Durchdringung der Materie, Erkenntnisgewinn und Imagination (und in Letzterem vielleicht sogar annähernd eine Art gedankliche Nachschöpfung) im Unterschied zum Hören initiieren kann.
Bedeutet aber aus diesem Grund das Nur-Hören bereits einen Rückschritt für den/eine Verarmung des Intellekts?
Ich habe beruflich Tag für Tag mit geriatrischen und neurologischen Patienten zu tun. Für diejenigen, die aus den verschiedensten Gründen nicht mehr selbst lesen können - und sei es "nur" eine Visusminderung - sind Hörbücher oft ein wahrer Segen. Als Jugendlicher traf ich mich mit Freunden, um uns gegenseitig vorzulesen. Allein schon aus Gründen der Stimmhygiene löste man sich da nach gewisser Zeit gegenseitig ab. Es kam zwischendurch immer wieder zu Einwürfen und Diskussionen über die jeweilige Geschichte. Ganz ähnlich war es später mit meiner ersten und langjährigen Freundin. Als wir das erste Mal zusammen wohnten, lebte im selben Haus eine betagte Dame. Sie war hoch gebildet und vielseitig interessiert, eine echte femme de lettres. Leider war sie multimorbid und hatte kaum noch Augenlicht. Montags abends waren wir bei ihr zu Gast um ihr stundenlang vorzulesen. Sie war unendlich dankbar - für uns gehörten diese Abende zum intelektuell wie zwischenmenschlich Wertvollsten und Bereicherndsten, das wir je erlebt haben.

@michael74
auf Autofahrten, jedenfalls auf längeren, finde ich Hörbücher ebenfalls eine feine Sache. Besonders, wenn es Texte sind, die von den Autoren selbst gelesen werden. Im Sachbuchbereich, bei Philosophen vor allem, kann es einen enormen Unterschied machen, ob es der Verfasser selbst liest oder jemand Anderer.
So ganz generell: Hörbücher sind IMO der letzte Mist.
Die Lösung ist so einfach und elegant, dass man nicht einmal eine App zur Realisierung bräuchte. Aber dazu müsste man das eigene Hirn einschalten… was uns zur Ausgangsfrage bringt.
Die Standpunkte kann/muß man respektieren.
Nur aus welchem Grund die scharfe Wortwahl??
tapeesa (20.02.2022, 00:11):
Einen Thread zu den Bücher, die aktuell gelesen werden, gibt es ja bereits. Aber als Hörbuch Begeisterter fehlt mir etwas Entsprechendes. Vielleicht teilen ja noch andere meine Freude an diesem Medium.
Das war ja die Grundintention des Threads.
Deswegen die Frage: könnte man diese Diskussion auslagern?

Gruß, tapeesa
Retrobrain (28.06.2022, 18:11):
Mich reißen in den letzten Jahren nicht mehr so viele Bücher mit, daß ich sie nicht mehr aus der Hand lege, bevor das Wort „Ende“ da steht. Mit Hörbüchern habe ich es auch nicht so. Ich habe mal welche versucht, aber schon nach wenigen Folgen empfand ich sie tatsächlich als dilettantisch. Mag aber am Thema liegen.
Ich wollte immer mal Hemmingway lesen und habe mir eine Gesamtausgabe als eBook geladen. Falls jemand eine gute Hörbuchproduktion davon kennt… Gerne auch in der Originalsprache. In deutschen Adaptionen gibt es einen Trend zur Verschlimmbesserung, die ich persönlich absurd finde.
Wie früher, als Fernsehserien nur in „ausgesuchten und editierten„ Fassungen gesendet wurden.